Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gepränge, n.

gepränge, n.,
mit den nebenformen gepranck, apparatus voc. 1482 l 8ᵃ, das geprang Zinkgref, s. unten; vergl. präng, prangen, gebrang, gebränge, gebrenge.
1)
feierliche pracht.
a)
bei öffentlichem auftreten, besonders der fürsten: Agrippas und Bernice kamen mit groszem geprenge. apostelgesch. 25, 23; du weissest, das ich (königin Esther) .. nicht achte den herrlichen schmuck, den ich auff meinem heubte trage, wenn ich prangen mus, sondern halts wie ein unrein tuch, und trags nicht auszer dem geprenge. stücke in Esther 3, 11;
schein des fürstlichen gepränges.
Weckherlin 300 (ps. 146, 10);
(mein weib) begert ...
auch keins gebrengs, würden und standts.
Ayrer Serv. Tull. 55ᶜ (1, 292 Keller);
eer und gewalde,
geprenck, geschmuck und wirde.
meisterl. ms. germ. Berol. fol. 23 no. 222.
b)
bei kirchlichen handlungen, s. kirchengepränge: unser geistlichen gehen in schonem geberd und gepreng in der kirchen. Luther das 5. cap. Matth. (1532) G 3ᵇ; ein groszer fürst und bischoff selbs teuffet mit groszem schall und geprenge. werke 6, 279ᵇ; bischof hut und das gantz bepstlich geprenge. wider Hans Worst (1541) F 4ᵇ; das gros geprenge mit bullen, siegel, fanen, ablas. werke 1, 228ᵇ; so man das ablas mit einer glocken, einem gepreng und ceremonien begehet. 1, 10ᵃ;
acht nicht (zweihorniger hut) was dir gotts wort verkünd,
preisz du darfür der menschen fünd,
regier und reformier im tempel
nur mit gepräng, gsäng, schall und grempel.
Fischart Jesuiterhütlein a 6ᵃ.
c)
bei staatsactionen: man braucht sie (die geistlichen) zu gesandtschaften beiderseits und richtet gemeiniglich mehr aus mit ihren geistlichen kutten, als manche hohe staatsleute mit ihren vergüldten, versilberten, sammetnen und seidenen reputationskleidern, pagen, laqueien, kutschen u. dergl. unnöthigkeiten des gepränges. Simpl. (1713) 3, 570; das gepränge einer kaiserkrönung. Freytag kronprinz 77;
und des prozesses festliches gepränge
wird als ein kühner frevel nur erscheinen.
Schiller XII, 441 (M. Stuart 1, 8).
d)
bei feierlichem empfange: nachdem er mit groszem gepräng eingehohlt und vor den versammelten rath geführt worden war. Wieland 19, 209.
e)
bei festlichkeiten: nach verbrachtem gepränge waren i. f. gnaden wiederum auf. Schweinichen 1, 101; ehrengepränge, pompa, sieggepränge, triumphus, sich mit groszem gepränge sehen lassen. Steinbach 2, 198; ein kleines gepräng, laureola, qualiscunque triumphus Henisch 1503; mitten im lauten gepränge des sieges schleichen sich mitleidige thränen seine (des menschenfreundes) wangen herab. Wieland 16, 226; beim turnier:
währt das stechen noch
und die gepränge?
Schlegel Richard II. 5, 1;
ein vertrag, den er hat eingegangen,
zu bunter tracht auf des gepränges tag.
ebenda;
bei festlichem tanz: volgent die tantzfreud nach höfflichem gebrauch mit gebürlichem gepreng. Goldast reichshandlung (1609) 129;
ain hôch gepräng von klainem glancz ..
was uns nicht tewr an dem tancz
czuͦ Costnicz dort in Swâben (auf dem concil).
Osw. v. Wolkenstein 5, 4, 1;
bei hochzeiten: hochzeitlich gepräng. Frischlin nomencl. 430, s. hochzeitgepränge; bei gastereien: seine freunde mit groszem gepränge bewirthen. Adelung.
f)
bei leichenbestattungen: den solte der todtengräber früe auff eim karn oder schleiff hinausz auffs ungeweihete schleppen, ohne leuten und deuten, gesäng und gepräng begraben. Luther tischr. (1571) 333ᵇ; ohn einiges gepränge jedoch ehrlich zur erden bestatten. Schweinichen 3, 252; s. leichengepränge.
g)
ferner von körperschmuck, s. halsgepränge, kleidergepränge:
und besser ziemte mir der trauerflor,
als das gepränge bräutlicher gewänder.
Schiller XII, 448 (M. Stuart 2, 2);
von prangender ausrüstung des ritters: ein fein wapenröcklin, daran silbere schellelein und flinderlein zum thurniren und schlittenfahrn an kettlein hiengen. dann solchs war damals der brauch, das man mit eim klingenden gepräng und prangenden gekläng, als wann der hohepriester ins heiligthumb gieng, auff dem platz erschien. Garg. 116ᵃ (209 Sch.).
h)
vom paradereiten, s. pferdegepränge.
i)
von blumenpracht:
doch schied vor allen sich von der gemeinen mänge
ein hyacintenkiel mit zierlichem gepränge.
Drollinger 67.
k)
abstract, die herrlichkeit des himmelreichs: folge, wohin dich die tugend führet, durch die enge zum gepränge, per angusta ad augusta. Comenius orbis pictus 1, 227.
l)
in tadelndem sinne, äuszerlicher, leerer prunk: ceremonien sind an ihn selbs kein gottsdienst sondern nit dann ein euszerlich gepreng und geberd eins gottsdienst .. wenn kein gottseligkeit darein ist gefaszt, so ist es eben, als wenn die kinder wolleben, ein Nicklas bischoff machen, und ein gepreng on ein hochzeit anrichten, darzuͦ iederman lacht. S. Frank parad. 121ᵇ; (theater und kirchliche ceremonien zu Rom) beide künste sind in ein seelenloses gepränge ausgeartet. Göthe an Karl August 1, 67; das leere schaugepränge. Freytag kronprinz 24; verliesz er der welt gepreng und eitelkeit. Kirchhof wendunm. 370ᵃ;
(du) liebtest, streng und bieder,
gepränge nicht und schall.
H. Lingg ged. (1868) 1, 299.
2)
prunken, groszthun, geprahle:
an geprenck und an hochfartt.
meisterges. ms. germ. Berol. fol. 23 no. 10;
ei so schemet euch in ewer hertz hinein, das jr ein solch gepreng treibt mit diesem stück, und künd so gar nichts davon beweisen. Luther 3, 356ᵃ; damit schüttete er eine handvoll ducaten auff den tisch ... (ich) sagte: was es desz geprängs mit dem gelde viel bedärffte, er solte es nur wieder einstecken. Simplic. (1685) 2, 13; das gepränge mit vermeinter theoretischer vernunfteinsicht. Kant 4, 265; ein gepränge mit reichthümern, deren er sich, als der früchte seiner verbindung mit der familie des tyrannen, vielmehr zu schämen hatte. Wieland 2, 258; gepränge in den gebärden, affectata morum gravitas. Aler 898ᵃ; so wird aus dem stillen, in sich gekehrten wesen des echten stolzes geräusch und gepränge; unzufrieden, sich blosz still zu erheben, bläht man sich auf, sperrt die füsze, rudert oder greift mit den händen weit um sich her, wirft sich, schlägt das haupt in den nacken. Engel 7, 290; weibergepränge, fastus muliebris Stieler 1474; dise (würste) hilt er für .. magenstilliger, genislicher und erschiszlicher als das weibergepreng und den meidleinschleck, den man mit spitzen fingern und messern fürlegt, als jung hanenhödlin, hechtschwentzlin u. s. w. Garg. 54ᵇ; vgl.
so sitzt doch wie ichs haben wil,
die weiber haben prengs gar vil.
Schmelzl hochzeit 16ᵇ;
buhlerisches geziere, geprunk mit den weiblichen reizen:
kuszt er dich dann zu der stund,
so schlag ims zünglin in den mund.
mach vor im ain hübsch geprenck,
das pringt im manigerlai gedenck
und puͦlet vast umb dich.
Cl. Hätzlerin 2, 85, 181;
ich bin gewest bei allen tenzen
und tet mein prüst gar hoch aufsprenzen u. s. w.
sagt all, was sol solichs geprenk?
fastnachtsp. 250, 33.
3)
zierlichkeit im gesellschaftlichen benehmen:
das zahrte weibervolck, so auff die höflichkeit
und liebliches gebräng vornehmlich allezeit
genau und fleiszig sieht.
Rompler 115.
a)
umständliche zierliche reden und geberden: der narr sihet das geprang, händ geben und küssen, bücken und kappenrücken. Zinkgref apophth. 1, 278; Kronhelm trank mit Siegwart die gesundheit des jungen brautpaars, welches sich auszerordentlich darüber freute und diese höflichkeit mit vielem gepränge erwiederte. Miller Siegwart 1, 173.
b)
ironisch, umstände, aufhebens:
Sigmund Gwalczhauer, Tamen Tenk
auch da nit mahten langs gebrenk,
ains nahtz giengens van hof und haus
und vieln uber dy mauren ausz (sie flohen).
M. Beheim Wiener 271, 6;
als er in den undern hof hinein gieng und des Arcalaus gesind seiner gewahr, were es ein groszer lust zu sehen, wie sie flohen. dann sie sich in alle ort verborgen und bei den thüren nicht viel geprengs oder kappen ruckens gegen einander gebrauchten, welcher die ehr haben und zum ersten hinein gehn solte. Amadis 216; was ist disz, musz man als vil gebrengs mit zweien verräterischen buͦben machen. Aimon bog. D; vgl.
und als er gen Straspurg zu ryt,
eilt weib und kint im als engegen
fyl sunders prengs mit im zu pflegen,
eins weint das ander lacht vor freyden.
H. Folz bei Haupt 8, 522.
4)
aufwand in worten.
a)
ohne jede nebenbedeutung: da macht der evangelist eine vorrede und gepreng (erzählt ausführlich), wie sich Christus gestellet habe zu der predigt, die er thun wolt. Luther 5, 346ᵇ; sihe, darumb hat Mattheus das geprenge fürher geschrieben, das Christus als ein rechter prediger auff den berg gehet, und den mund frisch auffthut. 347ᵇ.
b)
rednerischer prunk, glanz, prangende weitschweifigkeit: gepreng, lenocinium Henisch 1502; wortgepränge, nimius titulorum usus, ad pompam quaesita et composita orationis exornatio, ad speciem comparata dictio Frisch 2, 69ᵃ; so ligt denn alle sein (Ecolampads) gebrenge im dreck. Luther 3, 348ᵇ; einen beweis mit allem gepränge der methode auszieren. Kant 8, 128; mit mehrerm wortgepränge will ich dieses leben meines dichters nicht einführen. Lessing 6, 283; ein philosoph, oder wie ich mich lieber ohne alles gepränge ausdrücke, ein freund der wahrheit und der tugend. Zimmermann betrachtungen über die einsamkeit 30; der könig ... zählte ihr (der nation) mit ruhmredigem gepränge alle wohlthaten seiner regierung auf. Schiller VII, 91;
nicht mehr der worte rednerisch gepränge,
nur der natur getreues bild gefällt.
XI, 323.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3536, Z. 22.

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Zitationshilfe
„gepränge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gepr%C3%A4nge>.

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