geld n
Fundstelle: Lfg. 4 (1882), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2889, Z. 70
1)
a)
Es ist ursprünglich das einfachste subst. verb. zu gelten (s. d.), daher ahd. kelt, gelt, mhd. gelt und noch nhd. bis ins 18. jh. (s. b); alts. geld n. zu geldan, lohn, vergeltung, zahlung, aber auch noch opfer (s. 2, a). goth. noch mit ungebrochnem vocal gild n. zins, wie gildan, auch langob. in launegild Haupt 1, 555, widrigild RA. 652, fränk. widrigildus 653 und noch ags. gild, gyld neben gield n., wie auch gildan, gyldan, gieldan; altn. gjald (giald) wie gjalda (gialda), daneben gildi n. mnd. gelt, geldes, wie mnl. ghelt, gheldes, nnl. geld. altfries. jeld (geld), neufries. jeld, jild Richth. 840ᵃ, altengl. ʒeld, ʒield, yeld (vgl. engl. to yield), mit dem anlaut wie auch bei uns im 16. jh. yeldt (sp. 1108) in nordöstl. mitteldeutsch, nach der aussprache die noch dort gilt, während nordengl. geld a tax or imposition (s. 2, c) Halliwell 396ᵃ im anlaut zur oberd. form stimmt. schwed. gäld m., norw. gjeld f., dän. gjeld schuld (s. 3, g) neben gälda, gjelde bezahlen, gelten.
b)
auch nhd. ist gelt anfangs das vorherschende, man fühlte es noch deutlich mit gelten zusammengehörend, wie noch gegenwärtig entgelt und entgelten, obschon man auch auf entgeld verfiel, z. b. Lessing 3, 47; bei einer beutetheilung am tag nach der schlacht:
des morgens blies man zu der beut ..
harnisch und pferd, das ward vil wert,
es tet vil geltes geiten (einbringen).
Liliencron 1, 537ᵇ, vergl. geldgültig;
virtus post nummos, ist gelt da, so gelts. Frischart podagr. trostb. 653 Sch., für gilts dem anklang von gelt zu gefallen; noch im 17. jh.: wer nicht gelt hat, der gilt nichts, denn was gilt, das ist gelt. Lehman flor. 1, 168. am längsten hielten die Oberdeutschen an dem -t fest, in den wbb. z. b. gelt, gen. gelts Dasyp. 338ᵇ, gält, gälts Maaler 154 fg., im 17. jh. gelt, geltle Schönsleder T 5ᵃ, Henisch 1462 ff. (auch noch gelte dat. 1465, 6), selbst im 18. jahrh. noch: das gebet ist ein gelt, ein zelt u. s. w. Conlin narrenwelt Augsp. 1709 5, 450; es ist ein gelt, mit dem man alles zeitliches und ewiges kan einhandeln. 451, neben geld, gold und geld 471fg., geldnarr 3, 104 ff.; in Denzlers clavis Basel 1716 2, 127 nur gelt. im 16. jh. oft gellt, z. b. Brant 46, 51, Luther bei Dietz 2, 60 fg., Kiechel 433.
c)
geld stammt von nordd. einflusse. auch oberd. zwar schon früh z. b. gelde (: selbe) Diemers gen. 104, 3, aber nur dem erweichenden l zu gefallen und ohne das sprachbewusztsein zu stören (Weinhold bair. gramm. 151, vergl. schon altfränk. geldom neben gelton unter 2, a), wie im Lohengrin 4226 im reim auf velde (vgl. doch Rückert s. 269); md., in demselben reim, gelde Herbort 1863, pass. K. 600, 20, im Leipziger Sachsenspiegel durchgehend gelt, geldes, wie zwigelde (s. 4, f), gelden, vergelden (s. z. b. u. 2, e), auch schon geld II, 11, 3, in den Magdeb. fragen s. 176 gelt, geldis, wie gelden. im 15. jh. z. b. in einer Erfurter gerichtsordnung gelde neben gelt Michelsen rechtsd. 346, aber auch schon geld 348, daneben vermittelnd geldt 354; vgl. u. 3, h schon bei Rothe geld (: feld). bei Luther ist anfangs gelt die form, auch noch in den schriften Jenaer ausg., aber in der bibel von 1545 geld 1 Mos. 23, 9 ff., doch wieder gelt 5 Mos. 14, 25 ff. 2 kön. 12, 9 ff.; auch bei S. Frank in den sprichw. unter lauter gelt (gelte dat. 1, 119ᵇ) doch einzeln geld 1, 33ᵃ. 118ᵇ, wie bei H. Sachs 4, 231 K. dann geld z. b. Mathes. Sar. 64ᵇ ('geld oder feld') neben gelt 160ᵇ; s. auch schon gelddieb, geldpeen in der Carolina, geldnarr Alberus, die entscheidung dafür gieng vielleicht von den Hansestädten aus, die ja auf das geldwesen einflusz haben muszten. übrigens suchte man noch im 18. jh. die fühlung mit dem zeitwort wiederzugewinnen: dem es unmöglich ist, mehr geld aufzubringen, als die früchte seines hofes gelden mögen. Möser phant. 3, 118, umgekehrt wie am ende des 17. jh. Stieler 680 'gelt, pl. gelter, non geld, ut fere omnes scribunt, est enim immediate a gelten.'
d)
der pl., jetzt und schon im 17. jh. gelder, war im 16. jh. noch gelt, wie mhd.: umb zwei gelt. Luther 3, 112ᵇ, s. 4, f; oberd. noch später: die ewige gelt. Münchner gantordn. von 1616 Schm.² 1, 906.
e)
neben dem n. galt ursprünglich ein masc., ahd. mhd. und oberd. noch später, z. b.:
mîn grôʒer gelt (schuld) ist abe geslagen.
Walther 100, 26 in A;
zwai fueder weingelts, den sy uns geben haben von alter her zue (als) zins in unsern keller .. denselben gelt .. mon. bo. 2, 478; noch im 17. jh.: ein haus umb den verfallenen ewigen gelt .. pfenten .. in maszen (wie das) umb solchen ewigen gelt der statt München recht ist. 19, 230, v. j. 1612, Schm. 2, 43; vergl. den wechsel von m. und n. unter 3, a, β, mit verschiedner färbung des begriffes, das n. von einer geldsumme. das m. schon fränkisch nach duos geldos, widrigildus neben widrigildum RA. 653. es ist wie ahd. mhd. tranc m. und n., sanc m. und n.
2)
gelt bezeichnet ursprünglich jegliche leistung die zu entrichten ist, besonders gegenleistung, eben wie gelten.
a)
ursprünglich religiösen hintergrund zeigt es in der bed. opfer, alts. geld lêstian an them alaha (tempel) Hel. 528 u. ö., ahd. kelt vel ploostar, caeremonia Graff 4, 191, wie in dem fränkischen taufgelöbnis der täufling absagen muszte allêm thêm bluostrum indi dên gelton indi dên gotum, thie im heidene man zi bluostrum indi zi geldom enti zi gotum habênt Müllenhoff u. Scherer denkm. LII, 5, dargebrachtes opfer und zugleich gottesdienst überhaupt; ebenso ags. gield Grein 1, 507, brynegield brandopfer, vergl. Grimm myth. 43. es ward auch auf den christlichen cultus übernommen, in der Ambraser beichte bekennt sich der beichtende schuldig an dero firsûmidi .. mînes zehenten unde anderes gotes geltes unde opferes denkm. XC, 153, der kirchenzehnte ein gotes gelt, diesz aber auch zugleich noch allgemeiner, gottesverehrung überhaupt: gotes gelt, kotekelt ceremonia Graff 4, 191. 193. auch das ags. wort bezeichnet geradezu cultus, ja mit einem merkwürdigen umsprung des begriffes numen und idolum Grein 1, 508, die verehrte gottheit selbst, godegyld götzenbild, hædengild, deófulgild die götzenverehrung und das götzenbild, jenes auch ahd. in tiefalgelt, heidangelt idololatria, sacrilegium, alts. diobolgeld im taufgelöbnis denkm. LI, 3. 4, vielleicht eben von den angelsächsischen bekehrern her (vergl. unter kirche 4, a).
b)
mit dem religiösen gebrauch wird ursprünglich zusammenhängen der gebrauch im rechtsleben (war ja der priester zugleich der rechtskundige), zuerst vielleicht als wergelt, ahd. werigelt, wirigelt, lat. wirigildus u. ä., altn. manngjöld pl., s. RA. 650 ff., eig. der ersatz für einen erschlagenen, den der thäter und seine sippe der beschädigten sippe zu leisten hatte, womit der weg der blutrache abgeschnitten und friede und sühne gewonnen wurde, auch widrigelt, d. h. ersatzleistung (s. e), altfries. jeld schlechthin Richth. 840 fg., auch ags. in þrŷgild dreifaches wergelt, vgl. novem geldos solvere u. ä. RA. 654, im 14. jh. in den Magdeb. fragen s. 188 das gelt der berichtunge umb den totslag, auch noch mangelt Haltaus 1303, manngelt im 15. 16. jh. Kehrein samml. 10ᵃ; der begriff von wergelt erweiterte sich früh zu dem von schadenersatz für persönliche verletzung überhaupt. wie das wort dabei als subst. verb. gefühlt war, zeigt z. b. altn. ver veginn gjalda, den erschlagenen gatten 'gelten' Saem. 233ᵃ (165ᵃ Möb.). auch der mann selbst als 'gelt' gegeben in altn. gjalda gisla, geiseln stellen, leisten, übergeben Egilss. 244ᵇ, daher ags. z. b. Seth, nach Abels ermordung geboren, für die ältern wäs Abeles gield, ersatz, entschädigung Cädmon gen. 1104 ff., s. Grein 1, 507, Dietrich bei Haupt 10, 312, und noch mhd. davon ein nachklang in Rüdigers worten als wirt zu seinen gästen:
spannet ûf, ir knehte,   die hütten an daʒ velt.
swaʒ ir hie verlieset,   des wil ich wesen gelt.
Nib. 1599, 2,
dessen eigentlicher sinn selbst jetzt noch deutlich anklingt in unserm ich stehe dafür (ein), eigentlich stelle mich selber zum ersatz, eigentlich als geisel, dann als bürge (vergl. die entwickelung von geisel). ähnlich auch noch, wenn Christus sich als gelt für die menschheit hingibt: derselb hat uns geben .. sein heilige seel und leben zu einem gelt, uns zu einer erlösung. Keisersb. seelenpar. 194. der begriffskern ist voller ersatz für den schaden, mit dem die geschädigten voll und ganz befriedigt sind (die berichtunge vorhin), also im grunde eine art gegenleistung.
c)
ganz früh erscheint auch schon die bed. abgabe, leistung an den herrn. goth. in der versuchenden frage an Jesum: skuldu ist unsis kaisara gild giban, þau niu? Luc. 20, 22, kaisaragild giban kaisara Marc. 12, 14, gr. φόρον, κῆνσον (censum), vulg. tributum, ahd. mhd. zins Tat. 126, 1, Walth. 11, 22. in ahd. glossen ist gelt census, vectigalia, s. weiter 3, a. dasz auch das mit dem religiösen gebrauch einen ursprünglichen zusammenhang hat, dafür spricht schon der umstand, dasz auch ein andres subst. von geltan die doppelte bedeutung zeigt, ahd. gelstar sacrificium und tributum, vectigal Graff 4, 194, goth. gilstr n. (für gildstr), φόρος, tributum Röm. 13, 6.
d)
der begriff der gegenleistung tritt mhd. recht deutlich heraus in einer ausführung Thomasins von der milte und dem rechten geben, das auf gelt, gegengabe dabei nicht rechnet:
der ist wol ein bœse wiht,
der an den gelt gedenket iht,
swenner iht geben sol ...
der ist ein koufman gar,
der durch gewin gît, daʒ ist wâr.
swer durch milte geben wil,
ahte ûf gelt niht ze vil u. s. w.
welscher gast 14325 ff.
und entsprechend gelten, einen gelt, gegengabe geben:
diu milte nimt (läszt sich nur dann geben), swenn si wil
gelten mêr od alsô (ebenso) vil.
14338,
auch kräftiger und noch für uns ohne weiteres deutlich vergelten:
der ist gar ein bœse wiht,
der sîn milte derumbe lât,
daʒ man im niht vergolten hât.
14348.
dann vielfach auch bildlich, z. b.:
diu triuwe gelt von rehte hât.
Barl. 178, 26,
die treue musz von rechtswegen mit treue erwidert werden;
ich sanc hie vor den frowen umb ir blôʒen gruoʒ,
den nam ich wider mîme lobe ze lône.
swâ ich dés geltes nu vergebene warten muoʒ,
dâ lobe ein ander, den si grüeʒen (conj.) schône.
Walther 49, 14;
(der könig) bôt und gap den sînen allen grôʒen solt,
daʒ im in strîte ir manheit würde ze gelde (als gegenleistung).
Lohengrin 4226.
auch von wechselleistung hinüber und herüber (vgl. ahd. 'vicissitudo', auch mhd. gelt wider gelt u. 3, f):
dô moht man schouwen ûf der plân
vil manic hêrlîch gezelt,
dâ was rîcheite gelt
wider eînander gekêret.
Wigal. 236, 32,
pracht und pracht antworteten einander hin und her, wie gelten, z. b. vom vogelsang in einer linde vor dem walde und diesem selber:
die stimme gap hinwidere
mit gelîchem galme der walt.
wie dâ sanc sange galt!
Iwein 620.
selbst in gelt und gelten von abgaben kann gegenleistung der eigentliche begriff sein, als gegengabe für schutz und schirm, vielleicht schon in dem begriff opfer, als gegengabe für gewährte oder erbetene gunst der götter.
e)
auch der begriff ersatz, erstattung, jenem nahe liegend und oft damit zusammenfallend (vgl. unter b), nhd. 'retributio', erscheint mhd. noch in klarem bewusztsein, immer hand in hand mit gelten gehend; z. b.:
swaʒ mir (Jacob als hirten) wolf oder diep genam,
des woltes du (Laban) vone mir gelt haben.
genesis fundgr. 46, 20,
vergl. im Schwabensp. 180, 6 swaʒ im (dem hirten) der wolf und der rouber nimt .. er muoʒ eʒ gelten;
nieman ne dorfte sân (säen) ...
want ime ne gab daʒ felt
noh sâ sînes sâmen gelt.
62, 18,
erstattete ihm nicht einmal seine aussaat, bei einer groszen dürre;
den schatz weiʒ nu nieman   wan got unde mîn (Hagen) ..
si (Kriemhild) sprach: sô habt ir übele   geltes mich gewert.
Nib. 2309, 1,
bösen schadenersatz für den raub des hortes gegeben, mit bezug auf den rechtsgebrauch, wie im folgenden;
ich (Kriemhild) solʒ alsô schaffen,   daʒ mîn râche ergê ..
an sînem argen lîbe,   der mir hât benomen
vil der mînen wünne:   des sol ich nu ze gelte komen.
Nib. 262, 3 Z.;
ein mort und zwêne roube,   die mir sint genomen,
des möhte ich vil arme   noch ze liebem gelte komen.
266, 5.
es stammt aus dem rechtsgebrauch (vgl. b), z. b.: wundet man ouch einen man an ein gelid, daʒ ime (schon einmal) vergulden ist vor gerichte, howet man eʒ ime sân sûber abe, her enmac nichein hôer gelt dâr ervorderen denne sîne bûʒe. Sachsensp. II, 16, 9, vergl.§ 5, wie man ein gelähmtes glied gelden muszte mit eime halben weregelde; tûn sie (seine leute) schaden .. âne sînen rât und âne sîne tât .. her blîbt es (gen.) âne gelt und âne laster. III, 78, 9, im Schwabensp. 132 er belîbet âne gelt. der begriff der erstattung wird auch deutlicher ausgedrückt mit widergelt (vgl. u. b, auch 3, f), jetzt mit entgelt (ursprünglich auch ungelt Schm.² 1, 907, eig. úntgelt), aber von haus aus ist gelt selbst schon erstattung, gegenleistung für einen schaden, die der schädiger gibt oder die man sich von ihm nimmt. ebenso gelten erstatten z. b.: wirt dem kneht sîn eigen guot verstolen oder geroubet in sînes herren dienste ... der herre sol im gelten. Schwabensp. 213, musz ihm ersatz, gelt leisten, man bemerke das fehlende eʒ, doch auch daʒ (vieh) muoʒ er gelten 278, ersetzen, mit vieh oder zahlung. das geht auch in den begriff busze über: der da gebricht, der gebe gelt. Graf u. Dietherr rechtssprichw. 320 (s.gebrechen 1, b).
3)
die weitere entwickelung geschah im gemeindeleben und verkehrsleben, immer mit gelten hand in hand.
a)
abgabe an den herrn (s. 2, b), an den eigenthümer, die behörde u. ä., census gelt Dief. 112ᵇ aus vocc. d. 15. jh., es heiszt auch gülte (s. d.).
α)
so mhd. und noch nhd. (vergl.ε): swâ man eins niwen dorfes beginnet mit niwem bûwe, dâ mac des ertrîches herren wol gelt oder zins (census) abe werden, alsô daʒ den bûliuten halbeʒ korn belîbe und dem pfaffen der zehende. Schwabensp. 133, der oder das gelt besteht in korn; zway meʒ geltes Amberger mâʒʒe. mon. bo. 24, 426, Schm. 2, 42, gelt schlechthin von kornzins, so geläufig und vorherschend war er; ûf dem Riet ist (liegt) ouch ein gelt, das heiszet banmiet, das hât vergulten (eingetragen) bî dem meisten eins jâres vij 1⁄2 pfunt, bî dem minsten vj pfunt Costenzer (pfenninge). habsb. urb. 269, 7, der wert in geld geschätzt, während phennincgelt abgabe in geld Lex. 2, 239 zeigt, wie wenig noch gelt und unser geld zusammenfiel; aber auch von vieh, eiern, fischen u. a. (s. R. Schröder zu den weisth. 7, 398 ff.): an sant Walpurg tage sô ist verdienet (fällig) der lember zehende gelt. Schwabensp. 182, 2; hundert eyer gelts, ij cappen (kapaunen) gelts, ein sester erweiszen (erbsen) gelts. Scherz 515, 15. jahrh.; hat ain her von Costenz ally jar ze Gottlieben drü zehen tusent gangfisch järlichs gelts ... ab den guͤtern als hernach stat. weisth. 4, 416, 16. jahrh., vergl. zwei fueder weingelts (m.) u. 1, e; gelt in öl: ain phunt pfenning und ain mätzen öls aigens und ewigs geltes (s.γ) us ainem hof. mon. bo. 23, 290, v. j. 1396. auch von zoll, z. b. der waʒʒer (flüsse) gelt, in einer klage über karge herren:
diu strâʒe und al der waʒʒer gelt
daʒ dienet in, und siht man si doch kleineklîche zern.
MSH. 2, 230ᵃ.
noch in der gemma vectigal, zol vel gelt Dief. 608ᵇ, vgl. noch jetzt brückengeld gleich brückenzoll u. ä. unter ε, auch ahd. unter 2, c.
β)
auf seiten des herrn oder eigners gewinnt das die bed. einnahme, einkünfte, rente:
verwunden hette ir (der fürsten) lant
beide roup unde brant,
sie wâren (wieder) kumen zû gelde
an walde und an gevelde,
drîʒic tûsent marke wert
was ir gelt und ir wert.
Herbort 861 ff.;
der künic mîn herre lêch mir gelt ze drîʒec marken.
Walther 27, 7,
gab mir ein lehen das mir jährlich 30 mark giltet;
dô gap in (den pfaffen) êrste geltes teil der künic Constantîn.
10, 29,
antheil an den abgaben, einkünften; gelt von mülen unde von zolne und von munze unde von wîngarten ist verdienet (dem lehnsherrn fällig), swenne der zinstag kumt der ime zu geldene bescheiden ist. Sachsensp. II, 58, 2, gelt und zins wechselnd (vgl.geldtag); ên gût in gelde heven, in nutznieszung. lehnr. 14, 1; diu herschaft hât Johanne und Heinrîche ze Louben die müli ze Machdoltzheim mit allem rehte und x vierteil roggen geltes an der almeinde ze Rûmersheim gegeben ze rehtem burglêhen. habsb. urb. 33, 15, wie es das. immer heiszt, ein gut giltet ze zinse so und so viel roggen u. s. w., hat zu entrichten und bringt ein. auch was das einkommen gewährt, hiesz kurz gelt, z. b. das schiff einer armen fischerfamilie, wie sonst z. b. korngelt allodium, lêhengelt wb. 1, 523ᵇ:
geltes heten si niht mê
niwan ein schif daʒ si truoc.
Wigal. 137, 32.
vom zinspflichtigen hiesz es auch einem (als herrn) zu gelte sitzen, s. Scherz 515.
γ)
dazu ein gelt kaufen, einen jährlichen zins, eine rente um das sie begründende capital Schmeller 2, 42: ich ... hab kauft ... auf des L. Sweller haus ... funf pfund dn. jarlichs gelt. Ott Ruland handlungsb. 16; also (durch die fortwährende entwertung des geldes) ligt der pfründner, so aus unglauben im ein järlich gelt und leibgeding kauft hat, etwas (d. h. gar sehr) im schaden. S. Frank chron. 1536 1, 298ᵃ. ein ewig gelt, ewiger zins, d. h. von einem angelegten capital, das für immer unablöslich ist oder vom darleiher nie gekündigt werden kann Schmeller a. a. o.: der ewig gelt get aus des N. N. haus ... wenn man denselben ewigen gelt (zins) löst, so sullen wir unsern tail einnemen und dasselb gelt (das eingenommene geld) zustund widerumb anlegen an einen andern ewigen gelt. monumenta boica 18, 134, mit bemerkenswertem wechsel des geschlechts; wenn wir (das St. Clarenkloster zu München) hie ewigs gelt in der statt kaufen oder das uns ander leut ewigs gelt übergeben an erbtail oder sünst, so sigeln si (der rath) uns die prief mit der statt sigill und wir geben in gar nichz für das sigelgelt. weisth. 6, 180, 16. jh., vgl. aus dem 15. jh. im Augsb. stadtbuch 296fg., auch unter 1, e.
δ)
dabei tritt natürlich unser begriff von geld in den vordergrund, nach dem das oder der gelt in seinem werl abgeschätzt wird, vgl. schon u. α aus dem habsb. urbarbuch, u. β Walther; im j. 1313 wirt ain phunt geltes geben umb 25 phunt phenning (also 4 proc.), im jahre 1370 33 schilling pfenning geltes umb 100 pfunt haller (also etwas über 3 proc.) Schmeller 2, 42, s. ebenda vom gulden gelts als rechnungseinheit beim abschätzen der güter und seinem sehr verschiednen ansatz, eigentlich der pachtgulden, zinsgulden, vielleicht in vermischung mit gülte (s. 4, a a. e.). von der geldsumme, die durch eine abgabe oder steuer zusammenkommt: wo das eingenomen gelt hinkomen sei? zu sagen: des geltz sei ein groszer tail nit gevallen (eingegangen). Frankf. reichscorr. 2, 477, mittheilung des kaisers wegen einer ausgeschriebenen steuer, v. j. 1487, und wie das in die heutige bed. übergeht, zeigt das nachher folgende: und wo sein keis. gnade dazwischen mit irem aigen gelt nit furgehalten, hett die noch merklichen schaden .. daraus leiden müssen. das., welches aigen gelt doch auch noch das einkommen sein kann; das dann der rat derselben stat (Worms) ain erber verstendig geschickt person irs rats darzu verordnen, der mit sampt andern das gelt .. mit einnemen, keren, wenden und verrechnen soll. Haltaus 1083, v. j. 1495; zölner hiesze man dazumal die leut .. so von den Römern eine stad, zol .. oder ampt bestunden (pachteten) und inen ein genant gelt davon gaben. Luther bei Dietz 2, 60ᵇ, eine bestimmte summe als abgabe, pachtzins.
ε)
für abgabe auch nhd., zum theil bis in die gegenwart:
es macht' in Frankreich viel geschrey,
als man daselbst das wasser schätzte,
und ein gewisses geld auf alle brunnen setzte.
Wernike 1704 358 (1762 257),
vgl. im 15. jh. das aufgesatzt gelt von einer reichssteuer Frankf. reichscorr. 2, 500. H. Sachs dial. 36 zählt lasten auf, von denen die geistlichen ausgenommen waren: reisgelt (kriegssteuer), wachgelt, steuergelt, zinsgelt, lehengelt, zolgelt, ungelt. noch Frisch 1, 337ᶜ setzt mit an 'geld, so man den obern gibt, vectigal, tributum' und führt auf brückengeld, kopfgeld, marktgeld, waaggeld, wachgeld, abzugsgeld, die groszentheils noch in geltung sind besonders in städtischem gebrauch, für marktgeld auch budengeld Ludwig 724, standgeld, neben brückengeld auch noch wegegeld, chausseegeld, bei Ludwig 725 aus dem verkehrsleben in häfen kraangeld, wägegeld, lootsgeld, ewergeld, lichtergeld. s. auch herdgeld, feuergeld, schoszgeld, schutzgeld, leibgeld.
b)
ebenso dann von allerhand andern gebühren, die zu entrichten sind an gericht, amt, behörden u. a.: wenne scheppin ein unbeschulden orteil loszen holen (anderwärts einholen), des sy (selber) nicht enwissen adir eins syn, wer das gelt dorzu schuldig ist zu legin, scheppin, cleger adir antworter (der verklagte), adir wer is gebin sulle von rechtis wegin? Magdeb. fragen s. 62, die antwort ist, wer verurtheilt werde, der sal das orteil geldin; es heiszt das orteilgelt s. 75, bescheidgeld, spruchgeld Schottel 506ᵃ. 505ᵇ, das. gerichtgeld, leggeld sporteln; vergl. gebietgelt, gebotgelt citationsgebühren, rufgeld Schottel 507ᵇ, auch klaggelt, redegelt, bei Frisch 1, 337ᶜ strafgeld, siegelgeld (s. a, β a. e.), schlüsselgeld, einschreibgeld, einstandgeld, einführgeld, fanggeld, schieszgeld, thorgeld, sperrgeld, schulgeld. nach den statuten von Rügenwalde v. j. 1662 muszte, wer dort in die schneiderinnung aufgenommen wurde, u. a. entrichten 2 gulden werkengeld, 1 gulden mauergeld e. e. rath, auch 1 mark stuhlgeld, 1 mark fenstergeld Schott land- u. stadtr. 2, 116, in die stadt wurde man aufgenommen kegen erlegung des gunstgeldes 119. ähnlich dann postgeld, stallgeld, halfter- oder zaumgeld Frisch, auch gegenseitig, z. b. krankengeld, das einer in eine krankencasse einzahlt und im krankheitsfalle als zahlung erhält, so auch sterbegeld und sterbecasse u. a.
c)
lohn, eigentlich gegenleistung für einen dienst:
von der künftigen welt,
dâ uns ist bereit daʒ gelt
nâch übel und nâch guote.
Barl. 96, 22;
si (die welt) git am jungsten böses gelt,
wie suesz ist ietz ir gigen.
Hugo v. Montfort 115 Bartsch.
so mhd. dienstgelt, vergeltung eines geleisteten dienstes Parz. 327, 4, noch jetzt, von geld im heutigen sinne, fährgeld, trinkgeld, küchengeld das die gäste in die küche geben. in den begriff miete übergehend schlafgeld für eine schlafstelle, tischgeld für einen tisch, kostgeld, noch anders lehrgeld u. ä.
d)
lohn oder gegenleistung für gelieferte arbeit oder waare, preis (vgl.gelten kaufen, kaufgeld, ags. ceápgild, altn. kaupgiald); sprichw. wie gelt, so arbeit. Henisch 1477, 12; gulden gelt, gulden arbeit, so gieng es recht zu aller zeit. 1468, 34. mit der praep. in: so soll der hafner einem paumeister (seine arbeiten für die stadt) .. ein jedes in seinem gelt verzeichnet geben. Tucher baumeisterbuch 104, 15; so haben seine dink (des stadtwagners arbeiten) vast ein gestimpt gelt, was (für swaʒ) er macht. 101, 34, festen preis; auch das er gute arbeit mach ... und die auch in gleichem gelt geb. 109, 9; es was in disem jar ain merkliche tewre ... insonder wein und koren was in gröszerem gelt. Baumann qu. z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 182; also (weil der wert des geldes fällt) ists gleich wie vor, da es wolfeil war, allein das alle ding in hoherm gelt schwebt und man jetz der creüzer, vor (vorher) der pfenninge spilt. S. Frank chron. 1536 1, 298ᵃ, also das gelt im alten sinne steigt, wie und weil das geld in unserm sinne fällt; es sol auch ein ieder fleischhacker .. ein ieglich fleisch geben in dem gelt und wert wie es dann ie zu zeiten gesetzt ist (von raths wegen). Nürnb. poliz. 233 (vergl.wert ist oder gilt 238), 'gelt und wert' bestimmt die besondere färbung des begriffes, der sich nun ausweitete und darum solcher bestimmung bedürftig ward, wie oben gelt oder zins u. ähnl., gelt und schult g a. e., gelt und gut 4, a, aber immer in fühlung mit gelten, dessen reiche entwickelung eigentlich zugleich gegeben werden müszte; vergl. auch vom geldwert u. h.
e)
daher auch für kosten, d. h. der begriff auf der seite des empfängers oder schuldigen zahlers (im geraden gegensatz zu gelt als einnahme a, β): ab .. der burge würde gemanet umme das orteilgelt und umme dy koste, dy doruff gehen mochten. Magd. fr. 75, die betheiligten müssen ir gelt dorzu legen, vgl. u. b. daher auch ûf sîn gelt, auf seine kosten: so solle der selbe Johannes .. auch die traufe fahen und die rinnen (traufrinnen) uf sin gelt halten ane Jorgen Ernstes (seines nachbars) schaden. Michelsen rechtsd. aus Thür. 393, v. j. 1482. der begriff hatte im rechtsleben eine natürliche anknüpfung an den begriff schadenersatz (2, e) und entwickelte sich von selbst daraus, sofern derselbe in geld abgeschätzt wurde: einis lambis gelt daʒ sint vier phenninge, des schâfis achte, einis jârigin swînis drîe schillinge u. s. w. Görlitzer landr. 36, 3, Homeyer Ssp. II, 2, 193, d. h. eigentlich das weregelt der thiere, mit dem man sie dem geschädigten eigner giltet, beträgt so viel, s. Sachsensp. III, 51 und bei Homeyer Ssp. I, 391 des lammes lôsinge sint veir penninge u. s. w., aus dem weregelt der thiere aber ward ihr wert, preis, kosten.
f)
auch die zahlung hiesz einfach gelt (ahd. pensio), als subst. verb. zu gelten zahlen, entrichten.
α)
so mhd., wenn Rud. v. Fenis die Minne mit bœsen geltæren vergleicht, bösen schuldnern,
die wol geheiʒent und geltes nie dâhten.
minnes. frühl. 80, 16,
gute versprechungen machen und dabei an das zahlen gar nicht dachten. so ein gelt, eine schuldige zahlung: gelobit ein man deme andirn vor richter unde vor scheppen .. ein gelt zu geldene (var. gebene) .. bŷ al sŷme gûte. Kulm. recht 3, 123. im kaufmannsleben zeigt es der bildliche gebrauch von kämpfenden (vgl. u. geben 9, b), genauer rückzahlung einer entliehenen summe, z. b. von Iwein und Gawan im kampfe, die dabei als wehselære, koufliute gedacht werden:
sine heten nie mêre
in alsô kurzen stunden
sô vollen gelt vunden:
si entlihen nie einen slac,
wan dâ der gelt selb ander lac.
Iw. 7214 ff.,
der gegenhieb als gelt, rückzahlung einer anleihe; auch in einer feldschlacht:
dâ gab man gelt wider gelt.
livl. chron. 4499,
rückzahlung immerfort hin und her (wie wehsel Iw. 7209, vgl.sperwehsel, das hin und wieder fliegen der speere), vgl. unter 2, d von wechselleistung hin und her, der fliehende aber, mit bitterm witze, gibt fersengeld (s. d. und geben 22, g, γ).
β)
daher auch widergelt, rückzahlung (vgl. u. 2, e), wie slac und widerslac Karl 7402:
er .. wolde in widergelt
geben, daʒ sie ûf daʒ velt
hatten im zer Mimele brâcht.
livl. chron. 4536,
eigentlich widergelt für das gelt, das sie u. s. w., vgl. dâ wart des tôdes widergelt 508 von einer blutigen wahlstatt, rückzahlung hin und her.
γ)
da tritt denn auch die vorstellung des baren geldes deutlicher vor, noch mehr, wenn nach dem gelt (ein bote) geschickt und es auf der wage zugewogen wird (s. weiter 4, a):
si entlihen bêde ûʒ voller hant
und wart nâch gelte niht gesant ..
unde vergulten an der stat.
Iwein 7165;
ie dâ gein Karles lôt (aufs genaueste)
wolt er wegen bereiteʒ gelt.
Wolfram Wh. 256, 23;
das geld an sich heiszt doch lieber noch guot (vgl. 4, a):
si entlihen ûʒ ir varende guot.
Iwein 7191;
der des andern guot entnimt,
swenn eʒ ze geltenne gezimt,
daʒ er im geltes ist gereit.
7997.
noch im 16. jh. erscheint es mit zwei seiten, als geld und zahlung, z. b. heimlich gelt von bestechung:
dann aigen nutz, unfertig guͦt
manchem jetzund gar wol thuͦt,
dar zuͦ ouch ander heimlich gelt,
das man jetz nimpt in aller welt.
Gengenbach 67.
so gelt für bestechung im eide der kurfürsten i. j. 1400: so wil ich geben myn stimme und kore ane alle globde (versprechen), gelt, miete oder wie man das genennen möcht. Frankfurts reichscorr. 1, 526.
g)
die verbale natur erscheint besonders deutlich in gelt als schuld (im vollsten gegensatz zum heutigen geld); vgl. geldschuld.
α)
schuldige zahlung oder unerfüllte leistung die als solche auf einem liegend oder ihn umgebend gedacht wird (vergl. in schulden stecken): ist daʒ iemen in gelt gevallet einem oder mê liuten. Augsb. stadtb. 226, der dat. noch vom zeitwort her, wie es nachher daselbst heiszt swem er danne gelten sol, da ist gelt was man einem ze geltenne hât, es heiszt auch gülte das. 224, mit dem andern subst. zu gelten, das auch in der bed. 3, a mit gelt zusammenfällt;
frô Welt, ir solt dem wirte sagen
daʒ ich im gar vergolten habe,
mîn grôʒer gelt ist abe geslagen (eigentlich vom kerbholz),
daʒ er mich von dem brieve schabe.
Walther 100, 26 nach A,
in C mîn grœste gülte; daʒ (die verstorbnen eltern ihre kinder) in grôʒem gelt gelâʒʒen hânt. mon. bo. 23, 38, wie ein kaufmann zu einer frau, der er mit einem andern, seinem compagnon, ir grôʒeʒ guot aufzuheben gegeben:
gebent mir daʒ guot, eʒ tuot mir nôt,
wan mîn geselle der ist tôt,
in grôʒem gelt bin ich gelân,
daʒ ich allein muoʒ understân.
Boner 72, 29,
er hat mich in schweren verbindlichkeiten verstrickt hinterlassen, die ich nun allein auf mich nehmen musz, eine hs. setzt in groszen schulden; swelich gelt vorgoldin wirt nâch des mannis tôde .. Görlitzer landr. 46, 9, die verbindlichkeiten von den erben berichtigt, entsprechend ist swaʒ der man schuldich is das. nachher, im Sachsensp. entspricht die schult gelden I, 6, 2. ein gelt, eine schuld: ein schuldiger, der ein gelt schuldig ist. Kulm. recht 3, 119; swelich man umbe ein gelt geschuldigit is ... unde des geldis bekennit. 46, 5, sich zu der schuldigen zahlung bekennt.
β)
auf seiten des gläubigers schuldforderung: und als man in der alten ê an dem fünfzegosten jâre daʒ gelt varn lieʒ, alsô wil der hailige gaist hiut och daʒ gelte der sünde allez sament varen lâʒen. Grieshabers pred. 1, 37; mîn gelt, meine schuldforderung: sweme man penninge oder silver gelden sal, ne wardet he des tôme rechten dage nicht (stellt sich nicht ein am zahltage), he ne hevet dâr mede sîn gelt nicht verloren. Ssp. II, 11, 3; gelobit ein burger bî alle sîme gûte eime andirn .. ein gelt zu gebene und (wenn) ûf den selben burger andir lûte vor solchem gelubede ir gelt irstanden haben mit rechte (ihre forderung gerichtlich durchgebracht), sô sal man zû vor dén lûten ires geldes helfen .. dornôch helfe man dem manne sînes geldis. Kulm. recht 3, 121, nachher helfen sînes gûtis, wie im Ssp. vorhin penninge oder silver (var. gut) wo das geld selber vorgestellt ist, und doch sieht man schon den begriff in den heutigen überschwanken.
γ)
geld als schuld klingt noch nhd. nach: daʒ mir der Hans Gugler .. schickt hat tafeln für 45 [[undefined:poundsign]] und 30 dn. an dem alten gelt. Ott. Ruland handlungsb. 24, als theil der alten schuld; Fricz Wagner von Nurenburg ... ist mir mer schuldig alt schuld ... 262 reinisch guldin ... das gelt solt er mich (so) czalt haben in dy vastenmess. 2; die würt, kostherrn und handwerksleut werden sorgfältig sein, wie sie ihr gelt und schuldt von den studenten einbringen. Fischart groszm. 64 (Sch. 596), 'gelt und schuld', vgl.'gelt und wert' d a. e. noch jetzt z. b. bair. geld auf (den leuten) haben, schulden, auch der man hat vil gelder, schulden Schm.² 1, 905, schweiz. umgekehrt er hat viel gelt auf den leuten, multum pecuniae illi debetur Denzler 2, 127ᵃ. auch im gemeinen deutsch ist der begriff noch wiederzuerkennen in geld von auszenständen, z. b.: und (ich) bei einem ehrlichen wolhabenden mann .. so viel geld stehen hab. Schuppius 256 (245). schwed. gäld bedeutet eben nur noch schuld (altschw. auch zahlung, busze), gäldbunden verschuldet u. s. w., ebenso dän. gjeld, gjeldbog schuldbuch. vgl.gelter, schuldner, aber auch gläubiger (wie gelt die zahlung nach beiden seiten ist), geldbrief, schuldbrief, geldfordern, geldherr gläubiger.
h)
bemerkenswert ist noch gelt als wert (s. u. d und e) gerade vom geldwert, münzwert, valor: unde (der rath setzte fest) de munte to blivende by orem gelde so se tovoren gulden hedde. städtechron. 16, 427, 31, v. j. 1488, gelt als subst. verb. zu gelten, wert sein. anders von innerer geltung oder bedeutung, heraldisch:
vele edelir ist ein guldin feld
danne ein guldin bilde (im wappen).
daʒ silbir hat daʒ selbe geld,
wanne man (nur) die ere ganz hilde.
J. Rothe ritterspiegel 643.
4)
geld im heutigen sinne, eigentlich zahlungsmittel, zu welchem begriff sich der ursprüngliche begriff zahlung verengte und verdichtete.
a)
die herausbildung des begriffes vollzog sich sehr langsam, gelt hatte sich dabei mit andern wörtern, wie schatz, pfenninge, habe, besonders mit guot auseinanderzusetzen.
α)
schon ahd. einmal gelt für aes in einer bibelgl. Graff 4, 191, was nicht wunder nehmen kann, da jeden augenblick dabei statt der zahlung auch der gegenstand der zahlung gedacht werden konnte, vgl. u. 3, f. g wie nahe in mhd. zeit gelt an die heutige bedeutung streift oder darein übertritt; und doch blieb da guot noch das wort, einmal für besitz oder vermögen überhaupt, von geld insbesondere varende guot, vgl. u. 3, f a. e.; mit guot ist z. b. im folg. gemeint was jetzt geld oder capital heiszt:
sô wê dir, guot! wie rœmisch rîche stât!
du enbist niht guot: du habst (hältst) dich an die schande ein teil ze sêre.
Walther 31, 21.
β)
aber gelt für geldsumme oder münze, als pfenninge oder silber, ist es bestimmt, wenn es im beutel oder gêren (s. sp. 2547) klinget:
swenne er maniger hande ware in sînem sacke bringet,
sô wirt im gelt (dem wegelagerer),
dâ von im sîn gêre und ouch sîn biutel dicke erklinget.
Rumelant MSH. 3, 57ᵃ.
gereit gelt, eigentlich baare zahlung (vgl. 4, h): man gap ir dâ vure (der heil. Elisabeth für ihr lîpgedinge) funf hundert lôtige mark, wanne si inwolde nicht nemen danne gereite gelt. myst. 245, 1, weil sie es an die armen vertheilen wollte, bei Ködiz 68, 31 bittet sie, man solle es ihr an gelde geben, im gedichte heiszt es gereide habe und gelt, schatz 7535 ff.; gelobit ein man deme andirn in gehegetem dinge scholt, dy her ime schuldig ist, zu bereitene (bezahlen) mit gereitem gelde ûf einen benûmeten tag. Kulm. recht 3, 118; gipt ein vatir .. sîme kinde zu hulfe in vrûntschaft gereit gelt in sîne gewere. 4, 14; sô spricht jener 'woromme gibist du mir nicht mîn gelt (schuld)?' sô spricht der ander 'dorumb das ich gereiten geldes nicht enhatte'. Magd. fr. 89; (der verklagte schuldner) spricht, her habe iczunt des gereiten geldis nicht. 165. auch nun als ruhender vorrat, als theil der varenden habe gedacht, also von gelten zahlen gelöst: eine vrouwe (als witwe) mag tûn und lôszen mit gereitem gelde unde mit varender habe ... Kulm. recht 4, 8; auch bloszes gelt: gebit (schenkt) ein man sînem wîbe .. in gehegetem dinge benûmet gelt (eine bestimmte geldsumme) adir andir varende gût .. is denne das benûmete gelt alse vil alse zehen mark ... 4, 17. wechselnd mit silber (vgl. u. 4, b): sô verlûset her sîn gelt, das her dorumme (um das pferd) gap, bei nachheriger wiederholung sô verlûset her sîn silbir das her dorumme gap. 3, 127. s. auch clein gelt, münze unter h, β.
γ)
dann werden gern gut und gelt, gelt und gut häufend verbunden (vgl.gelt und wert 3, d a. e.), wie noch heute, mit dunklem behagen am stabreim: was tode hant ist und heiszet, das einer gut unde gelt nach toder hant mag gefordern? Magd. fragen s. 187; was seiner keys. maj. merklichs gutz und geltz darauf gangen were und noch teglichs gienge (bei der kriegsrüstung). Frankf. reichscorr. 2, 477, v. j. 1487; umme geldis und gutis willen. Stolle Erf. chron. 215ᵃ, Haupt 8, 312, aus gewinnsucht; dasz ir (ein wucherer) den gelthaufen grosz machent und vil gelt und gut überkoment. Schade sat. 2, 75;
nach guot und gelt so ist uns gach.
Sander trag. Joh. C ij;
so löblich ist es, gut und geld
und herrlichkeit gar zu verachten.
Weckherlin 182 Göd.;
was fragst du vil nach gut und gelt,
hastus doch nicht bracht auf die welt.
Henisch 1475, 36;
was frag ich viel nach geld und gut,
wenn ich zufrieden bin.
J. M. Miller in Vossens mus. alm. 1777 s. 10.
ursprünglich freilich wird auch darin der unterschied beider gemeint sein, wie z. b. im folg.: sô ist daʒ gelt verloren und niht daʒ guot. Schwabensp. 184, der zins (für dieses jahr), aber nicht das eigen oder grundstück; ich leihe im (der wucherer dem bauer) das gelt, er reicht mir ein jar zwei oder drei die gült, darnach so nem ich das gut an und stosz den bauwern darvon. so überkom ich das gut und das gelt. Schade sat. 2, 74, also gut und gelt im grunde wie jetzt capital und zinsen (vergl. u. geldschuld) und jenes hiesz auch verdeutscht hauptgut, mhd. houbetguot (denn guot war und hiesz ja auch der zins, das gelt), noch im 16. jh. z. b. vom zins als gelt, wuchergelt unterschieden:
zuͦr zeit des zils summ ich (der wucherer) all sach
und wuͦchergelt zuͦ hauptguͦt mach.
Schwarzenberg 122ᵇ.
aber nhd. seit dem 15. jh. auch hauptgelt (s.hauptgeld 2), lat. pecunia capitalis Magd. fr. 151, heuptgeilt capitalis Dief. 97ᵇ, womit denn gelt in den heutigen begriff voll einrückte, und es wird nun gelt und gülte als capital und zins unterschieden, die ursprünglich eins waren:
gelt (dem gelde) gibt man rent, gült und erbzinst.
H. Sachs 4, 228, 22 K.;
wenn euwer einer gelt hinleicht umb gült. Schade sat. 2, 78, 32. 75, 18, daneben doch noch ein gulden gelts 74, 9, gelt als jahreszins (vgl. u. 3, a, δ). s. noch Neumarks unterscheidung von Hiobs gut und geldern unter f. vgl. auch u. geldgeiz.
b)
beliebt ist auch der stabreim gelt und golt:
(Priamus) brâchte golt unde gelt.
Herbort 15985.
nhd. gelt und golt buch d. liebe 7, 3 u. öfter, gold und geld Rompler 38, Olear. pers. ros. 3, 18;
als lang ir denn gold und gelt hand ..
sind ir mir (dem wirt) ein werder gast.
Badenfahrt bei Bächtold N. Manuel 392;
und ob euch wol an geld und gold
nicht manglet, hat der tugend sold
euch doch noch köstlicher bereichert.
Weckherlin 183 Göd.;
wann eltern kinder wol erziehn und ihnen guten namen lassen,
so ists genug, so ist es mehr, als geld und gold in kasten fassen.
Logau 3, 4, 31.
und auch das war von haus keine müszige häufung, denn geld steht neben gold auch als silbergeld (s.geldzal im unterschied von goldzal, silber- und goldwährung)): der arzt hat gelt, der jurist gold. Henisch 1470, 9, wie im folg. gemünztes gold vom geld unterschieden wird: dat gy my sanden anderen halven gulden, 1 an golde, 1⁄2 an gelde .. nu feilt my noch 5 gulden an golde und 1⁄2 an gelde. Germ. 10, 390, in briefen aus dem 15. jh., gelt also vorzugsweis silbergeld als die geläufige münze, wie im franz. das geld einfach silber, argent heiszt, griech. ἀργύριον, vgl. unter 3, g aus dem Ssp. II, 11, 3 penninge oder silver (var. gut), d. h. gemünztes oder ungemünztes silber, denn unser kupfergeld, kupferpfennig war vor dem 17. jh. nicht vorhanden (bleyin, zinnin, eysin, kupferin gelt Henisch 1467 fg.), so wenig wie papiergeld, zuerst papiernes geld:
wir (dichter) zahlen mit der hand, doch nur papierne gelder,
wie Frankreichs Ludewig, wenn ihm der sold gebricht.
Günther 586.
von jenem ungemünzten silber als zahlung ist wol ein überbleibsel der gebrauch von stück, sowol als ein stück geld (geldes), wie als geldstück. seltsamer wandel übrigens, wie gelt einstens auch ein mensch sein und heiszen konnte (2, b) und nun blosz metall oder papier, und doch ist an diesem entgegengesetzten ende der ganzen bewegung der innerste kern des begriffes noch derselbe: wertvertreter, der von einem zum andern geht, um ansprüche auszugleichen (zu gelten). vgl. u. h geld als münze.
c)
der begriff in seiner nunmehrigen spitze ist in den eines stoffes übergetreten, wie gold, silber, eisen, die keinen plural zulassen, als wäre alles gold u. dgl. eigentlich nur eins (vgl. d).
α)
daher ohne art. geld haben, geld einnehmen und ausgeben, ausleihen, aufnehmen, geld verdienen, verthun, geld sammeln, zusammen scharren u. dgl.:
wo sie (die mädchen) sehen ein jungen gauch,
der wol gelt und gelts wert hab.
fastn. sp. 390, 22;
ich pin ein guter winkelwirt,
wer mich mit gelt in der hent schmirt ..
die losz ich do (hier) ir kurzweil treiben.
110, 32;
die gröszt torheit in aller welt
ist das man eret für wisheit gelt.
Brant narr. 17, 2;
kam, gelt .. auf die hand zu empfahen. Kirchhof wend. 97ᵇ, handgeld, sold, als landsknecht, vgl. sprichw. der erste herr, das beste gelt, sprechen die kriegsleut Henisch 1467, 45; da haben sy (die bauern) merklichen schaden thon .. auch merklich gelt ausgraben, als mir einer selbs saget, der gelt in seinen garten vergraben hett. Baumann qu. z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 103; ja wäre sie abscheulicher als des teufels mutter .. es hindert nichts (am heiraten), wann nur geld und zwar geld gnug da ist. geld geht durch die welt, regieret die welt, verführet die welt und mein herr ist ein kind der welt. kunst über alle k. 26, 16; einen kerlen ... der nicht einmahl speculirt hat, an aristocratia praevaleat monarchiae, den setzen sie (die potentaten) oben an, geben ihm geld über geld, dasz sie ihn nur gewisz behalten. Chr. Weise erzn. 37. geld machen, erwerben, anders als (falsches) geld machen, auf eigne faust prägen: wann wir wolten unsern verstand so fleiszig anwenden, mittel zu erdenken wie wir die feinde gewinnen möchten, als wie wir geld machen und erwerben können, so würden wir nicht ursache haben, uns viel über ihre bosheit zu bekümmern. Scriver seelensch. 2, 361; er hat in einem jahr viel geld gemacht, ein grosz geld aus dem zoll gemacht Aler 878ᵇ; sich bei einem ein gut stück geld machen Rädlein 347ᵇ.
β)
zu gelde machen, durch verkauf o. ä. in geld umsetzen, 'versilbern': gerath in (den kriegern) ein beut, so machen sis zu gelt. Frank spr. 1, 38ᵃ; büecher, klaider zu gelt machen. Schönsl. T 5ᵇ; wer sein gut zu gelte macht, der ist schon verdorben. Henisch 1465; wenn man aber es bei dem lichte besiehet .. so sind es ohngefehr zwei papiere, die le grand diable des juristes selber nicht zu gelde machen können. A. Gryph. 1, 820; dasz er seinen vorigen einflusz zu geld gemacht, dasz sich sein ganzer reichthum davon herschreibt. Schiller der parasit II, 4. auch an das geld bringen Simpl. 4, 165 Kz. (vogeln. 2, 22), ins geld setzen Adelung: der alte Meister hatte gleich nach dem tode seines vaters eine kostbare sammlung von gemählden ... ins geld gesetzt. Göthe 18, 56. zu gelde schlagen, adaerare Stieler 681, wie ja das gemünzte geld ursprünglich geschlagen wird: fand sich ein wohlhabender kaufmann, der ... nebst meinem zum gelde geschlagenen erbtheile die vormundschaft übernahm. Felsenb. 1, 392, zum gelde für das gewöhnliche zu gelde. aber auch silber (aus dem bergwerk), wenn es zu geld gemacht ist Lehmann flor. 1, 280.
γ)
die stoffliche vorstellung wird recht deutlich in kraftwendungen, die das geld gern verächtlich behandeln, wie das geld schneit einem zu, er hat geld wie heu (aber nicht so lang Simr. spr. 3336), wie stroh, wie wasser (vgl. geldabflusz) u. ä., wie laub Hebel 3, 125, wie schlamm Firmenich 2, 125ᵃ, im 16. jh. wie sprüwer, spreu:
zuͦ Rom hand ir ein besundern gott,
dem gebend ir gelt glich wie sprüwer.
N. Manuel 71 B.
δ)
auch kurz er hat geld, d. h. viel geld: junkerschaft wil gelt han (herlicheit darf vil). Frank spr. 1, 156ᵇ; sie hatte geld, ich hatte geld, wir zogen herum und lebten wie fürstenkinder. ped. schulfuchs 238; es ist niemals gut, wenn die kinder wissen, dasz die ältern geld haben. Adelung. aber drei häller ist auch gelt Henisch 1470, ein armer hat wol alle jahr gelt, aber nicht alle tag das., doch auch einfalt hat kein gelt das., weil sie es nicht zu brauchen weisz. für viel geld übrigens früher gern groszes, z. b.: grosz gelt und unsträflich leben sind selten bei einander. Henisch 1474; grosz gelt und gut laszt einen nicht schlafen. das. er ist wol bei geld, arcam habet Aler 881ᵃ, dagegen übel bei gelde M. Krämer 525ᵃ (vgl. h, β a. e.).
ε)
geld als obj. wird auch in manchen wendungen gespart, wenn z. b. ein verleger davon spricht, ob er bei einem unternehmen verdient oder zugesetzt hat; so wird es in anleihe für geldanleihe, vorschusz, ausgaben, aufwand, kosten, spende, schuld u. a. nun meistens oder durchaus gespart.
d)
aber auch der bestimmte art. dient der stofflichen vorstellung, das geld, als wäre es nur eins allenthalben, selbst als herr der welt:
all ding dem gellt sind underthon.
Brant narr. 46, 51,
in dem cap. 3 von gytikeit sagt er noch guͦt samlen u. dgl.; er (der kaiser) wolt nit, dasz das gelt ausz teutschen landen, sunder darein gefüert wurd. S. Meisterlin Nürnb. chr. 94, 9; warlich rechte heldentugenden, wann man das gelt unter die leut laszt kommen, den schimmel davon treibt und des gelts ein meister ist. Garg. 164ᵃ (Sch. 304), noch jetzt z. b. laszt ihn, er bringt das gelt unter die leute, wenn von einem verschwender die rede ist; das geld ist gerade das, was mir fehlt, und mir mehr fehlt, als es mir jemals gefehlt hat. Lessing 12, 384; das geld nicht schonen, sparen u. ä.:
wachtmeister (zum recruten). musz ein fürnehmer geist jetzt in ihn fahren —
erster jäger. musz besonders das geld nicht sparen.
Schiller Wallensteins lager 7;
Klausmelker aber war wie das geld überall und nirgends. Felder sonderl. 1, 127. so auch fürs geld neben für geld (s. i), ums geld neben um geld, z. b. etwas fürs geld sehen lassen, im 16. jh.: nun hat es an denen orten (in Sicilien) nicht ordentliche herbergen, do man fürs gelt essen und trinken bekompt. Kiechel 204; suecht bittlich an, man wolle uns doch fürs gellt ettwas von wein und brot zukommen lassen. 433; er thut ums geld was man wil, venalem habet vocem. Aler 881ᵃ. das geld kann allerdings auch den bestimmten preis meinen (3, d. e), wie deutlich ums halbe geld:
die mühle kaufen,
doch wohl gemerkt, ums halbe geld.
J. Fr. Kind ged.
ähnlich folgendes das geld, das bestimmte geldstück (doch als vertreter des geldes überhaupt), im munde des ablaszkrämers:
so schnell das gelt im becke klingt,
dasz die seel (aus dem fegfeuer) in den himmel springt!
N. Manuel 112 B.,
im neuen deutschen Bileamsesel als bald der pfenning (silberstück) macht gling gling Gödekes Gengenbach 329, vgl. Luther unter klingen 1, d; aber auch der pfenning ward jahrhunderte lang so begrifflich wie ein überall und nirgends behandelt, wie das geld.
e)
daneben doch ein gelt, ein bestimmtes geld, ein 'stück geld' (s. unter b), grosz oder klein, auch ein benanntes oder genanntes gelt, besonders als lohn, miete, preis u. ä. (s. 3, b ff.), als schuld (3, g, α): uf ein mal wolt einer durch ein wald gon und dingt ein buren in einem dorf umb ein genant gelt, das er in durch den wald geleiten solt. Pauli sch. u. ernst 254 Öst.; umb ein redelich geld gebe er mir sie (die höhle), auch umb ein gleichs gelt, var. für umb geld so viel sie werd ist 1 Mos. 23, 9, vergl.umb redelich gelt Magdeb. fragen 150; er beredet die krämerin, das sie das wammes umb ein gelt, wie sie eins würden, anschlüge. Kirchh. wend. 303; sollen zu eim schawspiel umb ein kleines gelt gezeigt werden. Forer fischb. 200ᵇ, jetzt um ein geringes geld (auch blosz um ein geringes), um ein schlecht (gering) geld Rädlein 346ᵇ, umb ein ring gält hingäben, vendere parvo pretio Maaler 155ᵃ, umb ein gröszer gelt, höhern preis, dagegen umb ein besser gelt, wolfeiler Henisch 1467. folgendes ein geld, ohne adj., klingt jetzt recht ungewöhnlich (vgl. u. ein 3 III, 128):
Pfriem ist nicht blosz mein freund, er ist mein andres ich ..
er steckt in seinen sack ein geld, das mir gehöret.
Lessing 1, 27,
das ungewohnte ist aber nur im nordd. ohre, vergl. Göthe im Werther 1775 s. 216 er liesz sich ein brod und wein bringen, wo später das ein gestrichen ist; s. auch ein geldlein.
f)
daher auch im plur.
α)
auch gezählt, z. b. zwei gelt (vgl. 1, d), doppelte zahlung, doppelter preis: die krämer bieten ein ding oft umb zwey gelt (auf das abhandeln rechnend). Frank spr. 2, 37ᵃ; zum fünften sind wir auch beschwert der beholzung halben, denn unsere herrschaft haben inen die hölzer alle allein geeigent, und wenn der arm man was bedarf, mus ers umb zwey gelt kaufen. bauernartikel v. 1525 bei Luther 3, 112ᵇ; vergl. mhd. zwigelt zaln Wolfr. Wh. 151, 4 (var. zwir gelt), im Ssp. zwigelde oder zweigelde geben (zins u. ä.), nd. twigelde II, 32, 3. I, 54, 2, das wie ein urspr. instrumentalis aussieht, zum adv. geworden, fries. mith twam jeldon jelda, mit doppeltem wergeld 'gelten' Richth. 841ᵇ, vergl. duos geldos u. ä. RA. 653fg. und 2, b, bair. im 14. jh. mit der zwigült gelten städtechron. 15, 403, 20.
β)
jetzt gelder, von verschiednen geldsummen, geldposten u. ä., mit verschiedenen nebenbegriffen:
ich weisz gewisz, es werde mein
bei dir auch nicht vergessen sein,
es ist an geldern nur gelegen.
S. Dach 797 Öst.,
in einer bitte an den kammerschreiber wegen der besoldung, die gelder wol die zahlungen die in der zeit der not in die casse nicht eingehen; von einkünften, wobei gleichfalls an die einzelnen zahlungen gedacht ist (s. 3, a, β):
war Hiob nicht ein mann von vielen geldern?
von groszem gut und reichbegabten feldern?
Neumark lustwäldchen 4,
wo der alte unterschied von gut und geld u. a noch nachklingt;
er (der wuchrer) kündigt gelder auf, es zeigt sich ein gewinn,
er wankt und leihet seine gelder
auf neuen wucher hin.
Uz 1, 291;
man wolle die arbeiten beschleunigen, zu dem ende gelder aufnehmen und zu deren abtragung die zahlungstermine anweisen, die vom vorwerksverkauf zurückgeblieben waren. Göthe 17, 143, geld in einzelnen posten hier und da;
schenke mir vor ein'gen zeugen deine gelder zum gedächtnisz.
Platen 277 (4, 69).
so alimentgelder Schottel 506ᵃ, in cassen oder im cassenbuche die gemeinen gelder, les deniers publics Rädlein 345ᵃ, mündelgelder u. ä., lat. im 15. jh. orphanorum pecuniae Magdeb. fr. 150, pecuniae capitales (neben sors) 151. richtige gelder, buoni effetti M. Krämer 525ᵃ.
g)
von einem bestimmten geld auch mein geld u. ä., das ich im besitz oder das ich eben bei mir habe, auch das ich zu fordern oder auch zu zahlen oder gezahlt habe (vgl. u. 3, g, β), z. b.: bisz er (der gesell) dem meister erlich sein vertraut gelt volkomenlich widerkert. Nürnb. poliz. 240, v. j. 1497, das geld das ihm der meister anvertraut; er wolle nach Cöllen und sehen, dasz er seine gelder widerumb aus dem arrest bringe, und hernach wolle er mir .. mein geld wieder geben. Schuppius (1700) 244, das ich ihm geliehen;
zel ich ir pald auf mein geld,
so waisz ich dasz mein kauf nit felt.
fastn. sp. 232, 12,
was ich zu zahlen habe, was ich zahlen kann o. ä.;
wir sein ümb süst her kumen (zu dem arzt),
er hat uns unser gelt pöslich ab genumen.
685, 29;
der wirt lachet und ist frölich, weil im geste kommen, nicht darumb das er sie gern habe, sonder das er ires gelts genieszen mag. Agricola sprichw. 179ᵃ (nr. 299), sie verzehren ihr geld bei ihm; ihr habt diszmal genug für euer geld. Ludwig 724;
Crates syn gelt warf in das mer,
das es nit hindert in zuͦr ler.
Brant narr. 3, 31;
ich weisz nicht zu thun, dann ich sitz hie und zel mein gelt einst (einmal). Schade sat. 2, 72. für vermögen schon im 15. jh., wenn peculium in vocc. bei Dief. 419ᵇ erklärt wird auszer mit aigen gut auch mit eigen gelt (aes suum Henisch 1467, 53), auch mit eigengelt von thieren (nach pecus), also eigentlich einkünfte, wie noch in der gemma eigenschaft (eigenthum) in cleinen zinsen oder eigen gelt Straszb. 1518 S 3ᵇ.
h)
als münze, die hin und her gezählt und der andere damit bezahlt wird und die zwischen beiden oder unter allen gilt mit vollem werte (vgl.was gilt das ist gelt u. 1, b), also eigentlich wertzeichen und doch zugleich selbstwert geworden.
α)
das ist auch ausgedrückt in dem bezeichnenden baares geld (s.baar 4), eig. bloszes, d. h. das ohne weitere nötige zuthat, auch ohne credit, gleichsam unbedingt oder absolut geltenden wert hat (s. dazu gebärlich 3). so im 14. jh. bar habe Closener 294, 7, bar guot, d. h. geld, unterschieden von liegendem 'gut': wele (güeter) zuo verre und ungelegen sint, die wellent wir zuo bareme guote bringen. Schmidt gottesfr. 146, zu gelde machen. das geld bar geben Luther 2 kön. 12, 11, lxx ἑτοιμασθέν, wie es mhd. heiszt bereiteʒ gelt 3, f, γ, gereit gelt 4, a, β; 30000 goldgülden bahres geldes. Schupp. 101; bildlich: ungereimte meinungen und mährchen, die .. für baares geld angenommen ... wurden. Wieland 19, 128; meine deutsche gemüthsart, die aus der hand des poeten alles für baar geld nahm, was doch eigentlich nur als einlösungs- und anticipationsschein sollte angesehen werden. Göthe 46, 6; bargelt ist die (beste) losung, ist gute waar u. ä. Henisch 1466, auch noch bereit gelt 1467, 37, gereit (bereit) gelt dingt naw (genau, wolfeil) 1468, 19; vergl.barschaft, schon im 15. jh., z. b. die stadt Augsburg im jahre 1456 an gelte und barschaft emploszet, dann so plosz an gelte stadtb. 291 (das gemein gält, pecunia publica Maaler 154ᵈ); münz oder gelt und barschaft nennet man allerlei güldene und silberne, grosze und kleine groschen, pfenning und heller u. s. w. Mathes. Sar. 160ᵇ.
β)
kleines oder einzelnes geld, münze, im unterschied von ganzem geld in groszen stücken (auch kurz kleines, wie baares): in der münze, da man das clein gelt sleht. Böhmers urk. d. reichsst. Frankf. 590, v. j. 1345, vergl. die, den wir (kaiser Ludwig) unser clain münze enpfolhen haben das., das ausmünzen kleines silbergeldes, im gegensatz zu tornosen; daʒ si ein münze sullent machen und slahen clein geld, wie sie dunchet das es in und dem lande aller nutzlichis sij. das. 606, als freiheit die den Frankfurtern vom kaiser verliehen wird; und welcher scheffen nicht da wer, wett (als strafe) 71⁄2 schilling kleins gelts. weisth. 2, 460; klein geld verdienen. ped. schulfuchs 238, wie ein krämer; das ganze heiszt auch hartes geld Adelung, grob gelt, solida, grandis, crassa pecunia Henisch 1468, 29, grob oder grosz geld Rädlein 345ᵇ. für kleines geld übrigens auch kurz geld, z. b. in der wendung nicht bei gelde sein (Gryphius 2, 102), wie Adelung bemerkte, ebenso, dasz 'in den rechten bares geld oft nur geld schlechthin genannt wird', wo denn geld beidemal seine eigentliche bedeutung wieder zeigt als zahlungsmittel, gangbares wertzeichen. gerade geld Ludwig 724, beim abrechnen, das eben aufgeht ohne bruch, auch rundes geld.
γ)
böses, schlechtes, falsches geld, auch loses Scheible fl. bll. 49, dagegen gutes:
falsche lieb, falsch raht, falsch freund, falsch gelt,
falsche waar ist jetzt in der welt.
Henisch 1468;
wer einerlei münz und gut gelt,
so stünd es wol in aller welt.
1467;
gut gelt umb spinweb und nesselgarn (frauenmodestoffe) geben ist ungleiche waar. 1468, 38; das kostet mich mein gutes geld (auch schweres geld), ich habe es voll und baar bezahlt;
wa sie dafür gab gut par gelt.
Weckherlin 810.
bemerkenswerth im 18. jh. gut geld, schwer geld, sächsisch geld gegen schlecht, leicht geld, kaisergeld Rädlein 345 fg., vergl. reichsgeld, bancogeld, reichsthaler in species Ludwig 724, speciesgeld, geld an ganzen sorten Rädlein 346ᵃ, conventionsgeld, courantgeld, bei Rädlein correntgeld u. a., vergl. Franzgeld unter kaisergeld (Pic. 3, 381), auch kippergeld, s. unter kipper.
δ)
vor zeiten ist auch von neuem und altem geld viel die rede, in verschiednem sinne; vgl. z. b. von alten und nûwen pfenningen sp. 2436. noch im 18. jahrh.: alt geld, ancienne monnoye, neu geld, de nouvelles espèces Rädlein 345ᵃ. 346ᵃ, es hängt zusammen mit dem häufigen wechsel im münzfusz und den schwankungen im geldwert im 17. jh. sprichwörtlich new gelt, newer sinn und newe plag Henisch 1468, mit newem gelt kompt new unglück geschlichen das.; so besonders in der bösen kipper- und wipperzeit:
der reich kauft alls ohn alles ziel (d. h. baar),
weil er hat alten geldes viel.
Scheibles flieg. bll. 55, v. j. 1621.
daher altes geld als ein schatz:
alte freund, alte wein, alt gelt
führen den preis in aller welt.
Henisch 1467, 30;
er hat braf alt geld (alte füchse, gelbe pfennige), il a des écus, il a de l'argent mignon Rädlein 345ᵃ; schimmlich gelt macht edel, generosus ex crumena (von geldadel). Henisch 1468, alt geld macht edel Aler 881ᵇ, macht neuen adel Simr. spr. 3267. aber auch abgesetzt, verrufen, verschlagen geld.
ε)
erwähnenswert sind auch umschreibende benennungen des geldes, deren es viele gibt, meistens in scherzhafter meinung, z. b. halb gelehrt moneten (vgl. engl. money geld), volksm. knöpfe (s.knopf 14, c), bei Rädlein 345ᵃ scherzweise pennusche, pfennige, gelbe pfennige (eigentlich goldstücke), also wie mhd. pfenninge im ernst des lebens und noch ital. danari; ferner mammon, moos u. ä., geschäftlich casse, der begriff hier in stofflicher auffassung (4, c), dort ganz in die sinnliche erscheinung übersetzt. der wahre begriff tritt aber wieder hervor, wenn man geld sammeln und münzen sammeln vergleicht. vergl. übrigens geldlein für münze, geldstück, auch die vereinigung beider vorstellungen in dem volksmäszigen ein paar groschen geld verdienen, bair. e kreuzer geld, ein stück geld Schm. 2, 43, auch man kann doch etliche thaler geld damit verdienen ( Adelung).
i)
als tauschmittel ist das geld auch mit den praep. für und um bezeichnet, für oder um geld kaufen u. ä.: ob unsereiner schon was umb gelt kaufen wolte, nemen sie kein ander gelt dann türkische münz. Kiechel reisen 244; er gebe mir sie umb geld, so viel sie werd ist. 1 Mos. 23, 9; etwas für geld sehen lassen, für geld und gute worte hingeben (guete wort und alt gelt das verricht alles Zimm. chron. 4, 748ᵃ); s. auch fürs geld, ums geld u. d oben. ebenso umgekehrt: nim von mir das geld für den acker. 1 Mos. 23, 13; die (vier pfenning) waren im von dem gelt für den wein heraus worden (herausgegeben beim wechseln). Kirchhof wend. 1, 366 Öst.; gelt umb dienst ist nicht dankes werth, digna canis pabulo. Henisch 1473, 33, Frank spr. 1, 44ᵇ, geld statt dank für einen dienst, vergl. u. 5, e a. e. eine redensart, die wol aus einer hafenstadt stammen musz: geld für die fische, you must pay money down Ludwig 723, es setzt nichts ohne baare zahlung; also geld für die fiische — oder beköstigt euch noch lange mit operetten. Lessing 12, 384, brieflich v. 5. dec. 1772, d. h. bezahlt mir meine theaterstücke genügend; häst göld, kröggst fösch. Frischbier preusz. sprichw. 1, 87.
5)
andere redensarten und besonders sprichwörter in überfülle, die zugleich das wesen (und unwesen) des geldes vielfältig beleuchten; sprichwörter hat schon Henisch 1467 ff. zehn foliospalten voll gesammelt.
a)
aus dem geschäftsleben von geld und waare u. ä., vergl. Graf u. Dietherrs rechtsspr. 252: par gelt ist lachender kauf Mathes. Sar. 126ᵇ, baar geld lacht Simr. 3286; leicht gelt, leicht waar, aber auch gut gelt, böse waar Henisch 1468, 52. 37 (ich schreibe im weiteren meist nur die zehner aus), so gelt, so waar 74, 43, hier als verdeutlichung von kupferen gelt, kupferen seelmessen, was doch aus pfaffenmunde kommen musz (vgl. u. kupfern). aber auch selber als waare: gelt ist die beste waar oder ist ein gute waar, sie gilt winter und sommer. 72, 19. 26 (auch isl. gjald er góđ vara, s. Graf u. D.); dagegen wenn alle ding thewer ist, so ist das gelt wolfail (sinkt an wert) 75, 64, denn gelt macht den markt (Frank 2, 86ᵃ), den kauf 72, 56, gelt verkauft korn 73, 29, auch kurz gelt ist gelt (wenn man es gleich mit kothfegen verdienete) 72, 32 ff.; man musz das geld von den leuten nehmen, von bäumen kann mans nicht schütteln Simrock 3326, man kann sich doch kein geld aus den rippen schneiden 3338, hab ich kein geld, habens andre leut Frischbier preusz. sprichw. 2, 62. vergl. von geld und arbeit unter 3, d. geld gilt so viel als es werth Lehman flor. 1, 280. es hiesz auch ohne geld kaufen, sich schenken lassen, ohne weiteres mitnehmen u. ä. (s.kaufen 3, d), und so verkaufen, z. b. beim plündern nach dem siege von Gransee:
koch, kremer und kenzelere
die haben da vorkouft ane gelt.
Stolles Erf. chron. 102ᵃ, Haupt 8, 323,
sie muszten es so hergeben; auch für verschenken:
wir (dichter) handeln oft nicht nutzens wegen,
verkaufen vieles ohne geld,
die pflicht der freundschaft darzulegen.
D. Stoppe Parnass 350.
b)
es ist seine natur, im lande umzugehen von hand zu hand, es soll nicht ruhen und feiern, es musz 'werben': gelt gehört under dwelt. Frank 1, 118ᵃ; sein gelt fert umb wie ein igel. 43ᵃ;
gelt thut fürüber gan,
gleich wie ein wandersmann.
Henisch 1473, 17,
es gehet hin wie her 31, 57, gelt hin, gelt her 71, 67 (s. u.gehen 19, c), vergl. vom lauf, curs des geldes (courant), gänge 5, b; was soll gelt, das nicht wandert durch die welt. 75, 56; bei S. Frank spr. 1, 89ᵇ mit ausführung, nit das gelt, sonder der brauch des gelts ist köstlich u. s. w., gelt sol nicht (nichts), man gebs dann aus 118ᵃ;
gelt laszt sich nit lieben,
es wil man sol es uͤben.
das.;
gelt gehört unter die welt. Henisch 71, 51;
verborgen kerzen, gelt und kunst,
die frommen nichts und sind umb sunst.
69, 7, vgl. 68, 62;
gelt im handel ist wie seel im leib. 72, 2; mit gelt gewinnt man gelt, mit nichts kan man nichts anfangen. 74, 63; feyrend gelt, muͤszig gelt, gelt das weder wirbet noch wuchert, pecunia ociosa. 68, 1. 59 (liegendes, müsziges geld Rädlein 345ᵇ). geht es doch gleichsam über die köpfe seiner besitzer weg unantastbar, denn auch wenn es sündigen half, gelt und gut wird nie gehenkt 73, 65, gelt wirt nit erhangen Frank spr. 1, 33ᵃ, vergl.geld hat vil an galgen bracht 118ᵇ; am gelde riecht man es nicht, womit es verdient ist. Simr. 3325.
c)
so wird es vielfach wie ein lebendes wesen behandelt, mit macht und willen, selbst mit rede: gelt will ausgegeben sein, es schreiet immer im beutel, lasz aus. Coler. hausb. 349; er hat unmuͤszig gelt, es schreiet immerzu lasz aus. Frank 1, 43ᵃ, Henisch 1468, 61; gelt schweigt nit, wo es ist. 73, 15; wann gelt redet, so schweiget alle welt still. 75, 35; wo gelt redet, da gilt alle red nichts. 77, 28 (Frank 1, 118ᵇ); gelt im seckel schweigt nicht, sondern trutzt den wirth. 72, 3 (drutzt Frank, dutzt Simr. 2369);
das gelt das stumm ist,
macht grad was krumm ist.
70, 5 (mit lahm für stumm Lehman 1, 282);
der süesze wein, das stumme gelt
verkehrt die weisen in der welt.
70, 17;
das gelt ist gern, wa man es helt in ehren. 69, 55; gelt hat podagrams art, wo mans hat und in ehren helt, da bleibt es gern. 71, 56; mit gelt ist nicht gut scherzen. 64, 57; wo gelt ist, da lauft gelt zu ein zeit lang. 77, 27; gelt hawet keinem schalk den kopf ab. 71, 60; wo gelt ist, da will sichs sehen lassen. 77, 26; geld will einen guten vormund haben. Simr. 3315; sein geld ist so dumm wie er. 3335; geld kan nicht still liegen, es will wuchern, bawen oder kriegen. Lehman 1, 280; wenn geld redet, so gilt kein ander red, so soll man das maul zuthun und den säckel aufthun. 281; geld gehet vor, guckt überall oben aus. 280; wenn gelt mit seiner bursch in der procession gehet, so gehet der teufel vor und führt den reyen. 282; wann geld der weisheit augen aufsetzt, so siehet es besser als ein luchs. das., das geld für den besitzer, wie oft, auch z. b., der armut gegenüber: gelt fehret auf hohen schlitten, armut musz zu fusz gehn. Henisch 71, 42; der gemein spruch:
gelt kan thuͦn, gelt kan lassen (l. lan),
gelt mag hinfür gan,
so armuͦt muͦsz da hinden stan.
Steinhöwel Es. (1487) 111.
es heiszt aber auch selbst ausdrücklich gelt ist ein man, ders kan Frank 1, 19ᵃ, gelt ist ein groszer held Henisch 72, 29. hiesz es doch selbst dem geld wehe thun, 'zusetzen': da giengs in floribus her und blieb nichts unterwegen, was dem geld wehe thun möchte. Simpl. 1, 278 Kz. (3, 9), wie dem gelt scheren (wie der bader) von dem tollen geldausgeben zur fastnacht fastn. sp. 383, 21; sagt man doch noch jetzt z. b. mein geld, meine casse hats gefühlt u. ä.
d)
sprüche von dem geld und mann z. b.: unbillich wirt von den reichen kargen leuten gesagt, dasz sie viel gelt haben .. billicher würde gesprochen viel gelt hat den mann, denn es ist sein gott, herr und gebieter. Kirchhof wend. 1, 224 Öst.; bis des gelts herr, oder es herscht dich. Frank 1, 72ᵇ, mit ausführung der ist des gelts knecht, der ihm dient u. s. w.; kanstu mit dem gelt umbgehn, so muͦsz es dir nach gehn, kanstus nit brauchen, so ists dein herr. 45ᵃ; lasz das gelt dein meister sein, so herschts dich. 119ᵃ; das gelt hat den kargen, nicht der karg das gelt. Henisch 1469, 67; ein karger ist seines geltes knecht, ein milter mann ist seines gelts herr. 70, 54. 56, vergl.geld ist sein (des geizwanstes) herz Luther bei Dietz 2, 58ᵃ als sprichwort, herz, wo geld Simrock 3265, das geld ist ihm ans herz gewachsen Frischbier 2, 62. auch einfach besser mann als gelt 69, 43 (besser freund als gelt das.), besser ein mann der gelts bedarf, dann gelt das eines manns bedarf 69, 39. freilich z. b. darnach der mann gelt gibt, pfeift der spilmann 69, 50, denn gelt macht den mann 72, 57, ein mann ohne gelt ist ein tödtliche leich 70, 55. für mann auch held, dem reim zu liebe: gelt treugt den held. Frank 1, 119ᵇ; gelt macht ein (für einn) held. Henisch 72, 62; hast du kein gelt, so bist du ein armer held. 74, 16; merk auf, held, gute tag kosten gelt. 74, 59; hett ich nur gelt, so wer ich ein held, schreiet alle welt. 74, 20, vergl. die anführung Agricolas zu nr. 303 aus einem schweiz. gedicht.
e)
so vielfach gelt und welt in beziehung: gelt regiert die welt Frank 2, 61ᵃ, gewint all welt 1, 33ᵃ, tracht umb gelt, so hastu dwelt 32ᵇ, gelt fellt die welt 119ᵇ; sogar: gelt regiert die welt, gelt ist die welt und die welt ist gelt, zwo person in einem wesen 2, 164ᵇ; nach einem dichter wol: gelt regiert die welt, gelt welt (d. i. geldwelt) dir würdt des gelts (d. h. lohns, s. u. 3, c), gelt ist die welt, gelt wil die welt etc. 2, 86ᵃ;
fraw Venus und das gelt
regiert die ganze welt.
das.;
gelt ist die welt und welt ist das gelt. Henisch 1472, 23; o gelt, o welt, gelt ist die welt, gelt will die welt. 75, 12; das gelt ist der welt. 69, 54; gelt jagt die welt. 72, 1;
hab ich gewalt, ehr, gut und gelt,
acht ich kein freundschaft aller welt.
74, 6.
aber auch gelt probirt die welt Frank 1, 28ᵇ, bei gelt kent man die welt, mit gelt probiert man die leut 2, 154ᵃ, hier mit weiter ausführung, z. b. wie der goldstein das gold, also probiert gold und gelt die leut, gelt ist die goldwag und probstein (des sittlichen wertes), vergl. z. b. der ist fromm, der ungezehlet gelt wider gibt Henisch 68, 26. vergl. von gelt umb dienst u. 4, i, auch dienst umb gelt ist welt Frank 1, 44ᵇ, ist die welt Henisch 70, 28, die weltsitte, die den dienst nur nach äuszerem, nicht innerem werte miszt.
f)
überhaupt reden die sprichwörter vom gelde auch vom standpunkt hoher weisheit und sittlichkeit und zuversicht in die macht des guten, gehen auch gern dabei ins orakelhafte über, z. b.: nicht (nichts) so heilig, das man mit gelt nit verunreint, und nicht so vest, das mit geld nit bestritten werde. Frank 1, 33ᵃ; gelt ist nit für alle unglück guͦt. 118ᵇ; gelt hilft nit für armuͦt. 117ᵇ (Henisch 1471, 66), wie guͦt hilft nit für armuͦt 135ᵃ (sich selbs haben ist die gröszt reichtumb das.); es hilft kein guͦt für den geiz und macht kein gelt reich. 67ᵇ; die gröszt reichtumb ist kein gelt begern. 73ᵃ; gelt vertreibt keinen hunger. Henisch 73, 31, verwundet und heilet wider 32; was gelt nicht kan, kan recht. 75, 38; einfalt hat kein gelt. 70, 53;
gelt und gut ist als denn gut (vgl. Walther u. ↗4, a, α),
wenns hat ein mann der es recht brauchen thut.
73, 44;
reich ist, wem dient sein gelt,
arm ist, wer dient dem gelt.
75, 19;
gelt und gut wendet dem geizigen kein armut, sonder macht sie ihm. 73, 63; gelt macht nicht reich, auch nicht selig. 72, 64; wer gelt liebt, wird gelts nimmer satt. 76, 38; der geizig (d. h. geldgierige) hat sein seel fail und gibt gott umb gelt. 70, 10 (vgl. die sprichw. u. geiz, geizig); gelt und gut ist gottes geringste gab. 73, 45; gott nehret allein, nicht gelt und gut. 73, 70;
wilt du han gelt und gut ohn end,
so such das gut das Christus sendt.
77, 16;
ich hab gelt und gut genommen,
drumb bin ich umb mein freiheit kommen.
74, 25,
bei Aler 882ᵃ er hat geld genommen und ist um die freiheit kommen, bei Simrock 3301 geld genommen, um freiheit gekommen, ein beispiel wie kurze sprüche sich durch einschrumpfen bilden;
wer gelt zu rechter zeit veracht,
oft vil gewinn hat eingebracht.
76, 45;
dem gelt kein tugend weicht. 70, 7; für hasz hilft kein gelt. 71, 20; zorn und gelt verirren die welt. 77, 48; gelt, gut und zorn (l. zoren) macht alle ding verworren (vel verloren). 73, 59. das beste aber ist mit geld nicht zu bezahlen (aufzuwiegen), wie noch jedermann sagt, um einem dinge oder auch menschen den allerhöchsten wert zuzusprechen, als ausdruck eines gewissen entzückens: ein trewer freund ist mit keinem geld noch gut zubezalen. Sirach 6, 15, in der vulg. amico fideli nulla est comparatio et non est digna ponderatio auri et argenti contra bonitatem fidei illius, wonach Luther seine treffendere wendung wol schon im gebrauch vorfand (wie Sir. 40, 26 unter m); geschenk läszt sich mit schlechtem gelt nicht bezahlen. Henisch 69, 3; ein wolerzogen weib ist mit gelt nicht zubezahlen. 70, 46 (vgl. dazu kaufen 4).
g)
daneben schwere klage über das unwesen, welches das geld treibt, oder lob aus bitterer ironie: gelt macht schelke, occasio facit furem. Luther bei Dietz 2, 60ᵇ (macht schälk u. ä. Henisch 72); gelt macht vil böswicht. Frank 1, 118ᵃ; gelt ist fromm, armuͦt ein stumm. das.; het ich gelt, ich wolt alweg wol fromm werden. 38ᵃ; wer ich ein huͦr, mein muͦtter ein sack und mein vatter ein dieb, het ich gelt, so wer ich lieb. das.; gelt heiszt junker, gelt ist meister. das.; gelt ist der adel, gelt ist on tadel. 118ᵃ; mit gelt fahet man dleut. das.; gelt hat got in der trugen (truhe) das., umb gelt sagen dir die pfaffen den himmel zuͦ, gelt hat den Juppiter in dem trog u. s. w. 2, 118ᵃ; es ist der welt umb das liebe gelt zu thun. Henisch 1468, 54; gelt ist die erste frag, darnach ob fromb. 72, 21; bringst du gelt, so bist du fromb. 69, 47; grosz gut und gelt hat recht über recht bei der welt. 68, 32; gelt kan nicht unrecht thun. 72, 44, macht böse buben (bosheit) gut. 56, bricht freundschaft 71, 30, trennet die liebe 73, 22; groszen frid trennet ein klein säcklein mit gelt. 74, 1; geld ist der beste freund auf der welt. wer kein geld hat, der hat auch keinen freund. wo geld kehrt und wend (verkehrt), da hat alle freundschaft ein end (s. Agric. nr. 66). das geld, sagt jener weise mann, ist das fünfte element, damit man alles ausrichten kan. Scriver goldpred. 188. auch einfach nimmer gelt nimmer gesell Agricola nr. 66, Frank 1, 142ᵃ, schweiz. nümma gelt nümma gsell Bächtolds Manuel 412, kein geld, kein Schweizer, point d'argent point de Suisse Rädlein 346ᵇ. doch auch wo mein freund, da mein gelt, denn besser freund als gelt. Henisch 77, 29, neben vil gelt, vil freund 77, 33. vergl. den spruch von H. Sachs 1, 413 ff. (4, 228 K.), wo nach der frage, was auf erden das allerbeste sei, einer das geld dafür erklärt und seinen nutzen priamelhaft lang ausführt, was ein andrer dagegen ebenso mit seinem schaden thut, der dichter aber am ende:
geld das ist weder bös noch gut,
es ligt an dem ders brauchen thut u. s. w.
h)
besonders von gelt und kunst (eigentlich wissen), gelt und ehre u. ä., dem erstern entspräche jetzt oft geld und geist, die gern stabreimend gesellt werden als gegensätze: het ich gelt, ich were leicht weis und fromm gnuͦg. Frank 2, 61ᵃ;
gewalt, gelt und gunst
schwecht recht, ehr und kunst.
2, 81ᵇ;
vor zeiten nutzte witz und kunst,
jetzt acht man nichts dann gelt und gunst.
77, 44;
ohne gelt ist kunst nur affen spil. Henisch 1469, 29; gelt lehret kunst. 72, 51; die beste künstler haben das wenigste gelt. 69, 16; adel, tugend, kunst seind ohne gelt umb sonst. 69, 25; kunst nehret den mann, nicht das gelt. 74, 41; für weisheit gelt erwehlt die ganze welt. 71, 21;
vor zeiten war die kunst geacht,
wer jetzt gelt hat, der führt den pracht.
77, 46 (vgl. Agricola zu nr. 66);
wo gelt, da muͦsz witz und tugent aus der welt. Frank 1, 33ᵃ; ehr und gelt treibt alle welt. 79ᵇ; gelt und die eitle ehr ist ein ursach aller leer. das., Henisch 73, 36 (lehr); richtet an vil falscher leer H. Sachs 4, 230 K., erklärt den text und die glosse Simr. 3261 (hier wol von juristen); gelt hat ehr. 72, 53, aber auch ehr gehet für gelt und gut 70, 38; wo geld ist, da ist auch ehre, sagte der frosch, als er sich aufblies und auf einen heller satzte. Mathesius Syrach 1, 83ᵇ.
i)
es thut wunder und gilt als die gröszte macht, ja als gott in der welt (vgl. u. e): gelt heiszt junkher, gelt ist meister, gelt regiert die welt. Frank 1, 38ᵃ; gelt kans und thuͦts alles. 118ᵃ; das lieb gelt ists alles. 2, 48ᵇ; es thuͦt nicht (nichts) on gelt, auch es sol nicht on gelt. 82ᵃ, jetzt nichts ohne geld; geld fahet got und dwelt. 1, 33ᵃ; gelt kan den teufel in ein glas bannen. 118ᵇ; gelt schleuszt auch die hell auf. das.; gelt das gilt in aller welt. 2, 61ᵃ;
eim ieden gloubt so vil die welt,
als er hat in sinr täschen gelt.
Brant 17, 8;
grosz gelt, grosz glaub. Henisch 1468, 31; gelt ist ein herr, sonst niemand mehr. 72, 26; die königin gelt regiert die welt. 70, 25, gelt ist könig 72, 38; geld ist der gröst herr nach gott, jeder dient ihm. Lehman 1, 281; gelt ist des kargen gott Henisch 72, 14, ist ein gott 72, 26, ist auf erden der irdische got H. Sachs 4, 229 K., vergl. kistengötze, geldgötze; folgendes wol aus dem gedichte eines Schweizers, aus dem auch Agricola zu nr. 66 und 303 (Weidners Zincgref 3, 214) stellen anführt:
gelt bet ietz an   ja jederman
und würt gotsdienst vertriben,
darzuͦ der glaub,   das gold macht taub,
gelt thuͦt ietz das recht lieben.
Frank 1, 119ᵇ;
all tiranny wirt fohen an
und halten nüt (nichts) uf gottes gbot,
allein so wirt das gelt sin gott.
Gengenbach 55, fastn. sp. 1027, 33.
auch im kriege ist es die hauptmacht:
gelt ist des krieges sterk,
und der menschen seel, das merk.
Frank 1, 118ᵃ;
gelt behelt das feld. 33ᵃ (auch im bergbau, s. u. n); das gelt ist ein span (oder die stärke) des kriegs, pecunia belli nervus, Henisch 69, 58; gelt führet den krieg, nicht der kayser. 71, 47; gelt ist des kriegs herz und seel. 72, 15; geld führt den krieg. Aler 882ᵃ; geld will kriegen oder bauen. das. (vergl. Lehman u. c). auch das noch geläufige geld ist die losung stammt aus dem kriege, bar gelt ist losung Frank 1, 40ᵃ, gelt ist die beste losung Henisch 72, 18. aus dem politischen leben z. b.: mit gelt kan man oft groszen herren am besten rathen. 74, 65; es ist nit guet den groszen herren gelt zu leihen. Zimm. chron. 4, 745ᵃ; geld ist aller reichs- und landtag end und schlusz. Lehman 1, 283.
k)
oft spricht dabei der humor mit, wie schon im vorigen, auch mit den ernstesten tönen, z. b. von geld und beutel oder tasche: trinkt ihr aus ledigen kandeln und zelet gellt aus leren taschen? Luther bei Dietz 2, 60ᵇ; es ist kein kunst ziegen in multen baden, aber aus ledigem beutel gelt zahlen ist ein kunst. Henisch 1471, 5; aus ledigen taschen ist bös gelt zehlen. 69, 34; wenig gelt im beutel klingt am meisten. 17; verdient gelt in ein löcherten beutel legen. 9; aus eines andern beutel ist guͦt gelt zelen. Frank 2, 100ᵇ, Henisch 69, 30; aus vilen beuteln ist gut gelt zehlen. 69, 35 (aus vieler leut beutel ist gut geld bezahlen Aler 882ᵃ); er wil den beutel zum gelt haben. 63, 46, d. h. unverschämt als zugabe; erst das geld und dann die taschen. Frischbier preusz. sprichw. 1, 86; noch jetzt beliebt so gehts in der welt, der eine hat den beutel, der andre hats geld, mit der nachfolgenden foppenden frage womit hältst dus? von geldheiraten heiszt es: verheurathet ihr ihm nur das geld ... kunst über alle künste 26, 8; du nimbst nit sie, sonder ir gelt. Frank 2, 52ᵇ; du freiest das gelt mehr denn die person. Henisch 63, 37; ist gelt die braut, so wirt die ehr (d. i. eh) selten gut. 74, 30; wer gelt zur ehe nimpt, der kompt umb sein freiheit. 76, 44. wie aus eines andern beutel, so mit fremdem gelde (aere alieno):
wer kauft mit frembdem gelt ein gut
und nicht für zahlen sorgen thut,
der zahlt oft mit der haut den kauf
oder (es) heiszt: davon mit schelmen lauf.
Henisch 63, 48;
ander leut gelt, ander leut sorg. 67, 32; landgraf Johann wolle mit venetianischen gelde eine armee auf die beine bringen. Schuppius (1700) 242.
l)
auch die armut wird mit humor getröstet oder erhebt sich selber damit siegend; freilich ist ein mann ohne gelt ein tödtliche leich u. ä. (s. u. d), aber auch: die armuͦt greift nit fäl ... sie weisz was sie hat ... ir gelt ist zelt (gezählt). Frank 1, 39ᵃ; wer ohne gelt gehet, dem entfellet kein münz. Henisch 77, 1; wer kein gelt hat, der reitet zu fusz. 76, 51; wer kein geld im beutel hat, der musz honig im munde haben. Körte 2413; liderin gelt in eim wetzstein verneet Frank 1, 38ᵇ ist der sparpfennig dessen, der nichts hat, er hat das gelt in ein wetzstein verneht Henisch 63, 33 (den hat ihm der hund geholt Körte 2398), wie ein lustiger bruder dem wirte, da es ans zahlen geht, erklärt:
ob ich schon gern (l. geren) guldi zalte,
so hett mir sie der wind hin gwäjt,
han etlich in ein wetstein vernäjt.
Bächtolds Manuel 403.
glück und par gelt
hat mir nie gefelt,
hat mir auch nie gebrochen,
als am sontag und sechs tag in der wochen.
Stöbers Alsatia 1858 s. 414.
m)
dabei bewegen sich die sprichwörter auch hier in widerspruch und gegensätzen, z. b.: gelt hat den fürgang in allen händlen Henisch 71, 55, gelt und gut vor, recht nach 73, 66, aber auch gelt und gut hat den nachgang 73, 43. gelt trennet die liebe 73, 22, aber auch krenket die liebe nicht 72, 47. von gelt und mut: gelt ist der leut blut und muth 72, 10 (macht die leut singen Lehman 1, 282), gelt und gut führet den muth. 73, 38, macht frischen muth 55, mit gelt und gut auch wächst der muth 74, 67, wie Luther im Sirach 40, 26 geld und gut machet mut, aber auch: wo gelt und guͦt, da ist kein muͦt. Frank 1, 57ᵃ, ein sprichwort sagt bair. wo e geld is, is der teufel, wo kains is, is er zwaimal Schm. 2, 43, ostpreusz. wo geld ist, da ist der teufel, wo keins ist, da sind neun und neunzig Frischbier 1, 87 (geld für viel geld).
n)
noch einige dunkle und fragliche oder seltsame sprüche sind dem nachdenken zu empfehlen: gelt und geiz bringt noth ans creuz. Lehman 1, 282; ich will lieber einen mann ders gelt bedarf, dann gelt das eines manns bedarf. Henisch 74, 27 (vgl. u. d); es wird dem gelt gerichtet wie den vögeln. 71, 14; den reichen ins gelt, den armen ins feld. 70, 14; gewalt gehet für recht .. das mücklein bleibet hangen, der hummel reiszet durch, den reichen am geld, den armen im feld, so gehets jetzt in der welt. Otho 514. ein bergmännisches sprichwort 'geld oder feld': wird jemand seumig mit der zubusz, der kompt ins retardat und umb seine kux, nach den alten bergrechten, geld oder feld (hergeben). Mathes. Sar. 64ᵇ, s. Graf u. Dietherr rechtssprichw. s. 129, wo auch geld hält das feld; vergl.gelt oder haar, gut oder blut (hergeben), so müssen die wandersleut, wann sie unter straszenrauber gerathen. Henisch 64, 18; geld hat einen feigen hals Simr. 3319, hat keine zipfel das. (zum festhalten), es ist ja rund.
Zitationshilfe
„geld“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geld>, abgerufen am 14.12.2019.

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