Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerübelt

gerübelt,
s. geriebelt (gerübelt weiszbrot Tabernaem. 179).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3747, Z. 15.

grübeln2, vb.

²grübeln, vb.,
ableitung von grube: kleine gruben zum setzen junger pflänzchen bohren Unger-Khull 309ᵇ; ein gegrübeltes kinn haben Kramer nieder - hochteutsch dict. (1719) 1, 146ᵃ; für ein verbreitetes kinderspiel: kügelchen, nüsse, bohnen in grübchen werfen Staub-Tobler 2, 697; Lexer kärnt. 120 und sonst; grüberln Loritza 55; grüblen mit nüssen Frischlin nomencl. (1586) 278ᵇ; wenn er geld hatte, so verspielte er es mit grüblen, münzeln und hundert und eins J. v. Breitenfels Swift (1756) 1, 138.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1925), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 617, Z. 61.

grübeln1, vb.

¹grübeln, vb.
1)
man stellt grübeln gewöhnlich neben graben; vgl. engl. grub; thatsächlich lassen gerade die älteren belege das wort als eine iterativ- und deminutivbildung zu diesem verbalstamm erscheinen (vgl. Wilmanns 2, 98).
a)
grupilot fodit; crupilont rimantur Graff 4, 308;
die gerne lernen
und nâch der künste kernen
grübeln wöllen in der jugent
(wie nach einem nuszkern)
Hugo v. Trimberg renn. 17425;
vgl. 21907; wo er (der satan) etwa ein kleines loch findet, so grüblet er und boret so lang daran, bisz das er mit dem ganzen leib ... hinein schleuft C. Huberinus mancherlei form zu pred. (1557) 73ᵃ; obrimo .. a rimando, quod proprium est avium in aquis, grübeln Reyher thes. (1668) 2, 4875; mit dem messer in die erden grüblen fodere scrobiculos cultro Stieler 689; wie er mit den fingern in deren (der steinernen wand) spalt grübelte Grimmelshausen Simpl. 567 ndr.; (der hirsch in der brunst) grübelt mit dem gehürn im erdreich Heyden Plin. 172; verlegen grübelte er mit der gabel auf dem teller J. Gotthelf 2, 342; seit alters häufig in wendungen wie
daz er (der kleine finger) in daz ore grubilot
Milst. gen. 6, 3;
dafür auch:
meister, die diu ôren grübeln
Hugo v. Trimberg renn. 22473;
kinder grüblen oft in der nase, wenn sie würmer haben Wirsung arzneib. 193; es ist ein alt sprichwort, wer zuͦ vil in der nasen grüblet, der macht sie schweissen Gebweiler lob Marie 24ᵇ; im spiel mit der bedeutung 3: nun haben die philosophen über diese materie seit jeher schon in ihren nasen gegrübelt, auswendig daran gegrübelt Lichtenberg verm. schr. (1801) 3, 117; so darfstu in den zenen nit grüblen Eulensp. 67 ndr.; so musz man sie (die wunde) tiefer .. schneiden und mit den fingern drin grüblen Mich. Herr sittl. zuchtb. (1536) 224ᵃ; warzu nutzt aber solches grübeln und graben in der wunden? Würtz wundarzn. (1612) 30; vgl.: deszgleichen (soll man) ime (dem huf) nit zu dief hinein griblen Hörwart v. Hohenburg kunst d. reiterei (1581) 67ᵇ; auch mit accus. object: (der knecht) grübelt mit eim meszer zwischen den kacheln .. ein kleines löchlein Kirchhof wendunm. 2, 219 lit. ver.; wann ein geschwulst einfällt, die sich grüblen (herausgraben) lasset Paracelsus chir. (1618) 12 b; doch dann gewöhnlich adverbial erweitert, im sinne grabend hervor-, wegschaffen u. ä.: etlich graben mit karsten im sandt und griblen ihn (den bernstein) herfür G. Braun beschreib. u. contraf. (1576) 46ᵃ;
so darfst eigentlich
dasselb (rindfleisch) nit ausz den zänen gribeln (: übel)
Fischart 2, 211 Hauffen;
der kern (der steinnusz) mehrentheils musz heraus gegrübelt werden Hohberg georg. cur. 3, 348ᵃ; stach und hackte und grübelte den schutt zu beiden seiten weg H. Federer berge u. menschen 456; kartoffeln grübeln Fischer schwäb. 3, 864; Martin-Lienhart 1, 628ᵃ; ähnliches meint wohl die angabe grübeln 'bohrend ausgraben' Hertel Thür. 110.
b)
eine wesentlich nur aus lexicalischer tradition nachzuweisende bedeutung zeigt entwicklung zu uneigentlichem gebrauch wie 'sticheln': grüblen fodicare, stimulare, pungere Calepin xi ling. (1598) 574ᵇ; fodico .. grübeln, sticheln Corvinus fons 359; aculeata haec sunt, animam fodicant .. disz sein spitzige wort, sie grübeln und gehen einem durchs hertz Faber thes. 11ᵃ; das grübelt einem ins hertz hinein Aler 988ᵇ; von da aus wird verständlich: fodico grüblen, stupfen, bekümmert machen Frisius 573ᵃ; doch scheint hier 2 b im spiele; anders: die, so ich lieb gehalten, .. die stochern und grübeln heimlich auf mich Mathesius Sir. 128ᵃ.
2)
auf der anderen seite zeigt sich oft eine unverkennbare hinneigung der bedeutung zum vb. krabbeln und seinen stammverwandten (s. th. 5, 1911); und wenn wie in der schriftsprache auch mundartlich neben formen mit langer stammsilbe solche mit kürze erscheinen, erhellt schon daraus, dasz eben ein anderer wortstamm hereinkreuzt (s. u. 4).
a)
wie krabbeln 4 krabbelnd oder tastend, suchend greifen, wühlen:
(swer) ûf der erden als ein wibel
tac und naht nâch guote grübelt
Hugo v. Trimberg renn. 21907;
der arm Lentz .. steig ins wasser, suͦcht sein sichel, buckt sich und grüblet also lang im muͦr. in solchem grüblen und suchen .. Frey gartengesellsch. 31 lit. ver.;
und wenn die puben sie benaschen
und grubeln nach der untern taschen
fastnachtsp. 1, 375 K.;
des todes zeichen sind dise: wenn der mensch .. an den leilachen grübelt oder faltzet Heyden Plin. 68; auch in modernen maa.: grübeln und grūbeln 'krabbelnd greifen, leicht kratzen, kitzelnde griffe machen' Fischer schwäb. 3, 864; griebla 'grabbeln, mit den nägeln sanft kratzen und irgendwo etwas herauszuziehen suchen' Sartorius Würzburg 49; vgl.groüpelen wühlend suchen, herumsuchen Bauer-Collitz 41ᵇ; auf manche der stellen unter 1 a fällt von hier aus ein schärferes licht.
b)
wie krabbeln 3 jucken, kitzeln, kribbeln, prickeln, und zwar gewöhnlich unpersönlich gewendet:
ih sihe wol, daz iu grubile
in dem houbet
Reinh. 1884,
nach einer sehr wahrscheinlichen conjectur J. Grimms, sendschr. an K. Lachmann 51; wolversuchte cavallier, die ihnen nicht lassen unter der nasen grübeln Schupp schr. 301; wird mir doch ums herz so warm, dass mir ordentlich in der nase grübbelt Fel. Weisze lustsp. 3, 394, vor rührung; ebenso: es grübelte mir in der nase Thümmel reise 6, 171; vgl. kribbeln 2 a; es grübelt mir in den händen senti un .. formicolio nelle mani Jagemann 548; kaum berührte er den (zitter-)fisch .., so grübelte es ihm Oken 6, 40; schmerzen .., welche .. mit einem grübeln endigen 6, 107; in hd., namentlich obd. maa. weit verbreitet: 's griebelt m'r im maga ich habe ein kitzelndes, prickelndes, übles gefühl im magen Sartorius Würzburg 49; ähnlich Staub-Tobler 2, 691; Martin-Lienhart 1, 628ᵃ; auch uneigentlich: es hat mr so we geton, dass es mr am herz gegrüwelt hat ib.; es grüblet-mer (ums herz) ich habe scrupel Staub-Tobler; es kränkt, reut mich Martin-Lienhart; 's grüblet ihm er würde es gern ungeschehen machen Fischer schwäb. 3, 864; dem grübelte die sache, je mehr er daran dachte W. O. v. Horn bei Sanders; es hat ihn beleidigt, ärgert ihn Fischer a. a. o. (ganz wie krabbeln 3 e, kribbeln 2 d); auch persönlich: eine fliege .. kroch hinein in das gehirn und fieng ihn an schrecklich zu martern, zu kratzen und zu grübeln Helvicus jüd. hist. (1617) 2, 134;
der ehrgeitz grübelt mir durchaus nicht im gehirne
H. W. v. Logau poet. zeitvertr. 79;
anders, wie krabbeln 1 a: es grübelt mir schon eins (ein hochzeitscarmen) im kopf herum Miller briefw. dreier ac. freunde 2, 119; wie krabbeln 2, kribbeln 1: der weier grübelt und wiebelt von fisch scatet piscibus Aler 1, 988ᵇ; ein weiterer beleg unter kribbeln 1 a; wie kribbeln 1 c: rühre das gewürze in den zucker und lasz es nur mit aufgrüblen Müller-Fraureuth 1, 446ᵃ.
3)
der hauptgebrauch zeigt die concrete grundbedeutung des wortes ins geistige übertragen; so schon ahd. (Otfrid 5, 25, 64); bis in die neueste zeit immer wieder als bild des grabens, sich einbohrens empfunden: du gedenckst im nach, du griblest und grebst ymmerme der hinnach Keisersberg spinn. (1510) c 6ᶜ; ein angefochtener mensch gründet und grübelt so tief, das er sich kaum wider erholen kan Petri d. Teutschen weiszh. 1, b 7ᵃ; manchen abend hab ich gegrübelt wie ein bohrwurm Scheffel 1, 173; wenn bis heute tief das gangbarste epitheton ist, hängt auch das mit der grundbedeutung des einbohrens zusammen: ich hab mein theologiam nit auf einmal gelernt, sonder hab ymmer tiefer und tiefer grubeln mussen Luther tischr. 1, 146 W.; doch drängt sich auch hier gelegentlich ein bedeutungszusammenhang mit der sippe krabbeln im sinne des tastenden oder wühlenden herumgreifens auf: (der teufel) gibt einem seltzame fragen ein, das man grübele und wüle Luther 16, 113 W.; sind ihr dann experimentatores und grüblend hien und her umb euch, wie ein koch in eim schlüsselkorb Paracelsus chir. (1618) 289 A; dis buͦch ist allen gotlosen, die on geist .. darinn grüblen, wülen und umbfaren, mit 7 sigeln verschlossen Seb. Franck chron. zeytb. (1531) 346ᵇ; vgl. auch die präpositionalen fügungen unter c.
a)
der übertragene gebrauch führt zunächst zu der bedeutung 'suchen, nachforschen': grübelen, nachforschen, erkundigen rimari, curiose observare, investigare Henisch 1758; rimari, pervestigare, scrutari Stieler 689; daher denn die verbindung grübeln und suchen dem 16. jh. sehr geläufig ist: feret er uber die feinen herrn des rats zu Nurmberg .., grobbelt, sucht und foddert die handschrift durch sie Luther 30, 2, 31 W.; vgl. 23, 308; die drucke haben grübeln; wen ir so scharpf auszforschen und grueblen wellt, so möchtet ihr wol in eignen ewern gschrifften vil puncta finden, durch welche .. Vogelgesang - Cochläus heiml. gespräch 19 ndr.; allmählich und fast unmerklich entwickelt sich daraus der sinn des auf rein gedankliche thätigkeit beschränkten suchens: das all ihr ler ... nichts anderst was dann grüblen und suͦchen, wie die kinder nit sollend getouft werden Joh. Kessler sabb. 142; sie suchen, grobeln und tichten, das sie ja etwas böses von uns sagen Luther nach Dietz; grublen hernach, begeren doch das glück, so gott beschert, zu wissen Thurneysser magna alch., vorr. () 1ᵃ; und so man weit grüblen wil, so seind noch mehr künst, die ihren anfang noch schwerlicher bewehren würden Paracelsus op. (1616) 2, 397;
ich weiss, dass knechten wohl zu grübeln nicht gebühret
Lohenstein Ibrahim (1701) 106;
was ihr geist grübelnd entdeckt, nutzen wir
Klopstock od. 1, 172 M.-P.;
nicht selten, gerade in älterer sprache, mit dem beisinn des spitzfindigen:
und da wird helfen kein glossieren,
kein gribeln und kein spintisieren
Fischart 2, 382 Kurz;
die best und sicherst .. abgefassete dinge könten von denen, so zugrüblen und auszuflüchten lust hetten, in disputat gezogen werden Chemnitz schwed. krieg 2, 68; falsche spitzfindigkeiten der grübelnden oder schwätzenden vernünftelei Herder 22, 3 S.; 'argumentieren': gleichsam sie sprechen wolten (wann man je also grübeln will), der Luther wirt machen das .. Nas antipap. eins u. hundert 1, 64ᵇ; zuweilen geradezu von kleinlichem schulmeistern und kritisieren: etliche .. wunderseltzame orthographisten .., welche dieses herrliche .. sprachengebäude durch ihr unzeitiges critisieren und gantz abgeschmacktes grübeln zu unterbrechen .. sich bemühen Neumark neuspross. teutscher palmb. 87; dasz .. nicht ... gutdünckelische gesellen und spötter etwas zu grübeln bekämen, dieweil solches von mir als einem unerfahrnen scribenten einfältig beschrieben .. worden Aitinger jagd- u. weidb. vorr. )( 1ᵇ.
b)
mit dem 18. jh. schiebt sich eine (schon früh vorbereitete) bedeutung immer mehr in den vordergrund, die mit der vorstellung intensiven nachdenkens den beisinn des unablässigen, des trüben, schwermüthigen, grilligen, selbst krankhaften, des frucht- und thatlosen, lebensfeindlichen verbindet: ie mer und lenger ich grübel, ie weniger ich disz guͦt find und begreif Seb. Franck chron. zeytb. (1531) 2ᵃ; der andere grübelt sein leben lang über diese schwierige sache Seidel Leber. Hühnchen 126; Ferdinand (.. in düstres grübeln versunken) Schiller 3, 487 G.;
weg mit dem grübeln, sorgen, grämen
um eitel schatten
E. M. Arndt 5, 271;
er grübelt, da nichts zu grübelen ist nodum in scirpo quaerit Aler 1, 988ᵇ; damit die menschen mit vergebenen grübeln zu verlust der edlen zeit nicht aufgehalten würden Leibniz dtsche schr. 1, 376; seit alters gern in anwendung auf die metaphysischen räthsel: man einfeltige frumkeit on vil grüblens möcht den gleubigen fürhalten Hedio chron. germ. 116ᵇ; dasz er sie (die religion) lieber ungeprüft behalten, als mit thörichtem grübeln ohne ende sein leben verbittern mag G. Forster 6, 23; statt zu grübeln, arbeite Herder 23, 9 S.; im gegensatz zum erfühlen und glauben: wir sehen und fühlen kaum mehr, sondern denken und grübeln nur Herder 5, 183 S.; die grübelnden, klügelnden .. jahrhunderte waren für das volk des glaubens, der fantasie .. nicht gemacht E. M. Arndt geist d. zeit 3, 9; auch als formlosere art geistiger thätigkeit dem logischen denken gegenübergestellt: der scharfsinn sondert ab, der tiefsinn grübelt Fr. Delbrück sinnverw. wörter 56; ein zurückgehen aus dem scharfen licht logischen denkens in das reizende dämmer volksthümlichen grübelns G. Freytag 15, 3; auch reflexiv mit prädicativem adj. sich matt, krank, wahnsinnig grübeln: bleich ... grübelt man sich dabei (bei der verdeutschung des Homer) Bürger 1, 158ᵃ B.
c)
präpositionale verbindungen seit alters sehr geläufig; in ihrem wandel malt sich das verblassen des ausdrucks vom sinnkräftigen bilde zur toten metapher; am häufigsten ist bis ins 16. jh. in; auch hier noch spät beispiele, in denen die vorstellung des krabbelnden, wühlenden herumsuchens den sinn zu bestimmen scheint:
sie grübeln so lang in geschäften und sachen,
bisz sie wie die mäuse ein loch drein machen
Lehmann florileg. pol. 1, 150;
die (städte Straszburg und Basel) schampten sich übel, das in iren handlungen von den ungeschickten pauren also solt grublet und gesucht werden zimm. chron. 1, 366, offenbar ebenso gemeint wie: dann wir wollen selber harnaschmeister sein .. und niemands darinn gribeln lassen nach alter frenckischer weiss privatbr. d. ma. 1, 50 Steinh.; auch bei dem abgezogeneren gebrauch als 'forschen' wird sie gelegentlich fühlbar:
grubilo in girihtî   in des giscrîbes slihtî
Otfr. 3, 7, 76;
es ist nit allwegen bös .., so ein mensch grybelt in den natürlichen künsten Keisersberg seelenpar. (1503) 49ᵃ; das heillose .. grübeln und forschen in so hohen unbegreiflichen sachen Luther 16, 142 W.; seit dem 18. jh. nur noch selten, es sei denn dasz der concrete sinn des verbums wieder auflebt:
dasz ich nicht darinnen grüble,
was des glaubens ist allein
Schmolcke trost- u. geistr. schr. 1, 66;
die in der vernunft grübelnden leute (haben) mehr als andre nöthig sich aufzumuntern Gottschedin br. 1, 201; dasz wir gern in menschenherzen grübeln und diesen .. Proteus bis in seine tiefsten abgründe erforschen .. möchten Pückler briefw. u. tageb. 1, 283; dann grübelte er etwas in seinen gedanken herum und sagte schlieszlich G. Keller 5, 169; auch nach versteht sich aus der concreten bedeutung:
dâ von du, herre, niht engrübel
ze verre nâch der sache
diu mich gesihtic mache
Konr. v. Würzburg Parton. 7352;
bedäuchte einem rate ettwass fremde, daz sie so genaw darnach grubelten (forschten, sich erkundigten) städtechron. 3, 371; in dem ihr (Lutherischen) nach dem grundtlosen grund grübelt Nas antipap. eins u. hundert 6, 111ᵇ;
was sind wir hier bemühet
zu grübeln nach der schuld, die man vor augen siehet
Gryphius trauersp. 55 lit. ver.;
seit dem 18. jh. stark zurückgehend und mit der sinnfärbung von b: so grüble ich nicht gerne nach dem, was anders sein könnte, als es ist Zimmermann einsamk. 4, 9; die .. gebirgs-hindus .. grübeln .. nach abstrusem wissen Ritter erdk. 4, 120; neben der älteren bedeutung 'forschen' gelegentlich auch noch andere präpositionen oder adverbia: suchest du und grübelst sonst etwas anders draus Luther 16, 70 W.; es habe mir der marggraf auch geschrieben und um dieselbige sachen gegrübelt ders., corp. ref. 4, 769 Bretschn.; so will ich auch an ihm grübeln, so viel ich kann, dasz ich erfahren möge, was zu Hall die handlung gewest Pontanus ib. 3, 623;
was hilft mirs, dasz ich war geflissen
zu grübeln durch so manche kunst
Rist Parn. 543;
über, das erst mit dem verlust der sinnlichen anschauung möglich wird, beginnt erst im späteren 17. jh. aufzutreten:
der (sc. gmein man) wird sonst hart darüber grübeln
J. Ayrer dr. 3, 1771 lit. ver.;
und zwar in den älteren belegen durchweg mit dem dativ: wenn unterthanen über empfangenen befehlen grübeln Lohenstein Armin. 2, 597ᵇ; vgl. 1299ᵇ; der dat. erscheint auch in neuerer sprache noch gelegentlich, färbt aber den sinn gegenüber dem normalen acc. und betont das brütende verweilen der gedanken bei dem object: über dem sein dieses gottes vor der welt .. grübeln Schleiermacher reden ü. d. rel. 60; sein onkel grübelte über der quadratur des cirkels Gervinus gesch. d. dtsch. dicht. 5, 245; weit im vordergrunde steht seit dem älteren 18. jh. der acc.: wer über die befehle der obrigkeit grübelt Liscow sat. u. ernsth. schr. 457; nicht zu grübeln hast du über dein vaterland Herder 17, 316 S.; selten ist an: man vergesse darum das vergangene, grüble nicht an der zukunft Zimmermann einsamk. 4, 69;
tändelnd grübelt nur am liebeln
Göthe 15, 216 W.;
ganz ungewöhnlich: eine ganz natürliche antithetik, auf die keiner zu grübeln und künstliche schlingen zu legen braucht Kant 3, 282 ak. ausg.
d)
ein besonderes wort verlangt das part. präs., das in jüngerer sprache rein adjectivisch zur bezeichnung eines wesenszuges verwendet wird, also im sinne von grüblerisch: der grübelnde theil der christen wird ihm immer viel dank schuldig bleiben Göthe 37, 260 W.; zog ich mich bis fast in mein zwölftes jahr still und grübelnd zurück Steffens was ich erlebte 1, 36; den grübelnden, kopfhängerischen Deutschen Laube 2, 6; auch gern mit unpersönlichem regens: die grübelnde musik Herder 12, 296 S.; die grübelnde andacht der mysterien Ed. Gerhard akad. abh. 2, 351; die mit schlagwortähnlicher häufigkeit auftretende formel grübelnde vernunft ist eine schöpfung der zeit des sinkenden rationalismus:
die grübelnde vernunft dringt sich in alles ein
Lessing 1, 248 M.;
das licht, das nun aus meinem herzen strömt und die grübelnde vernunft erleuchtet F. M. Klinger w. 5, 59; Schiller 12, 420 G.; nur es giebt einen grübelnden verstand, den man meistens die spitzfündige vernunft nennt Herder 15, 151 S.
4)
bei so offensichtlichen bedeutungskreuzungen ist deutlich, dasz mit der üblichen etymologie, die das vb. lediglich an die wz. grab- 'graben' anknüpft, nicht auszukommen ist; vielmehr scheint mit einem vb. grubilōn solchen ursprungs ein anderes vb. verronnen zu sein, das als schwundstufige ablautsform zu krabbeln (auch grabbeln, grabeln, s. th. 5, 1911) gehört und das auf nd. boden erhalten ist: grubbeln greifen, mit der hand irgendwo herumwühlen brem. wb. 2, 552; tastend umhergreifen und fühlen Doornkaat-Koolman 1, 698ᵇ; grubbeln = grabbeln Dähnert 163ᵃ; grubli hühner oder enten nach eiern befühlen Schmidt - Petersen 54ᵇ; nl. grobbelen; engl. grubble; vgl.ergruppen erhaschen Vilmar 139; adj. grubbelig K. Sallmann n. beitr. 74; Hildebrands beiläufig hingeworfene vermuthung, dasz das vb. grübeln als ganzes aus einer solchen ablautform zu krabbeln herzuleiten sei (s. krabbeln I f), scheint weniger plausibel als die annahme der wortmischung, die nicht nur die bedeutungsentwicklung in manchem erhellt (vgl. besonders 3 a), sondern auch gewisse erscheinungen und doppelformen in den modernen maa. (etwa die unterschiede des stammvocals im schwäb., Fischer 3, 864 f.); auch einzelne formale seltsamkeiten älterer überlieferung werden so durchsichtiger: drucke und handschriften Lutherscher texte zeigen neben grubeln auch grobeln, grobbeln, gröbeln, gröbbeln, deutlich mit der kürze der obigen nd. formen, sogar grebeln (s. sp. 1), = gröbeln oder unmittelbar zu graben? die auffällig zahlreichen i - formen im älteren hd. können sich statt durch entrundung auch durch hereinspielen der ablautform gribeln erklären; vereinzelt mit p: (die ketzer) grüpeln im sacrament des waren leibs .. Cristi Berth. v. Chiemsee teutsche theol. 94.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1925), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 612, Z. 49.

grübeln2, vb.

²grübeln, vb.,
ableitung von grube: kleine gruben zum setzen junger pflänzchen bohren Unger-Khull 309ᵇ; ein gegrübeltes kinn haben Kramer nieder - hochteutsch dict. (1719) 1, 146ᵃ; für ein verbreitetes kinderspiel: kügelchen, nüsse, bohnen in grübchen werfen Staub-Tobler 2, 697; Lexer kärnt. 120 und sonst; grüberln Loritza 55; grüblen mit nüssen Frischlin nomencl. (1586) 278ᵇ; wenn er geld hatte, so verspielte er es mit grüblen, münzeln und hundert und eins J. v. Breitenfels Swift (1756) 1, 138.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1925), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 617, Z. 61.

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Zitationshilfe
„gerübelt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ger%C3%BCbelt>, abgerufen am 05.12.2021.

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