genannt part
Fundstelle: Lfg. 7 (1886), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3345, Z. 27
von nennen, mehrfach in besonderm sinn, auch substantivisch gebraucht.
1)
ein genanntes, genants, etwas bestimmtes, zu dem alten nennen (benennen), bestimmen, festsetzen: järlich ein genants bezalen. Bocc. 2, 20ᵃ; ein gnants trinken, bibere ad numerum. Schönsleder Kk 4ᵃ. besonders auch das genannte oder die genannte kost, das für jeden tag festgesetzte oder herkömmliche an speise und trank, für dienstboten u. dgl. Schmeller 2, 697, die leute sagen z. b. mir ham ünser gnannts jar aus jar ein das.; von der kuchl ist zwar (bei der hochzeit) kein genannts, vom keller aber soll jede person 1 viertel bier, 1 kändel wein haben. das. aus einem hochzeitspruch; auch anderwärts noch, z. b. rheinisch: wenn knechte, mägde, tagelöhner ihr genanntes morgens, mittags und abends haben wollen. v. Horn Schmiedjacob 2, 78. göttingisch jeder krigt sîn genand, sein deputat z. b. aus dem gemeindeholze Schambach 62ᵃ. auch in wbb. noch im 18. jahrh., z. b. ein genanntes, gesetztes, ein gesetzter theil, una quota, un diputato Rädlein 353ᵇ. bei Schmeller auch genannte scharwerch, bestimmter, gemessener frohndienst, in der 2. ausg. ein beleg für sein gnants im hohen stil:
der mon all monat hat sein gnants
von seiner lieben sonnen,
und mehrers nit, denn all sein glantz
quellt her aus disem bronnen.
J. Balde lied auf Maria.
bemerkenswert der begriff in philosophischer verwendung: genantes wesen, individuum. voc. th. 1482 l 5ᵃ, ein bestimmtes.
2)
ein genannter in oberd. stadtverfassungen, s. Schmeller 2, 696 fg., der es aus Regensburg im 14. jh. beibringt, genante, bürger die der rat in wichtigen händeln als beirat berief; in Traunstein im 14. jh.: wen man den genanten (dat.) zesam peut, wer daʒ versiczt, der sol geben xxiiij dl. ze vertrinchen. das.; ebenda auch aus Nürnberg, wo noch lange die genannten den groszen rat bildeten, acht aber als alte genannte auch mitglieder des kleinen rats waren, rathsgenannter Frisch 2, 15ᵃ; s. aus alter zeit mehr nachweise bei Lexer 1, 853, auch z. b. aus Rotenburg o. T. die entstehung ist wol daher zu denken, dasz in versammelter gemeinde die berufenen mit namen aufgerufen wurden.
3)
mhd. im rechtsleben auch für zeugen, 'nominati' Schm. 2, 697 aus Lang bair. jahrb. 335, von dem sog. besiebenen (mit sieben zeugen oder eideshelfern bekräftigen), in der 2. ausg. belege für das lat. wort aus den leg. Alam., cum quinque nominatis juret mon. Germ. leg. III, 28. 56. 91; ein beleg vom j. 1255 aus den mon. wittelsb.: der ein gewer haben wil, der sol si behaben mit siben genanden den næhsten und den besten. Lexer 1, 853. da aber zu eideshelfern wesentlich die sippe genommen wurde, wird dabei eine vermischung oder vereinigung mit dem folgenden walten, wie denn schon die bestimmung, dasz es die næhsten sein sollen, auf verwandte deutet.
4)
mhd. und nhd. auch gleich genanne (s. dort), mhd. dîn genander wörterb. 2¹, 314ᵃ, wie sonst dîn genanne, der mit dir gleichen namen hat, und noch oberbair. mein genannter Schm. 2, 696; auch ostfries. genannt namensbruder Stürenburg 68ᵇ (vgl. Fromm. 4, 356), wie nl. mijn genant für das ältere mijn genan. das ist nicht blosz entstellung von genanne, sondern schlieszt sich an das abstr. subst. zu genanne an, mhd. genennede f., ahd. ginemnida f. und ginemnidi n., uns bezeugt durch häufige und alte anwendung auf die drei personen der gottheit, die damit als éin gott bezeichnet werden, mhd. durch vielen gebrauch in der form gekürzt die drî genende, auch deutlich pluralisch geworden genenden und genennen, was dann der form genanden, genannen die hand bot. jenes geistliche wort wird aber auch aus dem gebrauch des lebens genommen sein, auch eine sippe wird ein ginemnidi geheiszen haben.
5)
bemerkenswert eine alem. nebenform genamt n. bestimmtes quantum, razion Tobler 228ᵃ, es gnamts eine bestimmte, festgesetzte zahl Gotthelf 21, 162 (Rütte 32), auch noch als adj., verabredet, vorherbestimmt: Michel musz es (das mädchen) selbst sehen, man musz ihm bescheid machen, dasz es an ein g'namtes ort komme. 7, 55. mit verschlucktem t aargauisch gnams n. antheil, besonders beim essen Hunziker 108, im schwäb. Schwarzwald ein genahms, bestimmtes, gewisses, auch z. b. er hat sein gnahms, seine bestimmte handlungsweise Schmid 400. es ist das alte part. zu nemnan, nemman nennen, kinamtêr nominatus, der genamdo u. ä. Graff 2, 1085 aus alem. quellen.
Zitationshilfe
„genannt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/genannt>, abgerufen am 07.12.2019.

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