Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gepolter, n.

gepolter, n.
andauerndes poltern (s. d. und boldern), in verschiedenartiger schreibung und mit umlaut.
1)
dumpf schallendes getöse
a)
durch klopfen, stoszen, schlagen, rollen, fallen: gebulder, tumultus Dief. 601ᶜ, gepolder Rädlein 1, 356ᵃ, gepolter Frisch 2, 65ᵇ, nd. gepulter Dähnert 149ᵃ; als ich herberg begehrte, grein mich der thorwart an, sagend: hörest du nit das gepölder? ... ich hört ein geklöpf, gleich als ob man etwas haben wöllt. Hutten 5, 167 M.; gäste, die vil ungescheuter an die fasz klopften als ich .. das gebolder vermehret sich je länger je mehr. Simpl. 3, 334 Kurz;
was ist doch auff der gassen drausz ...
für ein gebolter und gestösz?
J. Ayrer Tarquin. 47ᶜ (1, 250 Keller);
er bringet sie nicht auff mit stoszen und gepulter,
darumb erhebt er sie und legt sie auff die schulter.
D. v. d. Werder Ariost XXVIII, 62, 5;
da das füllen vor dem schlagen und gepolder erschrocken umher sprang. Kirchhof wendunm. 346ᵇ; gerümpel und gepölder. 261ᵇ; sich auch eben dergleichen erschütterung, gepoltere und geprassele zutrug. Felsenb. 3, 326;
bisz ein gepolter mir die red und andacht brach.
A. Gryphius (1698) 1, 245;
und so man etwa der männer geächz hier oder gepolter
hört in unserem saal.
Voss Odyssee 21, 237;
hurtig hinab mit gepolter entrollte der tückische marmor.
11, 598 (später hurtig mit donnergepolter);
um die mauer erscholl rings dumpfes gepolter (der geschleuderten
steine in der schlacht).
Ilias 12, 289.
b)
durch auftreten, schreien, heftiges reden, lärmen: tumult auf den straszen, geschrei, gepolter. Schiller II, 188; feuerjo! feurjo! durch die ganze stadt, geheul, geschrei, gepolter. 92; der blinde unbeholfene koloss, der mit plumpen knochen anfangs gepolter macht. III, 54; die spieler starker tragischer rollen .. pflegen ihre schlechte bekanntschaft mit dem affekt .. mit einem gepolter der stimme und der glieder zu überlärmen. II, 347; die groszen machtwörter freiheit und gleichheit, womit sie (die gallofränkischen sankülotten) ein so widerliches gepolter machen. Wieland 25, 203; so waren Schoppens innere ohren verhärtet gegen das volk-gepolter des allgemeinen treibens (vorher harthörig unter dem gemeinen lebensgetöse). J. Paul Titan 4, 43.
c)
gepolter, vom schieszen aus dem schweren geschütz: dann es kan nit ein jeglicher das gepölder leiden. Götz v. Berl. 52; mit diesem gebolder der groben stücke. Zinkgref apophth. 2, 58.
d)
von geisterspuk (vgl. poltergeist): so etwa ein geist oder teufel erscheinet, oder ein gepolter in einem winckel anricht. Luther 3, 532ᵇ; er hätte diese nacht ein grosz gepolter im götzenhause gehöret. Olearius pers. rosenth. 7, 20; desz nachts kame er offtmals in ires vatters hausz, mit einem zuͦgerichteten gebölder, seltzamen geschrei und gantz erschrecklicher stimmen. Kirchhof wendunm. 412ᵇ; das ist ein gerutsche, gebrumme, gepoltre. Immermann Münchh. (1841) 2, 136; als unheilverkündendes vorzeichen des kriegs:
drum hab ich (die wassernixin) nun etliche nacht
ein grosz kriegsgepolter gemacht.
Rollenhagen froschm. III, 3, 1, 26 Gödeke.
2)
altes unnützes gerät, zeug (vgl. geprassel 1, c):
und der höllen alt gepolter.
Stägemann bei Hoffmann d. wb. 2, 553.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3534, Z. 5.

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Zitationshilfe
„gepolter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gepolter>.

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