genügen
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3507, Z. 8
satisfacere, goth. ganôhjan, ahd. ginuogian, ginuogan, mhd. genüegen, mnd. genôgen, nôgen, nl. genoegen. im 15. 16. jh. hochd. auch genungen, genüngen, nach genung für genug, s. dort. ganz gleich geltend übrigens anfangs benügen, mhd. benüegen, s. unter 1, b ff.
1)
in die vorgeschichte zurückweisend ist eine auffallende verbindung mit acc. der person, die sich noch nhd. zeigt.
a)
ahd., mhd. (s. die wbb.) z. b.:
in erdu gab er in then geist,   thaʒ man (die menschen) firnemên thaʒ io meist,
thaʒ minna sie ginuage   joh karitas gifuage.
Otfr. V, 12, 68,
dasz die liebe ihnen genügen und freude geben (s. 3, a) und sie eng verbinden könne (caritas die christliche liebe); mhd. unpersönlich mich genüeget, mit gen. der sache, mir ist genug, mich befriedigt:
jâ wære des, wiʒʒe Krist,
dem künege Artûs ze vil ...
mich gnüeget rehter mâʒe.
Iwein 4792;
wie im iuwer hövescheit
dise êre hât gevüeget,
der in (var. im) durch reht genüeget.
2746;
lât iuch des genüegen.
Gudr. 595, 2, vgl. 753, 4.
so schon goth. ganôhjan mit acc. und auch in dem pass. ganôhiþs visan, befriedigt sein, auch mnd. noch nôgen mit acc., und zwar persönlich, s. wb. 3, 195ᵃ, 133. es ist aber gewiss noch derselbe acc., der schon bei dem ganôhs zu grunde liegenden ganah genügt erscheint, und zwar neben dem dat., auch ahd. noch ganah inan, und der mit der eigentlichen, sinnlichen bedeutung dieses ganah sich aufhellen wird (s. u.genug 1, b und 4, c, ζ).
b)
auch nhd. noch einzeln, mitten in den sonst herrschenden dat. hinein: gott kans fügen, das einen mag genügen. Henisch 1498, er stellt es unter 'genügen, vergnügen, satisfacere, contentum reddere, vulgo contentare' (vergl. dazu unter 2, a); ich lasse mich daran genügen, dasz ich ein wenig weisz. Luther tischr. 1, 9 F. var. (text mir); dabei auch noch mit gen. der sache (vgl. 2, b): ich, der ich den sieg habe, wil mein glück nicht misbrauchen, mein reich zu weitern, ich wil in meinen grenzen, so von natur und rechtem herkommen mein sind, ein herr sein und deren mich genügen lassen. buch d. liebe 222ᵇ; du (welt) lässest dich der bitterkeit des todes .. nicht genügen, sondern betreugst noch darzu die meiste mit deinem schmeicheln u. s. w. Simpl. 2, 114 Kz. (5, 24); wen nicht genügt, der hat nimmer genug, stehet auch nicht zu settigen. Henisch 1498, vgl. ihn (sich) genügen lassen, begnügt sein 1497 neben sich genügen lassen 1499. ebenso noch im 16. jahrh. sich benügen lassen, mich benügt an etwas, auch einen benügen (s. d. 3), zufrieden stellen. das transitivum blickt auch nhd. noch aus gottes genüge (s. d. 3), d. h. die er gibt.
c)
daher auch passivisch genügt sein, befriedigt, begnügt, mnl. ghenoeght, gewiss auch schon mhd. genüeget, ahd. ginuogit, zu jenem goth. ganôhiþs stimmend: genugt, contentus. voc. 1482 l 4ᵃ; und sind daran nicht gnüget, das sie mit frechen worten on alle scheu ir gift ausgieszen. Luther 1, 56ᵇ; bis gnüget an dem das du hast. Henisch 1500;
es sind gar wenig leut genügt
an dem das ihnen gott zufügt.
1498.
ebenso wieder benügt sein, s. unter benügen 3.
d)
dahinter kann übrigens auch das mhd. refl. sich genüegen stehen (s. die wbb.), z. b. daʒ ich strîtes mich genüege Ulr. Wh. 255ᵃ, mich sättigen könne; noch im 16. jh. in einem siebenbürgischen bienensegen, einen schwarm in ein gefäsz zu locken, darin er könne sich seins lebens genügen Schuster siebenb.-sächs. volksl. 288, Müllenh. u. Sch. denkm.² 317, zugleich zu 3, von behagen und freude, wie wieder sich benügen (s. unter benügen 2), noch im 16. jahrh.
e)
diesz refl. sich genügen nhd. auch in der bedeutung sich begnügen, z. b. von dem der auf dem lande lebt statt bei hofe:
sonder er gnuͤget sich an kleinem (wenig)
und mehrt dasselb und schad doch keinem.
Fischart 3, 310 Kz. (klost. 10, 1038).
und noch im 18. jahrh.: wer gnügt sich doch wohl mit seinem zustande, quem fortunae suae non poenitet? Weber 343ᵇ; und du sterblicher wagest es, anschauen zu wollen, was wir nicht anzuschauen vermögen? genüge dich an dem gesichte, das dir die träger des thrones gaben. Herder z. lit. 9, 73 (blätter der vorzeit, der thron der herrlichkeit). auch nl. noch zich genoegen so.
f)
wir haben ja den acc. noch in jenem sich begnügen, wo er uns nur wegen des be- nicht auffällt, das wir als trans. zu fühlen gewohnt sind, aber das ganze begnügen (s. d.) ist nur eine dritte, spätere nebenform von genügen und benügen, die darin wie vereinigt sind, es heiszt zuerst ebenso einen begnügen, wie genügen, benügen, zufrieden stellen, dazu begnügt, zufrieden, auch ich lasse mich begnügen neben mir begnügt, wie genügt, benügt. und auch bei vergnügen, pass. vergnügt (anfangs auch vernügen) liegt derselbe acc. vor, der ins goth. zurückreicht und von dem gewöhnlichen genug nicht genügend begreiflich wird, da immer dahinter klingt, als müszte man einst auch gesagt haben ich bin genug, befriedigt; vergl.: contentus, it. sufficiens genug. Diefenb. wb. von 1470 sp. 77 und s. unter 2, a, wo das deutlicher auftritt.
2)
das intransitive genügen.
a)
bemerkenswert und bedeutsam zunächst ein genügen genug haben, also befriedigt sein, nl. ghenoeghen, contentum esse Kilian 134ᵃ. ein mlat. contentari wird in einem voc. des 15. jh. gegeben mit genügen haben, in anderen mit genügen, gnügen, genugen, gnungen, nd. ghenoghen, auch benügen, vernügen, s. Dief. 146ᵇ (vgl. franz. se contenter); in der gemma freilich wird angegeben contentari est contentum facere, vernungen, inde contentatus, vernugt (Straszb. 1518 F ijᵃ), wo aber der zusatz mit inde an der angabe wieder irre macht, da contentatus ein contentare voraussetzt (s. diesz bei Henisch unter 1, b), nicht contentari. das intr. erscheint aber sicher im 12. jh. bei Herbort im troj. krieg, wo es von den durch den feind bedrängten mehrmals heiszt sie kunden nirgen genogen 9866. 16069, auch benogen 8996, offenbar eine im kriegsleben geläufige redensart; der herausgeber erklärt s. 290 'sich schützen, sich ruhe schaffen' und stützt es durch nd. genogen, benogen, nogen sich begnügen, beruhigen (nicht im mnd. wb., aber im Bremer wb. benögen), hier angewandt auf friedliches behagen; vergl. mnd. genochlik von einer stätte zum sichern rasten: dit velt is eine genochlike stede, dar wy .. ein wenich rasten mogen. mnd. wb. 2, 60ᵇ, wol auch aus dem kriegsleben, eine stelle, wo wir genogen können. da ist denn die bedeutung befriedigt sein, die doch aber ein genug befriedigt voraussetzt, wie das transitive genügen auch.
b)
genügen gleich genug sein (s. unter genug), mit dem dativ der person, ursprünglich auch dem gen. der sache, wie eben genug, und zwar zuerst unpersönlich, wie u. 1, a mich genüeget mit genitiv:
des genüeget mir wol von dir.
arm. Heinr. 936 in B (mich A), zur bed. s. u. 3;
got unser herre in sande
spîse, der in gnûgete.
pass. K. 303, 23,
nach Zarnckes vorschlag mhd. wb. 2¹, 360ᵇ, die hs. bietet er für der, wonach vom schreiber genûgete in der bedeutung gab genug gemeint scheint (spîse als object zugleich zu beiden zeitwörtern). statt des gen. auch an schon mhd., wie bei genug:
von kemmelîn har plach her lesen,
zu cleide im dran genûgete.
pass. H. 348, 83.
c)
noch nhd. mir genügt (so ohne es): spricht zu im Philippus, herr, zeige uns den vater, so genüget uns. Joh. 14, 8; mir genüget, wie es gott füget. Stieler 678. anfangs gewiss auch noch mit gen. der sache, wie bei mich genüget unter 1, b, sonst dafür an, später auch mit: das ihm (Jacob) nicht genügt an zweien (weibern). Luther über das 1. b. Mose Ss 3ᵃ (Dietz 2, 79ᵃ);
die sitte dieser welt, einfältigfromm, begehrt
des auszenscheines nicht, ihr gnügt am innern werth.
Gotter 2, 439;
ihm gnügt schon so mit wenigem genug,
mit meinem herzen.
Lessing 2, 237 (Nathan 2, 2);
diesz blümchen jugend, wär es ein veilchen und er träte darauf und es dürfte bescheiden unter ihm sterben! damit genügte mir, vater! Schiller cab. u. liebe 1, 3;
dir genüge, wenn die föhren ..
deine sanften lieder hören.
Platen 1, 31.
doch auch es genügt mir daran nicht, es musz uns genügen die sache angeregt zu sehen u. ähnl.
d)
dazu sich genügen lassen (s. schon unter 1, a. b):
si soldin en lâʒin gnûgin
an erin zinsin und gefellin.
J. Rothe ritterspiegel 1181;
wer sich mit seiner erbeit neret und leszt im genügen, der hat ein fein rügig leben. Sir. 40, 18; ich habe gelernet mir genügen lassen. Phil. 4, 11; sich an recht und billigkeit genügen lassen. Ayrer proc. 1, 4; lasz dir genügen heut, morgen kompt auch tag und raht. Henisch 1500; der hat genug, der sich genügen laszt. 1499;
dreiszig jahr und drüber noch hat gewehrt das deutsche kriegen.
wehrt der friede dreiszig jahr, läszt ihm ider wol genügen.
Logau 2, 5, 6;
der ist kein mann,
der, wo das gröszre zu gewinnen ist,
am kleinern sich genügen läszt.
Schiller VI, 142 var.
doch auch mit es (s. c am ende), z. b. von den göttern auf besuch bei Philemon und Baucis:
und lieszen sichs an seiner (des paares) herzlichkeit,
statt prächtiger bewirthung, gnügen.
Gotter 1, 275.
e)
mit benanntem subject, auch schon in mhd. zeit: wir geloubin, zû der tegelîchen lîbnar gnûge zwei gesotene mûs. Haupt 16, 254, md. übers. der Benedictinerregel; ein gewegin brôt gnûge an dem tage. 255; swelich (fremder) munich .. zû dem clôstre kumit .. ob ime gnûgit diu gewonheit des clôstris .. der werde inphangin. 268; die lidere (glieder), die diu natûre zu sprechene hât gezimret, si engenûgent niet die inreste sûʒicheit (dieses höchsten mystischen schauens) gare ûʒ ze dragene. Germ. 6, 155. nun allgemein z. b. diese mittel genügen für unser vorhaben, dein wort genügt mir, das genügt noch nicht u. a.;
dir gnüget nicht erhabenheit noch grösze,
du willst auch artig sein (als dichter)?
Kretschmann 2, 255.
f)
mit persönlichem subject, z. b. einem befehle, einer aufforderung genügen, wie genüge leisten, genug thun; er genügt dem amte oder für das amt nicht, vgl. das ältere genug sein so unter genug. auch für gewachsen sein an kraft u. ähnl., wie jenes genug sein auch: dasz Shakspeare .. am ende doch unerforschlich bleibe, denn wir sämmtlich, wie wir auch sind, können weder seinem buchstaben noch seinem geiste genügen. Göthe 45, 63.
g)
sich (selbst) genügen, anders als das sich genügen mit sich als acc. unter 1, e, es ist wie sich selbst genug sein (s. unter genug):
gefaltet kann die knospe sich genügen,
so lange sie des winters frost umgibt.
Göthe 9, 298 (nat. t. 2, 5);
die köstlichen bilder bedeutender männer des sechzehnten jahrhunderts .. sich selbst gelassen und genügend und durch ihr dasein wirkend, nicht durch irgend ein wollen oder vornehmen. 21, 117 (wanderj. 1, 7);
streng und stolz, sich selbst genügend,
kennt des mannes kalte brust ..
nicht der liebe götterlust.
Schiller würde der frauen;
wann wird wieder eine zeit kommen, wo wir (neueren) uns um die eigene achse drehen und uns in eigener gegenwart genügen? Keller gr. Heinrich 3, 236.
h)
viel gebraucht ist das part. genügend, wie schon vorhin sich selbst genügend, z. b.: bewundernswürdig ist es, wie sich der verfasser (Carlyle) eine genügende einsicht in den charakter und das hohe verdienst dieses mannes (Schillers) verschafft u. s. w. Göthe 46, 237; genügende mittel herbeischaffen, das ist genügend für den zweck, vollkommen genügend u. s. w. auch als adv., das ist genügend erörtert u. ä., auch in genügendster weise. s. auch ungenügend.
3)
der begriff steigt aber auch höher, über das gewöhnliche genug hinaus, das doch auch, und zwar von haus aus, in solch erhöhter bedeutung galt, von fülle bis zum überflusz, s.genug 3.
a)
mhd. von freude ganz deutlich in den worten des armen Heinrich, nachdem ihm das mädchen ihren entschlusz eröffnet hat, für seine heilung den tod zu erleiden:
du hâst mich des wol innen brâht,
möhtestu, du hulfest mir.
des gnüeget mich wol von dir.
arm. Heinrich 936;
nur freude, ja hohe freude (man bemerke das wol) paszt in den zusammenhang der in tiefer bewegung, unter thränen gesprochenen worte, auch nicht bloszes gefallen (s. c). ein zweifel ist auch nicht weiter nötig, wenn man genüge 4, c von lust und freude vergleicht, noch jetzt ist nl. geneugte eben join, plaisir; s. auch unter 1, a Otfrieds ginuagan von freude und befriedigung.
b)
von befriedigung, in dem erhöhten sinne, in dem man das wort jetzt gern braucht, voller, ganzer befriedigung, die in freude und lust übergeht. so in dem bienensegen unter 1, d sich seins lebens genügen, und noch in Fausts bekenntnis am schlusse (2. theil, 5. act, mitternacht):
ich bin nur durch die welt gerannt,
ein jed gelüst ergriff ich bei den haaren.
was nicht genügte, liesz ich fahren,
was mir entwischte, liesz ich ziehn.
Göthe 41, 315;
wie das der gewöhnlichen bedeutung zugleich die hand reicht, zeigen des Mephistopheles worte von Faust nachher:
ihn sättigt keine lust, ihm gnügt kein glück.
321.
zu vergleichen ist genüge 4, b, bei Opitz genüge und ruhe, auch genüge, freud und lust, bei neueren genüge, seelengenüge von vollster befriedigung, bei Bürger das. 3 aller himmelsseligkeit genüge, s. auch das n. genügen 3.
c)
bemerkenswert auch für gefallen (geht doch franz. plaisir auf placere zurück): genügen, placere, cordi esse. Henisch 1498; wendungen, wie das. mir genügt, wie es gott fügt, lassen sich auch so verstehen. ganz deutlich mnd., s. wb. 2, 61ᵇ, z. b. biblisch: di en genoget nicht, non tibi placet (vulg.). Hiob 35, 2; wat genogede di, to uns to komende, placuit tibi (zugleich von lust und freude). Judith 11, 3; sinen broderen genogede an siner rede. 1 Mos. 37, 27, acquieverunt. auch mnl. ghenoeghen gefallen.
genügen n
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3510, Z. 23
der inf. des vorigen als subst., gleich genüge f., mit dem es im gebrauch durchaus zusammenfällt, bis zu vermischung beider formen, s. u. genüge 1, a ff. ein genüge als n., selbst m. ein genügen. wieder auch genungen (1, c).
1)
ein genügen, gewöhnlich so mit unbestimmtem artikel, so viel dasz einer genug hat, befriedigt ist.
a)
z. b. bei austheilung u. ä. (vgl. unter genug darüber): aber nement von meinem schatz und gelt ein gnügen. Aimon d; namen als vil von der muͦtter habe, das sie bedaucht ein gnügen zu haben. das., völlig gleich genug zu haben oder eine genüge. auch ein genügen thun, zur genüge geben (vgl. unter 2, a), z. b. in der weisung an frau und tochter eines lehnsmannes über bewirtschaftung des herrengutes: und morgens, wan sie ihrem viehe und gesind gnugen gethan und (sie) abgefertigt, sollen sie in das feld gehen u. s. w. weisth. 2, 400, ihnen genug gegeben an nahrung u. dergl. für den tag.
b)
dazu nach oder zu genügen, wie jetzt zur genüge (s. dort 2, a, γ), dasz einer genug hat, befriedigt ist, dasz es für einen zweck genügend ist: nâch genüegen geben. jüng. Tit. 5508, 1;
wer lobt dich nach genügen,
o du gewünschte nacht?
Opitz 2, 59;
es hat niemand zeit genug, nach genügen klug zu werden:
eh ein mensch was rechts begreift, faulet er schon in der erden.
Seladons (Greflingers) weltl. lieder anh. 7;
zu genügen zahlen, abunde satisfacere. Henisch 1497; ein lied, eine solche rede, da man zu genügen alles das frey heraus sagt .. was einem umbs herz ist. Moscherosch Phil. 1644 557.
c)
deutlicher ein gut genügen haben u. ä., wie gute genüge (s. dort), eigentlich dasz der empfänger den erhaltenen antheil lobt, gut heiszt, z. b. geradezu von habe, erwerb: als nun Fortunat zu guter masz die ganz welt durchfahren und ein gut genügen zu wegen gebracht. Fortunat J 5. von andern ansprüchen aller art: wir haben ein gut genungen an irer rechnunge of die zit gehabt. städtechron. 17, 145, aus Mainz 15. jahrh., von rechnungsablegung des stadtrats;
achtzehen mol (mal) ist nit zu vil.
mocht es bei funfzehen molen bestan (bleiben),
wolt ich ein gut genugen han.
fastn. sp. 245, 12,
wollt ich auch ganz zufrieden sein, es handelt sich um ansprüche die vor gericht verfolgt werden; das erst (was ich dir raten will) ist, dasz du kein ampt annemmen solt, denn mit einem guten genügen hast du als gnug nach deinem stat als ein könig oder keiser. buch der liebe 313ᵇ.
d)
sonst ist geläufig ein genügen haben, genug haben, sich befriedigt finden: darumb könt ir (geistlichen) got nit dienen, weil ir dem mammon dient mit dem herzen, daraus volgt weiter, dasz ir kein gnuͤgen an euern guͤtern habt .. sondern betlet u. s. w. H. Sachs dial. 30, 2; Neptunus wird nun auch an dem raach bisz her (verfolgung des Odysseus) ein genuͤgen haben. Schaidenreiszer Od. 4ᵃ; noch im 18. jh.: ein genügen haben an einer sach, in aliqua re acquiescere. Aler 897ᵇ; davon hab ich noch kein genügen. Adelung. auch ein genügen finden wie jetzt noch genugthuung finden:
darin (im kloster) büszets (sie) achtzehen jahr,
bis gott ein gnügen fand furwar.
Ambr. lb. 226, 217.
bemerkenswert ein genügen halten, sich begnügen, masz halten, bescheiden sein:
mein vater mich zu warnen begunt
(ach warum folgt ich nicht der frist ..),
er sprach, ich solt ein gnügen halten,
alls glück ein weil, sprechen (sprächen) die alten.
Fischart flöhh. 2199.
e)
aber auch über das gewöhnliche masz von genug hinaus, von fülle, selbst überflusz, affluentia Aler 897ᵃ, mhd. Frauenlob spr. 348, 9: anno 1476 ward als suͤszer win im Elsasz, und ain gnügen, als er in 10 jarn darvor nie so guͦt worden was. Augsb. chron. 1, 20; genügen haben, überflieszen, abundare. Henisch 1498; s. dazu u. genüge 2, c, auch 3, b. daher auch nach der andern seite gewendet für sättigung bis zum überdrusz (vgl.genüge 2 am ende): genügen, satietas, satias, z. b. wan das genügen komt, ändere ich das ort, ubi satias coepit fieri, commuto locum (Plaut.) Aler 897ᵃ; ich hab mein genügen, satur sum, edendi satietas me tenet 897ᵇ, was denn zugleich zur gewöhnlichen bedeutung zurückkehrt.
2)
befriedigung von ansprüchen aller art, genugthuung, vergl. genüge 5.
a)
ein genügen thun, gleich genug thun (s. u.genug): die (geliehenen 20 gulden) hait er auch unsern rechenmeistern .. bezalt und ein genugen davon gethan. städtechron. 17, 153, 13, aus Mainz 15. jahrh., vgl.genüge 5, a so von 'befriedigung' von gläubigern. noch im 18. jahrh. seinen creditoren ein genügen thun Ludwig 739;
so wöllen wir in reden an,
unserm befelch ein gnügen than.
H. Sachs 5, 229ᶜ;
hat seinem aid ein gnügen gethan,
welchen er hat geschworen
der kaiserlichen kron.
Körners hist. volksl. 222,
von einem helden, der in einer Türkenschlacht gefallen; auch einem vorhaben, beschlusz, versprechen u. ähnl., die damit wie selbst fordernd gedacht sind: als nu die zeit kommen war, in deren die jungfrawen irem anschlag ein gnügen thun wolten. buch der liebe 239ᶜ; als er (der einsidel) meinem steifen vorsatz, bei ihm zu bleiben, ein genügen zu thun entschlossen. Simpl. 1, 36 Kz. (1, 9); seinem versprechen kein genügen thun. Olearius Lokman 33, dem gelübde pers. roseng. 2, 30, seinen begierden 3, 27;
herr marschall, ein weilchen nur haltet noch an!
wir haben der sache kein gnügen gethan.
Bürger 82ᵃ;
drauf, als der boden nicht mehr gnügen that
der zahl des volks, da zogen sie hinüber
zum schwarzen berg u. s. w.
Schiller Tell 2, 2.
b)
dazu von der andern seite 'ein genügen geschehen, satisfieri' Aler 897ᵃ (ebenso wieder mit genug und genüge): siehe zu, wie ihm ein genügen geschehe, vide, quomodo satisfiat ei. 897ᵇ; damit ihm ja kein leid, sondern alles genügen geschehe. Spee güldn. tug. 5ᵃ; damit dem gesetz ein genügen geschehe. Schuppius 518.
c)
kräftiger leisten (wie bei genüge): endlich dem versprechen ein gnügen zu leisten, welches ich dem Seriosus gethan. Gottscheds vern. tadl. 2, 97; seinem verlangen ein genügen zu leisten. Felsenburg 1, 22; wie sehr würden wir uns freuen, wenn wir dieser erwartung ein genügen leisten könnten. Lessing 5, 105;
jetzt, schwester, redet! nennt mir meine schuld,
ich will euch völliges genügen leisten.
Schiller XII, 497 (M. Stuart 3, 4), var. genüge.
d)
auch genügen schaffen, verschaffen:
auf sein begehren schafft er ihm auch stracks genügen,
dasz alles kriegesvolk sich solt als bald verfügen
auf angesetzten tag zum hafen an das meer.
Werder Ariost VIII, 28, 5.
e)
einfach geben, z. b.: seinen creditoren ein genügen geben, sie bezahlen. Ludwig 739; solcher thorheit gehör und genügen geben. Schuppius 423. auch von innerer befriedigung, ins folgende übergreifend:
des Martials sinnreicher wohn (wahn),
glückselig in der welt zu leben,
mag villeicht dir, mein lieber sohn,
kan doch nicht mir ein gnügen geben.
Weckherlin 827 (epigr. 108).
3)
befriedigung in erhöhtem sinn, bis zu seligkeit, auch freude, lust u. ähnl., d. h. wie vergnügen, das ja nichts als verstärktes genügen ist, eigentlich volle befriedigung; s. dazu das zeitwort 3, auch genug 3, wo das deutlicher wird, auch in seinem ursprung.
a)
schon mhd. auch von der befriedigung im himmel, seligkeit: von dem genüegen im himelrîch. Teichner bei Lexer nachtr. 194, vergl.aller himmelsseligkeit genüge Bürger u. genüge 3. im 17. jh., himmlisches genügen das sich in frohlocken äuszert: dasz .. also deren menschen herz, so es (mein buch) lesen oder hören werden, in gott und göttlichen sachen ein gnügen und frohlocken schöpfen. Spee trutzn. vorr. (s. lx Balke).
b)
von voller befriedigung sonst, in verschiedenster abstufung, freude, lust, auch von hoher, höchster: geb doch gott ein mal das glück, dʒ uns mit unsern allerliebsten rittern ein genügen sein möcht, aber uns ist solchs nit müglich zu wegen zu bringen, wir hetten denn einen gehülfen dazu. b. d. liebe 240ᶜ, d. h. dasz wir das vergnügen genieszen könnten, mit ihnen allein zu sein; Johannes della Casa, erzbischof zu Benevent, hat ein buch geschriben zu lob der sodomei ... sagt, dasz er ein gröszlichs gnügen darin hab und keins andern beilags brauche. Fischart bienk. 230ᵇ randgl. (6, 6), bei Marnix groot ghenoegen 249ᵇ; ein genügen ohne verdrusz. Spee güldn. tug. 285, vgl. 359; ein geburtstagswunsch an eine fürstin schlieszt:
engel, diesen engel schützt! durch der flügel sichres dach,
führet volles gnügen zu, führet weg all ungemach.
Logau 2, 5, 79;
nun, herr bräutgam, dessen heil ist ein theil von meiner freude,
seid gesichert, dasz mein sinn sich an eurem gnügen weide.
2, 7, 7;
was von auszen kummen soll, kumm euch (dem brautpaar) auch mit mildem haufen,
leben, gnügen, freude, trost, segen, hülle, völl und taufen.
3, 5, 53;
der greis mit dem kahlen scheitel, der reichlockige knabe, der muntere jüngling, der ernste mann, der verklärte heilige, der schwebende engel, alle schienen selig in einem unschuldigen genügen, in einem frommen erwarten. Göthe 17, 211 (wahlv. 2, 2); seltene, schöne, liebenswürdige tugenden, deren friedliche einwirkung die bedürftige welt zu jeder zeit mit wonnevollem genügen umfängt und mit sehnsüchtiger trauer vermiszt. 410 (2, 18);
ich sehne mich (dann) nimmer ins all hinaus ..
ich fühle kein fremdes drängen und streben,
hell scheint mir die sonne und helle das leben.
ich schlürfe die lüfte in mächtigen zügen
und fühle ein innig behaglich genügen u. s. w.
K. E. Ebert dichtungen (1828) 1, 148.
noch jetzt nl. allgemein genoegen n. auch freude, genusz, z. b. de genoegens der tafel, tafelfreuden.
c)
und dieser begriff wieder auch ins äuszere versetzt (vergl.genüge 4), von dem was solches genügen gibt, im gesang der geister im 1. theil des Faust (studierzimmer):
stürzen in bächen
schäumende weine ..
breiten zu seen
sich ums genügen
grünender hügel.
Göthe 12, 76.
ähnlich im 17. jahrh. von speis und trank, doch zwischen auszen und innen schwebend: gott .. bringet den geruch und geschmack der speisen aus der erden herfür. es ist ja wol eine lust, ein genügen vor (für) den mund zu sehen, und solches zu schmecken. Olearius pers. baumg. 8, 5. diesz schweben auf der schwelle zwischen auszen und innen ist ja dem begriff von genug von haus aus eigen.
Zitationshilfe
„genügen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gen%C3%BCgen>, abgerufen am 17.07.2019.

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