Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geleite, geleit, n.

geleite, geleit, n.
subst. verb. zu leiten, mhd. geleite (noch nicht ahd.), mnd. geleide und leide n., nl. geleide; entlehnt auch dän. leide, geleide, schwed. lejd, böhm. glejt, poln. gleyt in der bed. salvus conductus (2); im 16. jh. vielfach gleit (daher noch begleiten), auch in md. rede (gleite 1, b, γ), oberd. auch mit genauem vocal glait, gelait, md. aber auch geleid, wie unter nd. einflusz, s. z. b. Luther u., hess. 14. jh. geleide u. 1, c, α, fränkisch u. 4, b, selbst schwäb. glaid im 16. jh. u. 2, b, geleid S. Frank chron. Germ. 218ᵃ u. o., gleid Simpl. u. 1, a, α. von andern nebenformen, auch einem fem., s. am ende.
1)
leitung, begleitende führung, im voc. inc. teut. glait conductus, auch conductio geleit, geleide Dief. 140ᶜ.
a)
im eigentlichen sinne.
α)
als leitung oder zugleich ehrende begleitung (ehrengeleite):
ich hôrte ie sagen, der niht hât
geleites, der mac missevarn.
Biterolf 7887;
swâ ein blinde dem andern gît gelaite,
dâ vallent si bêde in die gruobe.
Wackernagel leseb. 224, 28 (216, 13),
gleichfalls als sprichwort. einem das geleite geben ist bis heute in geltung, hauptsächlich als ehrende begleitung beim abschied, z. b.: Reinhart gab im bisz an die pforte das geleydt. Aimon z; das ganz hofgesindt sich bereitet, dem ritter morgends das geleyt zu geben. Galmy 206; der ein gab dem andern das gelait haim (beim nächtlichen heimgang vom schmause), der diesem auch wiederum, und trieben das gelaiten, bis sie beid auf einem mist bliben ligen. Pauli sch. u. e. (1546) 45; nam damit meinen abschied und gieng, wie ich begehrt hatte, ohne liecht und gleid vor tag aus dem haus. Simpl. 4, 59 Kz. (vogeln. 2, 7); mein vater gab mir das geleite zu dem dorf hinaus. Jucundiss. 50; ich wolte ihr das geleite geben, doch sie wegerte sich höflich .. Weise erzn. 229; einem das geleit geben bis an die treppe. Ludwig 728; herr Lavater gab dem verfasser bis nach Schafhausen das geleite (nach dem besuch in Zürich). Gökingk 3, 185 anm.
β)
dagegen als höhnende verkehrung der ehrenden form: die galante welt gewöhnt sich zwar ohne stiefeln zu reiten, allein weil ich gern bei tage reite, so steht zu befürchten, die herren gassenjungen möchten mir bei meiner ungestiefelten cavalcade mit einem verächtlichen faustrunda eine ziemliche feldlänge das geleite geben. Stoppe ged. 1. samml. s. 71; ab seiner scheutzlichen gestalt ... erschracken des bauwren grosze scheferhund und gaben dem mönch bisz schier vor das dorf hinaus mit irem bellen und beiszen von jedermann ein gebillichts und gegönnet geleit. Kirchhof wend. 1, 521 Öst. nd. enem dat geleide gewen mit prügeln Dähnert 148. Strodtmann 70.
γ)
auch das letzte geleite, zur ewigen ruhe, beim letzten abschied, auch die letzte ehre genannt: (wollte) seiner seligen lieben hausfrau das letzte geleit zu ihrem ruhbettlein geben. Schweinichen 3, 257; todtengeleit, conductus mortuorum principum Frisch 1, 605ᶜ (aber leichengeleit leichenpasz). ähnlich ist es, wenn einer, der mit der folter zu weiteren geständnissen bedroht wird, seinerseits droht: würde man so streng mit mir procedirn, so würden noch viel, die vor ehrliche burger gehalten werden, mit mir zur leiche gehen oder mir das geleit geben müssen. Simpl. 3, 128 Kz., mich zur hinrichtung begleiten.
b)
auch bildlich (vergl. 4, g),
α)
schon mhd. bei dichtern, z. b.:
Minne ist ze himel sô gefüege,
daʒ ich si dar geleites bite.
Walther 82, 10,
sie kennt den weg zum himmel am besten, führt also am sichersten dahin, auch zu gott, für got, vor gottes thron:
Minne hât ûf erde hûs,   ze himel ist reine für got ir geleite.
Wolfram Tit. 51, 2;
der rehten ê diz vingerlîn
für got sol mîn geleite sîn.
Parz. 440, 14.
oder sorgen als geleite, umgebende begleitung:
daʒ was sîn êrstiu kêre
ûʒ sîner frîheite,
dô trat er inʒ geleite
betwungenlîcher sorgen.
Gottfr. Trist. 2068.
β)
auch nhd. von allerlei begleitung (die eben eigentlich ein geleite geben ist), z. b. von der kunstlosen liebe im gebirge:
der eintracht hold geleit, gefälligkeit und scherzen,
belebet ihre küss' und knüpft das band der herzen.
Haller 33 (Alpen v. 159);
nun wandelt im geleite
dir (der hoffnung als fee) ewig ruhe nach.
Bürger 8ᵃ (an die hoffnung);
in zeiten, wo die dichtkunst lebendig wandelt, erscheint sie überhaupt nicht ohne das geleite der tonkunst. Uhland schr. 5, 184, die scherze, die ruhe, die tonkunst u. s. w., wie dort mhd. die sorgen, die minne als wandelnde gestalten gedacht. doch auch anders, von gegenständen als begleitung:
flieh! auf! hinaus ins weite land!
und diesz geheimnisvolle buch,
von Nostradamus eigner hand,
ist es dir nicht geleit genug?
erkennest dann der sterne lauf u. s. w.
Göthe 12, 31,
zugleich noch als anleitung, als führer;
schnell hatt' ihnen mama den gebratenen schinken von mittag
aufgewärmt in der pfann' und gewürzt mit kräftigen zwiebeln:
gutes geleit der kartoffel für leckere!
Voss Luise 3, 2, 14.
γ)
auch im anschlusz an das geleit, das man einem abziehenden gibt (vgl. a, α. β):
als ich (auf meiner reise) an la Roche's hand
jedem Rheinschiff das geleite
mit den augen gab am strand,
bis in dunkelblauer weite
mast und wimpel uns entschwand ..
Gökingk 3, 184;
mein herr, ihr bleibt heut nacht bei uns. ich lasse
euch nicht hinweg, ihr sollt mir sicher ruhen,
und morgen gibt der tag euch das geleite.
Göthe 10, 247 (Claud. v. V. 2),
d. h. mit dem tageslicht sollt ihr ziehen können. sonst, wenn man dem abziehenden nicht selber das geleite gab, wünschte man ihm gottes geleite (s. dazu 4, g), z. b.: nun, gott gebe euch das gleite, und kommt auch bald wieder. Heinr. Jul. v. Braunschw. 239 Tittm. (so gleite euch gott 238). oder man entschuldigt sich mit der eigenthümlichen wendung nehmen sie das geleit mit, bei Ludwig 728 (i. j. 1716) ihr werdet das geleite mit nehmen, ihr werdet mich entschuldigt halten, dasz ich euch nicht hinunter geleite; bair. nemens ihnen halt selber s'glait, auch sonst sich selber das gelait nemen, ohne erhaltene oder erlangte begleitung fortgehn Schm. 2, 514, wonach die wendung ursprünglich als scherz gemeint ist.
c)
bemerkenswert ist dabei, wie geleite auch persönlich gebraucht wird, der geleitende selbst geleite heiszt.
α)
so mhd. und nhd., z. b. in der todtenklage über landgraf Ludwig von Thüringen, da er auf der fahrt nach dem heiligen lande gestorben und die seinen führerlos liesz:
wê uns, wî hân wir dich verlorn,
unser ougenweide,
ein liecht und ein geleide
unser walleferte!
heil. Elis. 4728,
vergl. vorher du sûʒer leidesterre (leitstern) 4724;
minne, hôhe sinne solten dîn (var. dir) geleite sîn!
Neidhart 96, 32;
auch hat sie (die tugend) dich in ihren schutz
genommen, alsbald du geboren,
desgleichen du der welt zu nutz
hast sie für dein glait auszerkohren.
Weckherlin 375 (od. 1, 7);
zwar war got stehts ihr glait,
ihr hüter der nicht schlafet.
232 (ps. 105, 14);
jüngst gieng ich im rosenhain
unsrer fürstin, nicht allein,
denn dein bild war mein geleite
und verliesz nicht meine seite.
J. H. Merck an Lila (morgenblatt 1843 nr. 122).
β)
ebenso gemeint ist zum geleite geben, nehmen u. ä., d. h. als geleite: wähle dir zwei knechte zum geleite, welche du willst. Fr. Müller 3, 226; wer an jeden wunsch einen donnerkeil heften kann, wird er für nöthig finden, ihm ein sanftes wörtchen zum geleite zu geben? Schiller III, 132, 16. 313, 18 (Fiesko IV, 14);
du hast gut reden, dacht ich, zum geleite
gab dir ein gott die gunst des augenblickes.
Göthe 3, 28 (tril. d. l., elegie);
und die funkenwürmer fliegen ..
zum verwirrenden geleite.
12, 205 (Faust I, 3548).
γ)
mhd. gab es nämlich ein persönliches geleite m. und f., geleiter, geleiterin (wb. 1, 977ᵃ, Lexer 1, 809), ahd. leito und leita Graff 2, 188, alts. leido mîn dux meus ps. 54, 14, z. b.:
wie sol der blinde sich bewarn,
wil sîn geleite unrehte varn?
Freid. 55, 8;
die geleiten si wîsten dar,
die den wec wol kunden.
En. 131, 6 in H;
wan Cundrîe ir geleite
schiet si von arbeite.
Parz. 792, 17.
das ist nachher in dem persönlichen geleite n. aufgegangen.
δ)
auch pluralisch, das geleite von allen geleitenden, mitgehenden, mitziehenden, das gefolge, z. b. in eines gesandten geleite sein, gefolge Krünitz 17, 102, bair. bei Schm. 2, 514 das hofgelait, eine partey des obersthofmarschallstabs, auch das nachtgelait vom wilden heer. bei Ludwig 728 das geleit, der train, die suite, das gefolge eines reisenden vornehmen herrn oder abgesandten, das geleit oder gefolg bei einem einzug, die einholung, a train of followers u. s. w., auch er ward mit einem geleit von vielen kutschen eingeholet.
2)
bewaffnete geleitung oder begleitung zu schutz und sicherung gegen feindliche anfechtung; gelayte, salvus conductus, comitatus, salvum guardium (vergl.garde). voc. th. 1482 k 6ᵇ.
a)
im 12. 13. jh. werden landfremde gäste vom landesherrn mit geleite gesichert, auch gesandte, boten des feindes, z. b. Liudigers boten am Wormser hofe, die fehde ansagen, bei ihrem abschied:
dô bôt in rîche gâbe   Gunther der künic guot
und schuof in sîn geleite:   des stuont in hôhe der muot.
Nib. 163, 4.
dieses leiten durch das geleite (s. nachher) erscheint auch zugleich noch als ein wîsen, den weg weisen, also wie u. 1, z. b. als die boten Hartmuts auf der werbung nach Gudrun kommen,
dô gerten si geleites:   dô hieʒ man in die wægesten nâhen (als geleite) ...
sîn geleite wîsen   hieʒ dô Hôrant
die ellenden geste   dâ her von Tenelant,
unze daʒ sî bræhten   die Hartmuotes mâge
daʒ si ze hove kæmen.
Gudr. 600, 4. 602, 1.
es heiszt auch einfach leiten oder geleiten, z. b. beim besuch der Burgunden in Bechelaren, beim abschied erklärt Rüdiger:
ich wil iuch selbe leiten   und heiʒen wol bewarn,
daʒ iu ûf der strâʒe   niemen müge schaden.
Nib. 1646, 2,
zugleich oder mehr als hohe ehre (wie u. 1), die der fürst den königlichen gästen anthut (die ja selber mit starkem heere fahren), dasz er sie selbst geleitet;
geleite von den beiden
sider Biterolf gewan ..
dô er sô friuntlîchen
wart geleitet durch die marke.
Bit. 1114. 1125;
si riten ân geleite   von Wormʒ über Rîn.
si mohten wol des muotes   sicherlîchen sîn,
ob si in vîentschefte   würden an gerant,
daʒ sich weren wolde   der küenen Nibelunge hant.
Nib. 1035,
in C ungeleitet für ân geleite. viel später erst bildet sich dafür begleiten (anfangs beleiten), auch vergleiten (Schm. 2, 515), mit geleite versehen und sichern.
b)
und so bis in die nhd. zeit im kriegs- und fehdeleben.
α)
in den weisthümern des 15. 16. jh. sind mancherlei bestimmungen in betreff zu leistenden geleites, z. b.: hat unser herre der apt dehein freise (furcht, den landfrieden betreffend), so sol der vogt fuͤren die zinse, die pfert und die lüte mit sime geleite über Thur, und sol sie da empfahen unser herre und sie (selber) witer leiten. weisth. 4, 105, der vogt musz die fälligen fruchtzinsen samt geschirr und dienstleuten unter seinem eignen bewaffneten geleite bis in die hände des abtes bringen; als es sach were dasz u. gn. h. von Lotharingen krieg hette, vor städte und schlosser zu ziehen .. so soll man ihm (von der gemeinde wegen) einen wagen .. und vier pfert mit einem knecht zustellen .. (nach 14 tagen aber) soll er dem knecht geleidt geben, dasz er seinem meister moge heim kommen mit dem wagen (dasz ihn die feinde nicht abfangen). 2, 65; wer es ob ein mann ein geleit fordert an einem amptmann .. das mag er wol geben bisz an die andere (angränzenden) ambtleut. und ist es das dieselben ambtleut dem auch geleit geben, so ist es ein ganz geleit u. s. w. 6, 82 (s. auch u. 4, c a. e.); die burgleute zu Friedewalt uf der burg und im dorf haben bishero das geleit mit des herrn landgrafen voigt bereiten helfen, und wan solchs geschehen, hab der voigt iederm pferd ein masz hafern und inen die speis geben. 3, 331, es ist wol aber kaufmannsgeleite (s. c); ich schemete mich vom könige geleit und reuter zu foddern. Esra 8, 22.
β)
es heiszt auch ausdrücklich kriegsgeleit, nach kriegsbrauch: da das (schreiben der aufständischen bauern) her Jörg Truchses erhört und verlesen het, hat er geschafft, den selbigen botten in guͦter huͦt und acht ze haben, und im darbei also gesagt, wie er als keck und durstlich sei, im ain soliche botschaft zuͦ bringen on erlaubnus kriegsglaits, und aber darbei enpfolchen, im gnuͦg essen und trinken zuͦ geben. Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. in Oberschwaben 626, der bote, der feldschreiber der bauern, war on sunder glaid, als (doch) kriegsrecht und prauch ist, ins lager gekommen, es ist doch da mehr schon das vom feind eingeholte recht des unangefochtenen kommens und gehens.
γ)
dieser begriff der erlaubnis (s. 3, a) zu kommen oder zu gehen (oder auch zu bleiben, s.geleiten 2, c) tritt oft in den vordergrund, z. b.: geleit oder erlaubnus, so ein hauptmann einem kriegsmann gibt, commeatus, dimissio, venia. Maaler 165ᶜ; und sie erlangten geleit vom könige, das sie sicher eraus möchten gehen. 1 Macc. 6, 49, vielleicht nur 'brieve und geleit', wie es das. 12, 4 heiszt (s. 3, a). daneben lebendiges geleit (auch leibgeleit Krünitz 17, 103), was sich ursprünglich von selbst verstand, nun aber zu sagen nötig ward im gegensatz zum blosz schriftlichen geleit (dafür nun auch todtes geleit Stieler 1144): wart abgeredt, das der von Rafenstain aus dem lant ziehen und in der haubtman mit lebendigem gleit versichern solt. Wilw. v. Schaumb. 95; i. j. 1525 während der bauernunruhen ersuchten die Rotenburger für eine botschaft nach Schweinfurt den markgrafen Casimir von Brandenburg um sein geleit dahin: ewer furstlich gnaden wollen unser ratsbottschaft zu und von demselben tag verglaiten, uns dasselbig glait von stund an hiemit bei disem knecht in schriften oder ain lebendig glait zuschicken. Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. aus Rotenburg 435, vergl. s. 436 das schriftliche marggrafisch glait, das darauf erfolgt, doch mit der beschränkung: an den enden, da wir zu glaiten (haben). auch beides zusammen: herzog Christoph und herzog Wolfgang wurden vom herzog Albrecht mit schriftlichem und lebendigem geleit versehen. Schmeller 2, 514 aus Krenner.
δ)
man unterschied das grosze geleit, für fürstliche personen, 'welche noch zuweilen auf solche art geleitet werden', und das kleine geleit, 'diejenige sicherheit, welcher sich alle reisende auf den straszen zu erfreuen haben' (s. 4). Krünitz 17, 103, Frisch 1, 605ᵇ; das letztere im 15. jh. z. b. in Thüringen: it. 3 sex. gr. (fürstl. einkünfte) von eim clenen geleyte zu Warza. neue mitth. d. thür.-sächs. vereins 12, 457.
c)
am längsten in übung blieb das 'lebendige geleit' zum schutz der kaufleute und waarenzüge (schriftliches geleit so s. u. 3, c); von berührung mit dem zollwesen s. u. 7.
α)
es erscheint schon in mhd. zeit: dehein geleite ist reht (keiner ist verpflichtet g. zu nehmen). ist aber unvride in dem lande unde muotet ein koufman geleites, daʒ mag im ein herre (der gebietsherr) wol geben ... swaʒ dem koufman schaden (gen.) geschiht, den sol im der gelten (ersetzen), der in dâ geleitet. Schwabensp. 194 Laszb.; von einem unbekannten, der auf der strasze ân geleite vert, wie sonst ritter thun:
frouwe, ist eʒ ein koufman,
sô möht er wol geleites gern
und dar umbe sîner miete wern (dasz wir erfahren wer er ist).
dem koufschatz ist der zol gezilt.
Wolfr. Will. 115, 19, 29.
β)
besonders wichtig war es zur zeit der messe, namentlich in Frankfurt: zu herbstzeit in der Frankfurter mesz ritten etliche kaufleut mit dem geleyt, wolten in die mesz gen Frankfurt. Frey garteng. 37. in der zeit vor den beiden messen dort, der fastenmesse und herbstmesse, bewegte sich diesz geleit mit den kaufleuten und waaren auf allen straszen nach Frankfurt hin, zugleich eine wichtige einnahmequelle für die betreffenden gebietsherren, s. z. b. aus dem Rheingau im 14. jh. unter 6, a, aus dem Wertheimer gebiet im 16. jh.: volgenden tags zur früe, als das gelaid schon im fortgang gewesen (der zug schon fort war von Wertheim). arch. d. hist. v. von Unterfranken u. Aschaff. 19, 2, 127, der ganze zug das geleit genannt (wie u. 1, c, δ); weil h. Friderich und Wolf Ernst von Lewenstein dem gelaid entgegen mit 12 pferden kommen und befunden, dasz 2 Crichingische diener mit reiten. das.; dazu das fastengeleit, herbstgeleit: im fastengelaid hat ein viertel burger unden herauf und den andern tag oben hinauf (von Wertheim aus gerechnet) auf der Creutzheimer seiten bis Heidenfelt gleich geleitet. 152; nachdem nun das herbstgelaid underdessen auch herbei kommen. 134 u. o., im herbestgelaid 129. vom Frankfurter meszgeleit in der Wetterau s. Röder v. Diersburg gesch. der groszh. hess. garde-unteroffiziers-compagnie Darmstadt 1857 s. 4 ff., es war i. j. 1605 an Hessen-Darmstadt als gerechtsame gefallen, bestand meist aus 45 pferden, von adelichen beamten und schultheiszen gestellt und geführt, seit 1659 aber von der leibgarde zu pferd. es war später zu einer bloszen festlichkeit geworden, die ihren höhepunkt in der begegnung mit Frankfurter geleitsmannschaft und einholung durch diese fand bei weidlichem schmausen u. s. w., wie Göthe einmal in der herbstmesse 1775 von dem geschwirre der messgeleitszerimonien schreibt (an Lav. 25, d. j. G. 3, 113), genaueres in seiner schilderung des geleitstages 24, 31 ff. (wahrh. u. d. 1. buch) und bei Malsz volkstheater in Frankf. mundart, der alte bürgercapitän im gloss. unter geleitsreiter (s. d.): acht tage vor anfang jeder messe, an dem sogenannten geleitstag (s. d.), hatten die geleitsreiter aufzusitzen und dem geleite (den geleitstruppen benachbarter reichsstände) bis an die grenze des stadtbannes entgegenzurücken, oder, wie man es schlechtweg nannte, das geleite einzuholen u. s. w. s. auch bei Krünitz 17, 107 vom nürnbergischen meszgeleit der auf die Leipziger und Frankfurter messen gehenden kaufleute, vom churmainzischen mesz- und judengeleit, die noch damals (1779) in geltung waren.
γ)
auch geleit auf flüssen, z. b. auf dem Main, als ein theil des Frankfurter meszgeleites, wie in Wertheim an der Tauber a. a. o. s. 127 'das gelaid burger schiff' erwähnt wird, geleitschiff das die bürger stellten, die waarenschiffe durch ihr gebiet zu geleiten, gewiss auch bewaffnet. vergl. geleitschiff, auch vom geleite auf der Elbe z. b. in Pirna u. 7, c.
3)
an die stelle des lebendigen oder persönlichen trat aber vielfach schriftliches geleit u. ä. (vergl. 2, b); vergl. auch geleitszeichen.
a)
schriftliches geleit, auch geleit in schriften, wie das marggrafisch glait aus Baumann u. 2, b: ein schriftlich geleydt, damit die gesandten sich nichts zu befahren haben. Kirchhof mil. disc. 96. auch brieflich geleite Lexer 1, 809, 'briefe und geleit', d. h. geleit durch eine urkunde (s. geleitsbrief): und die Römer gaben inen brieve und geleit, das si sicher widerumb heim zögen. 1 Macc. 12, 4; auch blosz als schriftliche erlaubnis (vergl. 2, b, γ), z. b. zum betreten und benutzen eines waldes bei eichelernde: als ein echer ist up des richs walde, so sullen die herren .. geven allen den ghenen brieve ind geleide, (die) des gesinnen, ind sullen (damit) die luide ind verken (mitgenommenen schweine) zollvry .. up ind ave gain. weisth. 2, 774, erlaubnisschein. auch mit dem wälschen ausdruck passport gesellt und verstärkt, z. b. im bauernkriege: die weil die aufruͦr gewert hat, hand edellewt und ander mechtig herren gelait und passporten (der pl. wie brieve und g. vorhin) von den bawren müssen begeren und nemen, damit si sicher durch ir gegent (haben) wandeln mögen. Baumann qu. z. gesch. des bauernkr. in Oberschw. 402, ebenda der wortlaut eines solchen bauerngeleitsbriefes: ich Pauls Probst, obergester feldhawbtman des allgeischen hawfen .. bekennen mit diser zettel, das .. der wirdig und hochgelert herr C. Hepp, doctor der artzney, stattartzet zu Kempten ... begert im widerumb haim paszporten und gelait ze geben. die weil er dann als ain artzat gemainer landschaft mit seiner kunst und artzney teglichen erschieszen (nützen) mag, ... so geben wir im frey sicher gelait, bevelhen auch allen und yeden, so uns underworfen sind, in frey und on aufenthalt passieren lassend (so) in kraft ditz zetels, mit unserm aigen furgetruckten bittschaft bewart. galt doch auch das blosze passport (urspr. wol zum passieren des thores, in festung und lager) schon länger, z. b. pasporten pl. Wilw. v. Schaumb. 133, man hörte es von Italienern und Franzosen (franz. im 15. jh. passeporte f.), wie Kilian nl. gheleydbrief franz. mit passe-port erklärt. auch 'pasz und geleit' schon im 16. jh.: darum ist mein bitt, ir wollet mir ein sicher pasz und geleydt durch ewer königreich geben. b. d. liebe 230ᵈ, pasz als recht zu passieren (vergl. passieren in dem bauerngeleitsbrief vorhin).
b)
auch solch schriftliches geleit ist gewöhnlich mit bloszem geleit bezeichnet, obwol es oft unsicher bleibt, z. b.: darzuͦ sollent ir mir auch ewer gleydt geben. Aimon C; nach sollichem ward den Schweizern (im sold herzogs Ulrich v. Würt.) die weil lang, dann der herzog het sie nit zuͦ bezalen ... und besorgten sich (doch) vor den reisigen, die zugen alle stund und tag ob in umb, und ward also durch die iren aus der eidgnoschaft an die stend des punds zu Ulm geworben inen umb ain glayt aus dem land, so würden sie raumen und wider haim ziehen. also ward in gelayt zuͦgeschickt u. s. w. Baumann qu. z. gesch. d. bauernkr. aus Oberschw. 755 fg.;
und hat er nit ein fürstlich gleid,
so nemt in gfangen.
H. Sachs 5, 341ᵇ;
wo ist dein gleit, du bösewicht?
du bist gefangen, hast dus nicht,
oder du must dein leben lassen.
340ᵃ;
sie hat sich selbst nach erhaltenem geleite in das feindliche läger begeben. A. Gryph. 1, 92.
c)
auch für kaufleute (s. 2, c) schriftliches geleit, z. b. kaiser Ottnit, der als englischer kaufmann mit waarenballen nach Constantinopel will, wird vom schiffer, der ihn fahren soll, gefragt:
sagt, ob ihr auch gleit haben thut?
habt ihr keins, so möcht ihr es kaufen.
dort thut der gleitsman gleich herlaufen,
der nimmt gelt und gibt euch auch gleit.
Ayrer 1037, 31 ff.,
derselbe verweist ihn dann ins gleitshaus, wo er ihm die gleitsbrief schreiben will, das bezahlte geleit wird da zugleich zum zoll (s. 7).
4)
sicherheit und schutz auf straszen und wegen, friede und freiheit des verkehrs, das blieb am ende der begriff des wortes, wie es schon von anfang zweck und wert auch des eigentlichen, des bewaffneten geleites gewesen war, das dann durch briefe, endlich durch den bloszen begriff oder die idee vertreten wurde.
a)
so schon mhd. und auch nhd. bis ins 17. jh.
α)
schon im 12. jh. in dichterischem bilde in Walthers spruch ich saʒ ûf einem steine, der in schwerer trauer klagt, dasz êre, guot und gotes hulde sich nicht zusammenfinden können:
Untriuwe ist in der sâʒe (hinterhalt),
Gewalt vert ûf der strâʒe,
Fride unde Reht sint sêre wunt:
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden ê gesunt.
8, 27,
sie können sich nicht auf die strasze wagen, weil sie schutzlos den angriffen jener unholde ausgesetzt sind. ein guter fürst schafft oder gibt gutes geleit im lande, frieden und sicherheit auf straszen:
Sewfrid gab solch geleyte
und sterket das gericht:
het einer gold getragen,
er dorft sich fürchten nicht.
hürnen Seifried 173, 1.
über könig Wenzels landfrieden v. j. 1389 heiszt es spottend im reime eines spruchsprechers:
ir herrn, gent mir das botenbrot!
der römische kunig is noch nit tot,
er wil dem lande machen vride ...
er meint dasz man des riches strasze
gar (ganz) sicher var in sime geleite,
als mir ein karicher (fuhrmann) von Öhingen seite u. s. w.
Liliencron 1, 202ᵃ;
so sol der pfluͦg ouch fride han ...
der koufman vert ûf guͦtem geleit ..
und truͤge er gold uf dem rucken,
wer er doch sicher vor den mucken (wegelagerern als landplage).
203ᵃ;
wer dem land git fride oder geleit,
man ime billich nigen sol,
das zimet dem römischen kunige wol.
204ᵃ.
β)
nhd. erscheint der allgemeine begriff, zu dem es sich erweitert hatte, recht deutlich, wenn ein abt, der auf der strasze angefallen und um sein geleit gefragt wird (s. u. 3, b), antwortet:
ich hab geleit auf allen straszen,
wann ich bin ein gweichte (geweihte) person.
ir seit all im schweren ban,
wo ir wolt rechtfertigen (vor gericht ziehen) mich.
H. Sachs 5, 340ᵃ,
d. h. er hat kein schriftlich geleit, aber dauerndes geleit an sich und überhaupt nimmt er als priester in anspruch.
γ)
ebenso bildlich, wenn bei der plünderung von Dole i. j. 1479 die kirchen ausgeraubt werden und das sacrament entweiht, heiszt es davon:
got het auch vor in kain glaidt,
das sacrament sy namen,
dar zu die heiligkait (heiligthümer).
Soltau 2, 264, Liliencr. 2, 159ᵃ, 3, Ⅹᵇ,
gott und sein heiligthum wie vogelfrei. und noch im 17. jh. von wild, das in der schonzeit sicher geleit hat: wenn sie (die vögel) aber junge ausgebracht haben, so haben sie kein sicher geleid mehr. Colerus calend. 32.
b)
es heiszt auch deutlicher fride und geleit, schirm und geleit, sicherheit und geleit, freiheit, trost und geleit u. ä. (natürlich auch von bewaffnetem geleite), vergl. vorhin friede oder geleit im 14. jh.; z. b. als Wate mit den seinen in Irland erscheint in kaufmanns weise und zunächst den könig Hagen um gedinge ersuchen läszt (vergl. conductio gedinge Dief. 140ᶜ):
er (der könig) sprach 'mîn geleite   unde mînen vride
den wil ich in enbieten.   er büeʒet mit der wide,
der an iht beswæret   die unkunden herren.
Gudr. 296, 1.
im urtheilsspruch, der einen für vogelfrei erklärt, heiszt es: wir erlauben dich auch menniglichen uf allen straszen, und wo ein ieglich man fried und geleid hat, da soltu keins haben. weisth. 3, 605; unser herre der kunig begere, daʒ sie (die fürsten die in fehde sind) doch zu einem gutlichen tage wollen kommen .. und daʒ alle, die zu dem tage ryten werden, von beiden seiten friede und geleite haben und halten, von hus usz zu demselben tage und wider heim zu ryten. Frankfurter reichscorr. 1, 689, vom j. 1402; als er (der herzog zu Sachsen) umb geleide und schirm geschriben habe, daruf man im widergeschriben habe, sich zu halden nach uszwisunge der (gulden) bullen. 426, vom j. 1438. im 16. jahrh.: antwort die jungfrau, dasz diesen rittern ... sicherheit und frey gleid gegeben werde, dasz was euch gleich für übels in diesem streit begegne, ihnen darüber kein gewalt oder leid zugefügt werde. Amadis 415; es soll auch solche fridbrecher niemand hausen, herbergen ... sonder die selben annemen (festnehmen) .. darwider sie nit schützen, schirmen oder fürtragen soll einich tröstung, sicherheit, freiheit oder geleydt. reichsordn. 1539 107ᵇ; wir wöllen auch, dasz alle .. fürsten .. in allen iren tröstungen, sicherheiten, fürworten und geleydten .. fridbrecher .. ausnemen und ausschlieszen. das., nachher gleydt und sicherheit zuͦschreiben, das gleydt zuͦschreiben das. (landfrieden zu Worms 1521); vergl. in m. gn. fr. (frauen) freiheit und geleidt weisth. 2, 35, trost und geleit 2, 360, geleide und trostunge 502 (s.trösten so 5, 480), geleide unde vurwort 625, vurwarde ind geleide 782, vurwerde ind geleide 788, vurwerdt und geleith 492, geleide und schirm 625, schirm ind geleide 754. auch reimend 'geleid und eid': das Johannes Hus und Hieronymus von Prag zu Costnitz wider bepstlich, christlich, keiserlich geleyd und eyd sein vorprand. Luther an den adel K 2ᵇ. vergl.dem geleit nicht trauen als redensart 5, e.
c)
auch sicher, frei, strack (oder stark) geleit u. ä., man häufte gern die verstärkenden bezeichnungen, um die sache damit zu verstärken, während anfangs das blosze geleite genügte:
hetten wir nit hie ein sichers gleit,
das hat man uns also zuo geseit,
das tar da niemant an uns sprechen (uns in anspruch nehmen).
fastn. sp. 292, 11;
ist etwo ein ketzermeister .. den lasz ich wissen, das er hab sicher geleydt (nach Wittenberg zu kommen). Luther serm. von dem ablasz 1520 Cijᵇ;
drumb bat (der jude) den könig auf ein zeit
desselben lands umb sicher gleit,
das er im günt ein sichern zug
on all beschwer und ungefug.
Waldis Es. IV, 20, 8.
frei geleit (s. aus dem kais. edict u. d): diese zwen heimburger haben .. macht, frey geleyde zu geben. weisth. 1, 618. gern verstärkt frei sicher, strack frei geleit, z. b.: alle die Jüden, so zwischen hie und dem dreiszigsten tag des aprilis reisen werden, sollen frey sicher geleit haben. 2 Macc. 11, 30; wurden also bei den vierzig mannen und hawbtlewt aus der bawren hawfen ausgeschossen und in freyem sicherem gelait hereingefürt in die statt und in das kloster beschaiden, do man in ze essen und trinken und fuͦtter etc. nur überflüssig geben muͦst. Baumann z. bauernkr. in Oberschw. 397; hett einer ein strag fry geleit bin (binnen) unsers herren gericht. weisth. 2, 226; frei strack geleidt. 347; auch gehäuft ein fry strack sicher geleit Mones zeitschr. 9, 427 (v. j. 1493), frey stracke sicherheit und geleit Schmeller 3, 680, ein frey strack geleide weisth. 4, 532, gut frei und strack g. 6, 754, auch frei stark geleit 2, 648 (und stark geleiten 6, 683 u. ö.), ein frei sicher liebes und gutes geleit schicken Steinh. Bocc. 2, 172ᵃ, vergl. mhd. guot geleite Nib. 1030, 2, genügendes, sicheres. es gieng bald auch in die blosze bed. erlaubnis zu reisen über, mit zugesagtem schutz im notfall, schon im 14. jh. z. b. in dem judengeleite für die Mainzer juden, denen der erzbischof i. j. 1383 verschrieb ein veste ganz stragk geleide, in unserme lande gelt zu lihen und ir scholt zu fordern Haltaus 627 (wegen ganz g. s. u. 2, b, α).
d)
hierher gehört auch das geleit, wie es Hus und Hieronymus zu ihrem erscheinen vor dem concil in Costnitz erhielten, keiserlich und bepstlich geleit (s. Luther u. b a. e., vgl. 5, b a. e.), und Luther selbst bei ähnlichen gelegenheiten: aber es ist doctori Martino von verstendigen trewen freunden gerahten worden, er sol in keinem weg sich mit dem legaten (Cajetan) in handlung begeben, er hab denn zuvor von röm. kei. mai. und vom raht zu Augsburg sein gleit erlangt .. also hat doctor Martinus des keiserlichen gleits erwartet, welches denn am montag nach Gereonis im worden ist. Luther 1, 109ᵃ; wiewol einem so verdampten .. ketzer verhör zu geben in allen rechten ausgenommen ist .. doch weil etliche offentlich vermeinen .. den Luther zuvor .. billich zuhören, in zu uns erfoddern und mit freiem geleit versehen sollen, so haben wir (Karl V.) darauf in an unsern hof beruft und durch einen unsern herold mit schriftlichem geleit hieher zu uns kommen lassen u. s. w. 1, 459ᵃ, kais. edict v. j. 1521; weil .. M. Luther also ganz verstockt .. verharret .. haben wir in, laut unsers geleits .. von unserm angesicht hinweg ziehen lassen, und ime widerumb ein herold zugeordent, also das er von demselben 25. tag aprilis an zu rechen zwenzig tag ... unser frey sicher gleit haben .. solle. 460ᵇ, sodasz Luther nach und von Worms schriftliches und lebendiges geleit zugleich vom kaiser hatte, den wortlaut gibt Haltaus 629 aus dem original, es wird darin Luthern unser und des reichs frey gestrack sicherhait und gelait gegeben.
e)
das war übrigens nur die anwendung von einem geleite, das im rechtsleben überhaupt eine wichtige stelle hatte, s. Haltaus 627 ff., bei Maaler 165ᶜ ein frey geleit und versicherung, die ein gemeind oder oberkeit einem zuͦsagt, das er on alle entgältnus frey dörfe reden, ein sicher geleit, fides publica, bei Dasyp. 338ᵃ offen geleyd, fides publica. vergl. geleitsbote.
α)
im lehnswesen z. b., wenn ein lehnsmann seinem herrn die treue aufsagen wollte, was mündlich geschehen muszte, so hatte ihm der herr dazu geleite zu geben, bürgschaft für seine persönliche sicherheit während des gefährlichen geschäftes: bedet die man geleides sînen herren, tô ime unde von ime tô komene, swenne he ime untsecgen wel, dat sal ime die herre geven. weigeret he's ime mit unrechte, sô mût ime die man wol untsecgen tô sîme nêsten hûs .. sô dat it (an seiner statt) die hôren die dâr binnen sîn. Sachsensp. lehnr. 76, 6.
β)
im rechtsleben geleit für den schuldigen oder beschuldigten, dasz er sich unbehelligt vor gericht stellen konnte, um rechtes zu pflegen, geleit zu recht Berger J. Hus u. kön. Sigmund 202, 'gelait zum rechten (gericht), sogar zum und vom rechten geben' Schm. 2, 515 (mit belegen), tröstung und geleit her und hin, dar und dannen u. ä. Haltaus 628 (es ist aber nur gelait zum rechten und nicht für recht 629, s. u. 5, c), z. b.: welch man den andern zu tod schlecht (vom mord wol zu unterscheiden), der sal ein jar die stat rewmen, und ein mark der stat geben, ob er darein wil und eines tages warten (während des jahres sich stellen zur rechtlichen verhandlung), doch sal er gegen dem richter gleyts bekumen (sich g. verschaffen vom richter), uf das er fridtag habe und in nymands anzuvertigen (habe). Michelsen rechtsd. aus Thür. 428, Leutenberger stadtr. § 21; ob sach were, das ein eigener hoffman, da gott vor seye, einen zum todt brecht, so mag er kommen zu einem kelner (als vertreter seines herrn) .. der soll ime geleidt geben und erhalten uf des herrn costen sechs wochen und dry tag, und soll in zu tag füren (zum gerichtstag bringen in sicherem geleite) .. kan er aber mit der widerpart binnen der zeit nit zu frieden kommen und begert weiters geleit, soll ime der kelner geleidt geben von wegen unsers gn. herrn jahr und tag uf des armen mans (d. h. des unterthanen) costen u. s. w. weisth. 2, 469 u. o.; ladung bringt das geleit mit sich. Frisch 1, 605ᵇ als rechtssprichwort. das war auch der grund, weshalb man Luthern in Augsburg i. j. 1518 von einer seite abriet vom geleite: würde er gleit nemen, so machet er sein sache deste erger. Luther 1, 109ᵃ, d. h. er stellte sich damit in das licht eines schuldigen. s. auch u. ε von geleite für schuldner und noch aus dem 18. jh. bei Krünitz 17, 102.
γ)
dieser begriff des gerichtlichen geleites erweiterte sich auch zu dem von frieden und sicherheit überhaupt zu gunsten des rechts und gerichts, rechtssicherheit, z. b. ein schultheisz als vorsitzender verkündet beim beginn: ich verbiete auch hier überbracht, das keiner den andern übergehe noch überstehe, er thu es dann mit recht. ich geben auch hier menniglichen frei strack geleit aus und in (ein) so weit und breit als u. gn. h. gerechtigkeit geit. weisth. 2, 347, das geleit erstreckt auf alle betheiligten und auf den ganzen umfang des gerichtsgebietes, damit allgemeines freies kommen und gehen sei zu freier rechtspflege. auch als wichtiges herrenrecht (vergl. u. 5, a): die scheffen erkennen zu recht .. eine abbatissin des hochadlichen jungfrauenclosters Marienberg bei Boppard vor einen gerichts grund und aigenthumbs herren zu Hatzfeld .. habe auch dieselbe gerichtliche gebot und verbot, auch macht zu dingen und zu mahnen und das geleit zugeben das jahr aus und an so weit und breit als sich das gericht und die gerechtigkeit zu Hatzfeld erstreckt und gehet. 2, 234, vergl. 4, 738. auch als recht und pflicht des herren, einen abziehenden unterthan sicher zu geleiten, wovon in den weisthümern oft die rede ist (s. z. b. u. 5, a aus Lucern, auch u. geleiten 2, b): erkennen wir scheffen .. dasz ein ehrw. herr abt zu Gladbach ein herr ist über das gericht, geleit, auszug und inzug der underthanen zu Niederweiler u. s. w. weisth. 4, 758.
δ)
für den übelthäter, der sich bergen muszte, gewinnt es den begriff schutz und schirm in einer freistätte, sodasz auch der ursprüngliche begriff des kommens und gehens ganz zurücktritt, eine verengerung wie im geraden gegensatz zu der vorigen erweiterung; so oft im rechte von freihöfen, z. b.: da einer von da auszen herein keme und hette einen todschlag gethan mit unglück, dem mag man alhie binnen der freiheit (dem gebiet des freihofes) geleit geben jahr und tag und so lang, als er ein guter gesell sein will. weisth. 3, 11, will er aber dann weiter, so soll des hofs schultheisz ihm das geleit geben und strecken es (wo seine geleitsgrenze kommt) fort an den amptmann zu B. und der amptmann soll ihm das geleit verfrischen u. s. w., womit es zu seinem eigentlichen sinn zurückkehrt; do es sich begebe, da gott vor sey, das einer einen todtschlag gethan hette und keme zum hofman des hofs und gebe ime xj albus und hiesche ime gelait, so solte derselb todtschleger in solchem hof gefreiet sein sechs wochen und drei tage. 2, 506, vergl. 546. 648; alle die weil die fryleut zu Laer sind und das gericht (statt gen.) da warten sollen .. were es dan ab unter in ein auflauf geschee .. das einer oder mere fluchtig wurden (wegen todtschlags o. ä.), so sal der fryhoff uffen stehen die weil, ob es denselben not geschehe das er darin geflien möchte, und wen er dan darin queme (dasz es ihm glückte), so sal er frid und geleyt darinne haben u. s. w. (bis auf gerichtlichen austrag). 3, 520, in einem franz. weisth. aus dem obern Elsasz ausdrücklich asile genannt, demander l'asile, violateur d'asile 4, 88. selbst auf die sicherkeit im eignen hause erstreckt, allerdings im anschlusz an das geleit des übelthäters: es sal auch ein iglicher mitburger fride und geleydt habin in seinem hus, es were dann das er sich verhandelt hette, das hals ader hand anrürt. 3, 599, im stadtrecht von Meiningen v. j. 1450. vergl. dazu unter geleitssäule.
ε)
daher geleit selbst auch für die freistätte, in ein geleit fliehen u. ä. (vergl. 6, a): wann man das haus soll halten, so verdirbt man, das man von schuld wegen in das glait musz fliehen. brandenb.-nürnb. katechismus von 1533; so ain burger ... sich schulden halb ... in ain glait oder andere befreyung (freistätte) thun würde .. so mügen sich die glaubiger .. anzeigen u. s. w. Nürnb. reform. 70ᵃ. für schuldner galt auch richterliches geleit (s.β), z. b. im Leutenberger stadtrecht § 49 'von gleit des richters': der richter sal nymands schuldiger (gen. pl.) in die stat wissentlich gleyten wider des willen dem er schuldig ist. Michelsen rechtsd. 432, geleiten, geleit geben; das uf dieselbigen dag, so das .. gericht sein soll, das dann ein iglicher hubener, der .. gein Worms kompt von gerichts wegen (als theilnehmer), ein gleide han soll vor schuld. weisth. 4, 633, dasz kein gläubiger ihn antasten darf, während anderwärts auch bestimmt wird, das nymant furter me fur schult sall geleide habin 566.
f)
dieser begriff ist dann auch gemeint mit geleit, geleyde induciae (auch frist, fristung) in vocc. Dief. 295ᵃ, induciare geleyde geben das., auch treuga gheleyde (oder frid, sicherheit, gelaittag u. a.) 594ᶜ, auch bestand das. (s. d.), vergl. eiserner oder anstandsbrief, der flüchtigen missethätern oder ausgetretenen schuldnern als 'sicheres geleit' gegeben wurde (Krünitz 17, 103); zu bestand vergl. auch bestandner conductor (geleitsmann) Dief. 140ᶜ, bestant inducie 295ᵇ. s. übrigens auch unter geleitstag.
g)
auch bildlich, geistig, geistlich wird der im leben allen geläufige begriff angewendet, z. b. (vergl. auch 1, b):
das bit wir dich, du raine maid,
bhiet uns vor laid,   gwinn uns ein glaidt
und lasz uns nit verderben.
geistl. lied anf. d. 16. jh.
besonders gottes geleite, z. b.:
wilt du erdynen gottes glayt,
dein herz zu kummer hj berayt.
Schwarzenberg 151ᵃ,
d. h. gottes geleit für den letzten gang (vergl.das letzte geleite 1, a, γ). aber auch im leben hier schon:
solten auch tausend und tausend hinfallen,
dasz ich nicht gleite,
dasz ich im lande des lebens kan wallen,
macht sein geleite.
A. Gryphius 2, 266.
selbst im alltagsleben, bei abschied, reisen u. dgl. (vergl. u. 1, b, γ gott gebe euch das geleite als abschiedswunsch): wer nicht mehr bürger ist oder wieder aus der stadt ziehen will, der soll dem rathe den zehenden pfennig von allen seinen gütern .. zum abzuge geben, und ziehe darnach in gottes geleite. Zeitzer stadtr. v. 1573, Schott land- u. stadtr. 1, 266; sind wir resolviret, diesen nachmittag ... uns zu schiffe zu begeben und unter göttlichem geleite abzusegeln. Felsenb. 2, 617, wie jetzt auf gut glück u. ä.;
zeuch hin, gott sei dein gut geleite ..
zeuch hin, o meine lieblichkeit!
Besser 743,
in Eleonorens wehklage beim abschied, 'aus einem alten teutschen liede verbessert.' ein nd. segen über die jungen gänschen, die zur weide getrieben werden, beginnt:
ek brenge dek an de weide
an godes geleide.
Schambach wb. 61ᵇ.
im 17. 18. jh. verschickte man im kaufmännischen verkehr waaren in gottes geleite, wie es in den frachtbriefen hiesz; daher auch folgendes: hiernebenst sende ich denenselben im namen und geleite gottes per fuhrmann Hans Görgen und gespann von Reichenbach ein päcktel mit allerhand würz und andern waaren u. s. w. Rabener (1755) 3, 158; hast du es dem thorschreiber gesagt, Johann, dasz er künftig seine schläfrigen augen besser aufsperren, und die lügen unter gottes geleite, ich meine die frachtbriefe der kaufleute, nicht so blindlings für wahrheiten halten solle? Möser patr. phant. 1, 171.
5)
die geläufigsten wendungen, fast alle schon oben reichlich belegt, sind folgende.
a)
geleite geben, auch nemen (s. aus Luther 1, 109ᵃ u. 4, e, β a. e.), schon mhd.:
ir sult âne sorge   got bevolhen varn,
man gît iu guot geleite   (ich heiʒ iuch wol bewarn)
zuo iuwerem lande.
Nib. 1030, 2,
in C ich schaffe für man gît (vergl. Voss u. c); s. auch von Seifried als landesherrn u. 4, a, α. oft in den weisthümern als wichtiges recht (vgl. 6, b und u. 4, e, γ): it. ein apt und ein schultheiszt von sinen wegen hant macht, geleyde zu gebin in dorfe und gerichte zu S., und nymants anders. 1, 523; ouch wart geteilet an dem gerichte, das ein probist zu s. Peter zu Mentz hat zu kommern uf der strasze und in der mark unde geleite zu gebin unde nymants mehir u. s. w. 3, 623 (s. geleite vor kommer u. c); die burger von Lucern hant ouch das recht, swenne ir keiner von der stat ziehen und varen wil, das den nieman dar an irren sol, und diu herschaft sol im geleite geben sinem lib und sinem guͦte unz an sin gewarsame. 4, 367, schutz gegen störung des abzugs, bis er sicher ist (vergl. u. 4, e, γ). während der herr das geleite gibt, so thun es die wirklichen geleiter: sollen die herren den (todtschläger, der den freihof sucht) geleyden eine banmeile wegs, wohin dasz er begehrt, und die herren von s. Florin und die vögte sollen solches geleyte thun. weisth. 2, 413; auch von herren: so sulte ime der herre (der gerade dazu geritten käme) selbs helfen, das er von dannen queme, und dem manne auch eine bannemyle geleide tun. 2, 605. mhd. geleite tuon vom landesherrn (Artus) für verschaffen, leisten, wie auch noch im 16. jh.: und sol ouch unser gn. h. von Fleckenstein das geleit, gebot und verbot allein ze thun haben in gemelten bezirk. weisth. 5, 493, das gerichtliche geleit. der geleitete hat geleite, s. u. b, auch 4, c u. ö.
b)
das geleit halten oder brechen, z. b.: daʒ alle, die zu dem tage (zur sühneverhandlung) ryten werden, von beiden syten friede und geleite haben und halten (sollen). Frankf. reichscorr. 1, 689, d. h. beide parteien sollen es von einander haben und einander halten; mit hocher pit, so sie (die schweiz. söldner) .. abziehen würden, dasz inen glait gehalten (würde). Baumann zum bauernkr. aus Oberschw. 541; ob sie die glait hielten oder nit 542; das sie haben furgewendet, das einem ketzer sei nit zuhalten das geleyd .. geleyd halten hat got gepoten, das solt man halten, ob gleich die welt solt untergehen. Luther an den adel K 3ᵃ; (haben) Johanni Huss das christlich gleit nicht gehalten. schr. 1, 359. das brechen des geleites zählte wirklich unter die schwersten übelthaten: wer es auch das ymandt .. flüe (l. flühe) in eins burgers hus oder hofreit .. und wil ine der wirt des hus verspreche (vor gericht vertreten) ... so sal in nymandt darusz nemen, ausgenomen todslehe, vorreterei, brandt oder der (wenn einer) ein geleydte gebrochen hette. weisth. 3, 598, aus der stadt Meiningen 15. jh.; breche einer der herrn gleit mit wissen frevelichen. 5, 266; wurde einem burger oder einem frembden von uns (dem fürsten), unserm amptmann oder richter ein geleit gegeben, und iemants wolte den geleiteten in solchem geleit mutwilliglichen mit worten oder werken übergeben, der geleitete sol sein geleit offenbaren und sich auf solchs berufen. so aber der mutwillige daruber nit nachlaszen wolt, hat er das geleit an ime gebrochen, und wirt das clagbar, so soll der mutwillige das büszen kegen dem gerichte die hochste busze. vorschweiget aber der beleitete sein geleit und offenbart das nit, so hat der beclagte an ime kein geleit gebrochen. Arnstädter stadtr. b. Michelsen rechtsd. 47; sie solten noch heutigs tags drob laszen leib und leben, ehe sie bekennen solten, das ('s) recht sei keyserlich, bepstlich, christlich geleyd brechen, trewlos dawidder handeln. Luther an den adel K 2ᵇ. dagegen „worte brechen kein geleit, verbis non violatur conductus, daher dörfen die soldaten das frauenvolk huren schelten (ungestraft) und andere die vorbeischiffenden schimpfenFrisch 1, 605ᵇ, Graf und Dietherr rechtssprichw. 293.
c)
es heiszt geleit vor (für) gewalt u. ä., als schutz vor (für) gewalt: doch soll im (dem flüchtigen) die herrschaft notturftig geleydt vor gewalt zu recht geben. reichsordn. 1539 108ᵃ, dasz er sich zum rechten gestelle; sicherhait und glayt zu recht für gwalt und unrecht. Halt. 629, bair. 16. jh.; wisten die scheffen, ein scholteisz moge geleide geben vor kommer und nit me. weisth. 2, 215; der scholtesz sol vor kommer geleidt geben. 224, kummer, d. i. festnahme durch einen gläubiger, kläger u. ä., vergl. kommern und geleite geben u. a; wer zu markte dar kommet .. der sal .. friheit und geleide han .. vor alle schult und anesprache die wesen mag. 5, 247; wer iʒ sache, das man ein merkirding .. solde han (abhalten), so sulde ein iglich merker vor dem andern geleyde han. 1, 515, keiner darf währenddem einen andern gerichtlich belangen o. ä.;
komm doch heran, Odysseus, damit ich (Polyphem) als gast dich bewirthe
und ein geleit dir schaffe vorm mächtigen ländererschüttrer.
Voss Od. 9, 517.
d)
man kommt und geht in geleite, in fürstlichem geleite u. ä., eigentlich mitten in der geleitenden schar oder ihrem waffenbereiche, dann aber auch blosz begrifflich, wie im schutz, in frieden u. ä. (als schützender kreis gedacht):
er sol varn in mins (des Artus) geleites pflege.
Parz. 720, 18;
swelich herre den andern in sîn geleite nimt, er gebe im dâr umbe oder niht, er sol im ze rehte gelten (erstatten), swaʒ im genomen wirt in sînem geleite. Schwabensp. 167 G.; ein adelicher, der im bauernkrieg von bauern angehalten und bedroht wird, erzählt: da sagt ich zue im 'Martin, thue gemach, ich bin in eim geleit da.' da war einer da, mit namen Pauli Metzler, ain kriegsman, der sprach zue im: 'Martin, lasz in mit lieb, es ist nit kriegsrecht. es ist kriegsrecht, wenn man eim ein gleid gibt, dasz mans im für wort und werk halt.' Baumann zum bauernkr. in Oberschw. 489. aber auch mit auf, im rechte eines freihofs: wer och daʒ ieman in den hof fluchi .. der sol (da) frid han dry tag und sechs wochen .. und sol (dann) ein probst in beleiten von dem hof ein halb mil weges .. (und) sol in ein vogt schirmen in dem hof und uf dem geleit. weisth. 1, 317, während des beleitens vom hofe fort. anders auf geleit, in zuversicht auf erhaltnes geleit (wie jetzt auf einen pasz reisen u. ä.): wenn der reus (beklagte) wolte uf gelait zum rechten kommen. Haltaus 629; das sich burgermaister und die vom rat .. erhueben, komen (aus dem erstürmten Gent) zu herzog Albrechten (als feindlichem feldherrn) auf gleit, barhaubt und barfuesz u. s. w., baten umb gnad und ablaszung des zorns. Wilw. v. Schaumb. 125. auch under unsers herrn geleide weisth. 6, 702, unter seinem schutz.
e)
bemerkenswert dem geleit nicht trauen, wie man noch sagt dem landfrieden nicht trauen, aus den gleichen verhältnissen übrig geblieben als redensart, im munde des alten sperlings, der seine jungen über die welt belehrt:
ich hab auf solch verreterwerk
verlangst mein sonderlich gemerk.
spür ich an einem dicken strauch,
das sich herauswindet der rauch,
als wenn ein feur darunter wer,
so trau ich dem geleit nicht mer u. s. w.
Froschmeus. A 8ᵇ (1, 263 Göd.),
auch der strauch als redensart aus dem reiseleben der zeit, der rauch verrät strauchdiebe, die da hausen, das geleit als friede und sicherheit auf der strasze, s. fride und geleit u. ä. 4, b.
6)
der begriff selbst hatte sich übrigens in sich mehrseitig erweitert, den verhältnissen im leben entsprechend, die ihn ausbildeten.
a)
auch der geleitsbezirk heiszt kurz das geleite.
α)
das gebiet in dem ein herr das geleite zu geben hat, wozu die erste der folgenden stellen den begriff noch im übergange zeigt: it. fregte er die scheffen uf ire eide, ob ein bischof von Collen odir ein palzgrave geleyde hie (in Bacharach) geben solde, wie verre und wie wijt daʒ gan solde? daruf wisten die scheffen ... daʒ solle gan als wijt und als verre als daʒ gericht vorbenant ist (dessen grenzen vorher genau gezeichnet sind). weisth. 2, 215; vomme zolle (den zolleinkünften) sol der bischof (von Basel) vride bern menlikeme in dem sîme geleite oder der banmîle. daʒ geleite gât alsô verre (folgt die genaue angabe). 4, 476, Wackern. Basler bischofsrecht 19, 4, das in sîme geleite gab den doppelten sinn von selbst an die hand, einmal nach 5, d, in seinem schutz und frieden, dann in seinem geleitsbereiche, das zweite deutlicher mit binnen für in, schon mhd.: sweme her (der herr) geleite gibt, der sal in schaden (gen.) bewaren binnen sîme geleite. Sachsensp. II, 27, 2; auch get unsers hern von Mentze geleyde hie dissit Rins von Niderdale an den linpfad us bis gein der steinen brück obendig Menze, und hat auch binnen dem genanten geleyde nieman kein geleyde zu geben oder kein geleydegeld zu nemen denn unser herr von Menze. weisth. 1, 534. das geleit bereiten Krünitz 17, 104, s. geleitsreiter.
β)
daher als redensart einem über das geleit faren, wie ins gehege kommen, widerrechtlich: du kanst doch nicht leiden, das man in dein gebiet greife, wenn dir jemand on dein willen über das geleit feret, so scheuszest du mit büchsen hernach. Luther 2, 352ᵇ, geleit geradezu gleich gebiet, bereich in dem einer zu gebieten und zu verbieten hat, hier: das recht hat nach dem geleit oder pasz zu fragen (es ist fehdezeit gedacht). auch einem ins geleit gehen, im geleit liegen, in sein recht eingreifen mit übergriffen, wie z. b. Schmeller 2, 515 aus Lori bergr. 88 fg. von arbeitern beibringt, die nicht mehr arbeiten wollten und weggiengen, sie seien ihrem meister ins gelait gegangen, lägen im gelaite, eigentlich in seinem gebiete störend und hemmend. vergl. auchgeleit 4, e, ε als freistätte, ort wo das geleit kraft hat.
γ)
auch das gebiet, in dem ein herr das geleite zu nehmen, die einkünfte vom geleite hat (das geleitsgeld, s. c) wird das geleite genannt: hirumb begern wir von uch ... das ir mit den uwern, die danne Numburgisch bier in und durch unsere lande, gebiete und gleite pflegen zu furen, bestellet, das sie sich sollicher fure .. maszen .. (andernfalls) obgemelt gleit an widerrede zu geben (s. unter 7, a, das land hatte über uberfurunge mit Naumburger bier geklagt). Leipz. urk. 1, 164, kurfürstliche verfügung an die stadt vom j. 1442.
b)
auch das recht geleit zu geben (s. u. 5, a, vgl. 7, b) heiszt kurz das geleit, es hiesz das gelait haben auf einer strasze, einem strome Schm. 2, 215, z. b.: wir verpieten auch pey unsern hulden, das nyemant den andern durch das land belait umb kain gut, er hab dann das gelait von dem reich. kais. landfrieden vom j. 1236 (übers.) Haltaus 626, es galt als kaiserliches recht und ward als lehen an die fürsten vergeben, s. das., auch R. Schröder in Zachers zeitschr. 1, 261, dazu Martins Gudrun s. xxxiv, daher i. j. 1410 in einer bestimmung des königs Ruprecht: in unserm und des heil. reichs schirme und geleite sin usgenomen diebe, morder u. s. w. Haltaus 630, und noch im 18. jh. kaiserliches gelait (7, a, α); item bestetigen wir ime (könig Sigmund dem erzbischof von Mainz in der wahlcapitulation) ... sin munzen, sin geleide und alle sine zolle die er hat in sinem stifte, slossen, landen, gebieten und straszen, iʒ sy zu wasser oder zu lande u. s. w. Frankfurts reichscorr. 1, 228; und anfangs (vor allem andern) sol der schulteisz .. dem vogtherrn wisen alle oberkeit und gerechtikeit .. (darunter) gewicht, wilpenn (wildbänne), fischetz, die strasz, das geleit, den Neckarstrom u. s. w. weisth. 4, 525; und das geleide und geleidsgeld (s. unter a) hat (als recht) ein ieglich vizdom von gnaden unsers herrn von Menz. 1, 334.
c)
auch die gebühr für das geleite (geleitsgeld) und auf seiten des herrn die einkünfte davon heiszen kurz das geleite (vergl. 7, a), schon mhd.: mit rechte sî her (ieclich man) geleites vrî, swô her sînes gûtes oder sînes lîbes genenden (mutig sein) wil. Sachsensp. II, 27, 2, wie vorher zolles vrî, er braucht kein geleit zu nehmen und zu bezahlen; der selbe wagenman und karrenman sol daʒ selb guͦt verzoln und gelait davon geben. Augsb. stadtb. s. 43, aus einer Nürnberger ratsordnung; weme die hoche landstrasz zuhör und wer das gleidt binnen dem bezirk darvon zu heben habe und wie weit das reiche? weisth. 3, 751, nach dem reichen zugleich als bezirk gedacht, wie anderwärts zugleich als recht, z. b.: man teilet dem stift zu Fulda da gebot und geleite, wasser und weide u. s. w. 3, 363, vgl. 361, das recht daran und die einkünfte davon. ein stegreifritter rechtfertigt seine 'sattelnarung', das geleit als fürstliches 'geschäft' behandelnd:
solt man die straszen alzit frien,
das bilger, kouflüt sicher sien,
so wer doch nüt (nichts) der fürsten huͦt (schutz),
wir machen in ir gleit nun (d. i. nur) guͦt.
Murner narrenbeschw. 24, 42 Göd.
7)
geleite und zoll, geleite als zoll.
a)
beide begriffe, ursprünglich verschieden, sind doch auf der strasze so zu sagen von selber zusammengekommen und eins geworden.
α)
schon mhd. erscheint beides zusammen als eins, s. unter 6, c aus dem Sachsenspiegel, unter 2, c aus Wolframs Wh. 115, 29 ff., wo geleite und zol gesondert genannt, aber wol zusammen gemeint werden, doch so dasz geleite noch die sichere geleitung des kaufmanns meint (mit miete dafür gezahlt); aber ebenda 112, 24. 29 (209, 18) auch beide eigentlich schon eins, geleite als zolleinnahme, zol als abgabe. geleite und zol beides als abgabe (vgl. Lexer 1, 809) im 14. jh.: daʒ wir (die grafen von Würtemberg und Helfenstein) gelobt haben den erbern lüten .. von Auspurg, daʒ wir si .. ir lîb und ir guͦt sicherlich beleiten wellen und sullen, als dick si zuͦ uns koment in unser geleit (geleitsgebiet), die uns unser gesatztes reht von zöllen und von geleit gebent. Augsb. urk. 2, 26, Gengler deutsche stadtrechtsalterthümer 458; den kouflüten von Augspurg .. die vor uns zolle und gelait geben heten den nêhsten herren die an uns stôʒʒent ûf der vert. das. 27 (459); kein man mac zu rechte keinen zol noch geleite intfûren (unbezahlt lassen) her in die stat, wen an îklîcheme thore ein zolner sitzet. Freiberger stadtr. 40, bei Schott 3, 270, also auch das geleite erst am stadtthor entrichtet, nicht schon beim ersten betreten des weichbildes, sodasz an ein wirkliches geleiten wol nicht mehr zu denken ist, wie auch beim umgekehrten wege: ist daʒ ein man sînen rechten (schuldigen) zol intfûret oder sîn geleite ûʒ dem wîkbilde, deme sal der zolner volgen u. s. w. das., nachher geleite geben geradezu auch verzollen genannt: ist daʒ ein gast brengit gût her in die stat, daʒ geleite geben sal, und wil daʒ verzollen u. s. w. 271. beides als eins auch in einer landesherrlichen befreiung der stadt Leipzig vom j. 1444: als wir in unsern landen .. eine satzung haben gemacht (zum schutz der bierbrauenden im lande), das ein yderman, der Numburgisch bier furbas furen wurde, uns zu zolle und geleyte von einem iglichen fuder biers ein gulden geben solle, während die von Leipzig auch dafür keinen zoll nach gleite anders danne so vor alter herkomen ist .. geben sollen. Leipz. urk. 1, 171; in der angezogenen satzung ist aber nur von geleite die rede: von einem iglichen fuder Numburgisch biers ... einen rinischen gulden zu gleite zunemen. s. 164, also deutlich zugleich schon als zoll gemeint, d. h. als abgabe für die erlaubnis der aus- und einfuhr oder für den gebrauch der landesherrlichen straszen, worein der ursprüngliche begriff des sicheren geleites übergetreten war, also aus dem schutz für den kaufmann oder fuhrmann mehr zu einer last geworden (doch vgl. unter d). in vocc. des 15. jh. ist glait auch vectigal Diefenb. 608ᵇ, vectigalis der geleyde git oder der iʒ nimpt. Schmeller 2, 515 bringt wol aus eigner erinnerung bei: das glait zu Aub wurde durch einen glaitsmann besorgt, der im fürstl. brandenb. 'glaits- und zollhaus' wohnte, worauf zu lesen war: allhier suchet und gibt man das kais. glait, dem chur— und hochfürstlichen haus Brandenburg zuständig, also noch als kaiserliches (s. u. 6, b), und nach dem suchen und geben eigentlich noch als das sichere geleit gedacht.
β)
wie beide begriffe sich schon früh vermischten oder verwirrten, zeigt die umgekehrte vertretung von geleite durch zoll, wie bei Krünitz 17, 105 angegeben ist, es sei 'in ältern zeiten zuweilen das geleit unter dem allgemeinen worte zoll mit begriffen, auch wol das geleitsgeld zoll genannt worden', was bestätigung findet z. b. in den Magdeburger fragen I, 21, 2, wo es heiszt ein iczlich man ist geleite fry mit syme gute, ab er wil (nach Ssp. II, 27, 2 unter 6, c), für geleitefry aber eine md. hs. des 15. jh. zolfrey setzt (s. Behrends ausg. s. 148), wo denn umgekehrt zol für geleite, d. h. das sichere geleit und die gebühr dafür stehen musz. vergl. übrigens bei Krünitz a. a. o. die gelehrte bemühung in seiner zeit, zoll und geleite begrifflich auseinander zu halten, doch mit dem zugeständnis, dasz sie thatsächlich vielfach zusammenfallen, geleite aber vom zoll gelte vornehmlich in den sächsischen staaten.
γ)
es heiszt sonst das geleit bezahlen, ausrichten u. ä., das geleit verfahren, dieser abgabe aus dem wege fahren Krünitz 17, 104, im 16. jahrh. z. b.: so iemandt das geleidt verfure und nit ausrichtung thete, soll der geleidtsman ime nachfolgen und ine zu bezalen tringen. weisth. 3, 751; den Leipziger geleitsbeamten war aufgegeben in ihrer geleitsbestallung, fleiszig obacht zu haben, dasz niemand das schuldige geleite verfahre, vertreibe (mit vieh) noch anderergestalt entwende (vgl. intfûren unter α). vom geleitsherrn auch das geleit heben, ebenda: it. ist der scheffen (d. h. die versammelten scheffen, s. sp. 1290) beladen worden (mit der frage), weme die hoche landstrasz zuhör und wer das gleidt binnen dem bezirk darvon zu heben habe ... doruf der scheffen komen (von der beratung zurück) und erkandt, dasz ein herzog zu Lottringen das hochgeleidt ... allein zu heben habe, das hochgeleit, d. h. das auf der hochen landstrasz (denn das auf nebenstraszen steht dem gemeinen herrn zu); dabei auch noch die pflicht des geleitsherrn, im notfall schadenersatz zu leisten: so sich zutruge, dasz kaufmanschatz in der landstraszen nidergelegt wurd (die fuhre 'niedergeworfen') und sein geleidt ausgericht hett, soll hochgedachter furst dem man wider zu seiner wahr verhelfen, also auch schon die waare selbst richtet das geleit aus, wie jetzt z. b. kaffee zahlt so und so viel zoll, und schon im Freiberger stadtrecht 40 (vgl. unter α): ist daʒ ein gast gût brengit, daʒ dâ geleite gibet. Schott 3, 271.
b)
das geleite heiszt kurz auch das landesherrliche recht der erhebung (vgl. 6, b) und die nutzung des geleites (wie der zoll), z. b. wenn markgraf Friedrich von Meiszen im j. 1346 sein geleite zu Leipzig auf ein jahr verpfändet: wir .. bekennen das wir mit .. Wernher von Wizzeleiben burgere zu Erforte .. obirein komen sint, das wir im unser geleite zu Lypcz mit alle sinen gevellen, nuczen unde rechten gelaszen haben .. ober ein ganz jar umme dryhundert mark lotiges silbers .. were aber das wir unser geleite wider habin woldin wenne das jar uz queme u. s. w. Leipziger urk. 1, 26, vergl. s. 39, wie eine geldforderung angewiesen wird an unser geleite und lantbete zu Lipczk, d. h. zugleich geleit und steuer als eine landesfürstliche hauptcasse, wol in einem amt und amtshaus vereinigt, die selber auch kurz das geleite hieszen (s. c). als im j. 1440 ff. von den landesherrlichen einkünften der landgrafschaft Thüringen eine genaue aufnahme gemacht wurde durch Thomas von Buttelstedt, verzeichnete dieser u. a.: von dem geleyte zu Herbesleuben .. ein jar 60 sex. (schock gr.), it. von dem geleyte zu Tenstete darin gehorende ein jar 24 sex. neue mitth. des thür.-sächs. vereins 12, 443; das geleite zuͦ Wymar ist verlassen (angesetzt) des jares umbe 45 alde schog, hat vormals mit dem geleite von Bottilstete gedynet uf die merkte Numborg u. s. w. 465 fg.; das geleyte zu Wiszensee ist der stad ein zal jar verschriben umb ire notdorft willen. 474; das geleyte in der stad zu Sangerhusen stet (ist zugestellt) der stad daselbs, 60 lötige marg (es war ihr überlassen zur erholung von einem groszen brande), weder abzulosen sechs jar nach datum der verschribunge, und hat vor gestanden den von Morungen, 100 marg. s. 477. vom chursächsischen geleitswesen im 17. 18. jh. gibt J. N. Schwarzens wb. über die churs. gesetze bis 1792 1, 358 ff. ein bild (vgl. die zusammensetzungen), seine form ist aber durchgehend gleite, das auch in den Leipziger geleitsacten des 18. jahrh. mit geleite wechselt.
c)
auch das geleitsamt samt dem ganzen geschäftsbetriebe hiesz kurz das geleite, nicht anders das amtshaus (wie die steuer für das steueramt, der zoll auch fürs zollamt), es hiesz sich im oder beim geleite melden, z. b.: selbst die kaufmannskutschen müssen, wenn sie gleich keine waaren und sachen führen, sich dennoch des verdachts halber im gleite melden, ingleichen die schiffsleute auf der Elbe bei dem gleite zu Pirna. Schwarz a. a. o. 358ᵇ; bei ihnen (den gleitseinnehmern) sollen sich land- und lohnkutscher, fuhr- und schiffsleute .. auszer dem nothfall nicht bei nacht und unter währendem gottesdienst in den gleiten anmelden. 360ᵇ (vgl. geleitszeit); die geistlichen (sind gleichfalls gleitsfrey), jedoch müssen sie sowohl als die von der ritterschaft jederzeit richtige scheine und pässe ausstellen (für ihre leute die waaren führen) und in den gleiten produziren lassen. 359ᵃ. in Leipzig war ein churfürstliches hauptgeleite, dazu gehörig in Taucha ein beigeleite, welche z. b. beide vom jahr 1687 bis 1721 vom churfürsten an die stadt verpachtet waren für 23000 gulden jährlich im anfang, wie mir der städtische archivar Wustmann nebst anderem folgenden aus den geleitsacten mittheilte. s. auch obergeleite unter d. eigen beigeleite als f. (s. dazu u. 9): jedes pferd, so durch die stadt (Gräfenhainichen) oder vorüber fähret oder die beigleite berühret, giebt 8 pf. Schwarz 366ᵇ.
d)
wie mit dem zollwesen, berührte sich das geleitswesen auch mit dem straszenbauwesen in sächsischen landen, vom geleitseinnehmer und den geleitsbedienten überhaupt heiszt es z. b. in einer instruction von 1765: auf die schadhaftigkeit der straszen und unrichtigkeit bei dem straszenbauwesen haben sie gleichfalls obsicht zu führen und hiernach der straszenkommission das nöthige anzumelden. Schwarz a. a. o. 360ᵇ. am 2. mai 1780 schrieb Göthe in seinen kalender: nach Erfurt, die straszen zu besichtigen, die das obergeleit bessert, das obergeleitsamt. daher auch geleit als wegegeld, z. b. in Thüringen war in manchen städten pflastergeleit zu bezahlen, für benutzung und erhaltung des pflasters.
e)
dazu eine menge zusammensetzungen, wie sie das geleitswesen immer mehr mit sich brachte, auszer den nachher folgenden z. b. auch geleitsacten, geleitsexpedition, geleitscommissarius, geleitsregal (als landesherrliche gerechtigkeit), geleitsintraden, geleitsüberschusz (was das Leipziger geleite über die erwähnte pachtsumme eintrug). s. auch gesamt- oder koppelgeleit, vorgeleit, gleichgeleit Frisch 1, 605ᶜ, Adelung, bei Stieler 1144 gesamtes geleit, auch hauptgeleit, feldgeleit, auch klein- sive marktgeleit, von marktwaaren zu entrichten, grosz geleit vectigalia majora.
8)
doch auch in noch andrer bedeutung mehrfach.
a)
geleite als leitung, wasserleitung: giengen sie auf die brücke (in Töplitz) und besahen die geleite, in welchen das warme wasser in die bäder geleitet wird auf beiden seiten des flusses Töple .. (wo sie) bei deren (der quelle) ausflusz und denen geleiten einen gelb-röthlichten stein angeleget sahen. Ettner med. maulaffe 890. das ist auch schweiz. gleit n., hölzerner canal, um holz von einer höhe herab zu 'gleiten' Stalder 1, 453, d. h. er denkt: gleiten zu lassen, es ist aber von geleiten, lenken (vgl. geleitig).
b)
bei der mittelalterlichen liederdichtung spricht man von geleite, einer begleitenden zugabe die nicht dem liedrahmen selbst notwendig angehört (altfranz. envoi, ital. commiato), s. Wackernagel altfranz. lieder 175. 179. 247, lit. gesch. 251 (321), Müllenhoff u. Scherer denkm. 267 (279). die sache wäre noch genauer zu untersuchen, namentlich der grund der benennung.
c)
ganz anders geleit n. im gebirge, gegend, strich, weg o. ä., oft im Teuerdank, bei jagdfahrten, ein gut, bös, wild, grasig geleit u. ä.:
nun was dermaszen das gejeidt
geschickt (eingerichtet) mit sorgklichem gleyt,
wann ein jembs wardt gejaget seer,
das er sich nicht mocht fristen mer,
so sprang er auf ein freien spitz u. s. w.
20, 22;
gee im (dem gems) nach auf dem guͦten gleyt.
v. 45;
Tewerdank ging mit sorgsamkait
auf der platten das pös geleyt.
60;
Tewrdank kam auf ein grasig geleit.
108;
weist du nit etwen ein wild gleyt,
über das nie khein mensch mer (je) reyt?
40, 27;
ein geleyt, das vast sorglich sey.
v. 36;
(der hund wird) dem wilpret girig nach trachten
und des gleyts gar wenig achten,
den held nach im ziehen mit eil
über das geleyt am hengseil.
41ff.;
(der hirsch) lief über das geleyt ab,
das was scharpf, stickel (steil), an all hab (halt).
55.
Schmeller 2, 514 stellt es zu bair. lait f., weg zum gehen oder fahren (im gegensatz der bergrise), auch mnd. leide, s.des waters leyde, gang Sch. u. L. 2, 656ᵃ, unmittelbar aber zu geleit stimmend ags. gelâd n. weg, pfad Grein 1, 419; so erscheint jenes geleit als ein altes wort das in der bair.-östr. jägersprache sich erhalten hatte (vergl. leiten). s. auch geleitig 3, wegsam.
9)
neben geleit galt übrigens beleit (s. d.), wie beleiten neben geleiten (s. d. 3), Schmeller 2, 514 gibt aus dem 15. jh. pelayt conductus und noch von heute das belait, geleite; wie aus beiden vereinigt aber ist begleite, zugleich nach begleiten:
ich und das jauchzende begleite
an meiner hand, an meiner seite,
dort kinder, frohe bräute hie.
Lavater Schweizerlieder 357.
zu erwähnen ist doch auch die spur eines fem.: meine geleite. Gudrun 296, 1 hs. (16. jh.); were sache, daʒ die kauflude, die in die geleide quemen von karren oder wagen ... daʒ geleide .. nit engeben und darüber enweg füren. weisth. 2, 305 (vorher in daʒ geleide queme); keine geleyt. 3, 884 (ein geleyt das.); ob sie die glait hielten oder nit. bauernkr. aus Oberschw. 541 (s. u. 5, b); von der ... mörderey, so geschehen ist zu Junkerdorf bei Cölln über die Gülchische convoy oder geleydt (d. h. mit verletzung derselben). E. Weller die ersten d. zeitungen s. 297; die beigleite noch im 18. jh., s. 7, c a. e.; danach hat man wirklich ein f. gebraucht neben dem n., mit anschlusz an die leite (s. d.), leitung, führung, auch in landleite, heimleite, wasserleite, mhd. swertleite, kranzleite, brûtleite u. a., die eben auch ein geleiten sind (s. Schm. 2, 514), dazu also auch ein durch ge- verstärktes geleite f. (zu geleiten, wie leite f. zu leiten), das im n. geleite untergieng.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2982, Z. 15.

geleite, geleit, n.

geleite, geleit, n.
subst. verb. zu leiten, mhd. geleite (noch nicht ahd.), mnd. geleide und leide n., nl. geleide; entlehnt auch dän. leide, geleide, schwed. lejd, böhm. glejt, poln. gleyt in der bed. salvus conductus (2); im 16. jh. vielfach gleit (daher noch begleiten), auch in md. rede (gleite 1, b, γ), oberd. auch mit genauem vocal glait, gelait, md. aber auch geleid, wie unter nd. einflusz, s. z. b. Luther u., hess. 14. jh. geleide u. 1, c, α, fränkisch u. 4, b, selbst schwäb. glaid im 16. jh. u. 2, b, geleid S. Frank chron. Germ. 218ᵃ u. o., gleid Simpl. u. 1, a, α. von andern nebenformen, auch einem fem., s. am ende.
1)
leitung, begleitende führung, im voc. inc. teut. glait conductus, auch conductio geleit, geleide Dief. 140ᶜ.
a)
im eigentlichen sinne.
α)
als leitung oder zugleich ehrende begleitung (ehrengeleite):
ich hôrte ie sagen, der niht hât
geleites, der mac missevarn.
Biterolf 7887;
swâ ein blinde dem andern gît gelaite,
dâ vallent si bêde in die gruobe.
Wackernagel leseb. 224, 28 (216, 13),
gleichfalls als sprichwort. einem das geleite geben ist bis heute in geltung, hauptsächlich als ehrende begleitung beim abschied, z. b.: Reinhart gab im bisz an die pforte das geleydt. Aimon z; das ganz hofgesindt sich bereitet, dem ritter morgends das geleyt zu geben. Galmy 206; der ein gab dem andern das gelait haim (beim nächtlichen heimgang vom schmause), der diesem auch wiederum, und trieben das gelaiten, bis sie beid auf einem mist bliben ligen. Pauli sch. u. e. (1546) 45; nam damit meinen abschied und gieng, wie ich begehrt hatte, ohne liecht und gleid vor tag aus dem haus. Simpl. 4, 59 Kz. (vogeln. 2, 7); mein vater gab mir das geleite zu dem dorf hinaus. Jucundiss. 50; ich wolte ihr das geleite geben, doch sie wegerte sich höflich .. Weise erzn. 229; einem das geleit geben bis an die treppe. Ludwig 728; herr Lavater gab dem verfasser bis nach Schafhausen das geleite (nach dem besuch in Zürich). Gökingk 3, 185 anm.
β)
dagegen als höhnende verkehrung der ehrenden form: die galante welt gewöhnt sich zwar ohne stiefeln zu reiten, allein weil ich gern bei tage reite, so steht zu befürchten, die herren gassenjungen möchten mir bei meiner ungestiefelten cavalcade mit einem verächtlichen faustrunda eine ziemliche feldlänge das geleite geben. Stoppe ged. 1. samml. s. 71; ab seiner scheutzlichen gestalt ... erschracken des bauwren grosze scheferhund und gaben dem mönch bisz schier vor das dorf hinaus mit irem bellen und beiszen von jedermann ein gebillichts und gegönnet geleit. Kirchhof wend. 1, 521 Öst. nd. enem dat geleide gewen mit prügeln Dähnert 148. Strodtmann 70.
γ)
auch das letzte geleite, zur ewigen ruhe, beim letzten abschied, auch die letzte ehre genannt: (wollte) seiner seligen lieben hausfrau das letzte geleit zu ihrem ruhbettlein geben. Schweinichen 3, 257; todtengeleit, conductus mortuorum principum Frisch 1, 605ᶜ (aber leichengeleit leichenpasz). ähnlich ist es, wenn einer, der mit der folter zu weiteren geständnissen bedroht wird, seinerseits droht: würde man so streng mit mir procedirn, so würden noch viel, die vor ehrliche burger gehalten werden, mit mir zur leiche gehen oder mir das geleit geben müssen. Simpl. 3, 128 Kz., mich zur hinrichtung begleiten.
b)
auch bildlich (vergl. 4, g),
α)
schon mhd. bei dichtern, z. b.:
Minne ist ze himel sô gefüege,
daʒ ich si dar geleites bite.
Walther 82, 10,
sie kennt den weg zum himmel am besten, führt also am sichersten dahin, auch zu gott, für got, vor gottes thron:
Minne hât ûf erde hûs,   ze himel ist reine für got ir geleite.
Wolfram Tit. 51, 2;
der rehten ê diz vingerlîn
für got sol mîn geleite sîn.
Parz. 440, 14.
oder sorgen als geleite, umgebende begleitung:
daʒ was sîn êrstiu kêre
ûʒ sîner frîheite,
dô trat er inʒ geleite
betwungenlîcher sorgen.
Gottfr. Trist. 2068.
β)
auch nhd. von allerlei begleitung (die eben eigentlich ein geleite geben ist), z. b. von der kunstlosen liebe im gebirge:
der eintracht hold geleit, gefälligkeit und scherzen,
belebet ihre küss' und knüpft das band der herzen.
Haller 33 (Alpen v. 159);
nun wandelt im geleite
dir (der hoffnung als fee) ewig ruhe nach.
Bürger 8ᵃ (an die hoffnung);
in zeiten, wo die dichtkunst lebendig wandelt, erscheint sie überhaupt nicht ohne das geleite der tonkunst. Uhland schr. 5, 184, die scherze, die ruhe, die tonkunst u. s. w., wie dort mhd. die sorgen, die minne als wandelnde gestalten gedacht. doch auch anders, von gegenständen als begleitung:
flieh! auf! hinaus ins weite land!
und diesz geheimnisvolle buch,
von Nostradamus eigner hand,
ist es dir nicht geleit genug?
erkennest dann der sterne lauf u. s. w.
Göthe 12, 31,
zugleich noch als anleitung, als führer;
schnell hatt' ihnen mama den gebratenen schinken von mittag
aufgewärmt in der pfann' und gewürzt mit kräftigen zwiebeln:
gutes geleit der kartoffel für leckere!
Voss Luise 3, 2, 14.
γ)
auch im anschlusz an das geleit, das man einem abziehenden gibt (vgl. a, α. β):
als ich (auf meiner reise) an la Roche's hand
jedem Rheinschiff das geleite
mit den augen gab am strand,
bis in dunkelblauer weite
mast und wimpel uns entschwand ..
Gökingk 3, 184;
mein herr, ihr bleibt heut nacht bei uns. ich lasse
euch nicht hinweg, ihr sollt mir sicher ruhen,
und morgen gibt der tag euch das geleite.
Göthe 10, 247 (Claud. v. V. 2),
d. h. mit dem tageslicht sollt ihr ziehen können. sonst, wenn man dem abziehenden nicht selber das geleite gab, wünschte man ihm gottes geleite (s. dazu 4, g), z. b.: nun, gott gebe euch das gleite, und kommt auch bald wieder. Heinr. Jul. v. Braunschw. 239 Tittm. (so gleite euch gott 238). oder man entschuldigt sich mit der eigenthümlichen wendung nehmen sie das geleit mit, bei Ludwig 728 (i. j. 1716) ihr werdet das geleite mit nehmen, ihr werdet mich entschuldigt halten, dasz ich euch nicht hinunter geleite; bair. nemens ihnen halt selber s'glait, auch sonst sich selber das gelait nemen, ohne erhaltene oder erlangte begleitung fortgehn Schm. 2, 514, wonach die wendung ursprünglich als scherz gemeint ist.
c)
bemerkenswert ist dabei, wie geleite auch persönlich gebraucht wird, der geleitende selbst geleite heiszt.
α)
so mhd. und nhd., z. b. in der todtenklage über landgraf Ludwig von Thüringen, da er auf der fahrt nach dem heiligen lande gestorben und die seinen führerlos liesz:
wê uns, wî hân wir dich verlorn,
unser ougenweide,
ein liecht und ein geleide
unser walleferte!
heil. Elis. 4728,
vergl. vorher du sûʒer leidesterre (leitstern) 4724;
minne, hôhe sinne solten dîn (var. dir) geleite sîn!
Neidhart 96, 32;
auch hat sie (die tugend) dich in ihren schutz
genommen, alsbald du geboren,
desgleichen du der welt zu nutz
hast sie für dein glait auszerkohren.
Weckherlin 375 (od. 1, 7);
zwar war got stehts ihr glait,
ihr hüter der nicht schlafet.
232 (ps. 105, 14);
jüngst gieng ich im rosenhain
unsrer fürstin, nicht allein,
denn dein bild war mein geleite
und verliesz nicht meine seite.
J. H. Merck an Lila (morgenblatt 1843 nr. 122).
β)
ebenso gemeint ist zum geleite geben, nehmen u. ä., d. h. als geleite: wähle dir zwei knechte zum geleite, welche du willst. Fr. Müller 3, 226; wer an jeden wunsch einen donnerkeil heften kann, wird er für nöthig finden, ihm ein sanftes wörtchen zum geleite zu geben? Schiller III, 132, 16. 313, 18 (Fiesko IV, 14);
du hast gut reden, dacht ich, zum geleite
gab dir ein gott die gunst des augenblickes.
Göthe 3, 28 (tril. d. l., elegie);
und die funkenwürmer fliegen ..
zum verwirrenden geleite.
12, 205 (Faust I, 3548).
γ)
mhd. gab es nämlich ein persönliches geleite m. und f., geleiter, geleiterin (wb. 1, 977ᵃ, Lexer 1, 809), ahd. leito und leita Graff 2, 188, alts. leido mîn dux meus ps. 54, 14, z. b.:
wie sol der blinde sich bewarn,
wil sîn geleite unrehte varn?
Freid. 55, 8;
die geleiten si wîsten dar,
die den wec wol kunden.
En. 131, 6 in H;
wan Cundrîe ir geleite
schiet si von arbeite.
Parz. 792, 17.
das ist nachher in dem persönlichen geleite n. aufgegangen.
δ)
auch pluralisch, das geleite von allen geleitenden, mitgehenden, mitziehenden, das gefolge, z. b. in eines gesandten geleite sein, gefolge Krünitz 17, 102, bair. bei Schm. 2, 514 das hofgelait, eine partey des obersthofmarschallstabs, auch das nachtgelait vom wilden heer. bei Ludwig 728 das geleit, der train, die suite, das gefolge eines reisenden vornehmen herrn oder abgesandten, das geleit oder gefolg bei einem einzug, die einholung, a train of followers u. s. w., auch er ward mit einem geleit von vielen kutschen eingeholet.
2)
bewaffnete geleitung oder begleitung zu schutz und sicherung gegen feindliche anfechtung; gelayte, salvus conductus, comitatus, salvum guardium (vergl.garde). voc. th. 1482 k 6ᵇ.
a)
im 12. 13. jh. werden landfremde gäste vom landesherrn mit geleite gesichert, auch gesandte, boten des feindes, z. b. Liudigers boten am Wormser hofe, die fehde ansagen, bei ihrem abschied:
dô bôt in rîche gâbe   Gunther der künic guot
und schuof in sîn geleite:   des stuont in hôhe der muot.
Nib. 163, 4.
dieses leiten durch das geleite (s. nachher) erscheint auch zugleich noch als ein wîsen, den weg weisen, also wie u. 1, z. b. als die boten Hartmuts auf der werbung nach Gudrun kommen,
dô gerten si geleites:   dô hieʒ man in die wægesten nâhen (als geleite) ...
sîn geleite wîsen   hieʒ dô Hôrant
die ellenden geste   dâ her von Tenelant,
unze daʒ sî bræhten   die Hartmuotes mâge
daʒ si ze hove kæmen.
Gudr. 600, 4. 602, 1.
es heiszt auch einfach leiten oder geleiten, z. b. beim besuch der Burgunden in Bechelaren, beim abschied erklärt Rüdiger:
ich wil iuch selbe leiten   und heiʒen wol bewarn,
daʒ iu ûf der strâʒe   niemen müge schaden.
Nib. 1646, 2,
zugleich oder mehr als hohe ehre (wie u. 1), die der fürst den königlichen gästen anthut (die ja selber mit starkem heere fahren), dasz er sie selbst geleitet;
geleite von den beiden
sider Biterolf gewan ..
dô er sô friuntlîchen
wart geleitet durch die marke.
Bit. 1114. 1125;
si riten ân geleite   von Wormʒ über Rîn.
si mohten wol des muotes   sicherlîchen sîn,
ob si in vîentschefte   würden an gerant,
daʒ sich weren wolde   der küenen Nibelunge hant.
Nib. 1035,
in C ungeleitet für ân geleite. viel später erst bildet sich dafür begleiten (anfangs beleiten), auch vergleiten (Schm. 2, 515), mit geleite versehen und sichern.
b)
und so bis in die nhd. zeit im kriegs- und fehdeleben.
α)
in den weisthümern des 15. 16. jh. sind mancherlei bestimmungen in betreff zu leistenden geleites, z. b.: hat unser herre der apt dehein freise (furcht, den landfrieden betreffend), so sol der vogt fuͤren die zinse, die pfert und die lüte mit sime geleite über Thur, und sol sie da empfahen unser herre und sie (selber) witer leiten. weisth. 4, 105, der vogt musz die fälligen fruchtzinsen samt geschirr und dienstleuten unter seinem eignen bewaffneten geleite bis in die hände des abtes bringen; als es sach were dasz u. gn. h. von Lotharingen krieg hette, vor städte und schlosser zu ziehen .. so soll man ihm (von der gemeinde wegen) einen wagen .. und vier pfert mit einem knecht zustellen .. (nach 14 tagen aber) soll er dem knecht geleidt geben, dasz er seinem meister moge heim kommen mit dem wagen (dasz ihn die feinde nicht abfangen). 2, 65; wer es ob ein mann ein geleit fordert an einem amptmann .. das mag er wol geben bisz an die andere (angränzenden) ambtleut. und ist es das dieselben ambtleut dem auch geleit geben, so ist es ein ganz geleit u. s. w. 6, 82 (s. auch u. 4, c a. e.); die burgleute zu Friedewalt uf der burg und im dorf haben bishero das geleit mit des herrn landgrafen voigt bereiten helfen, und wan solchs geschehen, hab der voigt iederm pferd ein masz hafern und inen die speis geben. 3, 331, es ist wol aber kaufmannsgeleite (s. c); ich schemete mich vom könige geleit und reuter zu foddern. Esra 8, 22.
β)
es heiszt auch ausdrücklich kriegsgeleit, nach kriegsbrauch: da das (schreiben der aufständischen bauern) her Jörg Truchses erhört und verlesen het, hat er geschafft, den selbigen botten in guͦter huͦt und acht ze haben, und im darbei also gesagt, wie er als keck und durstlich sei, im ain soliche botschaft zuͦ bringen on erlaubnus kriegsglaits, und aber darbei enpfolchen, im gnuͦg essen und trinken zuͦ geben. Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. in Oberschwaben 626, der bote, der feldschreiber der bauern, war on sunder glaid, als (doch) kriegsrecht und prauch ist, ins lager gekommen, es ist doch da mehr schon das vom feind eingeholte recht des unangefochtenen kommens und gehens.
γ)
dieser begriff der erlaubnis (s. 3, a) zu kommen oder zu gehen (oder auch zu bleiben, s.geleiten 2, c) tritt oft in den vordergrund, z. b.: geleit oder erlaubnus, so ein hauptmann einem kriegsmann gibt, commeatus, dimissio, venia. Maaler 165ᶜ; und sie erlangten geleit vom könige, das sie sicher eraus möchten gehen. 1 Macc. 6, 49, vielleicht nur 'brieve und geleit', wie es das. 12, 4 heiszt (s. 3, a). daneben lebendiges geleit (auch leibgeleit Krünitz 17, 103), was sich ursprünglich von selbst verstand, nun aber zu sagen nötig ward im gegensatz zum blosz schriftlichen geleit (dafür nun auch todtes geleit Stieler 1144): wart abgeredt, das der von Rafenstain aus dem lant ziehen und in der haubtman mit lebendigem gleit versichern solt. Wilw. v. Schaumb. 95; i. j. 1525 während der bauernunruhen ersuchten die Rotenburger für eine botschaft nach Schweinfurt den markgrafen Casimir von Brandenburg um sein geleit dahin: ewer furstlich gnaden wollen unser ratsbottschaft zu und von demselben tag verglaiten, uns dasselbig glait von stund an hiemit bei disem knecht in schriften oder ain lebendig glait zuschicken. Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. aus Rotenburg 435, vergl. s. 436 das schriftliche marggrafisch glait, das darauf erfolgt, doch mit der beschränkung: an den enden, da wir zu glaiten (haben). auch beides zusammen: herzog Christoph und herzog Wolfgang wurden vom herzog Albrecht mit schriftlichem und lebendigem geleit versehen. Schmeller 2, 514 aus Krenner.
δ)
man unterschied das grosze geleit, für fürstliche personen, 'welche noch zuweilen auf solche art geleitet werden', und das kleine geleit, 'diejenige sicherheit, welcher sich alle reisende auf den straszen zu erfreuen haben' (s. 4). Krünitz 17, 103, Frisch 1, 605ᵇ; das letztere im 15. jh. z. b. in Thüringen: it. 3 sex. gr. (fürstl. einkünfte) von eim clenen geleyte zu Warza. neue mitth. d. thür.-sächs. vereins 12, 457.
c)
am längsten in übung blieb das 'lebendige geleit' zum schutz der kaufleute und waarenzüge (schriftliches geleit so s. u. 3, c); von berührung mit dem zollwesen s. u. 7.
α)
es erscheint schon in mhd. zeit: dehein geleite ist reht (keiner ist verpflichtet g. zu nehmen). ist aber unvride in dem lande unde muotet ein koufman geleites, daʒ mag im ein herre (der gebietsherr) wol geben ... swaʒ dem koufman schaden (gen.) geschiht, den sol im der gelten (ersetzen), der in dâ geleitet. Schwabensp. 194 Laszb.; von einem unbekannten, der auf der strasze ân geleite vert, wie sonst ritter thun:
frouwe, ist eʒ ein koufman,
sô möht er wol geleites gern
und dar umbe sîner miete wern (dasz wir erfahren wer er ist).
dem koufschatz ist der zol gezilt.
Wolfr. Will. 115, 19, 29.
β)
besonders wichtig war es zur zeit der messe, namentlich in Frankfurt: zu herbstzeit in der Frankfurter mesz ritten etliche kaufleut mit dem geleyt, wolten in die mesz gen Frankfurt. Frey garteng. 37. in der zeit vor den beiden messen dort, der fastenmesse und herbstmesse, bewegte sich diesz geleit mit den kaufleuten und waaren auf allen straszen nach Frankfurt hin, zugleich eine wichtige einnahmequelle für die betreffenden gebietsherren, s. z. b. aus dem Rheingau im 14. jh. unter 6, a, aus dem Wertheimer gebiet im 16. jh.: volgenden tags zur früe, als das gelaid schon im fortgang gewesen (der zug schon fort war von Wertheim). arch. d. hist. v. von Unterfranken u. Aschaff. 19, 2, 127, der ganze zug das geleit genannt (wie u. 1, c, δ); weil h. Friderich und Wolf Ernst von Lewenstein dem gelaid entgegen mit 12 pferden kommen und befunden, dasz 2 Crichingische diener mit reiten. das.; dazu das fastengeleit, herbstgeleit: im fastengelaid hat ein viertel burger unden herauf und den andern tag oben hinauf (von Wertheim aus gerechnet) auf der Creutzheimer seiten bis Heidenfelt gleich geleitet. 152; nachdem nun das herbstgelaid underdessen auch herbei kommen. 134 u. o., im herbestgelaid 129. vom Frankfurter meszgeleit in der Wetterau s. Röder v. Diersburg gesch. der groszh. hess. garde-unteroffiziers-compagnie Darmstadt 1857 s. 4 ff., es war i. j. 1605 an Hessen-Darmstadt als gerechtsame gefallen, bestand meist aus 45 pferden, von adelichen beamten und schultheiszen gestellt und geführt, seit 1659 aber von der leibgarde zu pferd. es war später zu einer bloszen festlichkeit geworden, die ihren höhepunkt in der begegnung mit Frankfurter geleitsmannschaft und einholung durch diese fand bei weidlichem schmausen u. s. w., wie Göthe einmal in der herbstmesse 1775 von dem geschwirre der messgeleitszerimonien schreibt (an Lav. 25, d. j. G. 3, 113), genaueres in seiner schilderung des geleitstages 24, 31 ff. (wahrh. u. d. 1. buch) und bei Malsz volkstheater in Frankf. mundart, der alte bürgercapitän im gloss. unter geleitsreiter (s. d.): acht tage vor anfang jeder messe, an dem sogenannten geleitstag (s. d.), hatten die geleitsreiter aufzusitzen und dem geleite (den geleitstruppen benachbarter reichsstände) bis an die grenze des stadtbannes entgegenzurücken, oder, wie man es schlechtweg nannte, das geleite einzuholen u. s. w. s. auch bei Krünitz 17, 107 vom nürnbergischen meszgeleit der auf die Leipziger und Frankfurter messen gehenden kaufleute, vom churmainzischen mesz- und judengeleit, die noch damals (1779) in geltung waren.
γ)
auch geleit auf flüssen, z. b. auf dem Main, als ein theil des Frankfurter meszgeleites, wie in Wertheim an der Tauber a. a. o. s. 127 'das gelaid burger schiff' erwähnt wird, geleitschiff das die bürger stellten, die waarenschiffe durch ihr gebiet zu geleiten, gewiss auch bewaffnet. vergl. geleitschiff, auch vom geleite auf der Elbe z. b. in Pirna u. 7, c.
3)
an die stelle des lebendigen oder persönlichen trat aber vielfach schriftliches geleit u. ä. (vergl. 2, b); vergl. auch geleitszeichen.
a)
schriftliches geleit, auch geleit in schriften, wie das marggrafisch glait aus Baumann u. 2, b: ein schriftlich geleydt, damit die gesandten sich nichts zu befahren haben. Kirchhof mil. disc. 96. auch brieflich geleite Lexer 1, 809, 'briefe und geleit', d. h. geleit durch eine urkunde (s. geleitsbrief): und die Römer gaben inen brieve und geleit, das si sicher widerumb heim zögen. 1 Macc. 12, 4; auch blosz als schriftliche erlaubnis (vergl. 2, b, γ), z. b. zum betreten und benutzen eines waldes bei eichelernde: als ein echer ist up des richs walde, so sullen die herren .. geven allen den ghenen brieve ind geleide, (die) des gesinnen, ind sullen (damit) die luide ind verken (mitgenommenen schweine) zollvry .. up ind ave gain. weisth. 2, 774, erlaubnisschein. auch mit dem wälschen ausdruck passport gesellt und verstärkt, z. b. im bauernkriege: die weil die aufruͦr gewert hat, hand edellewt und ander mechtig herren gelait und passporten (der pl. wie brieve und g. vorhin) von den bawren müssen begeren und nemen, damit si sicher durch ir gegent (haben) wandeln mögen. Baumann qu. z. gesch. des bauernkr. in Oberschw. 402, ebenda der wortlaut eines solchen bauerngeleitsbriefes: ich Pauls Probst, obergester feldhawbtman des allgeischen hawfen .. bekennen mit diser zettel, das .. der wirdig und hochgelert herr C. Hepp, doctor der artzney, stattartzet zu Kempten ... begert im widerumb haim paszporten und gelait ze geben. die weil er dann als ain artzat gemainer landschaft mit seiner kunst und artzney teglichen erschieszen (nützen) mag, ... so geben wir im frey sicher gelait, bevelhen auch allen und yeden, so uns underworfen sind, in frey und on aufenthalt passieren lassend (so) in kraft ditz zetels, mit unserm aigen furgetruckten bittschaft bewart. galt doch auch das blosze passport (urspr. wol zum passieren des thores, in festung und lager) schon länger, z. b. pasporten pl. Wilw. v. Schaumb. 133, man hörte es von Italienern und Franzosen (franz. im 15. jh. passeporte f.), wie Kilian nl. gheleydbrief franz. mit passe-port erklärt. auch 'pasz und geleit' schon im 16. jh.: darum ist mein bitt, ir wollet mir ein sicher pasz und geleydt durch ewer königreich geben. b. d. liebe 230ᵈ, pasz als recht zu passieren (vergl. passieren in dem bauerngeleitsbrief vorhin).
b)
auch solch schriftliches geleit ist gewöhnlich mit bloszem geleit bezeichnet, obwol es oft unsicher bleibt, z. b.: darzuͦ sollent ir mir auch ewer gleydt geben. Aimon C; nach sollichem ward den Schweizern (im sold herzogs Ulrich v. Würt.) die weil lang, dann der herzog het sie nit zuͦ bezalen ... und besorgten sich (doch) vor den reisigen, die zugen alle stund und tag ob in umb, und ward also durch die iren aus der eidgnoschaft an die stend des punds zu Ulm geworben inen umb ain glayt aus dem land, so würden sie raumen und wider haim ziehen. also ward in gelayt zuͦgeschickt u. s. w. Baumann qu. z. gesch. d. bauernkr. aus Oberschw. 755 fg.;
und hat er nit ein fürstlich gleid,
so nemt in gfangen.
H. Sachs 5, 341ᵇ;
wo ist dein gleit, du bösewicht?
du bist gefangen, hast dus nicht,
oder du must dein leben lassen.
340ᵃ;
sie hat sich selbst nach erhaltenem geleite in das feindliche läger begeben. A. Gryph. 1, 92.
c)
auch für kaufleute (s. 2, c) schriftliches geleit, z. b. kaiser Ottnit, der als englischer kaufmann mit waarenballen nach Constantinopel will, wird vom schiffer, der ihn fahren soll, gefragt:
sagt, ob ihr auch gleit haben thut?
habt ihr keins, so möcht ihr es kaufen.
dort thut der gleitsman gleich herlaufen,
der nimmt gelt und gibt euch auch gleit.
Ayrer 1037, 31 ff.,
derselbe verweist ihn dann ins gleitshaus, wo er ihm die gleitsbrief schreiben will, das bezahlte geleit wird da zugleich zum zoll (s. 7).
4)
sicherheit und schutz auf straszen und wegen, friede und freiheit des verkehrs, das blieb am ende der begriff des wortes, wie es schon von anfang zweck und wert auch des eigentlichen, des bewaffneten geleites gewesen war, das dann durch briefe, endlich durch den bloszen begriff oder die idee vertreten wurde.
a)
so schon mhd. und auch nhd. bis ins 17. jh.
α)
schon im 12. jh. in dichterischem bilde in Walthers spruch ich saʒ ûf einem steine, der in schwerer trauer klagt, dasz êre, guot und gotes hulde sich nicht zusammenfinden können:
Untriuwe ist in der sâʒe (hinterhalt),
Gewalt vert ûf der strâʒe,
Fride unde Reht sint sêre wunt:
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden ê gesunt.
8, 27,
sie können sich nicht auf die strasze wagen, weil sie schutzlos den angriffen jener unholde ausgesetzt sind. ein guter fürst schafft oder gibt gutes geleit im lande, frieden und sicherheit auf straszen:
Sewfrid gab solch geleyte
und sterket das gericht:
het einer gold getragen,
er dorft sich fürchten nicht.
hürnen Seifried 173, 1.
über könig Wenzels landfrieden v. j. 1389 heiszt es spottend im reime eines spruchsprechers:
ir herrn, gent mir das botenbrot!
der römische kunig is noch nit tot,
er wil dem lande machen vride ...
er meint dasz man des riches strasze
gar (ganz) sicher var in sime geleite,
als mir ein karicher (fuhrmann) von Öhingen seite u. s. w.
Liliencron 1, 202ᵃ;
so sol der pfluͦg ouch fride han ...
der koufman vert ûf guͦtem geleit ..
und truͤge er gold uf dem rucken,
wer er doch sicher vor den mucken (wegelagerern als landplage).
203ᵃ;
wer dem land git fride oder geleit,
man ime billich nigen sol,
das zimet dem römischen kunige wol.
204ᵃ.
β)
nhd. erscheint der allgemeine begriff, zu dem es sich erweitert hatte, recht deutlich, wenn ein abt, der auf der strasze angefallen und um sein geleit gefragt wird (s. u. 3, b), antwortet:
ich hab geleit auf allen straszen,
wann ich bin ein gweichte (geweihte) person.
ir seit all im schweren ban,
wo ir wolt rechtfertigen (vor gericht ziehen) mich.
H. Sachs 5, 340ᵃ,
d. h. er hat kein schriftlich geleit, aber dauerndes geleit an sich und überhaupt nimmt er als priester in anspruch.
γ)
ebenso bildlich, wenn bei der plünderung von Dole i. j. 1479 die kirchen ausgeraubt werden und das sacrament entweiht, heiszt es davon:
got het auch vor in kain glaidt,
das sacrament sy namen,
dar zu die heiligkait (heiligthümer).
Soltau 2, 264, Liliencr. 2, 159ᵃ, 3, Ⅹᵇ,
gott und sein heiligthum wie vogelfrei. und noch im 17. jh. von wild, das in der schonzeit sicher geleit hat: wenn sie (die vögel) aber junge ausgebracht haben, so haben sie kein sicher geleid mehr. Colerus calend. 32.
b)
es heiszt auch deutlicher fride und geleit, schirm und geleit, sicherheit und geleit, freiheit, trost und geleit u. ä. (natürlich auch von bewaffnetem geleite), vergl. vorhin friede oder geleit im 14. jh.; z. b. als Wate mit den seinen in Irland erscheint in kaufmanns weise und zunächst den könig Hagen um gedinge ersuchen läszt (vergl. conductio gedinge Dief. 140ᶜ):
er (der könig) sprach 'mîn geleite   unde mînen vride
den wil ich in enbieten.   er büeʒet mit der wide,
der an iht beswæret   die unkunden herren.
Gudr. 296, 1.
im urtheilsspruch, der einen für vogelfrei erklärt, heiszt es: wir erlauben dich auch menniglichen uf allen straszen, und wo ein ieglich man fried und geleid hat, da soltu keins haben. weisth. 3, 605; unser herre der kunig begere, daʒ sie (die fürsten die in fehde sind) doch zu einem gutlichen tage wollen kommen .. und daʒ alle, die zu dem tage ryten werden, von beiden seiten friede und geleite haben und halten, von hus usz zu demselben tage und wider heim zu ryten. Frankfurter reichscorr. 1, 689, vom j. 1402; als er (der herzog zu Sachsen) umb geleide und schirm geschriben habe, daruf man im widergeschriben habe, sich zu halden nach uszwisunge der (gulden) bullen. 426, vom j. 1438. im 16. jahrh.: antwort die jungfrau, dasz diesen rittern ... sicherheit und frey gleid gegeben werde, dasz was euch gleich für übels in diesem streit begegne, ihnen darüber kein gewalt oder leid zugefügt werde. Amadis 415; es soll auch solche fridbrecher niemand hausen, herbergen ... sonder die selben annemen (festnehmen) .. darwider sie nit schützen, schirmen oder fürtragen soll einich tröstung, sicherheit, freiheit oder geleydt. reichsordn. 1539 107ᵇ; wir wöllen auch, dasz alle .. fürsten .. in allen iren tröstungen, sicherheiten, fürworten und geleydten .. fridbrecher .. ausnemen und ausschlieszen. das., nachher gleydt und sicherheit zuͦschreiben, das gleydt zuͦschreiben das. (landfrieden zu Worms 1521); vergl. in m. gn. fr. (frauen) freiheit und geleidt weisth. 2, 35, trost und geleit 2, 360, geleide und trostunge 502 (s.trösten so 5, 480), geleide unde vurwort 625, vurwarde ind geleide 782, vurwerde ind geleide 788, vurwerdt und geleith 492, geleide und schirm 625, schirm ind geleide 754. auch reimend 'geleid und eid': das Johannes Hus und Hieronymus von Prag zu Costnitz wider bepstlich, christlich, keiserlich geleyd und eyd sein vorprand. Luther an den adel K 2ᵇ. vergl.dem geleit nicht trauen als redensart 5, e.
c)
auch sicher, frei, strack (oder stark) geleit u. ä., man häufte gern die verstärkenden bezeichnungen, um die sache damit zu verstärken, während anfangs das blosze geleite genügte:
hetten wir nit hie ein sichers gleit,
das hat man uns also zuo geseit,
das tar da niemant an uns sprechen (uns in anspruch nehmen).
fastn. sp. 292, 11;
ist etwo ein ketzermeister .. den lasz ich wissen, das er hab sicher geleydt (nach Wittenberg zu kommen). Luther serm. von dem ablasz 1520 Cijᵇ;
drumb bat (der jude) den könig auf ein zeit
desselben lands umb sicher gleit,
das er im günt ein sichern zug
on all beschwer und ungefug.
Waldis Es. IV, 20, 8.
frei geleit (s. aus dem kais. edict u. d): diese zwen heimburger haben .. macht, frey geleyde zu geben. weisth. 1, 618. gern verstärkt frei sicher, strack frei geleit, z. b.: alle die Jüden, so zwischen hie und dem dreiszigsten tag des aprilis reisen werden, sollen frey sicher geleit haben. 2 Macc. 11, 30; wurden also bei den vierzig mannen und hawbtlewt aus der bawren hawfen ausgeschossen und in freyem sicherem gelait hereingefürt in die statt und in das kloster beschaiden, do man in ze essen und trinken und fuͦtter etc. nur überflüssig geben muͦst. Baumann z. bauernkr. in Oberschw. 397; hett einer ein strag fry geleit bin (binnen) unsers herren gericht. weisth. 2, 226; frei strack geleidt. 347; auch gehäuft ein fry strack sicher geleit Mones zeitschr. 9, 427 (v. j. 1493), frey stracke sicherheit und geleit Schmeller 3, 680, ein frey strack geleide weisth. 4, 532, gut frei und strack g. 6, 754, auch frei stark geleit 2, 648 (und stark geleiten 6, 683 u. ö.), ein frei sicher liebes und gutes geleit schicken Steinh. Bocc. 2, 172ᵃ, vergl. mhd. guot geleite Nib. 1030, 2, genügendes, sicheres. es gieng bald auch in die blosze bed. erlaubnis zu reisen über, mit zugesagtem schutz im notfall, schon im 14. jh. z. b. in dem judengeleite für die Mainzer juden, denen der erzbischof i. j. 1383 verschrieb ein veste ganz stragk geleide, in unserme lande gelt zu lihen und ir scholt zu fordern Haltaus 627 (wegen ganz g. s. u. 2, b, α).
d)
hierher gehört auch das geleit, wie es Hus und Hieronymus zu ihrem erscheinen vor dem concil in Costnitz erhielten, keiserlich und bepstlich geleit (s. Luther u. b a. e., vgl. 5, b a. e.), und Luther selbst bei ähnlichen gelegenheiten: aber es ist doctori Martino von verstendigen trewen freunden gerahten worden, er sol in keinem weg sich mit dem legaten (Cajetan) in handlung begeben, er hab denn zuvor von röm. kei. mai. und vom raht zu Augsburg sein gleit erlangt .. also hat doctor Martinus des keiserlichen gleits erwartet, welches denn am montag nach Gereonis im worden ist. Luther 1, 109ᵃ; wiewol einem so verdampten .. ketzer verhör zu geben in allen rechten ausgenommen ist .. doch weil etliche offentlich vermeinen .. den Luther zuvor .. billich zuhören, in zu uns erfoddern und mit freiem geleit versehen sollen, so haben wir (Karl V.) darauf in an unsern hof beruft und durch einen unsern herold mit schriftlichem geleit hieher zu uns kommen lassen u. s. w. 1, 459ᵃ, kais. edict v. j. 1521; weil .. M. Luther also ganz verstockt .. verharret .. haben wir in, laut unsers geleits .. von unserm angesicht hinweg ziehen lassen, und ime widerumb ein herold zugeordent, also das er von demselben 25. tag aprilis an zu rechen zwenzig tag ... unser frey sicher gleit haben .. solle. 460ᵇ, sodasz Luther nach und von Worms schriftliches und lebendiges geleit zugleich vom kaiser hatte, den wortlaut gibt Haltaus 629 aus dem original, es wird darin Luthern unser und des reichs frey gestrack sicherhait und gelait gegeben.
e)
das war übrigens nur die anwendung von einem geleite, das im rechtsleben überhaupt eine wichtige stelle hatte, s. Haltaus 627 ff., bei Maaler 165ᶜ ein frey geleit und versicherung, die ein gemeind oder oberkeit einem zuͦsagt, das er on alle entgältnus frey dörfe reden, ein sicher geleit, fides publica, bei Dasyp. 338ᵃ offen geleyd, fides publica. vergl. geleitsbote.
α)
im lehnswesen z. b., wenn ein lehnsmann seinem herrn die treue aufsagen wollte, was mündlich geschehen muszte, so hatte ihm der herr dazu geleite zu geben, bürgschaft für seine persönliche sicherheit während des gefährlichen geschäftes: bedet die man geleides sînen herren, tô ime unde von ime tô komene, swenne he ime untsecgen wel, dat sal ime die herre geven. weigeret he's ime mit unrechte, sô mût ime die man wol untsecgen tô sîme nêsten hûs .. sô dat it (an seiner statt) die hôren die dâr binnen sîn. Sachsensp. lehnr. 76, 6.
β)
im rechtsleben geleit für den schuldigen oder beschuldigten, dasz er sich unbehelligt vor gericht stellen konnte, um rechtes zu pflegen, geleit zu recht Berger J. Hus u. kön. Sigmund 202, 'gelait zum rechten (gericht), sogar zum und vom rechten geben' Schm. 2, 515 (mit belegen), tröstung und geleit her und hin, dar und dannen u. ä. Haltaus 628 (es ist aber nur gelait zum rechten und nicht für recht 629, s. u. 5, c), z. b.: welch man den andern zu tod schlecht (vom mord wol zu unterscheiden), der sal ein jar die stat rewmen, und ein mark der stat geben, ob er darein wil und eines tages warten (während des jahres sich stellen zur rechtlichen verhandlung), doch sal er gegen dem richter gleyts bekumen (sich g. verschaffen vom richter), uf das er fridtag habe und in nymands anzuvertigen (habe). Michelsen rechtsd. aus Thür. 428, Leutenberger stadtr. § 21; ob sach were, das ein eigener hoffman, da gott vor seye, einen zum todt brecht, so mag er kommen zu einem kelner (als vertreter seines herrn) .. der soll ime geleidt geben und erhalten uf des herrn costen sechs wochen und dry tag, und soll in zu tag füren (zum gerichtstag bringen in sicherem geleite) .. kan er aber mit der widerpart binnen der zeit nit zu frieden kommen und begert weiters geleit, soll ime der kelner geleidt geben von wegen unsers gn. herrn jahr und tag uf des armen mans (d. h. des unterthanen) costen u. s. w. weisth. 2, 469 u. o.; ladung bringt das geleit mit sich. Frisch 1, 605ᵇ als rechtssprichwort. das war auch der grund, weshalb man Luthern in Augsburg i. j. 1518 von einer seite abriet vom geleite: würde er gleit nemen, so machet er sein sache deste erger. Luther 1, 109ᵃ, d. h. er stellte sich damit in das licht eines schuldigen. s. auch u. ε von geleite für schuldner und noch aus dem 18. jh. bei Krünitz 17, 102.
γ)
dieser begriff des gerichtlichen geleites erweiterte sich auch zu dem von frieden und sicherheit überhaupt zu gunsten des rechts und gerichts, rechtssicherheit, z. b. ein schultheisz als vorsitzender verkündet beim beginn: ich verbiete auch hier überbracht, das keiner den andern übergehe noch überstehe, er thu es dann mit recht. ich geben auch hier menniglichen frei strack geleit aus und in (ein) so weit und breit als u. gn. h. gerechtigkeit geit. weisth. 2, 347, das geleit erstreckt auf alle betheiligten und auf den ganzen umfang des gerichtsgebietes, damit allgemeines freies kommen und gehen sei zu freier rechtspflege. auch als wichtiges herrenrecht (vergl. u. 5, a): die scheffen erkennen zu recht .. eine abbatissin des hochadlichen jungfrauenclosters Marienberg bei Boppard vor einen gerichts grund und aigenthumbs herren zu Hatzfeld .. habe auch dieselbe gerichtliche gebot und verbot, auch macht zu dingen und zu mahnen und das geleit zugeben das jahr aus und an so weit und breit als sich das gericht und die gerechtigkeit zu Hatzfeld erstreckt und gehet. 2, 234, vergl. 4, 738. auch als recht und pflicht des herren, einen abziehenden unterthan sicher zu geleiten, wovon in den weisthümern oft die rede ist (s. z. b. u. 5, a aus Lucern, auch u. geleiten 2, b): erkennen wir scheffen .. dasz ein ehrw. herr abt zu Gladbach ein herr ist über das gericht, geleit, auszug und inzug der underthanen zu Niederweiler u. s. w. weisth. 4, 758.
δ)
für den übelthäter, der sich bergen muszte, gewinnt es den begriff schutz und schirm in einer freistätte, sodasz auch der ursprüngliche begriff des kommens und gehens ganz zurücktritt, eine verengerung wie im geraden gegensatz zu der vorigen erweiterung; so oft im rechte von freihöfen, z. b.: da einer von da auszen herein keme und hette einen todschlag gethan mit unglück, dem mag man alhie binnen der freiheit (dem gebiet des freihofes) geleit geben jahr und tag und so lang, als er ein guter gesell sein will. weisth. 3, 11, will er aber dann weiter, so soll des hofs schultheisz ihm das geleit geben und strecken es (wo seine geleitsgrenze kommt) fort an den amptmann zu B. und der amptmann soll ihm das geleit verfrischen u. s. w., womit es zu seinem eigentlichen sinn zurückkehrt; do es sich begebe, da gott vor sey, das einer einen todtschlag gethan hette und keme zum hofman des hofs und gebe ime xj albus und hiesche ime gelait, so solte derselb todtschleger in solchem hof gefreiet sein sechs wochen und drei tage. 2, 506, vergl. 546. 648; alle die weil die fryleut zu Laer sind und das gericht (statt gen.) da warten sollen .. were es dan ab unter in ein auflauf geschee .. das einer oder mere fluchtig wurden (wegen todtschlags o. ä.), so sal der fryhoff uffen stehen die weil, ob es denselben not geschehe das er darin geflien möchte, und wen er dan darin queme (dasz es ihm glückte), so sal er frid und geleyt darinne haben u. s. w. (bis auf gerichtlichen austrag). 3, 520, in einem franz. weisth. aus dem obern Elsasz ausdrücklich asile genannt, demander l'asile, violateur d'asile 4, 88. selbst auf die sicherkeit im eignen hause erstreckt, allerdings im anschlusz an das geleit des übelthäters: es sal auch ein iglicher mitburger fride und geleydt habin in seinem hus, es were dann das er sich verhandelt hette, das hals ader hand anrürt. 3, 599, im stadtrecht von Meiningen v. j. 1450. vergl. dazu unter geleitssäule.
ε)
daher geleit selbst auch für die freistätte, in ein geleit fliehen u. ä. (vergl. 6, a): wann man das haus soll halten, so verdirbt man, das man von schuld wegen in das glait musz fliehen. brandenb.-nürnb. katechismus von 1533; so ain burger ... sich schulden halb ... in ain glait oder andere befreyung (freistätte) thun würde .. so mügen sich die glaubiger .. anzeigen u. s. w. Nürnb. reform. 70ᵃ. für schuldner galt auch richterliches geleit (s.β), z. b. im Leutenberger stadtrecht § 49 'von gleit des richters': der richter sal nymands schuldiger (gen. pl.) in die stat wissentlich gleyten wider des willen dem er schuldig ist. Michelsen rechtsd. 432, geleiten, geleit geben; das uf dieselbigen dag, so das .. gericht sein soll, das dann ein iglicher hubener, der .. gein Worms kompt von gerichts wegen (als theilnehmer), ein gleide han soll vor schuld. weisth. 4, 633, dasz kein gläubiger ihn antasten darf, während anderwärts auch bestimmt wird, das nymant furter me fur schult sall geleide habin 566.
f)
dieser begriff ist dann auch gemeint mit geleit, geleyde induciae (auch frist, fristung) in vocc. Dief. 295ᵃ, induciare geleyde geben das., auch treuga gheleyde (oder frid, sicherheit, gelaittag u. a.) 594ᶜ, auch bestand das. (s. d.), vergl. eiserner oder anstandsbrief, der flüchtigen missethätern oder ausgetretenen schuldnern als 'sicheres geleit' gegeben wurde (Krünitz 17, 103); zu bestand vergl. auch bestandner conductor (geleitsmann) Dief. 140ᶜ, bestant inducie 295ᵇ. s. übrigens auch unter geleitstag.
g)
auch bildlich, geistig, geistlich wird der im leben allen geläufige begriff angewendet, z. b. (vergl. auch 1, b):
das bit wir dich, du raine maid,
bhiet uns vor laid,   gwinn uns ein glaidt
und lasz uns nit verderben.
geistl. lied anf. d. 16. jh.
besonders gottes geleite, z. b.:
wilt du erdynen gottes glayt,
dein herz zu kummer hj berayt.
Schwarzenberg 151ᵃ,
d. h. gottes geleit für den letzten gang (vergl.das letzte geleite 1, a, γ). aber auch im leben hier schon:
solten auch tausend und tausend hinfallen,
dasz ich nicht gleite,
dasz ich im lande des lebens kan wallen,
macht sein geleite.
A. Gryphius 2, 266.
selbst im alltagsleben, bei abschied, reisen u. dgl. (vergl. u. 1, b, γ gott gebe euch das geleite als abschiedswunsch): wer nicht mehr bürger ist oder wieder aus der stadt ziehen will, der soll dem rathe den zehenden pfennig von allen seinen gütern .. zum abzuge geben, und ziehe darnach in gottes geleite. Zeitzer stadtr. v. 1573, Schott land- u. stadtr. 1, 266; sind wir resolviret, diesen nachmittag ... uns zu schiffe zu begeben und unter göttlichem geleite abzusegeln. Felsenb. 2, 617, wie jetzt auf gut glück u. ä.;
zeuch hin, gott sei dein gut geleite ..
zeuch hin, o meine lieblichkeit!
Besser 743,
in Eleonorens wehklage beim abschied, 'aus einem alten teutschen liede verbessert.' ein nd. segen über die jungen gänschen, die zur weide getrieben werden, beginnt:
ek brenge dek an de weide
an godes geleide.
Schambach wb. 61ᵇ.
im 17. 18. jh. verschickte man im kaufmännischen verkehr waaren in gottes geleite, wie es in den frachtbriefen hiesz; daher auch folgendes: hiernebenst sende ich denenselben im namen und geleite gottes per fuhrmann Hans Görgen und gespann von Reichenbach ein päcktel mit allerhand würz und andern waaren u. s. w. Rabener (1755) 3, 158; hast du es dem thorschreiber gesagt, Johann, dasz er künftig seine schläfrigen augen besser aufsperren, und die lügen unter gottes geleite, ich meine die frachtbriefe der kaufleute, nicht so blindlings für wahrheiten halten solle? Möser patr. phant. 1, 171.
5)
die geläufigsten wendungen, fast alle schon oben reichlich belegt, sind folgende.
a)
geleite geben, auch nemen (s. aus Luther 1, 109ᵃ u. 4, e, β a. e.), schon mhd.:
ir sult âne sorge   got bevolhen varn,
man gît iu guot geleite   (ich heiʒ iuch wol bewarn)
zuo iuwerem lande.
Nib. 1030, 2,
in C ich schaffe für man gît (vergl. Voss u. c); s. auch von Seifried als landesherrn u. 4, a, α. oft in den weisthümern als wichtiges recht (vgl. 6, b und u. 4, e, γ): it. ein apt und ein schultheiszt von sinen wegen hant macht, geleyde zu gebin in dorfe und gerichte zu S., und nymants anders. 1, 523; ouch wart geteilet an dem gerichte, das ein probist zu s. Peter zu Mentz hat zu kommern uf der strasze und in der mark unde geleite zu gebin unde nymants mehir u. s. w. 3, 623 (s. geleite vor kommer u. c); die burger von Lucern hant ouch das recht, swenne ir keiner von der stat ziehen und varen wil, das den nieman dar an irren sol, und diu herschaft sol im geleite geben sinem lib und sinem guͦte unz an sin gewarsame. 4, 367, schutz gegen störung des abzugs, bis er sicher ist (vergl. u. 4, e, γ). während der herr das geleite gibt, so thun es die wirklichen geleiter: sollen die herren den (todtschläger, der den freihof sucht) geleyden eine banmeile wegs, wohin dasz er begehrt, und die herren von s. Florin und die vögte sollen solches geleyte thun. weisth. 2, 413; auch von herren: so sulte ime der herre (der gerade dazu geritten käme) selbs helfen, das er von dannen queme, und dem manne auch eine bannemyle geleide tun. 2, 605. mhd. geleite tuon vom landesherrn (Artus) für verschaffen, leisten, wie auch noch im 16. jh.: und sol ouch unser gn. h. von Fleckenstein das geleit, gebot und verbot allein ze thun haben in gemelten bezirk. weisth. 5, 493, das gerichtliche geleit. der geleitete hat geleite, s. u. b, auch 4, c u. ö.
b)
das geleit halten oder brechen, z. b.: daʒ alle, die zu dem tage (zur sühneverhandlung) ryten werden, von beiden syten friede und geleite haben und halten (sollen). Frankf. reichscorr. 1, 689, d. h. beide parteien sollen es von einander haben und einander halten; mit hocher pit, so sie (die schweiz. söldner) .. abziehen würden, dasz inen glait gehalten (würde). Baumann zum bauernkr. aus Oberschw. 541; ob sie die glait hielten oder nit 542; das sie haben furgewendet, das einem ketzer sei nit zuhalten das geleyd .. geleyd halten hat got gepoten, das solt man halten, ob gleich die welt solt untergehen. Luther an den adel K 3ᵃ; (haben) Johanni Huss das christlich gleit nicht gehalten. schr. 1, 359. das brechen des geleites zählte wirklich unter die schwersten übelthaten: wer es auch das ymandt .. flüe (l. flühe) in eins burgers hus oder hofreit .. und wil ine der wirt des hus verspreche (vor gericht vertreten) ... so sal in nymandt darusz nemen, ausgenomen todslehe, vorreterei, brandt oder der (wenn einer) ein geleydte gebrochen hette. weisth. 3, 598, aus der stadt Meiningen 15. jh.; breche einer der herrn gleit mit wissen frevelichen. 5, 266; wurde einem burger oder einem frembden von uns (dem fürsten), unserm amptmann oder richter ein geleit gegeben, und iemants wolte den geleiteten in solchem geleit mutwilliglichen mit worten oder werken übergeben, der geleitete sol sein geleit offenbaren und sich auf solchs berufen. so aber der mutwillige daruber nit nachlaszen wolt, hat er das geleit an ime gebrochen, und wirt das clagbar, so soll der mutwillige das büszen kegen dem gerichte die hochste busze. vorschweiget aber der beleitete sein geleit und offenbart das nit, so hat der beclagte an ime kein geleit gebrochen. Arnstädter stadtr. b. Michelsen rechtsd. 47; sie solten noch heutigs tags drob laszen leib und leben, ehe sie bekennen solten, das ('s) recht sei keyserlich, bepstlich, christlich geleyd brechen, trewlos dawidder handeln. Luther an den adel K 2ᵇ. dagegen „worte brechen kein geleit, verbis non violatur conductus, daher dörfen die soldaten das frauenvolk huren schelten (ungestraft) und andere die vorbeischiffenden schimpfenFrisch 1, 605ᵇ, Graf und Dietherr rechtssprichw. 293.
c)
es heiszt geleit vor (für) gewalt u. ä., als schutz vor (für) gewalt: doch soll im (dem flüchtigen) die herrschaft notturftig geleydt vor gewalt zu recht geben. reichsordn. 1539 108ᵃ, dasz er sich zum rechten gestelle; sicherhait und glayt zu recht für gwalt und unrecht. Halt. 629, bair. 16. jh.; wisten die scheffen, ein scholteisz moge geleide geben vor kommer und nit me. weisth. 2, 215; der scholtesz sol vor kommer geleidt geben. 224, kummer, d. i. festnahme durch einen gläubiger, kläger u. ä., vergl. kommern und geleite geben u. a; wer zu markte dar kommet .. der sal .. friheit und geleide han .. vor alle schult und anesprache die wesen mag. 5, 247; wer iʒ sache, das man ein merkirding .. solde han (abhalten), so sulde ein iglich merker vor dem andern geleyde han. 1, 515, keiner darf währenddem einen andern gerichtlich belangen o. ä.;
komm doch heran, Odysseus, damit ich (Polyphem) als gast dich bewirthe
und ein geleit dir schaffe vorm mächtigen ländererschüttrer.
Voss Od. 9, 517.
d)
man kommt und geht in geleite, in fürstlichem geleite u. ä., eigentlich mitten in der geleitenden schar oder ihrem waffenbereiche, dann aber auch blosz begrifflich, wie im schutz, in frieden u. ä. (als schützender kreis gedacht):
er sol varn in mins (des Artus) geleites pflege.
Parz. 720, 18;
swelich herre den andern in sîn geleite nimt, er gebe im dâr umbe oder niht, er sol im ze rehte gelten (erstatten), swaʒ im genomen wirt in sînem geleite. Schwabensp. 167 G.; ein adelicher, der im bauernkrieg von bauern angehalten und bedroht wird, erzählt: da sagt ich zue im 'Martin, thue gemach, ich bin in eim geleit da.' da war einer da, mit namen Pauli Metzler, ain kriegsman, der sprach zue im: 'Martin, lasz in mit lieb, es ist nit kriegsrecht. es ist kriegsrecht, wenn man eim ein gleid gibt, dasz mans im für wort und werk halt.' Baumann zum bauernkr. in Oberschw. 489. aber auch mit auf, im rechte eines freihofs: wer och daʒ ieman in den hof fluchi .. der sol (da) frid han dry tag und sechs wochen .. und sol (dann) ein probst in beleiten von dem hof ein halb mil weges .. (und) sol in ein vogt schirmen in dem hof und uf dem geleit. weisth. 1, 317, während des beleitens vom hofe fort. anders auf geleit, in zuversicht auf erhaltnes geleit (wie jetzt auf einen pasz reisen u. ä.): wenn der reus (beklagte) wolte uf gelait zum rechten kommen. Haltaus 629; das sich burgermaister und die vom rat .. erhueben, komen (aus dem erstürmten Gent) zu herzog Albrechten (als feindlichem feldherrn) auf gleit, barhaubt und barfuesz u. s. w., baten umb gnad und ablaszung des zorns. Wilw. v. Schaumb. 125. auch under unsers herrn geleide weisth. 6, 702, unter seinem schutz.
e)
bemerkenswert dem geleit nicht trauen, wie man noch sagt dem landfrieden nicht trauen, aus den gleichen verhältnissen übrig geblieben als redensart, im munde des alten sperlings, der seine jungen über die welt belehrt:
ich hab auf solch verreterwerk
verlangst mein sonderlich gemerk.
spür ich an einem dicken strauch,
das sich herauswindet der rauch,
als wenn ein feur darunter wer,
so trau ich dem geleit nicht mer u. s. w.
Froschmeus. A 8ᵇ (1, 263 Göd.),
auch der strauch als redensart aus dem reiseleben der zeit, der rauch verrät strauchdiebe, die da hausen, das geleit als friede und sicherheit auf der strasze, s. fride und geleit u. ä. 4, b.
6)
der begriff selbst hatte sich übrigens in sich mehrseitig erweitert, den verhältnissen im leben entsprechend, die ihn ausbildeten.
a)
auch der geleitsbezirk heiszt kurz das geleite.
α)
das gebiet in dem ein herr das geleite zu geben hat, wozu die erste der folgenden stellen den begriff noch im übergange zeigt: it. fregte er die scheffen uf ire eide, ob ein bischof von Collen odir ein palzgrave geleyde hie (in Bacharach) geben solde, wie verre und wie wijt daʒ gan solde? daruf wisten die scheffen ... daʒ solle gan als wijt und als verre als daʒ gericht vorbenant ist (dessen grenzen vorher genau gezeichnet sind). weisth. 2, 215; vomme zolle (den zolleinkünften) sol der bischof (von Basel) vride bern menlikeme in dem sîme geleite oder der banmîle. daʒ geleite gât alsô verre (folgt die genaue angabe). 4, 476, Wackern. Basler bischofsrecht 19, 4, das in sîme geleite gab den doppelten sinn von selbst an die hand, einmal nach 5, d, in seinem schutz und frieden, dann in seinem geleitsbereiche, das zweite deutlicher mit binnen für in, schon mhd.: sweme her (der herr) geleite gibt, der sal in schaden (gen.) bewaren binnen sîme geleite. Sachsensp. II, 27, 2; auch get unsers hern von Mentze geleyde hie dissit Rins von Niderdale an den linpfad us bis gein der steinen brück obendig Menze, und hat auch binnen dem genanten geleyde nieman kein geleyde zu geben oder kein geleydegeld zu nemen denn unser herr von Menze. weisth. 1, 534. das geleit bereiten Krünitz 17, 104, s. geleitsreiter.
β)
daher als redensart einem über das geleit faren, wie ins gehege kommen, widerrechtlich: du kanst doch nicht leiden, das man in dein gebiet greife, wenn dir jemand on dein willen über das geleit feret, so scheuszest du mit büchsen hernach. Luther 2, 352ᵇ, geleit geradezu gleich gebiet, bereich in dem einer zu gebieten und zu verbieten hat, hier: das recht hat nach dem geleit oder pasz zu fragen (es ist fehdezeit gedacht). auch einem ins geleit gehen, im geleit liegen, in sein recht eingreifen mit übergriffen, wie z. b. Schmeller 2, 515 aus Lori bergr. 88 fg. von arbeitern beibringt, die nicht mehr arbeiten wollten und weggiengen, sie seien ihrem meister ins gelait gegangen, lägen im gelaite, eigentlich in seinem gebiete störend und hemmend. vergl. auchgeleit 4, e, ε als freistätte, ort wo das geleit kraft hat.
γ)
auch das gebiet, in dem ein herr das geleite zu nehmen, die einkünfte vom geleite hat (das geleitsgeld, s. c) wird das geleite genannt: hirumb begern wir von uch ... das ir mit den uwern, die danne Numburgisch bier in und durch unsere lande, gebiete und gleite pflegen zu furen, bestellet, das sie sich sollicher fure .. maszen .. (andernfalls) obgemelt gleit an widerrede zu geben (s. unter 7, a, das land hatte über uberfurunge mit Naumburger bier geklagt). Leipz. urk. 1, 164, kurfürstliche verfügung an die stadt vom j. 1442.
b)
auch das recht geleit zu geben (s. u. 5, a, vgl. 7, b) heiszt kurz das geleit, es hiesz das gelait haben auf einer strasze, einem strome Schm. 2, 215, z. b.: wir verpieten auch pey unsern hulden, das nyemant den andern durch das land belait umb kain gut, er hab dann das gelait von dem reich. kais. landfrieden vom j. 1236 (übers.) Haltaus 626, es galt als kaiserliches recht und ward als lehen an die fürsten vergeben, s. das., auch R. Schröder in Zachers zeitschr. 1, 261, dazu Martins Gudrun s. xxxiv, daher i. j. 1410 in einer bestimmung des königs Ruprecht: in unserm und des heil. reichs schirme und geleite sin usgenomen diebe, morder u. s. w. Haltaus 630, und noch im 18. jh. kaiserliches gelait (7, a, α); item bestetigen wir ime (könig Sigmund dem erzbischof von Mainz in der wahlcapitulation) ... sin munzen, sin geleide und alle sine zolle die er hat in sinem stifte, slossen, landen, gebieten und straszen, iʒ sy zu wasser oder zu lande u. s. w. Frankfurts reichscorr. 1, 228; und anfangs (vor allem andern) sol der schulteisz .. dem vogtherrn wisen alle oberkeit und gerechtikeit .. (darunter) gewicht, wilpenn (wildbänne), fischetz, die strasz, das geleit, den Neckarstrom u. s. w. weisth. 4, 525; und das geleide und geleidsgeld (s. unter a) hat (als recht) ein ieglich vizdom von gnaden unsers herrn von Menz. 1, 334.
c)
auch die gebühr für das geleite (geleitsgeld) und auf seiten des herrn die einkünfte davon heiszen kurz das geleite (vergl. 7, a), schon mhd.: mit rechte sî her (ieclich man) geleites vrî, swô her sînes gûtes oder sînes lîbes genenden (mutig sein) wil. Sachsensp. II, 27, 2, wie vorher zolles vrî, er braucht kein geleit zu nehmen und zu bezahlen; der selbe wagenman und karrenman sol daʒ selb guͦt verzoln und gelait davon geben. Augsb. stadtb. s. 43, aus einer Nürnberger ratsordnung; weme die hoche landstrasz zuhör und wer das gleidt binnen dem bezirk darvon zu heben habe und wie weit das reiche? weisth. 3, 751, nach dem reichen zugleich als bezirk gedacht, wie anderwärts zugleich als recht, z. b.: man teilet dem stift zu Fulda da gebot und geleite, wasser und weide u. s. w. 3, 363, vgl. 361, das recht daran und die einkünfte davon. ein stegreifritter rechtfertigt seine 'sattelnarung', das geleit als fürstliches 'geschäft' behandelnd:
solt man die straszen alzit frien,
das bilger, kouflüt sicher sien,
so wer doch nüt (nichts) der fürsten huͦt (schutz),
wir machen in ir gleit nun (d. i. nur) guͦt.
Murner narrenbeschw. 24, 42 Göd.
7)
geleite und zoll, geleite als zoll.
a)
beide begriffe, ursprünglich verschieden, sind doch auf der strasze so zu sagen von selber zusammengekommen und eins geworden.
α)
schon mhd. erscheint beides zusammen als eins, s. unter 6, c aus dem Sachsenspiegel, unter 2, c aus Wolframs Wh. 115, 29 ff., wo geleite und zol gesondert genannt, aber wol zusammen gemeint werden, doch so dasz geleite noch die sichere geleitung des kaufmanns meint (mit miete dafür gezahlt); aber ebenda 112, 24. 29 (209, 18) auch beide eigentlich schon eins, geleite als zolleinnahme, zol als abgabe. geleite und zol beides als abgabe (vgl. Lexer 1, 809) im 14. jh.: daʒ wir (die grafen von Würtemberg und Helfenstein) gelobt haben den erbern lüten .. von Auspurg, daʒ wir si .. ir lîb und ir guͦt sicherlich beleiten wellen und sullen, als dick si zuͦ uns koment in unser geleit (geleitsgebiet), die uns unser gesatztes reht von zöllen und von geleit gebent. Augsb. urk. 2, 26, Gengler deutsche stadtrechtsalterthümer 458; den kouflüten von Augspurg .. die vor uns zolle und gelait geben heten den nêhsten herren die an uns stôʒʒent ûf der vert. das. 27 (459); kein man mac zu rechte keinen zol noch geleite intfûren (unbezahlt lassen) her in die stat, wen an îklîcheme thore ein zolner sitzet. Freiberger stadtr. 40, bei Schott 3, 270, also auch das geleite erst am stadtthor entrichtet, nicht schon beim ersten betreten des weichbildes, sodasz an ein wirkliches geleiten wol nicht mehr zu denken ist, wie auch beim umgekehrten wege: ist daʒ ein man sînen rechten (schuldigen) zol intfûret oder sîn geleite ûʒ dem wîkbilde, deme sal der zolner volgen u. s. w. das., nachher geleite geben geradezu auch verzollen genannt: ist daʒ ein gast brengit gût her in die stat, daʒ geleite geben sal, und wil daʒ verzollen u. s. w. 271. beides als eins auch in einer landesherrlichen befreiung der stadt Leipzig vom j. 1444: als wir in unsern landen .. eine satzung haben gemacht (zum schutz der bierbrauenden im lande), das ein yderman, der Numburgisch bier furbas furen wurde, uns zu zolle und geleyte von einem iglichen fuder biers ein gulden geben solle, während die von Leipzig auch dafür keinen zoll nach gleite anders danne so vor alter herkomen ist .. geben sollen. Leipz. urk. 1, 171; in der angezogenen satzung ist aber nur von geleite die rede: von einem iglichen fuder Numburgisch biers ... einen rinischen gulden zu gleite zunemen. s. 164, also deutlich zugleich schon als zoll gemeint, d. h. als abgabe für die erlaubnis der aus- und einfuhr oder für den gebrauch der landesherrlichen straszen, worein der ursprüngliche begriff des sicheren geleites übergetreten war, also aus dem schutz für den kaufmann oder fuhrmann mehr zu einer last geworden (doch vgl. unter d). in vocc. des 15. jh. ist glait auch vectigal Diefenb. 608ᵇ, vectigalis der geleyde git oder der iʒ nimpt. Schmeller 2, 515 bringt wol aus eigner erinnerung bei: das glait zu Aub wurde durch einen glaitsmann besorgt, der im fürstl. brandenb. 'glaits- und zollhaus' wohnte, worauf zu lesen war: allhier suchet und gibt man das kais. glait, dem chur— und hochfürstlichen haus Brandenburg zuständig, also noch als kaiserliches (s. u. 6, b), und nach dem suchen und geben eigentlich noch als das sichere geleit gedacht.
β)
wie beide begriffe sich schon früh vermischten oder verwirrten, zeigt die umgekehrte vertretung von geleite durch zoll, wie bei Krünitz 17, 105 angegeben ist, es sei 'in ältern zeiten zuweilen das geleit unter dem allgemeinen worte zoll mit begriffen, auch wol das geleitsgeld zoll genannt worden', was bestätigung findet z. b. in den Magdeburger fragen I, 21, 2, wo es heiszt ein iczlich man ist geleite fry mit syme gute, ab er wil (nach Ssp. II, 27, 2 unter 6, c), für geleitefry aber eine md. hs. des 15. jh. zolfrey setzt (s. Behrends ausg. s. 148), wo denn umgekehrt zol für geleite, d. h. das sichere geleit und die gebühr dafür stehen musz. vergl. übrigens bei Krünitz a. a. o. die gelehrte bemühung in seiner zeit, zoll und geleite begrifflich auseinander zu halten, doch mit dem zugeständnis, dasz sie thatsächlich vielfach zusammenfallen, geleite aber vom zoll gelte vornehmlich in den sächsischen staaten.
γ)
es heiszt sonst das geleit bezahlen, ausrichten u. ä., das geleit verfahren, dieser abgabe aus dem wege fahren Krünitz 17, 104, im 16. jahrh. z. b.: so iemandt das geleidt verfure und nit ausrichtung thete, soll der geleidtsman ime nachfolgen und ine zu bezalen tringen. weisth. 3, 751; den Leipziger geleitsbeamten war aufgegeben in ihrer geleitsbestallung, fleiszig obacht zu haben, dasz niemand das schuldige geleite verfahre, vertreibe (mit vieh) noch anderergestalt entwende (vgl. intfûren unter α). vom geleitsherrn auch das geleit heben, ebenda: it. ist der scheffen (d. h. die versammelten scheffen, s. sp. 1290) beladen worden (mit der frage), weme die hoche landstrasz zuhör und wer das gleidt binnen dem bezirk darvon zu heben habe ... doruf der scheffen komen (von der beratung zurück) und erkandt, dasz ein herzog zu Lottringen das hochgeleidt ... allein zu heben habe, das hochgeleit, d. h. das auf der hochen landstrasz (denn das auf nebenstraszen steht dem gemeinen herrn zu); dabei auch noch die pflicht des geleitsherrn, im notfall schadenersatz zu leisten: so sich zutruge, dasz kaufmanschatz in der landstraszen nidergelegt wurd (die fuhre 'niedergeworfen') und sein geleidt ausgericht hett, soll hochgedachter furst dem man wider zu seiner wahr verhelfen, also auch schon die waare selbst richtet das geleit aus, wie jetzt z. b. kaffee zahlt so und so viel zoll, und schon im Freiberger stadtrecht 40 (vgl. unter α): ist daʒ ein gast gût brengit, daʒ dâ geleite gibet. Schott 3, 271.
b)
das geleite heiszt kurz auch das landesherrliche recht der erhebung (vgl. 6, b) und die nutzung des geleites (wie der zoll), z. b. wenn markgraf Friedrich von Meiszen im j. 1346 sein geleite zu Leipzig auf ein jahr verpfändet: wir .. bekennen das wir mit .. Wernher von Wizzeleiben burgere zu Erforte .. obirein komen sint, das wir im unser geleite zu Lypcz mit alle sinen gevellen, nuczen unde rechten gelaszen haben .. ober ein ganz jar umme dryhundert mark lotiges silbers .. were aber das wir unser geleite wider habin woldin wenne das jar uz queme u. s. w. Leipziger urk. 1, 26, vergl. s. 39, wie eine geldforderung angewiesen wird an unser geleite und lantbete zu Lipczk, d. h. zugleich geleit und steuer als eine landesfürstliche hauptcasse, wol in einem amt und amtshaus vereinigt, die selber auch kurz das geleite hieszen (s. c). als im j. 1440 ff. von den landesherrlichen einkünften der landgrafschaft Thüringen eine genaue aufnahme gemacht wurde durch Thomas von Buttelstedt, verzeichnete dieser u. a.: von dem geleyte zu Herbesleuben .. ein jar 60 sex. (schock gr.), it. von dem geleyte zu Tenstete darin gehorende ein jar 24 sex. neue mitth. des thür.-sächs. vereins 12, 443; das geleite zuͦ Wymar ist verlassen (angesetzt) des jares umbe 45 alde schog, hat vormals mit dem geleite von Bottilstete gedynet uf die merkte Numborg u. s. w. 465 fg.; das geleyte zu Wiszensee ist der stad ein zal jar verschriben umb ire notdorft willen. 474; das geleyte in der stad zu Sangerhusen stet (ist zugestellt) der stad daselbs, 60 lötige marg (es war ihr überlassen zur erholung von einem groszen brande), weder abzulosen sechs jar nach datum der verschribunge, und hat vor gestanden den von Morungen, 100 marg. s. 477. vom chursächsischen geleitswesen im 17. 18. jh. gibt J. N. Schwarzens wb. über die churs. gesetze bis 1792 1, 358 ff. ein bild (vgl. die zusammensetzungen), seine form ist aber durchgehend gleite, das auch in den Leipziger geleitsacten des 18. jahrh. mit geleite wechselt.
c)
auch das geleitsamt samt dem ganzen geschäftsbetriebe hiesz kurz das geleite, nicht anders das amtshaus (wie die steuer für das steueramt, der zoll auch fürs zollamt), es hiesz sich im oder beim geleite melden, z. b.: selbst die kaufmannskutschen müssen, wenn sie gleich keine waaren und sachen führen, sich dennoch des verdachts halber im gleite melden, ingleichen die schiffsleute auf der Elbe bei dem gleite zu Pirna. Schwarz a. a. o. 358ᵇ; bei ihnen (den gleitseinnehmern) sollen sich land- und lohnkutscher, fuhr- und schiffsleute .. auszer dem nothfall nicht bei nacht und unter währendem gottesdienst in den gleiten anmelden. 360ᵇ (vgl. geleitszeit); die geistlichen (sind gleichfalls gleitsfrey), jedoch müssen sie sowohl als die von der ritterschaft jederzeit richtige scheine und pässe ausstellen (für ihre leute die waaren führen) und in den gleiten produziren lassen. 359ᵃ. in Leipzig war ein churfürstliches hauptgeleite, dazu gehörig in Taucha ein beigeleite, welche z. b. beide vom jahr 1687 bis 1721 vom churfürsten an die stadt verpachtet waren für 23000 gulden jährlich im anfang, wie mir der städtische archivar Wustmann nebst anderem folgenden aus den geleitsacten mittheilte. s. auch obergeleite unter d. eigen beigeleite als f. (s. dazu u. 9): jedes pferd, so durch die stadt (Gräfenhainichen) oder vorüber fähret oder die beigleite berühret, giebt 8 pf. Schwarz 366ᵇ.
d)
wie mit dem zollwesen, berührte sich das geleitswesen auch mit dem straszenbauwesen in sächsischen landen, vom geleitseinnehmer und den geleitsbedienten überhaupt heiszt es z. b. in einer instruction von 1765: auf die schadhaftigkeit der straszen und unrichtigkeit bei dem straszenbauwesen haben sie gleichfalls obsicht zu führen und hiernach der straszenkommission das nöthige anzumelden. Schwarz a. a. o. 360ᵇ. am 2. mai 1780 schrieb Göthe in seinen kalender: nach Erfurt, die straszen zu besichtigen, die das obergeleit bessert, das obergeleitsamt. daher auch geleit als wegegeld, z. b. in Thüringen war in manchen städten pflastergeleit zu bezahlen, für benutzung und erhaltung des pflasters.
e)
dazu eine menge zusammensetzungen, wie sie das geleitswesen immer mehr mit sich brachte, auszer den nachher folgenden z. b. auch geleitsacten, geleitsexpedition, geleitscommissarius, geleitsregal (als landesherrliche gerechtigkeit), geleitsintraden, geleitsüberschusz (was das Leipziger geleite über die erwähnte pachtsumme eintrug). s. auch gesamt- oder koppelgeleit, vorgeleit, gleichgeleit Frisch 1, 605ᶜ, Adelung, bei Stieler 1144 gesamtes geleit, auch hauptgeleit, feldgeleit, auch klein- sive marktgeleit, von marktwaaren zu entrichten, grosz geleit vectigalia majora.
8)
doch auch in noch andrer bedeutung mehrfach.
a)
geleite als leitung, wasserleitung: giengen sie auf die brücke (in Töplitz) und besahen die geleite, in welchen das warme wasser in die bäder geleitet wird auf beiden seiten des flusses Töple .. (wo sie) bei deren (der quelle) ausflusz und denen geleiten einen gelb-röthlichten stein angeleget sahen. Ettner med. maulaffe 890. das ist auch schweiz. gleit n., hölzerner canal, um holz von einer höhe herab zu 'gleiten' Stalder 1, 453, d. h. er denkt: gleiten zu lassen, es ist aber von geleiten, lenken (vgl. geleitig).
b)
bei der mittelalterlichen liederdichtung spricht man von geleite, einer begleitenden zugabe die nicht dem liedrahmen selbst notwendig angehört (altfranz. envoi, ital. commiato), s. Wackernagel altfranz. lieder 175. 179. 247, lit. gesch. 251 (321), Müllenhoff u. Scherer denkm. 267 (279). die sache wäre noch genauer zu untersuchen, namentlich der grund der benennung.
c)
ganz anders geleit n. im gebirge, gegend, strich, weg o. ä., oft im Teuerdank, bei jagdfahrten, ein gut, bös, wild, grasig geleit u. ä.:
nun was dermaszen das gejeidt
geschickt (eingerichtet) mit sorgklichem gleyt,
wann ein jembs wardt gejaget seer,
das er sich nicht mocht fristen mer,
so sprang er auf ein freien spitz u. s. w.
20, 22;
gee im (dem gems) nach auf dem guͦten gleyt.
v. 45;
Tewerdank ging mit sorgsamkait
auf der platten das pös geleyt.
60;
Tewrdank kam auf ein grasig geleit.
108;
weist du nit etwen ein wild gleyt,
über das nie khein mensch mer (je) reyt?
40, 27;
ein geleyt, das vast sorglich sey.
v. 36;
(der hund wird) dem wilpret girig nach trachten
und des gleyts gar wenig achten,
den held nach im ziehen mit eil
über das geleyt am hengseil.
41ff.;
(der hirsch) lief über das geleyt ab,
das was scharpf, stickel (steil), an all hab (halt).
55.
Schmeller 2, 514 stellt es zu bair. lait f., weg zum gehen oder fahren (im gegensatz der bergrise), auch mnd. leide, s.des waters leyde, gang Sch. u. L. 2, 656ᵃ, unmittelbar aber zu geleit stimmend ags. gelâd n. weg, pfad Grein 1, 419; so erscheint jenes geleit als ein altes wort das in der bair.-östr. jägersprache sich erhalten hatte (vergl. leiten). s. auch geleitig 3, wegsam.
9)
neben geleit galt übrigens beleit (s. d.), wie beleiten neben geleiten (s. d. 3), Schmeller 2, 514 gibt aus dem 15. jh. pelayt conductus und noch von heute das belait, geleite; wie aus beiden vereinigt aber ist begleite, zugleich nach begleiten:
ich und das jauchzende begleite
an meiner hand, an meiner seite,
dort kinder, frohe bräute hie.
Lavater Schweizerlieder 357.
zu erwähnen ist doch auch die spur eines fem.: meine geleite. Gudrun 296, 1 hs. (16. jh.); were sache, daʒ die kauflude, die in die geleide quemen von karren oder wagen ... daʒ geleide .. nit engeben und darüber enweg füren. weisth. 2, 305 (vorher in daʒ geleide queme); keine geleyt. 3, 884 (ein geleyt das.); ob sie die glait hielten oder nit. bauernkr. aus Oberschw. 541 (s. u. 5, b); von der ... mörderey, so geschehen ist zu Junkerdorf bei Cölln über die Gülchische convoy oder geleydt (d. h. mit verletzung derselben). E. Weller die ersten d. zeitungen s. 297; die beigleite noch im 18. jh., s. 7, c a. e.; danach hat man wirklich ein f. gebraucht neben dem n., mit anschlusz an die leite (s. d.), leitung, führung, auch in landleite, heimleite, wasserleite, mhd. swertleite, kranzleite, brûtleite u. a., die eben auch ein geleiten sind (s. Schm. 2, 514), dazu also auch ein durch ge- verstärktes geleite f. (zu geleiten, wie leite f. zu leiten), das im n. geleite untergieng.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2982, Z. 15.

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Zitationshilfe
„geleite“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geleite>, abgerufen am 22.01.2021.

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