Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geplärre, geplärr, n.

geplärre, geplärr, n.,
substantivbildung zu plärren, blarren, blerren.
1)
klappernder, polternder, rasselnder lärm: ich schaue sein (des poltergeistes) geplerr nur über achseln an. Wiedemann mai 39; ein unverständiger plauderer ist wie eine trummel, welche ein grosz geblärre machet, inwendig aber ist sie leer. Olearius pers. rosenth. 8, 76; klapperwerkzeug: ehe die glocken gemein wurden, brauchten die christen ein groszes hölzernes geplerre ein zeichen zu geben. Wiedemann jan. 37.
2)
wüstes geschrei, gebrüll, gelärme, geschwätz, geplarre seu geplerre, vociferatio gravior et inconcinna Stieler 98: mhd.
habt jrs für ein geblär.
Laszberg lieders. 1, 580, 132;
nieman sol eʒ han für ein geplerre.
H. v. Trimberg Renner 15896;
gut und ere, ..
wir vliesen sie hie iemerlichen
durch manic iemerlich geblerre,
daʒ von dem himel uns zeuhet verre.
17038;
do kam ein groszer swartzer ochsze mit groszem geblerre und geschrei. altd. blätter 1, 54; nhd. das schafgeblerr, balatus Alberus X 3ᵇ; hilff gott, welch ein wild wüst geplerr und geschrei hab ich damit angericht. Luther 4, 382ᵇ; ob etliche mich nu wol einen ketzer schelten, so acht ich doch solch geplerre nicht gros. sermon vom ablas und gnade 1, 47ᵇ; wöllet solchen eseln ia nicht anders noch mehr antworten auff jhr unnütze geplerre. vom dolmetschen B 1ᵇ (Dietz 2, 80ᵇ); das euszerlich geplerr, getümmel, das toben und wüsten, das blasen und schnaufen der hencker und tyrannen. Petr. 213ᵇ; bevorstehende fastnacht über und sonsten alles mummens, verlarffens und herumblauffens, wie auch des viehischen geplerrs, schreiens und anderer uppigkeit sich gäntzlich eusern. kurfürstl. sächs. mandat vom 17. februar 1631 bei Vogel leipzig. annal. 419;
noch närrischer ist aber der,
so sich kehrt an all unnütz gpler.
Kirchhof wendunm. 227ᵃ;
habt ihr nicht in acht genommen, was Ehrenhold unser priester sagte von huren und ammen? Crobyle lachte und sagte: liebste Corinna, kehre dich an solch geplerre nicht. Schuppius 480; grosz gesperr, grosz geplerr, wenig wahr. Lehman flor. 1, 734; das geplere laufft nicht gern leer. Henisch 1502 sprichwörtlich; ein wort von ihnen hat mehr nachdruck, als ein stundenlanges geplärre von ihm. Lessing 1, 438; geweine, geheul: geplärre der kleinen kinder Rädlein 1, 355ᵇ; mundartlich: geblarr, anhaltendes und sehr lautes geschrei Dähnert 145ᵇ, weinen und heulen Stürenburg 67ᵃ, geplarr, gerede Frischbier 2, 153ᵃ, geblêr, geschwätz, klatscherei Woeste 73.
3)
geplärre insbesondere von widerlich schallendem, gedankenlosen singen und beten: ein geplerre im singen machen, carmen inconditum canere Steinbach 2, 191; lange sequentz und vil geplerr. Luther 3, 270; thu nur weg von mir das geplerr deiner lieder. Amos 5, 23; ach wie selig weren wir, wenn wir also süngen, und hertz und mund, gsang und klang einmütiglich zu gott richteten, so würde unser brüllen, geplerr und sawer sehen, zancken .. wol dahinden bleiben. Selneccer christl. psalmen, vorr.; der langen weill, so ich in den kirchen auszgestanden mit allem dem (unter unsz gesagt) lateinischem gepler. Elis. Charl. 1, 278, geplär 286; (bettler) treiben mit der berechneten wohlthätigkeit, die sie besoldet, einen tauschhandel mit frommem geplärre, maulpredigten und nach der taxe bezahlten kniebeugungen. Börne (1840) 3, 9;
die wissenschaft wird barbarei,
und die religion — geplärre.
Gotter 1, 426;
was soll das geplärr im stillen hochzeithaus? (vorher als drauszen ein leierkasten erklang und folgendes lied aus einer von trunk und heiserkeit verwüsteten kehle zu tönen begann). Immermann Münchh. 3, 7; Emerentia, welche wieder beginnen wollte zu singen. 'lasz nur das geplärr!' fuhr sie der vater an. 3, 131.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3530, Z. 19.

geplärre, geplärr, n.

geplärre, geplärr, n.
nebel vor den augen, blendwerk, zu plarr, plärr, blerr, n. f., falsches oder doppeltes sehen, augennebel, s. theil 2, 107 f. und 7, 1898, sowie Schmeller² 1, 461 und Frisch 1, 104ᵃ: aorasia vel aurisia, ein blindikeit vel das geplerr vor den augen, ut dum quis non vult notare quod omnis homo tenet suam uxorem pro meretrice, vel dum quis quaerit aliquid quod in manu tenet. Melber; du hast das geplerre, e duobus tria vides Aler 898ᵃ; oft macht ein schlecht argument einem ein geplärr und nebel fur den augen, wenn mans aber recht ansiehet, ein jglich stück in sonderheit, so kann man sich furm irrthum und betrug leichtlich hüten. Luther tischr. 4, 558; der teufel machet jnen ein geplerr für die augen und betreuget sie. (1571) 213ᵃ; spielwerck und augengeplerr. 275ᵃ; ein geplerr und spiegelfechten machen. 89ᵇ; damit (mit geld und gut) sie (die welt) uns ein geplerr für den augen machet, als sei es köstlich ding. werke 6, 241ᵃ; der teufel kömpt jmer wider, und bringet andere rencke, damit er uns bezaubere und ein geplerr für den augen mache, mit schönem fürgeben und schein. 5, 514ᵇ; wir solten in unsern bosen greiffen, und erstlich sehen, was uns feilet. das thun wir nicht, sondern haben ein geplerr für den augen, das wir uns lassen schön düncken. 5, 430ᵇ; da sperret sie (die tolle vernunft) die augen auff, leszt sich füren mit solchem geplerre (äuszerlichkeiten des mönchslebens in kleidern u. dgl.), welchs doch ein lauter falscher schein ist. 5, 446ᵇ; welches wehret wol eine zeitlang, lesset sich ferben und schmücken, aber wenn das stündlin komet, so fellet doch solch geplerr alles dahin. 6, 53ᵃ; ein blauer dunst, gespenst, geplerr und laͤrer schein. S. Frank paradoxa 40; ein geplerr und augenverblendung .. geplerr, betrug und illusiones. Fischart Bodin 285; dasz dise verwandlung des künigs Nabuchodonsor war und kein fabelisch geplerr noch trügelwerk sei. ebenda; nun ist gewiss, das Moses damals kein geplär vor den augen gemacht hat. 286;
sie sprach, ich glaub du habst das gblerr
in augen, und nicht wol kanst sehen.
Eyering bei Gödeke d. dicht. 1, 125ᵇ, 49;
wenn man durchs teuffels hülff ... den leuten ein blawen dunst, geplemp oder geplerr für die augen machet, das man meine, man sehe, höre ... das doch an jm selber nur ein gespenst und trügnusz ist, das ... ist teuffelei, zauberei. Mathesius post. 3, 38ᵇ; Calipha hat in den tempel der statt Mecha gedachten sark gestellet, den tempel aber oben mit magnetsteinen besetzet, welche ihrer natur und tugend nach den eisenen sark an sich gezogen und dem gemeinen pöbel ein groszes geplerr gemacht haben. wiszbad. wisenbr. 2, 168; dann weiln dise dinge alle unsichtbar und ein ohnbegreiffliches geplerr seind, werden wir keine mittel finden können, wie und an wem wir uns rechen möchten. Harnisch aus Fleckenland 181.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3531, Z. 9.

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geläuftig geplärre
Zitationshilfe
„geplärre“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gepl%C3%A4rre>.

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