gelbschnabel m
Fundstelle: Lfg. 4 (1882), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2888, Z. 11
1)
ein junger vogel, der noch 'gelb um den schnabel' ist, angewandt auf junge unreife menschen 'die vor der zeit klug sein wollen' Frisch 1, 337ᵇ. ebenso franz. béjaune, eigentlich bec jaunc, nl. geelbek (s. u.gelb 3, b).
a)
gehlschnabel, das sich bis ins 19. jh. auch bei schriftstellern findet: wie dem Rhehabeam geschehen ist, welcher der alten rath verachtete, sich an junge löffel und geelschnebel hienge. Mathes. Syrach 1, 33ᵃ; ein noch junger gehlschnabel. Simpl. 42 K.; wo der feind einen canonenschusz in die festung thut, so verzweifelt der geelschnabel. Weise kl. leute 80, auch erzn. 239 u. ö.; und solche lausichte geelschnäbel sollen sich airs geben, als ob sie mit Shakespears geist blinde kuh zu spielen gewohnt wären! Wieland in Mercks br. 2, 72, auch in den werken gelschnabel 19, 275; der geheimnisse und geheimen gesellschaften aber bin ich selbst in der jugend nicht lüstern gewesen, wo doch die geelschnäbel so leicht von blanken dünsten und schimmern gelockt werden. Arndt erinn. 328. elsäss. gehlschnaikle Arnold pfingstm. 62.
b)
gelbschnabel: aber er war ein junger gelbschnabel, welcher auszer dem vaterland nicht viel pfennigsemmel gegessen hatte. Jucundiss. (1680); man musz die bosheit und den unverstand solcher gelbschnäbel bei zeiten dämpfen. Felsenb. 1, 500; ich weisz noch nicht, wo der gelbschnabel sein gehäge hat. 3, 414; solch einem gelbschnabel die verwaltung seines landes! Fr. Müller 3, 10. als ich, mit der kühnheit eines wagehalsigen gelbschnabels, dir beistand. Göthe 22, 40 (wanderj. 2, 3);
gelbschnabel heiszt man diesen.
11, 244. 247 (Paläophr. u. Neot.).
c)
auch zerlegt gelber schnabel, mehr scherzend, wie jetzt wächter der nacht für nachtwächter u. ä.:
wenn man der jugend reine wahrheit sagt,
die gelben schnäbeln keineswegs behagt.
Göthe 41, 99.
2)
auch der gelbfink, fringilla flavirostris, der steingeier, weiszkopf, falco albicilla und ein falk mit gelber nasenhaut, s. Nemnich 2, 1568.
Zitationshilfe
„gelbschnabel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gelbschnabel>, abgerufen am 16.11.2018.

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