Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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geroll, geröll, n.

geroll, geröll, n.
lärmende lustbarkeit, lustigkeit, schäkerei nürnb.-oberpfälz. Schm.² 2, 87, auch gerollez, grollez, subst. verb. zu rollen, rollezen, rollzen, röllzen, lustig sein bis zur ausgelassenheit, schäkern; ebenso schwäb. geroll, groll, lärm, mutwille, lautes gelächter Schmid 438; köln. gerölz, fröhliche balgerei, tummelei Hönig 73ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3732, Z. 14.

geröll, n.

geröll, n.
schlittengeschell, coll. zu rolle, runde schelle, z. b. an schlittengeschirren Stalder 2, 280, schweizerisch: das vorderste saumrosz trug eine glocke, das zweite ein geröll. Tschudi thierleben der alpenwelt (1856) 622.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3732, Z. 20.

gerolle, geroll, n.

gerolle, geroll, n.,
subst. verb. zu rollen.
1)
das wälzende hinabgleiten:
dasz nicht rutschte herab im geroll ausgleitender kiesel ..
Baggesen bei Campe.
2)
das rollen als dumpfer ton:
bei des donnertons geroll.
Rückert 6, 257;
das geroll des donners.
Freiligrath ges. dicht. (1877) 1, 89, s. donnergerolle;
dann (klingt es) wie des waldstroms laut geroll.
Uhland 408 'das glück von Edenhall';
das geroll der kugel, das gerolle der lastwagen auf dem straszenpflaster;
dem lauten
trommelgeroll der Kureten und klapperndem erze gehorsam.
Voss Virg. georg. 4, 151.
3)
das dahin oder herab rollende, wie wogen, schneemassen: das schneegerolle, die lauwine Campe 4, 233ᵇ;
perlen spielen in dem fluszgeroll.
Brentano gründung Prags 88;
Acheloos mit silbergeroll.
Voss Hesiod theog. v. 333.
ungewöhnlich für wagen:
verblüfft fuhr schnell mit dem leeren geroll er den rain ab.
Baggesen bei Campe.
4)
wie das folgende gerölle 1: zwischen dem gerolle dieses flusses findet man auch gold. A. v. Humboldt bei Campe.
5)
ein schlechtes geroll, ein schlechtes rollen, z. b. mit der rolle oder mange. Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3732, Z. 24.

gerölle, geröll, n.

gerölle, geröll, n.
etwas in stücken rollendes, s. gerülle, gerille.
1)
lockere abgerundete gesteine, welche die fluszbette der bäche und flüsse, und die gehänge der steilen felsgebirge bedecken Scheuchenstuel 99: bildung der gerölle. gelangen bruchstücke von gesteinen, eckige geschiebe, trümmer, die bei dem vorgange der verwitterung und zerstörung der felsen aus gröszeren massen entstehen, in den rinnsal der bäche und flüsse, so werden sie von dem strömenden wasser fortbewegt, durch rollung abgerundet und auf diese weise in gerölle umgewandelt. Oken 1, 596 fg.; das gerölle, soluta Steinbach 2, 293; es (pferd) stiesz am kleinen gerölle des hanges an. Göthe 15, 316; keine vegetation belebte fels und gerölle. 23, 50; noch rieselte die asche, als der rüstige jüngling mich schon über das glühende gerölle (des Vesuvkegels) hinaufrisz. 28, 31; die eisengruben sind unfern Pograd in einem aufgeschwemmten, von glimmerschiefer herzuleitenden gerölle. 51, 159;
ich kam daher auf glatten wegen,
und jetzt steht mir geröll entgegen.
41, 147;
in einen abgrund hinuntergerast ist er, über geröll und baumstämme. Freytag ges. werke 2, 225.
2)
geröll, gerümpel Kehrein volksspr. in Nassau: ich selbst habe es (pergamentblätter) aus altem geröll hervorgeholt. Freytag handschr. 3, 238.
3)
zusammensetzungen zu no. 1: geröllablagerungen Oken 1, 635; geröllboden, kiesboden Krafft landw. lex. 490; gerölledecke, deckgestein, aus geröll bestehend Dannenberg-Frantz 149; die geröllhalde; geröllkegel Hunziker 207; geröllmassen Oken 1, 597.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3732, Z. 51.

gerülle, gerüll, n.

gerülle, gerüll, n.
subst. verb. zu rollen, nd. rullen, etwas lockeres, das leicht rollt, ins rollen kommt, etwas zusammen- und durcheinandergerolltes, md. gerille (s. d.), vgl. gerölle.
1)
wie geröll 1, lockeres gestein an bergabhängen:
wie jetzt der raubschütz auf geheimen wegen
mit seinem raube will davon sich machen,
hört er's gerüll von schweren tritten krachen.
Lenau neue ged. 17.
2)
bergmännisch.
a)
gerülle 'bedeutet gar lucker und lose gebürge, das immer nachfället und man stets versprügeln musz' Herttwig bergb. 171ᵇ, vgl. gerölliges gestein: das rote gebirge, rotenklee, gerülle, gniest u. s. w., dise 16 bergkart oder fletze ligen alle auff dem schifer. Mathesius Sar. 71ᵇ;
da (im schosz der erde) ist's so kühl! da ist's so still!
kein schwadengift und kein gerüll
kann uns dann weiter schaden.
J. Chr. Wagner bergmannslied im musenalm. 1784 s. 25.
b)
ein gerüll machen: wenn viel gänge zusammen und unter einander fallen, dasz man ihr streichen und sahlbänder nicht von einander unterscheiden und erkennen kan, so saget man: das ertz machet ein gerüll. Herttwig bergb. 171ᵇ; aufgefaszt als eine ableitung von rülen, rüllen, brüllen Stieler 1636. Schm.² 2, 88, im reime mit gebrüll: wann viel gänge zu hauffe fallen und machen ein gerull und gebrull. Löhneisz 16; die ertze machen ein gerüll und gebrüll, ramblen sich. Berward bergphras. 5.
3)
in Nordböhmen und der Oberlausitz heiszt die brautausstattung, die im festlichen aufzuge in das haus des bräutigams geführt wird, gerülle oder plündich (s. plunder theil 7, 1945) Knothe 251. Petters andeut. 19. Willkomm sagen 1, 8.
4)
allerhand alte unbrauchbare mobilien und hausrat, in die winkel oder auf den boden gestecket Amaranthes frauenz.-lex.² 573, zum theil auch sonst nur zur seite gesetzte mobilien und hausgerätschaft, so man bis zur ausbesserung oder zufälligen gebrauch in einem verschlossenen raume aufzubehalten pfleget Zinck öcon. lex. 925, allerhand untereinandergeworfenes zeug Bock pr. wb. 14: in einem alten vergesznen rentenregister, welches unter anderem gerüll in einer polterkammer lag. Immermann Münchh. (1841) 1, 87; gerüll und gerümpel. 3, 205.
5)
trümmer: schlangen, die unter dem gerülle der alten altäre lauern. H. Heine reisebilder 4, 106; bildlich: wo staub und gerüll von jahrhunderten liegt. Tieck ges. nov. 10, 40.
6)
das gerülle, in Meiszen der abgang von den garben in den scheuern Adelung; in Estland gerüll, das durcheinander von spänen, trockenen reisern u. s. w. Sallmann beitr. (1877) 21ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3770, Z. 29.

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Zitationshilfe
„gerülle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ger%C3%BClle>, abgerufen am 06.12.2021.

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