Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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garbe, f.

garbe, f.
getraidebund, mhd. garbe, ahd. garba; weiteres zur form u. 2.
1)
Gebrauch und bedeutung.
a)
die garbe istein aus etlichen handvollen, gleeden oder schwaden geschnittenen oder gehauenen getreides bestehendes gebünde, welches nach einer jeden landesart bald grosz bald klein gemachet wirdöcon. lex. 765, mit einem strohseile, dem garbenband, garbenknebel, zusammengebunden, daher auch bund (I, 518), 'merges, garve, bunt' Dief. n. gl. 251ᵇ, garb, ein bunt korns voc. 1482 k ijᵃ, kleine garb gelima q 5ᵇ. wie die garbe beim ernden aus handvollen, armvollen, volksm. hampfeln, arfeln entsteht (vier armvoll eine garbe s. u. gans 4, e), bilden sie selbst die mandeln:
und wie hernachmals sich dein froh gesinde bückt,
aus hampeln garben macht, und die zur scheine (so) schickt.
Wernike 1704 s. 369;
ich als ein teutscher grammaticus (philolog, meint er) wolte gern unser wort mandel vom mandel herfüren, darumb das man die untern zwölf garben, derer eher (ähren) in ein gevierten stosz zusammen gericht, mit den obern dreien als mit einem dach oder mandel für dem regen zudecket. Mathesius Sar. 167ᵇ (vgl.deckgarbe, haube unter kappe 9, e, auch hut genannt); mich dauchte, wir bunden garben auf dem felde. 1 Mos. 37, 7; wenn ir ins land kompt, das ich euch geben werde .. so solt ir eine garben der erstlinge ewr erndten zu dem priester bringen. 3 Mos. 23, 10;
die vollen garben nicken.
Rückert 214;
bunt von farben
auf den garben
liegt der kranz.
Schiller 79ᵃ.
zur bezeichnung der ernde:
sah die goldene frucht den garben entgegen sich neigen.
Göthe 40, 267.
so bildlich, von auferstehung und jüngstem gerichte:
wenn dem tage der garben zu reifen
gesät ist meine saat ..
Klopstock 1, 145, ode 'die glückseligkeit aller'.
von einem schlachtfelde, wo die reihen 'gemäht' liegen: auf einem rothen schlachtfelde voll gefällter garben. J. Paul Tit. 3, 139;
von sîner hant sô vielen sie
als dâ man garwen würfe nider.
Ludwigs kreuzf. 3116,
vgl. die vîende nider slahen als ein strô Jeroschin 81ᵈ, d. i. wie halme (vgl. haberstroh sp. 1259 unten).
b)
aus der sprache der schnitter oder drescher selber z. b. von einem ungetreuen ehemann:
und er hab in fremden scheuren gedroschen,
und hab da heim eine folle garb.
fastn. sp. 160, 12.
denn auch der drescher hat die garben vor sich (vgl. mhd. Parz. 385, 17 ff.): also glaubt der Türk seinen pfaffen .. zulieb was die garb gibt. S. Frank bei Schm.² 1, 933, 'was das zeug hält', alles mögliche. halbausgedroschene heiszen 'gebauschte garben, semitrita frumenta' Henisch 1356, Stieler 604. nach dem ausdreschen aber ist es ein bund oder eine schütte stroh, keine garbe mehr (Stieler); doch findet sich 'merges, garve stroes' Dief. 358ᵃ, aber strô galt auch von den halmen beim mähen, s. Jeroschin unter b.
c)
zusammensetzungen korngarbe, weizengarbe, hafergarbe u. ä., dann als abgabe zehentgarbe (zehente garbe), zinsgarbe, herbstgarbe, landgarbe, forstgarbe, stockgarbe u. a., bei Schm. 2, 64 allein aus dem bair. landrecht v. 1616 aussetzgarbe, deichselgarbe, mengarbe, mesnergarbe, torwartgarbe, schmidgarbe u. a. als 'reichnis', läutgarbe fürs wetterläuten dem mesner, schleifgarbe dem schmidt; jenes z. b.: dergl. soll ein ieder dem mesner ain garb geben, dafür er das jahr läuten soll. österr. weisth. 1, 32. Statt der zusammensetzung früher häberîn garbe (Parz. 265, 14) u. ähnl.: weler ouch siben herpstgarben oder häbrîn garben bûwet, der sol dem weibel von den häbrînen garben eine geben und von den dingglînen ouch eine. weisth. 4, 280. 'fueter und garben' (acc.), d. h. für ross und mann, als leistung, die der angesessene gerichtsman dem landambtman zu thun hat, s. österr. weisth. 1, 25, 37, auch fueter und garbm z. 40, fueter und garm 55, 5. so franz. kurz la gerbe, lever la gerbe von der zinsgarbe.
d)
aber auch reisbündel nach folg.: garbe, manipulus sarmentorum. Henisch 1356, bair. graszgarb f. bündel von grasz, nadelholzzweigen Schm.² 1, 934. 1008, vergl. mlat. garba sagittarum Ducange (ein bündel von 24 pfeilen), und ähnlich:
aus schnee heraus
ragt, nackt und kraus,
des dorngebüsches garbe.
Salis (1793) 55, winterlied.
e)
in der hüttensprache heiszen garben vierseitig gelegte pakete von rohstahl, die dann zu einer masse zusammengeschweiszt werden, was garben, gärben, gerben genannt wird, die daraus gezogenen stangen heiszen garbstahl, der stoff, der jene garben bildet, garbzeug, s. Scheuchenstuel 91; schon mlat.: centena ferri ex quinquies viginti petiis (stücken), garba vero aceris (stahl) fit ex triginta peciis. Ducange 3, 477ᶜ H., aus einer engl. quelle. es ist offenbar von der landwirtschaft entlehnt, wie vieles in der bergmannssprache (s. kühkamm, kupfersau). vgl. übrigens unter gärben 2, c.
f)
nach der ähnlichkeit der getraidegarben auch in der feuerwerkerei 'viele bränder welche aufrecht in einer runde neben einander gestellet sind' Adelung, garbe von raketen, leuchtkugeln, dann feuergarbe, flammengarbe, lichtesgarbe, wassergarbe u. ähnl., franz. gerbe de feu, gerbe d'eau.
2)
Nebenformen, verbreitung, verwandtschaft.
a)
auffallend eine form garwe die mhd. ein paarmal erscheint (s. 1, a zuletzt, wb. 1, 481ᵇ, Lexer 1, 738), auch im 15. jh. Dief. 347ᵃ, wie vom stamme garw (s. gar), wobei man an eine garbe als opfergabe an die götter denken könnte (s. gar II, 3, garben als opfergabe noch heute, geschmückt und selbst umtanzt auf dem felde, s. Wuttke volksabergl. § 432 fg.). aber die form mit -b steht sonst zu fest, ahd. auch mit streng hd. lautstufe karpa manipula, merges Graff 4, 248, carpa Mones anz. 5, 464ᵇ, alts. garva, garƀa, garava Heyne kl. altnd. denkm. 118ᵃ, mnd. garve manipulus Dief. 347ᵃ, en luttik garve gelima 258ᶜ, nrh. garve merges 358ᵃ, mnl. garve n. gl. 32ᵇ, garwe 251ᵇ, bei Kil. gaerwe, garwe, jetzt garf, pl. garven, nnd. garve Brem. wb., Dähnert. engl. heiszt zwar die garbe sheaf (das hd. schaub, auch merges Dief. 358ᵃ, garba 257ᵇ) und garb, gerbe ist nur heraldisch; aber auch, und recht alterthümlich in der heuwirtschaft, in Somerset gerbe a handful of hay Halliw. 397ᵃ. verschieden aber ist das nord. wort: dän. kjärv garbe, groszgarbe (aus drei gewöhnlichen garben bestehend), schwed. kärfve m., norweg. kjerve n., isländ. kerfi n., altn. kerf, kiarf n.
b)
auch die roman. sprachen auszer der it. haben es von den eingewanderten Germanen aufgenommen, culturgeschichtlich merkwürdig genug: franz. gerbe, lier en gerbe, in garben binden, altfrz. und noch picard. garbe, prov., catal., arag. garba, s. Diez 642 (2, 309); auch mlat. garba, jarba Dief. 257ᵃ, Ducange, dem letztern entsprechend auch altfranz. jarbe (vgl. gar in der form jar sp. 1312), wie dem neufrz. gerbe entsprechend eine deutsche umlautsform nrh. gerbe garba Mones anz. 3, 49 (13. jahrh.), nl. 16. jh. korengherwe Junius nom. 87ᵇ, vgl. das engl. gerbe u. a.
c)
merkwürdig aber auch mit umgestelltem r hd. im 15. jahrh. grabe manipulus Dief. 347ᵃ, gelima 258ᶜ, merges nov. gl. 251ᵇ, manipulus 246ᵃ, ebenso nd. grave 347ᵃ. 258ᶜ. 257ᵇ, jenes auch mit gesteigertem auslaut grape, grappe 258ᶜ; dazu grabenhauf archonium voc. 1482 m 6ᵇ, denn letzteres ist in andern vocc. ein hauf garben korns, ein mandel koren Dief. 46ᵇ. gehört etwa der name des Grabfeldes in Franken hierher?
d)
das fehlen der form nach und vor dem 15. jahrh. kann nur zufall sein oder folge ungenügender beobachtung, die doppelform mag uralt sein und garbe und grabe éins wie ags. gräs und gärs gras, altn. argr und ragr feig (s. I, 546, vgl. 564), bei uns bresten und bersten, brunn und born, mhd. drite und dirte tertius (Weinh. alem. gr. s. 165). das alts. garava (s. a) kann dabei die mittelstellung einnehmen wie ahd. peraht glänzend zwischen ags. bryht (engl. bright) und berht, goth. baírhts, mhd. Berhte und -breht in namen.
e)
das echte scheint aber eben grabe, grape und der begriffskern 'raffen', die garbe benannt als das was zusammengerafft wird (vgl. schon Wachter 524); zu der reichen sippe von greifen mit auslautwandel gehört auch grippen und grappen raffen, nrh. grabben, hd. grabeln (s. krippen 4, vergl. krabbeln I, e, auch II, 4, b), wozu denn grape, grappe garbe unter c stimmt, vergl. luxemb. grapp m. handvoll, griff (z. b. kirschen) Gangler 187 und, zu greifen völlig hinübertretend, bei Junius nom. 87ᵇ 'manipulus foeni, een arm vol hoys, greep hoys' (nl.), ags. gripa m. korngarbe Ettm. 445, engl. dial. to grip garben binden, machen Hall. 418ᵇ, vgl. gripe bündel korn, heu 419ᵃ. in Kuhns zeitschr. 4, 170 stellte schon Ebel unser garbe vermutungsweise zu altind. grabh greifen, sl. grabiti raffen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1333, Z. 53.

garbe, garwe, f.

garbe, garwe, f.
schafgarbe.
1)
Die formen.
a)
in reiner form mhd. garwe, ahd. garwa millefolium, auch garawa, garuwa, cariwa, garewa Graff 4, 247, d. h. genau wie bei gar in den vollen ahd. formen (s. gar I, 3). ags. gäruwe millefolium, myrifilon Wright vocc. 30ᵇ, gearewe 67ᵇ, gearwe, gerwe Dief. 361ᵇ, altengl. yarowe, noch heute yarrow (wie yellow gleich gelb). nl. garwe Kil., jetzt gerw. auch nd. 15. jahrh. garwe Dief. 361ᵇ.
b)
in der übergangszeit, im 15. jahrh., hd. anfangs auch noch garwe, dann garw Dief. n. gl. 253ᵇ, daraus muszte aber gar werden, wie beim adj. gar, und das liegt noch vor in siebenb. guor f. schafgarbe Haltrich 71ᵇ (uo aus ă, wie in uolrang = alraun, alrûn Schuller 69). Eigen auch mit umsprung des r, wie beim vorigen garbe (2, c), grab, im voc. inc. teut. schabgrab vel garthain, millefolium bb 4ᵃ, in einer spätern ausgabe schabgrab, vulgariter gerwel, mellifolium f 5ᵃ (schab- statt schaf- wol nach schabab, wie sie auch heiszt); man mag auch dem valken geben uf seinem asze dise kreüter gepulvert .. graben und stainprech u. s. w. Mynsinger 33 (Lexer 1, 741), garbenkraut 39. Mit umlaut bair. gärben (gárbm) Schm. 2, 64, vgl. nl. gerwe unter a und 3 am ende.
c)
die nhd. form seit dem 15. jahrh.: millefolium schofgarbe Diefenb. wörterb. von 1470 sp. 183, garbe, garb Dief. 361ᵇ; im 16. jh.: millefolium garbe voc. opt. Lpz. 1501, gerwel, schafripp, garb, millefolium magnum genserich, grensing, grosz garb Alberus EE 4ᵇ, garben Dasyp. 335ᶜ, garb, gerwel Maaler 157ᵃ.
2)
Bedeutung.
a)
achillea millefolium, auch schafgarbe, feldgarbe, garbenkraut neben vielen andern namen, s. Nemn. 1, 36, vgl. gachheil (als wunden rasch heilendes kraut). bei Nemnich auch, von andern arten, deutsche garbe, weiszer dorant, berufkraut, zwerggarbe, edelgarbe, balsamgarbe, bittere garbe.
b)
auch auf andere kräuter übertragen, z. b. bair. gänsegarbe (gensgárbm) die wasserlinse, lemna minor Schm. 2, 64, anderwärts gleich gänserich (vergl. Alberus unter 1, c), wilde garbe, roter steinbrech, blutgarbe scleranthus perennis Krünitz 16, 129. s. auch garbminze.
c)
blosz lautliche verwechselung ist garbe für karbe (s. d.), feldkümmel, z. b. Frisch 1, 319ᶜ, wie umgekehrt karbekraut (s. d.) für schafgarbe, garbenkraut. ähnlich schon im 15. jh. nd. kervele millefolium Dief. 361ᵇ, vermischung mit dem fremdworte kerbel, der selbst auch als gerbel vorkommt, wie umgekehrt gerbel für schafgarbe (s. gärbel).
3)
Der ursprung des namens ist wol in seiner hauptbedeutung als wundkraut zu suchen. noch z. b. das Leipz. öcon. lex. 1731 sp. 2142 gibt an, es sei 'ein sonderlich wundkraut, innerlich und äuszerlich zu gebrauchen, stillet allerhand blutflüsse' u. s. w., dann: der frische saft oder das kraut zerstoszen, pflasterweise aufgelegt, auch zu pulver gerieben aufgestreuet, heilet alte schäden, fisteln und giftiger thiere stich u. s. w.; wie hoch man vor alters seine heilkraft anschlug, zeigen die namen 'heil allen schaden' (els.) und gachheil (s. d.), d. h. schnellheilendes kraut, schon um 1300 bezeugt (vergl. des alten Wate schnellheilendes wundkraut Gudr. 530, 2). da es nun mit gar gleichen stamm hat, gar aber auch kampffertig, kampffrisch bedeutete (sp. 1315 fg.), könnte ahd. garwâ, garawâ urspr. einfach die heilende bedeuten, die herstellerin (vgl. gigarawan reparare Graff 4, 245); die nebenform gärbe deutet ohnehin auf eine form garawiâ, im anschlusz an garawian, es wäre dann das fem. gewesen zu dem m. garawo, garawio, fertigmacher (s. unter gärbe f. 1), vgl. das f. garbe unter garberin.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1335, Z. 48.

garbe, f., m.

garbe, f. m.
ansehen, haltung, schmuck u. ä., ein deutsches und ein ital. wort die sich mischen.
1)
deutsch ist garbe f., Schm. 2, 64 führt an:
wer hat Lucretiam gemalt
so trutzig, keusch, so fein gestalt
in rechter welschen garben.
J. Balde de vanitate mundi;
was vor geruch, saft, kraft, farb, garb bringt die erde hervor! Bogner mirak., farb und garb reimend, es scheint pracht gemeint; so schwäb. im 15. jh. garbe f.:
(die au) truͦg bluͦmen maniger varbe
vermischt nach fremder garbe.
C. Ötinger bei Laszberg Fritz v. Zolre s. 38,
d. i. in ungewöhnlicher, auffallender pracht, prächtiger gestaltung, vielleicht auch schon als kunstgeschmack gemeint, da es der dichter wie die dichtung seiner zeit überhaupt liebte die schilderung der natur in begriffe aus der bildenden kunst zu fassen (s. z. b. unter kor). das ist das mhd. garwe, schmuck, schmückung u. ä., es ist wol aber bei Balde mit dem folg. ital. worte verflossen. vgl. gare 1.
2)
rein ital. in Baiern dér gibt si en garbo! ansehen, haltung; östr. mit garbo z. b. singen, reden, auch von nachdruck, kraft, s. Höfer 1, 272; in Tirol auch mut, entschlossenheit, bue dér hat garbo! Schöpf 175. Das ist unmittelbar das it. garbo m. anstand, artigkeit, anmut, künstlerische rundung u. ähnl., dazu garbare anmut geben, auch anmutig sein u. ähnl., die Diez zweifellos vom ahd. garwî, garawî f. schmuck, garawan schmücken herleitet (s. gar II, 3, e), wie schon Höfer that, es wird ein langob. rest sein; auch da -rw zu -rb geworden, wie bei uns, s. gärben 2, e.
3)
übrigens auch span. garbo, älter franz. garbe f., daher engl. garb gewand, tracht, kleiderschnitt, äuszeres ansehen, haltung u. ä., mnl. garbe staatskleid, garben kleiden Oudem. 2, 352.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1336, Z. 29.

garbe, gärbe, f.

garbe, gärbe, f.
ein östr., bair. metzgerwort.
1)
bei Höfer 1, 272 von gewissen stücken am rinde, halsgarbe ein stück das vom hals bis unter die schultern herausgeschnitten wird, fuszgarbe von den schenkeln; in der küche geringschätzig: es ist nur eine garbe, nicht viel gutes daran. bei Schmeller, der gärben ansetzt, nur als verdunkelt in der redensart einen bei der gárben nemen, heben, halten, fest am leibe packen, wie nordd. beim kanthaken, das in der form kammhaken vielleicht auch auf die metzgersprache zurückgeht. dasz auch die bair. wendung daher stammt, zeigt Schmellers anführung aus Buchers fronleichnamsproc. 54, wo der Metzgerhans sagt mein Lackl hebt (hält) mirn bei der garm (vergl.garm für garben sp. 1334 1, c am ende).
2)
für älteren bestand ein zeugnis bei Schm. 3, 342 aus der Traunsteiner stadtordn. v. 1375: eʒ schullen die flaischhakcher die gärbschal, die mitterschal und den furslag mit einander hingeben (d. i. verkaufen), d. h. wol die geringeren stücke nicht für sich, sondern mit den besten. und dasselbe gärb steckt östr. in garibpraten, im 14. jahrh. neben lungelpraten, rocherpraten, ruckpraten genannt als rinderbraten, s. font. rer. austr. II, 10, xlv, garib nach östr. bair. art, in der etwas ahd. nachlebt, vgl. z. b. gariwûn für garwûn Graff 4, 238 (s. gar I, 3).
3)
es musz zusammen gehören mit dem schwäb. metzgerworte gär, gärn n. gedärme (s. garn III, 1), das seinerseits mit gar, stamm garw, zusammenhang hat, dessen alte beziehung zum opferwesen (s. sp. 1315) mir nicht mehr zweifelhaft ist; dasz ausdrücke aus dem opferwesen wie überhaupt (s. z. b. gilde, geziefer), so besonders auch im metzgerhandwerke sich verdunkelt erhielten, ist recht denkbar, jedes schlachtvieh war ja in ältester zeit zugleich ein häusliches opferthier. dann wäre garbe, gärbe vielleicht urspr. ein stück das man den göttern gab, wie eben die eingeweide (mythol. 50, ein beleg bei Egilsson 64ᵇ blôtnar iđrar, intestina immolata).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1336, Z. 62.

gärbe, m., f.

gärbe, m. f.
hefe u. ä., z. b.: die hefen oder gärben zum brandweinbrennen. kunst- u. handwerksnot. 282; s. gerbe, zunächst gare 5, b.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1337, Z. 16.

gärbe, f.

gärbe, f.
gleich garbe, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1337, Z. 19.

gärbe, gerbe, f.

gärbe, gerbe, f.
1)
gerberei, die arbeit wie das haus (gärbehaus Adelung), z. b. appenz. Tobler 212ᵇ, mit redensart es mosz en iedera mit siner hut selb i dgärbe, jeder hat sich selbst zu verantworten; im 16. jh. gerbe officina coriaria Frischlin nom. (1594) 249; auch nordd.: war doch sogar das sohlenleder unserer stiefel trotz seiner gerbe gefroren. Goltz jug. 1, 144, gute gerbung. das wort ist gewiss alt (ahd. garawî praeparatio). Daneben einst ein masc. gerwe, gerber, in ledergerwe cerdo Wack. voc. opt. 28ᵃ, teufels netz 10588 (nicht in der bei Lexer 1, 892 angegebenen stelle), ahd. ledergarawo coriarius Graff 4, 247, nach dem umlaut eigentlich gárawio. s. gärben.
2)
etwas ähnliches musz folg. sein: item erkennen wir junker Peter .. Hansen Vrielingen und dessen consorten zue jederem eine gärbe, dargegen sollen die beiden (als gegenleistung) dero gemeinden halten einen biere. weisth. 2, 684; bier ist zuchteber, wie s. 528, s. bär I, 1124, die gärbe ist vielleicht eine gärbemühle, bei der zugleich spreu als schweinefutter abfiel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1337, Z. 20.

gärbe, gerbe, f.

gärbe, gerbe, f.
1)
gerberei, die arbeit wie das haus (gärbehaus Adelung), z. b. appenz. Tobler 212ᵇ, mit redensart es mosz en iedera mit siner hut selb i dgärbe, jeder hat sich selbst zu verantworten; im 16. jh. gerbe officina coriaria Frischlin nom. (1594) 249; auch nordd.: war doch sogar das sohlenleder unserer stiefel trotz seiner gerbe gefroren. Goltz jug. 1, 144, gute gerbung. das wort ist gewiss alt (ahd. garawî praeparatio). Daneben einst ein masc. gerwe, gerber, in ledergerwe cerdo Wack. voc. opt. 28ᵃ, teufels netz 10588 (nicht in der bei Lexer 1, 892 angegebenen stelle), ahd. ledergarawo coriarius Graff 4, 247, nach dem umlaut eigentlich gárawio. s. gärben.
2)
etwas ähnliches musz folg. sein: item erkennen wir junker Peter .. Hansen Vrielingen und dessen consorten zue jederem eine gärbe, dargegen sollen die beiden (als gegenleistung) dero gemeinden halten einen biere. weisth. 2, 684; bier ist zuchteber, wie s. 528, s. bär I, 1124, die gärbe ist vielleicht eine gärbemühle, bei der zugleich spreu als schweinefutter abfiel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1874), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1337, Z. 20.

gerb, gerbe, adv.

gerb, gerbe, adv.
1)
gerb, ganz, s. unter gar I, 1.
2)
gerbe, fertig, bereit, vgl. gar II, 4, a, β sp. 1316: gerbe setzen, in der stahlhütte die eisenplatten, die gegerbt werden sollen, packweise auf einander legen. Jacobsson 5, 651ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3586, Z. 39.

gerbe, m.

gerbe, m.
der erbe, zusammengezogen aus geerbe, s. d., sowie Schm.² 1, 137. Lexer 1, 777.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3586, Z. 43.

gerbe, gerben, f.

gerbe, gerben, f.
1)
die spundhefe des biers, die hefe als gährungsmittel, s. gärbe sp. 1337 und näheres über die abstammung unter gare 5, b, c sp. 1347: mhd. gerwe, gerwen, gerben Lexer 1, 892; gerben vel hefen, fex voc. inc. teut. i 1ᵇ; wie sie (meine mutter) mich einmal ins bräuhausz umb gerben hat geschickt ghabt, und ich mich mit den buebmern unter wegens so lang umer graufft hab, bisz mich die galgenschwengel mit samt dem gerbenhäferl in d'rinne gworffn habn. Schwabe tintenf. B 3ᵇ; die becken nehmen zum brod und semmelbachen die biergerben. Hohberg 1, 200ᵃ; wann ein donnerwetter entstehet, so verdirbt die gerben. ebenda; auch masc. gerwe mhd. wb. 1, 530ᵃ, der gerben Schm.² 1, 934. Frommann 2, 319, 10.
2)
aus gerben ist durch zusammenziehung das gleichbedeutende germ entstanden: milchbrod zu machen, nimmt man schönes weiszes weitzen- oder dünckelmehl, das vierdte theil davon macht man mit bier-germ an, je älter sie ist, je weniger man bedarff. Hohberg 1, 202ᵃ und öfter; in den mundarten sowol fem. (gerbm, germ Lexer kärnt. wb. 113. Loritza 49ᵇ) als masc. (Schm.² 1, 934. Höfer 1, 285. Schöpf 187); der germ, plur. caret, brod ohne germ Stieler 609.
3)
auch der bodensatz, die hefe des weins, essigs, öls: gerben im ol, oben amurca, unden murca voc. inc. teut. i 1ᵇ; eʒʒichgerbe fundgr. 1, 366, wîngerwe 1, 398; man sol des pfersichbams wurczen .. misten (düngen) mit weingärben. Schm.² 1, 935 (vom j. 1437); die den guoten wein verkauft habent und gebent die gerben durch got (umsonst). Megenberg 71, 35.
4)
bodensatz, unreinigkeit, abgang, auswurf, excrementa, s. gare 5, c sp. 1348: ain gedärm .. gêt von dem magen ze tal, daʒ haiʒt daʒ vastend gedirm, dar umb daʒ eʒ alle zeit wan (leer) ist von den gerben des eʒʒens, wan eʒ nimpt allein die klâren fäuhten von dem magen, aber die gerben gênt irn weg zuo der mistporten. Megenberg 32, 15; daʒ hirn ist nicht ain überflüʒʒikait in dem menschen, sam die gerben sint, die von dem menschen koment. 6, 20; daʒ schait diu nâtûr von den gerben .. und sent die gerben ab zuo den niern und zuo der plâsen. 28, 12 ff.; gärm 283, 21.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3586, Z. 45.

gerbe, f.

gerbe, f.,
s. gärbe sp. 1337, dazu noch:
1)
gerberei, die zubereitung wie die werkstatt:
daʒ (wambîs) was in der gerwe blach.
Seifr. Helbling 1, 315;
gerbe, officina coriaria Denzler 129ᵃ, gerb Schönsleder T 8ᵃ, gerwe, gerwi, gerbi schweiz. id. 2, 448.
2)
gerbe, hand- oder windmühle Stalder 1, 441.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3587, Z. 4.

gerbe, gerben, f.

gerbe, gerben, f.
1)
die spundhefe des biers, die hefe als gährungsmittel, s. gärbe sp. 1337 und näheres über die abstammung unter gare 5, b, c sp. 1347: mhd. gerwe, gerwen, gerben Lexer 1, 892; gerben vel hefen, fex voc. inc. teut. i 1ᵇ; wie sie (meine mutter) mich einmal ins bräuhausz umb gerben hat geschickt ghabt, und ich mich mit den buebmern unter wegens so lang umer graufft hab, bisz mich die galgenschwengel mit samt dem gerbenhäferl in d'rinne gworffn habn. Schwabe tintenf. B 3ᵇ; die becken nehmen zum brod und semmelbachen die biergerben. Hohberg 1, 200ᵃ; wann ein donnerwetter entstehet, so verdirbt die gerben. ebenda; auch masc. gerwe mhd. wb. 1, 530ᵃ, der gerben Schm.² 1, 934. Frommann 2, 319, 10.
2)
aus gerben ist durch zusammenziehung das gleichbedeutende germ entstanden: milchbrod zu machen, nimmt man schönes weiszes weitzen- oder dünckelmehl, das vierdte theil davon macht man mit bier-germ an, je älter sie ist, je weniger man bedarff. Hohberg 1, 202ᵃ und öfter; in den mundarten sowol fem. (gerbm, germ Lexer kärnt. wb. 113. Loritza 49ᵇ) als masc. (Schm.² 1, 934. Höfer 1, 285. Schöpf 187); der germ, plur. caret, brod ohne germ Stieler 609.
3)
auch der bodensatz, die hefe des weins, essigs, öls: gerben im ol, oben amurca, unden murca voc. inc. teut. i 1ᵇ; eʒʒichgerbe fundgr. 1, 366, wîngerwe 1, 398; man sol des pfersichbams wurczen .. misten (düngen) mit weingärben. Schm.² 1, 935 (vom j. 1437); die den guoten wein verkauft habent und gebent die gerben durch got (umsonst). Megenberg 71, 35.
4)
bodensatz, unreinigkeit, abgang, auswurf, excrementa, s. gare 5, c sp. 1348: ain gedärm .. gêt von dem magen ze tal, daʒ haiʒt daʒ vastend gedirm, dar umb daʒ eʒ alle zeit wan (leer) ist von den gerben des eʒʒens, wan eʒ nimpt allein die klâren fäuhten von dem magen, aber die gerben gênt irn weg zuo der mistporten. Megenberg 32, 15; daʒ hirn ist nicht ain überflüʒʒikait in dem menschen, sam die gerben sint, die von dem menschen koment. 6, 20; daʒ schait diu nâtûr von den gerben .. und sent die gerben ab zuo den niern und zuo der plâsen. 28, 12 ff.; gärm 283, 21.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3586, Z. 45.

gerben

gerben,
fertig machen, s. gärben, garben, gären 3, a. dazu noch:
1)
ahd. garawen, praeparare, parare, indusiari Graff 4, 243. 246; ebenso altsächs. garuwian, gerwean, girwian, ags. gearvian, gervan, gyrvan; mhd. gerewen, gerwen, garwen, bereiten, zubereiten, rüsten, ausrüsten, kleiden, schmücken Lexer 1, 892. Haltaus 663.
2)
leder zubereiten, s. gar II, 2, a, altclev. gherwen, touwen leder Teuthonista, mnd. geren, touwen Schiller-Lübben 2, 69ᵇ. 4, 596ᵇ, nd. garven brem. wb. 2, 485, aber auch tauen 5, 33, töwwen Strodtmann id. osnabrug. 250, nl. touwen, engl. to taw, ags. tavian parare coria, tundere, moleste tractare, goth. taujan machen, ahd. mhd. zouwen bereiten, fertig machen: mhd.
die hût (Julians) lieʒ man dô gerwen
unde mit gemelde verwen.
pass. 362, 79 Hahn (161, 45 Köpke);
eine blaten ..
ûʒ eines kocatrillen hût.
diu schein grüen als ein venchelkrût:
alsô was si geverwet
und alsô wol gegerwet,
daʒ si was linde unde weich.
Konrad troj. krieg 3716, vgl. 14002;
leder gerewen Freiberger stadtr. cap. 44, 5 (248 Ermisch); gerwen, loen, cerdare Dief. 114ᵃ, gerben, lowen, frunire 249ᵇ; gerben oder loe machen voc. 1482 l 5ᵇ; wann man sie gerbet, si aluta maceretur. Neander spr. 158; um die fühlung mit gar festzuhalten, bedienten sich im 16. jh. die Straszburger und Augsburger drucker (auch Maaler 155ᵇ) der schreibung gärben, die noch im 17. jh. vorübergehend üblich war:
Pica nam ihr einen gärber; selten gärbt er oder nie,
trieb vielmehr als wie ein bütner stäb und prügel über sie.
Logau 2, 6, 30;
gärben, sed mos invaluit ut scribatur gerben Stieler 605; Rädlein, Frisch, Steinbach schreiben gerben und gerber, und dies ist die gemeingültige schreibung geblieben, da Adelungs versuch, zu gärben und gärber zurückzukehren, nicht durchdrang.aus dem verfahren des ledergerbens ergeben sich verschiedene bildliche verwendungen:
a)
mit scharfer (färbender) lauge übergieszen, beizen, bildlich mit scharfen worten:
ich soll es doch ein wenig färben
und nit mit eichen rinden gärben,
sunder mit linden safft ouch schmieren.
S. Brant narrensch. 104, 53;
daher refl. sich tief färben:
die sich alle tage verbent
nach der werlde und sich nicht gerbent
mit der roten varbe des smertzen
Cristes blutes in dem hertzen.
Renner 18743;
aber auch sich blässer färben:
der himel thut sich ferben,
ausz weiszer farb in blaw.
die wolcken thun sich gerben,
ausz schwartzer farb in graw.
fliegendes blatt 'drey hübsche lieder' Nürnberg, Val. Neuber 1, str. 3.
b)
abhärten: die vom wetter gegerbte braune haut. Lewald erz. 1, 145; was als spuk .. nicht blosz dem unerfahrenen jungen mädchen, sondern auch dem gegerbtesten lebensabenteurer eine gänsehaut zu wege bringt. Westermanns monatshefte 45, 157ᵇ.
c)
tüchtig abprügeln, vgl. die sinnverwandten walken, ledern, lidern, in älterer zeit auch von den schwertschlägen gebraucht:
der helt so vrischleich gerbet
mit swertes stichen und mit slegen.
Suchenwirt 14, 155;
sie (die heiden) wurdent all gegerbet,
das in geschach gar we,
mit pluͦt da ward geferbet
das felt und auch der cle.
deutsches heldenbuch 210ᵃ (583, 13 Keller);
einem die haut, das leder, den buckel gerben Stieler 605. Steinbach 1, 590. Ludwig 742: der priester über in mit dem bengel und gerbet im die haut. Pauli schimpf 95;
fürnämlich aber war ich schnell,
iren zu gerben das zart fell.
Fischart flöhh. 2175 Kurz (837 Sch.);
sie ziehen dir
die narrenkappen ab und gerben dir darfür
das leder also blos.
Rompler 90;
in der ecke fanden sie ihn und schlugen und gerbten
ihm gewaltig das fell.
Göthe 40, 42. 53;
die vielen kinder, die da herum faulenzen .. die schnüffeln und betteln überall .. wenn der alte graf ihnen nicht täglich die haut gerbt, so behält der erste antheil nichts. Arnim kronenw. 1, 399; ich will dir den rücken so weich gerben als den bauch. Stieler 605; schlagen sich nicht die Altziebinger täglich halbtodt mit stublbeinen .. und warten bis diese stunde vergeblich auf unsre obrigkeit, die hinausreitet und sie recht derb gerbt und abstraft? J. Paul Nepomukkirche 142; es ist mir hundertmal lieber, .. wenn ein da angesessener mann seinen bedienten mäszig und schlechtweg ausprügelt, als wenn ein Westindier seinen sklaven zerschnitzet und lebendig gerbet. teuf. pap. 1, 12;
doch Cleon gerbet fort (mit dem spanischen rohr).
Hagedorn 1, 144;
weitverbreitet in den mundarten, vgl. Schmidt 228. schweiz. id. 2, 448. Klein 141. Spiesz 75. Frischbier 1, 227ᵇ.
d)
obscen:
in vieng zu letz auf irem cloben
die Muszkünn auf irer kerben.
die schol er fürpas schön gerben.
fastn. sp. 785, 29;
das leder muͦsz gegerbet sin.
Murner narrenbeschw. 39, 76 Gödeke;
ross, deine schönheit ist dahin,
dein aug ist klar wie alte scherben,
kein knecht will deine haut mehr gerben,
er wiss dann vor, was sein gewinn.
Weckherlin 833.
3)
getreide aus der schale quetschen, enthülsen: dinckel oder fesen gerben, far deglubere Henisch 1507; gegerbter weitzen Stieler 605; was auch von spreuwer, kleien, so von den früchten gegerbt und gebeutelt werden, vorhanden. Fronsperger kriegsb. 1, cxxviiiᵃ; nimb ein gaffen gerbte gersten. Seuter rossarznei 386; sintemal man die gersten in der mühl zu gerben oder zu röllen pflegt. Simpl. 3, 159, 28 K.; getreide worfeln, die kerne von der spreu scheiden. schweiz. id. 2, 448. Stalder 1, 441: ich wil das hausz Israel gerben, wie man in einem sib gerbt. Reiszner Jerus. 1, 44ᵇ.
4)
drücken, kneten: gerben, vom bereiten des brodteigs, s. garben und gesseln.
5)
gerben oder würben, in der stahlhütte das geschlagene eisen durch öfteres glühen, zertheilen und wieder zusammenschweiszen in stahl (gegerbter stahl, gerbstahl) verwandeln. Jacobsson 2, 62ᵃ; geräte schärfen, so die pflugeisen und äxte mit stahl belegen und schweiszen. schweiz. id. 2, 448.
6)
ein metall glätten, polieren, bei goldschmieden, schlossern, gürtlern: die platte der kupferstecher gerben, sie glatt und glänzend wie das eis machen Jacobsson 2, 61ᵇ; sant Thomas hat sie (die schelle) gegerwet und gefeilet. Keisersb. narrensch. 43ᵇ; glasköpff (sind) so glat und schlecht, dasz auch die goldschmid das auffgetragen gold mit gerben und planck machen. Mathesius Sar. 187ᵃ.
7)
beim böttcher, glatt hobeln, s. gärbehobel:
zum stemmen braucht man scharfes zeug,
zum bohren, gerben gleicher weis.
böttcherlied, Schade handwerksl. 9, weim. jahrb. 4, 326.
8)
das gras hart am boden abmähen oder abätzen. schweiz. id. 2, 448.
9)
würgen, sich erbrechen, speien, noch in den mundarten, s. Frischbier 1, 227ᵃ. Klein 141. schweiz. id. 2, 448. Weise Altenburger mundart 76. der richtige Berliner 16.
10)
zu garben, ertrag geben (sp. 1337) stellt sich ein mhd. sich gerwen, in ertrag kommen: swem die pfruͦnden verlühen werdent, so die sich anvahent ze gerwende, swas in da nach wirt, unzint si sich engerwent (auszer ertrag kommen), das sol den werden, den das ander opfer ze dem münster wirt. Mone ztschr. 12, 238 (von 1316), vgl. die nebenform gerbe zu garbe sp. 1335, 2, b und bei Schiller-Lübben 6, 137ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3588, Z. 1.

gerben, n.

gerben, n.
subst. inf. des vorigen.
1)
confectio coriorum Steinbach 1, 590: alte häut dörffen vil gerbens Henisch 1507.
2)
das prügeln:
hilfft aber nicht das teglich gerben
der hundt, das drumb die esel sterben.
B. Waldis 2, 90, 17 Kurz.
3)
das beizen, mit worten, foppen und höhnen: disz sprachgerben (später wortkrieg) wäret dann biszweilen so lang, bisz man einander hinder das leder kompt und die fell zerreist. Simpl. 4, 389 Kurz.
4)
das raffinieren des stahls Röhrig techn. wb. 281ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3589, Z. 66.

gerben, f., m.

gerben, f. m.
hefe, s. gerbe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3589, Z. 78.

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Zitationshilfe
„gerben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerben>, abgerufen am 17.01.2022.

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