Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gebot, n.

gebot, n.
subst. verb. zu bieten und gebieten.
I.
Die form.
a)
mhd. gebot, unterschieden vom praet. gebôt, während jetzt beide formen zusammenfallen, ahd. kapot, gipot u. ä. Graff 3, 78, alts. gibod im Hel., gebot in den ps., ags. gebod, altengl. ibod, altfries. ebod Richth. 697ᵇ; nrh. gebot Teuth. 25ᵇ, mnd. gebot, gen. gebodes, gebades, nnd. gebodd Dähnert 145ᵇ, de tein gebade die zehn gebote Brem. wb. 1, 73; mnl. ghebot, nnl. gebod; zum nd. s. aber unter d, β.
b)
mit kurzem vocal oberd. bis ins 18. jahrh., z. b.: götliche gebott. Zwingli von speisen f iijᵃ; dasz ein dienstbott nicht schuldig sei zu gehorsamen, wo ihme etwas wider gottes gebott geschaffet wird. Conlin 5, 307. im 16. jh. geben z. b. Dasypodius 307ᵈ, Maaler 159ᵈ eben nur gebott, wie noch 1678 M. Krämer 505ᵇ, ja noch 1727 der Cölner Aler 848ᵇ. auch bei Opitz von gastgebotten poet. 23. Dazu mit g- für ge-: ein got und ein gbot. Frank spr. 2, 5ᵃ;
von feiren, fasten hungergbott,
das ehverbott (coelibat) vom hurengbott.
Fischart 3, 120 Kurz.
die nhd., md. länge wird früher auch bezeichnet, geboth schreibt noch Lessing 12, 320, Adelung (wie gebiethen, gebieth); s. auch geboeder unter c, nrh. geboit Dief. 346ᵃ, schon im 15. jahrh. auch geboth nov. gl. 267ᵇ.
c)
der pl., jetzt gebote, im 16. jahrh. auch noch gebot (z. b. Luther unter II, 3, b), erscheint auch mit dem -er der neutra (vgl.gebeter sp. 1740), in rhein. sprache: ich frage euch ehrbare scheffen .. ob keine (d. h. nicht irgend welche) geboter oder verboter gegeben, denen aber nicht gehorsamet (worden)? weisth. 6, 666; aller zimlicher geboeder der obrigkeit gehorsam zu leisten. 621; wanne ein heimburger den herrn .. zimlicher geboeder ungehorsam were. 624 (das oe meint wol ô); were es, dasz einicher die gebötter nit enthielte. 3, 756 (ent- für mhd. en-, nicht, vgl. entkein V, 491 unten). auch niederd. kommt gebotter vor, s. Sch. u. Lübben 2, 22ᵇ. Aber auch schwachformig, wenigstens im gen., besonders alem.: nit usz liebe gottes noch siner gebotten. Zwingli von speisen a ijᵃ; ungeacht aller satzungen, gebotten und ordenungen der aposteln. Fischart bien. 1588 44ᵃ; das ist die summa der geboten gottes. Schuppius 281. nl. im plur. durchaus geboden.
d)
daneben eine form ohne das ge- (wie noch z. b. verbot), die ziemlich weit greift, auszer dem hd. vorherschend.
α)
oberd. bot (s. d.), bott, noch jetzt zum theil herschend, auch in die schriftsprache gekommen in botmäszig, eigentlich dem gebote entsprechend. genauer pot, pott, d. h. mit p- aus gb-, s. sp. 1606 fg., wie bieten, pieten für gebieten (s. d. I, e); pot z. b.: wann man aber gepeut und dem pot nit gelebt (s. l.), der ist dem pfleger verfahlen .. östr. weisth. 1, 115, 36, d. h. wenn der büttel das gebot meldet, der gerichtsmann aber ihm nicht nachkommt; iren (des klosters) amtlüten in poten und verpoten gehorsam ze sind. weisth. 5, 118, schweiz.; über mhd. bot s. Haupt zu Erec s. 360, vgl. sp. 1608. gastbot für gastgebot scheint aus dem nd. gekommen.
β)
ebenso nd., auf anderm wege entstanden (s. sp. 1605 fg.); schon mnd. vorwiegend bot, z. b. to bode stân zu gebote stehn, s. Sch. u. Lübben 1, 403ᵇ; nnd. bot Brem. wb. 1, 71, bod Schambach 28, Dähnert 47ᵃ, hier auch als masc., wenigstens in der bedeutung II, 1 (aber auch aufbot m., evocatio ad arma Steinbach 1, 165), z. b. he hett den höchsten bod, er hat das meiste geboten, daher noch bei Möser, auch bei Stieler als m. in dieser bed. (s. unter bot 2), in welcher auch md. im 15. jahrh. bod erscheint (II, 1, c), wie es nl. da bod heiszt. neben dem masc. auch ein fem., s. u. 2, a. s. auch unter gastbot die nd. formen, auch nl. gastebod, schwed. gästabud u. s. w.
γ)
auch ags. neben gebod einzeln bod Grein 1, 131, nordhumbr. in den evang. nur bod edictum, mandatum, praeceptum, legatio Bouterw. 302ᵇ; noch altengl. bod, bode. auch altfries. vorwiegend bod Richth. 655ᵇ. das nord., dem das ge- fremd ist (s. sp. 1596), hat nur die kurze form: altn. bođ n., altschwed. buþ und bodh (Rydqv. 2, 316, vgl. unter gastgebot), norw. bod, dän. bud, schwed. bud und baͦd, z. b. dän. de ti guds bud, die zehn gebote gottes. Danach, besonders nach dem ags. zu urtheilen, mag doch auch im niederd. die einfache form zugleich ursprünglich sein neben gibod, ist auch wol noch zu erkennen in bodskepi neben gibodskepi, wie ags. bodscipe neben gebodscipe; dann würde auch von ahd. und ursprünglichem pot ein rest sein, wie in kewaltpot indictio Notker 49, 8, so auch in potiscaf, potascaft u. ähnl., eigentlich ausrichtung eines gebotes, auftrages (vgl. kundschaffer 3), also auch in unserm botschaft, bei dem man nun an den boten denkt, wie vielleicht schon früh geschah, womit sich der mangel der form gebotschaft erklärt (das doch nicht ganz fehlt, s. unten).
e)
über die bildung s. u. gebiet, das eine jüngere schwesterbildung ist (vgl. II, 2 gebot gleich gebiet); im vocal ist es wie z. b. zu triegen mhd. troc, getroc, ahd. gitrog trug, zu ziehen mhd. zoc, gezoc, woneben doch zuc, nhd. zug, mit reinem vocal, wie hier im schwed. buþ, bud neben bodh, baͦd. Zur seite geht ihm verbot von verbieten, ahd. auch pipot zu pipiotan (sp. 1754); aber die entsprechenden bildungen zu erbieten, entbieten sind eingegangen, denn das zu entbieten gehörige ahd. ímpot, ínpot (s. unter gebieten II, 1, b) war schon mhd. fast auszer gebrauch, wie das zu erbieten gehörige mhd. úrbot, ahd. urpot oblatio Graff 3, 79 nhd. verloren ist, obwol es auch ins nhd. herein nachlebte gleichsam vertheilt in urbietig erbötig und in erbot, erbötig, von denen das erste im zweiten vocal, das letztere im ersten vocal eigentlich falsch sind.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
gebot zu bieten.
a)
noch heute vollerhalten in kauf und verkauf: gebot ab emtore, licitatio, a venditore indicatio. Kirsch 2, 132ᵃ; Nürnberger gebot ist halb ab, das macht rechte keuf (die richtigen geschäfte). Frank spr. 2, 37ᵃ, d. h. dem Nürnberger krämer musz man die hälfte bieten, s. die erklärung 37ᵇ; wenn der meiger ein gebott tuͦt (auf ein erledigtes gut, das wieder zu besetzen ist), dasselb sol beschehen bi zehen pfunden, es sig dʒ .. ander gebotte den hubern gepotten würde. welicher das gebott nit haltet u. s. w. weisth. 4, 2, els.; ein gebot auf etwas thun, ein schlechtes gebot, zehen thaler sind dafür schon ein hohes gebot. Adelung; dasz sie sehr viel verlieren müssen, wenn er sie zwinget, das werk so auf den plotz, vielleicht für das erste beste geboth zu verkaufen. Lessing 12, 320 (briefw. mit seiner frau s. 131);
du willst ein gebot thun, sie treibt dich hinauf.
Göthe 40, 107 (Pand.);
der könig that zwar ein gebot, auch das zweite und dritte, aber der nachbar blieb auf seiner rede (dasz ihm die mühle nicht feil sei). Hebel 3, 125. gebot bei versteigerungen, dazu im amtlichen stil, nicht eben lobenswert, auch höchstgebot, mindestgebot. im geschäftsleben auch geldgebot u. ä., schandgebot, spottgebot, misgebot, ungebot, zu niedriges gebot, abgebot, gegengebot. mhd. gebot und widergebot, wie noch jetzt bieten und wiederbieten (macht den kauf u. ä.). auch mnl. gebot, s. Oudem. 2, 373, jetzt veraltet, durch bod vertreten (s. I, d, β).
b)
ursprünglich aber zu bieten überhaupt, wie man trotz karger zeugnisse annehmen musz, z. b. zu eʒ einem sæleclîche bieten, ihm mit liebevollster behandlung entgegenkommen, erscheint als substantiv:
vrowe, daʒ vergelte iu got,
daʒ ist ein sæleclîch gebot
iwer werden süeʒe.
gut. Gerh. 3100.
schon mhd. tritt aber dafür die präsentische bildung biet, gebiet ein, z. b. gruoʒes biet, êren biet, gegenbiet, s. sp. 1748 fg., was doch nicht durchdrang.
c)
von der bedeutung a eigentlich nicht verschieden ist mhd. gebot als einsatz im spiele: wol mag iederman wurfzabel und schachzabelspil tuͦn umbe einen pfenning verbotten (s. Haupt Neidh. 156), zwene zuͦ slehten gebotten und nuͤt hoͤher. Mones zeitschr. 7, 64, aus Straszburg 14. jh.; auch md. bot (s. I, d): kegel schiben oder gansen oder kreisz schiszen .. sal nymant anders spielen dan umb einen heller bods. Kriegk bürgerth. 2, 429, aus Frankf. 15. jh. es ist eigentlich was man dem gegner anbietet für den fall seines gewinnens, noch eigentlicher, was man ihm mit der hand hinhält (s. sp. 1754), von ihm zu nehmen im falle des sieges, und nachher offen hinlegt als spielpfand, daher wol mhd. ein gebot legen, ihm gegenüber das widergebot des gegners, z. b. in dem hauptspiele alter zeit, dem würfelspiele, s. die stellen bei Haupt zu Erec s. 343. 338, dann aber, wie es scheint, übertragen auf die einzelnen würfe selber (bildlich auf die schwerthiebe im kampfe), die ja dem gegner immer erneut das spiel (oder den strît) bieten, wie schon der erste einsatz selber zugleich ein spil oder strît bieten ist, eine ausforderung; noch jetzt sind beide bedeutungen, auf den beginn und auf den verlauf des spiels, der wette u. ä. bezogen, enthalten in überbieten, mhd. verbieten (Haupt zu Neidh. 156), eigentlich für bieten, daher das subst. dazu fürgebot, fürbot heiszen müszte, das sich denn auch finden wird. vgl. auch unter d, γ kehr vom spieleinsatz.
d)
und noch weiter gebildet, zugleich als beweis wie tief und weit diesz gebot im leben eingewachsen war.
α)
von der einzelnen partie des spieles, die ja ursprünglich mit neuem gebot und widergebot eröffnet, bezeichnet wird; so bair. bot, besonders vom kartenspiele, ein bot spiln, wievil bot habmer gespilt? Schm. 1, 223, tirol. Schöpf 51, kärnt. z. b. zwâ pout kartn spiln, auch pout werfen von einem kinderspiele, wo mit steinen nach einem ziele geworfen wird (Lexer 37).
β)
daraus erklärte Schmeller richtig die bair. redensart alle bot, jedesmal, im entstehen noch zu erkennen aus dem beigebrachten beispiele: der Hans wirft den Michel alle bot, so oft ers im ringen mit ihm aufnimmt (eigentlich ihm mit ringen 'es bietet'). die redensart ist aber weit verbreitet über Deutschland, im ursprunge auch verdunkelt, im begriff weiterentwickelt, s. allegebot, allbot im 1. bd., in Kärnten alle pout, alle augenblicke, schwäb. allebot u. ä., allemal, auch manchmal, oft nach einander Schmid 80, in voller form westerw. allegebott Schmidt 4 (vgl. Kehrein Nass. 41), auch wetterauisch, oberhess., auch gleich sehr oft (Weigand), luxemb. all gebatt, alle augenblicke Gangler 166; auch nd. allebot Schamb. 30ᵇ, Danneil 3ᵇ, Schütze 1, 140, Fromm. 5, 49, wo mehr nachweisungen, wie bei Schm.² 1, 309. wie weit es der verdunkelung unterlag, zeigt besonders hamb. 'allbott, traun, zumahlen, gleichwol, sane' Richey 4; so wird allemal volksmäszig auch als ein widersprechendes dennoch, o ja gebraucht.
γ)
endlich auch bot überhaupt gleich mal, z. b. schwäb. einbott, zweibott, auch jebott bisweilen Schmid 80, götting. jedes bot jedesmal Schambach 30ᵇ, cimbr. an andar botta, ilchar botta jedesmal u. ä. Schm. 113ᵃ. bemerkenswert ist, wie fast überall die ursprüngliche bedeutung vergessen ist, die doch danach gleichfalls weitverbreitet gewesen sein musz. Schmidt im westerw. id. vergleicht treffend alle ritt, alle schlag, die gleichfalls auf das spiel, kampfspiel zurückgehn, s. dazu kehr 4, b und e (besonders kehr auch vom spieleinsatz selber), auch gang I, 5, f.
e)
auch angebot zu anbieten, aufgebot zu aufbieten, ausgebot zu ausbieten.
2)
gebot gleich gebiet, zu gebieten.
a)
in vocc. des 15. 16. jh. erscheint für districtus neben gebiet auch ein gebot in aim lande Dief. 187ᶜ, kärnt. ain pot an aim land n. gl. 139ᵇ, nd. bode das.; das letztere möchte fem. sein, wie mnl. ein fem. gebode botschaft erscheint Oudem. 2, 368, norw. bod f. botschaft Aasen 68ᵃ (vgl. 6, a) und ein hd. fem. gebiete, gebiet sp. 1748; vgl. dazu das masc. bot unter I, d, β.
b)
zum folgenden überleitend gleich gerichtsbarkeit u. ä., wie gebiet (2, e), das auch erst von dieser bedeutung aus zu seiner heutigen kam: item haint die amptlude an den landman gestalt (die frage gerichtet), wie ferr unser herren grafschaft zu Dietze und ire herrlichkeit, gebote hoch und nider umb Limpurg gehen. weisth. 1, 578, vorher ebenda gericht und gebode hoch und nider u. ähnl., es ist eigentlich die bed. 3, a ins allgemeine erweitert; ob pl. oder sing. f.? s. auch unter 4, c.
c)
macht und recht des gebietens, herschergewalt, was gebiet ursprünglich auch bedeutete, gern mit gewalt verbunden (vergl. übrigens 4, c):
dô was daʒ liut einvaltic,
daʒ twanc er in sîn gebot.
Barl. 250, 13;
(gott) in des gewalt und des gebot
der himel und diu erde stât.
Germ. 8, 291;
S. Brant redet kaiser Maximilian an im j. 1493:
dich forcht all welt und nation,
Turk, heiden, all ertrich wirt gon
under din gwalt, gebot und kron.
Liliencr. 2, 312ᵃ,
ganz wie gebiet und gewalt, z. b.:
herrn oder stete, die man sicht han
gebiet und weltlichen gewalt.
Ammenhausen schachz. 221 Wack.
in eines gebote sein, ihm unterworfen, preisgegeben:
in des tufels gebode muszt er (müszt ihr) sin,
ir enfolget dan dem raide min.
Alsfelder pass. 4987.
auch bildlich, z. b. in leides gebote, in der gewalt des schmerzes, vom schmerz überwältigt:
er was in leides gebote,
sînen zorn huob er hin ze gote.
Hartm. Greg. 2435,
womit sich wol das merkwürdige einer sûche gebot, die gewalt einer seuche erklärt:
einer sûche gebot
lac ir in deme houbete.
pass. K. 379, 28.
auch in zusammenfassender wendung (zugleich zu b) 'gebot und verbot', das recht zum 'gebieten und verbieten', z. b.: (die scheffen) haven auch gewist .. dem herrn von Hoispelt gebot und verbot uf den lehen und grondsachen. weisth. 6, 666, s. dazu 3, e.
3)
zu gebieten in der gewöhnlichen bedeutung, ursprünglich ein bestimmter befehl oder auftrag mit weisender, winkender oder drohender handbewegung (s. sp. 1756. 1754). begriff und gebrauch waren bis ins 16. jh. oder länger weit ausgedehnter als jetzt, wie bei gebieten.
a)
vom gebietenden heiszt es ein gebot thun, gewiss von jeher, schweizerisch pot tuon weisth. 5, 126; der knecht sal nimande kein gebott noch verbott thue ane des gebietsherrn geheisz. Michelsen rechtsd. 114. ein gebot geben, schon ahd. und mhd.: ein new gebot gebe ich euch, das ir euch unternander liebet u. s. w. Joh. 13, 34 (ἐντολήν, vulg. mandatum);
doch solt erkennen mich für gott,
der dir da gibt söllichs gebott (gedr. bott).
Ruff Ad. u. Heva 704.
früher auch gebott machen Henisch 1392, wirklich ohne artikel (vgl. unter 4, a, γ), z. b.:
Amon in grimmen ward gekert ..
und macht gepot der haiden schar,
zehenken alle juden gar.
Schwarzenberg 106ᵇ.
gebott setzen Schönsl. F 6ᶜ, Henisch 1392, mhd.:
nu satzter (der kaiser) aber ein gebot.
pass. K. 70, 6. 15,
es ist dabei wol schon an das abfassen in schrift gedacht, vgl. gesetz und vorher das.:
daʒ wort er gebieten lie
und beschrîben vor ein ê.
69, 96,
wo gebieten das ausrufen meint (daher man vernam ein gebot 70, 34), s. darüber sp. 1764 unter β. auch stellen: das man einen königlichen befelh soll ausgehen laszen und ein strenge gebot stellen, das u. s. w. Dan. 6, 7. das strenge gebot wird eingeschärft:
trotz des gebots, das du mir eingeschärft.
H. v. Kleist (1859) 2, 236.
die schärfe und gewalt wird auch durch schlagen bezeichnet: das der bapst macht habe auf die gewissen gebot zu schlahen und gottes gebot zu endern. Luther 3, 264ᵇ. milder legen auf, auflegen, als last: und legen ein gebot auf uns, das wir u. s. w. Neh. 10, 32, mhd. ûf legen erlös. 6443. übrigens auch ein gebot gebieten (sp. 1758 fg.), und das gebot selbst als gebietend: das vierte ist noch ein ganz hübsches, vernünftiges gebietendes gebot. Göthe 17, 401 (wahlv. 2, 18), von den zehn geboten.
b)
von dem andern, dem geboten wird, heiszt es
α)
gleichfalls das gebot thun (wie im gegentheiligen sinne unter a), ahd. die sîn gebot tuont Notker 148, 8, und noch nhd.: werdet ir aber mir nicht gehorchen und nicht thun diese gebot alle. 3 Mos. 26, 14. 15;
thut der königin gebot!
Bürger (1778) 6, nachtf. d. Venus.
gewöhnlich halten: werdet ir in meinen satzungen wandeln und meine gebot halten und thun. 3 Mos. 26, 3; wie lange wegert ir euch, zu halten meine gebot und gesetz? 2 Mos. 16, 28. auch kräftiger behalten, noch im 15. 16. jahrh. wie ahd. mhd.: die do behalten die gebott gots. Geffken bilderkat. 2, 56; und Mose gebot .. dem volk und sprach: behaltet alle gebot, die ich euch heute gebiete. 5 Mos. 27, 1. auch bewahren spr. Sal. 19, 16, für das volle völlige einhalten auch erfüllen, schon ahd. irfullan, während bewahren an ahd. gibot weran erinnert. auch leisten, pflegen, mhd.:
Adâm solte eins gebotes pflegen ..
nu suln wir leisten zehen gebot.
Freid. 175, 2 ff.;
die mit willen (willig) leistent iwer gebot.
Walth. 79, 13.
dem gebott nachkummen Schönsl. F 6ᶜ, nachleben u. a.
β)
dagegen ein gebot brechen, verletzen u. a.:
swelch man sô getrinket, daʒ er sich noch got
erkennet, sô hât er gebrochen ime sîn hôch gebot.
Walther 30, 8;
swer die gebot verbrichet.
erlös. 6470;
swer .. mîn gebot dran letzet.
pass. K. 70, 10.
übertreten, überschreiten (Kirsch 2, 132ᵃ), auch übergehen, überfaren (6, c), mhd. und nhd. (dazu über daʒ gebot u. 5, e, es übertretend):
wan daʒ gebot ir übergât,
daʒ got selbe geboten hât.
Hätzl. 116ᵇ;
ich hab deine gebot nicht übergangen noch vergessen. 5 Mos. 26, 13; warumb übertrettet ir die gebot des herrn. 2 chron. 24, 20. auch verlaszen 1 kön. 18, 18. 2 chr. 7, 19 u. ö., von den geboten weichen 2 chr. 8, 15. Dan. 9, 5, abweichen Mal. 3, 7. die vorstellung dabei ist die eines vorgeschriebenen weges oder einer angewiesenen grenze: wenn du mein herz tröstest, so laufe ich den weg deiner gebot. ps. 119, 32; füre mich auf dem steige deiner gebot. v. 35. auch ein gebot übersitzen, versitzen (8, e. 9, b), eigentlich wo ein gebotnes erscheinen, z. b. vor gericht, versäumt wird.
γ)
daher auch früher einfach mit in, wie man heute sagt sich im bereiche, innerhalb des gesetzes halten, den gesetzlichen weg (oder boden) nicht verlassen u. ä., in dem gebote leben, bleiben, wandeln u. ä.:
ich lebe, her, in dinem gebode.
Alsfelder pass. 7735;
wir sollen in geboten leben, nicht in freiem fleischlichen mutwillen. Luther 3, 112ᵃ (in für in'n, in den); gedenke an das ende .. und bleibe in den geboten. Sir. 28, 7; wirstu in meinen geboten wandeln und nach meinen rechten thun .. 1 kön. 6, 12. 2 chron. 17, 4 u. ö.; giengen in allen geboten und satzungen des herrn untaddelich. Luc. 1, 6; einem verlobten paar wünscht die mutter u. a., gott möge sie fest machen 'in seinem gebot':
gott gäb üch glück und sinen sägen ..
der bstät üch ouch in sim gebott!
Ruff Ad. u. Heva 1935;
anders in bei gebot gleich gewalt, s. unter 2, c, eigentlich bereich der gewalt, gleichsam bann.
c)
zu gebote stehn bezeichnet recht deutlich noch das verhältnis des gehorchenden zum herrn, eigentlich bereit stehn, des gebotes gewärtig; die wendung wird in die älteste zeit zurückgehn.
α)
mhd.: der undervoit sal ouch zû der burger gebote stên an allen sachen (rechtssachen), an allem geheiʒe (schuldforderungen u. ä.). Freiberger stadtr. 264, ihr gebot ausführen;
ritter sibenzehn hundert
unde drîʒec tûsent man,
die im ze gebote muosten stân.
Haupt 2, 93,
befehligt waren ihm zu diensten zu sein;
fursten, grafen und dinstman
muszen mer (Herodes) alle zu gebode stain.
Alsfelder pass. 1258;
des was ich herzeclîche vrô
unde stuont ze sîme gebote.
Barl. 17, 33,
stellte mich (stuont) ihm zur verfügung, was auch ausgesprochen wird mit sich einem ze gebote bieten, hintretend und sich verneigend anbieten:
dô neic si im unde gote
und bôt sich ime ze gebote.
Iw. 6014.
ein sich zu gebote stellen ist es auch im folgenden zugleich, den heidnischen Preuszen macht ein gefangener Pole das ziel des deutschen ordens klar, er wolle sie zwingen,
daʒ ir den heiligen touf
intpfât nâch des gelouben louf ..
unde zu gebote stât
der rômischin kirchin dort (d. h. nach dem süden zeigend).
Jeroschin 3606;
swaʒ lebet, daʒ stêt zunserm gebot,
alsô hât uns (menschen) geêret got.
welsch. gast 8557.
auch einem herrn zu dienste und zu gebotte sitzen, von angesessenen unterthanen, s. Haltaus 592.
β)
nhd., gleichfalls noch von menschen:
vater, almechtiger got,
dem die engel sten zu gebot.
osterspiel Wack. les. (1839) 1018, 23;
es soll auch kein bürger noch einwohner, die dem rath zu gebothe stehen, kein verleumdet weib herbergen. es soll niemand, der dem rath zu gehorsam und geboth stehet .. doppelspiel treiben. Zeitzer stadtordn. v. 1573 bei Schott 1, 274, vgl. vom gebieten des stadtrates sp. 1760 (β); der allmechtige gott, dem alle creaturen zu gebot stehen. Mathes. Sar. 39ᵃ; er war schon im besitz der gewalt, weil ihm die mächtigsten zu gebote standen. Schiller 1013ᵃ (üb. die erste menschenges.), dem also die ursprüngliche bed. noch geläufig und deutlich war.
γ)
jetzt nur noch von dingen, mitteln, kräften u. ä., die uns zur benutzung geboten sind, zur verfügung stehn, über die wir gewalt haben, doch auch schon im 14. jahrh.: waz do gefelt, wy das genant ist (alle gefälle der neuen kirche), sol eim rat der stat zu Coburg zu gebot sten. Haltaus 592; ansehnliche summen muszten ihm zu gebote stehn. Göthe 31, 216 (Beireis für seine sammlungen); war jede art von fassung, die dem menschen zu gebot stehen soll, kaum hinreichend. 218;
weil ihnen (den schönen) thränen, wie man sagt,
leicht zu gebote stehen.
Gotter 1, 87.
noch Heynatz antib. 2, 9 tadelte folgende wendung in Sulzers liter. reise: die bibliothek zu Zürich steht jedem bürger zu gebote, findet nur richtig z. b. die sprache steht mir zu gebot, wenn ich mich darin fertig ausdrücken kann. nd. dat steit mi to bade, steht mir zu dienste, wird mir angeboten. Brem. wb. 1, 69. dagegen sagt man jetzt ich stehe zu diensten.
d)
ein rest der alten vorstellung liegt auch in über bei gebot: mhd.
genædeclîchen über mich
ergê dîn (gottes) wille und dîn gebot.
Winsb. 78, 10;
noch im 16. jahrh.: Esra .. der ein lerer war in den worten des herrn und seiner gebot über Israel. Esra 7, 11, vgl. u. e gebott und verbott thun über einen bezirk; es ist wie gebieten über .. sp. 1756, gebiet über .. sp. 1749, eigentlich von der ausgestreckten hand oder dem stabe, die die gewalt bezeichnen. dem über entsprechend kommt einer unter eines gewalt und gebot S. Brant unter 2, c, werden ihm gebote aufgelegt 3, a, ist einer dem gebote untergeben, unterthan: weip ist undir irs mannis gebot. blume von Magdeburg s. 157;
der (grafen) gebote wâren undertân
hundert rîter.
Wig. 265, 34,
sie standen zu ihrem gebote, zur hut der burg, gebot zugleich als oberbefehl, wie gebiet 2, b, kriegsgebiet.
e)
der begriff erscheint oft gesichert, gleichsam sicher umfaszt durch beigefügtes verbot, was ja selbst nur eine einzelne form eines gebotes ist (vergl. 6, d gebot selbst gleich verbot), wie 'gebieten und verbieten' sp. 1760, hauptsächlich im rechtsleben: item weist der scheffen (s. sp. 1290 unter c), dasz unser herr der abbt .. macht hab zu jagen und zu fischen binnen dem bezirk .. dan (auszer) umb gebott und verbott darüber zu thun, soll u. h. der abt mit einem (d. h. dem) ambtmann .. zu rath werden. weisth. 3, 756, wo es sich wesentlich um verbietungsrecht handelt (s. unter 6, d); die gotshuslüt söllen schweren .. iren (des klosters) amtlüten in poten und verpoten gehorsam ze sin. 5, 118; glockenschlag, gebot und verbot, fischen und jagen gehört dem gn. herrn von Cleve. rechtsalt. 248; so hat man nachgesözte gepoth und verpoth in acht ze haben. österr. weisth. 1, 194; rescriptum, keiserlich gebott und verbott. Frischlin nom. c. 159; kein frevel was in zuͦ grosz, si .. gaben weder umb gebott noch verbott nit ein wicken. Wickram rollw. 89, 19; gehorsam zesein den götlichen und der cristenlichen kirchen gebotten und verbietungen. Geffken bilderkat. 2, 52. noch Adelung nennt aus der canzleisprache seiner zeit geboth und verboth von jemanden annehmen müssen, seiner gerichtsbarkeit unterworfen sein. reiche belege und genauer spaltende verfolgung des begriffes bei Haltaus 594 fg., s. z. b. u. 6, d, β.
4)
der begriff fordert aber überhaupt noch nähere betrachtung, zunächst der begriff an sich.
a)
der sicherlich älteste begriff eines einzelnen gebotes, auf einen bestimmten fall bezüglich, erweitert sich von selbst
α)
sobald das gebotene nicht gleich seine ausführung finden kann, für den beauftragten zu einer aufliegenden verpflichtung, noch mehr aber, wenn das gebot sich auf dauerndes bezieht, ein für allemal gilt, ganze verhältnisse umspannt; daher das in geboten leben, bleiben u. ä. 3, b, γ, auch das zu gebote stehen 3, c fällt zum theil hierher. so denn als verpflichtung: gepot, obligamentum, obligatum. voc. 1482 l 7ᵇ und in andern vocc. Dief. 387ᵇ, nov. gl. 267ᵇ.
β)
ein dauerndes, umfassendes gebot wird zum gesetz o. ä., z. b. von reichsgesetzen: und sollen diese gebot, den landfriden .. betreffend .. des reichs rechten und andern ordnungen und gebotten, derhalb vormals ausgangen .. nit abbrechen, sonder das meren. reichsordn. Worms 1539 109ᵇ (landfr. von 1521 § 19); diser frid und gebot. 110ᵃ, friedensgesetz, im zeitwort entspricht setzen, ordnen und wöllen wir hiermit ernstlich gebietend 108ᵇ u. ö. der begriff wird auch verstärkt, ausgeführt durch zusätze, wie eben in ordnungen und gebotte, in gebot und verbot unter 3, e, in allen geboten und satzungen Luc. 1, 6 u. ä.: heutes tages gebeut dir der herr dein gott, das du thust nach allen diesen geboten und rechten. 5 Mos. 26, 16; und haltest seine gesetz, gebot und recht. v. 17; gebot, sitten und gesetz (Mosis). Neh. 9, 14. später nur noch in alterthümelndem stile, z. b.: wo ist ein so herrlich volk, das so gerechte sitten und gebote hatte, als diese gottesgebote waren? Herder br. das stud. der theol. betr. 1, 212; das sind gebote, wie sie unter gebildeten vernünftigen völkern statt haben. Göthe 17, 401 (wahlv. 2, 18), vgl. verbote, verbietende gesetze s. 400. von dem, was das gesetz gebietet, spricht man gern noch (lieber doch vorschreibt, vgl. sp. 1762 unter d), nennt es aber nicht selber mehr gebot. auch im folgenden ist zwischen beiden doch ein unterschied:
Thoas. ein alt gesetz, nicht ich, gebietet dir ...
Iphig. ein andres spricht zu mir, ein älteres (gesetz),
mich dir zu widersetzen, das gebot,
dem jeder fremde heilig ist.
Göthe 9, 83 (Iph. 5, 3),
gebot ein höheres als das menschengesetz, die menschensatzung (vgl. menschengebot und gottes gebot Matth. 15, 9. 6). dichterisch weltgebot für weltgesetz, naturgesetz (vgl. 5, d, α):
ist nicht der mord das alte weltgebot?
und gibt es ohne mörder einen tod?
Lenau werke 2, 56 (Faust).
γ)
dabei ist zu bemerken, wie auch von einer summe, einem ganzen von geboten, vorschriften oder gesetzen doch der sing. galt, mhd. und bis ins 17. jh., z. b.: ein newer herr, ein new gebot. Henisch 1392, 62; ein got und ein gbot. Frank spr. 2, 5ᵃ; mein kind, gehorche der zucht deines vaters und verlasz nicht das gebot deiner mutter. spr. Sal. 1, 8; mhd. z. b.:
lieber sun, nu hœre mich,
zuht und êre lêre ich dich ..
darumbe hœre mîn gebot,
vernim eʒ rehte.
d. Cato 49,
es ist der ganze inhalt des lehrbuches gemeint, im lat. entspricht praecepta mea. so ist bes. von gottes gebot (neben geboten) viel die rede, seit der mhd. zeit, vgl. 5, d, α. die erscheinung ist wie bei gesetz, wo man auch die gesamtheit mit das gesetz zusammenfaszt, sei es dasz man im grunde an die anwendung im einzelnen falle denkt, oder dasz es noch mehr verbal gemeint ist, 'was geboten ist' u. ähnl., oder auch dasz man die gebote, gesetze wie in einem buche vereinigt, zu einem geworden denkt.
b)
für uns jetzt steht dem begriffe befehl am nächsten, aber keineswegs von jeher, denn befehl war ursprünglich nichts als ein anempfohlener auftrag, s. noch um 1500 sp. 1755 über gebieten und befelhen aus Keisersberg. aber auch gebot selbst hatte zugleich milderen sinn, wie gebieten (2, b) gleichfalls, auch von befelh auftrag nicht wirklich verschieden, z. b.: von den junkfrawen hab ich kein gebott oder befell, aber ich gib ein rath. Keisersb. sünden d. m. 58ᵃ. daher auch ein gebot befelhen, etwas zu thun nachdrücklich anempfehlen: dis gebot befelh ich dir, mein son Timothee. 1 Tim. 1, 18, παραγγελίαν παρατίθεμαί σοι, goth. anabusn anafilha þus, vulg. praeceptum commendo tibi; schon ahd.: wieo manegiu gebot er bevalh unseren forderen. Notker 77, 6. 98, 7. vergl. unter 5, a.
c)
auch auf seiten des gebietenden erweiterte sich der einfache begriff von selbst theils zur dauernden geltung des gebotes, theils zum rechte des gebietens, zur gewalt, erkennbar am sing. (s. z. b. unter 5, c); es ist wie bei gebieten selbst, s. diesz 3 und 4 als gewalt haben und ausüben und gebot 2, c mit dem begriffe der gewalt zusammenfallend, auch gebot über .. unter 3, d, als oberbefehl ebenda. ähnlich gebot des rates, des prälaten, schulmeisters u. ä.: undir des purgirmeisters und seinr eitgenoszin gebote sint die burger .., die pfaffen iren prelatin, die schuler iren meistern, ein ritter seinem herrin. blume von Magdeb. s. 157; unmundige kinder sint in gebote irs vormunden. das. Dazu wol aus gebot, als ausflusz des gebietsrechtes: also trug S. Cecilia aus gebot irer eltern güldene kleider. Luther 1, 246ᵇ; solchs sage ich aber aus vergunst und nicht aus gebot. 1 Cor. 7, 6. vergl. auch botmäszig, eigentlich gebotmäszig. diese begriffserweiterungen sind nicht eingetreten bei geheisz, heiszen, ähnlich aber bei befehl, bei lat. imperium, auch bei commando.
5)
der begriff in seiner manigfachen erscheinung im alten leben, wovon der heutige gebrauch nur ein gebliebener schwacher rest ist; vergl. gebieten 7.
a)
gebot des herrn (vgl. u. 4, c), sprichwörtlich: der herren gebot macht das gesätz, quidquid regi placet, legis vim habet. Henisch 1393; der herren gebot und ein irrdiner topf wehren oft bald gleich lang. das.; herren gebot wehret drei tag. das. gerade hier, an seiner quelle, erscheint der begriff doch auch früh gemildert, s. über mhd. gebieten unde biten sp. 1755 fg., ebenso von bete und gebot, gebot unde bete Bechs sammlung Germ. 8, 382.
b)
insbesondere kaiserliches, fürstliches, obrigkeitliches gebot u. ähnl.
α)
dasz keiser Rudolphus I im j. 1279 ufm reichstag zu Frankfurt .. ein gebott auszgehen lassen müssen, hinfurter alle reichs abschied und verfassungen .. in teutscher sprach zu verfertigen. Limb. chron. 4; unser vorgenante kungliche gebotte. Frankf. reichsc. 1, 329, ausschreiben k. Sigmunds (das gebot als schriftliche ausfertigung wird brief genannt); eine waare wider das gebot der herrschaft ins land führen. Ludwig 700. kayserlich gebot noch bei Rädlein 325ᵃ; ein gebot ausgehen lassen ders.; 'gebotte und briefe', schriftliche gebote, s. unter gebotbrief 2. 3.
β)
auch landgebot, auf dem landtage beschlossen und für das land gültig, z. b. wer auf dem Pongauer landtädung nicht selbst erscheinen konnte, sollte einen scheinpoten schicken, der ihme die landpoth kan haimbsagen, die beschlüsse melden. österr. weisth. 1, 183 (17. jh.); und wenn von geprechen wegen des landes icht bote ze tuen sein (zu erfüllen), die süllen dem abbt ze Peürn auch verkündet werden, so sol er mit seines gotshaus leüten schaffen, daʒ die sölhen geboten nachgeen und gehorsam sein. 1, 53 (15. jh.). auch die von alters geltenden vorschriften und gesetze: (zum schlusse) werden die gemainen lantpott bei der schrannen offentlich berueft und zu halten gepoten, weg und steg ze machen u. s. w. 1, 73; s. auch 'landpot und verpot' unter 6, b. anders landesgebot unter 6, b.
γ)
gerade in diesem bereiche machten sich früh die lat. ausdrücke von der canzlei aus auch im deutschen geltend, wie mandat, edict, decret, schon im 16. jahrh. eingewachsen, wie das fehlen der endung zeigt, z. b.: gebieten, ein offenlich mandat laszen auszgon, edicere, praeceptum dare, mandare. Maaler 159ᶜ; der röm. keis. maiestet edict wider d. M. Luthers bücher. Luther 1, 456ᵃ (darin befehlen und gebieten 457ᵇ); zu volstreckung des decrets. 460ᵇ; gebieten in kraft dieses unsers edicts. 462ᵇ, am schlusse aber doch auch mit nachbringung des deutschen, ältesten wortes: diese unser .. keiserliche meinung, decret, statut, gesetz, ordination und gebot. 463ᵃ (an letzter stelle, wie z. b. im titel des kaisers von Österreich der graf von Habsburg jetzt zuletzt steht). auszerdem haben jetzt je nach umständen verordnung, vorschrift, anordnung, verfügung, bestimmung u. ä. seine stelle, gebot ist hier ausgestorben, auszer bei dichtern und in gehobener rede. vom verhältnis zu gesetz s. 4, a.
c)
gebot der eltern, des hausherrn (vgl. u. gebieten sp. 1760 fg.), des arztes u. ä.: gleichwie Andromache den sohn, so in krieg gehen wolte, nicht allein mit unterschiedlichen geboten instruirt .. Schuppius 758, heute nicht mehr sagbar. aber von geboten seiner schwester, in angelegenheit der Lili, erzählt Göthe: freilich sehr verbietend und bestimmt waren die gebote meiner schwester. 48, 159. des arztes:
noch ist andrer gebote befolgung übrig dem trinker
einer genesungsquelle.
Neubeck gesundbr. 93.
d)
gebot gottes u. ä. (der natur, der kirche), im vorigen schon oft belegt, braucht doch noch besondere betrachtung, vergl. dazu gebieten 3, b.
α)
sein gebot, in die weltdinge eingreifend: das aber widwen und widwen von einander bleiben, ist kein gottis gepott noch verpott. Luther bei Dietz 2, 26ᵃ;
allein, allein ist unser gott ..
so bald nur schallet sein gebot,
all streit ist schon geschlichtet.
Spee trutzn. (1817) 154.
der sing. im umfassenden sinne (s. 4, a, γ) meint aber oft nichts anderes, als was man heute weltordnung, ordnung der natur, naturgesetz u. ä. nennt, z. b.:
sît man in (den himmel) zergänclich siht,
als eʒ gebiutet gotes gebot,
wie möhter danne wesen got?
Barl. 237, 39;
gotes gebot niht (nichts, kein wesen) übergât,
wan der mensche, den er geschaffen hât.
Freid. 5, 11;
und wolt also abermal ein frei gesell sein, gottes gebot aufheben, und keine oberkeit (gewalt über mir) haben, sondern von (den) leuten unter die wolfe laufen. Luther 4, 410ᵃ; so were gottes gebot fein aufgehaben. 409ᵇ, doch hier zugleich im anschlusz an die zehn gebote. ebenso mhd. und noch später oft als eʒ got gebôt, der naturordnung gemäsz. Aber auch schon der natûre gebot, naturgesetz (vgl. naturgebot):
eʒ (das minnen) ist von natûre gebote
beide an wîben und an mannen.
Stricker Karl 3772;
der himel ist kosmos genant ..
nâch sînem rehte (ordnung) er umbe gât,
nâch der natûre gebote,
als im geordent ist von gote.
Barl. 237, 11;
wan als in gordent ist von gote,
der in sînem gebote
ir natûre hât gephlegen (sie eingerichtet).
237, 20.
in des Strickers klagen klagt u. a. die von den menschen verletzte natur vor gott um hilfe, und beruft sich darauf:
wan du mir gæbe daʒ gebot,
daʒ ich wær der ander got.
klein ged. 12, 489 var.
vergl. Lenaus weltgebot, naturgesetz vorhin.
β)
gewöhnlich nimmt gottes gebot bezug auf die bibel oder das dogma, auch im sing., z. b.:
gotes gebot er brichet,
der übel mit übele richet.
Freid. 174, 25;
eʒ (die knabenliebe) ist wider sîn gebot
vaster denne dehein sünde.
Stricker kl. ged. 12, 450,
mit berufung auf Sodom und Gomorra, und doch zugleich im vorigen sinne. nhd. z. b.: wider gottes gebot, s. unter I, b. Im plur. sind vorzugsweise die zehn gebote gemeint:
diz sint diu zehen gebot,
diu uns gebôt der wâre got.
Freid. 174, 2.
schon früh vielfach ohne gottes, als selbstverständlich: das kind den catechismum, den glauben, dʒ vatter unser und die zehen gebot leren. Agricola spr. nr. 641; wie verdrieszlich ist mirs oft, mit anzuhören, wie man die zehngebote (so) in der kinderlehre wiederholen läszt. Göthe 17, 401 (wahlv. 2, 18). oft auch blosz die gebote, wo vorzugsweise jene gemeint sind (vergl. besonders gebotbrief), doch auch gottes gebote überhaupt, z. b.: bleibe in den geboten. Sir. 28, 7; wir sollen in geboten leben. Luther 3, 112ᵃ (in = in'n); wo man die gebot helt, ist ein heilig leben Henisch 1393, 31, sprichwörtlich, die weltlichen doch nicht ausgeschlossen. so wird gott als selbstverständlich oft weggelassen, s. z. b. bei geben, gabe sp. 1707. 1114. vgl. auch δ. ε.
γ)
gebot der kirche, des pabstes, s. kirchengebot, kirchenbot; indictum, ein verkunt gebot. gemma bei Dief. 294ᵇ (edictum, eines wertlichen fürsten gebot 195ᵃ, vgl. unter gebiet 2, a); was man für gebott und satzungen unwidersprechlich muͤsze annemen. Fischart bien. 1588 10ᵃ; ob man allein dasjenige für gebott und kirchensatzungen halten sol, was in der bibelischen schrift .. verfasset ist? das., also auch gebot schlechthin, wie in der gemma vorhin, obwol mehr gottesgebote gemeint sein werden;
bedeuten uns des bapstes netz,
sein decretal, gebot, gesetz,
damit er die schaf Christi zwinget.
H. Sachs 2, 15 Göd. - Tittm. (wittenb. nacht.);
unzal hat der bapst solcher bot,
der doch keins hat geboten got.
das.
mhd. auch nâch der cristenheit gebote pass. K. 379, 48, nach kirchlichem ritus.
δ)
der zehn gebote hat sich übrigens auch der witz bemächtigt, sie weltlich anwendend, z. b.: nachmahls reisete ich in Holland (als acc.), da gieng das geldgeben erst recht an, dasz ich seit dieser zeit oft gedacht, die Holländer müsten die zehen gebote in eines verwandelt haben, das heisze: gieb geld her Chr. Weise erzn. 65 (c. 6).
ε)
auch ein weltliches eilftes gebot wird angeführt, in verschiedenem sinne (gewiss auch von dem u. δ): ist unrecht, dasz man (beim Christspiel) .. ja wol befiehlet, dasz man auch die und die, den und den examiniren solle, wie das 11. geboth heisze, und dergleichen. deutl. bericht von dem h. Christspiel, ob und wie weit dasselbe zu dulden .. von e. liebhaber Christi. a. 1679 s. 29, hier also als nicht allen bekannt, besonders wol der jugend dunkel, ohne zweifel zweideutig; schlafe wol, halte dich brav, gib wol achtung, übereile dich nicht und behalte das 11. gebot: lasz dich nicht verblüffen! Herder an s. sohn, s. Riemers br. von und an Göthe s. 274, mit dieser auslegung noch in Thüringen bekannt; vorsichtiger kenner der grenzlinie zwischen dem, was man erlaubt und nicht erlaubt nennt, d. h. aufmerksamer beobachter des s. g. elften gebots. dorfzeitung 1867 s. 1717 (aus dem Nürnberger anz.). s. auch Moltkes sprachwart 6, 302. 7, 30. Davon eine neuere umbildung, nur vollends ins weltliche gezogen, aber damit auch seines eigentlichen witzes beraubt, ist der in zecherkreisen wolbekannte '§ 11', wol aus dem studentenleben stammend.
e)
gebot des richters u. ä., das einst viel zu bedeuten hatte (s. weiter 6, b. d ff.), z. b.: waʒ ein man tut nach des richters gebot, der mistut nicht, ob er dem (betreffenden) gerichte undirtenig ist. blume von Magd. s. 159; hette im jener von des richters gebote ein pfant gesaczt vor sine bekante schult. Magd. fragen 89; des richters gebot vorsitzen. 164, gebot eine schuld zu bezahlen. des vogtes: gebiutet im daʒ der vogt, als er ze rehte sol (das recht auszuwarten), und vert jener über daʒ gebot dervon .. Augsb. stadtr. s. 139, d. h. das gebot übertretend, s. unter 3, b, β. im besonderen z. b. vom friedensgebot: wer mit dem andern .. stöszig wirt, dem mag der amann .. frid gebieten .. und ob er solich gebot überfert .. weisth. 5, 122; die sach zwischen uns in gutem ufgehapt und mit gebot befridet und zu entlichem rechtspruch gegenainander vertragen. Reuchlin verst. 13ᵇ, eigentlich so, dasz der streit durch richterliches gebot einstweilen beruhigt, befriedet wird bis auf gerichtlichen austrag; s. friedbot.
f)
erwähnenswert auch gebot der geliebten, aus der minnezeit her noch länger fortgeführt:
und wo dir wirt ir gebot,
so soltu es halten an allen spot.
weim. jahrb. 2, 101.
zugleich in dem sinne von gewalt, herschaft:
ich bin gehorsam immermer
und wil bestan in deinem gpot.
2, 83;
eine frau rechtfertigt gegen den beichtiger ihre minne, u. a.:
ich hoff, mein trost in darzuͦ pring,
das noch von im wirt volpracht
darnach er sunst nicht hett gedacht,
ob er nit wär in meinem gepot.
Hätzl. 116ᵃ;
si sprach: darvor (vor untreue) mich got behuͤt ..
und den, der ist in meinem pott.
118ᵃ.
vgl. noch im 17. 18. jahrh. gebieterin (maîtresse).
g)
bildlich, gebot abstracter gewalten, schon mhd. vielfältig:
diu mâʒe wag im rehte kunst (lebenskunst)
gên dirre welte und ze gote
nâch des wunsches gebote.
Barl. 30, 10,
wie es nur die wünschende, ideale vorstellung irgend hätte gebieten können, als eʒ der wunsch gebôt Erec 8214;
mir wunschte manic werder man
durch sîner zühte gebot
sælde und heiles.
gut. Gerh. 6395;
nâch sîner tugende gebot
sprach er zû gote sîn gebet.
pass. H. 204, 81;
der milte gebot.
204, 87;
noch jetzt berufen wir uns auf das gebot der ehre, der pflicht, der notwendigkeit, des staatswohls u. ä. (nicht befehl), vgl. gebieten sp. 1762; z. b.:
ihn wird das heilige gebot
der pflicht, das furchtbare der noth
nur desto unterwürfiger finden.
Schiller 99ᵇ (poesie des lebens).
6)
wie gebieten, nahm gebot unter umständen noch besondere kraft und färbung an, in sehr verschiedener weise, besonders im gemeinde- und rechtsleben.
a)
wie gebieten, musz auch gebot die bedeutung auftrag gehabt haben, der einem boten auszurichten gegeben wird, gleich botschaft (s. sp. 1763), doch fehlt ein beleg, kann aber mit enthalten sein in den gl. mandatum gebot Dief. 346ᵃ. belegt ist so mnl. gebode f. (s. 2, a) und dän. bud hat noch diese bed., z. b. tage bud med, einen auftrag übernehmen, mit ausrichten, auch norw. bod n. und f. Aasen 68ᵃ, schon altn. bođ n. Fritzner 59ᵇ, ags. bod legatio (I, d, γ). dazu auch ags. bodian, gebodian sagen lassen, melden, altn. bođa, norw. boda. übrigens sind eigentlich botschaften zugleich auch die folgenden gebote.
b)
gebot gleich ladung zum erscheinen, die durch boten besorgt wird, vielfach und wichtig im alten leben, s. dazu gebieten 9, d; z. b. in gastgebot, wo ein herr gäste zu sich, zum feste entbietet. aufgebot, zum kriegszuge, 'gemeines landesgebot' (vgl. 5, b, β): als aber die Griechen .. durch gmeines landsgebot gen Troia ausgezogen. Schaidenr. Od. 185ᵇ. ladung zur bürgerversammlung: unde gebiten denne die ratmanne umb sulche geschicht ein gemeine gebot (d. h.) das ein iderman zu dem rathuse komen sal, und vorsiczet denne das gebot imand .. Magd. fr. s. 33, s. dazu c. zur landesversammlung: nachdem der gemainen landschaft auf heut hieher geboten ist .. sprich ich zu (als) recht, das ain ieglicher, der dem pot underworfen .. heut hie sei und alle landpot und verpot, so von alter herkomen .. anhör. österr. weisth. 1, 242 (17. jh.). ladung vor gericht: man sol auch wiʒʒen, daʒ die waibel eim ieglîchem man wol mugen fürgebieten .. sô aber diu sunne ze reste kumt, sô hât ir gebot kain craft. Augsb. stadtb. s. 67; wenn ain gast (fremder) aim fürgebieten wil .. der sol bi dem ersten gepot fürgan (vor gericht kommen). weisth. 5, 123, es heiszt auch genauer fürgebot, vergl. unter gebieten sp. 1763 fg. verbunden clag und pot österr. weisth. 1, 344, 22, angebrachte klage und ergangene vorladung, eine sache heiszt mit clag und both umbfangen das. 34, 33, auf den weg rechtens gebracht, der selbsthülfe entzogen. bair. bot für die obrigkeit, fürbot, citation Schm. 1, 223, vgl. gebotgeld.
c)
gebot auch kurz für die entbotene und abgehaltene versammlung. so in Hessen die zunftversammlung, zum theil bis jetzt, zu gebote gehn, s. Vilmar 49, mit älteren belegen, z. b.: beim gebott säsze er so vor sich weg. 17. jh.; auch von gemeinsamen aufgaben, zu denen die zunft entboten wurde, z. b. die leinweber giengen zu gebote, wenn ein galgen zu errichten war; weilen N. N. nicht zu gepode gegangen, da man das alte zunfthaus abgebrochen, wird er um 7 alb. gestraft. 16. jahrh. in Straszburg: wenn .. die fünfmanne nôch der menige geschicket .. ein gemein gebot zu haben. Scherz 483 aus der tuchmacherzunftlade; zu einem solichen follen gebot. das., voll wie ganz sp. 1290, zu dem alle nötig waren. mnd. ein boet hebben, wan man gemein bodt hevet, s. Sch. u. L. 1, 403ᵇ; vgl. gemeine gebot unter b.
d)
gleich verbot: interdictum, gebot. Dief. 304ᵃ.
α)
z. b. bei todesfällen, gebot des richters das erbe nicht anzutasten: als dann .. unser statt recht gewesen ist also, wann einer mit tod abgangen .. dʒ dann uf des mönschen tod gewartet (aufgepaszt, nämlich von den gläubigern) und .. si dann uf das gut gebotte genomen, und welcher der erst ie mit dem gebott gesin, der oder die haben .. ir schuld dann (hinweg) genomen u. s. w. Lucerner stadtr. § 91; das wird so geändert, das alle die, denen der abstorben mönsch schuldig ist .. gebott nemen. mit eim (d. h. dem) gerichtsweibel, der sol dann das bot und schuld inschriben, und wann die gebote also (auf diese neue weise) genomen, dann sol ein gerichtsweibel demnach allen gelten (gläubigern), so gebott genomen .. ein offen rechtstag setzen u. s. w. das.; da sieht man zugleich den begriff sich erweitern und ändern, denn das gebot gilt ursprünglich den erben, die verlassene habe unberührt zu lassen (nehmen, weil es vom richter erwirkt wird, ausgeführt durch den waibel), wird aber nachher zu einer bloszen anmeldung der schuldansprüche; auch das ganze verfahren heiszt noch kurz das gebot: damit sol iederman, nach dem sin schuld ist, nach marchzal verlieren, sie syen die ersten old die hindresten an dem gebott. auch für gerichtliche beschlagnahme überhaupt, interdictum bonorum Haltaus 593: wir mögen an sein guot gebot legen. mon. Zoller. 3, 38 (eigentlich legen lassen, vgl. unter gebieten sp. 1764); ein gut in gebott legen, s. bei Haltaus; im 16. jahrh. mit häufung der ausdrücke: fürgebott, gebott, kummer oder arrest. Frankf. reform. I, 8 § 3, s. dazu kummer II, 1.
β)
gebot erscheint auch geradezu als subst. zu verbieten gesellt: und wo einer verbotten wirt und über bott enweg vart, der ist verfallen fünf pfund ze buosz. weisth. 4, 358, wem sich zu entfernen verboten wird vom richter. ebenso heiszt zu jenem gebot von vorläufiger beschlagnahme das zeitwort verbieten arrestare Dief. 50ᵇ, das subst. auch verbot (V, 2594 fg.), aber auch fürgebot, s. vorhin aus der Frankf. reformation. es wird auch in diesem sinne (vergl. unter 3, e) verbunden gebot und verbot, mandatum prohibitorium, s. Haltaus 593, Scherz 484.
γ)
ein verbot musz auch folgendes gebot sein: der büttel thut das gebott auf, was der schultheisz schlieszt. Fischart bien. 43ᵇ randgl., ein sprichwort aus dem gemeindeleben, der diener hebt die gebote des herrn auf, dort aufgewandt auf den pabst und den heil. geist; das gebot musz ein verschlieszen sein, wahrscheinlich in bezug auf weinberge u. ä., s. die formel gebannen oder geboten sp. 1761, wo doch gebieten das aufheben des verbots sein musz, aber es erscheint auch umgekehrt gebieten interdicere Dief. 303ᶜ. auch sonst wechselt gebot mit bann, der vom richter z. b. auf ein gut gelegt wird, s. bei Haltaus 593 aus rheinischen quellen des 14. jahrh.
e)
richterliches u. ä. gebot bei strafe, strafgebot, dann auch das verwirkte strafgeld selber. jenes z. b.: item was ain (d. h. der) aman .. in dén gerichten von ains (d. h. des) hern wegen gepüt und wie hoch. ist denn der, dem es geboten wird, ungehorsam, so mag der aman das gepot höchern u. s. w. weisth. 5, 122, vgl.hoche und nidere pot 126, schweiz.; welti aber ainer solich schulden (verwirkte buszen) nit bezaln, so mag ain aman .. im gebieten des ersten an (bis zu) 1 [[undefined:poundsign]] D, darnach an 2 [[undefined:poundsign]] D, und darnach an 10 [[undefined:poundsign]] D .. und überfuͤr er solich gebot alle, so sol man zuo im grifen .. daselbst, s. dazu 'gebieten und strafen' sp. 1765. das heiszt auch geltpot, geldgebot, unterschieden von aidpot, gebot bei dem unterthaneneide weisth. 5, 133. Dann von den straf geldern selber, sonst zwar buszen 5, 116, doch auch gebot: alle fräfel, buszen und gebott in des dorfs etter .. sind alle sin (des herrn). 1, 124; alle pot sind ains herren und vogts. 5, 116, vgl. auch von der Mosel 2, 462; wer das breche, da sol M. u. R. das gebot von den oder denen nemen, die das verbrochen hant. Scherz 483; das verbrochen gebot. 484. vgl. gebotsrecht.
f)
gebot, verkündigung, ausrufung durch den gerichtsboten u. ä., s. gebieten sp. 1764 (β). ein solches ausrufen ist eigentlich auch das gepot nach rœmischer gewonhait (Lexer 1, 758, 14. jh.), die indiction, vgl. dazu gepietjar Schm.² 1, 308. auch das dreimalige aufgebot von der kanzel heiszt oder hiesz landschaftlich gebot, wie noch nl. gebod, auch genauer huwelijksgebod, bei Kil. ghebod, kerkghebod, promulgatio in ecclesia.
g)
auferlegte leistung, auflage, zu gebieten sp. 1764 fg.; so wol im folgenden, wo wesentlich von leistungen die rede ist: her (der richter) mûʒ niechein gebot noch herberge noch bede noch dînst noch chein recht (verpflichtung) uffeʒ lant sezzen, eʒ enwillekore daʒ lant. Sachsensp. III, 91, 3; so werden sie (die mönche des klosters) .. überladen mit hunden, pferden, waiden, leuten, diensten, gebotten. Haltaus 592, 15. jh.; im Teuth. 25ᵇ ist gebot auch injunctum, impositum. ähnlich im folgenden; in einer Straszb. verordnung des 14. jh. ist die rede von bürgern, die hengeste oder pferde von gebottes wegen haben söllent, zum kriegsdienste halten, d. h. eine gewisse anzahl solcher, die nicht selbst reich genug sind eins zu halten, sollen ie zwo personen, die so vil guͦtes habent, zuͦsamene stoszen und den selben zwein ein pfert gebieten zuͦ habende. Straszb. chron. 960, 22. 12, es ist zugleich die bedeutung auftrag unter a.
7)
noch einige sprichwörter, wie gewöhnlich mit mehrseitiger anwendung des begriffes; bei Henisch 1393 z. b.: vil gebot, wenig gute werke; das gebot der liebe ist ein kurz gebot und lang gebot, ein einig (einzig) gebot und vil gebot, es ist kein gebot und alle gebot; lieb und noth hat kein gebot, oder scheidet alle gebot; noth hat kein gebot, dieses jetzt noch geläufig, auch kennt kein gebot, wo denn der reim das alte wort fest hält; angst hält kein gebot. Ettner unw. doctor 663.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1877), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 1801, Z. 71.

gerbote, m.

gerbote, m.
apparitor judicii Scherz 1, 528.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3592, Z. 15.

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Zitationshilfe
„gerbote“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerbote>, abgerufen am 03.12.2021.

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