gelege adj.
Fundstelle: Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2932, Z. 14
s.geläg; nach folg. auch gleich gelegen (s. d. 2): daʒ die gefangen am maisten gelegt sein worden bei den turn hinter sant Kathrein am wasser, wann der was am gelegsten zu der gemein kuchen. Nürnb. chron. 2, 264, 6, in bequemer nähe (der beköstigung halber); andere hss. haben zwar am gelegensten, aber älter nl. ist bezeugt gheleghe, positus, situs Kil. 130ᵃ (daneben mnl. gelaghe, s. u.gelagsam); das wäre mhd. gelæge gleich dem part. gelegen. dazu wol auch das 'gelegelich' bei Lexer 1, 807 aus Kirchb. 642, 7, dorf gelêgelich bî dem mer, nahe beim meer, vergl. gelegen 2, c. d., mnd. gelegelik, gelechlik Sch. u. L. 2, 40ᵇ, legelik, lechlik 649ᵇ; s. auch u. gelegenlich.
gelege n
Fundstelle: Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2932, Z. 25
altes subst. verb. zu legen (und liegen), mit nebenformen gelecke, gelegde, geleide (s. 4).
1)
weidmännisch vom eierlegen der vögel: weil der vogel nicht eher brüten kann, bis das gelege beendet ist. aus dem Winkell handb. f. jäger 2, 475; setzen sie ihr gelege unbekümmert fort. 476. auch was der vogel auf einmal von eiern legt: wenn die ente früh um ihr erstes gelege kommt, macht sie noch ein zweites, weshalb man öfters spätlinge findet. v. Thüngen 225; das gelege der heerdschnepfe besteht aus 4 bis 5 eiern, das des rebhuhns aus höchstens eilf eiern.
2)
im weinbau, die art von welcher die weinstöcke als senker abgeleget worden, die märkischen weine sind ursprünglich von fränkischem und rheinischem gelege, stammen aus Franken und von dem Rheinstrome her“. Adelung. was meint das gelege in dem bergmännischen fürgelege (s. d.), vorgelege? vergl. fürlege f., eine art gleis das dem rade seinen weg sichert, wie sich auch das fürgelege, in welches das kammrad eingreift, denken läszt.
3)
im feldbaue, die kleinen haufen, in welche die schnitter das abgeschnittene getreide zu legen pflegen, an andern orten gleten“ (s. 4, c) ders.; in Thüringen, was beim mähen von waizen und korn auf einmal, mit einem sensenhieb gehauen und dann von den abrapperinnen einstweilen hingelegt wird bis zur bildung von garben; fränk., henneb. geleg: betreten sie (die zehender) aber einen, der ein stosz oder geleg träget, den sollen sie pfänden .. weisth. 3, 582. auch fläm. geleg n., pl. geleggen, s. Schuermans 145ᵃ. bair. heiszt es die leg (s.lege 3) von den häufchen, die einstweilen hingelegt werden Schm. 2, 449, schwäb. aber das gleg eine reihe garben, auch eine lage heu auf dem wagen über den leitern, der wagen hat 4, 6, 8 gleg Schmid 348, der begriff ist derselbe: was zusammen hingelegt wird oder liegt. bei Henisch 1455 'geleg der steinen, acervus lapidum, quibusdam coria', nach lat. corium pavimenti u. ä., lage oder schicht steine, estrich u. ä.
4)
dazu aber eine doppelte nebenform, gelecke und gelegde (geleide), wieder auch als f. neben dem n.
a)
gelecke n. ist bezeugt in geläck n., oberhessisch, z. b. bei Schlitz (mitth. Weigands) neben einem fem. glecke (für gelecke), was sonst die form des westlichen md. ist, hess. 'was am getraide die schnitter auf einen haufen legen' Vilmar 128; das fem. ist wie bei bair. leg u. 3, nd. legge lage (s. auch b. c), aber n. ist wol auch nl. ghelegge, merges, fascis spicarum Kil., garbe, mit -gg wie leggen legen, auch nd. leggen, nrh. leggen Teuth. 150ᵇ und auch mhd. neben legen noch leggen, lecken (mh. wb. 1, 990ᵃ, Lexer 1, 1857), weil aus legjan entstanden; jenes gelecke verbürgt lecken als ältere form besonders auch für das westmd. gebiet; vergl. alem. geleggen unter gelegen.
b)
die andere nebenform nrh. im 13. jahrh.: pira, gelegde neben pirula, geleyde Mones anz. 3, 48ᵃ, d. h. zusammengelegtes holz, holzstosz o. ä., in einem rhein. voc. des 15. jahrh. mit nd. färbung gheleyde pyra, congeries lignorum, in einem andern geleide Dief. 436ᶜ. doch kann das gleichfalls fem. sein, wie ahd. gilegida situs, fureglegida propositio (neben einfachem legi) Graff 2, 96, woneben doch ein n. gilegidi möglich ist (vgl. z. b. gedeckte).
c)
jenes geleide lebt noch in landsch. glede f., bei der ernde, büschel abgeschnittener halme Adelung, gleich dem gelege u. 3, mit md. ê für ei, im geschlecht wie bair. lege und ahd. gilegida; es ist z. b. oberlaus., auch misverst. glethe, glete geschrieben: wenn der schnitter die linke hand voll hat, leget er es hinter sich in eine glethe oder legde. Krünitz 11, 387, also auch legde (vergl. d.) für gelegde, vergl. u. 5, a nd. legede gleich gelegede, fläm. leid gleich geleide.
5)
es mischen sich aber formen ein, die mehr oder ganz zu ligen gehören und hier berücksichtigt werden müssen, obschon nicht hd. oder nhd., weil daraus einiges deutlich wird, das sonst auch fürs hd. im dunkel oder dämmer bleibt.
a)
in älterm md. ein gelegede n. lage, beschaffenheit Lexer 1, 807, wieder auch geleide, nrh. von der lage oder bettung von geschützen, büchsen, bei der belagerung von Neusz im j. 1474, als die belagerten wieder pulver haben:
dye meyste (gröszten) zwae Nuyszer bussen
wurden weder zo den schussen
gelacht (gelegt) in yr geleyden.
Wierstraat 1099.
besonders lehrreich ist mnl. geleide n., zusammenliegen, concubitus (von liebenden):
onder een pruumboem was tgheleyde.
Minnen loep 2, 2569,
also ge- mit seiner vollen alten kraft, hier von zweien, wie im vorigen und folgenden von vielen, gegenständen und menschen. eine andre seite des begriffes zeigt luxemb. glecht f., pl. glechten, ebene, fläche Gangler 182 (mit gl- für gel-, wie das. gläf kartoffelkraut u. ä. gleich geläube, s. d.), also gelegde f., eig. gleichmäsziges liegen (mnd. legede, lêde f., niederung Sch. u. L. 2, 649ᵇ). dazu auch mnd. gelecht in der bed. lage der dinge Sch. u. L. 2, 40ᵇ, Hölscher nd. geistl. lieder s. 63, gleich gelegenheit. ebenso gleich gelegenheit fläm. leid f., lage, z. b. ein kaufmann woont op eene goede leid Schuermans 331ᵃ, wie in een goed geleg 144ᵇ, leid für geleide, das auch mnd. neben gelege erscheint gleich gelegenheit (des landes, weges):
de junge Zeno (auf dem teufel als pferde reitend) vor sines weges,
he wiste klene des geleges,
sunder dar he uppe sat,
de wiste dat geleide (var. gelege) deste bat,
dem weren beide osterlant
unde westen wol bekant.
Zeno 821 ff.
b)
diesz gelege, gelegenheit, lage, also zu ligen, geht neben geleide (gelegede) ebenso wie in der andern bed. u. 4, b zu legen, nd. und md., wieder als n. und f.; nd. z. b. (s. mnd. wb. 2, 40): se hebben en gefragt na alle gelech in der stat. so heft hei den herren alle gelech gesecht, wie dat in der stat gelegen was. Münst. chron. 2, 198, gelech (gelege) deutlich als subst. zu gelegen bezogen; md. (s. Lexer 1, 805):
ir wec geburte in schiffen in (sie muszten ihn zu schiff machen),
als sie daʒ gelege twanc.
pass. K. 23, 40;
do vugete sich sin straʒe
nach der gelege saʒe
so hin durch sines bruder lant.
pass. H. 350, 22;
nu was di gelege (des landes)
und ouch al di wege ..
deme Tirsken wol bekant.
Jeroschin 10201;
und buwete in daʒ selbe lant
eine burc Reddin genant ..
al da an ein gelege,
da offene herwege
kein Colmirlande lagin.
4649 u. ö. (s. Pfeiffer 157);
auch von geschäftsverhältnissen:
wan er in fruntlichen bat,
daʒ er were an siner (des bischofs) stat
und des amtes pflege (gleich mhd. pflæge),
wan im daʒ gelege
aller beste were kunt.
Marienleg. 23, 148 (s. 200).
flämisch geleeg gilt einfach als subst. zu gelegen, es heiszt zend mij de boeken bij geleeg, bei gelegenheit, daar is aan die zaak geen geleeg, es ist nichts dran gelegen Schuerm. 145ᵃ. 144ᵇ.
c)
diesz nd. md. gelege ist aber vom vorigen auch in der bildung eigentlich unterschieden, gelêge, in mhd. gestalt gelæge (s. mhd. wb. 1, 995ᵃ, 48), vom praet. von ligen gebildet, jenes aber gelĕge, genau gelegge, wie das westmd. gelecke es scharf ausprägt, vom praes. von legen gebildet. allein wie beide in der nebenform geleide zusammen treffen, wobei auch gelêgede gleich gelêge ein gekürztes gelegede voraussetzt, so müssen beide sich früh in einander gemischt haben, wie die zeitwörter ligen und legen selber stellenweis solche mischung zeigen; vergl. schon ahd. geligida neben gelegida situs Graff 2, 96. wird doch sachlich jedes hinlegen zu einem liegen (vergl. mhd. ligen sich legen), wie denn dem nd. legge (schwäb. gleg u. 3) hd. lage entspricht, jenes vom hinlegen des heues, holzes u. ä. benannt, dieses von seinem daliegen nachher.
d)
bemerkenswert ist auch nl. bei Kil. gheleghe villa, domus rustica, magalia, domicilium, habitatio, noch jetzt z. b. fläm. geleg (auch gelig), 'ligging, huis, woning, hoef, winning met omliggende goederen, stuk lands' Schuermans 144ᵇ, z. b. dat is hier een goed geleg, dit pachthof is wel gelegen, une bonne situation; vergl. auch das nrh. geleegh Wierstraat Neusz 1410. das deutet wol auf hohes alter, es scheint nach Kilians begriffsbestimmung ein herabgekommenes wort aus der vorzeit, wie sie für häuser häufig sind (s. z. b. kote, bude, gelärr), wobei die neuere auslegung als 'situation' begreiflich ist (vergl. u. a), ursprünglich aber ein sich hin legen, lagern gemeint sein wird, also aus der zeit der wanderung her, der begriff der vorübergehenden lagerung (vergl.geleger) unter beibehaltung des altgewohnten ausdrucks ausgeweitet zu dem einer dauernden 'niederlassung', die ja eig. auch nur eine unterbrechung der wanderung, ein vorübergehendes ausruhen ist, vgl.geläsze 1 für behausung und gelasz 1, c a. e., d. h. der begriff des sich lâʒen, ausruhend niederlegen, erweitert zu dem von wohnung; vgl. auch unter gelegen 1, a. 2, c a. e. und gelegenheit 1, a gleich lager, behausung 5, d für bauerngut u. ä.
e)
endlich eine berührung mit gelag. denn mnl. heiszt gelage, gelach n. auch belagerung Oudem. 2, 438 (vgl. u. dem folg. gelegen), eig. also lagerung wie u. d, und gelegenheit, zustand, lage, z. b. slants ghelaghe Rijmb. 5724 (vergl. gelag im groszen nl. wb.), mnd. gelach Sch. u. L. 2, 38ᵃ (lach 608ᵇ), also völlig wie gelege, geleide u. b. c; die doppelform weist auf alts. gilag und gilâgi neben einander (vergl.gelag 5, b). unser gelag, von nd. nl. herkunft, ist aber theils ein zechendes lagern (s.gelag 7, a), theils ein zusammenlegen der beiträge (s. das. 6, e), also wieder sowol zu ligen (sich legen) als zu legen, das letztere besonders deutlich in gelag 7, b, lage, schicht, auch von hingelegten halmen beim mähen, eben wie gelege (3).
Zitationshilfe
„gelege“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gelege>, abgerufen am 17.10.2019.

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