gelten n
Fundstelle: Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3096, Z. 55
geltung, z. b. zu gutem gelten kommen, z. b. ein versprechen das gehalten wird:
ja was man redt und halten thut,
das kompt zu gutem gelten.
Ambr. lb. 46, 18,
vergl. ein wunsch gilt, kommt zur erfüllung, unter gelten 9, f. mnd. gelden, geldent n., der curswert einer münze: dat dusse sulfte pennigk in sinem gelden hoger stech (stieg). städtechron. 16, 410, 18. 422, 2; dat desulften krossen (groschen) hir to Brunswick nastegen in orem geldende. 416, 29. s. auch alem. auf gelten, im ernst u. gelten 10, b.
gelten
Fundstelle: Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3066, Z. 3
wert sein, gültig sein u. ä., eig. aber entrichten, bezahlen u. ähnl., ein wort mit reichem und wichtigem hintergrund im alten leben, der sich daraus mit seltener deutlichkeit erkennen läszt.
1)
form, verbreitung und verwandtschaft.
a)
goth. gildan in fragildan, usgildan, erstatten, vergelten, ahd. keltan, geltan, mhd. gelten (gilte galt gulten gegolten), alts. geldan, ags. gieldan, geldan, gyldan, altfries. gelda, jelda, altn. gjalda, altschwed. auch gielda, gälda (Rietz 227ᵇ); mnd. mnl. gelden, ghelden, altengl. ʒelde, ʒilde, yheld (praet. ʒeald, yald, pl. ʒulden) Stratm. 258, erhalten in yield; auszerdem noch norw. gjelda, dän. gjelde, gjälde, schwed. gälda bezahlen neben gälla kosten, wie nnd. gellen, auch älter nl. neben gelden, nrh. gellen neben gelden.
b)
das wort, ein altgerm. gesamtbesitz, hat auswärtigen anklang nur im slav.: altsl. žljeda̜, inf. žljesti erstatten, büszen, žlada̜, inf. žlasti bezahlen, dazu žladva, auch željedva u. ä., busze, strafe, nach Diefenbach goth. wb. 2, 404 urverwandt, nach Miklosich 200ᵃ entlehnt aus dem goth.; die entlehnung müszte im rechts- und gemeindeleben geschehen sein (s. 2, b ff.), was culturgeschichtlicher forschung als möglich nachzuweisen bleibt, auch ob der religiöse hintergrund, aus dem bei uns das wort kommt, bei den Slaven wirklich ganz fehlt, oder ob auch dort nicht die busze urspr. gott, den göttern entrichtet wurde (s. 2, a). wirklich nur entlehnt ist litt. gellóti, lett. geldét gelten, lapp. tjildet u. a., s. Diefenbach a. a. o.
c)
bemerkenswert ist im nhd. der kampf um die formen.
α)
das urspr. u und ü im praet. sucht sich auch nhd. zu behaupten:
wenn die verse gelten wolten
mir, wie sie dem Naso gulten,
hätt ich längst den kettenhunden
meinen Momus beigebunden.
Logau 1, 1, 78 (zur bed. s. 7, b, α).
so noch landsch., z. b. götting. gullen galten, aber auch guld, gull galt Schambach 62ᵃ. im conj. gülte, wie mhd. (noch götting. gülle): wenn es nach gedunken in solchen sachen gülte zu reden. Luther zwo pred. A iijᵃ (Dietz 2, 66ᵇ); wenn schon das nit gulte. vom bapstum F 1ᵇ, s. auch gülde unter ε;
o das es dauschen gült!
Ayrer 291, 22;
ob gülten Christus worte nicht.
Rist himml. lieder 4, 249;
monsieur Douel wurd gefragt, warumb nicht mehr treu und glauben wie für alters gülte? Legermatz 255; es gülte alles nicht. Scriver seel. 1, 182; s. auch Logaus gilte unter δ, auch gielte (schlesisch) Lohenst. Arm. 2, 633. schweiz. aber noch im 18. jh. gulte (gut mhd.): ich wolt dasz es meinen kopf gulte, capite meo dimicarem. Denzler 2, 127ᵇ. 1, 455ᵃ, d. h. ich verwette meinen kopf (s. 12).
β)
eine nachwirkung davon ist, dasz man jetzt noch mit gälte eigentlich unsicher ist und mit gölte mehr befriedigt wird, das Stieler 680 ansetzt u. a.: doch wüszten wir ... das umgekehrte zu sagen, das auch gölte. Göthe 21, 95 (wanderj. 1, 6); als gölt' es auf ewig. Voss Luise 3, 1, 575; auch schon im 16. jh.:
als gölts einen alten filzhut.
Rollenh. froschm. III, 3, 11 (2, 281 Göd.).
das o aber auch im pl. praet. Stieler u. a., schon im 16. jh.: auch golten die opfer im alten testament nichts. Luther bei Dietz; selbst in den sg. herübergenommen (wie er nun mit galt, galten hübsch eingeebnet ist): golt und galt Stieler, da galt oder golt es laufens! Ludwig 731, bei Adelung golt 'im gemeinen leben', auch golte, schon Luther 3, 336ᵇ (s. 9, e, γ):
ich wand mein unschuld vor, die man nicht hören wolte,
weil der beweis zu viel nach ihrer meinung golte.
A. Gryphius 1, 197 (Card. 1, 194).
das suchte zugleich den anschlusz an das part. gegolten, das übrigens auch ohne ge- erscheint: der text sagt, es habe so viel golten, was Ahithophel furgab, als wer gott selbs gefragt hette. Luther von weltl. uberkeit F ijᵇ (Dietz 2, 67ᵃ), vergl. aus Nürnberg 15. jh. und Alberus u. 7, b, β. aber auch, gut md., gegulden (: geschulden) Logau 3, 5, 76 (s. 8, b, β), in andern exempl. gegolten, gescholten (Eitner s. 522).
γ)
auch das volle giltet noch im 18. jh. neben gilt, das doch auch schon mhd. neben jenem erscheint (z. b. 2, c Schwsp.): wer was hat, der giltet, wer nichts hat, der gilt nichts. Aler 888ᵇ; dasz der capuzinerdanz .. denen mannspersonen für ein pfand der treue giltet. Bodmer disc. der mahlern 3, 88; es giltet nicht liegen, non est mentiendum (s. 10, e, β). Denzler 2, 127ᵇ, es giltet mir gleich 135ᵇ, und noch schweiz.: was einen kreuzer giltet. J. Gotthelf 10, 150 u. o. man schrieb auch giltt (wie noch tritt für tritet), z. b. Steinbach 1, 615 fg.
δ)
seltsam geltete für gülte, gälte: deutete darbei an, dasz tugend und laster mehr noch weiter nichts gelteten als nur so weit und ferne sie von dem gemeinen manne gehalten würden. Schuppius 554 (in spätern ausg. gelten). auch gilte für gülte, d. h. nach md. aussprache, zugleich beleg für die form im alltagsgebrauch noch im 17. jh.:
wann ich nicht zu trinken, essen noch mich zu bekleiden hätte,
sonsten auch gar viel nicht gilte, gilt es eine starke wette,
ob nur einer findlich wäre, der nur einmal sorgt um mich.
Logau 2, 1, 35;
sie besprach das mittel drum, dasz er handwerks recht nicht hielte,
dasz er gärber solte seyn, aber als ein bütner gilte.
2, 6, 30.
ε)
einzeln auch gelden, haupts. md., schon früh z. b. im Leipz. Sachsenspiegel, in der hs. A des Iwein, im 15. 16. jh. (vergl. im 17. jh. gegulden Logau u. β): gelden, profiteri. Dief. n. gl. 305ᵃ (s. 6, c); da sie höreten, es gülde nicht anbetens oder opferns ... Luther 3, 39ᵃ; so merkt auch Jona selbst, es gülde ihm alleine. ders. bei Dietz 2, 66ᵇ;
wo sollen wir uns erneeren,
so unser predigt nicht mehr gild?
sächs. lied v. 1593 Soltau 2, 282.
im subst. geld, an das man bei jenem gelden auch denken mochte, ist das durchgedrungen unter md. nd. einflusse gegen das eigentliche gelt, das man oberd. bis ins 18. jh. festhalten wollte (s. dort 1, b). vergl.gelden neben geld Möser u. 4, c.
2)
gelten wie gelt bezeichnet ursprünglich eine schuldige leistung, besonders gegenleistung.
a)
zuerst ohne zweifel eine schuldige leistung an die gottheit, ein opfer mit dem man sich von einer schuld loskaufte oder eine gunst zu erwerben gedachte. das ist noch ganz deutlich beim subst. (s.geld 2, a) und auch beim verb. noch ahd., wenn im 8. jh. sacrificat (ad aras) mit einfachem kiltit verdeutlicht wird Graff 4, 186, von heidnischem götzendienste, der auch selber kurz gelt, kelt hiesz (s. a. a. o.): dher heidhenô abgudim gheldendo, idololatriae deditus. Isid. 7, 22; dazu gelstar sacrificium (auch abgabe, wie goth. gilstr n., s. 4, a). dasz es aber auch auf den christlichen gottesdienst mit übernommen ward, zeigt sich z. b., wenn in den Murbacher hymnen 6, 7 Christo .. vitae solvamus munera gegeben wird mit lîbes keltêm kebô, die leistung der schuldigen gaben an den christengott ein keltan, wie an die alten götter, s. dazu a. a. o. gotes gelt (unde opfer) vom kirchenzehnten, auch für ceremonia, gottesdienst überhaupt. ebenso ags. gyldan den göttern opfern, heidnisch Cädmon Daniel 212, christlich in den psalmen gehât gieldan dryhtne, dem herrn ein gelübde leisten (Grein 1, 508), wie noch mnd. gelde dîne gelofte, redde vota tua. Nahum 2, 1 mnd. wb. 2, 39ᵃ; man sehe auch 6, e. merkwürdig, wie noch im 17. jh. Lohenstein gelten so braucht, opfer abgelten (eig. abzahlen, s. 5, a):
ihr götter! was werd' ich (anders), als freudenschwangre zehren,
mein schutzgott, dir zum dank und opfer gelten ab?
Sophonisbe 2, 137.
b)
dann im rechtsleben entwickelt.
α)
der übergang ins rechtsleben geschah vermutlich durch das wergelt (s.geld 2, b), noch im 15. 16. jh. auch manngelt genannt, altfries. kurz jeld wie jelda, gelda in den fries. rechtsbüchern, man muszte z. b. einen erschlagenen seiner sippe jelda, einfach oder mit twam jeldon, mit thrim jeldum u. ä., er blieb ungulden liegen u. dgl., s. Richthofen 842ᵇ; ebenso altn. gjalda einn, z. b. þræl, einen knecht seinem herrn Möbius 142, auch noch mnd., z. b.: de vrunde quemen unde gulden den man (den einer von ihnen erschlagen hatte). mnd. wb. 2, 39ᵃ, d. h. die schuldige sippe galt der beschädigten sippe ihren verlust oder schaden, wobei ursprünglich gewiss priester und gottheit vermittelnd eingriffen, schon weil damit zugleich sühne und friede für die gemeinde oder den gau herzustellen war durch verzicht auf die blutrache zwischen den sippen.
β)
auch hd., wo sonst früh busze, büszen dafür eintrat, das wichtige wort das ebenfalls dem rechtlichen und kirchlichen leben gemeinsam war (auch ags. schon manbôt RA. 651), erhielt sich gelten doch in wendungen des kampflebens, die zugleich die weiterbildung des begriffes erkennen lassen; z. b. wenn Isot den Tristan mit demselben schwerte zu erschlagen unternimmt, mit dem er ihren oheim erschlug, mit den worten du giltest mînen œhein! Trist. 10157, so behandelt sie ihn gleichsam als lebendiges wergelt und der ruf war gewiss in der sprache der blutrache altherkömmlich, gelt auch der zum schadenersatz erschlagene oder gegebene mann selber (s. u.geld 2, b, auch hier u. c). auch mit dat. mir, z. b. Giselher gegen Iring:
'ir müeʒet mir die gelten,   die von iu tôt sint
gelegen an den stunden.'   dô lief er in an ..
Nib. 1982, 2.
γ)
aber wie hier vom opfer der rache, so auch vom rächer selber, z. b. wenn Rennewart im kampfe einen gefallenen schargenôʒ am feinde rächt durch erlegung von fünf königen: alsus er Milônen galt. Wolfr. Wh. 414, 4, d. h. holte sich das wergelt für ihn, machte sich gleichsam selbst bezahlt (daher vergelten von rache bis heute, eigentlich gründlich gelten), gewiss auch aus der alten sprache des kampflebens, wie auch sich (einander) gelten, von beiden theilen in blutiger schlacht:
si gulten sich bêdenthalbe vil genôte.
Rabenschl. 700, 6.
vergl. das entsprechende mhd. gelt unter geld 2, e.
δ)
dann von gerichtlicher busze überhaupt, busze gelten in den weisth.; auch vom 'ungerichte' selber als subj.: ist das deheiner den andern sleht oder wundot, der git 5 schill. für die freveli. der den andern ze tode sleht, das giltet üns (dem gotteshause) lib und guot. weisth. 1, 330, schweiz. 14. jh. s. auch 3, e in sittlich-religiöser fassung.
c)
dasz eigentlich damit ein ersatz, schadenersatz gemeint ist (was ja auch busze eig. meint oder bessern in gleichem gebrauch, vergl. 3, e), wird recht deutlich, wenn ein erschlagener eigenmann vom todtschläger durch einen andern zu ersetzen war, wie in rechtsbestimmungen für das bairische kloster Aspach im 12. jh.: si homo episcopi collegam suum occiderit, reddet hominem longum ad mensuram 7 gemunde (d. h. einen knaben) secundum iudicium conlegarum eiusdem conditionis (auszer einer geldbusze an den bischof und den vogt). weisth. 6, 126, reddet, d. h. er sol gelten, wie ahd. reddere viel mit geltan gegeben wird Graff 4, 186 fg. (auch kräftiger retribuere). Auch wenn getödtetes oder beschädigtes vieh zu gelten ist, wovon die rechtsbücher oft reden, ist wol eigentlich ein ersatz durch ein gleichwertiges stück eben so gut gemeint, wie ein erzatz durch sein wergelt, welcher begriff auch auf das vieh wie auf einzelne glieder erstreckt ward (s.geld 2, e), z. b.: lîhet ein man dem andern ein phert an eine stat und benennet im die stat .. und geschiht im iht unz an die stat, er büeʒet im dâr umbe niht .. rîtet er aber für baʒ und geschiht im dâ hin iht, er muoʒ eʒ im gelten .. nimet eʒ aber der gemeine tôt, er gilt imʒ niht. Schwabensp. 185, 2 (man bemerke büeʒen neben gelten, wie nachher beʒʒern). Ebenso dann von allem andern gute, z. b.: wirt ime (einem knechte) sîn phert oder ander sîn gût dûblîche oder roublîche genomen in des herren dînste, âne des knechtes schult, daʒ mûʒ ime der herre gelden. Ssp. III, 6, 3, während er ihm gut, das er verspielt hat o. ä., nicht phlichtig ist zu geldene § 2. noch im 15. jh.: da viel der knecht für in und bat in sprechent: herr, bis mir genädig, ich wil dir alles (gestohlene) gelten. spiegel menschl. behaltn. 1492 201ᵃ, Matth. 18, 26 (Luther bezalen). gelten oder wiedergeben, pendere, penas inferre. voc. 1482 k 8ᵃ. noch bei Henisch 1478 richtig und gut gelten, ersetzen, gleichs umb gleichs geben.
3)
daher von allerlei entgelt oder vergeltung, die eben davon benannt sind, auch noch nhd. einfach gelten. schon goth. usgildan vergelten, fragildan erstatten.
a)
schaden gelten, entgelt leisten (noch schwed. gälda skadan): zû der selben wîs beʒʒert ein gebûrschaft der anderen .. und gilt ir iren schaden. Ssp. III, 86, 2, wenn z. b. beim pflügen die dorfgrenze überschritten worden ist; von schaden im krieg gethan, nachher beim friedensschlusse:
dô bôt Ehmereiʒ mîn suon
den schaden ze gelten disem lant.
Wolfr. Wh. 256, 19;
dô der künic mit kusse   versuonte sînen zorn,
dô muoste man in gelten   swaʒ si heten verlorn.
Gudr. 159, 2, vgl. 130, 4.
aber auch schaden gelten, den der feind gethan: darnach wolte sich meister Burchart aufmachen wider Samogiten, welche im viel schaden gethan, denselben zu gelten. Waissel chron. alter preusz. hist. (1559) 87ᵃ, d. h. der schaden wird mit schaden gegolten, vergl. penas inferre im voc. 1482 vorhin. so im kampfe einen slac gelten, zurückgeben und geben zugleich, urspr. als witzwort (vergl.geben 9, b und hier 5, b):
ouch galt er mit dem swerte
under wîlen einen slac
der vil wol ze staten lac (gut traf).
Iwein 6734.
b)
es heiszt guot mit guote, übel mit übele gelten u. ä.: (der fromme) giltit guot widar ubile. Graff 4, 186, giltit, gibt zurück, während es auch umgekehrt auf die that und leistung des andern bezogen wird, wo es hier giltit ubil mit guote heiszen würde (das eigentliche vergelten), wie im folg., so wechselt der begriff in seiner beziehung hin und her;
mang mensche ein giftig herze treit,
der mit übel giltet guot,
daʒ man im durch triuwe tuot.
Boner. 13, 31.
noch nhd., obwol vergelten (völlig gelten) das herschende ist:
mit einem schaf nur werd gegolten.
Waldis Es. 3, 93 bl. 188ᵃ (vergolten b. Kurz 1, 392),
der wolf zum schäferhunde, dem er zu gutem futter verholfen: lohne mir nur mit einem schafe, das du mir zulässest; bedanke mich ganz dinstlich, und bitte, eben so fortzufahren, ich bin erbötig, solches wirklich dankbar anderweit wol zugelten. Butschky kanz. 244;
doch dasz er uns
das gleiche, wie er meint, mit gleichem gilt ..
das ist nicht grosz, nicht edel.
H. v. Kleist 1, 81 (fam. Schroffenstein).
noch jetzt bair. gelts gott! gott vergelte es, daher der geltsgott, mündlicher dank Schmeller 2, 40, tirol. gellsgott Schöpf 184, vergl. ahd.: ih kilto dero fatero sunda dien chinden. Notk. 108, 14. auch im älteren englisch god yield you for it, lohn euchs gott.
c)
es heiszt auch deutlicher wider gelten (vergl. widergelt unter geld 2, e): recompensare wider gelden. Dief. wb. v. 1470 233, auch blosz gelden Dief. 487ᵇ, wie compensare gelten, vergelten 137ᵃ (retribuere widergelden 496ᵇ);
die (bischöfe) kriegn als einr der flachs hinleicht (leiht)
und leszt im wider gelten werk.
Liliencron 1, 430ᵃ;
ir herrn, kauft auch meinr kremerei!
lugt, was euch hie gefallend sei.
keinerlei munz ich nit verschlag (nehme alle sorten),
doch gilt ich wider wo ich mag.
fastn. sp. 791, 30,
im bilde des 'wiedergebens' auf grobe münze, in wahrheit aber von witz- und neckrede; so von böser rede der kläffer:
wir wöllens ihn wider gelten.
Ambr. lb. 56, 13.
im kampfe (vergl. u. a): Goffroy sprach zu dem riesen (der ihm einen starken schlag gegeben): du hast mein je nicht gefehlt, und ich wil dir das wider gelten, ob ich anders kan. b. d. liebe 279ᵈ; in trotziger kampfrede als begleitung eines hiebes (vergl. u. 5, b):
er sprang aber zu Mordax wild
und sprach: halt, meins nun wider gilt!
und strich zu ihm ein mit dem schwert,
das Mordax beinah stürzt vom pferd.
Rollenh. Froschm. III, 3, 6, 140 (2, 252 Göd.).
auch wider gelten und geben (vergl. 6, a): wann es stat geschriben in kurzen worten gilt und gib wider, welst du selig werden. Keisersb. granatapfel (1510) C 1ᵇ. auch gelten und wider geben Berth. v. Reg. 133 (I, 60, 38), d. h. gelten durch das zweite verdeutlicht (vergl. 5, a).
d)
im geschäftsleben auf geld bezogen: sollte künftig eine oberrechts-sache commission oder unkosten erfordern, sollen dieselben die parteien zu gelten schuldig sein. verhandl. der schles. fürsten und stände 1618 s. 28, allerdings ein bezahlen (s. 5, c), aber eigentlich und genauer noch: das bezahlte erstatten.
e)
auch, wie entgelten, einen schaden oder schuld auf sich nehmen, büszen: gelten, luere, solvere, redimere, penam sustinere. voc. 1482 k 7ᵇ; ich will es gelten. M. Neander syll. loc. 103; so soll er alsdann bitten und gelden. Mosch. Philander 2, 461. mhd. so ausdrücklich von busze für schuld und sünde, z. b. von den räubereien des Helmbrecht:
er nam (den bauern) die geiʒ, er nam den boc,
er nam die owe (schaf), er nam den wider,
daʒ galt er mit der hiute sider.
Helmbr. 676,
muszte es mit dem leben büszen, eig. ersatz leisten. vom jüngsten gericht heiszt es:
der richter sprichet sâ zehant
'gilt âne borc und âne pfant.'
Walther 148 (12, 21 Rieg.),
d. h. bezahle auf der stelle (bürgen und pfänder werden da nicht zugelassen). dazu geltender tag, wo zu gelten ist (vergl. geltender augenblick 10, b), tag der vergeltung, wo der teufel die bösen fordert unerbittlich wie ein harter wirt:
es kumpt noch wol geltender tag,
ein böser wirt der seiner ürten (zeche) nit erpeiten mag.
spiel vom evang. Joh. Schmeller² 1, 904.
und auch ahd. schon: geltê, luat (poenam). Graff 4, 186, der begriff in dieser sittlichen vertiefung muszte sich auch schon einstellen bei dem geltan von wergeld für mord und todtschlag und bei dem geltan an die götter (2, a. b.).
4)
eine besondere entwickelung und fortbildung erfuhr es im rechts- und gemeindeleben, wobei auch das activum von selbst ins passivum umspringt (s. e).
a)
von abgabe an den herrn, wie gelt (s.geld 3, a), auch schon in ältester zeit, wie goth. gild zeigt, ahd.: muoʒ man demo cheisere zins keltan (dare censum)? Notk. 101, 8, tributum geltan 137, 8, alts. tinsî geldan (an den kaiserhof) Hel. 3191. 5191, goth. kaisaragild genannt. vom unterthan, der für den herrn ein gut verwaltet, z. b. winzer von einem weinberge: thiê geltent imo (dem herrn) wahsmon, reddunt ei fructum. Tat. 124, 4, entrichten ihm den ertrag. alts. in der Freckenhorster heberolle: thit sind thie sculdî, the an thena hof geldad (s. e). van Walegardon Haddo (nämlich geldid) ên malt gerston ende tuêntich muddi havoron u. s. w. Heyne kl. altnd. denkm. 68. auch das eig. wol als gegenleistung für gewährten schutz und unterhalt, dann für die nutznieszung des gutes.
b)
nachher vom unterthan auf das gut selbst übergegangen: diu müli ze Ensichshein .. sol gelten jêrlich cc und viij vierteil mülikorns ze zinse. Habsb. urb. 1, 11 (zu sol gelten s. 5, e); das guot von Rînowe giltet ze zinse xxxv vierteil roggen und als vil gersten und x pfunt Baseler (pfenninge). 1, 13 u. s. w.; auch mit geben wechselnd (vergl. 6): es ist ouch in dem selben hove gebûwen ein niuwes hûs, das giltet xxx schillinge Baseler ... es gît ouch ie das hûs ein vasnachthuon. 2, 7; es (das dorf) gît ouch ze zinse .. ij vierteil roggen .. 3, 16.
α)
im 16. jh. z. b. in Gieszen, von zins an die stadt zu entrichten: (ein garten der verkauft wird) gilt jerlichen ein halben heller Martinszins uffs rathaws, sonst eigen. hs. urk.
β)
daher ein geltendes gut, auf dem gewisse zinsrechte liegen, das zins bringt oder schuldet (unterschieden von eigen, s.γ): eʒ sint ouch (wucherer) die da lîhent ûf geltende guot. Berthold I, 437, 29, wol die fälligen zinsen vorschieszen; geltendeu guͦt kaufen. Schmeller 2, 41 v. j. 1361; so schol das gotzhaus mir und meiner junkfrawen A. ain geltentz guͦt kaufen, und swas das iareleichen gilt, das schuln si uns geben ze unser paider leib, die weil wir leben .. das., v. j. 1331; gab in der herzog ain stat ein, die hiesz Giltenstein ... und het vil geltender güter. Scherz 515; swelich man (bürger) hevet geldende gut buten der stat, sin meier is gelike toln vri alse de borgere silve. mnd. wb. 2, 39ᵃ aus Braunschweig.
γ)
doch auch geltendes gut von der rente selber (Bech bei Lexer 1, 827): sô habe wi ouch gesatzet di erbe ûf deme lande unde daʒ geldende gût. swer eine gewisse mark geldes (rente) hât an getreide, an silbere oder an phenningen, der schol si verschoʒʒen zu einem mâl in deme jâre vor ein lôt. bisch. satz. über das eidgeschosz in Zeitz 1, 12, v. j. 1322. auch gekürzt gelden, gelde gud (nd.), ein beweis häufigsten gebrauches: wolde ouk .. wat eigenes oder geldens ghudes in dat .. hus geven (als stiftung). Dreyhaupt Saalcreys 2, 252, aus Halle v. j. 1341; sie sollen kopen eine marc gheldes gudes, die in örer stat gelegen si. 1, 778 v. j. 1339. und kurz 'geltendes' (nämlich gut): dat Gobel van Baensberg einen Berchschen man binnen unser stat von Coelne bekomberde (gerichtlich festnahm) vur sine versessen lifzucht, de he in deme lande van deme Berge geldentz hait. städtechron. 12, 339, 28, als schuldige rente, es ist in das gelten unter e übergetreten.
c)
daher auch einbringen, eintragen.
α)
mhd.: swô der richter sîn gewette nicht uffe phanden enmac ûf eines mannes eigene, daʒ alsô cleine gildet ... Ssp. II, 41, 1, so wenig einträgt; swer ein guot koufet .. swaʒ im daʒ guot giltet, daʒ hât er mit gote unde mit rehte. Berth. I, 437, 33, auch widergelten das. (s. nachher und 3, c); auch auf den arbeitsertrag überhaupt erstreckt, z. b. von fabrikarbeiterinnen:
in galt ir arbeit niht mê
wan daʒ in zallen zîten wê
von hunger und von durste was.
Iwein 6207.
auch schon auf geld bezogen als den letzten wertmesser: daʒ er zehen pfunt umb ein guot müeste geben, daʒ im ze jâre niwan ein pfunt widergulte. Berth. I, 437, 31; im Riete ein hof der giltet (entrichtet) .. x müt kernen, iij malter habern, ij müt vasmuos, iiij swîn, der ieglichs iij 1⁄2 schill. gelten sol. habsb. urb. 123, 9, nach barem geld berechnet einbringen; her Johans von Kussenach hât pfandes .. eine müli ze Sursê, diu giltet drîssic mutte kernen unde vier swîn, diu geltent ielichs zehen schillinge. 343, 28, zugleich schon: sind wert nach dem marktpreise (s. 7, b, α).
β)
noch nhd.: von allen uszmerkers pfanden .. als viel als die pfande getragen oder gegelden mogten, da weisen die merker dem voitherrn ein pfenning und den markern zwene. weisth. 4, 553; die von München hetten ain zol in der stat (Augsburg), der galt jarlich 2 tusend guldin. Augsb. chron. 1, 76, brachte ein;
wie wol in korn und wyn gilt vil,
nämen sie doch uf borg und zil (borgen noch).
Brant narr. 82, 9;
der wald, herr Lisabon, aus dem ihr ohn beschwerde
habt holz so viel ihr wolt .. bringt gar sehr schönes wild,
das nicht fürs armut ist und reiche heller gilt.
Opitz 1, 132 (Zlatna 148).
auch bildlich vielfach (es fehlt an beobachtung), wie eintragen:
wer sich freute, den mann so tief erniedrigt zu sehen,
denkt ihr! Juno. es galt Amorn ein freundlich gesicht.
Göthe 1, 289 (röm. el. 19);
jedes dieser beiwörter galt mir ein lächeln, eine liebkosung ... 36, 24, Rameaus neffe, also nach dem franz., me valait un sourir; aber ähnlich schon mhd., z. b. Hartmann in einem kreuzliede:
wan swem daʒ ist beschert,
daʒ er dâ wol gevert (im heil. lande),
daʒ giltet (ihm) beidiu teil,
der werlte lop, der sêle heil.
minnes. frühl. 210, 9.
γ)
mit geld in beziehung gebracht (vergl. u. d): dem es unmöglich ist, mehr geld aufzubringen, als die früchte seines hofes gelden mögen. Möser phant. 3, 118, er kannte die alte sprache, aber auch in dortiger mundart noch z. b. dat korn göllt good, ist ergiebig, hat volle ähren Strodtmann id. osn. 112, schüttet gut, bringt viel ein (in die scheune). daher gelt, einkünfte, rente, zins (s.geld 3, a), auch gülte f. auch engl. noch z. b. his estate yields so much, sein gut bringt so viel ein.
d)
gelt gelten, einbringen, war im 15. 16. jh. geläufig (vgl. unter geld 1, b):
man duͦt ein lam ross ietz beschlagen ...
so es von armuͦt hinkt und zelt,
muͦsz es doch gelten ietzt sin gelt.
Brant narr. 102, 28,
in einer klage über betrügerisches gebaren in handel und wandel (sin gelt, was es einbringt); alles was dis volk übet und treibt, das ist eitel lauter geitz (habsucht) und mus alles gelts gnug gelten. Luther 2, 411ᵇ; aber das musz ich klagen über den geiz, den die geizigen wanste und reubische nachdrücker mit unser erbeit untreulich umbgehen .. sie machen hin rips raps, es gilt gelt .. bibel Wittemb. 1548 warnung; der wein ist natürlich zuͦ saur, vermäntelt gilt er gelt. Frank parad. 299ᵃ (nr. 239); von plünderern:
was gelt gült, was in gut für pfant,
auch gots zierd in der kirchen.
Uhland volksl. 499 (184, 2).
e)
bemerkenswert auch von dem was entrichtet wird, also passivisch (die entstehung s. unter 9, a). so schon alts. in der Freckenhorster heberolle (gewiss auch ahd.): thit is thiu scult, the van hova selvamo geldid te Varethorpa uppan spîkare, sehs muddi gerstînas maltes u. s. w. Heyne kl. altnd. denkm. 76, auf den speicher dort einzuliefern; thit sint thie sculdî, the themo meira selvamo an thena hof geldad. das. u. ö., auch thit scal themo meira selvamo ieldan an then hof. 73 (310), deutlich: soll eingeliefert werden, wie im act. 'höfe sculon geldan' 70 u. o. (vergl. dazu 5, e). ebenso mhd.:
ze tûsent marken der genieʒ
was, der dem klôster galt
(sus was sîn urbor gezalt).
Wolfr. Will. 202, 25.
dazu das geltende gut, rente u. b, γ.
5)
noch weiter und breiter entwickelt im geschäftsleben.
a)
bemerkenswert vor allem, dasz das rückzahlen einer schuld ursprünglich einfach und vorzugsweis gelten hiesz, also gleichfalls ein erstatten, eine schuldige gegenleistung (s. 3): ob du allen tac drîe spende gæbest, daʒ wære gote niht alse liep, als ob du einigen schillinc gelten soltest unde den widergæbest .. unde soltu (d. h. bist du schuldig) einem halt niwan aht pfenninge unde giltest du sie im niht, dîner sêle wirt niemer rât. Berthold I, 61, vergl. wider gelten und geben u. ä. 3, c; dorumb mag her (der vormund) scholt gelden ... von der kinder gûte. Magdeb. fragen s. 106 (vorher auch bezalen); von bewîsunge geguldener (var. vorgoldener) schult. 160 var. Auch blosz einem gelten, mit verschwiegenem obj., ein beweis häufigsten gebrauches: und hât er (der frohnbote) sich sîn (eines gutes) underwunden für iemans gülte (schuldforderung) oder für iemans buoʒe, sô sol man daʒ guot ... veile bieten .. und sol den liuten dâ von gelten. Schwabensp. 176 G., 206 L., und bloszes gelten, die schulden bezahlen: wo aber ir eman sovil gelten sölte, das sy (die gelten, gläubiger) über den kram (morgengabe) nit bezalt möchten werden (darüber hinaus für sie nichts bliebe), dann sollen die gelten vor dem kram gan und vor dem bezalt werden. Lucerner stadtr. § 6; ist sach das ein man oder ein wib ützit sol gelten und die selb geltschuld ufgeluffen ist von ligenden guͤtern wegen, die selb geltschuld sol man ouch bezalen von ligenden guͤtern. § 15, man bemerke wie sich bezalen vordrängt hinter dem alten gelten; ein man sall gelden furo seine frawen .. und die fraw vor den mann. Ortloff 2, 334; wer erben will der soll auch gelten, der nicht erbt der gilt nicht. Schmeller 2, 40. 41, rechtssprichwörter 15. 16. jh., vergl. Graf u. Dietherr rechtsspr. s. 221, im Ssp. swer sô daʒ erbe nimt, der sal durch recht die schult gelden I, 6, 2, im Schwabensp. 8 swer erbe nimt der sol ouch zuo rehte die schulde gelten, die der tôte man dâ gelten solte. auch gelt gelten (s.geld 3, g, schuld): ich laugen nicht, ich sol im das gelt gelten, ich han in aber sein gewert (sicher gestellt). Schmeller² 1, 904. noch im 17. jh. schuld abgelten (s. d.).
b)
daher borgen und gelten in wechselbeziehung:
(wer) ungern gilt und gern borgt.
Keller alte g. schwänke 3,
wie altenglisch:
þou ʒeldest noght, but borwest.
Ploughman 3068.
mhd. als geläufig bewiesen durch bildliche anwendung, z. b. von küssen, die ein liebender begehrt:
sô wil ich gerne borgen dir,
daʒ du her nâch geltest mir.
Heinzelein minnelehre 1916.
scherzende anwendung auf schlag und gegenschlag im kampfe (vergl. im 16. jh. u. 3, c), bei Hartmann einmal in langer ausführung:
swer gerne giltet, daʒ ist guot ...
swer borget und niht gulte,
daʒ er des lîhte engulte ..
wande ers dicke engiltet
swer borc niene giltet u. s. w.
Iwein 7147 fg.;
si wâren beide milte
ze borgen und ze gelten.
Heinr. crone 13375;
dâ moht man hœren unde sehen
michel borgen unde gelten.
Stricker Daniel 73ᵃ (Bartsch Strickers Karl s. 339),
s. auch gelt wider gelt (rückzahlung hin und her), gelt und widergelt so verwendet unter geld 3, f. noch im 17. jh., aus dem geschäftsleben:
noch hauptgut noch die zinsen darf jetzt ein schuldner gelten:
es stehn zwar so die schulden, der glauben aber selten.
Logau 2, 4, 26, 'zahlungsfristen'.
s. dazu gelter (auch einfach gelte alem.), schuldner und auch gläubiger, auch die schuld und schuldforderung hiesz einfach gelt (oder gülte, s.geld 3, g) und dazu auch einfaches gelden und schuldig sein, debere voc. inc. teut. h 6ᵇ (neben gelden und zalen, solvere), wie noch schwäb. gelten schuldig sein (und die schuld entrichten) Schmid 227.
c)
aber auch für bezahlen überhaupt, auf geld bezogen, als gegenleistung, für dienst bewirtung, waare o. a.
α)
auch diesz schon in alter zeit, ahd. zins geltan, solvere, mieta geltan, den lohn auszahlen, mercedem reddere Tat. 109, 2, alts. lôn geldan Hel. 1636, auch geld genannt 1625, von gott im bilde des herrn der seinen getreuen den lohn zahlt. mhd.:
gebet in (Joseph) den choufliuten,
lât in iu gelten.
genesis fundgr. 2, 54, 38,
heiʒʒet in iu wol gelten (gut bezahlen)
76, 17 Diemer;
wilt du mich veile machen ..
daʒ man mich gelte sam ein rint?
Wolfr. Will. 257, 15;
lâ mich in (den edelstein) sehen, ich hân den muot,
daʒ ich in tiure gelten wil.
Barl. 40, 29;
wie diu liebe mit der wâge liebe gelten muoʒ.
MSH. 1, 309ᵃ;
daʒ wir nu müeʒen gelten (dem wirte)
des wir doch nie enbiʒʒen.
Martina 119, 74 (vgl. Haupt 13, 324);
auch mnd., z. b. vangene gelden unde losen, gefangene loskaufen Magdeb. schöppenchron. 193, 8 (vergl. d), gelden unde betalen Sch. u. L. 2, 39ᵃ, mnl. z. b. die hanse ghelden, den zoll bezahlen Oudem. 2, 442, auch altengl. Stratm. 258.
β)
auch bildlich, wie unser bezahlen, z. b.:
ich bin iʒ sande Martîn
und wil dir gelten dînen wîn,
den du getrunken hâst durch mich u. s. w.
Stricker klein. ged. 5, 52,
worte eines diebes, der während des Martinsschmauses (s. sp. 1263) vom bauer im kuhstall überrascht wird und sich nun als den heiligen selbst ausgibt, der den bauer mit seinem segen bezahlen wolle. ein dieb musz aber auch diebisch getrunkenen wein mit slegen gelten:
mit slegen gulden dô den wîn
ver Hersant und her Îsengrîn.
Reinhart 519.
so als hohnwitz, besonders im kriegsgebrauch, siegreiche plünderer gelten den wîn, den sie getrunken, mit weiterem raube, z. b. die Berner u. a. in einem kriegszug im j. 1350, in spöttischer verkehrung des buszliedes der geiselbrüder:
der unser busz welle pflegen,
der sol ross und rinder nemen,
gens unde feiste swin,
damit so gelten wir den win.
Justinger Berner chron. 142 (Hofmann v. Fall. kirchenl. 146, Rochholz alem. kind. 377);
der heerführer bei einem raubzug im feindeslande weist seine leute an:
nu prüevet alle, wanne
daʒ herhorn geblâsen wirt (zum abzug),
sô bezale wir den wirt
und rîten hin zuo lande (heim).
livl. reimchr. 4289.
so in dem furchtbaren hohnworte, mit dem Hagen an Etzels hofe den kampf eröffnet, indem er den jungen sohn des wirtes erschlägt:
nu trinken wir die minne   und gelten sküneges wîn.
Nib. 1897, 3 (s. dazu sp. 1685);
das war dann in Österreich sprichwörtlich in bezug auf kampf und rache:
iʒ mac anders niht gesîn,
wan trinkt und geltet Ezeln wîn.
Helbl. 6, 160;
daʒ rât ich bî den triuwen mîn,
ir trinket unde geltet den Ezelînes wîn.
14, 86.
auch anders vielfach, z. b. êre die einer als gast erfährt:
nu vürhte ich aber sêre,
daʒ ich dise grôʒ êre
vil tiure gelten müeʒe (dem wirte).
Iwein 6559.
sich gelten, sich bezahlt machen, erstattung finden:
trûren sich mit freuden gildet
deme der wol bîten kan.
minnes. frühl. 84, 31 (bîten wie ein gläubiger).
γ)
noch nhd., in resten bis heute:
er sei ein dieb, mörder oder unkeusche,
hat er zu gelten, man macht ihn heilig (in Rom).
Renner Frankf. 1549 48 (ze geben Bamb. ausg. 9079);
got gruͤsz euch, lieben junkfrauen mein,
ich pit euch, das ir mit mir tanzt.
ich wil euch geben ain rosenkranz
und wil euch geben guoten lebzelten,
die han ich noch wol zu gelten.
fastn. sp. 396, 1;
eurs geltes ich nit peger (zum weintrinken) ..
ich hab noch selber als vil,
trink ich, das ichs selber gelten will.
450, 11;
und golt geheiszen (versprechen) und kupfer gelten
und voren loben und hinten schelten u. s. w.
743, 6;
Ulenspiegel sasz unden an dem disch ... aber niemans legt im etwas für oder hiesz in essen, und muͦst doch gleich vil gelten (wie der pfaffe, der mit iszt). Ulensp. 85 s. 123 L.; denn wer mit genieszen wil, der musz auch mit gelten und lieb mit lieb vergleichen. Luther 1, 202ᵇ; weil wir in solchem wirtshaus zeren, so müssen wir im (dem wirt) auch gelten. ders. bei Dietz 2, 67ᵃ (als 'entgelten' aufgefaszt). auch zalen und gelten (vergl.gelden unde betalen u. α): denn wer für andere zalen und gelten solle, der musz selber nicht in schulden stecken. Mathes. Sar. 72ᵇ; vergl. aus dem 17. jh. 3, d. nachher durch bezahlen verdrängt (vergl.gelter 2 a. e.), gilt es doch noch in den sog. cimbrischen gemeinden, z. b. gelten de zegenten, pagar le decime, gott-er herre gelte dich, iddio ti paghi, auzgelten auszahlen, s. Schmeller 124ᵇ, auch noch norw. gjelda betale Aasen 218ᵇ, schwed. gälda neben betala, z. b. von erbschaftsschulden (s. a), also im äuszersten süden und norden des germ. gebietes. s. auch 12, a, bei einer wette den einsatz erlegen und gelter (1) bezahler.
d)
auch geradezu für kaufen.
α)
schon mhd. vorhin schlägt die bedeutung bezahlen mehrmals in kaufen ein oder um (bei Wolfram, im Barlaam, auch fastn. sp. 396, 1), wie schon alts. fargeldan Hel. 2835, vgl. auch mnd. vangene gelden, loskaufen u. c, α. deutlich aber und bestimmt ausgebildet hauptsächlich im Rheinlande, als ausdruck des geschäftslebens, schon seit dem 12. jahrh. (es fehlt leider an beobachtung, auszer fürs Cölnische):
Lybanus ist ouh der selbe walt,
den der kuninc Salemon galt
wider einen kuninc, der hîʒ Hyram.
Alex. 946 W.,
wie mhd. koufen wider einem Amis 1766, Höfer urk. 43;
wir gelden vreden weder in (von ihm).
Hagen cöln. reimchron. 3159;
got starf .. an dem cruce jemerlich
unde galt weder (kaufte zurück) dat hemelrich.
243;
we evensmalz (habermalz) gilt ein malder ..
hei sal geven seis penninge even.
2353 u. ö.;
in den jairen uns herren 1331 du galt man eine quarte wins umb zwene haller. städtechron. 13, 21 u. o., aus Cöln; in dem selben jar ... samenden sich de heren (fürsten) und golden vil schif und stalten sich darzu, we si de stat uberzehen wolden (mit krieg). das. 117, 33; do quam al dat voulk zo Joseph und goulten korn van eme. der seele spiegel 162ᵃ (Fromm. 2, 437ᵃ); isz ist auch under dem ganzen rade .. geret (ausgemacht worden), daʒ er (ihrer) keiner sal gelten oder keifen (käufen) numer me keine felle (gefälle), ungelt oder renten .. eʒ ensi dan des rades welle. städtechron. 17, 14, aus Mainz 15. jh.; emere, gelten. Dief. 200ᵃ; deser pays (Alexander VI.) ... hait tzwein soene. den einen hait he gemaicht einen hertzouch ind hait iem gegolden ein hertzochdom in Hispanien. Harf 36, 35; item keuft he ouch vur uns einen hoinerkorf, soe as wir in die haven qwaemen ind hoener dae golden, die dar in zo setzen. 58, 25; (in Kairo muszten wir selber) gain voert (hinaus) of die straesze ind gelden wat uns noitdorftich was zo essen, ind golden (kauften) wasser usz dem Nijl zo drinken. 85, 37; ind galt mir ein hulzen kist. 116, 16; ein gestoelen ader gegolden pert. 228, 19 und sonst oft; ind (der Hunnenkönig) verdarft die lude ... overal, so wer sich niet van eme galt. städtechron. 13, 377, loskaufte; der greve van der stat galt sich mit gelde van des bischofs zorne. 564, 31; Ulenspegel hat eins ein stedich ross veil, dat wold einer gelden .. wiltu mirt geven umme einen zimlichen pennink, ich geldent. Ulensp. s. 140 Lapp.; quanti emisti librum? wie theur hastu das buch gegolden? Apherd. (1581) 160, von Henisch 1478 aufgenommen, der auch anführt, als alt: gelt (eme) mit dem beding, das man etwas zugebe, sprichw.
β)
dazu auch abgelten (s. d.) abkaufen Waldis, ingelden einkaufen, vorgelden verkaufen, mnd., neben gelden (im mnd. wb. unbelegt): in deme anderen jare dar na wart groit hunger .. dat man einen stuf beirs umbe einen penninc gulde, inde neiman me kornes ingulde dan he zu einen mainde bedorte (brauchte). deutsche chron. II, 245, 20 (städtechron. 7, 143 anm.); it is een fruchtbar jar van koren ... gewest und woll tho vorgelden. mnd. wb. 5, 353ᵃ ('zu gelde machen'). so ist es offenbar in einem groszen gebiete völlig für kaufen eingetreten (das doch daneben galt), auch in dessen allgemeiner bedeutung vom kaufgeschäft überhaupt, auf käufer und verkäufer zugleich bezogen (s.kaufen 1, b. d, vergl. kaufen 1, f für bezahlen, also wie gelten), z. b. in einer angabe aus dem Clevischen im 15. jh.: copen, cramen, tuygen, markten, gelden, emere, comparare, mercari, appreciari, negotiari, cauponari .. Teuthonista 56ᵃ, wo doch wol die zuletzt gestellten markten, gelden den zuletzt gestellten negotiari, cauponari entsprechen sollen. und wie das. 'copen of vercopen, nundinari, mercari', d. h. auch einseitig vom kaufmann (der ebendavon benannt ist, s.kaufen 1, c verkaufen), so gelten vom krämer, also auch verkaufen, nrh.: es sollen diesen tag allhier erscheinen ... alle die underthanen, burger und landsaiszen .. mit maszen und gewicht, wie sie gebrauchen in gelten und ausmessen (um sie zu eichen). weisth. 4, 788, aus Montjoie in Aachener gegend vom j. 1600; vgl.gelter 5. gewiss also auch gelden und vergelden, wie kaufen und verkaufen zusammenfassend (s.kaufen 2, a), ich finde cölnisch gelden ind verkaufen (vom weingeschäft) städtechron. 13, 117, 9. 437, 24 neben kaufen und verkaufen 116, 14, oberrh. gelten und verkaufen Mones zeitschr. 9, 26 (vom j. 1419). hier erklärt sich auch oberrh. geltung (s. d.) vom vorkaufsrecht, dazu bei Scherz 515 auch gelten, das vorkaufsrecht ausüben (ohne beleg).
γ)
noch jetzt im gebiete des Mittel- und Niederrheins, z. b. gelten kaufen in Montabaur, Selters Kehrein Nassau 1, 158, auf der Eifel gellen Schmitz 1, 225ᵃ, Fromm. 6, 14, in Aachen gelde 'für geld kaufen' (auch geld kosten) Müller und Weitz 66, wo es auch als westfälisch angegeben wird, vermutlich an der gränze gegen das Rheinland. s. auch Firmenich 1, 431. 451. 456. 461. 494. 516 (Schm.² 1, 904) und gelter 4.
e)
bemerkenswert ist, wie gelten mit schuld in engster beziehung geht (sodasz sie eigentlich zusammen zu behandeln wären), wie im geschäftsleben, so rückwärts bis zu ihrem erkennbaren ausgangspunkt. im alten geschäftsleben entsprechen sich gelten zahlen, besonders schuld zahlen und schult, die aber auch selber gelt hiesz (s.geld 3, g), wie gelter und gelte m. sowol den gläubiger als schuldner, ebenso anderseits schuldiger und schulde m. sowol den schuldner als gläubiger bezeichnete (s. u.gelter 2), eins der deutlichsten beispiele, wie begriffe, die sich um einen punkt bewegen, auch in einander überschlagen; wie nahe sie sich im leben standen, zeigen wendungen, wie folgende: daʒ wir unsern lieben getrewen ... gelten sullen und schuldig sein 1200 guldein. Scherz 515, er sol vil gälten, ist in groszen schulden Maaler 155ᵃ, auch kurz daʒ ich iu gelten wil waʒ ich sol, schulde Boner. 35, 35, sol ich im iht daʒ gilt ich 79, 64, ahd. forgilt thaʒ thu scalt, redde quod debes Tat. 99, 3 (sol eigentlich für schol, ahd. scal). ebenso aber im verhältnis vom herrn und unterthan, s. u. 4, e alts. von scult die von einem hofe geldid oder geldan scal, von höfen die sculon geldan, das zinsentrichten eine scult und ein geldan, hd. gelt (s.geld 3, a). und nicht anders schon bei dem geltan von wergeld 2, b, denn skal hiesz zuerst nach J. Grimms treffendster vermutung 'ich habe getödtet, verwundet und bin zu wergeld verpflichtet' (gesch. d. d. spr. 903), bestens bestätigt durch das altfries. part. skalin erschlagen Richth. 1020ᵇ; da aber ein todtschlag gewiss auch als eine schuld der gottheit (als stammesvater) gegenüber behandelt wurde, wird auch das geltan vom opfer 2, a dasselbe verhältnis zu skal hinter sich haben, nachher fortgesetzt in schuld und gelten in sittlicher auffassung (3, e), wie die entwickelung im geschäftsleben als eine fortsetzung aus dem wergeldwesen zu erkennen ist (7, a a. e.).
6)
zu dem ursprünglichen gelten von leistungen ist noch zu bemerken, wie es sich mit geben berührt, theils damit gesellt theils damit tauschend.
a)
wie wider gelten und geben u. ä. gern verstärkend verbunden (3, c), so auch einfach, z. b. im 16. jahrh. bildlich: widerumb, die sichs nicht sollen annemen (der drohung des jüngsten gerichtes), sondern viel mehr sich freuen, als denen es kein zorn, sondern eitel gnade und trost gilt und gibt, die wöllen sich allzu seer dafür entsetzen. Luther 5, 530ᵃ; aber ire (der einsidler) körb, fasten und stillschweigen sampt allem irem verdienst und fürbitt gilt und gibt uns lauter nichts, die wir uns .. allein verlassen auf .. verdienst und fürbitt unsers .. heilandes. Mathes. Luther 27ᵃ, gilt nach der nachbarschaft von gibt noch nicht in der heutigen bedeutung (7 ff.), sondern für leistet, gewährt. beide, zumal durch stabreim gebunden, mögen häufig und lange so zusammen gebraucht sein.
b)
beide tauschend z. b. ahd. reda geltan, reddere rationem, rechenschaft ablegen Tat. 62, 12 (vom jüngsten gericht) neben geban: gib reda thînes ambahtes, redde rationem villicationis tuae. 108, 1, hier dem herrn gegenüber (mit abrechnung), dort gott gegenüber, geltan schon da als gewichtigeres geban, gewiss auch sonst noch vielfach bildlich. ähnlich erscheint das spätere gebet dem kaiser was des kaisers ist dort so: geltet .. themo keisore, reddite Caesari. 126, 3. so ist engl. yield in ein kräftiges geben, hergeben, übergeben, zugeben u. ä. ausgelaufen.
c)
besonders bemerkenswert in vocc. d. 15. jahrh. für profiteri neben 'gehorsam tuen vel geben' auch 'ewig gehorsam thun vel gelden' Dief. n. gl. 305ᵃ, auch bekennen, gelden, selbst bejehen vel bezalen Dief. 463ᵇ, vom klostergelübde (s.gehorsam III, 2, d). soll das nicht eine fortsetzung des gelten vom opfer an die gottheit sein, als hingabe seiner selbst aufgefaszt? es schlieszt sich recht wol an an das ahd. kirchliche lîbes kebô keltan, vitae munera solvere im ambrosianischen hymnus u. 2, a, wie das mnd. kirchliche gelofte gelden, vota reddere daselbst, gewiss auch hd. gelübde gelten, in dem bezalen anklingen kann, gelübde einlösen oder darbringen (solvere).
d)
was ist aber gelten für dehibere? im voc. theut. 1482 gelten oder losen, dehibere k 7ᵃ, losen oder gelten, dehibere t 2ᵇ; in andern vocc. dehibere, deibere, uflosen, aufbinden Dief. 171ᵃ.
e)
und noch ein gelden bleibt für jetzt dunkel, in einem elsässischen weisthum des 14. jahrh.: ouch sol nieman varn zidelen noch gelden in dem bau one des meigers wüssende. dette es ieman dar über (ohne des m. wissen), den hette man für ein unrechten man. weisth. 4, 157, zîdelen ist honig schneiden.
7)
der umschwung im gebrauch, der zu dem heutigen gelten führte, wesentlich in der bedeutung wert sein, wert haben, gieng vom geschäftsleben aus (5), es gilt zunächst die punkte in dem vorigen gelten zu suchen, wo die neue entwickelung anknüpfen konnte, die grammatisch genommen in einer verschiebung oder einem umspringen des subjects besteht.
a)
am deutlichsten von geld, das eben davon seinen namen erhielt.
α)
nicht der mann nur, sondern auch oder eigentlich sein geld bezahlt (giltet) dem andern eine waare, einen schaden u. ä. und musz dazu einen bestimmten wert haben, für den eben auch gelten und gelt beibehalten ward. diese entwickelung musz wol schon bis auf das wergeld zurückgehen (2, b), bei dem die verhandlung zwischen den beiden theilen darauf gerichtet sein muszte, welche summe den erschlagenen oder die wunde der sippe oder dem beschädigten gelte, d. h. mit ersatz vergüte, befriedigend aufwiege. das klingt, ins geschäftsleben übernommen, noch im 15. 16. jahrh. nach, wenn bei bezahlung die frage ist, ob ein geldstück einem gelte, den rechten vollwert für ihn habe, z. b. wie Judas bei der zahlung der 30 silberlinge viele als schlecht ausmustert:
Judas. disser hot ein hole (loch).
Caiphas. so nim ein andern, hie (er) gildet dir woil.
Alsfelder pass. 3219.
auch mit ausgedrücktem obj.:
Judas. dér pennigk ist roit (d. h. mit kupfer versetzt).
Caiphas. der gildet dir fleisch und broit.
3213;
wollest du dich henken, hie gulde dir ein strangk.
3225,
so viel ist er schon wert, dasz du dir eine mahlzeit, einen strang dafür kaufen kannst, eigentlich: er bezahlt oder kauft dir, was du brauchst, dann: hat den wert einer mahlzeit, eines stranges.
β)
dann von wert und währung, z. b. des guldens als rechnungseinheit, mit acc. der wertangabe wie dort: daʒ der rad jerlich fallen (als gefälle) sulde haben 22 000 [[undefined:poundsign]] ... weliche punde heller zu der zit (i. j. 1437) galt 27 sch. an (ohne) 3 h. ein gulden, und dar nach uber zwei jar galt 28 sch. einen gulden u. s. w. städtechron. 17, 171, 24, aus Mainz; so der gulden .. galt und gerechet ward 27 sch. an 3 h. (weniger 3 heller) vor ein gulden. 172, 20. und so bis heute: vorm halben jahr galt ein speciesthaler 32 groschen. Ludwig 731; was gelten (oder thun) jetzo die ducaten? wie viel aufgeld haben sie? 730; ein reichsthaler gilt acht schilling. Aler 887ᵃ;
sechs und zwanzig groschen gilt mein thaler!
was heiszt ihr mich denn einen prahler?
habt ihr doch andre nicht gescholten,
deren groschen einen thaler gegolten.
Göthe 2, 267.
dazu einst gelt, währung: unde (der rath setzte fest) de munte to blivende by orem gelde so se tovoren gulden hedde. städtechron. 16, 427, 31, vom j. 1488 aus Braunschweig, gewiss auch hd., wie im gebrauch der Hansestädte, die auf den oberd. geldmarkt einflusz hatten.
γ)
auch bloszes gelten, von dem wert den alle anerkennen, mit dem münze durch das land geht: was gilt, das ist gelt. Lehman flor. 1, 168; ein geld das gilt, nicht gilt, moneta quae ab omnibus sumitur, rejicitur. Frisch 1, 338ᵇ, auch gilt nichts Aler 888ᵃ; dieses geld gilt bei uns nicht. Adelung; der pfennig gilt nur wo er geschlagen ist, sprichw.; ein geldstück gilt nicht (oder nichts) mehr, das vom staat entwertet ist, auszer curs gesetzt u. a. auch von wechseln: mit dem waarenhandel stieg auch der geldhandel (der Niederländer), ihre wechselbriefe galten an allen enden der erde. Schiller VII, 42. diesz anerkennen durch alle (betheiligten) ist ein hauptmerkmal des neuen begriffes, gleichfalls leicht abzuleiten schon aus der verhandlung über ein wergeld, wo das eine bestimmte ziel die befriedigung aller betheiligten war (s. auch weiter 8, b, γ), die gewonnen werden muszte durch eine von allen anerkannte gleichwertigkeit des ersatzes mit dem zu ersetzenden, daher ein andres hauptmerkmal die gleichwertigkeit, gegenseitige wertvertretung (vgl.geld 4, b a. e.), die sich dann auch grammatisch darstellt, wenn gelten mit dem subject gleichsam von dem einen zum andern springt: der pfenning giltet dir fleisch und brot (kauft), aber auch fleisch und brot giltet dir einen pfenning (kostet), beides sich einigend in dem begriff wert sein: so wuszte der alte sprachgeist die feinsten und schwierigsten verhältnisse geräuschlos klar zum ausdruck zu bringen.
b)
auch von waare und wertsachen, wert sein, kosten.
α)
die anwendung auf waare ist in ihrer entstehung noch in der geschäftssprache des 15. jahrh. zu erkennen, wenn davon die rede ist, was eine waare einem gilt, d. h. dem händler: so inen die (den weinverkäufern die weine) ires gefallens auf demselben weinmarkt nit gelten wollen, so legen sie (conj.) die in keller. Nürnb. polizeiordn. 247, sachlich: nicht für passenden preis verkauft werden, abgehen, sprachlich aber eigentlich: nicht nach gefallen einbringen, eintragen, wie ein kornwucherer in einem wolfeilen kornjahre verzweifelt schreit es wil nicht gelten, es wil nicht gelten Hayneccius Hans Pfriem Hh 2ᵇ (das wollen von den käufern auf die waare übertragen, vergl. unten), s. 4, c, wo es auch schon mhd. aus dem anf. des 14. jh. so auftritt, doch ohne den dat. (der gedacht ist): swîn diu geltent ielichs zehen schillinge, eigentlich bringen ein nach dem marktpreise, haben den wert. auch von wertsachen schon im späteren mhd.:
ein krône, deu gar gerne galt
zweinzic marc oder mê.
Heinr. v. Neustadt Apollonius 18822 (Lexer nachtr. 189),
eigentlich: die 'gut und gerne' einbrachte (wollte man sie verkaufen, das gern auch im Simpl. u. β, jenem wollen ähnlich). noch in der geschäftssprache im anf. des 18. jahrh., die Ludwig 730 fleiszig verzeichnet, klingt der ursprung deutlich nach, wenn ein händler sagt: ich musz meines verkaufen, es mag gelten was es gelten kan, d. i. kosten, aber dahinter noch deutlich einbringen, wie der dazu gesetzte englische ausdruck ausspricht I must take for it what I can get. deutlicher noch im 17. jh. mit dem dat. und dem wollen, wie im 15. jh. vorhin (s. auch u. 8, a): da er nun sahe, dasz ihm der viehehandel so wohl zuschlug, erkaufte er auch etlich stück ziegen mit sambt einem jährigen böcklein und brachte solche nach 8, allwo er der geiszen bald wieder, sehr wohl bezahlt, los wurde. aber das böcklein wolte ihm so viel nit gelten, weil es jeder käufer nur seinem fleisch nach bezahlen wolte. Simpl. 4, 253 Kz. ebenso bildlich Logau u. 1, c, α von seinen versen, die ihm nicht gelten wollen, wie dem Ovid die seinen, nicht so hoch geschätzt werden.
β)
nhd. theilweis bis jetzt für kosten, auch im 15. jh. schon ausdrücklich mit wert sein und wert m. zusammen: einich jungs schweinlein, das an dem kauf xj dl. wert ist oder gilt. Nürnb. poliz. 238; so vil werts als dieselb ware golten hette. 143; doch wil ich besehen, was die rüben gelten. A. v. Eybe Menaechmi 99ᵃ; und was sy (die stoffe) in der herbstmesz gelten (in Frankfurt), also sol ich im czalln in der vastenmesz. Ott Ruland 3 (sol wie 5, e); so dirs gefelt, wil ich dir silber dafür (für den weinberg) geben, so viel er gilt. 1 kön. 21, 2; ein knecht galt dazumal ein gulden oder achte, ein magd ein gulden oder sechse (d. h. gegen 6 g.). Luther über das 1. b. Mose y 3ᵇ; gilt das holz vil, so fellt die sahl (soole), gilt es wenig, so steiget die sahl. Mathes. Sar. 126ᵃ, von dem salzwesen in Halle;
wünschest du nach einer schüssel,
so mit süszer milch gefüllt?
schau, dort ist der kellerschlüssel,
nim dir, so am meisten gilt.
Fleming 425 (L. 344);
ein henne, die ihm .. ein ey legte, deren eins damahl gern ein batzen galte. Simpl. 4, 252 Kz.; was gilt oder kostet jetzt der pfeffer? Ludwig 730; ihr müszt sagen, was eure waare gelten soll. das.; die waare gilt ietzo gar nicht, es ist keine frage darnach. das.; es ist sehr herunter gekommen von dem preis, den es fürm jahr gegolten. das.; die waaren gelten ietzund ihr geld. das., stehn in gutem preise, noch jetzt die waare gilt ihr geld Adelung; das korn gilt jetzt nichts, ist wolfeil, ders., Steinbach 1, 616 (aus dem munde der händler); er fragt nichts darnach, was die butter, das korn gelte, in diem securus vivit. Aler 887ᵃ; sie haben da eine scharmante leinwand. was gilt die elle? Schiller IV, 191; was soll der hut gelten? als frage des käufers Weber 339ᵃ.
γ)
bemerkenswert ist noch, wenn dinge als preis angegeben werden, z. b. ein ei: a. d. 1338 do was also vil wins gewassen, dat de quarte galt ein ei ind der alrebeste zwein haller. städtechron. 13, 130, aus Cöln, die quart wein und das ei als gleichwertig (vergl. a a. e.). übrigens auch von andern kosten, z. b. gerichtskosten:
Velten. was gilt denn euer amtsbescheid?
Veit. da fehlt nicht viel an zwei ducaten.
Velten. nicht mehr? das ist noch billig, Veit.
Veit. so? rechn'ich denn zwei kälberbraten?
Gökingk sinnged. (1778) 63.
auch werden gelten und kosten unterschieden: gilt doch alles den preis, den es gekostet. Chamisso 5, 218, gelten vom wert, dem der preis ausdruck gibt.
c)
bildlich ausgedehnt auf wertbestimmung von allerlei anderm, auch sittlich, geistig.
α)
oft ganz deutlich im anschlusz an geld und waare und ihren marktwert, z. b.: es ist besser und gilt mehr ein ey im frieden, als ein ochs im krieg. Lehman flor. 2, 94, freilich zunächst vom marktwert, doch zugleich höher gemeint (wie schon ist besser zeigt), auch vom frieden und krieg selber; ein polnisch bruck, ein behmischer mönch, ein schwebische nonn, ein österreichischer kriegsman, wälsche andacht und der Teutschen fasten gelten ein bonen. S. Frank spr. 1, 78ᵃ, vgl.bohne 2;
daran erkenn ich den gelehrten herrn ..
was ihr nicht wägt, hat für euch kein gewicht,
was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.
Göthe 41, 16.
β)
von menschenwert, auch im vergleich mit geldwert: ein yeder gilt als vil er hat. Frank spr. 1, 19ᵃ; ein jeder gilt so (als vil) er hat. Henisch 1478; wer nicht gelt hat, der gilt nichts, denn was gilt, das ist gelt. Lehman flor. 1, 168; nachdem man reich ist, nachdem gilt man was. Stieler 680, von äuszerem wert und 'geltung' (vergl. 8, c). in der schlacht, wo könige fallen wie gemeine soldaten:
was gilt hier die person?
Fleming 109 (L. 112).
von innerem wert: die besseren alten zeiten, in denen jeder einzelne nur soviel galt, als er werth war. Schlosser weltg. 4, 338. vergl. was eine löwin zur häsin sagt: ob ich zwar nur eines (ein kind) gebähre, so gilt doch das eine mehr als deiner sieben. Olear. Lokman 10. in geringschätzung wird einer mit nichtswerten dingen an wert verglichen (vergl.gelten ein bonen u. α), bemerkenswert aber auch von mehreren, mit ironischer kürze: ihr beider gelt ihm einer wie der ander. Ayrer proc. 2, 10, d. h. nichts, daher noch gleichgültig, s. dazu 8, f.
γ)
auch das blosze gelten, wie in der geschäftssprache, mit allgemeiner anerkennung (a, γ): was glänzt, das gilt. Lehman flor. 1, 459, was scheint das gilt 36;
dasz das alte sprichwort sei war:
kein prophet gilt in seinem land.
Ayrer 191, 9 K.;
dasz kein prophet in seinem vaterland gilt. Schuppius 548, nach einer bibelstelle: Jesus aber sprach zu inen, ein prophet gilt nirgend weniger denn in seinem vaterland und in seinem hause. Matth. 13, 57;
vordem galt deutsche treu, itzt gilt nur list und geld.
Günther.
δ)
auch mit dem dat., wie unter a, α und b, α:
denn dem frommen, der hier schlummert,
galt der werth der redlichkeit.
Bürger 15ᵇ.
dazu mit angabe des wertes im acc., wie dort:
zehn berge (acc.), dicht von lorbern voll,
gilt einer mir voll reben.
8ᵇ.
auch viel, wenig, alles, nichts gelten bildlich, z. b.:
ei, fremdling, gilt euch eurer wirthin wohl
so wenig, dasz ihr ..
Th. Körner (1861) 291;
die ehre gelt ihm mehr als eine krone.
372;
gilt ihm denn seine treue mannschaft nichts?
368;
der starke mann gilt viel in dieser zeit.
349;
das leben gilt nichts, wo die freiheit fällt.
23.
ε)
dichterisch wird auch dieser acc. des preises oder wertes auf eine bildliche wendung übertragen:
und so lange deutsche ströme sausen,
und so lange deutsche lieder brausen,
gelten diese namen (Aspern und Karl) ihren klang.
Körner leyer u. schwert 8 (auf dem schlachtfeld von Aspern),
wie im geschäftsleben waare gilt ihr geld (b, β).
d)
daher gleich bedeuten, als gleichwertig vertreten, mit acc. (wie franz. valoir): der cirkel galt die sonne (im kalender z. b.). Haynatz antib. 2, 26 aus Denis bücherkunde 1, 25; das asz im picketspiel gilt eilf, is good for eleven. Ludwig 730, von seiner wertbedeutung; gleich geh und überliefre ihr diesen ring. er (var. es) gelte den trauring, sagst du. Schiller III, 145, 7 (Fiesko 5, 8);
ein held und kaiser gilt ein ganzes volk!
Th. Körner 327 (Zriny 1, 1);
ha! was gilt das zeichen (ein trompetenstosz)?
botschaft vielleicht vom feinde?
349 (Zriny 2, 4);
auch noch volksmäszig, z. b. im Göttingischen dat sal nich vele gellen, hat nicht viel zu bedeuten. Schambach 62ᵃ.
8)
ferner überhaupt von anerkanntem wert aller art, der sich auch in gunst und ansehen als kraft und wirkung oder einflusz äuszert, was in dem vielseitigen geltung zusammengefaszt wird, oft noch erkennbar oder denkbar mit anschlusz an den marktwert von geld oder waare, aber auch aus einer andern quelle im alten leben (die unter 9 deutlicher wird).
a)
ans geschäftsleben erinnert noch folg. gelten von gunst und ansehen, geltung haben, in geltung stehen, besonders in allgemeiner:
mein handwerk will nicht gelten mehr.
Rebhuhn klag des armen manns 7,
mit dem wollen wie u. 7, b, α von waare; da nun dieses und anders mehr dem heiligen vatter nicht nach sinnen gehen und seine karten in Teutschland nicht mehr gelten wollen. Kirchhof wend. 373ᵇ (zugleich von wirkung nach b); die vertriebenen sog. pseudocalvinisten in Sachsen klagen:
wo sollen wir uns erneeren,
so unser predigt nicht mehr gild,
was haben wir zuverzeeren?
Soltau 2, 282;
dasz die jetzige schreibart, so in Frankreich gilt, fast ciceronianisch (vollkommen ist), da eben auch die nation in krieg- und friedenssachen sich so unverhofft und fast unglaublich hervorthut. Leibniz ermahnung an die Teutsche (weim. jahrb. 3, 105); er (min. Bernstorf) glaubte nicht .. dasz unter königen eine andere rechtschaffenheit gelte, als unter den niedrigsten erdbewohnern. Sturz (1786) 1, 15, gleichsam curs haben, wie geistige münze. so höher gelten, in höherm werte stehn: wem der beifall der menschen höher gilt, als das zeugnis des himmels. Gotter 3, 73, vergl. mhd. hôch gelten, theuer bezahlen Lexer 1, 827. dagegen halb gelten, den halben wert haben:
denn hat der arzt kein weib, so gilt er kaum noch halb,
die amtfrau schlachtet ihm kein fettes küchenkalb u. s. w.
Günther 392.
b)
besonders auch rede, worte u. ä. gelten, wie gültiges geld, zugleich von der wirkung die sie bei andern haben.
α)
eins deiner worten wirt darinn mer gälten, dann meiner hunderte, gravius erit. Maaler 155ᵃ; was sie reden, das musz vom himel her ab geredt sein, was sie sagen, das musz gelten auf erden. ps. 73, 9; seine rede gilt auf dem rathause am meisten. Stieler 680. auch mit dat. der person: der herr aber sprach zu Mose .. du solt itzt sehen, ob meine wort können dir etwas gelten oder nicht. 4 Mos. 11, 23;
dir musz eidlos gelten mein wort.
Klopstock Mess. 13, 981;
wo denken sie hin, herr prior. diese sprache galt vor 50 jahren. sie vergessen den genius des zeitalters, die kirche ist nicht mehr was sie war. Gotter 3, 25; ein verliebter, der auf seine werbung böse worte hören musz, will diese nicht gelten lassen, d. h. thun als wären sie nicht gesprochen:
die wort sülln alle gelten nicht,
die ir gen mir hapt ab gespullt.
H. Folz bei Haupt 8, 515.
auch wünsche, vorschläge, meinungen u. dgl.: was du wilst, soll bei mir viel gelten. Aler 887ᵇ; deine brief gelten viel bei mir, maximi sunt ponderis. das.; dessen rath nichts gilt, irritus consilii. 888ᵃ. von der ausgesprochnen oder gepredigten wahrheit: wahrheit gilt mehr bei mir denn freundschaft. Henisch 1478;
genug und nur zu viel hab ich die welt gescholten,
was zeigt die wahrheit sich? wann hat sie was gegolten?
Haller 122 (die verdorb. sitten).
β)
der begriff der wirkung bei andern tritt auch noch deutlicher und für sich besonders hervor: gelten, vermögen, kraft haben, valere, pollere, autoritatem habere Aler 887ᵃ, z. b.: die bitt gelten mehr, plus preces valent. 887ᵇ, nicht: sind wert (woran wir jetzt zuerst denken), sondern wirken; die gesandtschaft hat nichts gegolten, irrita fuit. 888ᵃ, blieb erfolglos; seine vorsprache hat (was) gegolten, his intercession proved effectual Ludwig 730, jetzt nicht mehr sagbar;
eine fürstin starbe, noch in bester jugend ..
jeder, der sie kante, obs gleich nichts gegulden,
hat des todes toben dennoch sehr geschulden.
Logau 3, 5, 76 (ob es gleich nichts half Ramler).
auch zu einem zwecke gelten, wirksam sein:
man suche von grund aus die mutter zu gewinnen,
was zu Levinus heil und Chloris rettung gilt.
A. Gryphius verl. gespenst 3, 45 (s. 80 Palm).
ebenso mit zu und inf.: wie fast (sehr) aber diese liechter aus der antiquität ein solchen eifer in unseren gemüthern zu erwecken gelten sollen, wolt ich mich befleiszen euch zuermahnen. Schupp. 725; wenn er blut weinete, oder sich selbst bis aufs blut geiszelt, so würden doch damit keine sünden gebüszet und es gülte alles nicht, die gnade gottes zu erlangen. Scriver seel. 1, 182. ein beweis gilt zu viel, beweist zu viel:
ich wand mein unschuld vor, die man nicht hören wolte,
weil der beweis zu viel nach ihrer meinung golte.
A. Gryphius 1, 197 (Card. 1, 194).
eine kenntnis, wissenschaft: der raht in dem herzen eines manns ist wie ein tiefes wasser, aber ein verständiger mann wird dasselbige austrinken. das aber kan auf 4 weise beschehen. erstens durch das gesicht und mund der menschen. da gilt die physiognomia viel. Schupp. 763, thut viel dazu, ist dabei wert und wichtig.
γ)
auch bloszes gelten (vergl. 7, c, γ) von allgemeiner anerkennung, durchschlagender wirkung eines angeführten grundes, einer meinung, thatsache u. a.: wer aber unrecht thut, der wird empfahen was er unrecht gethan hat, und gilt kein ansehen der person. Col. 3, 25; die maximen der männer hören wir immerfort wiederholen .. und doch wüszten wir mädchen im stillen das umgekehrte das auch gölte. Göthe 21, 95 (wanderj. 1, 6), das auch die gegner gelten lassen müszten; ein phänomen, ein versuch kann nichts beweisen, es ist das glied einer groszen kette, das erst im zusammenhange gilt. 49, 52. daher auch einfach mit gegen, im streit mit andrer meinung u. ä.: unterdessen herrschte Granvella beinahe unumschränkt in dem staatsrathe .. sein gutachten galt gegen die vereinigte stimme der ganzen versammlung. Schiller VII, 115, 29; nun sagen sie mir, ob sich gegen die so frappante ... abwechselung (im deutschen rhythmus) noch etwas einwenden lasse? es müszte denn anders der einwand gegen meine zeitwage gelten. Bürger 180ᵃ. das ist gewiss aus der alten verhandlungssprache in rat und gemeinde, gelten eig. von dem was aus der verhandlung heraus zur allgemeinen anerkennung kommt, daher bei abstimmung: die mehrere stimmen gulten, valevano, prevalevano i voti maggiori M. Krämer 528ᵇ, die meisten stimmen gelten, plurima suffragia concludunt Frisch 1, 338ᶜ, und dazu reicht das bild von geld und waare nicht mehr aus, s. weiter 9.
c)
auch vom manne selber (vergl. 7, c, β), d. h. von seiner rede und meinung auf ihn selber übertragen: also das er, burgermeister und ander des rats nichtz gulten, sonder Stephan von Menzingen allain ... herr hie zu Rotenburg were. Baumann qu. zur gesch. d. bauernkr. aus Rotenburg 369, nichts mehr zu sagen, alle 'autorität' verloren hatten; vil bei eim gälten, autoritatem apud aliquem habere. Maaler 155ᵃ; von einem eersamen radt vil gälten und vil vermögen, groszen gunst und glauben haben, gratia valere apud senatum. das.; bei einem gelten, vil bei einem fürsten gelten. Henisch 1478; er gilt nichts, parum valet in urbe, curia, in nullo est numero. Aler 887ᵇ fg.; er gilt so viel als ein alter calender. 889ᵃ; die gottlosen gelten mehr als die frommen. das. als sprichw.; sie sagt aber, du Goethe verstündest mich, und ich gelte alles bei dir. Bettine br. 1, 197. zugleich von der ausübung des einflusses: was diese fliegenfänger bei den jetzigen und nachkommenden gelten, in was labyrinth sie ihre herrn führen, wann einer ist, der es nicht wissen will, ist er würdig dasz er es mit unglück erfahre. Schupp. 720.
d)
dazu geltend, anfangs gelten machen, nach dem franz. faire valoir seit dem 18. jh.
α)
mit dem inf.: ich will es daher nicht einmal gegen unsre widersacher gelten machen, dasz die offenbarung diesen ihren groszen endzweck oft auch durch meisterstücke der poesie und der beredsamkeit erreicht habe. Klopstock 11, 231; sie war nach Athen gekommen, um in dieser stadt, worin alle angenehmen talente aufmunterung fanden, die ihrigen gelten zu machen. Wieland 1, 192; ein schönes weib, das seine macht kennt und sie gelten zu machen weisz. 3, 336; jeder mensch gilt in dieser welt nur so viel, als er sich selbst gelten macht. Knigge umgang 1, 33, franz. un homme ne vaut que ce qu'il se fait valoir sprichw.; wenn ich mich gelten mache .. durch .. kleine kunstgriffe. Göthe 36, 50; der alte Meister hatte gleich nach dem tode seines vaters eine kostbare sammlung .. ins geld gesetzt .. und sein vermögen auf alle mögliche weise gelten gemacht. 18, 56 (lehrj. 1, 11), wie franz. faire valoir, vortheilhaft anlegen u. ä.
β)
bald doch auch mit dem part. für den inf.: sein recht an die krone geltend zu machen. Wieland 7, 112; dies müssen schriftsteller sein (die unsre sprache aus den minnesingern verjüngen sollen), die ihre archaismen auch geltend machen können, und dieses sind nur genies. Herder IV, 300, ihnen anerkennung verschaffen; ansprüche geltend machen. Gotter 3, 88; Albas erster schritt .. war, die inquisition in ihr voriges recht wieder einzusetzen, die schlüsse der trientischen kirchenversammlung wieder geltend zu machen. Schiller VII, 318, d. h. in ihr recht wieder einzusetzen; wer ist so gebildet, dasz er nicht seine vorzüge gegen andre manchmal auf eine grausame weise geltend machte? Göthe 17, 18; die tradition, die einen von seiner nation hochgefeierten namen (Hogarth) auch auf dem continent hatte geltend gemacht. 31, 57; er will überall nur sich geltend machen.
γ)
bemerkenswert ist dabei, wie eine beliebte wendung durch den gebrauch ihre eigentliche kraft einbüszt, gleichsam abgenutzt wird. denn es meint eigentlich etwas zur allgemeinen anerkennung oder wirkung bringen, wie noch in der letzten stelle, oder in einem streit als thatsache vorbringen, wie in der ersten. wenn man aber jetzt in einem streit, einer verhandlung etwas geltend macht, ist meist nur noch gemeint, dasz man es geltend zu machen sucht (wie ähnlich das nun beliebte constatiren auch zu einem bloszen behaupten wird, einem versuch als thatsache fest zu stellen).
e)
mehrdeutig ist gelten für etwas.
α)
eins gilt für das andere, ist so gut wie das andere, kann es vertreten, z. b. auf dem Rütli, wie Rösselmann die beratung eröffnet:
hört, was mir gott ins herz gibt, eidgenossen!
wir stehen hier statt einer landsgemeine
und können gelten für ein ganzes volk.
Schiller Tell 2, 2.
für etwas angesehen werden: es (das zimmer) war grosz und hoch, dasz es bei uns für einen saal gelten würde. Göthe 28, 137; man würde für einen heuchler gelten. 36, 68. das kann aus dem geldwesen stammen, wo z. b. ein unsicheres geldstück bei gutem willen doch für einen groschen oder für gut (voll) gilt u. ä.
β)
so in bezug auf allgemeine meinung oder anerkennung auch der mann gilt für reich, sie gilt für des kindes mutter, auch als reich, als die mutter, doch mit dem begriff dahinter, dasz sie das damit nicht sicher sind, nur allgemein oder von den meisten dafür genommen werden (wie eben auch zweifelhafte münzen). ebenso in folgender wendung mit inf.: die Sabiner und die völker, welche dafür gelten von ihnen ausgegangen zu sein. Niebuhr röm. gesch. 1, 101, der die wahrheit dieser abkunft damit dahingestellt sein läszt oder selbst in zweifel zieht.
γ)
dichterisch auch mit dem bloszen adj. oder subst.:
wie müssen rath und antheil eines mannes,
der allen edel, zuverlässig gilt,
mir als ein leitstern wonniglich erscheinen.
Göthe 9, 382 (nat. t. 4, 1);
und freundestreu und wahrheit gilt
noch eine heilge pflicht.
Körner leyer u. schw. 29.
f)
eine besondere entwickelung hat gleich gelten (daher gleichgültig, eigentlich gleichwertig).
α)
eigentlich von zwei wertsachen oder münzen o. ä., zwischen denen man zu wählen hat und keinen unterschied findet, beide für gleichwertig erklärt. dann bildlich von andern unterschieden, von denen man absieht: galt gleich, ob sie (die handschuhe) nasz wurden oder nicht. Frey garteng. 1ᵇ, es kam nichts drauf an, war 'einerlei';
wann sie (die weiber) das kleinod nimmer haben,
so loufens mit den purenknaben
und gilt in glich letz (verkehrt) oder recht.
Murner narrenbeschw. 26, 31.
aber früh auch in der richtung entwickelt, dasz man sich nicht blosz aus dem unterschied beider, sondern aus beiden in frage stehenden dingen (oder menschen) selber nichts macht:
als so einer mit eim Welschen gadt,
der nit ein tütsch wort verstadt,
so man im fluͦcht, es gilt im glych,
als so einer spräch 'gott schend dich'
oder 'gott gruͤsz dich biderman',
nimpt er sich eins wie des andern an.
Utz Eckstein reichstag, klost. 8, 838,
er nimt sich eins wie des andern an, d. h. gar nicht, wie bei Ayrer u. 7, b, β ihm gelt einer wie der ander, gar nichts, beide sind ihm 'gleichgültig'.
β)
wie früh dieser heutige begriff gleichgültig entwickelt ist (wie lange also die wendung schon im gange sein muszte), zeigt sich deutlich, wenn es schon bei Murner angewandt wird auch wo nur ein fall in frage steht (also die genaue bedeutung schon halb vergessen):
ob man uns schon darumb würd find (feind)
und kemend syn (dadurch) umb land und rich,
dasselbig gilt uns geuchen glich,
wenn wir nun (nur) das kleinet bringen.
geuchmatt, klost. 8, 1074;
die tugend macht den menschen reich ..
glück und unglück gilt ihm ganz gleich.
Weckherlin 73 Göd.;
nehmts auf, wie ihr wollet, es gilt mir gleich, non curo, non laboro. Weber 339ᵃ; es giltt gleich, wie du es bekömmst, perinde est. Steinbach 1, 616; das gilt mir gleich (viel), ist mir eins, questo m'è indifferente, cela m'est indifférent. Rädlein 350ᵇ;
mit oder ohne clausel (zu unterschreiben)! gilt mir gleich!
Schiller Piccol. IV, 4.
auch es gilt gleich viel, kommt nichts darauf an, ist gleichgültig: herr, ich höre an der sprach, dasz ihr ein Hochteutscher seiet. aus was für einer stadt seid ihr? ich sagte: monsieur, es gilt gleichviel. es ist euch wenig damit gedienet, dasz ihr wisset wo ich herkomme. Schupp. 251;
die weiber müssens doch einmal erfahren,
ob früher oder später, gilt gleichviel.
Th. Körner 338 (Zriny 1, 9).
daher gekürzt gleichviel, einerlei, auch als ausruf gleichviel!
γ)
diese allgemeine gleichgültigkeit wird auch besonders ausgedrückt mit alles (als), auch im 16. jh. schon zugesetzt, wo es sich um die wahl zwischen zweien handelt, wenn z. b. die buchdrucker stolz von ihrer geselschaft sangen in einem bundesliede:
sie tregt ein freien mut,
sie hat ein kleine sorge
wol umb das römisch reich,
es sterb heut oder morgen,
so gilts in alles gleich.
Uhland 689 (265, 1),
bei Fischart nur so gilt es inen gleich Garg. 93ᵃ (Sch. 162);
wer mit disem hauptman zücht ..
es gilt als gleich in disem fal
bischof bader cardinal,
ir frumkeit uns gar wenig thut u. s. w.
Murner luth. narr, klost. 10, 125,
wir machen uns aus allen nichts, bischof und bader sind uns 'einer wie der andre'; es gilt ihm alles gleich viel, de omni re susque deque habet, manum non verterit, juxta habet omnia, omnia illi sunt promiscua. Weber 339ᵃ. auch mit einerlei für gleich:
wird man der gefahr nur frey,
gilt es alles einerley.
Stephanie d. jüng. singspiele (1792) 235,
so ist alles andere gleichgültig. auch in negativer frage was gilt, d. h. nichts:
ja, lasz uns sterben! was gilt uns die sonne?
Th. Körner (1861) 386;
soll uns (acc.) der sumpf vermodern?
was gilt da weltenbrand?
16,
es kommt uns nichts darauf an, er ist uns gleichgültig.
g)
vielgebraucht ist auch gelten lassen, seit dem 16. jh., vermutlich älter (vergl. a. e.): mein herr könig, höre mich und lasz meine bitte fur dir gelten. Jer. 37, 20; lasz unser gebet fur dir gelten. 42, 2; lasz mich auch etwas sein oder gälten, fac ut me velis esse aliquem. Maaler 122ᵃ, Henisch 1478; laszt meine bitte etwas gelten, reflect upon my petition u. ä. Ludwig 730 (zu b, β); so wollen wir doch dis mal ... den lügnern diesen text lassen gelten. Luther 5, 162ᵃ; gelten lassen, gut sein oder passiren lassen, passer. Rädlein 350ᵇ; einen handel gelten lassen, passer un affaire. das.; ein gesetz laszen gelten, legem habere ratam. Aler 887ᵇ; etwas nichts gelten laszen, rejicere. das.; die entschüldigung gelten laszen. das.; diese ausrede, diesen grund u. ä. kann ich nicht gelten lassen; das lasse ich gelten, id quidem concedo, hoc non displicet. Weber 339ᵃ, auch als lob; laszts gelten, dasz er .., lasciamo stare, supponiami, wie gesetzt dasz .. M. Krämer 528ᵇ, wie man eine hypothese gelten läszt, einstweilen, zum behuf der disputation; niemand neben ihm (sich) gelten laszen. Aler 887ᵇ;
dich (Brama) als meinen herrscher nenn' ich,
denn du lässest alle gelten u. s. w.
Göthe 3, 17 (dank des paria);
nur wer was gelten will,
musz andre gelten lassen.
47, 246;
ich wollte gern sie gelten lassen,
wenn nur auch andre sie gelten lieszen.
47, 249;
alles soll ich gelten lassen,
was ich besser weisz.
3, 246;
was ich tadle, musz ich gelten lassen.
3, 261;
und was sie dann nicht gelten lassen,
das sollen die übrigen gleichfalls hassen.
3, 275;
lasset walten, lasset gelten,
was ich wunderlich verkündigt.
4, 375.
bemerkenswert im bairischen oberlande und recht alt aussehend einen gelten lâszen, ihm einen gastfreundlichen trunk oder bissen anbieten (auch vom mädchen beim sog. fensterln dem buben gegenüber), s. Schmeller 2, 40, also einen fremden willkommen heiszen, als willkommnen gast gelten lassen, nicht von der thür weisen (gleichsam nicht verneinen, wie bei Göthe zu gelten lassen der gegensatz ist).
9)
von dem was von einer gemeinschaft zu einem gemeinsamen zwecke ausgemacht wird, dann von satzungen aller art.
a)
auch das wird, wie gelten von einem anerkannten werte eigentlich von geld und wertsachen, zurückgehen auf verhandlungen über ein wergeld (7, a, α. γ), bei denen, da zugleich die sühne zwischen zwei sippen das ziel war, auch anderes gewiss gleich mit verhandelt und ausgemacht wurde, nachweislich z. b. eine wallfahrt des todtschlägers nach Aachen u. ä., aufrichtung eines sühnemahles u. ä., abmachungen auf welche gelten wahrscheinlich gleich mit erstreckt ward. die häufigkeit dieses falles im alten leben legt die annahme nahe, dasz solche verhandlungen die form abgaben für ähnliches verhandeln überhaupt, z. b. eines herrn und seiner mâge unde man für eine vorhabende fehde (die oft genug auch von zwei gesühnten sippen gegen einen gemeinsamen feind gleich mit beschlossen ward), und alles folgende erklärt sich leicht aus dieser annahme: es galt alles das, was bei der verhandlung von allen und für alle ausgemacht wurde oder war, galt für alle als recht und pflicht, sodasz sich jeder einzelne betheiligte den andern gegenüber darauf berufen konnte und umgekehrt (vergl. d). der einigende faden, der in jenen verhandlungen aufzusuchen ist, stellt sich nun so dar: es giltet zuerst das ausgemachte wergeld, d. h. ersetzt der einen sippe den schaden befriedigend (2, c), zugleich: ist von beiden theilen und allen betheiligten in förmlicher verhandlung als ausgemacht und abgemacht anerkannt (7, a a. e.); solange es aber noch nicht entrichtet war, kam diesz giltet, das dem schuldigen gewiss von der andern seite mahnend zugerufen wurde, von selbst notwendig zu der bedeutung: ist ausgemacht zu entrichten, musz entrichtet werden (vergl.scal geltan 5, e, auch gelden debere 5, b a. e.), woraus sich das passivische gelten 4, e erklärt, von jener schuldigen leistung auf andere übertragen (an den herrn, ans gericht). dann ward jenes giltit in allen andern verhandlungen das wort, mit dem das ausgemachte gleichsam mündlich besiegelt wurde, gewiss schon im augenblick des abschlusses (vgl.gelten vom ergebnis der abstimmung bei Krämer, Frisch 8, b a. e.), vermutlich als ruf aller betheiligten, der dann auch wiederholt wurde als mahnung, es gilt! wo es zur ausführung des damals ausgemachten kam (s. 10, a). als besiegelung eines beschlusses noch z. b. alem., im Bregenzerwalde: 'heiszt und gilt!' sagte er und gab mir die hand darauf (vergl.geloben 2, c). Felder Nümmamüllers 72, d. h. abgemacht, ein mann ein wort, beide geloben sich, zusammen ins Elsasz zu gehen. im folgenden malt sich das bild des alten gebrauchs in einzelnen zügen deutlicher aus.
b)
z. b. von dem, was für einen beutezug über vertheilung der beute ausgemacht wurde bei der verhandlung, wie bei der jagd des löwen mit andern thieren:
die fordert er zu solcher jagt
und ein verbündnus mit ihn macht,
also, was sie fiengen mit ein (einander),
das solt ihn gelten in gemein.
Er. Alberus Es. 25 (Wolgemut 1, 44),
nachher dasz jedes sein gebür wolt nemen, also mir gilt, mir kommt zu, gebührt nach verabredung, eig. es ist für mich ausgemacht. in einer mahnung an den jäger, die bauern zu schonen:
den leüten fah das schädlich wilt
und acht nit, ob es dir nit gilt.
Schwarzenberg 138ᵈ,
was zugleich übergeht in 'wird zu theil' (d. h. als beutetheil), es steht dem passivischen gelten 4, e von abgaben gleich.
c)
von den abmachungen für einen fehdezug rührt her die nordd. wendung wo gilt die reise hin? nd. wo sal de reise hen gellen (gehen)? Schambach 62ᵃ, Danneil 63ᵃ, auch dänisch hvor gjelder reisen hen? reise eigentlich kriegszug, mnd.: nemet wuste, wur dat hen galt. Sch. u. L. 2, 39ᵇ, das ziel des kriegszugs ward geheim gehalten; des geliken deden ok de borgermester beide (schlossen sich dem vorhabenden rachezuge an) .. und doch nicht vele luden in dem rade mochte witlik werden, wor dat hene gulde und up wen dat gulde. Magdeb. schöppenchron. 394, 3, dat für das hd. es, auch hd. wird sich finden wo es hin und auf wen, gegen wen es gülte, galt, im kriegsrat ausgemacht war. daher dann auch es gilt eine tagereise, sie ist nötig, erforderlich:
meinten auch, recht nach ihrer weis,
es gölt nichts denn ein tagereis,
bis das sie kemen an das end,
da sich himmel und erden wend.
Rollenhagen froschm. Dd 4ᵃ (2, 10 Göd.),
was dann zugleich in den heutigen begriff kosten einlenkt und doch eigentlich das alte es gilt enthält, mit dem ein unternehmen beschlossen ward (s. 10).
d)
wie für fehde und jagd, so für waffenspiele und spiele überhaupt ward ausgemacht, was als satzung, gewinn, einsatz u. ä. gelten solle, dasz sich jeder darauf berufen durfte, aber auch dadurch gebunden erachten sollte.
α)
beim schieszen nach der scheibe z. b.: nahe schieszen hilft nicht, es gilt treffen. Agricola sprichw. nr. 371, in der erkl. aufs schwarze in der scheibe bezogen (und auf andere fälle, wo einer nach einem ding trachtet und erlanget es nicht), übrigens zugleich zu 10, e; ein schusz, der nicht gepflöckt werden kan, sol gleichfalls nicht gelten. Gubener schützenordnung von 1670 (s. unter gellschusz), zu tief im rande der scheibe; auch mit dat., mir gilt ein schusz oder nicht, wird als geltend angesehen, gelten gelassen, z. b. in Grobs ausreden der schützen:
ich bin vor bei der zäch gesessen
und hab mich nit einschreiben lohn,
ein schönen schutz ich troffen han,
und sol mir nun jetzund nit gälten (als nicht eingeschrieben).
Haupt 3, 246;
hat troffen wol drei guter schütz,
der vierte aber was kein nütz,
welchen man im nit gelten liesz.
252, s. auch 248.
β)
im spiel darf jeder einzelne, im namen der gesamtheit, einen übergriff über die spielsatzungen rügen: das gilt nicht! daher auch sprichw., und ins leben übernommen z. b. bange machen gilt nicht, gehört nicht unter die erlaubten kunstgriffe (wol aus Berlin), dagegen alle vortheile gelten, z. b. in Göthes Götz 8, 108 (d. j. G. 2, 134) von Franz gebraucht da er ein fenster zerschlägt um blei für kugeln zu gewinnen; ähnlich im kampfe:
doch frische krieger dringen nach,
der streit brennt fort, und alle waffen gelten.
Schiller VI, 369,
ast alii subeunt, nec saxa nec ullum
telorum interea cessat genus.
Aen. 2, 468.
hierher auch folg.: es gilt nicht, das man also etliche wort aus der schrift zwacke. Luther serm. von d. heubtsumma d 8ᵇ, ist gleichsam ein falsches spiel; es gilt nit, iniquum, haud fas est. Schönsleder T 5ᵈ (vgl. f). so bei waffenspiel: den 12. mart. hult man zehof im schlosz ein fechtschul, waren by zwelf federfechter und so vil marxfechter wider sy .. der herzog verkündet inen, es müeszte rot oder blut geben, sunst gelt es nit. F. Platter 208, als schlusz der festlichkeiten einer herzoglichen kindtaufe in Stuttgart i. j. 1596.
γ)
auch in andern wendungen in der sprache der spieler, z. b.:
ein mensch der sich aufs spielen legt,
stets kart und würfel bei sich tregt ..
ja wenn er etwa spielen sicht,
es gilt meins mit, von stund an spricht.
B. Ringwaldt laut. warh. 82 (73),
d. h. laszt mich mitthun, meins, d. h. mein pfand, mein einsatz (s. vom wetten u. 12), vergl. fragend gilt meins mit? in der sprache der zechbrüder 11, c a. e., jener spieler gibt es gleich als antwort. die frage auch so: sihe, was machet ihr beide hier zusammen? ich gläube, ihr wollet zusammen baden. sol es so gelten, so wil ich den dritten man mit geben. Heinr. Jul. v. Br. Susanna II, 2, vom spiel auf gesellige lust überhaupt übertragen: wenn ihrs zufrieden seid, eigentlich wenn ihr auf die bedingungen eingeht, vergl. das entsprechende so gelt? unter gelt! 1, h.
δ)
auch vom einsatz beim spiel, es gilt dabei geld o. ä., verlust oder gewinn:
er hört mich gar nicht an und wirft verächtlich
das ganze spiel in klumpen ... gleichwohl galt
es keine taube nusz.
Lessing 2, 258 (Nathan II, 9).
ε)
auch mit dem gen., der sonst bei spielen steht, das hat Voss beobachtet und folgende stellen dafür in seinen Adelung eingetragen (vergl. anm. zur Luise 2, 442): 'man sol das glück nit zuͦ hoch versuͦchen'. wir sagen: es stat mir gar. es gilt treffens oder fälens, bischof oder bader, als mit kriegen, weib nemen .. Frank spr. 1, 28ᵇ; ein armer mensch sahe wie es da zuͦgieng (im hause eines eben gestorbenen domherrn, wo nun alles von der habe an sich nimmt), sprach zuͦ den andern: gilt es des, ist es mir auch erlaubt .. Kirchhof wendunm. 193 (1, 223 Öst.); so hat keiner in dem einen vortheil vorm andern, und gilt keins bochens. Agricola spr. nr. 167; von übermütiger lust bei einer schmauserei:
wir springen auf den tisch,
wir tanzen ümm ein glas, verkäufen unterm wisch,
im fall es greifens gilt.
Fleming 167 (Lapp. 97).
s. den gen. bei es gilt vom kampfe 10, e, γ, der ja vielfach als spiel behandelt wurde.
e)
überhaupt von satzungen aller art, eigentlich nur von solchen die nach germanischer art auf vereinbarung aller betheiligten beruhen (das sog. herkommen eingeschlossen), dann doch auch von solchen, die ein einzelner mächtiger der gesamtheit auferlegt u. a.
α)
im gemeindeleben, z. b. von grenzen und grenzsteinen: es weisen schultheisz und schöpfen, wenn steinsetzens noth ist, soll solches geschehen. wenn denn ... ein stein gefunden wirt, der vorhin da gestanden were, soll der alte stein gelten und in kreften vorpleiben. weisth. 1, 481; das verbot wird nit gelten, non tenebit interdictum. Schönsleder T 5ᶜ, wird nicht allgemein befolgt, eigentlich anerkannt werden, worin noch der genaue begriff von gelten wirkt; acta Caesaris firma erant, es hat golten was er gemacht und gestelt hat. das., ist als wirksam durchgedrungen; ein gesetz laszen gelten, habere ratam, firmam, fixam. Aler 887ᵇ, mit freier zustimmung; das gebott gilt nicht mehr, est irritum, antiquatum, infirmatum. 888ᵃ; was nicht mehr gilt, obolitum, abrogatum. Henisch 1478; des fürsten verordnungen gelten, principis acta firma, rata sunt. Weber 339ᵃ; das gilt nicht, id contra leges, contra morem est. das. auch mit dat. der person, welcher ein gebot o. ä. gegeben wird zur nachachtung: ir priester, dis gebot gilt euch. wo irs nicht höret noch zu herzen nemen werdet u. s. w. Maleachi 2, 1.
β)
im rechts- und staatsleben: sol hie kein auszug gelten und das strenge steife recht gelten ... so müssen sie auch sterben wie die andern. Luther 3, 318ᵃ, Fronsperger kriegsb. 1, 193ᵇ, ausflucht, ausrede (s.auszug 5), die dem verklagten zu gute kommt als rechtssatz auf den er sich berufen darf; es gilt nicht, lieber geselle, wenn du einem schuster ein par schuhe gestolen hettest und woltest sie im darnach wider geben, wenn du sie zurissen hettest. Luther 5, 243ᵃ; gilt nicht, dasz man .. geübten frevel verkleistern .. wolle. Kirchhof mil. disc. 60; zur kriegszeit gelten die gesetze nichts. Weber 339ᵃ; das testament gilt, manet testamentum. das.; eine schrift gerichtlich gelten lassen, passar in giudicio. M. Krämer 528ᵇ; der contract gilt nicht. Ludwig 731; es kan in rechten nicht gelten, it's not good, of no force in law. das. das geltende recht, wahlsystem, die geltenden gesetze u. ä., geltende ansprüche. Adelung. sprichw.: in diser quotlibetischen welt musz alles umbkert sein, virtus post nummos, ist gelt da, so gelts. Fischart podagr. tr. 653 Sch., so solls gelten (danach sp. 2890 zu berichtigen, vergl. 12, d), etwa ein rechtsanspruch.
γ)
kirchlich, geistlich:
der geist gotts ist uns priesteren zuͦgseit ...
was wir setzend, mindrend und meren,
gilt grad als vil als Christus wort.
N. Manuel 187 Bächtold;
bis das zu letzt das bapstum draus ist worden, darinn nichts gilt denn menschen gebot und glosen. Luther 3, 337ᵃ; er (der teufel) liesz zu letzt geschehen, das allein die schrift golte. 336ᵇ; sol das gelten, das man so steif dem exempel Christi sol folgen und nicht dem wort allein, so wil folgen, das wir dis abendmal nirgend müssen halten denn zu Jerusalem im gepflasterten saal. denn so die euszerliche geberde so strenge sollen gelten u. s. w. 3, 55ᵃ; wenn dieser (Lavater) die bibel buchstäblich und mit ihrem ganzen inhalte, ja wort für wort, bis auf den heutigen tag für geltend annahm .. so fühlte jener (Basedow) den unruhigsten kitzel alles zu verneuen. Göthe 26, 276.
ach mutter, zörnet nicht, die liebe, welche wir
zusammen haben, gilt vor gott und auch vor dir.
Greflinger poet. rosen (wunderh. von Birl. u. Crec. 2, 50).
δ)
in schule, wissenschaft, kunst u. ä. ist von geltenden regeln, grundsätzen, principien, maximen, naturgesetzen u. s. w. die rede, von regeln die in der lateinischen grammatik oder metrik gelten, in der deutschen aber nicht oder anders u. dgl., ohne oder mit ausnahmen gelten u. s. w. auch bildlich z. b.: dise regel gilt nit auf gottes wort und gepot. S. Frank chron. 381ᵃ, ist nicht anzuwenden.
ε)
in der schrift (man denkt sich nun alle satzungen geschrieben), wie ein schriftstück gilt oder nicht gilt, als gültig anerkannt wird, so auch eine stelle oder zeile darin, ja ein buchstab oder strich: es gilt, litura tollatur, restituatur (etwas das ausgestrichen war). Schönsleder T 5ᵈ, aus der canzlei; der durchstrich gilt, litura servetur, gilt nicht, tollatur. Aler 888ᵇ, d. h. eine durchstrichene stelle.
f)
auch von der erlaubnis, die man sich aus einer satzung, regel o. ä. entnimmt: das gilt nicht, hoc non licet. Frisch 1, 338ᶜ, sachlich eins mit haud fas est d a. e. (s. auch 10, e, β);
steht ihm dergleichen frey, so musz es mir auch gelten.
Canitz 87 (229),
d. h. nichts zu bezahlen; hier gilt kein leugnen, hic non licet, non fas est, non convenit mentiri. Weber 339ᵃ. man würde jetzt dort für mich sagen, aber jenes mir ist nicht dichterische freiheit, es ist derselbe dat., wie bei dem schusz u. d, der mir nun nicht gälten sol.
g)
ähnlich von willen, so gilt es mir, so will ichs haben, im 16. jahrh., Aventin gibt sic volo, sic jubeo, sit pro ratione voluntas so wieder:
so gilt es mir, so wil ichs han,
nach meinem willen musz es gahn.
bair. chron. 419ᵃ,
eine satzung die man selbst und allein macht.
h)
jetzt vergessen ist auch ein wunsch gilt, kommt zur erfüllung, noch im 18. jahrh.:
wird nicht jeder wunsch erfüllt,
gnug! wenn nur der beste gilt.
dasz der beste gelten musz,
kan vernunft und schrift beweisen.
Günther 18,
eigentlich wie ein beschlusz, der bei der verhandlung galt, durchdrang, aber zu wirklichem gelten kommt er doch erst durch die ausführung (vergl.gelten n.), wie bei dem es gilt! im augenblick der ausführung 10, a a. e.
10)
besonders entwickelt ist es gilt, auch vom alten fehdeleben ausgegangen, wie noch lange deutlich erkennbar ist (dann auch mit benanntem subj., s. h).
a)
das blosze es gilt, mhd. eʒ giltet.
α)
es bezeichnet den augenblick der entscheidung, wo es 'zum treffen kommt' (s. d a. e. es gilt zum treffen), z. b. fürsten werden gewarnt:
tuot hin die vederlesen (schmeichler)!
wer wil mit den genesen,
wirt er gein in vermiltet,
si lâʒen in sô eʒ giltet.
Pfeiffers altd. übungsb. s. 156;
Selbitz. du lebst und siegst! .. wie bist du davon gekommen? Götz. diesmal galts! und hier Georgen dank ich das leben .. sie stachen mein pferd nieder und drangen auf mich ein u. s. w. Göthe 8, 100. 42, 128. 354 (d. j. G. 2, 126. 321), zugleich vom augenblick der höchsten gefahr, wo kraft und glück alles entscheiden.
β)
es ist aber eigentlich ein ruf, wie man noch jetzt in solchen augenblicken oder lagen ruft es gilt! jetzt gilts! und noch jetzt ist die eigentliche kraft des rufes lebendig, d. h. als mahnung an sich und die andern betheiligten, des entscheidenden augenblicks zu gedenken und was er von uns fordert, z. b. in Zrinys rede zu den seinen, als sie in den tod gehn:
willkommen, tod! ich kenne deinen ruf!
nun, brüder! gilts!
Th. Körner (1861) 396.
im munde seiner gattin, die er zur rettung entfernen will:
nein, Zriny, nein! lasz mich bei dir, es gilt! ..
hier wird es ernst. Zriny, verstosz mich nicht!
353.
Rudolph der Harras zu Tells knaben, da Geszler den apfelschusz fordert:
gott, das wird ernsthaft — falle nieder, knabe,
es gilt, und fleh den landvogt um dein leben.
Schiller Tell (1804) 137;
lasz aufgehn, was du hast! die besten weine!
heut gilt es. unsre sachen stehen gut.
Piccol. IV, 4 a. e.
der ruf wird im 16. jahrh. auch ausdrücklich als losung bezeichnet (als trinkerruf s. 11):
die helden saufen zu widerstreit ..
ir losung ist: es gilt, es gilt!
Uhland volksl. 613 (234, 5),
im turnier der vollen brüder, wo eine schlemmerei im durchgeführten bilde eines turniers behandelt wird, wie im 17. jahrh. auch in gelehrt-höfischem geschmack im bilde einer schlacht:
stich dem kalbskopf die augen aus.
so, so, wirf damit an die frawen,
die, wan sie schon so süsz und milt,
doch könden (können) hawen und auch klawen.
es gilt, es gilt.
Weckherlin 527 (168 Göd.).
wieder auch mit wollen (s. 7, b, α): jetzt will es gelten, collatis signis depugnatur. Henisch 1478, von der entscheidenden schlacht. ebenso: da dämmert .. mein stadium, wo ich siegen oder fallen musz. o Peloponnes! .. da wird es gelten! Hölderlin 2, 95.
γ)
nun ist wol klar: man rief sich diesz es gilt! zu als mahnung an den augenblick des beschlusses, wo derselbe ruf erscholl, um den bund zu besiegeln (s. 9, a), nun aber, um den entschlusz und die verpflichtung aufzufrischen. damals hiesz es gilt: wir sind einig, es ist beschlossen, jetzt: der augenblick ist da, wo das beschlossene zum gelten kommen musz, soll, will (vergl. u. 9, h von wunsch), daher auch es will gelten noch im 17. jahrh. und nun gilts!
b)
auch im part. praes. und inf. (ohne das es, das dabei doch gedacht blieb): es ist nicht wahnsinn, was aus mir redet ... entschlusz in dem geltenden augenblick. Schiller III, 413 (cab. u. l. II, 5 a. e.), im augenblick wo es gilt, die wendung ist gewiss weit älter (vgl. geltender tag 3, e); nur genies in einer reichsrepublik geboren und auferzogen sind fähig, so etwas im geltenden augenblicke aufzufassen, zu unterscheiden und auszuführen. Klinger 3, 72; ich lehre .. den frieden .. zu brechen und im geltenden augenblicke den krieg zu enden. 10, 147; bin ichs? die zerschlagene! die zerrissene! die in dem geltenden stand so ruhig, so muthig ist? d. j. Göthe 3, 657, mad. Sommer im 3. act der Stella, stand für lage, situation (später geändert in der bedeutenden stunde w. 10, 164). als inf. aber erscheint es wol in einem alem. uf gelten, 'im ernst', z. b. vorarlb.: jetzt gaͦni (ein Venedigermännlein) uf gelta wider ge Venedig. Fromm. 6, 253. 256; schweiz. er hat mirs auf gelten geschenkt, so dasz es gelten, bestand haben soll. Stalder 1, 440, dessen auslegung eine spätere auffassung sein wird, eigentlich wol ein ruf, mit dem die ausführung eines beschlusses begleitet wurde. man musz auch gesagt haben es geht zum gelten u. ä. (vgl.es gilt zum treffen d a. e.), nd. tom gelden, wenn es gilt, in der schlacht, die als spiel behandelt wird:
her Hans van Steinbarge forde dat spel,
tom gelden averst dochte he nich vel.
Lüntzel stiftsfehde 176.
c)
der ruf als losung nahm auch noch mehr in sich auf, was ihm die bedeutung des 'geltenden augenblicks' von selbst zufügte, z. b.:
und wenn man in die schranken reit,
so gilt es: welcher leit der leit!
Uhland 612 (234, 5),
in demselben turnier der vollen brüder, aus dem ernstkampfe aufgenommen, denn auch in die schlacht gieng man gewiss mit jenem rufe. auch ermutigend es gilt gewonnen! im munde des hauptmanns vor dem angriff:
insonderheit Marcon der held
vermant, weil es gewonnen geld,
das jederman fellet die spiesz
und den feind nicht einbrechen liesz.
Rollenhagen froschm. III, 3, 7 (2, 255 Göd.).
wie der überwundene dem sieger gewonnen geben muszte (s.geben 22, a) und der sieger gewonnen! rief (froschm. a. a. o. v. 198), so wird das gewonnen als ziel des kämpfens in den losungsruf aufgenommen, für gelten und es gilt stellte sich aber dabei die färbung des begriffes ein: es handelt sich darum, zu gewinnen, zu siegen. kam doch in das einfache es gilt! schon von selbst der sinn: es handelt sich um alles, de summa re agitur. beim wettlauf: wolan es gilt hin, wer eh zu der kirchthür kompt, der sol das gelt gewonnen haben. Agricola sprichw. nr. 326, hin! d. h. zum ziel (zu laufen) war die gerufene losung.
d)
bildlich auf allerlei andere verhältnisse übertragen, z. b. wenns gilt, so gilts, gewiss eigentlich auch ermutigender zuruf im kampfe, bildlich z. b. als losung eines kornwucherers, vom klugen ausnutzen des marktes, der zeitlage (gelten zugleich vom guten preis verstanden, vergl. 7, b, β, bes. das 'gilt nichts', ist wolfeil):
wanns gilt, so gilts, das war dein reim, hast manchen man
durch solchen geiz und wucher hungers sterben lan.
Hayneccius Hans Pfriem Hh 2ᵇ.
in dem cap. bei Rollenhagen von dem betrügerischen gebaren der kuxpartierer (s. d. und kux I, 1, b), der actienschwindler des 16. jahrh., wird der klang der pochwerke und blasbälge in der schmelzhütte für den betrogenen ausgelegt (wie sonst vogelstimmen):
die belg riefen auch für den ofen
'hie gilts, hrauszer aus haus und hofen.'
Froschm. I, 2, 14 (1, 114 Göd.).
'es gilt zu tische', wenn es in gesellschaft zu tische geht:
wer kan in guten tagen,
wenn uns das glück ist mildt,
und es zu tische gildt (bei lustigem leben),
von rechter liebe sagen (singen)?
Olearius pers. rosenthal 1, 18,
wie jetzt noch als scherz die losung ist zu tische, d. h. man ruft den gästen 'zu tische!' wie ursprünglich der hauptmann zur schlacht (vergl. schmaus als schlacht a, β), daher es gilt 'zum treffen', eigentlich als ruf: da es nu gelten solt zum treffen und die feinde sich versamlet und ire ordnung gemacht .. 2 Macc. 15, 20; do it recht tom dreffen gelden scholde. mnd. wb. 2, 39ᵇ.
e)
es gilt mit einem inf., der die bedeutung des augenblicks ausdrückt, was er fordert und bringt.
α)
schon mhd., eʒ giltet ein slahen, ein sterben:
ich sach einem slahen ein vil swinden bûʒ ..
daʒ gilt ein slahen! êrste richt sich Snabelrûʒ ..
MSH. 3, 260ᵇ,
der bûʒ eröffnet das raufen zwischen neidhartischen bauerburschen, das mit jenem ruf (daher das praes.) nun förmlich eingeleitet wird, gerufen von dem beleidigten oder allen betheiligten: jetzt gilts eine schlägerei, eine schlacht! doch stellt sich der nebenbegriff kosten ein (7, b, β, s. auch hier e, α): das kostet schläge! der inf. als acc. (vgl. den acc. der sache u. f); ebenso ein sterben zugleich als preis eines kampfes:
nû gilt eʒ doch niht anders (weiter nichts) danne ein sterben.
Lohengr. 1586.
daher gleichbedeutend auch eʒ giltet leben, gleichfalls von einem kampfe:
ich wandel dirs (gebe dir genugthuung), ob eʒ halt leben gelde.
jüng. Tit. 4722, 4.
auch nhd. bis in die gegenwart (ohne art.): da es denn etwan einander auf das maul schlagen gilt. Fronsp. kriegsb. 1, 111ᵇ, wobei es auch zu rauferei kommt (zwischen kriegsknechten); Görge. der nichtswürdige! er soll mir kommen (dringt auf Schnaps ein) .. Schnaps (hinter tisch und stühle sich verschanzend). nun gilt capituliren. Göthe 14, 292 (bürgergen. 10);
Walther Fürst. sie ist gerettet?
Melchthal. da galt geschwindsein und entschlossenheit u. s. w.
Schiller Tell 5, 1,
das schlagen, capituliren u. s. w. wieder als die losung des augenblicks, auch noch als ausgerufen gedacht. s. auch ε mit zu und inf., und diesz zugleich mit der alten wendung:
aber noch gilt es ein gräszliches wagen,
leben und blut in die schanze zu schlagen ..
Körner leyer u. schw. 52.
β)
gleichfalls auf andere lagen übertragen: hie gilts im finstern und blinzling gehen. Luther vom abendmal (1534) z 1ᵇ, hier ist die aufgabe, die losung; so gilt es nur sich nach dem glauben richten. sprichw. Frkf. 1570 11ᵇ; im laufen gilts eilen, aber im rathen mag man wol fusz für fusz gehen. Lehm. flor. 1, 182, es ist wol eigentlich an einen wettlauf gedacht;
o das es dauschen gült! ich wolt
meiner schwester tausent sack golt
aufgebn und iren mann nemen.
Ayrer 291, 22.
folg. hie gilts nicht .. klingt zugleich wie ein einspruch gegen verletzung von spielregeln (s. 9, d): es gilt hie nicht so unter dem hütlin spielen und im finstern mausen. Luther 6, 106ᵃ; hie gilts nicht den brey im maul welzen und mum mum sagen. das. (vergl.des glaubens spielen 106ᵇ); es gilt hie nit lose faule ungegrundte ausrede tichten. ausl. der ep. u. ev. vom christtag qqq 4ᵇ (Dietz 2, 67ᵇ), es ist nicht erlaubt, man kommt damit nicht durch, wie jener wunsch o das es dauschen gült! zugleich meint: wär doch ein tausch erlaubt oder möglich, daher bei Schönsleder es gilt nit fälen, triegen etc., non est errandum, fallendum etc., vergl. 9, f von erlaubnis.
γ)
auch der inf. im gen. erinnert an den gen. bei spielen (s. 9, d, ε), doch lange noch bestimmt auf kampf und streit bezogen: es geldt hie nicht fechtens, sondern leidens. S. Frank chron. 449ᵃ, nicht fechten, sondern leiden sei die losung; on fallen kans nicht zugehen, sihe nur das du nicht gar ligen bleibest, da gilts fallens und wider aufstehens, weil (so lange) wir hie leben. Luther 3, 429ᵃ;
in warheit, wenn es treffens gilt,
so siht man nicht auf helm und schildt,
sondern auf den, der mit dem schwert
sich in der schlacht fein mannlich wert.
B. Ringwaldt laut. w. 146 (130);
dieweil die unbestendig welt,
wenns kappens gilt, zurücke felt.
136 (klappens 1621 s. 122),
wenns zum treffen kommt, bildlich wie jetzt dieses;
er sperrt, er brüstet sich und macht sich eben grosz,
wenns aber klappens gilt, ist er ein armer klohs.
reime dich oder ich fresse dich 184;
wofern es siegens gilt, so sieg ich in die wette.
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 343;
das haupt bekränzt, das glas gefüllt!
so leb ich, weil es lebens gilt.
Günther 197.
auch mit subst. im gen.: es gilt hie der streichen und wir stehen auf dem rechten kampfplatz. Luther 3, 348ᵃ; wenn gott vernewet seine verheiszung und wort, gilt es alle mal eines newen und bessern glaubens. 9, 99ᵃ, als losungswort.
δ)
auf anderes bezogen (wie u. β): wenn es wechselens und wündschens solt gelten, so wolt ich lieber ... Luther 5, 153ᵇ; da sie höreten, es gülde nicht anbetens oder opferns, sondern eins gedechtnis. 3, 39ᵃ; es gilt weder gebietens noch verbietens. 3, 54ᵃ; da gilts schweigens. 3, 479ᵇ, darauf kann niemand antworten; mit der lere gilts nicht scherzens. über das 1. b. Mose 1527 a 4ᵇ; wo es gilt spielens umb ein schock nüsse. wider den bisch. zu Magd. 1539 C 4ᵃ; es wirt schweigens gelten oder hinder dem kopf hin gen. H. Sachs dial. 21, 1; es gilt hie ratens, weil die ausleger ... gar nicht eins sein. Mathes. Sar. 56ᵇ, es ist zugleich an rätselspiel gedacht;
Ambrosie, du süsze,
komm weil es küssens gilt.
Fleming 644 (Lapp. 492).
von spiel und kampf zugleich: o ihr bankenrumpirige (die dem bankerott nahe sind), halten euch steif auf dem stul .. es wird bürzlens gelten, kompt die halb kugel in kreisz zu den kegeln. Fischart groszm. 27 (Sch. 564), zugleich ein beliebtes bild von den kugeln die in eine schlachtreihe einschlagen.
ε)
später auch mit zu und inf., wie jetzt lieber als mit bloszem inf. (α):
jetzt galts behutsam zu sein.
Wieland 4, 111, Amadis 6, 5,
in der ersten ausgabe itzt galts behutsam seyn! 1771 1, 152;
hier gilt es, schütze, deine kunst zu zeigen.
Schiller XIV, 359,
Geszler zu Tell beim apfelschusz, zugleich noch: es kommt alles darauf an, die entscheidung liegt darin;
hier gilts, mein sohn, dem kaiser wol zu dienen,
das herz mag dazu sprechen, was es will.
XII, 188 (Piccol. 5, 1);
dafür euch dank! .. denn dies mal gilts zu sterben!
Th. Körner (1861) 394.
ebenso mit dat. der person:
nimm alle kraft zusammen, die lust und auch den schmerz!
es gilt uns heut, zu rühren des königs steinern herz.
Uhland ged. 444.
f)
das, worum sichs handelt oder was 'auf dem spiele steht', wird mit acc. bezeichnet (vergl. den acc. des inf. u. e, α, aber auch den der person u. g, ε), der acc. urspr. die form in der man die losung rief (vergl. γ).
α)
mhd. und länger von kampf und streit:
si muosen sich vil vaste wern ..
wan eʒ galt lîp unde guot.
Wigalois 196, 26;
ditz was ein herteʒ strîten,
wand eʒ muose gelten gar
swaʒ si beide brâhten dar,
den lîp, guot und êre.
194, 8.
auch der strît wird für daseingesetzt (s. h):
wærn se ein ander baʒ bekant (dasz sie nämlich brüder waren),
sine satzten niht sô hôhiu pfant:
ir strît galt (nämlich) niht mêre,
wan freude, sælde und êre.
Parz. 742, 21,
mit dem bilde von pfändern wird der kampf in das licht eines spiels gesetzt, wie andere ernsteste aufgaben, z. b.:
mir ist ze spilne geschehen (vom geschick aufgegeben)
ein gâch geteilteʒ spil:
eʒn giltet lützel noch vil,
niuwan al mîn êre.
Iwein 4874,
d. h. (eig. bitter witzelnd) nicht wenig und nicht viel, sondern alles 'steht auf dem spiele', wie im Parz. dort 'nicht mehr als alles' gemeint ist (vergl. nachher noch Luther), wieder zugleich mit dem nebenbegriff kosten (e, α): es kostet, d. h. das etwa verlorene spiel, die ehre, das bild vom spiel ist noch in unsrer wendung seine ehre oder alles einsetzen (als spielpfand) wenig versteckt. eigentlich erscholl das gewiss auch als schlachtruf: eʒ giltet lîp und êre! sie sind in frage gestellt, es wird jetzt darüber entschieden.
β)
nhd. auch noch vom spiele (vergl. den gen. 9, d, ε), spiel und tanz: hie ist ein ander tanzschul .. hie gilts den scharrer, den zäuner, den kotzendanz u. s. w. Garg. 83ᵃ (Sch. 142). gleichfalls mit dem nebenbegriff des kostens, genauer des eingesetzten pfandes oder preises die es zu verlieren oder zu gewinnen gilt (vgl.gelten 4, e von dem was zu entrichten ist):
es gelt recht nacken oder kopf ..
was ir dann wöllent, das sy gethon.
Büheler königst. v. Frankr. 3446;
wenn ich wüszte, das es nicht mehr denn ehre und gut gülde und kündte damit der ganzen welt gut drei mal verdienen, solt sie (die welt) mich nicht vermögen eine predigt zu thun. Luther 6, 247ᵇ, noch mit dem nicht mehr (als alles) wie mhd. vorhin; dann was sie eins streichs trafen, das galt leib und leben. Aimon n iiij (das galt für da galt es, vergl. mhd. u. e, α); ein ander, von dessen haut es ein riemen gilt, denkt auch etwas. Kirchhof mil. disc. 180, riemen vom eignen leder, wie es im kampfwitz auch hiesz (vergl. haut und haar u. g, γ), angewandt auf vorsichtig rechtschaffenes gebaren der geschäftsleute in der alten guten zeit, die
niemand borgten on wolbekanten ..
selber brauchten augen, mund und feder,
dieweil es galt ihr eigen leder.
Rollenhagen froschm. I, 2, 14 (1, 116 Göd.);
männerstolz vor königsthronen —
brüder, gält es gut und blut u. s. w.
Schiller IV, 4 (an die freude);
und gält's ein diadem.
V, 67;
hier gilt es einen köstlicheren preis,
das herz des todfeinds, der mich will verderben.
Tell IV, 3.
auch völlig wie kosten: man meinet, es gelte nicht mehr denn die zeit zu hören (eine predigt nämlich), gedenkt niemand etwas davon zu lernen oder behalten. Luther 3, 280ᵃ (aber es gilt lernens vielmehr); der preis (der kunstsachen) ist so ungeheuer nicht, wie du ihn machst. deswegen wirst du künftig hin so gut sein und immer gleich schreiben, was eine sache kostet, damit man nicht inzwischen denke, es gelte haut und haar. Göthe an Lavater 8. ausg. 1780;
laszt mich der kunst ein vaterland erfechten,
und gält es auch das eigne wärmste blut.
Körner leier u. schw. 36.
γ)
dagegen klingt auch der begriff der losung im kampfe noch vor: wöllend darum nit spöttlis machen, es gilt ernst! Zwingli 2, 96 (Wack. leseb. 3, 268, 23);
genug davon! jetzt gilt es schnellen rath.
Schiller XII, 290 (Wallenst. tod III, 10);
das ist ein banger, fürchterlicher morgen für uns, Rosenberg, es gilt trennung, ewige trennung! VI, 289 (menschenfeind 4), immer noch vom entscheidenden augenblick mit gefahr;
freund, im vertraun, diesmal gilts blutgen ernst.
Th. Körner (1861) 352.
auch das wofür die gefahr, worum der kampf gilt, im acc. (es ward ja im entscheidenden augenblick als losung mahnend gerufen): es gilt das leben, capitis res agitur, vita in periculo est. Frisch 1, 338ᶜ, auch es gilt 'leben oder tod' u. ä., urspr. als ruf;
die götter sprechen
oft durch des volkes mund, folg ihrem ruf!
es gilt dein vaterland, es gilt den thron.
Gotter 2, 232;
schwach ist mein arm, doch was darf muth nicht wagen,
wann es die gute sache gilt!
1, 373;
wenn es nunmehr die Römerrache gilt.
H. v. Kleist 2, 500;
was gilt es in diesem kriege (1809)? gilt es, was es gegolten hat sonst .. gilt es den ruhm eines jungen und unternehmenden fürsten u. s. w. eine gemeinschaft gilt es, deren wurzeln tausendästig u. s. w. dess. leben u. briefe h. v. Bülow s. 253 ff.;
weil es das wohl des vaterlandes galt.
Th. Körner 385.
daneben wenn es der guten sache gilt (g, δ).
δ)
doch auch mit um, wie um etwas gekämpft, gespielt wird, seit dem 18. jh.:
aber es gilt, ich seh es, es gilt, wie ums leben!
Klopstock od. 1789 1, 315 (der unterschied);
heisz war der kampf, dauernd! es galt um des lebens
ruh!
2, 222 (der sieger);
es gelt' um Helena und all ihr gut!
wer siegt und oben bleibt, der nehme hin
das weib ..
Bürger 151ᵇ;
es gilt um eine krone, die zum spiel dieser schlacht steht! Klinger 1, 289; es gilt um ein königreich. 291; es gilt um alles, um freiheit und leben! 296;
es gilt um tod
und leben, führen sie mich zu ihr!
Schiller Carlos IV, 16;
jetzt galt es, um mein leben vielleicht. Börne 2, 236. auch mit für:im siebenjährigen kriege ermunterten sich Ferdinands geschwader durch den zuruf hacke to, broder, it gelt fört vaderland!“ Voss ged. 1825 1, 194 (anm. zur Luise 2, 422). auch es gilt auf leben und tod. ders.
ε)
dabei der dat. der person (s. g): so muszte die nacht noch durch einen streich verherrlicht werden, und sollts dem teufel um ein ohr gelten! Schiller II, 79, 23 (räuber II, 3); dem reuter gilt es um leben und tod .. seine verfolger keuchen athemlos nach .. IV, 84, 12 (verbr. aus verl. ehre). auch mit für statt um, da für eine sache gekämpft wird: da es uns allen für die freiheit bis zum tode galt. Klopstock 8, 199 (Hermannsschl. 11).
g)
dieser dat. bezeichnet den, welchen die ausstehende entscheidung angeht, dann doch auch die sache (δ).
α)
es gilt mir schon im 16. jh. auch in der verallgemeinerten bed. es kommt mir (viel) darauf an, ist mir wichtig: denn es ligt warlich etwas daran, das ein igliches zusehe, was für ein gemahel er kriege und wem er sein kind gibet, auch einem raht und der gemeine gilt, was sie für einen bürger oder bürgerin oder glied in ire gemein bekome. Luther 5, 248ᵃ (von ehesachen 1530 3. art.), ich denke mir, schon bei der verhandlung um ein vorhaben, deren abschlusz mit es gilt bezeichnet ward (9, a), sagte der einzelne auch schon vor dem beschlusse es gilt mir, mich betriffts zuerst, mir ist es vor allem wichtig, zuerst vielleicht: das wergeld, die busze ist mir zu zahlen, darum hab ich das meiste dabei zu sagen. ähnlich noch im 17. jh.: so laszt mich auch unbekümmert, dann es mir ja in der welt so wol gilt, als einem anderen. Moscherosch Phil. 1, 55 (1644 s. 47), ich will ebenso mit genieszen (eigentlich vielleicht mit reden und thun, 'mitmachen'), ein jüngling zu einem alten der ihn an tod und ernst mahnt. ähnlich wol auch: so viel giltet es dem, der da höret und nicht verstehet, als dem der da jaget und nichts fahet. b. d. liebe 285ᵈ. im 18. jh.: es gilt mir mit, etiam ad me pars illius lucri, commodi, pretii pertinet. Aler 888ᵇ, vergl. 9, b von beute die einem gilt nach verabredung.
β)
von krieg und fehde, da gilt es dem feinde, gegen den der zug beschlossen ist (vergl. mnd. up wen dat gulde, d. h. gegen, u. 9, c), dann von aller feindseligkeit, gefahr u. ä., in verschiedenster abstufung:
wol sint we yo nicht al gestilt (befriedigt),
we wetten doch, wem de yacht gilt.
städtechron. 16, 203,
die aufständischen in Braunschweig im j. 1490;
wol auf, ir frommen Deutschen,
ein lermen (kriegsruf und rüstung) hebt sich an,
gilt euch, man wil euch teuschen
und lernen welsch vorstan.
Liliencron 4, 332ᵃ,
wo allerdings lermen als subj. gemeint sein kann (s. h);
es fehet sich an ein wunderspiel,
Deutschland, es dir itz gelten wil,
hab wol acht auf dein schanze.
der Spannier draut, der babst der lacht,
pfeifen dir süsz zum tanze.
Soltau 2, 284 (zu wollen s. unter a);
morgen frue ziehen wir nach Wembding (mit dem heer) und hab ich den vorzug. alda werden wir sehen, ob der kaiser uns volgen ... wölle oder nit. zeucht er nit uf und bleibt vor Inglstat ligen ... so würdt es gewislich Augspurg gelten. Schertlin br. an die stadt Augsburg 192;
wenn Soliman sich rüstet, gilt es uns.
Körner 338 (Zriny 1, 8);
jetzt wird es mir bald gelten. ich bin bereit auf alle fälle. wird sie .. schelten und rasen .. will ich ihre holdseligkeit desto mehr loben. kunst über alle künste 64, 7, jetzt komme ich an die reihe mit ihrem keifen (ähnlich bei Gryphius nachher);
wenn erst Ukalegon, dein nachbar, steht in rauch (bei einem brande),
so gilt es deiner wand und deinem giebel auch.
Rachel 4, 372 Lapp.;
ein giftig weib, was kann die nicht erzählen,
zumal wenn es der armen freundinn gilt.
Gellert 1, 155 (163);
eine kugel kam geflogen,
gilts mir oder gilt es dir?
Uhland ged. 291,
vom tode selbst, wie bei einer hinrichtung:
o bruder, disz allein
war, was noch übrig möcht an unserm traurspiel sein!
nun gilt es mir und dir.
A. Gryphius 1, 526 (beständ. mutter 5, 151).
γ)
dabei wieder der acc. dessen, was auf dem spiele steht (s. f), auch von kampfpreis, verlust, busze u. ä.: er mocht an kein ander ort, und het es im noch mer dan die haut golten. Wilwalt v. Schaumb. 197; erkündiget man, das er meineidig fälschlich geschworen hat, gilt es ihm das haupt und leben. Frank weltb. 93ᵇ; aber es gilt uns etwas anders, denn wir hie (auf erden) suchen und erlangen mögen, das uns des leidens und jamers wol ergetzen kan. Luther 6, 248ᵃ, es handelt sich für uns darum, eig. wir ringen danach; was wiltu thun, wenn das creuz angehen sol, und dir den hals wird gelten? 3, 158ᵃ; und wen er traf, dem galt es das leben. Aimon B; wen sie erreichten, dem galts leib und leben. Z 1; rucke vort! dut gelt di eine gefengnisse, dat gelt mi aver land und lude. Lüntzel stiftsfehde 126, der landesherr zu seinem hauptmann vor der schlacht, der nicht lust hat anzugreifen: du riskierst höchstens eine gefangenschaft, ich aber land und leute;
dan wiltu nit das schlosz ufgeben,
so gilt es dir fürwar dein leben.
Murner luth. narr, klost. 10, 147;
es gilt dir nit ein riemen zwar (s. u. f, β),
sunder den leib und haut und har.
151;
es gilt mir meine ehr, honor meus agitur. Aler 888ᵇ; den Antwerpern galt es die letzte vormauer ihrer stadt, den Spaniern das ganze glück ihres unternehmens. Schiller IX, 73, 30 (belag. Antwerpens), noch ganz im alten sinne;
und lasz mich heut den dritten (sieg) nicht entbehren,
der mindres nicht als thron und reich mir gilt.
H. v. Kleist 2, 294;
ich (Schmuhl) sprach, nicht gilts mir gefecht noch kampf, mir gilts blosz leidigen mammon,
doch glaubten sie fest, ich käme hierher mein blut zu versprützen
der freiheit.
Platen 252 (4, 15).
δ)
der dat. doch auch auf die sache bezogen, um die sichs handelt, aber erst in neuerer zeit:
mich trieb des kaisers wort und eigner wille,
und wenns dem dienst des vaterlandes gilt,
herr graf, so kann ich auch noch mehr als reiten.
Körner 349 (Zriny 2, 5);
kommt, laszt uns abschied nehmen von den helden,
und dann hinaus, dann mags dem tode gelten!
392 (5, 5 a. e.);
wenns nur dem leben gälte,
wenns nur der erde seichte güter träfe!
316 (die sühne 6);
die uneigennützigkeit des Theophan in geldangelegenheiten, wo es der ehre seines standes gilt. Danzel Lessing 15.
ε)
aber auch umgekehrt der acc. auf die person bezogen (s. auch h, γ), schon früh im 17. jh.: es gilt uns alle, refert, interest omnium nostrum. Henisch 1478, geht uns alle an, ist allen wichtig; man sagt, es werde sie am meisten gelten, dicuntur illi maxime peti. Steinbach 1, 616 (neben es gilt dir), es ist auf sie abgesehen, der mann unter dem gesichtspunkt seiner sache, um die sichs handelt. den übergang zeigen ungefähr fälle wie folg.: vornehmlich wird es die schriften des Paschasius und Ratramnus gelten. Lessing 8, 315, zugleich im begriff sich abschwächend zu einem bloszen betreffen hin (vergl.treffen bei Körner 316 vorhin), so recht deutlich, wenn in Meklenburg angelden gleich angehen gesagt wird: mi gelts nicks an. Fritz Reuter 12, 237.
h)
für das es tritt doch auch ein benanntes subj. ein, schon früh in spuren, später immer häufiger.
α)
zunächst das, was u. ä.: hie im haufen (in der schlacht) reizet einer den andern, das keiner nicht acht, was im gilt, weil es vielen mit gilt. Luther 3, 329ᵃ; das wird mir gelten. Henisch 1478; das gilt dir, de tuo corio agitur, tua res agitur, das gilt uns allen, hoc omnes respicit Frisch 1, 338ᶜ, im übergang von gefahr zu angelegenheit überhaupt (s.β). schon mhd. auch ein strît giltet (f, α), im 16. jh. ein lermen, kriegsrüstung (g, β) u. ä.: denn es galt die aufrhur (der bauern) den reichen eben so wol als den oberherrn. Luther 3, 318ᵃ; da wir dir standen wie mauern, auffingen wie schilder die hiebe, die deinem leben galten. Schiller II, 199, 5;
und dieses messers mörderstosz? 'galt dir!'
Körner 322.
β)
die urspr. feindselige bed. geht auch in mildere formen über und schlägt endlich selbst ins gegentheil um, z. b.: ah mein herr, das der traum deinen feinden und seine deutung deinen widerwertigen gülte. Dan. 4, 16, auf sie zielte, sie meinte, wie wenn nach einer geschichte von der strafe eines diebischen müllers der erzähler bemerkt:
und het nur im allein gegolten,
drumb sol hie niemand sein gescholten.
Waldis Es. IV, 86, 49;
eine kränkung,
die meinem könig gilt und meinem aug
entgieng?
Schiller Carlos III, 3;
was war es denn weiter, wenn jetzt die bessere ordnung manchen seufzer erpreszte, die früher der unordnung galten. Dahlmann dän. gesch. 1, 504. galt die bemerkung mir? fragt einer in gesellschaft, der sich durch eine äuszerung getroffen fühlt, immer noch eigentlich als angriff gedacht, wenn auch im scherz oder dann selbst als lob o. ä. dann auch z. b. von freundlichen besuchen und dem ziel das sie haben, 'auf das sie zielen' (vom schieszen her), besonders versteckt (wie ein kriegsplan): da ich immer mehr zu bemerken glaubte, dasz seine öfteren besuche Lydien und nicht mir galten. Göthe 20, 60 (lehrj. 7, 6). ebenso ein auftrag, ein vorschlag u. a. (vergl.γ). aber völlig umgeschlagen ins freundlichste, von einer widmung:
euch allen, die ihr noch mit freundestreue
an den verwegnen zitherspieler denket ..
euch gilt dies lied!
Körner leyer u. schwert in der zueignung,
dabei mischt sich aber das gelten beim zutrinken ein (11).
γ)
auch hier übrigens mit dem acc. wie u. g, ε, von personen und sachen: wenn der scherz den prinzen gilt, so ist er um so viel lustiger. Lessing 2, 144 (Em. Gal. II, 10); wenn sie kapitän Raudall vom 18ten regiment sind, so gilt mein auftrag sie. Sturz 2, 329;
ach seht was mir ein zeichen dräut (ein komet),
das gilt fürwahr uns arme leut!
Göthe 3, 192 (2, 295 H.);
laszt uns nicht dadurch, dasz wir nothwendig manchmal an einander gerathen müssen, nicht dadurch wie weichlinge abgeschreckt werden, stoszen sich unsre leidenschaften, können wir keinen stosz aushalten? das gilt mich mehr als euch. d. j. Göthe 1, 309, briefl. an Herder (aus Herders nachl. 1, 41);
flink zur stube herein und gegrüszt .. unseren .. pfarrer!
denn ihn gilt der besuch doch eigentlich.
Voss Luise 2, 422,
vergl. seine anm. dazu, die den acc. rechtfertigt mit einer gründlichen behandlung des ganzen gelten, die es 'aus dem kern entwickeln' will, mit kenntnis und belesenheit (aber mit dem freilich allgemeinen irrthum des heutigen sprachgefühls, dasz bei es gilt ein acc. oder inf. ausgefallen sei); sie schmeichele sich, dasz der besuch des don Diego nicht sowol die muhme als die nichte gelte. Pfeffel pros. vers. 1, 144; jene kriege galten das dasein, diese nur herrschaft. Niebuhr röm. gesch. 3, 93.
11)
seine eigene entwickelung hat gelten, es gilt in der sprache der zechbrüder, vom zutrinken und brüderschaftmachen.
a)
man trank einander zu mit dem rufe es gilt:
mein lieber bruder, schau, es gilt,
ich will dir das von grund meins herzen bringen.
Hofmanns gesellschaftsl. 160 (117, 3);
es gilt, herr Grey, herr Gro, Gro, Groll (d. h. schon lallend).
Weckherlin 528 (169 Göd.).
auch das wird von verhandlungen über ein bündnis herrühren, das mit einem abschlieszenden es gilt! von allen besiegelt wurde (9, a), hier aber ein geschlossener bruderbund zugleich mit einem trunke, der das es gilt! besiegelte und zugleich bedeutete, oft gewiss zugleich mit einem beschlosznen unternehmen gegen einen gemeinsamen feind. das erhielt sich dann als bloszes zeichen der zechfreundschaft und zechlust: es gilt, propino, provoco, invito, responde propinanti, ich halts, respondeo, sto, stabo pacto, ut iubes, placet, sustinebo. Schönsleder T 5ᵈ (man bemerke in der antwort pactum, vertrag, bund); es gilt! im trinken, un brindis. M. Krämer 528ᵇ (das ital. aus der deutschen trinkersprache, ich bring dirs); noch im 18. jh.: es gilt, eine redensart der saufbrüder, provocandi modus ad potandum eandem portionem. Frisch 1, 339ᵃ. noch z. b. rheinländisch: (es) gilt ruft man einem zu, der zum anstoszen zu ferne sitzt, mit aufheben des glases. Kehrein Nassau nachtr. 19, nun mit der auslegung: es ist so gut als wäre es geschehen, eigentlich aber noch dasselbe, was eben aus dem Rheinland z. b. Aler 888ᵃ gibt: es gilt! es gilt einmahl! tibi propino, ut bibas, responde propinanti; ich halts, gott gesegne dirs, respondebo vel respondeo etc. auch nd. im 17. jh.: willekom, naubersche (nachbarin) .. et gelt dik ein mahl. niederd. bauernkomödien h. v. Jellinghaus s. 26, als grusz in einem gelach. besser nd. mit ins für ein mahl:
drup geld it ins, Hans Hohn, süe dar en ganzes beer (im krug)!
Hans sprak: min leve vaer (vater), dat segen got de heer!
Lappenbergs Lauremberg s. 137,
wie schweiz. es gilt der eis (eins, einmal), propino tibi hunc cyathum Fromm. 3, 82ᵃ.
b)
dabei bestimmende zusätze, wie bei dem es gilt als schlachtruf 10, c: lang den richtwein (mit dem ein streit beim schmaus gesühnt wurde), die richter haben sich gesetzt, wer den andern hat verletzt, lang dem andern das detzlin und bring ihm drei gesetzlin ... (das urtheil der richter), ha volle wol, wir bedanken uns des urtheils, hierauf gilts drei auf eim stiel u. s. w. Garg. 94ᵇ (Sch. 165), vergl. u. c so vil der stingel helt, wol von zügen oder schlucken;
es gilt hie sechs, in einem suff,
herr Fratz, ihr müsset das aussaufen,
es gilt Fratz Curly Murly Buff,
bis alle fallen übern haufen.
Weckherlin 173 Göd.,
vergl.es gilt Curle, Murle, Puff unter kurle (dazu auch Paul u. Braunes beitr. 5, 419), es wird zugleich als eine losung behandelt, das zechen als ein turnier oder kampf, s. u. 10, a, β, wo auch dieser trinkerruf es gilt, es gilt! ausdrücklich losung heiszt.
c)
dabei der dat. dessen, dem man zutrinkt, und der acc. des trunkes (gleichfalls nach dem es gilt als schlachtruf, s. 10, f und g):
ho! Toman, Lamy, Sering, Rumler,
es gilt euch! dieser musz herum!
Weckherlin 167 Göd.,
von einem rundtrunk, aus éinem kruge, eig. der einen ganzen kreis zu brüdern macht;
ein rundtrunk zu euch allen
wil ich nun fangen an ..
es gilt dir, nechster neben,
so vil der stingel helt!
Tittmann liederb. aus dem 16. jahrh. 142;
die stadtmaus sprach: hab ein gut herz ..
den silbern becher gilt dirs gar aus!
Waldis Es. I, 9, 57,
d. h. die feldmaus soll mit einem ganzen becher antworten (vgl. Frisch vorhin, zu gar aus s. sp. 1332); den sols euch gelten! Melander jocos. 2 nr. 497; den sols euch gelten, von liebe und nit von durst. 1 nr. 357; den gilts euch pudelnacket aus! von liebe und nit von durst! nr. 281. aber auch wer für sich allein trank, brauchte dabei den ruf (als gölt es einen hieb im kampfe, zu dem man die kraft sammelt):
es gilt, und solt mir keiner danken!
Weckherlin 176 Göd.,
das danken nachher das. antworten genannt, wie respondere bei Schönsleder. dagegen fragte einer auch: gilt meins mit? causenmacher 129, eig. wollt ihr mich in die brüderschaft aufnehmen? s. dasselbe in der sprache der spieler 9, d, γ.
d)
dann für es als subst. der trunk oder becher als subj. eingesetzt, zuerst das (wie 10, h):
seit wir am nächsten wasen vol (zuletzt trunken waren),
was weins wir östen, waistu wol ..
bei sölchem brasz ich geren bin,
das gilt dir gar und ghät dahin.
Schwarzenberg 144ᵈ,
d. h. wo man sich 'ganze' zutrinkt, 'das gilt dir gar!' ist als losung gemeint;
da lasz mich thuͦn ein guͦten suff,
Marcolfe, sich, der gilt dir druff.
Scheit grobianus A ijᵇ (Garg. 23ᵃ);
der gilt von iretwegen, den gesegene sie dir von meinetwegen. Garg. 84ᵃ (Sch. 143), d. h. die liebste;
disz gleslein weins das gilt dir halb,
trinks gar aus (d. h. die andre hälfte), du mein liebes kalb.
89ᵃ (153), Uhland 591 (221, 3).
e)
das zutrinken zur brüderschaft ward aber gleichsam verdünnt zu einem gesundheittrinken, als freundschaftszeichen (feinden wünscht man ja das gegentheil), auch für abwesende:
es gilt den herren und den frawen!
Weckherlin 532 Göd.;
durch disen becher seind wir siger ..
so sauf herum knap, munder, doll!
drink aus! es gilt der alten schwiger!
168,
gleichfalls ein trunk in die runde (der letzte musz austrinken), frauen sind bei der schlemmerei nicht zugegen; hault dar (halt her), Hinke (d. h. deinen krug), dat geldt dik nen vol kraus up's Boffensten zuntheyt (gesundheit). nd. bauernkom. d. 17. jh. 35, vgl.dat gelt dik vol ut 23, bei Strodtmann id. osnabr. 70 dat gelt ju, et gelt dy, d. i. deine, eure gesundheit;
wir stiften brüderschaft. der trunk macht alle gleich.
die feigen werden frisch, die armen werden reich
durch das geliebte glas. es läszt sich keiner scherzen,
wenns der gesundheit gilt, er hebt von ganzem herzen
und leert die schale wol u. s. w.
Fleming 165 (Lapp. 96);
hola, gebt mir ein glas wein ..
nun es gilt dir, bruder mein!
auf gesundheit des poeten,
welcher künftig mich und dich
weit sol lassen hinter sich.
Opitz 2, 33 (an Nüszlern);
angeklingt! denn es gilt die gesundheit unseres kindes!
lebe die gute Luis' uns lang, und sich selber, zur freude!
Voss Luise 1, 632 (zum acc. s. 10 a. e.).
daher denn noch beim toasten es gilt der hausfrau, es gilt unserm groszen reichscanzler, unserm kaiser u. s. w.
12)
endlich vom wetten, das ja ein spiel und kampf zugleich ist und im alten leben in vielfältigster form entwickelt war.
a)
gelten vom erlegen des einsatzes, eig. das gelten bezahlen 5, c, im voc. inc. teut. ist besonders aufgeführt gelden das darumb man gewet hat, vadiari h 6ᵇ; z. b. wie Eulenspiegel in Erfurt sich anheischig macht, einen esel das lesen zu lehren: des wurden sie (die gelehrten) mit im zuͦfriden uf xx jar. Ulenspiegel ... name das an, und galt fünf c alter schock, daʒ zuͦ thuͦn. des gaben sie im etlich gold daruf. Ulensp. hist. 29, die sache wird als ein wettkampf behandelt, wo sichs um gewinnen oder erliegen handelt, und beide theile erlegen ihren einsatz. ebenso vom einsatz selber, als kosten gedacht (s. 7, b): am dornstag nach Felicitas da kamen (nach Augsburg im j. 1468) ain edelman, genant Fronpurger, und herr Wigenlätz, baid herzog Ludwigs (von Baiern) diener und lieszen wett rennen mit etlichen burgern hie .. das galt iedwederm tail 50 guldin, die gewan der Fronpurger. städtechron. 5, 329, 28, ein turnier als spiel und wette zugleich behandelt. eine wette gilt nicht (nichts), wenn einer der beiden theile die ausgemachten spielregeln nicht einhält (s. 9, d):
Labia. Jahn, du hast (beim essen) geredt und (damit) verlorn ..
Jahn. ich glaubs, so müst ich wol verliern.
nein, nein, es gilt nichts unser gwet.
Ayrer 2008, 23,
so, d. h. wenn du die wette so auslegen willst (der mann ist durch einen besuch zum sprechen genötigt worden), vergl.sols so gelten in der sprache der spieler 9, d, γ. auch es gilt eine wette Göthe 57, 4.
b)
daher herausfordernd was gilts? wollen wir wetten? eigentlich: wie viel wettest du? z. b. bei einer zeche von gelehrten verfällt einer im rausch auf den einfall: domine Xanthe, ist mir recht, so hab ich ein mal hören sagen, es sei einer so kunstreich gewest, das er das ganz möer ausgesoffen hab. da sprach Xanthus: das ist ein schlecht kunst, ich getraws auch zuthun. da sprach der magister: was gilts, wann ihrs thut? da sagt Xanthus: es gilt mein haus, ich sauf das möer aus. der magister sprach: es gilt mir auch soviel! Xanthus wust nicht, was er narret, dann er hat schon sein theil. da thet er seinen fingerreif ab und satzt in zupfandt (für das haus), desgleichen that der ander magister auch u. s. w. Alberus Esop 1550 C 4ᵇ. man nennt auch gleich einen preis, den man als pfand verwetten will: gilts 50 thaler, du chast das nie i'ds wärch bringe, sponsionem tecum facio nummorum quinquaginta etc. Schmidts idiot. bern. bei Fromm. 3, 82ᵃ; was ists, sagte er (der bettler), gilts einen pfennig, ich trink da den ganzen kübel voll milch sauber aus? Felder Nümmam. 67. man fragt auch was gilt die wette? und wie man seinen kopf verwettet, so: ich wolte dasz es das leben (meinen kopf) gulte, ich wolte meinen kopf daran setzen, capite meo dimicem. Denzler 1, 455ᵃ. 2, 127ᵇ.
c)
wie viel diesz zur wette herausfordernde was gilts? im leben einst erklungen sein musz, sieht man daran, dasz es sich abschwächte zur bekräftigung einer aufgestellten behauptung, auch vermutung u. ä., noch jetzt in vollem gebrauch und schon in Luthers bibelübersetzung oft: o das wir mit inen auf der ebene streiten müsten, was gilts, wir wollen inen angewinnen? 1 kön. 20, 23 (zugleich mit anklang der wirklichen herausforderung zum kampfe, s. a. e.); aber recke deine hand aus und taste an alles was er hat, was gilts, er wird dich ins angesicht segnen? Hiob 1, 11; der herr Zebaoth hat geschworen und gesagt, was gilts, es sol gehen wie ich denke. Jes. 14, 24; was gilts, es wird dich angst ankomen, wie ein weib in kindsnöten. Jer. 13, 21; zeücht er (der mönch auf der kanzel) geschwind ein pantoffel von seinem fuͦsz und spricht: was gilts, ich wil ir dort einen (lutherischen ketzer) treffen? und holt ein wurf, als ob er wolt werfen, und .. truckten sich iren vil und ward ein gelechter in der kirchen. Wickram rollw. 47, 6; was gilt es, du hast auch, wie ich, den wein umb vier pfennig ausgeruͦfen? Kirchhof wend. 1, 228 Öst.; was gilts, wo ihn nicht unser vatter zu einem einigen erben erkläret und uns ausstöszt. Simpl. 1685 2, 504 (k. Joseph c. 2); was gilts .. wo nicht dem Joseph endlich auch träumet, wie er eilf sternen aufsetze und mit sonn und mond darnach kugele. 505, vergl.was gelts wa .. u. d und sp. 3055;
man schlag' in stükken itz die mörser und karthaunen,
man giesze glokken draus, was gilts ihr heller schall
wird nicht so schreklich sein als der karthaunen knall?
Rist Parn. 487;
er schweigt! er kehrt sich um! was gilts ich hab es troffen!
A. Gryphius 1, 15;
was gilts, der herr major ist nicht nach hause gekommen! Lessing 1, 510 (Minna v. B. I, 2); ei, dachte der fuhrmann, das ist einfältig geantwortet. was gilt's, es ist ein spaszvogel. Hebel 3, 86; der leser merkt etwas. was gilt's, denkt er, es fuhr ein rad vom wagen? das., zugleich als frage an den erzähler: nichtwahr? oder: es fuhr wol ein rad vom wagen? doch auch noch als begleitung oder einleitung eines gewagten wortes, mit einem gewissen trotzbieten (s. a. e.):
im herzen lebt ein kühnes wort (gegen das elend und die knechtschaft) —
was gilt's, ich sprech' es aus.
Körner leyer u. schwert 28 (trost, 1813),
oder als ausdruck des triumphes (vergl.gelt 2, a):
was gilt's, er weisz jetzt, wo Germanien liegt?
H. v. Kleist 2, 519.
in den wbb. noch im 18. jh. auf wetten bezogen, z. b.: was gilts, ich wil u. s. w., depono v. g. florenum, quid deponam? quid deponas? ni te u. s. w. Aler 888ᵇ; was gilt es? was soll es gelten? quo pignore mecum certabis? und abgeschwächt: gelt, was gilts, es ist wahr, nonne verum dixi? Weber 339ᵃ.
d)
die ursprüngliche wendung ist aber conjunctivisch was gelts? d. i. was solls gelten? so durchaus bei Fischart, z. b.:
ich will das licht iz läschen eh,
was gelts, wa ir (flöhe) mich finden meh?
flöhhatz 1558 (2, 43 Kz., klost. 10, 818),
ich wette, ihr findet mich nicht mehr, zugleich und eig.: ich biete euch trotz (s. a. e.). noch im 17. jh. stellt Schönsleder zur wahl was gilts vel was gelts, ich wil etc., quid deponam u. s. w. T 5ᵈ, auch der conj. mit umschreibung dargestellt: sag was solls gelten, pignore contendam, ni te etc., was solls gelten ich hab war gesagt? quovis pignore posito verum dixi T 6ᵃ, ebenso Aler 888ᵇ. die andern belege für was gelts s. unter gelt 1, d (sp. 3054).
e)
diesz gelt? nämlich, eig. gelte, ist conj.: solls gelten? und war für sich zu behandeln. es bot eig. eine wette an, und solls gelten? sagt man nun wieder vervollständigt, z. b. bei einem sog. vielliebchen: Laura öffnete die schale und legte nachlässig zwei mandeln zwischen ihn und sich: 'da sind sie.' 'solls gelten?' rief der doctor erheitert. 'meinetwegen', erwiderte Laura, 'mit geben und nehmen, wie recht ist.' Freytag verl. handschr. 2, 181.
f)
wie aber gelt! auch ein wirkliches trotzbieten, ja eine herausforderung bedeutete (s. dort 1, f), ebenso was gilts? z. b.: da sitzt er (Christus zur rechten gottes), wer lust hat und böse ist, der reisz in herunter. so lang aber er da sitzen bleibt, wöllen wir auch bleiben, was gilts? Luther 5, 179ᵃ; das dir gott wehre, satan du leidiger, wie schendlich und sicher spottestu unser. doch mein spott sol dich widerumb auch kützeln, was gilts. 3, 348ᵃ, d. h. komm nur her! eig. aber: was soll der einsatz sein? vergl. das turnieren um einen einsatz u. a; s. auch das trotzende was gelts u. d, was gilts bei Körner u. c, statt des geldeinsatzes konnten auch ehre, leben, kopf gemeint sein, wie man ja noch als redensart seinen kopf verwettet (s. u. b Denzler).
Zitationshilfe
„gelten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gelten>, abgerufen am 14.12.2019.

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