Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geplatze, geplätze, geplätz, n.

geplatze, geplätze, geplätz, n.
wiederholtes platzen.
1)
geplatze, gekrach Rädlein 1, 355ᵇ: so ihr aber woltet castanien braten, so müsset ihr sie auff einer seiten auffschneiden, sonst würdet ihr ärger geplatze damit anrichten, als wenn ihr tannenholtz brennet. rockenphil. 2, 332;
drüben am bach
auf dem wintereis
ein geplatz, ein gekrach.
Rückert 69;
obersächsisch geplatze, lautes schieszen; heftiges aufschlagen: geplatz eines starcken regens Krämer 534ᵃ (vgl.platzregen); häufiges auf- und zumachen der thür Curtze volksüberl. aus Waldeck 466ᵇ. — mhd. findet sich geplätze vom schlagen musikalischer instrumente, geklimper Neidhart 42, 3. 74, 25.
2)
geplätze, n., ehemals in Oberhessen übliches garnmasz: ein gepläze hat 60 haspelfaden; in der stadt sind fünf gepläze ein strang, vier stränge machen eine zal; auf dem lande aber sind zwei gepläze ein gebind, und zehn gebinde machen eine zal. Estor t. rechtsgelahrtheit 1, 644. 'der ursprung dieser benennung ist folgender: die haspel (weifen) sind so eingerichtet, dasz die umdrehungen durch eine gezahnte runde scheibe signalisiert werden, und bei der sechzigsten umdrehung ein an der scheibe angebrachter kleiner pflock ein kleines am haspelstock befestigtes elastisches bretchen mit einem lauten klatsch (platz) wegschnellt; so wie ein solcher platz gehört wird, ist das geplätze abgehaspelt'. Vilmar 304.
3)
lauttönender wortschwall: die kläger geben ihr sach mit groszem gepletz scheinlich für. Mathesius Sar. 21ᵇ; tregt sichs eben zu, das der ablasfürer Johann Tetzel ... das wort mit groszem gepletz redet. Luther (1573) 11ᵃ. vgl. Frisch 2, 63ᵇ.
4)
geschwätz, besonders von neuigkeiten und geheimnissen, die weiter geplaudert werden, leeres gerede, mhd. gebletze mhd. wb. 1, 203ᵇ, geplitz Lexer 3, 176, s. platzen 5 und blatzen: das weib .. solt gar kein gepletz hören, sondern jmmer die märenträger ausz dem hausz weisen, laut des spruchs susurronem ex aedibus ejice. Er. Alberus ehebüchlein 40ᵃ;
desz weibr gepletz bin ich schon müht,
das zu meinr sach sich schicket nit.
Gilhusius 59;
geplätz, geschwätz Marburger hexenproceszacten von 1655 bei Vilmar 41 (blatzhaftig, plauderhaft ebenda von 1596); in der Wetterau das geblatz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3532, Z. 5.

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Zitationshilfe
„geplätz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gepl%C3%A4tz>.

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