Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerätsch, n.

gerätsch, n.
geklapper, eifriges geplauder Stöber Elsässer schatzkästel 502ᵃ, schweiz. Seiler 146ᵃ. Hunziker 111; g'rätsch, gebrochener flachs, abschabsel, geschnarre im gesang und geigenspiel Stalder 2, 261, s. rätschen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3578, Z. 58.

gratschen, vb.

gratschen, vb.,
'aufspüren, erwischen, ergreifen, plump, heftig oder hastig zugreifen'. seitenbildung zu grapschen (s. d.) wie auch seltenes gratsen 'scharren, raffen' Doornkaat-Koolman 1, 676 zu grapsen (s. d.), doch vgl. noch im schweizer. mehrfach bezeugtes ergrätsen. in älterer sprache, und schweizer. ausschlieszlich, in präfigiertem ergrätschen, ergrätsen, deren umlaut vielleicht unter einflusz von ¹grätschen steht, mit welchem gratschen aber wahrscheinlich unverwandt ist (vgl. jedoch schweiz. id. 2, 814). bair. grátsch'n Schmeller-Fr. 1, 1017, vgl. Westenrieder gl. (1816) 216; grâtschen Schöpf Tirol 208, kärnt. grâtsch'n Lexer 122, schles. grâtschen Weinhold 29ᵇ, vgl. Jungandreas schles. zeitwortbildung 86, im posenschen gra(o)ttschen Bernd 80, aber auch ripuar. gratschen 'hastig an sich greifen, grapschen' rhein. wb. 2, 1367. literarisch und älter lexikalisch im 16. u. 17. jh. aus schweizer. quellen nur in der umgelauteten form ergrätschen, vom 16. bis ins 18. jh. umlautlos als gratschen im schlesischen nachweisbar: dass ir ein kleins völkli ergrätschen und damit die forcht in uns bringen wölltend (1532) in: schweiz. id. 3, 829; retracti, fugitui dicuntur quum reprehenduntur wider ergriffen, widerumb erschnappet oder ergrätst Frisius dict. (1556) 1158ᵃ; vgl. 1147ᵃ; bis er dich vberrasche oder bey einem öhrlein ergratsche Mathesius Jesus Syrach (1586) 122ᵃ;
wirstu einmal darob (über dem begraben) ergretst,
g'wiss wirst vergraben han den letzt(en)
(1619) in: schweiz. id. 2, 829;
daz (obere handtuch) nihm du nicht in acht; nur nach dem obern gratsche
mit beyden fäusten es besudel vnd betatsche
Wenzel Scherffer d. Grobianer (1640) 42;
er scharrt, er gratscht, und greifft nach geld,
schnapfft nach den höllschen fliegen
Scheffler sinnl. beschr. (1677) 52;
Köhler schles. kernchron. (1714) 2, 721.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1958), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 2060, Z. 69.

grätschen1, vb.

¹grätschen, vb.,
auch in der nebenform krätschen (vgl. t. 5, sp. 2069). intensivbildung zu ¹gräten (s. d.) und mit diesem seit dem 17. jh. in konkurrenz, die im bereich der hoch- und schriftsprache im 19. jh., wohl unter einflusz der turnersprache, zugunsten von grätschen entschieden wird. das wort wird zufrühest im 17. jh. belegbar. mundartlich ist es in den bedeutungen 'ausspreizen, unbehilflich, langsam, mit gespreizten (luxemb., schwäb.-augsb. auch 'mit krummen') beinen gehen' obd. und namentlich md. verbreitet, durchweg in umgelauteten und umlautlosen formen nebeneinander; nur das schweizer. scheint ausschlieszlich ä-formen zu haben. der vokal ist in der regel lang (vgl. auch H. Paul dt. gramm. 1, 169): grätschen (grátsch ·n) Schmeller-Fr. 1, 1017; gretsch ·n Lexer Kärnten 122; grâtsche (Oberinntal) grätschend gehen Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 251; grätschen I schweiz. id. 2, 829; gratscheⁿ, grätscheⁿ Fischer schwäb. 3, 804; grätzeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 1, 287ᵃ; graitschen Follmann Lothr. 213; grätschen luxemb. ma. 152ᵃ; gratschen (neben gretschen u. a.) rhein. wb. 2, 1365; grätschen Crecelius oberhess. 433; graetschen (ae = a) Vilmar Kurhessen 135; gratschen Ruckert unterfränk. 64; grätschen Spiesz Henneberg 83; gratschen Hertel Thür. 109; jrātschen Liesenberg Stiege 117; grätschen J. H. Keller Thüring. waldgeb. 24; gratschen (kraͦaͦtšən, kräätšən) Müller-Fraureuth obersächs. 1, 4379; grätschen Anton Oberlausitz 8, 14; grâtschen Weinhold schles. 29ᵇ; grätschen Bernd Posen 49.
1)
in der bedeutung 'die beine spreizen', auch 'spreizbeinig gehen'; durch Vieth und Jahn in die sportsprache gebracht und heute namentlich von da her geläufig: grätschen ... metonym. distendere pedes, divaricare Stieler stammb. (1691) 691; gräten, gräteln, grätschen, gratteln ... aprire, slargare ... divaricare ... mit den beinen gräten Kramer t.-ital. 1 (1700) 557ᵇ; grätschen ... so das hülfswort haben erfordert, und nur im gemeinen leben üblich ist, die beine aus einander sperren, imgleichen mit ausgesperrten beinen gehen Adelung versuch 2 (1775) 782. für Göthes sprachgebrauch vgl.: unsre miliz war doch noch ein lustig volk; sie nahmen sich was heraus, standen mit ausgegrätschten beinen da, hatten den hut überm ohr, lebten und lieszen leben (1788) I 8, 246 W.; so wird es ähnliche bewandtnisz mit dem Fallbachgeist bei Absam haben ..., der ... mit gegrätschten beinen über dem wasser steht Laistner nebelsagen (1879) 259; in dem andern (zimmer wanderte) der mann Clausz auf und ab ..., der hüne auf seinen breit gegrätschten beinen, mit der hand auf einer landkarte die ganze Ukraine zudeckend A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 117. wohl im anschlusz an den sprachgebrauch der älteren voltigierkunst (vgl. oben s. v. grätscheln) als term. techn. der turnersprache, zunächst in bezug auf das turngerät 'pferd': man nennt diesen sprung auf den voltigirböden den grätsprung oder grätschsprung, von gräten oder grätschen, einem alten worte, welches so viel heiszt, als die beine auseinander sperren Vieth encycl. d. leibesübungen 2 (1795) 263; grätschen ... heiszt die bewegung beider schenkel zu gleicher zeit nach beiden seiten Fr. L. Jahn w. 2, 39 Euler. in ironischer charakterisierung:
muszt dich (deutsches mädchen) keck emanzipieren
und mit kindlichem 'ätsch-ätsche'
über männer triumphieren,
muszt wie bombe und kartätsche
deine kräfte demonstrieren.
deutsches mädchen — grätsche! grätsche!
Ringelnatz es zwitschert eine lerche im kamin (1953) 31.
2)
nur vereinzelt, entsprechend ¹gräteln 2 (s. d.), in der bedeutung 'steigen, klettern': grätschen ... propr. gradus ascendere Stieler stammb. (1691) 691; gratschen ... 'klettern' rhein. wb. 2, 1365.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1958), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 2061, Z. 32.

grätschen2, vb.

²grätschen, vb.,
vgl. auch kratschen teil 5, sp. 2069, 'knirschen, knarren, knistern, krachen', schallnachahmende bildung, namentl. in obd. dialekten (vgl.gretsch ·n Lexer Kärnten 122, gratschn, grâtschn, in Defreggen auch gretschn knarren Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 251, grätscheⁿ II schweiz. id. 2, 830, grätscheⁿ Martin-Lienhart elsäss. 1, 286, hierzu vielleicht auch gratschen Fischer schwäb. 3, 804 von einem wagen und einer alten schreibfeder, das Fischer auf ¹grätschen bezieht), aber auch grätschen 'knirschen' wb. d. luxemb. ma. 152ᵇ. literarisch nur aus mundartlicher literatur:
aft hats bald anghöbt zu grátschen
schier zu krachen und zu knall'n
als wann die karfreitárátschen
samt der thurm war umergfalln
bei W. Pailler weihnachtslieder u. krippensp. 2 (1884) 178.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1958), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 2062, Z. 27.

grätschen3

³grätschen,
'grell schreien', s. krätschen teil 5, sp. 2069.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1958), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 2062, Z. 43.

grätschen1, vb.

¹grätschen, vb.,
auch in der nebenform krätschen (vgl. t. 5, sp. 2069). intensivbildung zu ¹gräten (s. d.) und mit diesem seit dem 17. jh. in konkurrenz, die im bereich der hoch- und schriftsprache im 19. jh., wohl unter einflusz der turnersprache, zugunsten von grätschen entschieden wird. das wort wird zufrühest im 17. jh. belegbar. mundartlich ist es in den bedeutungen 'ausspreizen, unbehilflich, langsam, mit gespreizten (luxemb., schwäb.-augsb. auch 'mit krummen') beinen gehen' obd. und namentlich md. verbreitet, durchweg in umgelauteten und umlautlosen formen nebeneinander; nur das schweizer. scheint ausschlieszlich ä-formen zu haben. der vokal ist in der regel lang (vgl. auch H. Paul dt. gramm. 1, 169): grätschen (grátsch ·n) Schmeller-Fr. 1, 1017; gretsch ·n Lexer Kärnten 122; grâtsche (Oberinntal) grätschend gehen Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 251; grätschen I schweiz. id. 2, 829; gratscheⁿ, grätscheⁿ Fischer schwäb. 3, 804; grätzeⁿ Martin-Lienhart elsäss. 1, 287ᵃ; graitschen Follmann Lothr. 213; grätschen luxemb. ma. 152ᵃ; gratschen (neben gretschen u. a.) rhein. wb. 2, 1365; grätschen Crecelius oberhess. 433; graetschen (ae = a) Vilmar Kurhessen 135; gratschen Ruckert unterfränk. 64; grätschen Spiesz Henneberg 83; gratschen Hertel Thür. 109; jrātschen Liesenberg Stiege 117; grätschen J. H. Keller Thüring. waldgeb. 24; gratschen (kraͦaͦtšən, kräätšən) Müller-Fraureuth obersächs. 1, 4379; grätschen Anton Oberlausitz 8, 14; grâtschen Weinhold schles. 29ᵇ; grätschen Bernd Posen 49.
1)
in der bedeutung 'die beine spreizen', auch 'spreizbeinig gehen'; durch Vieth und Jahn in die sportsprache gebracht und heute namentlich von da her geläufig: grätschen ... metonym. distendere pedes, divaricare Stieler stammb. (1691) 691; gräten, gräteln, grätschen, gratteln ... aprire, slargare ... divaricare ... mit den beinen gräten Kramer t.-ital. 1 (1700) 557ᵇ; grätschen ... so das hülfswort haben erfordert, und nur im gemeinen leben üblich ist, die beine aus einander sperren, imgleichen mit ausgesperrten beinen gehen Adelung versuch 2 (1775) 782. für Göthes sprachgebrauch vgl.: unsre miliz war doch noch ein lustig volk; sie nahmen sich was heraus, standen mit ausgegrätschten beinen da, hatten den hut überm ohr, lebten und lieszen leben (1788) I 8, 246 W.; so wird es ähnliche bewandtnisz mit dem Fallbachgeist bei Absam haben ..., der ... mit gegrätschten beinen über dem wasser steht Laistner nebelsagen (1879) 259; in dem andern (zimmer wanderte) der mann Clausz auf und ab ..., der hüne auf seinen breit gegrätschten beinen, mit der hand auf einer landkarte die ganze Ukraine zudeckend A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 117. wohl im anschlusz an den sprachgebrauch der älteren voltigierkunst (vgl. oben s. v. grätscheln) als term. techn. der turnersprache, zunächst in bezug auf das turngerät 'pferd': man nennt diesen sprung auf den voltigirböden den grätsprung oder grätschsprung, von gräten oder grätschen, einem alten worte, welches so viel heiszt, als die beine auseinander sperren Vieth encycl. d. leibesübungen 2 (1795) 263; grätschen ... heiszt die bewegung beider schenkel zu gleicher zeit nach beiden seiten Fr. L. Jahn w. 2, 39 Euler. in ironischer charakterisierung:
muszt dich (deutsches mädchen) keck emanzipieren
und mit kindlichem 'ätsch-ätsche'
über männer triumphieren,
muszt wie bombe und kartätsche
deine kräfte demonstrieren.
deutsches mädchen — grätsche! grätsche!
Ringelnatz es zwitschert eine lerche im kamin (1953) 31.
2)
nur vereinzelt, entsprechend ¹gräteln 2 (s. d.), in der bedeutung 'steigen, klettern': grätschen ... propr. gradus ascendere Stieler stammb. (1691) 691; gratschen ... 'klettern' rhein. wb. 2, 1365.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1958), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 2061, Z. 32.

grätschen2, vb.

²grätschen, vb.,
vgl. auch kratschen teil 5, sp. 2069, 'knirschen, knarren, knistern, krachen', schallnachahmende bildung, namentl. in obd. dialekten (vgl.gretsch ·n Lexer Kärnten 122, gratschn, grâtschn, in Defreggen auch gretschn knarren Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 251, grätscheⁿ II schweiz. id. 2, 830, grätscheⁿ Martin-Lienhart elsäss. 1, 286, hierzu vielleicht auch gratschen Fischer schwäb. 3, 804 von einem wagen und einer alten schreibfeder, das Fischer auf ¹grätschen bezieht), aber auch grätschen 'knirschen' wb. d. luxemb. ma. 152ᵇ. literarisch nur aus mundartlicher literatur:
aft hats bald anghöbt zu grátschen
schier zu krachen und zu knall'n
als wann die karfreitárátschen
samt der thurm war umergfalln
bei W. Pailler weihnachtslieder u. krippensp. 2 (1884) 178.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1958), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 2062, Z. 27.

grätschen3

³grätschen,
'grell schreien', s. krätschen teil 5, sp. 2069.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 13 (1958), Bd. IV,I,V (1958), Sp. 2062, Z. 43.

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gernhaber geschlagen
Zitationshilfe
„gerätsch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ger%C3%A4tsch>, abgerufen am 27.11.2021.

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