gelter m
Fundstelle: Lfg. 5 (1883), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3096, Z. 71
subst. zu gelten (5) zahlen, mhd. geltære, auch noch einfach gelte m., das sich alem. erhielt (s.gelte m.), wie oberd. gelter; es erscheint in vielseitigstem, selbst sich widersprechendem gebrauch, der doch in gelten und gelt seinen guten grund und anhalt hatte; uns fällt besonders die doppelbedeutung schuldner und gläubiger auf, die noch heute das dän. gjeldner hat, schwed. gäldenär nur schuldner, in der form wie md. geldener (gewiss auch nd.) neben gelder, schuldner Behrend Magdeb. fragen s. 165 var., mnd. gelder Sch. u. L. 2, 39ᵇ, nl. ghelder debitor Kil. (auch gheldeman, s.geldmann gläubiger). bair. auch gelderer (s. 3 a. e.).
1)
zu gelten bezahlen überhaupt: auch die da (an feiertagen) lewt, traid, wein, holz ... auf rossen oder wegen fueren in selber oder iren herren oder geltern (thun sünde). beichtspiegel v. 1474 b. Geffken bilderkat. 2, 118, die sie dafür bezahlen, sie mieten, es ist iren geltern gemeint, vergl. cimbr. einen gelten (s. d. 5, c, γ); s. auch gelte 1, zahler. mhd. heiszen schuldner bœse geltære, schlechte zahler Iw. 7164. MF. 80, 15.
2)
schuldner, wie denn gelten (5, a) von haus besonders das erstatten einer schuld bezeichnete: gelder, der da zalen sol, debitor. voc. inc. t. h 6ᵇ (dabei gelden und schuldig sein, debere, vergl. u. 3), noch im 17. jh. bair. gelter debitor Schönsl. T 5ᶜ; bekennet ein gelter vor gerichte, das her unvorzogentlich sulde haben bezalt uf einen vorgangen tag .. Magd. fr. 165; er ist noch ein gelter darumb. font. rer. austr. II, 7, 41 (Lexer 1, 826), schuldet die summe noch;
ê daʒ ir Friderîche würdet zeinem wîbe,
ich wolde michʒ ê kosten lân, daʒ mâge unt mîn stifte
müesten mit mir gelter sîn.
Lohengr. 1378,
d. h. als mitgelter, bürgen, eigentlich mitzahler, s. 'mitgelter und selbschollen' (selbstschuldner), die letztern aber auch selbgelter, selbstgelter (in bezug auf die bürgen) Schmeller 2, 41. ebenda gelter als schuldner und gläubiger dicht beisammen (s. auch u. 3): würd aber der gelter sagen, er wölte von dem land nit faren noch seinem gelter empfliehen .. aus dem bair. ref. landrecht. diese zweiseitigkeit, die uns alle sicherheit des begriffes aufzuheben scheint als zweideutigkeit, kam aus dahinterstehenden und vorausgehenden wendungen mit gelten, wie sie vor dem richter sich entwickelten, z. b.: swelhes tages der voget die alten phenninge verbiutet ze nemenne, ist daʒ ieman dem andern gelten sol, der sol von dem tage ze vierzehen tagen gelten sîme gelter mit alten phenningen. Augsb. stadtb. s. 20 (sîn gelter sein gläubiger, wie sein schuldner s. 226), dagegen swenne man .. gelten sol Schwabensp. 94, 3, Ssp. II, 11, 3, also 'mîn geltære' vor gericht sowol für 'der mir gelten sol' als auch für 'dem ich gelten sol', noch näher und als notwendig begreiflich 'mîn gelt' sowol was ich gelten sol, zahlen musz, als was einer mir gelten sol (s.gelt zugleich als schuld und schuldforderung sp. 2896, vgl. mîne gelübede so zweiseitig unter gelübde 4, a). aus diesem vielgebrauchten 'sol gelten' begreift sich zugleich, dasz auch auf das subst. zu sol jene zweiseitigkeit übergieng, indem schulde m. sowol den schuldner als den gläubiger bezeichnete, letzteres noch bregenzerwäldisch Felder Nümmam. 46, sonderl. 2, 135, vergl. schuldiger gläubiger anz. d. germ. mus. 1858 sp. 45, eig. 'mîn schulde', dem ich oder der mir sol d. h. gelten sol (s. dazu gelten 5, e). selbst das für gelter eintretende bezahler nahm davon die zweiseitigkeit an, im 16. jh. erster bezahler, d. h. zuerst zu bezahlender hypothekgläubiger, s. anz. d. germ. mus. 1870 sp. 128.
3)
gläubiger, gelter, den man zalen sol, creditor, fenerator voc. inc. t. h 6ᵇ: gît ein man dem andern sîn guot .. und sprechent in (den andern) die gelter (des ersten) an .. Schwsp. 262, 2 G. (schuldner 252, 1); der sol gelten sîme gelter. Augsb. stadtb. 20 (s. u. 2); daʒ er daʒ uberige guot den geltern gebe. 226 (vorher sweme er gelten sol); da er gestarb, da fielen die gelter über die gueten frawen und namen was da was. Augsb. chron. 2, 138, 10; also klagten die gest (Rottweiler), sie möchten nit bezalt werden von irem gelter (schuldner, einem Augsburger der gefangen sitzt), und begerten an ain rat, (er) solt irm gelter gelait geben, zu in ze kommen. das tett ain rat und gab im ain frei sicher gelait zu seinen geltern. 240, 4; der übelthäter gut, so vom leben zum tode gerichtet werden, soll ihren geltern, weibern, kindern oder erben bleiben. Schmeller 2, 41;
das erst, wan ainer bezalt all sein schuld
und gewint seiner gelter gunst und huld.
Kellers alte gute schwänke s. 31.
es ist noch bair. (auch gelderer) Schm. 2, 41, tirol. auch noch schuldner Schöpf 184, Fromm. 5, 433, wo es auch für schuldenmacher belegt ist: prechenhaftigen, sinnlosen leuten, verthüern und gelidern (so), stummen und ungehörenden sollen anweiser (vormunde) gesetzt werden. landordn. v. 1603.
4)
käufer, zu gelten (5, d) kaufen, das bes. rheinisch ist: sall der gelder (des gutes) schuldich syn, die pachtjaren deme pechter zo halden. Lacomblet arch. 5, 125; wer ist der gelter, dem ich üch verkoeft hab? Scherz 515;
magst mit deiner schlechten waar
ein andern gelter zahlen.
Ditfurth volks- u. gesellschaftslieder 7, 4.
auch in bezug auf vorkaufsrecht, s.geltung 2.
5)
auch händler, nrh.: coeper, gelder, negociator, mercator. Teuth. 56ᵃ (Dief. 378ᵃ), s.gelten 5, d, β vom krämer.
Zitationshilfe
„gelter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gelter>, abgerufen am 15.12.2019.

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