Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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gemach, adj. und adv.

gemach adj. und adv
und subst.
I.
zur vorgeschichte des wortes.
1)
gemach, wesentlich ungefähr bequem und bequemlichkeit bezeichnend, gehört mit machen zusammen zu einem begriffsnetz, das uns gleich zuerst mit reicher entwickelung in den gesichtskreis tritt schon aus der urzeit her und mit seinem kern auf niederlassung deutet nebst der dazu gehörigen einrichtung, vielleicht noch aus der zeit des überganges vom wandern zu seszhaftem leben, wenn es nicht schon in der wanderzeit sich entwickelte.
a)
am deutlichsten tritt das heraus, wenn ein wort für ehegatten davon entnommen ist, noch nhd. ehegemächt, gemächt (s. d. 1), mhd. gemechede, gemachede, êgemechide n., ahd. gimahhidi conjux Graff 2, 639, auch einfach gimahhâ conjux, uxor 634 (wozu auch ein gimahho gehört haben wird). so im ags. einfach gemäcca conjux, gemäccan conjuges Grein 1, 426 (gemäcscipe conjugium), auch gemaca und einfach maca (gemäctîc conjugalis) Ettm. 195, altengl. make, vgl. engl. match heirat, match-maker ehestifter. ebenso altn. isl. maki conjux Egilsson 543ᵃ, norw. schwed. make m., dän. mage gatte oder gattin (norw. maka seg, sich paaren von thieren, isl. maka ambire conjugem). dazu ahd. auch gimahhida connubium Graff 2, 638, vgl. zuâ gimachûn turtilitûbûn, par turturum (als opfer) Tat. 7, 3, zuâ dûbôno gimachon Otfr. I, 14, 24, die sich gepaart haben. das zusammenfassende gi- oder ga- wird von haus aus dazu gehören und in ags. maca, altn. maki nur entfernt sein (s. sp. 1608. 1596), denn der eigentliche begriff scheint das gemeinschaftliche ansiedeln und einrichten. vergl. unter III, 2, a a. e. gemach von ehelicher häuslichkeit und geborgenheit, und unter II, 1, a nd. mak bedde (gemaches bette) vom ehebette.
b)
dasz aber die ehe dabei nicht der hauptbegriff war, zeigt sich darin, dasz die alten wörter auch genossen und genossenschaft überhaupt bezeichnen, ahd. kamahhûn socii Graff 2, 634, gamahhida sodalitas, consortium, congregatio, commercium (auch collega), alts. gimako genosz, ags. gemäcca, altn. maki, vergl. nordhumbr. maca unitus Bouterwek 357ᵃ. besonders mit bezug auf zwei, ein paar: ahd. gimahhidi par (auch zuei gimahhidi par), auch bildlich oder begrifflich gesteigert, alts. z. b. ni was thâr is gimako hwergin Hel. 5402, er hatte seines gleichen nicht, von einem bösewicht, auch von dingen, z. b. von Christi worten und weisheit, die gemakon ni habdun 1837, einzig waren, kein gleiches hatten, ahd. z. b. von wein Otfr. II, 8, 52, im adj. von einer figur, daʒ kemacha triangulum Marc. Cap. 66, das dazu gehörige, genau entsprechende. ebenso altn. maki m., maka f. Fritzner 427ᵇ, noch nordisch, norw. make das eine auch von dingen die zusammengehören, z. b. schuhen Aasen 474ᵇ (vergl. gelichter a. e.), schwed. make, z. b. handschuhe sind makar, gehören zusammen, dän. z. b. strömperne ere mage, auch noch, wie ahd. alts., z. b. schwed. hans make finnes icke, seines gleichen findet sich nicht, dän. din mage, deines gleichen, auch engl. he has not his match, wie ahd. thera minna gimah (wie die gottes sah man nie) Otfr. II, 6, 49, die ihr gleich wäre, mhd. z. b. wunders gemach, einem wunder gleich, wunders art. es ist dieselbe entwickelung, wie sie gatte zeigt (s. dort), jetzt nur noch ehegatte, ursprünglich gaten, gegaten ein paar, von menschen und dingen, mhd. sunder gaten ohne gleichen, alts. von gottes wort das gigadin ni habit, wie vorhin gimakon, mhd. ir gat ihres gleichen, auch genossen aller art hieszen gaten (vgl. gattung).
c)
aber auch erweitert auf einen gröszern kreis, der eng zusammen gehört, wieder wie mhd. gate, z. b. die Dieterîches gaten Roth. 1103, D. und seine schar (s.gatte II, 1, a); so weist ahd. gamahhida als affinitas (auch gimahî f.) auf sippschaft, als foedus auf ein kriegsbündnis, als curia auf gemeindeleben, auch die gl. consortium, commercium u. a. unter b weisen über das paar hinaus auf gröszere gemeinschaft, die sich zusammenthut um sich fride und gemach (s. III, 1, c) zu sichern, gamahhida contubernium auf gemeinschaftliche einrichtung zweier (auch zur ehe) oder mehrerer, auch bei krieg und wandern; einen späten rest davon zeigt das merkwürdige bair.-östr. gemachzaun (s. d.), mit dem sich eine nachbarschaft auf eigne gefahr ihre grundstücke einfriedigt und sichert, sich ir gemach verschafft, es reicht gewiss in die vorzeit zurück.
2)
die hauptfragen stellt aber gemach selber, ahd. gimah.
a)
das adj. steht ahd. für sodalis, communis, tranquillus, frater und weist damit auf jenes zusammenleben, besonders bedeutsam kamah sîn foederari, copulari Graff 2, 632, kimah werdan, coire Germ. 11, 37ᵃ (sich gatten), eigentlich sich zusammenthun als zwei oder mehr die zusammengehören (s. foedus, affinitas unter 1, c) und in der vereinigung ihr gimah suchen und finden. dann auch von dingen, idoneus, aptus, habilis, commodus, adv. gimahho apte, opportune, communiter, dagegen ungimah importunus, minus idoneus, dispar, absurdus, abstrusus, gravis, malus, auch von menschen iniquus, improbus, onerosus Graff 2, 634, also passend, geeignet, geschickt, bequem dienlich (z. b. ein thier zem opphere gimah Otfr. II, 9, 59), im gegensatz nicht zusammenpassend, ungeeignet (Otfr. I, 1, 57), störend, lästig, auch aufs sittliche angewandt, wesentlich aber auf förderung von gemeinsamem leben und streben bezogen. auch ags. gemäc sodalis, aptus, adeptus Grein 1, 426, mäc opportunus Ettm. 195, altn. makr aptus, conveniens, commodus, facilis, jucundus, quietus, also auch in dieser verwendung urbesitz aus der zeit vor der theilung der stämme her, nur goth. von dem ganzen worte keine spur, was doch auch zufall der kargen überlieferung sein kann, wenn es auch seine vollere entwickelung erst später gefunden haben mag.
b)
das einfache subst. ahd. gimah n. übersetzt commodum, voluptas (ungimah molestia, injuria), auch compendium (wie gimah compendiosus, gemehlîch compendiose), es musz einen weiten begriffskreis umspannt haben, wie auch bei Otfried zu sehen ist, der es manigfach als reimwort braucht für einrichtung, gestaltung, zustand, verhältnis o. ä., besonders von glücklichem, schönem zustand, z. b. im himmel V, 23, 163. im alts. und ags. ist es nicht bezeugt, im letztern wol gar nicht entwickelt, aber altn. und altschwed. mak n. ruhe, friedlich glücklicher zustand, behaglichkeit Rietz 425ᵇ, noch schwed. norw. mak n., dän. mag, wie auch nd. mak Brem. wb. 3, 114, mnd. mak und gemak. wegen der bedeutung wohnraum s. III, 2, c.
c)
in der fülle der bedeutungen find ich nur éinen einigenden punkt, in gemeinschaftlicher einrichtung mit gemächlicher behausung, angewandt sowol auf die menschen selbst (und thiere) wie auf ihre einrichtung. daher einerseits von gatten, aber auch bundes- und gemeindegenossen, anderseits von den gegenständen die ihnen ihr gemach bereiten, wie von diesem selber als hauptpunkte, denn alles läuft zugleich in der form gimah wie in seinem mittelpunkte zusammen. wenn genossen, bundesbrüder, gatten gimahhûn genannt wurden, der einzelne gimahho, hiesz es doch auch von ihnen einfach gimah sîn, werdan foederari, copulari (s. a), wie alles was das damit gesuchte ziel förderte, gimah hiesz und das gesuchte ziel ebenso. das letztere drückt sich am deutlichsten aus, wenn gimah genügte, um das lat. conjugii portus wiederzugeben (Graff 2, 635), die ehe als hafen gegenüber dem sturm des lebens; aber auch alle andere sichernde gemeinschaftliche einrichtung hiesz so, z. b. in gemachzaun, der einer nachbarschaft, ihrer habe und heerde gemach gibt gegen feindliche gewalt. jenes gimah sîn von menschen muszte aber eben so von gegenständen gangbar sein, nach gimah aptus, idoneus, opportunus u. dergl., zunächst wol schon von dem orte der sich zur gemeinschaftlichen einrichtung darbot als gimah aussehend und gimah versprechend (man darf sichs wol schon von höhlen u. ä. denken), dann von allem was man selbst daran und hinzu that, um ihn vollends gimah zu machen. wenn dinge, die sich genau entsprechen, die zum verwechseln oder vertreten gleich sind, gimah hieszen (Otfr. II, 6, 49, daneben gimacho 8, 52, s. u. 1, b), so stammt das vielleicht von werkstücken her, die man zur einrichtung einer wohnstätte suchte oder herrichtete, dasz sie gimah wurde, es muszten steine, stämme, sparren u. dgl. genau zu einander (und zum ganzen) passen, gimah sîn, zunächst zwei, da man ja zunächst zwei auf einmal an einander miszt und paszt (vergl. ein 'paar', nach lat. par gleich), dann aber auch alle, sodasz dabei wieder die anwendung auf eine zweiheit und vielheit zugleich erscheint wie bei menschen (1, b. c). dieser begriff des genauen passens spricht sich besonders deutlich aus in ungimah dispar neben gimah par, aequalis, und wenn jenes auch iniquus, improbus, malus ausdrückte (s. a), so hatte gewiss auch gimah selbst solche anwendung auf höhere, sittliche verhältnisse gefunden, wie ja gemach als friede und ruhe (III, 1, c) in haus und gemeinde voraussetzt, dasz der begriff des passenden einklangs vom äuszeren auch auf das innere zusammenleben erstreckt wurde, vom haus auf seine bewohner, ja bei jenem gimah sîn foederari, copulari musz das wol schon mit gedacht sein, wie bei den gatten gewiss auch (vgl. Otfr. IV, 29, 10 von Jesu und den jüngern). auf geistige anwendung weist ungimah abstrusus, absurdus, ungimahlîh ineptus, anwendung auf das wirtschaftsleben aber verrät wol gimah compendiosus und gimah, gimahhida compendium, eigentlich vielleicht eine verbesserte einrichtung, etwa am pflug oder wagen, an der handmühle u. ä., welche die handhabung bequemer machte, die arbeit abkürzte (vergl. mhd. und nhd. unter III, 1, g), dann angewandt auf die arbeit des schreibers: compendium, brevis dictio vel gemach. sumerl. 4, 64.
3)
auch das alte machen zeigt dasselbe bild und hilft es weiter ausmalen.
a)
dem gimah entspricht gimahhôn concinnare, conjungere, copulare, connectere, glomerare, dann coaptare, coacervare, struere, exstruere, condere, componere, redigere, conficere, fabricari u. ä., s. Graff 2, 644, man sieht da im allgemeinen wesentlich ein herrichten und herstellen durch verbinden von passenden stücken, wobei congeminare auch noch auf je zwei zusammengepaszte stücke deutet (das ist wol gimahhida copula), die ja selbst gimah hieszen wie das daraus hergestellte auch, bezogen gewiss zunächst auf alle einrichtung die zum wohnen und leben und arbeiten gehört, gewiss aber auch schon auf die wohnung selber (s. III, 2, c); auch auf schmuck, das zeigt kimachôt comptus samt gimah comptus Graff 2, 644. 632, vom hause z. b. in gimachôt instruitur (domus luxu) 645, aber wol auch schon vom schmuck der person selber, wie noch in der hauswendung sich die haare machen, d. h. passend, schön machen, man muszte wol zu festen gimah, comptus erscheinen (vergl.gemächt II, 2, a, ausputz). eigen auch passivisch oder medial sociari kamahhôn, also wol von gemeinschaftlicher einrichtung, die zwei oder mehrere treffen (innerlich und äuszerlich, vgl. gamahhida foedus). bemerkenswert auch vom dichten nach gimahôtiu condita (carmina), dazu wol gimahhida aenigma, eigentlich ein künstliches gefüge von wort und sinn, vergl. machôn (carmina) Graff 2, 640, altengl. make für dichten schlechthin, schott. mack, engl. maker a poet Halliwell 538ᵃ (vgl.machen 1, e, man denkt an ποιέω, auch gemächt II, 4, f); s. noch nhd. gemachen in der bedeutung verabreden, vermitteln. wie aus dem allen ein allgemeines gimahhôn formare, parare, creare, facere u. ä. hervorgehen muszte, sieht man leicht.
b)
aber auch das einfache machôn ist neben facere, conficere, parare, fabricari u. ähnl. noch jungere, concinnare, componere, struere Graff 2, 640, aptare Schm. 2, 543 (alts. gemacôn und macôn concinnare), intmahôn disjungere, dissociare, wonach schon Schmeller a. a. o. geneigt war, 'auch unser einfaches machen auf das alte gimah zurückzuführen', sodasz in machôn nur das gi- gespart scheint (in folge häufigsten gebrauches), das ursprung und bedeutung verlangen; kommt doch auch für gimah einfaches mah vor Otfr. III, 20, 147 in F, wo jenes gemeint ist, also schon wie in bair. mächlich für gemächlich, schon im 15. jahrh. mächleich lentus Schm. 2, 543, also auch oberd. wie md. mach commodus Mones anz. 7, 302, zû mache neben zû gemache vaterunser 107 (s. III, 1, h), nd. to make wb. 3, 7ᵇ, wie auch sonst nd. mak gleich gemak (2, b), ags. maca gleich gemaca (1, a), s. zum sparen des gi- schon in alter zeit bei vielgebrauchten wörtern sp. 1608, auch neuerdings noch gut oberd., z. b. in schweiz. fährt für gefährte (s. d. 5, e), wo das ge- eigentlich so nötig ist, wie in ahd. nôtgistallon, das doch auch nôtstallon hiesz, die sich in der not zusammen stellen.
c)
also machôn eigentlich gimahhôn, diesz eigentlich 'gimah machen', sowol vom subst. wie vom adj. gimah zu verstehen, welche beide fortwährend und oft ununterscheidbar in einander spielen, zusammenlaufend in dem begriff eines geborgenen, befriedigten, behaglichen lebens (vgl. gimah voluptas); man kann das noch anklingen hören in schweiz. einmachen, mit einem zaun einschlieszen, entmachen den zaun öffnen Stalder 2, 189, zuerst gewiss vom hofzaun. das subst. wäre begreiflich als n. des adj., und gemach n. gilt noch lange für behaglichkeit, gemächlichkeit; aber daneben erscheint ein masc. (s. III, 3, a) und ahd. selbst ein fem. gimacha, bei Otfried öfter gleich seinem sonstigen gimah n., z. b. himiles gimacha I, 1, 56, friede und seligkeit im himmel (s. III, 1, e).
II.
gemach als adj. und adv.
1)
das adj., im ahd. gebrauch sehr entwickelt (s. I, 2, a), ist nachher selten geworden, schon im mhd., gilt aber auch nhd. doch noch im 17. jh. und länger.
a)
mhd. nur in wenigen stellen und ohne endung:
dô er sie alsô schône gesach,
daʒ was im liep unde gemach.
genesis 55, 14 D.,
eine damals noch beliebte bindung (s. wb. 2¹, 13ᵃ), gemach in einer bedeutung, die unter den ahd. zeugnissen fehlt (wie gewiss noch manches), etwa wolthuend, wonnig. auch noch vom manne selber, einem gemach sîn, sich gegen ihn so verhalten, dasz man ihm gemach erscheint und bleibt, dasz das verhältnis nicht durch ungemach gestört wird:
doch was er im dar an (dabei) gemach,
daʒ es in iht bevilte.
Hartmann Erec 2271,
Erec dem Artus, von dem er sich mit ausrüstung zum turnier beschenken läszt, aber mit vorsicht und vorbitte gegen übertriebene milte; vergl. ahd. gimahhida conniventia Graff 2, 638. häufiger erscheint noch ungemach, lästig, unfreundlich, bös u. ä., wie ahd. (I, 2, a), auch noch mit endung, z. b.:
nu scheidet mich dâ von (von gemütsruhe)
ein ungemacher gruoʒ.
H. v. Rugge minn. fr. 102, 6.
auch mnd. gemak selten, s. im wb. 2, 51ᵇ eine gemake tumbe, gruft, es scheint geräumig gemeint, eigentlich vom hause mit bequemem raume, häufiger mak 3, 7ᵃ, z. b. ein mak bedde (vom ehebette im gegensatz zur unehe, vergl. I, 1, a und III, 2, a von ehe), auch von menschen und thieren, ruhig, sanft, zahm, z. b. makes vees mach vele in enen stal, aber auch mak unde mode, müde und matt, noch jetzt z. b. in der Altmark mack matt, auch zahm, wie hausthiere Danneil 130ᵃ, wie nl. mak zahm, mack Kilian (vergl. so gemächlich 1, c). auch altengl. imak und mak aptus.
b)
nhd. ist im 16. jahrh. das adj. in der alten bedeutung in den wbb. wie verschwunden (vgl. unter c und gemachig), doch sein fortleben verbürgt: fried, einigkeit und ein gemach stilles leben. Dreyding B ij (das. gemachlich adv.), wie ahd. gimah tranquillus, altn. makr. so im 17. jahrh. 'gemach und stille', in bauernmunde, meisznisch: es ist schon gut, seid nur ein wenig gemach und stille. Schoch stud. leben K ij (vgl.gemach reden unter 2, c), und auch gemach allein noch, wie mhd. unter a, vom dichter wol aus der mundart entnommen, es hat sich im osten offenbar am längsten gehalten, wie vieles alte:
der könig, wie gemach,
wie gütig er sonst ist, folgt auch dem himmel nach,
lernt zornig sein wie er.
Opitz 2, 51 (über die erob. Roschelle).
dieselbe bed., wol nur anders gewendet, in einem sprichwort: das nieder und gemach findt allzeit ungemach. Henisch 1481, wer sich immer nur duckt und nachgiebig ist.
c)
gleich dem heutigen gemächlich (das hauptsächlich adv. ist): gemach, langsam, tardus. Maaler 166ᵇ, gmach, frigidus homo, lentus, segnis, tardus 187ᵃ, also nur tadelnd; eines gemachen und langsamen gangs, tardigradus. 166ᵇ; gemacher gang, gradus clemens, testudineus, wie ein schneck. Schönsleder T 6ᶜ; das pferd geht einen gemachen schritt. Adelung, der auch ein gemaches leben und ein gemacher mensch (hindernisse scheuend) anführt, für beides aber sei im hd. gemächlich üblicher.
d)
auf anderes geschehen übertragen, das allmählich (d. h. allgemächlich) vor sich geht: gemache änderung, gemache ausriechung (des wassers) an einem warmen ort. Schm. 2, 542 aus einer quelle des 18. jh., wie es scheint. das adv. hat sich in dieser bedeutung breit entwickelt und auf diesen gebrauch gewiss zurück gewirkt, z. b. in folg. von Campe beigebrachter stelle.
e)
ungewöhnlich für bequem, gemächlich im folgenden:
ein hügel,
mählig erhöht, weichgrasig, gemach dem müdesten wandrer.
Baggesen,
der auch dem m. w. noch gemächlich zu steigen ist, doch ist die verwendung gut und auch der ältern sprache zuzutrauen, zumal gemach auch sonst gäh zum gegensatze hat, diesz aber auch steil, abschüssig bedeutete; vgl.gemachsam 2 a. e., auch gemächlich braucht Kosegarten so.
2)
als adv., so allein bis in die gegenwart.
a)
in voller form ahd. camahho, gimaho, apte, opportune u. ähnl., ungimahho importune, moleste, aegre, mhd. gemache (Lexer nachtr. 190), ruhig, geduldig, behutsam u. ä.:
si dolte sô gemache,
daʒ eʒ gar âne braht beleip.
Trist. 12602;
iedoch sprach si gemache.
Reinfr. v. Braunschweig 3764;
du solt gemache nâch im hengen (reiten).
Laber 222;
sô trage ich ungemache
sorge under mîner brust.
Flore 1852.
nhd. nur noch in gestutzter form, wie auch schon im 14. 15. jh. (Lexer 1, 832), anfangs aber auch noch im comp. und superl., gemächer, gemächest:
hett Phaeton syn faren gelon
und Icarus gemächer gton
und beid gefolgt irs vatter rot,
sie wern nit in der jugent dot.
Brant narr. 40, 22;
das ir in den sachen zuͦ gech
seit, acht nit, was euch darinn beschech ..
darumb solt ir ein ander mal
dest gemecher thun.
Teuerd. 81, 75;
möchtest demnach wol gemächer thun. Schaidenreiszer Odyss. 228ᵇ, nicht so ungestüm sein (s.gemach thun unter g); er zoh auf das aller gemächst hernach. Pauli sch. u. ernst 352, in einer andern ausg. gemechest 50ᵇ; dieweil sie mit ime (dem kranken im schlitten) nit eilen kunten, sonder ufs gemehest faren .. Zimm. chron. 2, 411; dasz solches (eine operation) auf das aller gemachest und gelindest geschehe. Würtz wundarzn. (1612) 87, ohne den umlaut, dasz es sich nicht von dem geläufigen gemach entferne.
b)
die alte bedeutung klingt nach in gemach, behaglich, also z. b. ohne anstrengung, 'gemächlich', worin das bis heute erhalten ist: und giengen also gemach für sich. Pauli sch. u. ernst 50ᵇ; wenn dirs gefiel, so wolten wir vorhin ziehen und dein weib so gemach lassen hernach ziehen mit dem gesinde und vieh. Luther Tobias 11, 3 (man bemerke das malende so, also dabei, wie noch jetzt in entsprechenden fällen, vgl. u. gemächlich 2, c). auch von sinnesart, ruhig, befriedigt, gemächlich, wie schon ahd.: (die Moscowiter) sein arbetsam, behelfen sich gar gemach und gibt inen der hunger und durst nicht so bald zu thuen als etwann andern nationen, dann sie ohne das gar schlecht (einfach) leben in essen und trinken. Kiechel 116. noch im 18. jahrh.:
würde mir wol so gemach
dieses herz im busen schlagen,
folgte gleich (wie einem fürsten) ein küchenwagen
und des landes gold mir nach?
Gökingk 3, 64.
auch noch gemach sitzen, bequem, behaglich, ganz mit alter farbe:
ich weisz, wer auf zwei stühlen sitzt,
der sitzt nicht sehr gemach.
Weisze kom. op. 3, 232 (ärntekranz II, 10).
aus dem heutigen alltagsgebrauch kommt ihm gemütlich ganz nahe (sehr junger entstehung), das in allen diesen fällen das gemeinte für uns am besten ausdrückte, auch von einem gange z. b. wir wollen so gemütlich hinaus schlendern.
c)
auch für behutsam, vorsichtig, wie ahd. als gegensatz zu hastig, heftig, hitzig: mit denen soll man gemach und säuberlich umbgehen. Luther br. 2, 120; aber gemach in die kolen geblasen, so fährt dir kein staub in die nasen. Garg. 253ᵇ (Sch. 478); man musz gemach in die kolen blasen, sonst fahren die funken ins angesicht. Lehman flor. 1, 82; gemach reichen thut wol. Henisch 1482, nicht heftig zugreifen, nach etwas langen ist dienlich;
verfahrt in diesem schmerz als christen was gemach.
Chr. Gryphius poet. wäld. 2, 133.
daher auch für leise, still, z. b. im gegensatz zu laut reden (vgl.gemach und stille unter 1, b, gemächlich 2, b), gemach reden, submisse loqui, presse et leniter Schönsleder T 6ᶜ, Aler 890ᵃ:
es ist alda kein glegenheit,
so laut zu reden von den dingen ...
drumb wenn ihr wolt mein liebster sein,
so redet gmach mit mir allein.
Ayrer 2304, 9;
auch diesz noch im 18. 19. jh., vorsichtig leise, wie noch z. b. in Nassau Kehrein 158:
sie athmeten leise, sie schlichen gemach
dem schimmer des lämpchens der liebe sich nach.
Bürger 34ᵃ (Len. u. Bland.);
sprich gemach, entgegnet ihm der alte,
dasz vom volk dich keiner hier vernehme.
Platen 4, 235.
ähnlich von musikalischem vortrag (etwa 'andante' o. ä.):
dieser entlockte gemach der kremonageige melodischrieselndes
silbergetön, das oft in gezogener seufzer
weicheren laut hinschmolz.
Voss Luise 3, 2, 500.
d)
daher langsam, aus vorsicht oder trägheit o. a.: der gemach thut oder gemach gehet, der kompt auch ferrn. Henisch 1481; gehe gemach und lebe lang seind zween brüder. 1482; man musz gemach vom stall ausreiten. das.; wer gemach fehret, der kompt auch noch zu markt. das.; mit verzug und gemach fahren kan man vilen sachen helfen und rathen. das.; man sol den bauch gemach füllen. das.; wer zu geh ist zu unzeiten, der soll esel reiten, die gehen gemach. das., vgl. unter gähe 1, c; gemach kommt auch hernach, paulatim longius itur. Stieler 1196;
übel gfütert gemach geritten.
G. Wickram bilger H 3,
sprichw., wer schlecht füttert, musz langsam reiten, hat ein träges, mattes pferd (vergl. nd. mak unde mode 1, a am ende); hey gemach fährt man den berg auf. Garg. 86ᵃ (Sch. 147); der zapf ist klein und lauft gemach. 90ᵇ (157), d. h. der wein aus dem zapfen;
so mach von schnee einen pallen
und lasz den gmach herab fallen,
das daraus werd ein leenen (lauine) grosz.
Teuerd. 36, 22.
auch noch im 18. jahrh.:
die ritter führen ihn am arme ganz gemach
den bäumen zu.
Wieland Oberon 4, 27 u. ö.;
mit sanftem rieseln
schleicht hier gemach ...
ein heller bach.
Bürger 9ᵇ (das dörfchen);
der fischer singt im kahne, der gemach
im rothen wiederschein zum ufer gleitet.
Matthisson 110;
'thu ich nicht langsam genug?' aber der passagier sagte: ich schiesz dich todt, wenn du nicht gemach fahrst! Hebel 2, 201. in allmählich übergehend (s. e):
vom traurenden himmel sinken
die sterne gemach.
Fr. Müller 1, 101.
vergl. mhd. mit gemache III, 1, d, ε.
e)
daher auch für 'nach und nach', allmählich, d. i. eigentlich allgemächlich (s. gemächlich 2, c): darnach (beim fortgang des krieges, als sich nahrungsnot einstellte) kauft der rat die schaf alle, wenn man sie herbracht .. und man (d. h. der rat) bestellet schefer und liesz sie zu feld gin, und man stachs alle samstag gemach ab und wugs der gemain aus. Nürnb. chron. 2, 311, 27, nur samstags wurden sie ausgeschlachtet nach und nach, um die vorräte zusammenzuhalten; lasz es gar gemach erwarmen. Schm.² 1, 1559, 15. jh.; paulatim .. gemach, gmechlich, meylich, langsam. Alberus Dd 2ᵇ; gemach wird das kleine grosz, aber gähling wird das grosze klein. Henisch 1482;
die brust (des scheintodten) klopft, o! die wärm entsteckt der seelen haus
und theilet sich gemach durch alle glieder aus.
A. Gryphius verl. gesp. 35 (3, 13);
dort in den bittern abschieds-stunden,
wie deine schwester an dir hieng,
wie, mit dem land gemach verschwunden (bei der abreise zu schiff)
sie unserm letzten blick entgieng.
Haller 223 (160 Hirzel);
es stirbt der schimmer des himmels
gemach, und schatten und nacht läuft über thäler und hügel.
E. v. Kleist 2, 40 (frühl. 357);
doch die betrachtung schärft sein unvollkommnes wissen
und leitet den verstand gemach zu tiefern schlüssen.
Wieland natur d. dinge 1, 130;
wann auch mein stundenglas gemach zum ende rinnet.
Gotter 1, 431;
dem bei eigener habe gemach annahte das alter.
Voss Odyss. 1, 219;
wann der frost gemach entflohen.
Platen 1, 25.
f)
dafür auch 'gemach gemach' oder gemach und gemach, mit malender wiederholung (die man sich fortgesetzt denkt, vgl.nach und nach, immer eins nach dem andern): und wie sy (die päpste) gmach, gmach, inen (sich) die kaiser und könig unterworfen, auch gewehnet haben inen die füsz zu küssen. der verzuckt Pasquin 1543 C 7ᵃ; nach diesem ist auf einmal die gewalt und wissenschaft gemach und gemach verdorret. Opitz 1, vorr. 6ᵃ (geriet von dem punkt an in allmähliches verdorren); dessen ebene von dem gemach und gemach aufsteigenden gebirge gleich wie von einem kranze umbgeben ist. 2, 282; nun begreife ich sehr wohl, wie uns der dichter aus einer jeden leidenschaft zu der ihr entgegenstehenden .. ohne unangenehme gewaltsamkeit bringen kann, er thut es nach und nach, gemach und gemach u. s. w. Lessing 7, 121 (dram. 27);
gleich dem manne, der im traum von einem
hohen thurm gemach gemach herabfiel.
Platen 4, 246.
eine andere verstärkung ist allgemach (s. d.), auch alsgemach, s. d., Schm. 2, 542, das doch auch gleich so gemach (s. u. b) sein kann; vergl. allgemächlich.
g)
besonders geläufig war gemach thun, langsam, vorsichtig, bedächtig, schonend verfahren, vorgehen u. dgl. (s. c), aber auch auf trägheit angewandt (spöttisch):
kein besser narr in aller sach
ist, dann der allzyt kan thuͦn gmach
und ist so träg, das im verbrennt
syn schienbein, ee er sich verwent (am ofen).
Brant narr. 97, 2;
der wis man duͦt gemach allzyt,
ein gäher billich esel rytt.
35, 33;
hett .. Icarus gemächer gton.
40, 22 (s. unter a);
das etliche ungehewer erbeiten und haben doch kaum brod zu essen, ander thun gemach mit erbeit, den fleuszt es zu. Luther 2, 388ᵃ; dasz man dem herrn landgrafen ja wol einhielte, dasz s. f. g. gemach thät. br. 1, 336; mancher leszts im sawr werden und eilet zum reichthum ... dagegen thut mancher gemach, der wol hülfe bedürfte. Sir. 11, 11. 12; zu weilen thet die flamme gemach, das sie ja nicht verbrennete die thier. weish. Sal. 16, 18; die creatur, so dir als dem schepfer dienet, ist heftig zur plage über die ungerechten, und thut gemach zur wolthat über die so dir trawen. 16, 24; herr magister, thut gemach, wer weise sein will, der trinke des weins nicht zu viel. Alberus Es. 13;
verzieh die sach
ein kleine weil und thu gemach.
46ᵇ;
ach liebes weib, thu doch gemach.
161ᵃ;
vermahnete einer den andern, gemach zu thun und nicht so sehr zu eilen. Kirchhof mil. disc. 151; Theagenes wirt gemach thun, wenn er mich sihet, er ist doch nicht mehr denn ein knecht, wiewol er sich gegen euch stolz, hochmütig und verwehnet erzeiget. b. d. liebe 212ᵈ;
thu was gemach, und üb nit rach
an mir so gar geschwinde.
Ringwaldt geistl. lied. C 4ᵃ;
thu nur gemach, gib gott die rach.
D 3ᵇ;
man kan ein wenig thun gemach,
bisz sie sich aufruhr laszn merken.
Ayrer 210, 9;
darumb thut ein wenig gmach und wart,
bisz ihr erfahrt, wers hat gethan.
1896, 36;
er aber winket, dasz sie gemach theten und ihn zuvor hörten. Ayrer proc. 1, 7; ihr herren anwäldt, thut gemach. 1, 13; herr, thut ein wenig gemach. Moscherosch Phil. 1, 158, nehmt euch zeit; thu gemach, wilt du haben gemach. Henisch 1482; thu gemach und lach, so gewinst (überwindest) du alle sach. das.; thu gemach und sihe hinder wem du sitzest. das.; biszweilen musz man mit den gedanken gemach thun (sustinendae sunt cogitationes). 1482, man musz sie hemmen können; thu gemach, eile mit weilen. Lehman flor. 1, 182;
ich fühl', ach gar zu spat, o Amor, deine rach'.
halt an, du groszes kind, halt an und thu gemach.
Fleming 183 (Lapp. 216);
schmeh nicht bald und thu gemach,
jeder hat sein eigne schmach.
Logau 1, 2, 90;
wartet, betet, braucht glimpf, thut gemach. Schuppius 838; hierauf ist zu wissen, das christliche herzen billig gemach thun in ihrer arbeit, ob sie gleich arm sind, in betracht dasz die nahrung und das gedeyen nicht eigendlich in ihrer arbeit, sondern in dem segen gottes bestehet. Scriver seelensch. 2, 183; gemach thun in der arbeit, im bauen u. ä., esse parcum in operando etc. Aler 890ᵃ; du thust recht gemach und läszt dir zeit. Auerbach dorfg. 4, 13.
h)
daher gemach! als warnender zuruf, der zur vorsicht mahnt, auch gegen heftigkeit, anmaszung u. ähnl. gerichtet (wie sachte!), meistens gekürzt aus thut gemach, wie das z. b. bei Rist und Ludwig noch deutlich ist: gemach ins dorf, die bauern seind trunken. Henisch 1482, sprichwort; gemach, lieber eidam, gemach! Kirchhof wend. 73ᵃ (1, 91 Öst.);
gmach, junger herr ohn einen bart!
Weckherlin 481 (od. 2, 27);
gemach, ihr kinderlein, ihr freunde, thut gemach!
Rist Parn. 659;
gemach! gemach! thut gemach! peace, peace! be quiet! softly, do not speak so loud! Ludwig 732; gemach, mein herr, nicht so zornig! das.; no, no, thu gemach, parcius age, bona verba quaeso Aler 890ᵃ;
gleich läuft ein diener hin, klopft an das kloster an,
und so, als wenn das thor davon zerspringen solle.
„nu, nu! gemach! gemach!“ man fragt, zu wem er wolle u. s. w.
Lessing 1, 128;
derwisch. ich geck!
ich eines gecken geck! Nathan. gemach, mein derwisch,
gemach!
2, 211 (Nathan I, 3);
sie legte — ja doch! nur gemach!
schlagt euern Plato selber nach,
es läszt sich nur auf griechisch sagen.
Wieland 10, 150 (Diana u. End.);
richter. verhört! in ketten und banden nach der residenz geschleppt! edelmann. sachte! sachte! .. richter. man musz regimenter marschiren lassen! man musz haussuchung thun! edelm. nur gemach! Göthe 14, 304 (bürgergen. 14); gemach, mein herr, nach ihnen ist nicht gefragt worden. Kotzebue dram. sp. 3, 225; da .. sprang sie auf ihn zu, und als sie ihn mit thränen und liebe umarmen wollte, sagte er: gemach! wirf mich nicht um! Hebel 2, 205.
3)
das adverb auch in genitivischer form (vom n. des adj.), gemachs, wie stets, stracks, eilends u. ä. (das gemaches, das bei Lexer 1, 833 als adv. steht, s. unter III, 1, a a. e.):
vor Sygeth solches gschach vor tags,
auf Kawotzsch wider rucktens gmachs.
Schmelzl zug in das Hungarland 7ᵃ.
nur von nachlässiger aussprache ist gemacht, im 15. 16. jh.: er solt gemacht thuen, bisz sich die und diese gelegenhait zutruege. Zimm. chron. 4, 360, 19, geduld haben; auch als subst.: commodum, gemacht, nd. ghemacht. Dief. nov. gl. 103ᵇ, schon spät mhd. Lexer 1, 832.
III.
gemach als subst.
1)
es ist eigentlich gemächlichkeit, behagliches leben und wesen.
a)
das ist noch nhd. in voller deutlichkeit bis ins 17. jh. im bewusztsein geblieben.
α)
im 15. 16. jh. z. b.:
bringe zu trinken! mir wellen gemach han.
fastn. sp. 467, 14,
am schlusz des Neidhartspiels: wir wollen nach der arbeit uns wol sein lassen (vgl. unter δ vreude und gemach); 'mein gemach' hiesz, was ich zu behaglichem leben oder auch zum leben überhaupt brauche, auch speis und trank, wie ein jägerhund sich gegen seinen herrn beschwert:
ich was ganz wacker und ganz risch
und ward gespeist von deinem tisch.
nun ich aber bin worden alt ...
jetzt weigerst du mir mein gemach.
Waldis Es. I, 22, 26;
wenn gottes gaben, als reichthum, gewalt, ehre, gemach fürhanden ist, so sind sie so stolz und hart, das sie die ganze welt trotzen. Luther 5, 208ᵃ; (ritter) die nichts rhümen können (von sich), denn das sie harnisch füren und zwei bein über ein ross hengen ... und dafür das ganze jar gemach, lust, freude, ehre und guts gnug haben. 183ᵇ; das evangelion will und kan nit in groszen ehren, gemach, lust und gut herfürbrechen. br. 2, 442. als gegensatz zu arbeit und krieg (vgl. c), wie ahd., z. b. als Eulenspiegel in Marienthal mönch werden will, bescheidet ihn der abt: wolan in gottes namen, du arbeitest nit gern, du solt unser portner sein, so bleibstu in dinem gemach und hast mit allen kein kummernis noch erbeit. Eulensp. 89 s. 129 Lapp.;
wer lieber krieg hat dann gemach ..
der ghört wol in das narrenbuͦch.
Brant narr. 78, 16.
auch pluralisch, alle gemach, alle gemächlichkeiten, aller mögliche comfort: und als sie (die kaiserliche botschaft an die Engländer) gen Calis (Calais) kamen, wurden sie mit groszen ehrn empfangen, in ein guete herberg geweist (geführt), in alle gemach und ehr erzeigt. Wilw. v. Schaumb. 96; als durch welchs (weltliches regiment) uns gott allermeist unser teglich brot und alle gemach dieses lebens erhelt. Luther 4, 418ᵇ.
β)
im 17. jh.: wann du an einen königlichen hof kämest und würdest krank .. und der könig sagte zu dem marschalk oder einem kammerjunkern: ihr solt auf des Ascanii gemach warten und ihn fleiszig besuchen ... Schuppius 257; sprichwörtlich klein gepack, grosz gemach (eigentlich wol nd.), si tibi parva est res, est tibi magna quies. Henisch 1481, 14;
die jugend ist wol gut,
ist voller geist und mut ..
nur dieses mangelt ihr,
sie liebt nur ihr gemach,
denkt künftigem nicht nach.
Logau 3, 6, 6;
mich dünkt, gunst, ehre, macht, gemach und gute bissen
die stärken ihm das hirn, nicht aber das gewissen.
1, 5, 75;
seine (des fürsten) diener, seine lieben,
die für drang, zwang, pein und schmach (im kriege)
endlich mehr kaum kunten giben (atem holen),
hoffen luft und mehr gemach.
2, 148 (zugabe);
der zorn ist eine volle bach,
ist aber trucken von gemach.
2, 3, 67.
noch Stieler 1196 stellt als erste bedeutung auf commoditas, opportunitas, convenientia, concinnitas, congruentia, aptitudo, mit beispielen für das erste: es ist ein schlechtes gemach an dem orte, incommodum est hic habitare, im kriege nimmt man mit einem mittelmäszigen gemach vorlieb, in bello quaelibet commoditas grata est. noch Adelung gibt es als im hd. zwar grösztentheils veraltet, aber oberd. noch vorkommend, nd. z. b. ostfries. gerack un gemack, nothdurft und bequemlichkeit Stürenburg 346ᵇ, sprichwörtlich he sitt upp sin gemack un rookt 'n pip taback 68ᵃ.
γ)
das ist alles noch wie mhd., z. b. von der nachtruhe, ruhe und bequemlichkeit nach reise, kampf und arbeit, wo einem der wirt oder man sich selbst sîn gemach schaffet u. ähnl.:
man brâhte si ze ruowe   und schuof in ir gemach.
Nib. 251, 1;
der tac der hete nu ende,   si schuofen ir gemach.
1300, 1;
declachen hermîn   vil manegiu man dâ sach,
und von swarzem zobele,   dar under si ir gemach
des nahtes schaffen solden   unz an den liehten tac.
1764, 2;
swanne ich durch slâf al eine lige,
gemaches an dem bette pflige ..
Lichtenstein 549, 2;
diu ros si wolden dannen   ziehen an gemach.
Nib. 77, 1.
auch auf der reise, z. b. im schiffe, im gegensatz zum reiten:
ze Mîsenburc der rîchen   dâ schiften sie sich an ..
die wegemüeden vrouwen   die heten senfte und ouch gemach.
1317, 4.
auch auf das ganze leben überhaupt bezogen, lîbes gemach myst. 1, 13, 36 (vgl. geistes gemach unter e), êre und gemach 182, 4:
alsus der ritter orden stât,
daʒ er (der) gemach vil selten hât,
dem er beginnet lieben.
Virg. 211, 2 (Berl. held. 5, 41ᵃ);
wolt ich ingesinde sîn
iwer oder decheines man,
sô het ich mîn gemach getân.
Parz. 7, 22,
hätte ich in jemandes dienst treten wollen, so hätte ich mir ein gemächlich leben verschafft, sîn gemach tuon wol überliefert von der niederlassung und einrichtung, die es ursprünglich bezeichnet (s. I, 2, c), vergl. in andrer anwendung unter f.
δ)
auch verbunden vreude und gemach, wie bei Luther gemach, lust, freude unter α:
ir hôhen freude und ir gemach
künd ich gesagen halbeʒ niht.
Engelh. 3116. 3169;
und auch gemach schlechtweg für lust, vergnügen, wie ahd. gimah voluptas (I, 2, b) und nhd. unter α gemach han, sich ergötzen, s. z. b. sich zû gemache ziehen pass. K. 7, 12, seiner lust nachgehen, vleischlich gemach, sinnliche lust 619, 53, irdisch gemach myst. 1, 314, 34;
er was ir ougen ein gemach
und ir herzen wunnespil.
Konrad troj. kr. 13680.
gemaches vâren, nach gemach trachten (in den mhd. wbb. misverstanden): sie schiuhent ouch deheine arbeit .. noch vârent gemaches. myst. 1, 311, 27;
wer gemaches vâren (hs. voren) wil,
dem gît der lîp ursachen vil
zuo der sünden valle.
Pfeiffers übungsb. 149.
im sprichwort aber hiesz es:
swer niht lîdet ungemach,
dem wart nie mit gemache wol.
Herrand v. Wildonie s. 51. 145 Kummer;
man spricht, daʒ überig gemach
gesunde liute machet swach.
Boner 48, 149
in der moral einer fabel von überigem gemache; noch nhd. (Zingerle sprichw. im mitt. 49):
man spricht, zu viel gemach
macht gesunde leute schwach.
Körte 2466.
ε)
auch nl., z. b. hij houdt zijn gemak, bleibt in seiner gemächlichkeit, op zijn gemak nach bequemlichkeit, nach belieben, zijn gemak zien an etwas, seine lust und freude sehen, erleben. mnl. ghemack, gemac, z. b. einem gemac doen, ihn als gast gut versorgen, te ghemake sijn, in ruhe und behagen, befriedigt u. ähnl., einen met ghemake laten, in ruhe und frieden lassen.
b)
auch kräftiger gut gemach, nhd. wie schon mhd. (man sagte wol auch übel gemach für ungemach, anders bœser gemach Wig. 77, 15 u. d, ε), im besonderen wie im allgemeinsten sinne, letzteres z. b. von Jacobs traume von der himmelsleiter:
unde sach ouf und nider stîgen
engel die wîhen
unde sach got vil reinen
obene sich dar an (auf die leiter) leinen:
vil guot was sîn gemach.
genesis 54, 5 D.,
ihm wurde gar wol dabei zu mute, wie ähnlich bei herzog Ernsts gefährlicher fahrt durch den hohlen berg, als der karfunkel endlich dem schiffe leuchtet:
herzog Ernst alda für sich sach,
es daucht in gar ein guͦt gemach ..
gar wol ward im da zuͦ muͦte.
Haupt 8, 484;
der künic sîner geste   vil schône pflegen bat,
er hieʒ der wunden hüeten   und schaffen guot gemach.
Nib. 247, 3;
der (wirt) gruoʒte in unde vuort in dan
ûf daʒ hûs an guot gemach.
Iwein 4383;
dâ ir dô vil guot gemach
von der wescherîn beschach.
Boner 48, 121;
wann guͦt gemach und ware eer
in ainem dach wont nimmermer.
Schwarzenberg 153ᵇ,
hier von prächtiger, reicher, bequemer einrichtung, er gibt es als sprichwort; jedermann fület allein sein ungemach und gaffet (neidend) auf des andern gut gemach. Luther 5, 183ᵃ; im sause und gutem gemach leben. ders. (Dietz 2, 68ᵇ); denn es ist nicht menschen noch vernunft werk, den mammon, schöne wonung, gute ruge, gut gemach, freund, gnade .. verachten und laszen. 6, 11ᵇ; aber es ist ein leidige plage, das alle welt so hingehet, des frieden und alles guts und frewden (so der friede bringet) so misbraucht und nicht ein mal denket, woher sie solch sicherheit und gut gemach hat. 6, 133ᵃ, von ruhe und sicherheit in handel und wandel (vgl. c), wie im folgenden im staat der frösche:
da hatten die frösch ein fein sach
vor zeiten und ein gut gemach,
kein überlast und warn ganz frei.
Alberus Es. 20ᵇ;
es sind zwar etliche, die ihn (den frieden) wünschen, aber nur um ihres bauchs wollust und guten gemachs willen. Simpl. 2, 24 Kurz;
leibeigen wird er (der fuchsschwänzer) dem, bei dem er gut gemach
für seinen leib vermerkt u. s. w.
Logau 3, 216;
viel wissen ist wol schön, doch wer zu viel wil wissen,
musz ruh und gut gemach, wol gut und blut vermissen.
3, 224 (zugabe 35);
ist irgend eine schand, ist irgend eine schmach?
die hat bei unsrer welt hoch acht und gut gemach.
1, 5, 83;
die perle (d. h. die braut) kan geben
ein fröliches leben,
ergetzlichkeit, reichthum und gutes gemach.
Rist Parn. 210,
vergl. ahd. gimah schlechthin für conjugii portus unter I, 2, c; sprichwörtlich wer wil haben gut gemach, der bleib under seinem tach, testudo intra tegumen tuta est Aler 889ᵇ. noch z. b. in Pommern üm goden gemakkes willen (etwas thun oder lassen), um keinen verdrusz zu haben Dähnert 148ᵇ. s. auch gut gemach haben, sich beruhigen, ruhig sein unter d, γ.
c)
verbunden friede und gemach, von kleinen und groszen verhältnissen, vom einzelnen wie vom ganzen lande, z. b. auch als gegensatz zu fehde, anfechtung, aufruhr: zu merer sicherheit frides und gemaches in den landen. Haltaus 636 aus einer kais. urkunde von 1368; mit solchen rechten friheiten und gnaden, als die vorgen. gut, den hoff, die dörfer, den wald und den werder ir egenanter vatter hat gehabet und besessen mit friden und gemach. daselbst aus einer markgr. brandenb. urk. von 1347; daʒ in allen steten des hail. rom. richs, da zünft sind, er und wirdikait, fruntschaft, frid und guͦt gemach .. ufet und meret. Augsb. chron. 1, 142; die empörungen zu rugg und widerumb in frid und gemach zu stellen. Chmel urk. Max. I. nr. 39; den unsern (unterthanen) zu frid und gemach. Schm.² 1, 1559; darumb ist besser weinen, klagen, seufzen, denn lachen und frölich sein, singen, ruge, friede und gemach haben. Luther 1, 21ᵃ; musz man jerlich so viel wenden an büchsen (geschütze), wege, stege, demme und dergleichen unzelichen stücke mehr, damit eine stad zeitlich friede und gemach habe .. 2, 461ᵃ; damit man friede und gut gemach haben und on creuz leben möge. 3, 96ᵃ; das sie friede und gemach für im (dem herzog zu Braunschweig) haben, sicher wonen und sich neeren können. 8, 251ᵇ; wolt gern fried und gut gemach haben. tischr. 221ᵇ. nd. mak unde vrede mnd. wb. 3, 7.
d)
auch gemach für sich so viel als friede, auch ruhe u. ä., in wendungen wie mit frieden, z. b.
α)
mit gemache, wie sonst mit frieden, schon mhd., wahrscheinlich schon ahd. (s. auch unter ε): he sprach, ime wâre bat mit sîneme crûde an deme garden mit gemake, dan ime mit deme rîke wêre mit orlôge. deutsche chron. II, 115;
irn wellet besorgen
dise selben sache,
man enlât iuch mit gemache
niemer mêre geleben.
Iwein 7842;
hör und sich und versweig,
also mit gemach beleib.
Schm.² 1, 1559,
hör und sieh alles und sag nichts davon, willst du mit gemach bleiben, in der hs. mit der auslegung: dabei ist zu versten die jungen prediger und pfaffen, die nu nicht getürren noch wellen die warhait sagen. das.;
Pesolt, lasz uns mit gemach!
du wilt uns erst verwerren die sach,
die wir heut fru zu gut heten pracht.
fastn. sp. 569, 26,
wie lasz mich mit frieden u. ä. (s. unter friede 4, b);
es ist so gar ein feine sach,
wenn dise zwo ordn sein mit gemach,
wenn dise zwo ordn in flore stehn.
Henr. Cnostinus von der verordnung der stende (1539) E iij.
β)
auch gemach halten, wie frieden halten:
was zankt ihr so, halt doch gemach!
Zach. Poleus trag. von d. belagerung Samariae G iij;
darumb der du den starken schild
des edlen friedens haben wilt
und hin und her mit wort und schreibn
allweg unangefochten bleibn,
so halt (so viel an dir) gemach ..
Ringwaldt laut. warheit 373 (332),
unter der überschrift: wer friede haben wil, sol auch einen jedern zu frieden lassen.
γ)
ebenso gemach haben, d. h. halten (s. friede haben so unter friede 3, g, z. b. aus Pauli sch. u. ernst), auch kräftiger gut gemach haben (s. b), z. b. in einer aufforderung an den kaiser um 1520, in den religionsstreitigkeiten frieden zu gebieten:
drumb deucht mich, dasz nit underlieszt
und ernstlich rigel understieszt,
gebötst alnthalb in dieser sach,
das iderman het gut gemach.
zu kais. maj. u. s. w. B iiij (s. II, 832);
der sich an einem geringen genügen läszt und hat gut gemach. sprichw. Frankf. 1570 117ᵇ, d. h. zufrieden ist (vergl.zu frieden eben bei Ringwaldt).
δ)
in älterer wendung aber sein gemach haben, frieden halten, sich beruhigen, ruhig sein u. ähnl. (vergl. sein gemach thun unter f):
nun sweigt und habt ewer gemach,
so künd ich euch ein alte sach ...
H. Folz bei Haupt 3, 524,
der dichter denkt sich, wie ein fahrender sänger, in eine gesellschaft tretend, die er unterhalten will, wenn sie ruhig sein, ruhe halten will. man mahnte einen (auch sich selbst) damit von einem thun oder vorhaben ab:
wann ich dem esel gab ein slag (dasz er schneller gienge),
so kam gelaufn der Sarrazin,
er sprach: vil bald hab din gemag.
Hugo v. Montfort 226 B. (40, 133),
d. h. verhalt dich still, thu dem esel nichts;
kum ich zu ir (seinem weibe) und wil ains schimpfen,
so krümpt sie sich und wirt sich rimpfen
und sagt sich krank und macht sich schwach.
so denk ich denn: hab deinn gemach!
fastn. sp. 771, 16.
schon in mhd. zeit, z. b. zum heil. Ambrosius als kind, der seiner schwester nachahmend die hand des bischofs küssen will, von dieser gesagt:
tû hin (lasz es sein), habe dîn gemach!
pass. K. 241, 70.
auch habe gemach so, sei ruhig, beruhige dich, sei froh u. ä.:
Judas (Juda) ze sînem vater sprach:
herre, vernim und habe gemach,
wis in guotem muote,
dir enbôt Josep der guote,
er wære niht tôt,
ubir Egiptelant gêt sîn gebôt u. s. w.
genesis 100, 19 D.;
er hub sie (so l.) uf unde sprach:
nit weinent, durch got, hant gemach,
umb das ich von üch riten wil.
Dioclet. 7985.
es war wol das überlieferte wort, einen aufgeregten zu beruhigen.
ε)
besonders jenes mit gemache (s.α) war geläufig, im vielfachsten sinn, z. b. mit gemach sein, ruhig, nicht beunruhigt:
der Holczer sprach: seit mit gemach
und habt nit unmut in der sach,
wann dis wirt noch alz wol gesliht!
Behaim Wiener 233, 30;
swer mit gemache gerne sî,
der wone den fürsten selten bî.
Renner 5703 (städtechron. 15, 48).
mhd. mit gemache, gemächlich (vgl. II, 2, d. e), in einem traume:
dô chom mir mit gemache
von hove, der was lære,
des chuniges pechære,
den nam ich in mîn hant.
genesis 80, 37 Diemer,
vom herausgeber 2, 140 als langsam aufgefaszt, in der ältern fassung fundgr. 2, 58, 9 steht skiere dafür, der becher ist vielleicht heranschwebend gedacht;
want mit gemache niemen mac
grôʒe êre erwerben ...
bœser gemach ist êren frî.
Wigal. 77, 9, 15.
auch nhd. noch bei Aler 890ᵃ mit gemach komt man auch weit, paulatim longius itur. ahd. findet sich mit kemache für facile Graff 2, 635, eigentlich ohne mühe. vgl. mnd. mit make, mit godem make wb. 3, 7ᵇ, noch jetzt götting. med gemâke, gemächlich, langsam Schambach 62ᵃ.
e)
auch von ewiger ruhe und frieden im himmel, ahd. himiles gimacha Otfried I, 1, 56:
(lehre) die sante Peter aldâ lieʒ (in Rom)
und sie nâch im geben hieʒ
allen gotes kinden
und sie dâmite binden
in daʒ êwige gemach.
pass. K. 49, 49;
darumb wilt du iemer hie und dort zu gemach komen, so must du alle ding verlon. Keisersberg seelenpar. 4ᵇ (zur sache s.gelassen). auch sêlen gemach Karlm. 12, 35, geistes gemach, geistlicher friede und ruhe:
ze solhen (geistlichen) hûsen was er gerne
durh des geistes gemach.
Lamprecht v. Regensburg Franc. 3380;
ûf dem himel ist daʒ dach,
dâ diu sêle an ir gemach
zû ir gemechîde sitzet.
1765 (wie die taube, s. 2, a).
f)
dagegen auch recht irdisch von erleichterung des leibes, d. h. als schonendster, gebildetster ausdruck:
do gieng er ettwe verre davon
und wolt ettwaʒ sines gemaches tuͦn.
Büheler Dioclet. 5600,
es war wol der vorsichtige ausdruck, mit dem man das weggehen entschuldigte, was besonders auch in dem etwaʒ liegt, eigentlich etwas (ungenanntes) das zu 'meinem gemach' gehört, wie mnd. z. b. einem kranken wat gemakes dôn wb. 2, 50ᵇ, eine erleichterung verschaffen u. ä. (vgl. sîn gemach tuon, sichs behaglich machen unter a, γ und mein gemach seelisch, geistig unter d, δ). die wendung musz willkommen und in allgemeinem gebrauch gewesen sein, dasz man dann den bloszen gen. nahm, zu dem eigentlich jenes etwas gehört: es det ain knecht seins gemachs vor ainem stadel u. s. w. Augsb. chron. 1, 114, Mones anz. 6, 374; liebe muͦter, wan du wilt deins gemachs thuͦn, so ker den ars von dem wind u. s. w. Eulensp. hist. 90; was sollen dise welsch flecken und hader, decken den ganzen leib nit .. und wa einer im feld seines gemachs, mit züchten zu melden, musz thun, bedeckens einen nicht u. s. w. Aventin. chr. 336ᵇ, Moscherosch Phil. 2, 81. daher selbst seines gemachs gehn: gemachs gen zu der natur, secessus (d. i. 'abtritt'). voc. inc. teut. h 7ᵃ, vgl. Dief. s. v. secessus; und so er seines gmachs gangen ist, soll er sich umb und umb wol reinigen. Frank weltb. 144ᵃ;
wer seins gmachs sol gehn
und im ist not und bleibt doch stehn.
H. Sachs II, 4, 95ᶜ;
sag mir gut teutsch, als ich dich bit (der arzt),
mag dein bawer seines gmachs gehn?
5, 355ᵇ.
doch auch mit acc.: wan er sahe daʒ sie (die kinder) giengen und detten ir gemach hinder die husthür, ein kind nach dem andern. Eulensp. hist. 81, vgl. im mnd. wb. 2, 51ᵃ sîn gemak dôn, aber auch sînes gemakes. begreiflich ist der gen. bei sich begehn: die gemain onzucht in dem, das die schulkind sich uff den gassen und offnen orten ires gemachs begeen. Schmid schwäb. wb. 369 aus Ulmer rathsacten von 1563; niemand sol sich seines gemachs weder auf dem kirchhof noch in der kirche begehen. das vom j. 1529. s. auch gemach vom abtritt unter 2, g, gemachstuhl.
g)
auch etwas bestimmtes, das zum gemach gehört oder dient, gemach verschafft, wurde kurz ein gemach genannt, z. b.:
er (gott) sprach: nu werde lieht!
dô er dô daʒ gesach,
daʒ lieht was des mennischen gemach,
dô schiet er dâ sundir
da ʒ lieht von der vinstir.
genesis 2, 25 D.,
vom herausgeber als freude aufgefaszt (vgl. 1, a a. e.), in der andern fassung aber daʒ lieht guot was fundgr. 2, 12, 10, d. h. den menschen. in einem preis des weines heiszt er u. a.
ein milt ergetzlich süesz gemach.
Brant thesmoph. 396 (s. 150ᵇ Z.).
vergl. ahd. gimah compendium unter I, 2, c a. e.
h)
daher für commodum, als allgemeinster begriff wie im besondersten falle, noch im voc. 1482: gamach (so), bequemmigkeit, commodum, aptitudo, convenientia l iijᵇ, vgl.d ijᵃ, auch in andern vocc. commodum ein gemach, mach Dief. 136ᵃ, wie ahd. gimah commodum und als adj. commodus. im liede vom herzog Ernst, als der karfunkel endlich die gefährliche finsternis bricht, jubeln die helden:
das liecht bringt uns guͦten gemach.
Haupt 8, 484.
daher auch zu gemache, in commodum, ahd. allero werlte ze gemache Graff 2, 635 fg., mhd. z. b. von der lehre Christi, welche geheimnisse in kurze fassung brachte,
vil manige hôhe sache
uns armen zû gemache (var. mache).
vaterunser 107;
dô vlôʒ ûʒ dem gesteine
ein waʒʒer lustsam genûc,
daʒ sich in zû gemache trûc.
pass. K. 222, 4.
mnd. tô gemake, tô make, z. b. der verfasser des richtsteigs landrechts will schreiben gode unde .. Marîen tô êren unde der werlde tô gemake u. s. w. Homeyer s. 85, ein rechtstag wird so und so gelegt dem grêven tô êren unde tô make mnd. wb. 3, 7ᵇ, vgl. tô make schicken, bequem einrichten (Christo dat hûs dînes herten) 7ᵃ, 48. mhd. auch gemach von der thätigkeit, die einem andern gemach schafft; wie z. b. ein wolf, der eine bäuerin im felde ihr kind wiegen sieht,
waʒ disem kinde was beschehen
gemaches von der muoter sîn,
und da es allein gelassen weint, barmherzig es wiegt wie die mutter, so heiszt das:
des wolves dienstlîch gemach
ersâhen die gebûren dâ.
J. Grimm Reinh. f. 352,
also dienstfertiges gemach tuon auch selbst kurz gemach genannt, es musz sich mehr finden.
2)
auch gemach von zimmer, kammer, haus ist nur eine besondere anwendung des vorigen begriffes.
a)
wie der ursprüngliche begriff in den neuen übergieng, zeigen ungefähr stellen wie folgende: zimber oder maur, die ich auf der purch mache mir ze gemache oder nôtdurft. Schmeller 2, 542, vom jahre 1296;
îslîch sîn gemach irkôs,
dâ her iʒ beste mochte haben.
stappen, zelden unde draben
was ûf den hof ..
braunschw. reimchr. 8056 (deutsche chron. II, 559ᵃ),
von einem heere das in einem kloster sich unterkunft sucht, nachdem die herren im heere erklärt hatten, sie wollten nicht mehr ungemaches plegen (im freien), man bemerke sîn gemach, eigentlich seine bequemlichkeit (vergl. sîn gemach tuon 1, a, γ und d, δ), im unmittelbaren anschlusz an die wendung vom gaste, dem der wirt oder er sich selber sîn gemach schaffet 1, a, γ, was ja den schlafraum schon einschlieszt, deutlich wenn es heiszt den gast an sîn gemach wîsen, vüeren. wie wenig aber dabei eigentlich ein geschlossener raum notwendig ist, zeigt die wendung von der taube:
sie ist ouch gern an ir gemache
bî ir gemechîd ûf dem dache.
Lamprecht v. Regensburg tochter Sion 1713,
neben ihrem gatten (s.gemächte 1) ist sie an ir gemache, auch auf offenem dache, was gerade dem urbegriffe unmittelbar die hand reicht (s. I, 1); vergl. beides beisammen, haus und eheliche häuslichkeit als gemach, im 15. jh. (vgl. ahd. gimah conjugii portus):
Urias, far haim an deinen gemach ..
schaff dein gemach bei deinem weib.
Schmeller² 1, 1559,
wie noch in einem nd. sprichworte frêen (freien) under ên dak is grôt gemak Fromm. 5, 427. ebenso, wenn die eule den vögeln den rat gibt:
drumb folget und fliegend mir nach,
habt in den löchern ewr gemach (wie ich),
da mögt einander wonen bei
und seit auch für dem sperber frei.
Waldis Es. II, 27, 86.
also gemach ein unterkommen mit dach und fach, wie ungemach ohne dach und fach. wie allgemein der begriff eigentlich ist, sieht man, wenn z. b. auch das unterkommen für eine gröszere zahl menschen und pferde ein gemach heiszt: die andern zwen bischof zugen in ain gemach in Salmanswiler hof, mit xxiiij pfärden und so vil lüt. Richenthal chron. des Constanzer concils 44 B., noch deutlicher, wenn auszer einem kloster auch sein gebiet gemak genannt wird, s. im mnd. wb. 2, 51ᵃ, 38: dat we de sulven stede (stätte) unses klôsters unde anders unses ghemakes brêden noch lengen ne mogen, nicht ausdehnen dürfen, also die ganze niederlassung auch auszer dem hause (vergl. gemachzaun).
b)
es heiszt auch deutlicher hausgemach, mhd. hûsgemach, mnd. hûsgemak, noch nhd. deutlich mit vorwiegen der gemächlichkeit, ruhe, geborgenheit u. s. w., s. unterhausgemach, besonders fried und hausgemach bei Waldis (wie oben friede und gemach 1, c) und im 17. jh. ein losament für gut hausgemach. es hiesz sein hausgemach haben, seine häuslichkeit Luther tischr. 221ᵇ (gleich fried und gut gemach vorher das.), mhd. eigen gemach mit eignem hause, auch hûsgemechelîn, kleine, bescheidene häuslichkeit:
weistu wie der igel sprach (in der fabel)?
'vil guot îst eigen gemach'.
zimber ein hûs, Kerlinc u. s. w.
Spervogel minn. frühl. 26, 35 (Kerlinc fahrender,
s. ↗Gebhart a. e.);
dâ bî ist manic arm man,
den nieman dar zuo bringen kan,
daʒ er ze hove welle sîn,
dem lieber (l. baʒ?) sîn hûsgemechelîn
als der âmeiʒen tuot ir hol.
Renner 5700.
daher auch lat. commodum als übersetzung des deutschen wortes (es ist in diesem sinn nicht altlat.): gemach oder camer, commodum. voc. theut. 1482 l 3ᵇ; mach, kammer, commodus (so). Mones anz. 7, 302; commodum, ghemak, kammer. Dief. 136ᵃ. damit musz wol auch die kommode zusammenhängen, das franz. commode, das zwar erst im 17. jahrh. aufgekommen sein soll (s. Littré), aber vielleicht aus dem volksgebrauch, vergl. e, α gemach von den fächern eines schrankes.
c)
der neue begriff musz doch zugleich sehr alt sein, dafür bürgt wol ahd. gimahhôn, mahhôn struere, exstruere, instruere (domum, s.I, 3) und gimah conjugii portus, das wie das ganze wort, adj. und subst. wie verb., auf gemeinsame einrichtung zu geborgenem hausen im gegensatz zu wanderung, krieg, arbeit als seinen begrifflichen mittelpunkt weist (s. I, 2, c), vom ganzen begriffe ist gemach häuslichkeit und haus so zu sagen die notwendige schale; so kann es nur zufall sein, dasz diesz ahd. noch nicht bezeugt ist. noch lange übrigens zeigt es sich in gröszter allgemeinheit des begriffes, mhd. z. b. sowol von einer armen wohnung (vgl. unter f, α) wie von einer burg:
nu saher inrehalp dem tor
ein wîteʒ wercgadem stân,
daʒ was gestalt unde getân
als armer liute gemach.
Iwein 6189;
biʒ sie (die deutschen kaufleute) bûweten ein gemach
bî der Düne ûf einen berc.
dâ bûten sie ein êrlîch werc,
eine burc sô veste u. s. w.
livl. reimchron. 215,
die burg als gemach, sicherer gemeinsamer aufenthalt.
d)
noch nhd. erscheint dieser allgemeinste begriff, wenn z. b. ein gefängnis so heiszt: mein gnediger herr zu Hessen hat auf mein bericht, wie beschwerlich es sei, das er herzog (der gefangene herzog von Braunschweig) also ledig auf dem waal im schlosz, auch sonst umgehen sol, alsbald .. bevolhen, ine nit mer aus seinem gemache laszen geen, welche auch wol vergittert werden (also wol mehrere räume). Schertlin br. an die stadt Augsburg 43, hier mit dem begriff der festigkeit oder sicherheit in anderm sinne; s. im mnd. wb. 2, 51ᵃ, 45, wo ein feind in der stad gemak unde behold gebracht wird, ein anderer urfehde leistet, er wolle in ein gemack gân, also geradezu für gewahrsam, gefängnis. es heiszt auch ausdrücklich festes, starkes gemach, wie das gemach an der Düna vorhin: da treibt er denn, das man feste starke gemach, schlosz und stedte bawe, auf das man sicher sei für den feinden. Luther 3, 247ᵇ, gemach als das allgemeine, das dann durch schlosz und stedte bestimmt wird. ähnlich auch gemach für brieftauben, im orient: so bringt man dann die tuben (taubenpaar) künig Soldan und behelt die tubin und bezeichnet den tuber, das man wisse, usz welcher stat er sy, und tuͦt in dann in einen besondern gemach, der dorzuͦ berait ist, und lat kein tubin mer zuͦ im. Schiltbergers reisen 110, er wird darin abgeschlossen. ganz im ältesten sinne aber noch folgendes gemach, auf bäume als dach bezogen:
doch als ich ankam (beim baume), war bereits so schwach
der brand des tags, dasz ich, mich zu erfrischen
nicht nöthig hatte schirmendes gemach.
Rückert ges. ged. 1, 190;
o schmücke dich, du grün belaubtes dach,
du sollst die anmuthstrahlende empfangen!
ihr zweige, baut ein schattendes gemach,
mit holder nacht sie heimlich zu umfangen.
Schiller XI, 208 (die erwartung).
e)
bemerkenswert aus dem älteren gebrauch ist noch
α)
gemach als fach in einem schranke, im 15. jahrh.: ein hulzen kisten mit vier gemachen, dar inne all berurte stuck und dink (der stiftung) behalden und gewisslich ingelegt sollen werden. Leipziger urk. 1, 169, truhe mit vier fächern, vielleicht schon mit schiebbaren kasten, schubkasten, sodasz es dem späteren commode nahe träte oder damit eins wäre, s. dazu b a. e.; gemach begrifflich ein sicherer ort, etwas zu bergen (vgl. u. d). auch für schrank selbst: gemach, darein man allerlei werkzeug legert (gedr. begert), armarium, promtuarium. Henisch 1480, 59, eigentlich vielleicht in der wand (vgl. känsterlein).
β)
ähnlich ist gemach am haus als stockwerk, schon mhd.: man mûʒ (darf) ouch wol bûwen âne sînen (des richters) orlop .. des (falls) man eine thore mache an deme nidersten gemache. Sachsensp. III, 66, 3 Leipz. hs. nr. 947, 14. jahrh.; es (das gebew) was dreier gemach hoch, und hatten doch keine pfeiler, sondern sie waren schlecht auf einander gesetzt. Luther Ezech. 42, 6; tristega, ein haus das drei gemach ob einander hat. Junius nom. 139ᵃ, Henisch 1480; eodem hoc anno (1547) ist die schule zu S. Niclas noch umb ein gemach höher aufgeführet worden. Heydenreich Leipzigische cronicke 234; bei Schmeller 2, 542 noch aus Augsburg. ebenso übrigens gadem 6 (es ist auch haus und schrank) und kar 5, vielleicht auch kammer, da jenes tristega, das übrigens mehrdeutig ist, auch mit haus von dreien kamern erklärt wird Dief. 597ᶜ.
γ)
in reimformel dach und gemach, wie dach und fach, vielleicht zugleich im anschlusz an die vorige bedeutung: tach und gmach, sarta tecta. Schönsleder Hh 5ᵈ, Schmeller 2, 542, der aus Richenthals chron. des Constanzer concils beibringt: und solt der hauswirt geben tach und gemach; tirolisch im 16. jahrh.: es hat unser herr sogar kein gemach noch tach gehabt. Schöpf 409. da berühren sich wieder gemach und fach, wie unter α.
f)
gemach als behausung, zimmer, wohnraum u. ähnl.
α)
mhd. als allgemeinster ausdruck, z. b. von einer hütte armer leute (vgl. unter c):
den harnasch si dô nâmen
und truogen in in ir gemach.
Wigal. 142, 26,
es ist ein glêt, von rohr und reisen geziunet (durch flechtwerk hergestellt), aber eben so gut vom arbeitszimmer eines arztes:
hin fuort er si zestunt
in sîn heimlîch gemach.
arm. Heinrich 1181.
β)
nhd. auch noch von der ganzen behausung oder wohnung (vergl. mhd. gemach als burg unter c): sich in ein heimlichs stüblein, so in ihrem gemach war, setzten, anfiengen einen brief zu schreiben. buch d. liebe 240ᵇ; das gemach, darinnen Cybelen wohnete, welches von andern gemachen abgesöndert war. 210ᵇ, von verschiedenen wohngebäuden eines schlosses, wie im folgenden die gemach einer leer stehenden burg auch gemeint sein können:
do giengen sie in die gemach,
sie trunken unde aszen u. s. w.
lied von herz. Ernst 26, 2 (Haupt 8, 485).
auch im folgenden ist noch mehr haus, als zimmer gedacht: so bald er abgestigen und ins gemach getretten, da war nichts als alle freud, viel tausent willkomm ... Garg. 239ᵇ (Sch. 450); was ists von nöthen, dasz wir die zeit so früh auf der gassen zubringen. herein, herein ins gemach. wer unglück suchet, der verdirbet darinnen. A. Gryphius 1, 763 (Horrib. 11 Br.), als bergender raum. noch jetzt schweiz. z. b. im Entlibuch gmach n. gebäude Stalder 2, 188, für den nordosten oder osten bezeugt durch entlehntes poln. gmach, auch noch groszes gebäude, also wie jene burg in Livland, die Deutsche erbauten. in Augsburg aber ist gemach m. auch noch wohnung, logis Schm. 2, 524, vergl. Henisch unter δ eben aus Augsburg und schon im 14. jahrh. unter 3, a, im 15. unter 3, b.
γ)
als zimmer oder raum im hause oder gebäude, im 16. jh. neben kammer (d. h. besondres wohnzimmer): das haus bawen heiszt hie nicht alleine holz und steine aufrichten, das man wende und dach, kamern und gemach habe. Luther 2, 387ᵇ; versamlet das volk ... (auch) der breutgam gehe aus seiner kamer und die braut aus irem gemach. Joel 2, 16; und ein liecht schein in dem gemach und schlug Petrum an die seiten. ap. gesch. 12, 7 (οἴκημα, aber als gefängnis); und David gab seinem son Salomo ein furbild der halle und seins hauses und der gemach und saal und kamern. 1 chron. 29, 11; die gemach, so beider seits neben dem thor waren. Ezech. 40, 7 ff. (vgl. kamern 42, 1 ff.); darauf waren genge allenthalben herumb, geteilet in gemach. 41, 5; auch die comedien und spil, die man sonst auf offnen plätzen und häusern spilet (praet.), macht man ihnen (den reichen) zu lib in iren häusern und gemachen. Fischart pod. trostb. 735 Sch.; alle säl, kammern und gemach waren mit vilerlei tapezerei behenket. Garg. 281ᵃ (Sch. 530); der liesze in seine gemach räder an die wänd mahlen. Zinkgref apophth. 2, 23; wann er mit einem schönen mägdigen alleine in einem gemache säsze. Olearius pers. ros. 5, 12; ins gemach, darin die trauerleute versamlet sind. Schuppius 633. auch nl. gemak, ein haus z. b. heeft veele schoone gemakken.
δ)
die weite des begriffes noch im 17. jh. zeigt z. b. Stielers aufzählung der verschiedenen gemächer sp. 1197, im hause eszgemach, schlafgemach, gastgemach, dann vorgemach atrium, vestibulum, nebengemach, obergemach solarium, hindergemach, aber auch fürstlich gemach neben gesindegemach. so bei Henisch 1480 vorangestellt zwar gemach, losament, ein sälin oder stuben mit einer kammeren, darinn in den volkreichen stätten arme hausleute wohnen (d. h. nur die nicht hausbesitzer sind, also mietwohnung und zugleich unter β gehörig, s. dort aus Augsburg), dazu gemach (pl.) oder häuser umb zins verleihen, dagegen eigen rauch und gemach ist über alle sach, dann aber auch königingemach, das frawenzimmer, gynecaeum (so), auch studiergemach, stüble, museum, gemach für die kranken. im 16. jh. undergemach, saal, coenatio Dasyp. 338ᶜ, warm gemach im bade, caldaria cella das.
ε)
gegenwärtig ist es aus dem hausgebrauch eigentlich entfernt, wie es schon Adelung gefunden haben musz, der es als zimmer gibt, 'am häufigsten im Oberdeutschen (s. z. b. Schmeller 2, 542 aus Augsburg) und in der höhern schreibart der Hochdeutschen, besonders von den zimmern eines palastes'. doch greift man noch zu gemach, wenn man kein rechtes wort findet für einen raum, der eben kein zimmer o. ä. ist und in dem irgend etwas unter dach und fach geschehen musz, anderseits dient es noch, um sicherheit und geborgenheit zu bezeichnen, also den alten kern des begriffes, wenn es z. b. von fürstlichen herrschaften heiszt, dasz sie sich in ihre gemächer zurückziehen (oder in ihre apartements), der kaiser verbrachte den abend in seinen gemächern; ebenso:
in deiner zimmer einsamstem gemach
entledige sich dein gerechtes ach!
Göthe 11, 378;
der jüngling schleicht beschämt in sein gemach ..
und still in des gemüthes innerstem
beschwöret er ein heiliges gelübd.
Uhland ged. 364 (bildsäule des Bacchus).
so im 17. jh.: penetrale, das innerst gemach im haus oder templ. Schönsleder T 6ᶜ, das innerste gemach Stieler 1197, früher auch einfach ingemach (s. d.), mhd. heimlîch gemach (s.α), wie noch im 15. jh. conclave heimlich gemach Dief. 139ᵃ.
g)
heimlich gemach oder kurz gemach heiszt aber auch das geheimste gemach im hause, der 'abtritt' (gleichfalls apartement, vgl. bei seite gehn u. ähnl.).
α)
der ausdruck galt lange, schon mhd.: ainen haimelîchen gemach ze einem privât bauen. Lexer 1, 833 vom j. 1316, vgl. mnd. unter β; auch so soll ein paumeister (der stadt) in acht haben und alle jar die gemeinen heimlichen gemach, die auf der Pegnitz sein, do die mann und frawen auf geen, eins (einmal) raumen und saubern laszen, alleweg umb Martini, ee und die kelt angeet .. der gemache und heuslein ist eines hinter dem wildpat u. s. w. (folgt die aufzählung). A. Tucher Nürnb. baumeisterbuch 113, 24. 27, auch weiterhin blosz gemach genannt (s.β); die füsze decken heiszt auf das heimlich gemach gehen. Luther gl. zu 1 Sam. 24, 4; und ist der grosze blutkrieg (mit Bock Emser) ubers arm papir gangen, welchs dadurch aufs heimlich gemach und in die apotecken gemehret worden ist. schr. 1, 369ᵃ u. ö.;
wolt mich nider legen zu bett
und ein scholar mir leichten (leuchten) thet
(mit urlaub) auf ein heimlichs gmach ..
Ayrer 2351. 28,
trotz dieses höflichen mit urlaub (mit erlaubnis zu sagen) ist es, da ihm im schwank eine wichtige rolle zukommt, gewöhnlich mit dem einfach derben ausdruck benannt, aber auch secret 2346, 14, privet 2347, 10. auch in wbb., z. b. haimlich gmach, latrina Schönsleder T 6ᶜ, noch bei Aler 889ᵇ, Adelung, Campe. auch nl. heimelijk gemak.
β)
bemerkenswert aber auch kurz gemach, schon mhd. bei der aufzählung der theile eines hauses 'commodum, gemach' Schm.² 1, 1559, vergl. mnd. in der sächs. weltchronik: he (Tarquinius Priscus) schôp ôc allerêrst dat gemach (so, nicht gemak), dat we hêtet sprâchûs. deutsche chron. II, 82, 5 (wie mhd. sprâchhûs, mit ausgesuchtestem scherze), im lat. texte commodum quod privatam dicimus. noch jetzt z. b. in Ostfriesland kurzweg gemakk Stürenburg 68ᵃ, auch nach dem norden weitergewandert, in schwed. mundarten mak (auch makhus) Rietz 425ᵇ, auch finnisch maki.
γ)
das ist aber nicht kürzung aus heimlich gemach, sondern der begriff von gemach selber in seiner schärfsten anwendung, als sicherster, geborgenster raum, wo man sein gemach thut, wohin man seines gemachs geht, wie es hiesz, s. 1, f; dafür auch, zugleich räumlich gedacht, zu seinem gemache gehn, mhd.: eteslichen zwain siechen ainen schæphinen pellitz (zu geben), swenne si zuͦ ir gemache gehent. regel des spitals zu Jerusalem bei Schm.² 1, 1559. ebenso mnd. tô sîneme make gân Sch. u. L. 3, 7ᵇ. ebenda mak sogar für den unrat der sich da sammelt, es ist von einem flusse die rede, in den die bewohner können ere mak bringen lâten. auf das entsprechende franz. aller à l'aisance, aux commodités macht Schmeller aufmerksam, auch der ort selbst heiszt commodité, eben wie gemach, das schon ahd. mit commodus, commodum gegeben wurde.
h)
bildlich z. b. von der alten eintheilung des himmels, wie haus (s. d. 12):
wenn ins widders oder leun gemach
im merzn odr ernt die helle son
glücklich anblickt den halben mon.
Rollenhagen froschm. I, 2, 17, 140 (1, 138 Göd.).
aber auch in obscöner anwendung:
trauern macht manche frauen verzagt,
das sie einem das unter gemach versagt.
fastn. sp. 745, 17.
3)
zur form ist noch zu erinnern
a)
neben dem n. ein masc., schon mhd. und oberd. bis jetzt, und zwar in beiden bedeutungen, z. b.:
man schuof im guoten gemach
von cleidern, spîse unde bade.
Iwein 3648, vgl. 1, b,
dagegen bœser gemach Wig. 77, 15 (s. 1, d, ε); swer sich ... wil überladen mit swærer bürde irdischer habe oder sich in den gemach legen wil, den bestrîchet der vînt (der teufel) vil lîhte an dem âbende des tôdes. myst. 1, 314, 31, sich in den gemach legen, einem gemächlichen leben hingeben (hs. gmach, in vier hss. übrigens daʒ gemach);
das liecht bringt uns guͦten gemach.
lied von herz. Ernst 22, 4 (s. 1, h);
für behausung, zimmer:
er verstal sich tougen als ein diep
hin in daʒ hûs an einen gemach,
dâ man in hôrte noch ensach.
Stricker kl. ged. 4, 81;
lât ein man dem andern sîn hûs oder sînen gemach ... Augsb. stadtb. s. 149, wohnung, s. unter 2, f, β a. e.; und tuͦt in (den tauber) dann in einen besondern gemach. Schiltberger 110, s. 2, d; vergl. bei Schmeller 2, 542 fg. bair. belege aus dem 14. 15. jahrh., wie z. b. in Passau die fremden krämer kainen gedingten gemach in der stadt haben sollen (nur auf der strasze feil halten, sich nicht einmieten), in einem Ingolstadter kloster: wan ein seelschwester stirbt und der gemach ledig wirt; conclave, verschloszner gemach. Dief. 139ᵃ, voc. inc. teut. ii 3ᵇ. noch im 16. jahrh. schweiz. in der ersten bedeutung, von den eidgenossen nach einer schlacht:
ich wil üch warlich sagen,
sy habend guͦten gemach.
Körner hist. volksl. 87.
noch jetzt bair. der und das gemach Schm. 2, 542.
b)
der plur. ist jetzt gemächer, schon im 17. jahrh. z. b. bei Stieler 1197; im 16. jahrh. dagegen noch die gemach, dat. gemachen, s. unter 2, f Luther, Fischart u. a. zum masc. aber gehört als pl. gemäche, gemech, z. b.: im 1460 jar verpran der herrn stainhaus ... und ist ze wissen, dasz acht gemech und behausung darinn waren, und gieng das feur auf ze oberst in dem haus in ainem gemach der was Peter Lemenitt (als gen.). Augsb. chron. 2, 242, d. h. mietwohnungen (s. 2, f, β a. e.); das wasser .. thet auch gar grosz scheden in kellern, in den underen gemechen, und die kacheloven schwummen in den stuben die auf der erden waren. Nürnb. chron. 1, 412, es sind wol stockwerke (s. 2, e, β).
c)
für die aussprache des tonvocals ist ein schwanken zu bemerken zwischen länge und kürze; schon Adelung gibt zwar nur gemāch an, für subst. und adj. (neben gemăch als subst. verb. zu machen, s. 5), aber gemächer mit kurzem vocal, und auch gemăch hört man doch noch. auch die volkssprache schwankt, Schambach 62ᵃ z. b. gibt nd. gemâk n. gemächlichkeit, Dähnert 148ᵇ aber gemakk, wie ostfries. gemack (s. 1, a, β a. e.), nl. gemak, pl. gemakken. aus der Schweiz aber gibt Hunziker 108 als subst. gemāch n., als adj. gmăch.
4)
es mischt sich aber auch mit gemächte, auch in dessen jetzt geläufigster bedeutung, im 16. jh., gewiss älter: wa aber ein feuchtigkeit dainnen (in dem bruche), da soll man es öffnen, nämlich an den kindern das gemach, .. darnach, so das gemächt durchschnitten ist, so soll man die säcklin daselbs hinziehen und die feuchtigkeit auslassen. Kuffner Celsus übers. 127ᵇ; welchen aber die adern mittel über das säcklin geschwellen, den soll man das gemach schneiden. 128ᵃ (inguen Celsus); noch tirol. so gmach n., auch das heimlich gemach in hexenproceszacten Schöpf 408 fg., luxemb. gemâch Gangler 173. vgl.gemächte II, 6, c umgekehrt gleich gemach.
5)
auch gleich gemächte machwerk, nur verächtlich, z. b. ein elendes gemach, eine elende arbeit Adelung. nd. z. b. im Göttingischen dat âle gemâke Schambach 62ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1884), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3122, Z. 8.

gemäch, n.

gemäch n
nebenform zu gemächt (s. d. II, 6, c), gewiss schon mhd. gemeche neben gemechede, im 16. 17. jh.: was der mensch zerbricht, kan er auch widerumb machen, und das gemäch wider zerbrechen. Paracelsus 1, 295ᶜ; dieses alles sind ja Adamskinder und eines gemächs mit einander. Simpl. 1685 1, 94 (urspr. gemächts). auch gleich gemächt genitalia, schweiz. gmäch, dim. gmächli Stalder 2, 188, mrh. gemäch Kehrein Nassau 1, 158, schon im 15. jh. gemech Dief. 229ᵇ; vgl.gemächstosz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1884), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3139, Z. 26.

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