Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerücht, n.

gerücht, n.,
unverkürzt gerüchte.
I.
Formen, geschichte und verbreitung des wortes.
1)
das mnd. geruchte, gerüchte (mit den nebenformen gerochte, selten gerichte, gericht Dief. 224ᵇ. Schiller-Lübben 2, 72ᵇ. kulm. recht 2, 49), ursprünglich mit langem stammvocal, dem hochd. gerufte, gerüfte (s. d.) entsprechend, drang zunächst ins mitteldeutsche (vgl. Bech beitr. zu Vilmar 17) und von da in die hochd. büchersprache; es ist also wie nichte für nifte, lachter für klafter, schlucht für schluft. der eigentlichen volkssprache in Oberdeutschland blieb das wort fremd, so dasz es der Basler nachdruck der Lutherschen bibel von 1523 mit geschrei, leümed erläutert; aus dem gleichen grunde entfernen es die oberd. ausgaben der gemma, wo sie es in ihrer vorlage, der Kölner, vorfanden (s. unten I, 3. II, 1). dagegen blieb es in den nd. mundarten heimisch, z. b. märk. geröchte Frommann 4, 266, der form nach wie brûdlöchte, brautlauf 273; mrhein. boesz geruchcze, famia Dief. 224ᵇ, s.ge II, 5, c, γ sp. 1616; altclev. gerucht, clamor, strepitus, fama Teuthonista 104ᵇ, mnl. geruchte, clamor Dief. 125ᵇ, gherucht, populi clamor, tumultus, strepitus, murmur, turbamentum Kilian 171ᵇ, guter name, ruhm, überlieferung Oudemans 2, 552, nnl. gerucht.
2)
die einfachere mnd. form ist ruchte (s. d.), rüchte, rochte, daher entlehnt dän. rygte, n., schwed. ryckte, fem. gerücht, guter ruf.
3)
gerucht wechselt mit geruch (s. sp. 3750): tumultuari, gherucht machen, tumultuosus, vol gheruchs. Kölner gemma von 1495 Z 3ᵈ (vol ufflauffs Hagenauer gemma von 1510 L 7ᶜ), clamorosus, vol gerucks E 3ᶜ, vol gerochs Dief. 125ᵇ; namentlich in der bedeutung 'guter ruf': wie ein eerlich gerucht zuͦ erlangen sei. Eppendorff Plutarch (1534) 19, dasz er bei den leuten eins eerlichen geruchs wer. ebenda.
4)
nicht hierher zu ziehen, sondern eine nebenform zu geruch 'odor, duft' ist gerücht in folgenden stellen: mhd.
ob allir kriuter art
trueg ein gart ...
mit aller wurzen gerühte.
minnes. 3, 468ᵃᵃ Hagen;
nhd. das wort gotts ist ymer heilsam, obs wol den gottlosen eine gifft und gerücht des tods zum tod ist. Luther das ander teil widder die himl. propheten (1525) M 2ᵃ, in den werken 3, 82ᵇ geändert in geruch, im anschlusz an 2 Cor. 2, 16 ein geruch des tods zum tode, s. geruch 1, g, wie Luther auch gerücht gleich geruch 'fama' (sp. 3749) an riechen anknüpft: wie sein gerücht reucht, so lauten auch seine büchlin. 1, 362ᵃ, vgl. noch
was sind des wohlthuns früchte?
des namens wohlgeruch und liebliches gerüchte.
Rückert 3, 242;
gerüchte.
wer gerüchte vom geruch nennen wil, wird wenig fehlen;
beiderlei, wanns nicht recht gut, pflegt die sinnen fast (sehr) zu quälen.
Logau 3, 9, 2.
5)
selten steht gerücht für gericht 'speise':
beglückt! wer so wie du Gomorrhens blutgerüchte
und Sodoms zauber-wein, so bald er kan, verläszt,
ein Gosen reicht uns dort weit beszre zucker-früchte,
woraus man götter-tranck und muscateller preszt.
Günther 1077;
wie umgekehrt gericht für gerücht: der ein gut gericht schmelert, blasphemus Henisch 1514;
das bös gericht hat guten wind,
fleugt wie ein adler gar geschwind.
Ringwaldt laut. warh. (1621) 129.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
lautes rufen oder schreien, lärm, getöse: mnrhein.
do de heiden in der stat
van deme resen (riesen) horten dat
geruchte (gerufe) also groit.
Karlmeinet 369, 29;
dat groisse geruchte in dem sale.
25, 29;
dat wissen de vursten alle samen,
so waer wir unse hene wapenen
ind Preciosa roeffen,
dat dat unse geruchte (feldgeschrei) sy.
474, 50. 61;
de heiden reiffen er gerochte da:
Preciosa!
485, 32, geruchde 479, 47;
nhd. die bunde kuh ausz Flandern (ein schiff) kam,
wie bald sie das gerücht (gerüfte) vernam,
mit iren starcken hörnern.
Soltau volksl. 2, 7;
vil manich man fur Braunschweig kam,
do gingen die (sturm) glocken den bam den bam,
sie (die belagerten) scheuweten gar kein geruchte (kriegslärm).
Liliencron 2, 325, 6;
ob ein gerücht ader vihand (feind-)geschrei ins land queme. weisth. 1, 648 (Westerwald, von 1495); lärm der sturmglocken: er sloch an de clocken und makede ein grot gerochte. städtechron. 7, 404, 21 (Magdeburg, 15. jh.); die sturmglocke soll sein die mittelste glocke, die soll niemand läuten sondern zu feindes- und feuers-zeiten; da soll ein jedermann, der das gerüchte höret ... zukommen. Schott land- u. stadtr. 1, 243 (Stolpe in Pommern, von 1611); feuerruf, feuerlärm: dat geruchte wart in (den brandstiftern der zwei mühlen) so grois, si hetten anders die moelen alle verbrant. städtechron. 13, 145, 22 (Köln, 15. jh.); so balde der glockenschlag geschicht oder das gerüchte gehört, sollen alle und jede bürgere ... mit eimern, schuffen, sprützen, kannen und was sonsten zum leschen dienstlich .. stracks zum fewer lauffen. Leipz. ordn. 1544 N 1ᵃ; aufruhr: gheruchte, tumultus. Kölner gemma von 1495 Z 3ᵈ; die gerucht in einre stat machen, tumultuarii Dief. 601ᵇ aus der Kölner gemma von 1507, uffruor, geschrei oder ufflauff machen Straszburger gemma von 1518 LL 7ᵈ; und seint mit einer mirklicher groszer procession komen auf das rathhauis mit einem groszen ungebeir und geruicht. städtechron. 14, 940, 22 (Köln, von 1481); landgeschrei, landsturm gegen räuber: fuhren zu lande, wolten beute halten. da war ein gerüchte und glockenschlag von bauren, dasz der räuber edel und unedel etwa 10 gegriffen wurden. Th. Seibert chronik von 1679 bei Vilmar 332; lärm beim stechspiel am fastenabend:
ick byd wylt my doch bedyeden
dat gerucht under u lyeden.
Wierstraat 1622;
als die nachricht von dem herannahenden entsatz in dem belagerten Neusz eintrifft, erhebt sich ein freudengeschrei:
et wart ein gerucht in der stat.
2417;
geschrei und lärm jeder art: vangen an gemeinlich mit luiter stimmen zo roiffen, singen, springen, mit den voessen klapperen ind mit den henden, dae mit sij maichen gar ein groiss gerucht. Harff pilgerfahrt 138, 20; rüffen und blasen mit posaunen, machen ein schrecklich gerücht wann sie truncken werden. H. Staden reis. q 4 (weltb. 1567 2, 53ᵇ); mit geruchte der basunen. leben des heil. Franz. 32 bei Schiller-Lübben 2, 72ᵇ; sahe die kraen und dolen uber den waldt fliegen und grosz gerücht machen. Aimon l 3;
ich höre, wie mich dünckt, aus den besteinten enden
ein zimlich laut gerücht von mäulern, rosz und mann.
A. Gryphius (1698) 1, 549;
viel gerüchts (wesens, geschrei) machen. Kramer 2, 93ᶜ, vergl. gerufe 4.
2)
im nd. rechtsleben
a)
das not-, hülfs- oder zetergeschrei, unter welchem der auf der that ertappte verbrecher verfolgt und vor gericht geschleppt wurde: sve so nicht ne volget, alse man dat gerüchte scriet. Sachsenspiegel 1, 53, 1 Homeyer, md. daʒ gerûchte Weiske, die vom Sachsenspiegel abhängigen oberd. rechtsbücher umgehen das ihnen fremde wort, indem sie es durch gericht judicium u. ä. ersetzen: swer niht envolget, und nach wane einen man an schriet von gerihtes halben. Schwabenspiegel c. 64 Gengler, swer niht envolget als man schreit vor gerichtes. Deutschensp. 72; alle die binnen deme gerichte geseten sin, die solen dar to helpen dre dage bi ir selves spise, of sie dar to geladen werden mit gerüchte. Sachsenspiegel 3, 68, 2, ob sie dar zuͦ geladen werdent mit gerichte Deutschensp. 327, mit des rihters boten Schwabensp. Wackernagel 124 var., mit rehte 132, mit gerihte var.; im notfall übertragen sie es durch das sinnentsprechende gerufe: wert aver die wenet oder die sasse (der Wende oder der Sachse) .. mit deme gerüchte vor gerichte gebracht. Sachsensp. 3, 70, 2, mit geruͦffe vür gerichte pracht Deutschensp. 329, im Schwabenspiegel ist die stelle weggelassen. das alte kulmische recht dagegen bietet in éinem falle gerichte 'clamor': bewyset ein man syne wunden eime scheppen adir tzwen und schryge kein gerichte nicht noch clage is deme richter, der mag wol abe treten, das her syner smertzen nicht envordire. 2, 49, sonst immer gerufte (s. d.). dieser notruf hiesz auch das wapengeruchte, nach dem mittelalterlichen not- und hülfsgeschrei wâfen! wâfenâ!: (wer) wopengeruchte makede sunder noet. weisth. 3, 122 (Westfalen, von 1504); wan men ein frouwes persona vorkrefftiget (notzüchtigt), dat se schryet, ropt und dat wapen-gerüchte folget, de luide hoeren id und de richter und dat volck se reddet. ostfries. landr. von 1746 1, 62; in Oberdeutschland sagte man dafür geschrei (s. d.), land-, wâfengeschrei, einen beschreien.
b)
insbesondere aber das klagegeschrei, mit welchem alsdann die richterliche hülfe angerufen wurde, clamor judicialis, judiciarius: man ne sal niemanne dvingen to nener klage, der he nicht begunt ne hevet .. scriet aver he dat gerüchte, dat mut he vulvorderen mit rechte, wende dat gerüchte is der klage begin. Sachsensp. 1, 62, 1, vgl. 2, 64, wo die fälle aufgezählt werden, in denen man mit gerüchte klagen muszte: bei notzucht, diebstahl, raub, mord und todtschlag (das magdeb. recht, der stadt Görlitz im j. 1304 mitgetheilt, bei Schott 1, 81, schreibt bei der wiedergabe dieser gesetzlichen bestimmungen durchgehends gerufte, nur im art. 117: ob man en beshriet mit deme geruchte, während der Deutschensp. 183f. auch hier chlagen mit gerichte übersetzt und der Schwabensp. wiederum die ganze stelle übergeht); so vrage he wedder, oft dat geruchte vor der clage scole gan odder de clage vor deme geruchte. so vintme, dat geruchte scole vorgan, went it is der clage begin. so bidde he, dat het scrien mute. so sprict de richter, he gunnes em wol, oft is eme not si. so scrie de sacweldige selven over N. unde over sine unrechte vullest. richtsteig 33, 1, wo die Oschatzer hdschr. durchaus gerufte (s. d.) hat; swelik def begrepen wert daghes eder nachtes, dat schal me don mit gherochte, unde schal ene vorebringen mit gherüchte. Leibniz script. 3, 435; Daniel der voyt von Gota, or geleitsman, reit von on (den überfallenen) stille, swigende, das her kein geruchte machte bisz kein Erfforte .. hette her ein geruchte gemacht in der czit, so were das lantvolk uff komen und nochgefolget in der pflege zu Eckersberge. Stolle thüring. chron. 44; wer es daʒ der bischoff von Hildenzheim zuchticlich in die kirche geen und in keinen stul steen wulde und kein clage oder geruchte machen, so mochte man in inlassen. Janssen Frankf. reichscorresp. 1, 426 (von 1438).
3)
gerücht, geschrei, gemeine red, sag, ein red die under dem gemeinen volck herumb gehet Emmelius sylva M 2ᶜ, das gemein geschrei Dasyp. J 6ᶜ: als or dat gerochte der oveldat volgede (nach Magdeburg). städtechron. 7, 338, 26 (15. jahrh.); sich erhub also ein gerüchte, die steinmol hette zu fil wassers. Michelsen thür. rechtsd. 134 (Erfurt, um 1400); lieszen ein gemein gerücht ausgeen, als wolten sie aus dem lant ziehen. Wilwolt v. Schaumb. 46; ist auch das gemeine gerücht gewest, man stelle mir dermaszen nach, dasz ich dem bad nit wohl entgehn werde. Hutten 5, 29 M.; wie bald der werber fall durch das gerucht auszbrach, versamlete sich die freündtschaft der entleibten. Schaidenreiszer Odyss., summarium; das geruchte ist seer trüglich ... dem gerucht und reden der menschen wer nit sicher zuͦ glauben. Eppendorff Plutarch (1534) 561; wenn nun jemand .. übel gehandelt, davon ein geruchte und gemeine sage gehet. Agricola spr. 571;
denn wen das grücht zum buben macht,
der bleibt sein lebenlang veracht.
froschm. 3, 1, 1, Nn 8ᵃ;
wann ein öffentlich gerüchte von einer person laster erschallet und lautbar würde, welches doch noch ungewisse und unbekant wäre, soll der prediger dieselbe nicht mit namen auf der cantzel nennen. magdeb. kirchenordn. von 1685 c. 22 § 17; weil dero hohe gaben, weisheit, güte und leutseligkeit ... so weit in allgemeinem gerüchte sind. Opitz 1, vorrede 8ᵃ; mündlich verbreitete nachricht, kunde, zeitung: und noch do sie waren an dem weg, das gerühd kam zu David sagend: Absalon hat geschlagen alle sün des künigs. bibel 1483 148ᵃ, 2 Sam. 13, 30, wo Luther ebenfalls das gerüchte übersetzt; es kam ein gerücht von Tirhaka der Moren könig, sagend, er ist ausgezogen wider dich zu streiten. Jes. 37, 9; da sie das gerüchte höret, das die lade gottes genomen war. 1 Sam. 4, 19; von einer predigt, die doch der könig selbs nicht höret, sondern nur das gerüchte davon vernam. werke 3, 196ᵃ; gieng nicht jüngst ein gerüchte, dasz das feuer eine stadt an der grenze verwüstet habe? Schiller III, 395 (kabale 2, 2);
sieh ich kam, ob du etwa gerücht vom vater mir sagest.
Voss Odyss. 4, 317.
4)
der 'ruf', in welchem man in der leute mund steht, gute wie böse nachrede: gherucht, fama est nomen malarum et bonarum rerum. Kölner gemma von 1495 J 1ᵇ; gerucht oder leumot voc. 1482 l 8ᵇ. m 1ᵃ; wider dieselbigen (verfolger der rechten christen) ist dis ein schrecklicher psalm (109.), denn er flucht und verkündigt so viel ubels den feinden Christi, das etliche diesen psalm haben ins gerücht gebracht, das die münch und nonnen jn sollen beten wider jre feinde. Luther 3, 306ᵇ; dasz er ausz dem vorhergehenden gerücht (ruf, welcher der schrift vorausgeht) und dem inhalt angemerckt habe, dasz der pasquillant mich ehrenverletzlich angegriffen habe. Schuppius 621.
a)
der gute ruf oder name: wie er (Joseph) im kerker lage und sein ehre und gerücht jm genomen war. Luther 4, 214ᵇ; man sol niemand sein ehre und gerücht nemen. 405ᵃ; und ist damit (mit dem achten gebot) unserm gerücht und unschuld eine mawr und schutz gestifft. 6, 313ᵇ; weil auch mein gerücht gnugsam entschüldigt ist. 4, 319ᵃ; das gerücht ist köstlicher denn gros reichthum. spr. Sal. 22, 1; der glaube leidt keinen schertz, also das gerücht, also das aug. S. Frank sprichw. 2, 4ᵇ; ein eerlicher mann luͦget, das er dem gerucht, das eerlich von im uszgeschlagen, allezeit genuͦg thuͦt. Eppendorff Plutarch (1534) 588; zur beschutzung unser ehren, guter, gerüchts, herkommens und stands. Diefenbach-Wülcker 613 (Frankfurt, von 1541);
die miszgunst, das arge thier,
das jedermans gerücht verlötzet.
Weckherlin 382;
wirst du die schantz ein mal versehen,
so ists umb dein gerücht geschehen.
Henisch 1525;
zur rettung meines gerüchtes, welches wegen voriger übereilten edition sich mercklich verletzt befindet. Opitz poet. 25;
er kaufft (ein weib) nach gerüchte
und nicht nur nach gesichte.
Logau 3, 8, 37;
ein redlicher mann.
sein ruhm, der kan bestehn, und sein gerücht ist ächt,
wer dieses sagt was wahr, und dieses thut was recht.
3, 9, 3;
ich will feuer und holz zusammentragen, die historische flamme recht grosz zu machen, wenn es auch abermals .. der scheiterhaufen meines philosophischen gerüchts sein sollte. Herder 9, 19 Hempel.deutlicher durch ein beigefügtes adjectivum, gutes, ehrliches, unschuldiges, untadeliches gerücht: guet gerucht, adoria, eulogium Teuthonista 104ᵇ; uis dem wail verdeinten goiden gerucht, dat he nae sich gelaissen hait. städtechr. 14, 778, 34 (Köln, 1499); du bekennest wal, wo guden gerochte der hillicheit de bisscop Floridus hevet. dialogi Gregorii 209ᵇ (15. jahrh.) bei Schiller-Lübben 2, 73ᵃ, vergl. im geruche der heiligkeit stehen sp. 3750; die eer und guͦt gerücht .. des römischen künigs bewart und beschirmet. Goldast reichshandl. 34 (von 1492); ich hab weder gut noch gelt, beger auch der keines, hab ich gut gerücht und ehre gehabt. Luther 1, 55ᵇ; sehet unter euch nach sieben mennern, die ein gut gerücht haben. ap. gesch. 6, 3; das auch disze schetzung e. f. g. letzten tagen so vill gutes geruchts, namen und gunst beraubt hat. brief von 1517 bei Dietz 1, x (briefe 1, 78); von einem, der guts gerüchts were, und doch anders thet. werke 3, 237ᵇ; die eins guten leumden oder geruchtes weren. Emser wider das unchristliche buch M. Luthers an den d. adel J 4ᵇ, s. 73 neudruck; ein frumer und gottfürchtiger man und gutes gerüchts bei dem gantzen volck. ap. gesch. 10, 22; in einem guten gerücht sein. Stieler 1632; ein gut gerücht machet das gebeine fett. spr. Sal. 15, 30. 25, 25; ein gut gerücht ist besser denn gute salbe. pred. Sal. 7, 2; zuͦ groszer reichtumb und guͦtem gerucht kan niemants schnell kummen. Eppendorff Plutarch 548;
wie das dein gut gerücht wirdt krencken.
B. Waldis Es. 4, 46, 27;
freilich hat die kirche ein gut gerüchte, wenn man mit warheit saget: die lerer und diacon in diser stadt seind fein eins unter einander. Mathesius Sar. 233ᵃ; one bemeligung eines guten namens und gerüchtes. diluvium 403ᵃ;
ein weib, das gerne trinckt, speit unversehens ausz
ihr ehr, ihr gut gerücht.
Logau 2, 2, 24;
eltern, die eben nicht reich, jedoch bei jedermann ein gutes gerüchte hatten. Felsenburg 3, 11; ists möglich, dasz ich also meinen guten namen und gerüchte soll schmählern hören. Holberg lustsp. (1748) 1, 501;
und seid ihr faul im kern, was sucht ihr gut gerüchte?
Rückert 11, 48;
das zeichen, da got mit sine dineren beide samt unschuldic geruchte wolde geben. veterbuoch 77, 27 Palm; ich wil mein untadeliches gerüchte mit dem laster dieses undancks nicht beflecken. S. v. Birken Margenis 29;
es kennt ein jeder wol
mein ehrliches gerüchte,
das ehrlich bleiben sol.
Opitz 3, 75.
b)
groszer, hoher ruf, rühmendes gerede im volke, ruhm, ansehen, ehre: er hett gern ein grosz gerücht, captat famam. Alb. ii 2ᵃ; predigt (Münzer) erstlich, das er jm ein gros gerücht machte. Luther 3, 126ᵇ; so was doch Coellen niet van so groissen roime ind gerucht, van richdomen und van eirwirdicheiden als si nu is. städtechr. 13, 287, 21 (Köln, von 1499); mhd.
wîplîch gebærde und vröulîch zucht
die sint für aller welt gerucht (sind mehr als aller welt ruhm).
Boner edelst. 96, 52 Benecke,
dagegen bei Pfeiffer in der ursprünglichen fassung ist aller wirdekeit genucht; nd. syn gerochte wart gebreidet wyde unde veere. dial. Greg. 188ᵇ bei Schiller-Lübben 2, 73ᵃ; md. in der zeit hôrte Herodes tetrarcha daʒ gerûchte Jhesu. evangelienübersetzung bei Haupt 9, 272, dagegen gerûfte 288 (14. jahrh.; Luther zu der zeit kam das gerüchte von Jhesu fur den vierfürsten Herodes. Matth. 14, 1); sein gerühde gieng aus in alles Syria. bibel 1483 471ᵇ, Matth. 4, 24, sein gerucht erschal in das gantz Syrienland Luther, vgl. Marc. 1, 28; Mardachai war gros im hause des königes, und sein gerüchte erschall in allen lendern. Esther 9, 4; sein gerücht kam weit aus. 2 chron. 26, 15; da die königin von Reicharabia das gerücht Salomo höret. 9, 1; welchs wir dann als ein gewalt des heiligen bepstlichen stuͦls in hohem gerücht, reichtumb ... erhalten. Schade sat. 3, 75, 20; wird sein rühmliches gerücht und guter nahme etwas verfinstert. Butschky Pathm. 414; das gute Liefland, welches .. unserm Teutschlande an künsten, reichtumb und gerüchte nicht weichen solte. P. Fleming 86 Lappenberg;
setz an die feder, das zu schreiben,
durch welches dein gerüchte kan
in ewigkeit hernach bekleiben.
Opitz 2, 203;
wolan, denselben tohn den ich dir nicht kan geben,
wird dein gerüchte dir verleihen nach dem leben.
2, 40;
freier künste wissenschafft aber gibt ihren liebhabern nichts als famam et famem, gerücht und dürfftigkeit. Schuppius 423;
zwar künnen ihr gerüchte
durch ewiges gewichte
verewigen die tichter.
Logau 3, 6, 13;
ein ungewohnter zug ...
der, nach propheten-art, dir ewiges gerüchte,
ein hohes alterthum und stetes glück verheiszt.
Canitz 61;
zwar noch zu glücklich, wessen wunden
bei dem gerüchte platz gefunden,
er hascht ihn doch, den edlen traum.
Haller ged. (1777) 11;
mich ruft die weltgeschichte, ahnenruhm,
und des gerüchtes donnernde posaune.
Schiller V, 1, 76 (dom Karlos 2, 3).
c)
böser, übler ruf, verruf, üble nachrede, vgl. berüchten und berüchtigen: dat irre ein den anderen zo leste dede .. usme rade setzen und in in ampten und gaffelen lieszen zo geruchte machen (in übeln ruf bringen). städtechron. 12, 285, 9 (Köln, 14. jh.); darom wart der buschof zornich ind machde zo geruchte einen geboren Gulcher (Jülicher). 13, 171, 19 (15. jh.); daʒ ich in grosze geruchte, unglauben (miscredit) und kommer kommen bin. Dief.-Wülcker 613 (Frankfurt, 15. jh.);
nit nim in bösen dingen gerücht.
keiser Maximilians lehr (1532) v. 194;
mancher frecher,
der sich an kein gerüchte kehrt.
Ringwaldt laut. warh. (1621) 129;
das gerücht tödt den man. S. Frank sprichw. 2, 19ᵃ; wird sie dann ein geschrai machen, so wollen wir sie verlassen und über sie ein gerücht machen. Heinr. Jul. v. Braunschweig Sus. 1, 5;
ein solch gerücht habt jhr (capellan),
dasz jhr predigt uber die zeit.
Sandrub hist. 38, 8 neudruck;
helt man dich für einn losen man,
wiltu nicht haben disz gerücht.
Hellbach Grobianus 39ᵃ;
mit der warheit sein die landsknecht, dasz sie keiner katzen bedürffen und wol selber mausen können, ins gerücht kommen. Kirchhof wendunm. 102ᵃ;
du bist vervehmt, es ruht auf dir die acht;
es hat das reich dich in gerücht (verruf) gebracht.
Freiligrath ges. ged. 2, 135;
deutlicher durch hinzufügung eines adjectivs wie böse, schändlich, garstig: infamis, rüchtig, der ein bös gerücht hat, bösen leumut. Alb. ii 1ᵇ; diffamare, ein bose gerucht machen, nd. en bose gherochte maken, entrochtigen, beruchten Dief. 180ᶜ; das dann nit allein gemeinem hantwerck ein pös gerüchte .. bringet. Nürnb. pol.-ordn. 239 Baader; ein solche verwegene oder leichtfertige person von bösem leumut und gerücht. Carolina art. 25, von pösem leümat und gerucht. bamb. u. brandenb. halsgerichtsordn.; auff das dirs nicht ubel spreche, der es höret, und dein böse gerücht nimer ablasse. spr. Sal. 25, 10; durch ehre und schande, durch böse gerüchte und gute gerüchte. 2 Cor. 6, 8;
es ist grosz ding, freund in der not,
doch gröszer, freund bisz in den todt,
im bösen grücht freund hinder rücken,
die drei machen ein feste brucken.
B. Waldis Es. 3, 11, 49;
eine die wol schön war, aber ein böses gerucht hatte. Fischart ehz. 32; sonsten hat sie ein gewaltig böses gerüchte hie in der stadt. Heinr. Jul. v. Braunschweig 284 Holland; ein könig, welcher der ungerechtigkeit halber allenthalben ein bösz gerüchte hatte. pers. rosenth. 1, 12; eine registratur wegen Annen Marien Braunin bösen gerüchts. neue mittheil. des thür.-sächs. vereins 9, 86 (von 1689); in bösem gerüchte sein Kramer 2, 93ᶜ, einen in böses gerüchte bringen Frisch 2, 130ᵃ; eine magd von diebischen und garstigen gerüchte. Prätorius glückstopf 67; sollen sie dein spotten, das du ein schendlich gerücht haben müssest. Hesek. 22, 5.
5)
ungewisses gerede, unbestimmte nachricht, rumor incerti autoris Henisch 1524: heymelick gerucht maken, rumitare, rumificare Dief. 503ᵇ aus dem Teuthonista; also kam dat gerochte under de papen. städtechron. 7, 299, 7 (Magdeb., 15. jh.); der teuffel aber brachte hierein (in das bedrohte Wittenberg) ein erschrecklich gerüchte. Bugenhagen bei Hortleder 570; da das gerücht (von der gefangennahme des kurfürsten) zu uns kam. 571; wann ein gerüchte wegen einer missethat entstanden, hat der richter zuförderst wohl zu erkundigen und reiflich zu erwägen .., ob das gerüchte beständig oder unbeständig sei. magdeb. pol.-ordn. von 1688 c. 60 § 2; starck gerüchte, fama constans Henisch 1525; falsch, ungewisz, erdichtetes gerücht Stieler 1632; ein unzuverlässiges, unverbürgtes, leeres, schwaches, fliegendes (levis) gerücht. Kraft deutsch-lat. wb. 1035; es ergab sich freilich sehr bald aus den zeitungen, dasz die ganze fabelhafte reise des königs von Preuszen ein bloszes ungegründetes gerücht gewesen. Chamisso 4, 268; einen plan auf ein bloszes gerücht (hin) aufgeben. Göthe 19, 32;
dich täuscht ein fabelhaft gerücht.
Schiller XIII, 211 (jungfr. v. Orl. 1, 8);
so werden Englands feinde alle welt
erfüllen mit gehäszigen gerüchten.
XII, 440;
eine so beispiellose geringschätzung aller kaiserlichen befehle .. muszte endlich den nachtheiligen gerüchten, wovon längst schon ganz Deutschland erfüllt war, glauben bei dem kaiser verschaffen. VIII, 333; was für häszliche gerüchte entstanden wären, wie ihr diese zu ohren gekommen. Jacobi Woldemar 2, 93; bei den abscheulichen gerüchten, die bereits über die veranlassung der klage im volk herrschten. Heinr. v. Kleist (1859) 3, 268;
und mit wahren gerüchten ersonnene wild durch einander
ziehn bei tausenden um.
Voss Ovids verw. 51, 16;
es erhebt sich ein gerüchte, gehet, breitet sich aus. Steinbach 2, 291; ein gerücht entsteht, kommt, verbreitet sich, legt sich, verstummt. Kraft deutsch-lat. wb. 1035; das gerücht verleuret sich. das gerücht gieng, er wäre todt. Stieler 1632; dis gerüchte lief eilend von hause zu haus. Zesen Assenat (1679) 565;
ein schleichendes gerücht durchläuft schon längst
die welt, dasz Dmitri Iwans sohn noch lebe.
Schiller XV, 2, 448;
welch ein gerücht läuft durch den lagerplatz.
H. v. Kleist Herrmannsschl. 4, 9;
unter den soldaten läuft das gerücht, dasz ... Freytag werke 12, 162; es ist ein gerücht erschollen durch die gantze statt. Aler 911ᵃ; es taucht ein neues gerücht auf;
es tobt das gerücht die erschütterte stadt durch.
Voss Virg. Än. 4, 666;
ein gerücht jagte das andere, eines war abenteuerlicher als das andere. Gotthelf 7, 359; so wogten die gerüchte hin und her, wie vor einem gewitter die wolken durch einander gehen. 360; es kommt ein gerücht übers andere. Stieler 1632;
es mehrt sich das gerücht.
Göthe 9, 80 (Iphig. 5, 1);
das gerücht ist immer gröszer als die wahrheit. Körte sprichwörter 2047;
es war das gerücht selbst unter der wahrheit.
Voss Ovids verw. 3, 16;
das gerüchte sagte wunder von ihrer schönheit, indessen war doch niemand, der sich rühmen konnte sie gesehen zu haben. Wieland 3, 219; was sagen sie? 'nichts, als was das gerüchte verbreitet.' Lessing 2, 182; ein gerücht von einem aussprengen. Stieler 1632;
die immer gleiche ruhe meines königs
kann die gerüchte mächtig niederschlagen,
die sich die lästerung erlaubt.
Schiller V, 2, 287 (don Carlos 3, 4);
man trug sich mit allerlei gerüchten, und munkelte dies und das. Musäus märch. 3, 116; es entsteht im reiche der schatten eine grosze bewegung über die gerüchte von Friedrichs thaten. Körte briefe der Schweizer 335;
gieng ein gerücht umher von meinem dasein, ..
Schiller XV, 2, 443;
mistrauend dem gerücht von unserm tode.
XIII, 345, vgl. Wieland Luc. 6, 348;
gerücht ist eine pfeife,
die argwohn, eifersucht, vermuthung bläst,
und von so leichtem griffe, dasz sogar ..
die immer streit'ge wandelbare menge
drauf spielen kann.
Schlegel Shakesp. 6, 188.
6)
das gerücht, wie im grunde schon in einigen der oben angeführten beispiele (das gerücht geht, läuft u. s. w.), gern als persönliches oder göttliches wesen gedacht, meist nach dem vorgang von Virgils schilderung der fama, Än. 4, 173 fg. und metamorph. 12, 39 fg.:
da ging ein froh gerücht vom hof zur stadt hinaus ..
da that das fröhliche gerüchte seinen mund
mit lachen auf und sprach: wer bist du? thu mir kund!
und jenes sprach: ich bin das traurige gerüchte.
Rückert 12, 188;
alsbald macht das gerücht sich auf,
die grosze post durch Libyen zu tragen u. s. w.
Schiller VI, 393;
da breitet das gerücht sein flügel ausz zum flug.
D. v. d. Werder Gottfr. v. Bulljon 20, 101;
ihr ruf drang auf den flügeln des gerüchtes
durchs ganze land bis zu des fürsten ohren.
Wieland suppl. 2, 63;
eine schanze, dahinter man sich gegen die wurfpfeile des lästerzüngigen gerüchtes zu bergen pflegt. Musäus märchen 3, 116; gerücht (rumour), ganz mit zungen bemahlt, tritt ein (und spricht den prolog). Schlegel Shakespeares Heinrich IV., 2. theil;
du tausendzüngiges gerücht,
ermüde nie im ruhm der zeiten.
Hagedorn 3, 157;
der ehren kind, der preisz
versetzt dir einen krantz, den trägt dir das gerüchte (die öffentliche meinung)
auch itzt entgegen schon.
P. Fleming 48;
krieg ist die losung unsrer zeit, ...
nur Deutschland, matt zu blut'gen reisen (s. kriegsreise),
schont itzt einmal den odem des gerüchts (der kunde des geschehenen).
musenalm. Lpz. 1770 269 = Michaelis werke 1, 184.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3751, Z. 55.

gerüchte, n.

gerüchte, n.
die ruhe, der ort der ruhe, entsprechend der form rugen für ruhen bei Luther und Alberus m 3ᵃ: habe mich begeben in das stille gerüchte, zum geruhigen studiren der heil. schrift. Luther bei Becker weltgesch. 7, 216, aber in de Wettes ausgabe der briefe 1, 510 steht dafür das part. adj. gerügte, s. unter geruhen 4, b, γ sp. 3762; älter md. gerûde, ort des ausruhens:
daʒ sî dî reisinge dort
vundin nâch der mûde
dâ heim an irm gerûde.
Jeroschin 23439.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3758, Z. 22.

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Zitationshilfe
„gerüchte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ger%C3%BCchte>, abgerufen am 07.12.2021.

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