Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gärkammer, gerbekammer, f.

gärkammer, gerbekammer, f.
sacristei, bei Adelung gärbekammer.
1)
gärkammer, auch die abtheilung der sacristei wo die messgewänder aufbewahrt werden, s. Vilmar 116, der beide bed. noch aus dem heutigen kath. Hessen beibringt, gerkammer Schröer 53ᵃ aus Ungarn (siebenb. gertkummer das.); in Livland gährkammer, kährkammer Hupel 71. 102, bei den Ehsten entlehnt käärkamber sacristei; nd. gêrkâmer Schambach 63ᵃ, mnd. gerkamere Magdeb. chron. 1, 158, s. auch Frisch 1, 342ᵇ, nrh. gherkamer Teuth. 104ᵃ; in der Cölner gemma 1511 gerkamer T 2ᵃ, Harff 8, 39. 220, 23.
2)
in voller form mnd. gerwekamere Magd. chr. 1, 448ᵃ, rhein. 15. jh. gerwekamer sacristia Dief. 506ᶜ, armarium 49ᵃ (nl. n. gl. 323ᵇ, gaerwkamer Kil.), dann gerbekamer sacrista 506ᶜ (ein beleg Vilmar 116), im 16. jh. gerbkammer Frisch 1, 342ᵇ; das ganze wort erscheint aber als wesentlich nd. und md., ich kenne kein oberd. beispiel (doch vgl. gerbhaus u. 3). nd. später auch gerfkamer sacrarium Chytr. 11, wie nl. Oudem. 2, 543, nnd. bei Dähnert 143ᵃ garfkamer, garvekamer sacristei, der dunkle theil des wortes auf die zehentgarben bezogen, vgl. hamb. garvekamer mit der richtigen auslegung Richey 70, Brem. wb. 2, 485, wo auch noch nd. gärkamer, gärhûs bekannt sind.
3)
ger- mit verlust des -w ist vorzugsweis nd., rhein., s. nd. gere kleidung unter gare 1, b, geger n. für gegerwe messgewänder unter gare 1, c, wo mehr; daher auch mnd. gherhûs Dief. 506ᶜ. 616ᵃ, Frisch 1, 342ᵇ, rhein. garhûs und garwehûs vestibulum Dief. 616ᵃ, gerbehûs custodia (vgl. küster) 164ᶜ, auch im Nürnberger voc. v. 1482 gerbhause, vestibulum, sacristia l 8ᵇ. m 1ᵃ, vgl. oberrh. gerwegadem Lexer 1, 892. ein hess. beleg für gerbehaus Vilmar 116.
4)
bemerkenswert mnd. auch gerwand priesterkleidung: bischop Frederik mit aller papheit .. brochten on (den päpstl. legaten) erliken in den dom, unde toch (da) an gerwand na sinem gebor u. s. w. Magdeb. schöppenchr. 400, 18, gewand aus der gerkamere; auch gerewant, gerwête, garwête, s. Frisch 1, 342ᶜ (garwât rüstung Ssp. I, 63, 4 var.). ebenso noch in der Zips garküttel m., chorhemd Schröer 53ᵃ, sodasz diese weiterbildung wol allgemeiner war.
5)
bemerkenswert ist, wie da gerwe, garwe allein, eig. kleidung überhaupt, auch rüstung (s. gärben 2, e), die geistlichen amtsgewänder bezeichnet, schon mhd.; doch wol auch in weltlichem sinne garvekamer armarium (auch wafenkamer u. ä.) Dief. 48ᶜ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1358, Z. 72.

gerbekammer, f.

gerbekammer, f.
1)
sacristei, s. gärkammer. 2) was gerbstube Eger techn. wb. 2, 330ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3587, Z. 40.

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Zitationshilfe
„gerbekammer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerbekammer>, abgerufen am 22.01.2022.

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