geneigtheit f
Fundstelle: Lfg. 7 (1886), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3368, Z. 22
abstr. subst. zu geneigt, seit dem 18. jh. neben neigung, das doch noch vorherrscht, aber durch jenes ersetzt wird, wo geneigt sein deutlich vorklingen soll. doch musz es schon früher bestanden haben nach mnd. naturlike genêchêt Schiller u. Lübben 2, 57ᵃ, für genêchthêt, zu geneigt 4.
1)
benevolentia, voluntas, favor, geneigtwilligkeit Weber 341ᵇ, Frisch 2, 14ᵇ: kan ich .. der hohen trauergesellschaft .. für dero geneigtheit unterthänigen dank abstatten, dasz sie mit solcher geduld meine rede anhören wollen. Besser 334, vom j. 1717; geneigtheit gegen jemand haben, empfinden Adelung; die gunst des edlen Heyne .. dessen nachsichtige geneigtheit durch viele jahre mir ununterbrochen zu theil ward. Göthe 31, 182; welche geneigtheit auch nachher dem major zu theil ward. 23, 202, von einer einzelnen vergünstigung; indem meine zeitgenossen ... mir ... wenigstens ein poetisches talent mit geneigtheit zuerkannten. 54, 284.
2)
besonders für geneigten willen, günstige stimmung in bestimmten fällen, z. b.: die geneigtheit der marquise, eine neue ihr ganz gleichgültige vermählung einzugehen. H. v. Kleist 3, 148 (die marquise von O.), wo neigung unmöglich wäre; der minister gab seine geneigtheit zu erkennen, unter umständen dem gesuche zu willfahren; man darf dafür bei der behörde nicht auf geneigtheit rechnen.
3)
neigung, unwillkürliche richtung des gemütes: die geneigtheit der menschlichen natur zum bösen. Adelung; durch immerwährendes mistrauen und geneigtheit, bei allem was menschen thun, immer die unedelsten bewegursachen vorauszusetzen. Wieland (1824) 17, 179.
4)
übertragen z. b. auf gestein: alle felsarten .. haben das bedürfnis sich in mannichfachen regelmäszigen richtungen zu trennen, so dasz parallelopipeden entstehen, welche wieder in der diagonale sich zu durchschneiden die geneigtheit haben. Göthe 51, 59.
5)
auch im eigentlichsten sinne schreibt man nun z. b. einer geneigten ebene geneigtheit zu, spricht von der geneigtheit der ekliptik zum aequator, doch auch noch neigung.
Zitationshilfe
„geneigtheit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geneigtheit>, abgerufen am 21.10.2019.

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