geleiten
Fundstelle: Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2997, Z. 32
zeitwort zu geleite, oder mit ge- verstärktes leiten, mhd. geleiten, ahd. gileitan, ags. gelædan; zur form s. a. e.
1)
a)
als verstärktes leiten (s. dazu geleite 1) ahd. z. b. vom weg, als führer gedacht, geleitit tih ter weg tara Graff 2, 183, wie jetzt führt dich der weg dahin; mhd. z. b. vom tod, der einem naht:
do er (der tod) im sîn zuokunft entbôt (sein kommen meldete),
sô daʒ er in geleite ..
Hartman Greg. 21,
an die hand nehmen und abführen wollte; vgl. u. geleite 1, b von der minne u. ä. man musz auch ein ros u. ä. geleiten gesagt haben, lenken, daher geleitig, lenksam.
b)
nhd. von begleitendem führen, doch mit gefühltem anschlusz an geleite (s. d. 1, a): und fielen (beim abschied) Paulo umb den hals und küsseten in .. und geleiten (var. geleitten, gleiten) in in das schiff. apost. gesch. 20, 38, vergl. 21, 5; da stunden die menner auf von dannen .. und Abraham gieng mit inen, das er sie geleitet. 1 Mos. 18, 16; wiltu meinen son geleiten in die stad Rages? Tob. 5, 15; und sie wurden von der gemeine geleitet. apost. gesch. 15, 3, doch zugleich als schützendes geleit (s. 2). jetzt nur noch in gehobner rede, wie einem das geleite geben gleichfalls, denn sonst ist jetzt begleiten das wort, in dem wir doch das geleite nicht mehr deutlich fühlen und aussprechen: eine bitte gewähre der verlasznen mutter! lasz mich von meinen söhnen bis an den born der guten nymphe geleiten. dort will ich einsam den letzten kuss auf ihre lippen drücken. Klinger 2, 212; dasz ich der dringenden anforderung, einen sohn, der in der nähe studirt und promovirt hatte, dorthin (nach Holstein) zu geleiten keineswegs folge leistete. Göthe 31, 49 (ann. 1795);
beide söhne mögen ihm den dritten,
arm in arm, an seine brust geleiten.
Platen 4, 231;
ungern gab der professor dem drängenden nach, Werner geleitete vor das stadtthor. Freytag handschr. 3, 243, von ehrender begleitung. dagegen auch, wie geleite (s. dort 1, a, β): der pöbel geleitete den halbtodten Giafar unter spott und hohn aus der stadt und stiesz ihn über die gränze derselben. Klinger 5, 94.
c)
bildlich (vgl. geleite 1, b): pedagogus, puerorum ductor, einer der kinder geleitet. gemma Straszb. 1518 S 3ᵇ; er ist den weg alles fleisches gangen, und wir folgen ihm zu unserer zeit. inzwischen aber wolle der gott des trostes sie geleiten u. s. w. Butschky kanz. 857. auch beim abschied (vgl. u. geleite 1, b, γ): nun, so gleite euch gott! sehet euch ja wol für, dasz ihr nicht zu unglück kommet. H. Jul. v. Braunschweig 238 Tittm., wie biblisch: so ziehet hin, gott sei mit euch auf dem wege und sein engel geleite euch. Tob. 5, 23 (vergl. geleitsengel);
geh der zukunft still entgegen ..
dich geleitet unser segen.
Gotter 3, ⅬⅩⅩⅤ;
und wenn ihn krankheit niederwirft? ihr götter!
auf hartem lager, wird er einsam schmachten,
und niemand sein, der einen labetrunk
ihm reiche. dasz ich ihn geleiten könnte!
wie glücklich wär ich!
2, 199;
so wird man nicht verschmähen, einen armen teufel auch einmal auf seinen wegen zu geleiten. Göthe 45, 247, d. h. seine lebensbeschreibung mit theilnahme zu lesen, seine lebenswege im geiste mit ihm zu gehen. auch vom letzten geleite (s. d. 1, a, γ), zur letzten ruhe: keine glocken werden trauern, keine frommen stimmen mich geleiten. Gotter 3, 118.
2)
im anschlusz an das sichere geleit (s. d. 2 ff.).
a)
führen mit sicherung und schutz gegen feindschaft und gewalt, geleite geben (s. geleite 5, a), z. b.: swaʒ dem koufman schaden (gen.) geschiht, daʒ sol im der gelten, der in dâ geleitet. Schwabensp. 194 Laszb.; uf ein mal wolt einer durch ein wald gon, und dingt ein buren in einem dorf umb ein genant gelt, das er in durch den wald geleiten solt, ob etwan ein ber oder ein mörder an in kem, das er im hülf. Pauli sch. u. ernst 422 (s. 254 Öst.); ob der keiser gleich in (den pabst) auf der landstraszen zu beiden seiten mit hundert tausent man liesze geleiten, so spreche er doch, ja wer wil den selben vertrawen. Luther wider das bapstum C 3ᵃ;
sein truckses hiesz er (der könig) sich bereiten,
das er den jüden solt geleiten.
der rüstet sich, ritt mit im hin ..
Waldis Es. IV, 20, 14.
Es hiesz geleiten vor gewalt u. ä. (s. geleite 5, c): da komen die burgere von Erforte und muͦtten (begehrten) geleitis den von Swarzburg vor lib, vor gut und ere, dar und dannen zu ritene (zu einem rechtstage). da vrayte unsir herre .. den gravin Cunrad von Werninginrode, wie her sie geleitin solte. der teilte vor recht, das unsir herre ... sie solde geleitin vor unrechtir gewalt, also lenrechtis recht were. Michelsen rechtsd. aus Thür. 513, Haltaus 628 (14. jh.), sachlich zugleich nach b, mit geleite sichern, wie noch deutlicher ist, wenn eine äbtissin zu geleiten hat: so der wagen geschert (geschirrt) ist und anfart ... so ist m. gn. fr. schuldich den armen man (d. h. unterthan) zu geleyden vor allen gewalt. weisth. 2, 36. Auch schirmen und geleiten u. ä. (s. unter geleite 4, b): der vogt ... solle alle die huber, den of den dag würt gebotten (zum hubgericht), schirmen und geleiten iij mylen dar und dannen vor allerleige sachen, one allein vor totgevechte. weisth. 1, 738, auch trösten 5, 480.
b)
von recht und pflicht des landesherrn oder herrn überhaupt, geleit zu geben (s. geleite 6, b u. öfter), wie schon im vorigen zuletzt; auch das geleit, das er von seinen leuten thun läszt (s. unter geleite 5, a), wird doch sein geleiten fort genannt, selten dasz das geleiten lassen ausdrücklich unterschieden wird, z. b.: und ob derselbige (hofmann) gleidts bedürfe, wider von dannen zu kommen, so soll ihnen mein gn. h. ein halb meil wegs geleiten oder geleiten lassen. weisth. 4, 645 (16. jahrh.); wer ouch daʒ der vogt geleites darf, so er kumet zuͦ den voldingen (d. h. in fehdezeiten) .. so sol ein abbet in geleiten in deme eigen unt also verre also daʒ eigen gat. 1, 764 (14. jh.); ein geleitsbrief des markgrafen von Brandenburg für Rotenburger bürger vom j. 1525 verschreibt diesen sicher geleit an den enden, da wir zu glaiten (haben). Baumann qu. zur gesch. des bauernkr. aus Rotenburg 436, d. h. in den grenzen seines gebietes. als pflicht des herrn gegen einen abziehenden unterthan (vgl. unter geleite 4, e, γ): der (wenn einer) dannan vert, ist das er sin bedarf ... so süllen wir (das kloster als sein herr) in geleiten mit unseren botten und mit unser kost unze an den Rin oder unze an den Swarzwalt, und süllen wir in denne laszen gan. weisth. 1, 330 (14. jh.); welcher auch zu L. sitzt, der soll ain freien abzug haben ... und bedarf er sin, so soll man in hinweg ain halbe meil glaiten auf sein costen. 394; wer es do, das der arme mann (unterthan) en wek wolt ziehen, so soll ein ambtman zu S. denselben mann geleiten ... (bis) mitten uf den Rein. 413 u. o., auch beleiten 357 u. ö.
c)
auch das versehen mit geleite oder einem geleitsbrief oder geleitszeichen hiesz einfach geleiten, z. b.: und als (da) herzog Albrecht im kainen glimpf gern abgewinnen liesz (sich in glimpf überbieten), gab er der verhör stat, gelaitet den Schotten (der sich wegen eines überfalls verantworten wollte) genüegsamlich. Wilw. v. Schaumb. 73. der damit versehene hiesz der geleitete, z. b. von richterlichem geleite (s. d. 4, e): wurde einem burger .. von uns, unserm amptmann oder richter ein geleit gegeben und iemants wolle den geleiteten in solchem geleit mutwilliglichen mit worten oder werken übergeben, der geleitete sol sein geleit offenbaren. Michelsen rechtsd. aus Thür. 47, vgl. 432, wie der richter einen schuldigen in die stat gleiten soll, ihm geleit geben, vor gericht zu kommen. auch zu geleite (2, b, γ) als erlaubnis: das d. Carlstad .. zugesagt stille zu sein, nichts zu schreiben ... und ist auch darauf im land zu bleiben geleitet. Luther 4, 374ᵃ (s. leiten 8), vom churfürsten mit geleit versehen. vergl. beleitet, comitatus (pass.) Dasyp. 377ᵇ.
3)
zur form ist zu bemerken, einmal dasz es auch beleiten hiesz (s. dort), wie noch bair. Schm. 2, 514 und beleit gleich geleit (s. d. 9) und wie überhaupt be- und ge- vielfach tauschten (vergl. z. b. gehagen, behagen). daneben aber auch einfach leiten (s. d. 8), mhd. z. b. Nib. 1646, 2, s. unter geleite 2, a, auch aus weisth. 4, 105 das. b, α witer leiten zu geleite; im part. geleitet sind ja beide ohnehin ungetrennt geblieben. doch ist auch gegleitet versucht worden: (hat) uns gegleytet. Ringwaldt betb. a 1ᵇ, wie er gläitet mich geistl. lied. E 4ᵃ (aber geleiten E 5ᵃ); ich habe zugesehen, wie ihn der herr nach seinem wunderbaren rath gegleitet. Scriver seelensch. 2, 489. das lag nahe durch das oberd. gleiten, das auch md. im 16. 17. jahrh. gangbar war (s. z. b. 1, c H. Jul. v. Br.), oberd. noch im 18. jh., wie in der rede noch jetzt (vgl. begleiten):
zieh hin, du braver krieger du!
wir gleiten dich zur grabesruh
und schreiten mit gesunkner wehr ..
und stumm vor deinem sarge her.
Schubart leben u. gesinn. 2, 247.
Zitationshilfe
„geleiten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geleiten>, abgerufen am 21.10.2019.

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