Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerütze, gerützet, geruzig

gerütze, gerützet, geruzig,
s. grütze u. s. w.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3781, Z. 78.

grütze1, m.

¹grütze, m.,
hamster, s. grutsch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1933), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1018, Z. 73.

grütze2, f., m.

²grütze, f., m.,

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geschrotetes getreide.
herkunft und form. ahd. gruzzi, gruzze, grutze, mhd. grütze, ags. grytt, n., pollis, grytta, gryttan (pl. f.) furfur, engl. grit, mnd. grutte, f., gehören wie grausz, griesz, grosz, an. grautr, m., grütze, ags. grot, n., pollis, particula, grotan, engl. groats grütze zur idg. wurzel ghrēud- zerreiben, zermalmen, die im germ. im st. v. ahd. fergrozziniu excollocta (= exculta) gl. 2, 207, 67; 211, 77 und gigrozzan broth panis cretinus (= χριθινός) gl. 3, 507, 6 sowie in mhd. griezen zerkleinern, zermalmen, streuen fortlebt. die bei einer schweren wurzel zu erwartende langvokalische form der schwundstufe begegnet wie in ags. grūt, mhd. grûz in lit. grūdas korn, grūdiẽne grützbrei. dagegen geht ksl. gruda erdscholle auf *grōudā zurück. weiteres bei Walde-Pokorny 1, 649 f.; Trautmann bsl. wb. 99; Berneker 357. das geschlecht ist ahd. und mhd. unklar, nhd. erscheint neben dem fem. auch das masc. und neutr.: da schmissen die mönche ... den grütze mit der schüssel auf den ofen Herberger herzpost. (1613) 1, 263;
hat die köchinne aufsicht auf ihre mütz, ...
so hat sie nicht sonderliche gedancken auf den grütz
Prätorius philosophia colus (1662) 128;
brennt euch der kalte grütze auch sehr aufs hertze? Chr. Weise grünende jugend 183 ndr.;
die liebe brennt wie heiszer grütze
und würcket tausend bangigkeit
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 2, 403.
weitere belege s. unten. das nd. wechselt zwischen gört(e), Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 665; Wöste 82ᵇ; Müller-Weitz Aachener ma. 70, gööt Hönig Köln 67 und grüt(te) Hönig 69; Mi mecklenb. 29; Schambach Göttingen 70, fast nur als fem., doch vgl. das masc. bei Frischbier preusz. 1, 258; Hupel Lief. u. Esthl. 83. auch das md. (grütz, gritz, grötz, gretz) bevorzugt das fem., doch vgl. Crecelius oberhess. 442; Hofmann niederhess. 111ᵃ und die historischen belege bei Müller-Fraureuth 1, 448. auf obd. boden ist das wort seit je wenig verbreitet oder unbekannt gewesen. Augsburger und Züricher bibelübertragungen meiden es, s. Byland wortschatz des Züricher alten testamentes von 1525 und 1531, s. 46; Fischer schwäb. 3, 889 anm. die bayrisch-österreichischen dialektwbb. verzeichnen grütze überhaupt nicht, während das schwäbische das wort heute nur in der bedeutung 'verstand' kennt. es steht aber nicht fest, ob grütze 'verstand' und grütze 'getreidekörner, brei' ursprünglich gleiche wörter waren. die verbindung der erstgenannten bedeutung mit kritz (s. u. teil 5, 2341) ist möglich und es könnte die uneinheitlichkeit im geschlecht auf alter entstehungsverschiedenheit beruhen. allerdings scheinen von der idg. wurzel *ghrēud- auch wörter, die sich auf das seelische gebiet erstrecken, gebildet worden zu sein wie russ. grustъ kummer, lit. graudùs 'brüchig, rührend, wehmütig; vgl. auch ahd. grūsōn schrecken empfinden' Walde-P. 1, 648f. eine klärung des sachverhalts scheint nicht mehr möglich.
bedeutung.
1)
mehr oder weniger grob geschrotete und enthülste körner von gerste, hafer, buchweizen, hirse oder der daraus gekochte brei.
a)
getreidekörner, geschrotet oder gestampft: pabulum grosz, grutz als die swein essen, mancherlei korn gemenget vocab. theuton. (1482) nach Diefenbach gl. 405ᵃ, vgl. 226ᵃ, s. v. farrago; gritze alica Aler dict. 1, 983ᵃ; grütz (der) est far comminutum, polenta, farrago, granea ptisana Stieler 712:
da wird brimel, grütze
daz ist auch gar nütze,
und den pferden fuͦter
König v. Odenwald 5, 39 Schröder;
item 41⁄2 f. vor 2 tunne grucze handelsrechn. d. deutschen ordens 4 Sattler; item 1 firdung 1 sch. vor grucze, pottir, böten, dorsch zu schiffe zu brengen Marienb. treszlerbuch 175 Joachim, häufig im groszen ämterbuch, auch als grocze, s. register; und das weib nam und breitet eine decke uber des brunnen loch und breitet grütze drüber, das man es nicht mercket 2. Samuel 17, 19; der erbar mann ... dörret sein gerstene graupen oder weitzene grützen Mathesius 2, 130 Lösche; wie bei den nidern Sachsen der brauch (ist), ... den grütz oder bauchweitzen mit milch zu sieden Ryff spiegel u. regiment d. gesundth. (1544) 38ᵃ; appenda die hülse vom hirtz oder grütz nomencl. lat. germ. (Hamburg 1634) 103; nachdem dann linsen, bonen, hirse, heide, habern, gärsten, grütz, auch erbeiszen, sehr gute speiszen, zum krieg dienstlich S. Wolder türck. untergang (1664) e 4ᵇ;
mit erbsen, gritz und bohnen
kompt (der bauer) auf den marck gar schone
Agyrtas grillenvertreiber (1670) 97;
man richtet daraus (aus dem heidekorn) wenn es auf der mühle zurecht gemacht und ausgehülset, den grützen zu v. Rohr obersächs. hauswirtschaftsb. (1722) 205;
sie waren ehmals rüstige gesellen,
der eine, der den mais gemahlen, dieser,
der graupen und auch deutsche grütze machte
Tieck 10, 185;
was die niedern bedürfnisse betrifft, bitte ich zur grütze noch von jeder nudelsorte ein pfund packen zu lassen Göthe IV, 10, 196 W.; von der Dresdner grütze so viel, dasz ich mir alle morgen kann in den bouillon das nöthige einrühren lassen ebda IV 21, 81; eine habersuppe, worin man wasser und grütze, butter und salz ... unterscheiden kann J. Möser s. w. 2, 304; der mann hatte gritze gehabt da drinnen in dieser beinbüchse Rosegger II 15, 17; er trug grütze und hirse aus Reichenberg im zwerchsack Musäus volksmärchen 1, 38; Luthers übertragung von sprüche 27, 22 wenn du den narren im mörser zustieszest mit dem stempfel wie grütze, so liesze doch seine narrheit nicht von im (si contuderis stultum in pila quasi ptisanas feriente desuper pilo, non auferetur ab eo stultitia eius) wurde sprichwörtliche redewendung, vgl. noch ob man uns gleich im mörser zerstiesze wie ein grütze Luther 15, 253 W.:
wenn du in dem mörser den narren
zerstieszest mit seim zanck und schnarren
mit dem stempffel klein wie den grütz,
so wer es im doch wenig nütz
Hans Sachs 19, 350 lit. ver.;
ja, wenn man sie (die toren) im mörser stiesz,
und so, wie grütze, stampfen liesz,
so würden sie doch wahrheit hassen
Triller poet. betrachtungen (1750) 2, 644;
noch laszt die torheit nit von ihm, wann du ihn gleich wie ein gritz in einem mörser zerstieszest S. Franck sprichw. 1, 141ᵇ, vgl. 2, 172ᵃ; doch vgl. schon
drum ist allzeit an den toren
hopfen und auch malz verlohren,
stieszt du ihn wie grütz so klein
S. Brant narrenschiff 24 Z. (interpol.).
b)
gekochte grütze, brei; puls grutz, gratz, grutte, grütte, gurt, gorte Diefenbach gl. 472ᵇ; puls, pulmentum ... weiche speis, brei, soppen, grötz, mus E. Alberus dict. f f 2ᵇ; polenta grütte, dicke gerstenbrüh Orsäus nomencl. methodicus (1623) 89; über die mannigfache art der zubereitung vgl. Mensing schlesw. holstein. wb. 2, 504: und ein brot und ein kuchen und grutze nichten esst von der sate (panem et polentam et pultes non comeditis ex segete) 1. deutsche bibel 3, 439 lit. ver.; dar umbe solche schwacheit ein wenig zu geringern, nutzte si gekorner und grotze mit bir gesotten Hedwigslegende (1504) d 1ᵃ; ihre kinder ... speck und grütz, kohl, schincken, ... und dergleichen sieben sachen satt zu fressen haben B. Schupp schriften (1663) 188; ein anders wäre es, so es solche bratwürste sollen werden, als in Salfeld bei uns in der Marck von den bauren verschluckt werden, dann diese sind voll grütze gestopft Prätorius Blockesberg (1668) 457, vgl. grützwurst;
weil noch der ehrsucht nessel
im angeflammten blut wie heiszer gritze brennt
M. Wiedemann gefangensch. (1668) aug. 68;
kocht weder grütz noch kraut,
der greuel kommt ihr an, wenn sie ein spinnrad schaut
J. Rachel sat. gedichte 18 ndr.;
setzt ihm grütze oder andere hiesige speisen vor Gottsched schaubühne 2, 434; meinst du, man soll süsze grütze fressen, ehe man zum examen geht? L. Holberg dän. schaubühne 3, 15; dicke grütze, rindfleisch und sauerkraut ... Göthe IV 23, 328 W.; ihre nahrung ist ... fast nur gerste ... unter mancherlei formen, als grütze oder geröstet Ritter erdkunde 1 (1822) 903; Botta soll gesagt haben, er wolle machen, dasz man von der grütze essen könne, ohne sich den mund zu verbrennen Ranke s. w. 29, 78; ein schönes altes dithmarisches gericht hat deine mutter mir oft gekocht ...: grütze in buttermilch Hebbel briefe 2, 84 Werner. übertragen: hastu in deiner lutherischen grütz und in deiner wittenbergischen suppen nicht mügen finden, was Ezechiel ... weissagt bei Luther 18, 371 W. als kärgliche speise hervorgehoben:
weil ich sonst all tag in mein haut
musz essen grützen, rube vnd kraut
H. Sachs 21, 211 lit. ver.;
hat mich und die kinder lassen därben, grütz und wassersuppen fressen Cochläus ein heimlich gespräch 24 ndr.;
bei pasteten, austern, fisch
kont er grütz und wurst vergessen
H. Chr. Boie bei Weinhold Boie 347.
in sprichwörtern und redensarten: es sind nicht alle köche, die gern grütz essen Petri d. Teutschen weish. 2, C c 6ᵇ, auch mnd.: et sinth nicht alle kuken, de gherne grutte eten Schiller-Lübben 2, 161; in den bauern gehört grütze, in den ochsen gehört stroh Düringsfeld sprichw. 1, 80ᵇ; arme leute kochen dünne grütze Körte sprichw. 277; dai het ōk all mär daͦn as görte eten Wöste 82. weitere zahlreiche belege Wander 2, 163; Mensing 2, 505.
2)
verstand, in dieser bedeutung mundartlich weit verbreitet, vgl. Fischer schwäb. 3, 888; Staub-Tobler 2, 839; Vilmar 138; Crecelius 442; Bauer-Collitz 146; Frisch bier 1, 258; Stürenburg 73. die literarischen belege sind jung: einen honneten mann kann man aus jedem weidenstozen (weidenstumpf) formen, aber zu einem spitzbuben wills grüz Schiller 2, 82 G.; der eine, scheints, hat nicht viel grütze Platen 2, 33 H.; sie glauben, (wir) hätten selbst nicht grütze genug, die zu verstehen Bettine dies buch gehört dem könig 1, 190; der hat mehr grütze als alle anderen Laube 10, 173. wie kritz und witz stehen auch grütz und witz in verbindung: ab hoc et ab hac, confus, ohne ordnung, durch einander, ohne witz und gritz Sperander (1727) 2ᵇ; habt ihr witz und gritz im kopf, habt ihr ein herz im leib, so lasset heute eure fäuste unsern feinden solches zu fühlen geben S. v. Birken Androfilo 70; maszen er denn solches zu thun alle seine witz und gritz zusammenraspelt schefflerischer Protheus (1664) b 1ᵃ;
wolt voll euch zeigen meinen witz,
möchts aber nehmen vor grütz
Göthe III 1, 2 W.
grütze steht in diesem sinne am häufigsten in der redewendung grütze im kopf haben u. ä. erst seit dem 17. jh. literarisch zu belegen, vgl. auch grützkopf: dasz dir das gehirn zu leicht ist, denn du hast keinen gritz in kopfe Filidor Ernelinde (1665) 103;
ein kopf, der spreu vor grütze führet
Günther ged. 374;
ihr habt nicht allein den grütze,
der scharf dencken kan
ebda 426;
es kan einer zum verstaunen gescheut sein und gleichwol nit so viel grütz im kopf haben Schwabe tintenfäszl (1745) 18; ihr seid in der gröszten gefahr, in die ein tüchtiger junger kerl ..., der grütz im kopfe hat und stärke in den gliedern, nur geraten kann E. Th. A. Hoffmann 10, 197 Grisebach; er hats hinter den ohren, hat grütz im kopf, der teufelskerl! Tieck 5, 21; und wer sein bischen grütze im kopf hat, der bringt sein schäfchen ins trockne Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht (1852) 3, 138; wie du ein geschickter arbeiter gewesen, wie du grütz und gaben hättest, dich den ersten meistern in deinem fache gleichzustellen Mörike 4, 86; er habe grütze im kopf und sei ein gar braver junge Rosegger I 13, 25; denn er ... hat mehr grütz im kleinen finger als wir beide im ganzen leib Immermann 3, 115 Boxb. nur selten erscheint grütze in dieser verbindung auch in seinem eigentlichen sinne. grütze im kopf haben nimmt dann die gegenteilige bedeutung an, nämlich 'dumm, töricht sein'. die entstehung ist durch die gedankenverbindung 'grütze statt gehirn im kopf haben' verständlich, vgl. he heft statt marcks grött öm kopp Frischbier preusz. 1, 258ᵇ: der kopf sei mit gritze angefüllet oder habe doch zum wenigsten kein gehirn mehr Thomasius vernunftlehre (1691) 32; denn die wenigsten wissen ... die magern einfälle vieler mit grütze angefüllten köpfe recht zu beurteilen J. B. Mencke charlatanerie 36; ich haa ooch fünf sinne und ooch gehern im kupp, es stäckt kee grütze drinne curiosa Saxonica (1752) 37. vgl. grütz im kopf grillen, seltsame einfälle Staub-Tobler 2, 839 und grützkopf.
3)
besondere bedeutungen, besonders des obd. sprachgebietes. hier ist nicht immer sicher, ob es sich stets um dasselbe wort handelt. die etymologische verwandtschaft jedoch steht auszer frage. grütze im sinne von etwas zerkleinertem, zerbröckeltem, vgl. gritz (l. grütz) bruchstein, farrago Harsdörffer poetisch. trichter (1647) 2, 146; grüetz kalkscherben und dergleichen, steingemüsel, bruchstein von verfallenen gebewen Henisch (1616) 1760; sed grütz etiam dicuntur rudera sive lapidum frusta Stieler 712; gruts, m., zerbröckeltes, kleine stücke Bauer-Collitz 41ᵇ. vgl. auch das nd. grott, m. und n. (teil 4, 1, 6, 594), gruuts zerbröckeltes (neumärkisch) zeitschrift f. dtsche maa. 1910, 44 und weiterhin das bedeutungsfeld 'kleinigkeit', 'etwas unscheinbares', in mannigfacher anwendung, s. grütz(e) Staub-Tobler 2, 840; luxemb. mundart 157; grotzen, grutzen Crecelius oberhess. 438. im sinne von 'körnchen, häufchen, prise': ein grützen saltz grumus salis Frisius dict. 1174ᵃ, dazu das deminutivum grützel (s. d.) und grützet (s. d.).
4)
zusammensetzungen.
grützabfall m.:
am häufigsten kommt der abfall des getreides, die kleien, das grobe und das steinmehl, der mühlenschlamm, der graupen- und grützabfall in gebrauch Thaer grundzüge 4, 322. —
grützähnlich adj.:
eine dieser grützeähnlichen masse der balggeschwülste ganz gleiche substanz v. Sömmerring menschlicher körper 8, 1, 214 (vgl. grützbeutel). —
grützbank f.,
lade für den vorrat an grütze Mensing 2, 507. —
grützbauch m.,
scherzhafte bezeichnung für corpulente personen oder auch solche, welche gerne und viel grütze genieszen (gröttbûk) Frischbier 1, 258. —
grützbeutel m.,
balggeschwulst v. Alten hdb. f. heer und flotte 1, 791 (vgl. grützähnlich). als abfällige bezeichnung für hals, kehle: deszwegen denn, da er auszreiszet, das kriegsrecht nicht seinen handschuch, sondern ihn selbsten hencken und ihm den grützbeutel zerschnüren lässet Erasmus Francisci lust. schaubühne 1, 522. —
grützblume f.,
als grüttblom, görteblaume im niederdeutschen weit verbreitete pflanzenbezeichnung, so für das wiesenschaumkraut (cardamine pratensis) Pritzel-Jessen 79; Wöste 380ᵃ, für das hirtentäschel (capsella bursa pastoris); Frischbier preusz. 2, 526; Schumann Lübeck 6, weitere anwendungen bei Pritzel-Jessen 6; 199; 324; Mensing 2, 507. —
grützbrei m.,
ptisanarium gritzbrei Stieler 227; Hupel Lief- u. Esthl. 83: der öconom oder speisewirth ... wollte durchaus unsere jugendlichen magen und unsern kindlichen frohsinn in grützebrei ersticken v. Rahden wanderungen 1, 9; der tisch stand ... gedeckt, obgleich nur mit ... einem grützbrei besetzt v. François die letzte Reckenburgerin 1, 58; es ist ein schlechter grützebrei, den das neue deutsche reich wohl schwerlich verdauen wird Hoffmann v. Fallersleben 8, 359. sprichwörtlich: gehen wie die katze um einen heiszen grützbrei Düringsfeld sprichw. 1, 138ᵇ. —
grützbüttel m.,
schimpfwort, s. Pansner 25ᵃ. —
grützesser m.,
pultivorax gurteter (1420) Diefenbach gl. 472ᶜ. —
grützezähler m.,
auch grützchenzähler, einer, der die grützkörner zählt, knauser, kleinigkeitskrämer, bes. vom kleinlichen ehemann gesagt, görtenteller Wöste westfäl. 83ᵃ, vgl. holl. gortentelder; ostfries. görteteller Stürenburg 73ᵃ; grützchenzähler Schemionek Elbinger ma. 14; Frischbier preusz. 1, 258:
pfui, ... frauenquäler,
pfui, topflies, küchenvogt, reiszsichter, grützezähler
J. Cats sinnr. wercke (1711) 2, 184.
grützfresser m.:
so wie einem grützfresser auf dem hallischen weisenhause zu muthe sein mag, wenn nach einem langen magern jahre der grosze feierliche bratentag sich nähert, so geschah jetzt dem magister Acidalius J. G. Schummel der kleine Voltaire 176. —
grützgarten m.,
ein kleines gärtchen unmittelbar vor dem haus Mothes illustr. baulexikon 3, 19. —
grützgesicht n.:
am tage, wo ich von deck geh, spuck ich ihm in sein grützgesicht Frenssen Hilligenlei (1905) 151. —
grützgraupe f.,
augengeschwulst, gerstenkorn, vgl. Henisch (1616) 1765: von wassergallen oder grützgraupen der augen: weiter findet man ein gewechse an den augenliedern, das wird genant ein wassergalle oder wassergewechse, bei den alten atlantifas aquosum, endlich wirds grosz und harte als ein breimusz, grisz Bartisch augendienst (1583) 149; der maulworf ... wird von den oculisten zu den wassergallen oder grützgraupen der augenliede gebrauchet M. Bapst von Rochlitz artzneibuch 494. —
grützhandel m.,
handel mit grütze Campe 2, 479. —
grützhändler m.
ebda.
grützhafer m.,
der batavische grützhafer oder nackte hafer, eine art hafer, die sich stark bestaudet und viel kleine körner trägt Campe 2, 479; avena nuda v. Schlechtendal flora v. Deutschland 7, 262: der chinesische grützhafer hat weit von einander stehende ährchen Karmarsch-Heeren 4, 229; der nackte hafer, tartarische grützhafer, avena nuda, wird bei uns nicht in gebrauch kommen Thaer grundz. 4, 91. —
grützheisz adj.,
heisz wie grütze: eines weisz ich noch zu erzehlen, welches ein grützheisz verliebter seiner liebsten gemacht, in dem er sie also angeredt gepflückte fincken (1665) 103. —
grützjöckel m.,
ausdruck der bergbausprache, 'der name eines ganz grünen vitriols, welcher aus dem gestein tröpfelt, und sich wie zapfen an demselben hänget' Jacobsson technol. wb. 2, 170ᵇ; vgl. Adelung 2 (1775) 837. —
grützkäfe f.,
theodora Oken allg. naturgesch. 3, 3, 1716. —
grützkasten m.,
1) kopf: nimm deinen grützkasten zusammen! Frischbier 1, 258ᵇ. 2) krankenhaus, lazarett, nach der grütze als krankenkost benannt, Kluge seemannsspr. 338; Horn soldatenspr. 127; Imme soldatenspr. 138; Ostwald rinnsteinspr. 63; Frischbier 1, 258ᵇ. —
grützkessel m.,
kessel für grütze: (die mutter) tauchte das grosze stück bergsalz, das an einem stricke aus dem rauchfange baumelte, in den grützkessel M. Keyserling werwolf 1, 136. —
grützknoten m.,
s. grützgraupe: wenn denn die wassergalle oder wassergewechse an den augen, atlantifas aquosum, also harte wird, so nennet mans ein wehnen, grützknoten oder atheroma Bartisch augendienst (1583) 150. —
grützkopf m.,
einer, der grütze im kopf hat statt gehirn, dummkopf, Adelung 2 (1775), 838; Brendicke 130ᵇ; Frischbier 1, 258; Mensing 2, 507; Pansner 25ᵃ: da thut gleichwohl ein iedweder etwas und zeigt dadurchen, dasz er nicht gantz einen grützkopf hat Chr. Weise erznarren 149 ndr.; auszerdem aber wird er sich vergeblich bemühen, mir aus der camera obscura recentiorum alegorum (das ist aus der gauckeltasche der neuen grützköpfe) was vorzugauckeln J. Chr. Edelman Christus und Belial (1741) 89; finden sich oftmahls so wohl unter denen zuhörern als lesern sonderbare gritzköpfe, welche dasjenige, so ihnen fürgetragen wird, in zweifel ziehen J. D. Ernst denckwürdigk. (1750) b 3ᵃ; diese männer erklärten den wisch ... für die geburt eines elenden grützkopfs Laukhard leben u. schicksale 1, 20; so unterstunden sich diese unwissenden grützköpfe Lessing 13, 64 Lachmann; er (der lehrer) musz es bald inne geworden sein, wo seine ... grützköpfe ... sitzen Herder 30, 260 S.; ein solcher verworrener grützkopf und dummbart von kerl Bode Tristram Schandi 2, 12; den feldprobst ..., einen erzorthodoxen und stupiden grützkopf beitr. u. bericht. zu Bahrdts lebensbeschr. 62; ihr grützköpfe, was zankt ihr euch Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 32; 'grützkopf', versetzte Jürgen, 'ich wette, du ahnst es nicht, dasz wir heut abend den stein der weisen gefunden, haben! Hebbel w. 8, 129 W.
grützköpfig adj.,
dummköpfig, dumm: Anselm war ein ignorant, ein grützköpfigter schwärmer gewesen beitr. u. bericht. zu Bahrdts lebensbeschr. (1791) 35; ei, du grützköpfiger wanst! du vernagelter tropf! (Falstaff) Shakespeare 6, 74; diese grützköpfige geringschätzung des feindes hat uns schon einmal bei Jena und Auerstädt geschlagen B. Goltz ein jugendleben 2, 437; affenschänderisches volk! grützköpfige dummheit, wenn du nun gar noch ausländische bettelpfennige für holländische dukaten nimmst! Gutzkow zauberer v. Rom 5, 224. —
grützkorn n.,
augengeschwulst, gerstenkorn: wenns denn also harte wird, so nennet mans ein wehnen oder grützkorn (atheroma), die gemeinen leute heiszens auch ein uberbein Bapst v. Rochlitz artzneibuch 495. —
grützleute
pl., productenhändler allg. haush.-lex. 1, 626; Chomel 4, 1384; 5, 485. —
grützmacher m.,
der auf einer handmühle grütze macht und damit handelt, auch bezeichnung für productenhändler. pultarius gruczenmacher Diefenbach gl. 472ᶜ; mnd. gruttemaker Schiller-Lübben 2, 161ᵃ; pultifex ein grutte meker Diefenbach nov. gl. 309ᵃ: 1 last grutcze, herrengrutcz czum grutczmecher gr. ämterbuch 231 Ziesemer; ob es dort (auf d. Mars) auch standesämter, grützmacher, historische romane giebt? v. Liliencron 5, 52. —
grützmann m.,
s. grützmacher, leguminarius, halicarius Kirsch corn. 2, 159ᵃ; Aler dict. 1, 983ᵃ:
der grützmann kommt, mein liebes kind,
das ding hat seine mucken
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. 4, 304.
grützmörsel m.,
mörsel zum zerstoszen der grütze: ein hölzerner indianischer gritzmörsel Leipziger avanturieur 2, 47. —
grützmühle f.,
mühle, auf der grütze gemahlen wird, mola manualis eyn groczmole Diefenbach gloss. 365ᵃ; die buchweitzen- und hafergrütze läszt sich besser auf handmühlen, die vom menschen beweget werden, bereiten, und diese heiszen eigentlich grützmühlen Jacobsson technol. wb. 2, 170ᵃ; vgl. Campe 2, 479: in dieser armen kindischen jugend, hat mich mein seliger vater mit meiner auch jetzo seligen mutter Anna Hoffmannin, welche mich hernach in theuren zeiten mit der grützemühlen hat ernehren müssen, gelassen Herberger hertzpost. (1613) 1, 147; was soll ich sagen von den grütze-, hirse- und senfmühlen? v. Stosch polit. staatsgarten (1676) 538; wie der esel in der grützmüle aus dem kreise seines eignen schattens nicht herauskommen Reiske Thucydides, vorr.
grützmüller m.,
müller, der grütze macht: item ein grützmüller kauft 7 wispel heidekorn J. Albrecht rechenbüchlein (1534) g 4ᵃ; gruetzmolner S. Grunau preusz. chronik 1, 226. —
grützmus n.:
käsz, salz, schmalz, brodt, grüzmuosz S. Bürster schwed. krieg 188. —
grützpappe f.,
grützbrei: abends wenn die sterne aufgehen, so nimmt sie mit grützpappe vorlieb Weise curieuser körbelmacher (1705) 169; dein vater hat das gehirn vergessen, der hat deinen groszen schädel mit grützpappe gefüllt Chr. Weise poetenzunft (1683) c 6; wo die leute den schädel mit grutzpappe gefüllet ... haben J. Chr. Edelmann göttlichkeit d. vernunft 91. —
grützrad n.:
der caplan quam und fant einen persönlichen man sitzen und er treib das grütze rat S. Grunau preusz. chron. 1, 220. —
grützschleim m.,
grützsuppe: (sie) weigerte sich von dem grüzschleim zu trinken, der ihr angeboten wurde Mungo Park reise im innern v. Afrika (1799) 296. —
grützstampfe f.,
'in den stampfmühlen eine stampfe, in welcher grütze gestampft wird' Campe 2, 479, vgl. blätter f. litt. unterhaltung (1841) 2, 1192. —
grützsuppe f.,
suppe aus grütze, ptisanarium jusculum Stieler 1687; Staub-Tobler 7, 1237. —
grütztisch m.,
'wird der extratisch am waisenhause genannt, an welchem jeder unentgeltlich essen kann, weil es hier gewöhnlich nichts als grütze mit wasser gekocht giebt' stud. spr. u.-lied 52 Burd.: er hat nämlich an dem sogenanten grütztische gesessen R. A. Köhler tagebuchbl. 225. als bezeichnung des frugalen freitisches bei G. F. Rebmann Leipziger stud. 41 Wust.
grütztopf m.,
topf zum kochen der grütze: wenn der grütztopf voll ist, kommen die fliegen haufenweise herzu Herberger Jesus Sirach 124ᵃ; ausgerissene haare, schmerz im nacken und einen zerbrochenen grütztopf Hebbel tageb. 4, 279 W.; wer nicht den bratspiesz und den grütztopf vom herde reiszt dem eindringenden feinde entgegen, ist nicht wert, verachtet zu werden v. Liliencron 3, 45. in abfälligem sinne: schöne jungfrawen haben einen verschwiegenen mundt, sie plappern nicht, wie ein grützetopf Herberger hertzpost. (1613) 2, 570. —
grützwurst f.,
sind gewisse würste, welche meistenteils als eine gemeine kost für das gesinde, aus halbgekochter grütze und darein geschnittenem schweine- oder rindsfett zubereitet werden Jacobsson 5, 758ᵇ; botulus et botellus, ein bradwurst ..., ein grützwurst apud Saxones Corvinus fons latinit. (1646) 115; farcimen granea, ptisana aut farragine impletum Stieler 2588; vgl. Sallmann Esthl. 80; Danneil altmärk. wb. 250ᵃ; Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 508: davon die leute nach dortiger art das ganze jahr haushalten mit grützwürsten, grabenbraten J. Dietz lebensbeschr. 107 Consentius; gestern war (sein) geburtstag, den wir mit grütz- und anderen würsten und rheinwein feierten Th. Storm an seine braut (1915) 140. —
grützzähler
s. o. grützezähler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1933), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1019, Z. 1.

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gernhaber geschlagen
Zitationshilfe
„gerütze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ger%C3%BCtze>, abgerufen am 06.12.2021.

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