Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerecht, adj. und adv.

gerecht, adj. und adv.,
verstärktes recht, goth. garaihts justus, ahd. kareht, gireht, gereht, greht, creht rectus, purus, incolumis, adv. und conj. grehto, crehto, greht recte, ergo, quidem, etenim, interj. wola grehto! o igitur! Graff 2, 410. Schm.² 2, 31, mhd. gereht, adv. gerehte Lexer 1, 874 fg., mnl. gherecht Oudemans 2, 533, vgl. gerech und gericht, adj.
1)
gerade, rectus voc. 1482 l 8ᵇ. Dief. 488ᵃ, gerecht machen rectificare nov. gl. 314ᵇ; mhd.
er was gerecht nu als ein zein
und wolde sich nicht bougen.
pass. 237, 18 Köpke;
nhd. im forstwesen ein gerechter baum, ein gerad gewachsener, zumal wenn er sich zugleich gerade spalten läszt Adelung, auch gerecht gehender baum, 'dessen adern nicht geschlängelt, sondern gerade und parallel von einander fortlaufen' Jacobsson 5, 651ᵇ, der stamm geht gerecht. Zinck öcon. lex. 1, 916. forst-, fisch- und jagdlex. (1772) 1, 1037; bair. schnur-, kerzen-, pfeilgerecht, gerade Schm. a. a. o.; den verschiedenen bedeutungen von gerad entsprechend insbesondere
a)
gerade in bezug auf die glieder: mhd.
die krummen wurden dâ gerecht.
pass. 447, 80 Köpke;
si sî gerecht oder lam.
Martina 133, 96;
bair. er is grê'd und geschlê'd, er hat seine geraden glieder Schm.; wie gerad (sp. 3546) in die bedeutung 'gesund' übergehend: schweiz. gerecht, 'gesund an lunge, herz und leber, richtig gebaut, ohne fehler, meistens in der verbindung gsund und grecht, das gegentheil ungrecht gewöhnlicher vom vieh als vom menschen' Stalder 1, 477. Tobler 234ᵇ. Hunziker 111.
b)
gerade in bezug auf die richtung: gerechter weg oder steig, via vel semita directa voc. inc. theut. i 1ᵇ; richteten also die fart den gerechten weg auff die insel Medera zu. S. Frank weltb. (1542) 211ᵇ;
wie durch unendlicher verborgner zahlen reih
ein krumm-geflochtner zug gerecht zu messen sei,
warum die sterne sich an eigne gleise halten, ..
das alles weisz er (der tiefe denker).
Haller schweiz. ged. (1777) 105.
in der ersten und zweiten ausgabe gerad zu messen.
c)
eben:
die krümme (wird) gleich,
und die steile gerecht.
Herder zur schön. lit. 16, 267.
d)
aufrecht: gerecht, gerad, erectus Henisch 1507; gerecht geben, in die höhe richten:
wen (wann) hatz ein end, ir fulen knecht,
das ir den man hand geben gerecht? ..
richtent in uff und griffent dran.
Mone schausp. 2, 319,
d. h. den eben ans kreuz gehefteten und noch am boden liegenden Jesus.
e)
regelrecht: wer weidet sein auge nicht lieber an Schottlands wilden katarakten und nebelgebirgen, Ossians groszer natur, als dasz er in dem schnurgerechten Holland den sauren sieg der geduld über das trotzigste der elemente bewundert. Schiller X, 224.
f)
im adv. genau, gerade:
dann einer hande breit sie höher sich verwandelt,
die glieder nach gestalt sie gröszer auch aufftrieb,
also dasz sie gerecht in diesem masze blieb
als wan der zaubrer selbst leibhafftig allda stünde.
D. v. d. Werder Ariost 7, 52, 4;
Mardocheus sagt mir zu letz, ..
villeicht seist zu (Esther) zu rettung geben
dem gantzen jüdischen geschlecht
von gott, auff dise zeit gerecht.
H. Sachs 15, 109, 20 Keller.
g)
in der älteren geometrie gerechter winkel, was früher gerader (sp. 3544), jetzt rechter winkel: gerechter winckel. Albr. Dürer underweisung (1604) O 2ᵃ; ein gerechten winckel mach also. Erhard Helm der ware procesz und kürtzist weg, visier und wechselruten zu machen aus dem quadrat, anhang zu Adam Rysens rechnung H 2ᵃ; daher rechtwinklig: ein gerechter triangel. Joh. Stöffler von künstl. abmessung aller grösze (1536) 5.
2)
recht, und zwar
a)
richtig, wie etwas sein musz: mhd.
ich wânte daʒ Migdonia
mîn swester wêre gar virkêrt,
nu ist si wârlîche gelêrt
einen wech, der ist gerecht.
pass. 256, 86 Hahn;
der glaub ist paidenthalb gerecht.
Suchenwirt 41, 649;
nhd. ein uhr in aller höch auch steht
künstlich gemacht, gerecht sy geth.
Schmelzl lobspruch 77;
freundt, legent den stein gerecht nider (an seine rechte stelle). Aimon F 2; orthographia, gerecht buochstaͤbig teutsch zu schreiben. new cantzlei, ietz braͤuchiger, gerechter practick, formliche missiven und schrifften an iede personen rechtmeszig zu stellen. Fab. Frangk teutscher sprach art und eigenschafft (1531) titel; je näher der blasen, je subtiler und gerechter der urin. Paracelsus (1589) 1, 160; vier oder funf guldin, das solt im (dem rattenfänger) erst geben werden, so die kunst gerecht und die ratzen allerdings vertriben weren. Zimm. chr. 3, 272, 30; wer gerechte erkäntnisz des glaubens .. nicht hat, der ist nichts mit all, ob er schon etwas zu sein scheinet. pers. baumg. 2, 1; sie klagte mir ihre noht und begehrte zu vernehmen, ob ich kein mittel wisse, den variablen liebhaber zu bannen und wider in das gerechte glaisz zu bringen. Simpl. 3, 135, 21 Kurz; also fierent (fuhren) die knecht nit zue den gerechten thoren in, nit on ursach. Baumann quellen 1, 284; auf dem richtigen wege, am richtigen orte: der edelmann sprach: so warten auf mich, so ich hie gerecht bin, so kommen mit mir. und als er gerecht ward, fuͤret er in mit im haim. Fortunatus (Augsb. 1530) C 4ᵇ; von menschen: der schäfermarsch, welcher auf das gemüth des echten und gerechten Markgröningers denselben zauber ausübt wie der kuhreigen auf das herz des Schweizers. gartenlaube 1890, sp. 557ᵃ; von der zeit: es ist hoch mitternacht, versetzte der graf lächelnd, und eben gerechte zeit. Göthe 17, 127; auch findet sich (in den acten) das concept eines schreibens, worin ich die beiden bücher wirklich bestelle, welche denn auch zu gerechter zeit angekommen sind. an Karl August 2, 164;
ich bitt euch um urlaub, es ist die gerechte
stunde gekommen, gnädiger herr.
werke 40, 96, vgl. 4, 49;
wir wollen uns
wie sonst vergnüglich unterhalten; ist ja doch
gerechte (hinreichende) zeit für dieszmal uns gegeben.
11, 328;
mit einem gerecht werden, aufs richtige, aufs reine kommen: der ander huff vom punt zoch uff das bisthom Bomberg, da war noch ain huff buren by ainander, den woltend sy mit der hilff gottz och suͦchen und mit im gerecht werden, und wan das besche, so wolt der punt heruff in das Brissge und Schwartzwald, die schanthlichen och zuͦ straffen. Hug Villinger chronik 129; schweiz. z'grechtem, ernstlich Rütte 34, es got z'grechtem, es gilt ernst Hunziker 111: da musz man z'grechtem angreifen .. wenn er jetzt anfange z'grechtem, werde er in ein halb dutzend jahren das meiste abgeräumt haben. J. Gotthelf 19, 106, vgl. 167. 325.
b)
vom körper, recht wie er sein musz, tadellos:
der (könig) was al sîner lide frümec
und manlîches herzen,
zer zeswen und zer lerzen
gereht, ze bêden handen.
Wolfram Willeh. 46, 9;
ein ors ..
gereht ze bêden sîten.
Parzival 41, 1;
ein swert brûn unde breit, ..
ze beiden ecken wol gereht.
Eraclius 1195.
c)
richtig, den gesetzlichen vorschriften entsprechend, von münze, masz und gewicht: er liesz sonderbare müntz schlagen, die kaum den zwantzigsten theil einer gerechten müntz am gehalt des silbers hatte. Zinkgref apophth. (1639) 1, 52; ich bekomme noch einen gerechten konventionsthaler von ihnen. Iffland dram. werke 15, 1, 246 (fam. Lonau 5, 16); gerechte masze, gerechtes gewicht Kramer 2, 93ᵃ; gerechte waag Krämer 536ᵃ; die wag sol gerecht sein und auch das gewicht und das masz. bibel 1483 61ᵇ (3 Mos. 19, 36); wir sollen auch alle mess oder mas, so die nit gerecht seien, lassen recht machen. weisth. 1, 771 (von 1488); zwai merkeisen, ains damit man kandln zaichen (zeichne, aiche), daʒ ander damit man metzen, wag und ellen zaichen wasz gerecht ist, und was nit gerecht ist daʒ soll man wegk thuen. östr. weisth. 1, 222, 45 (von 1565); wann ainer ausz weg (wage) und mosz traid und wein daran ausgibt und das nit under des richters zaichen gesetzt oder gemacht ist und doch sonst gerecht ist, der ist zu peen verfalen 52 Agler (Aquilejer) pfenning. und ist die wag und mosz zu clain und an ir selbs nit gerecht, so ist derselbig zu peen verfallen dem gericht 32 [[undefined:poundsign]] Agler morkt. 1, 307, 21; ain jeder so ain mühl hat .., der soll haben ain gerechts mäszl, der sollen an ainem mezen gehen 32, damit er seine maut nimbt. 6, 57, 21 (16. jahrh.).
d)
echt, unverfälscht, von waaren: ist der balsem ganz und gereht, sô wirt ain wüllein tuoch niht unsauber dâ von. Megenberg 360, 11; gerechter lebensbalsam. Rädlein 358ᵃ; item welcher böszlicher und geverlicher weisz masz, wag, gewicht, specerey oder ander kauffmannschaft felscht, und die für gerecht gebraucht und auszgibt. Carolina art. 113; (gewürz des krämers) da es probiert und gerecht erfunden. Kirchhof wendunm. 289ᵇ; am nechsten freitag darnach schlug man 4 fasz weins die böden ausz auf der flaischbrucken in die Pegnitz, die warn nit gerecht, mit posem gemecht (s. gemächt 2, c, d sp. 3145). chron. d. d. städte 1, 406, 11 (Nürnberg, von 1440); es nemen auch etlich ihr anzeigen von dem punten der vass, die nemen sie von den vassern, und versuchen die feuchtigkeit so daran hanget, schmackt dieselb wol nach wein, so ist der wein gerecht und gut, wa nit, so vertrauen sie im nit. Herr feldbau 69ᵇ; hitz öl in einer pfannen, geusz es in den wein, zischt und springt es, so ist wasser dabei, ist er gerecht, so hört man kein geprassel. Hohberg 1, 368ᵇ; gerechter Rheinwein. Rädlein 358ᵃ; schüttet kein kofent mehr unter dem vorlauff des gerechten biers! Simpl. 3, 375, 17 Kurz; gerechte perlen. Rädlein; da ward ich (der hanf) geschauet, vor gerechte kaufmannswahre erkant, ... ins kaufhaus geliefert, abermals geschauet, vor gut erkant. Simpl. 1, 6, 12, 596;
gerechte waar darff keines auszruffs nicht,
und wird auch wol verkauffet ohne liecht.
Seladons weltl. lieder (1651) anhang s. 19.
e)
gut, frisch: funfzig centner gut, gerechtz, gekurnts pulfers. Baumann quellen 2, 485. 562; die grentzvestungen allezeit mit frischem und gerechtem pulver versehen. Simplic. 1, 5, 22, 540; weidmännisch gerechte fährte, neue, frische fährte Kehrein 137, gleichbedeutend gerechter gang Weber öcon. lex. 191.
f)
der wahrheit entsprechend, echt, von büchern: mhd. sint di bucher Gregorius falsch, sô blîbe ich lebende ûf diseme stule; sint si aber gerecht, sô sterbe ich al zu hant. mystiker 1, 104, 25; nhd. die ketzer schribent bucher und geben inen tittel der hailigen als ob si gerecht wern, nemlich evangelia Thaddei, evangelia Thome. Reuchlin augensp. 19ᵇ; wahr, richtig, von nachrichten: an denen erfuer er, dasz die vorige kuntschaft gerecht were, und dasz sich der hauf im Illertal getrennt hette. Baumann quellen 1, 556; nun ist die kuntschaft baider grafen gerecht gewesen, dann der doctor sampt der magt domals .. im wasserbadt. Zimm. chron. 4, 176, 2.
g)
correct, ohne fehler: (Plinii nat. historia) ist in hundert iarn nie gerecht sunder allwegen falsch gewesen (d. h. voll schreibfehler). Reuchlin augensp. 15ᵇ; die cristenliche kirch hat (hält) die iudischen bücher (exemplare des alten testaments) noch fur die gerechtesten und nit fur falsch. 16ᵇ; emendate, one fäl, seüberlich, gerechter Frisius 470ᵃ.
h)
recht, im gegensatz zu link: mhd. und sazte Manassen den eltern sun an des vater gerehte sîten. Grieshaber pred. des 13. jahrh. 88ᵃ und öfter;
im werd daʒ gerehte bein,
kürzer, den daʒ ander, einer spanne.
Neidhart in v. d. Hagens minnes. 3, 220ᵇ;
swer in den spigel ist sehende, ..
sîn ouge daʒ gerehte wirt im offenlich daʒ winster.
jüng. Titurel 49 Hahn;
nhd. da haben sy in gecreütziget und die schacher mit im, ainen auff der gerechten seiten, den anderen auff der gelincken. Keisersberg schiff d. pen. 93ᵃ (ebenso bibel 1483 483ᵃ, Matth. 27, 38); zuͦ der gerechten hand des suns. Marie himelfart 5; der gerecht fusz, der hat sechsz zehen. bilg. 91ᵃ;
(das pferd) trat gleich darein
mit dem gerechten füeszlein sein.
Theuerd. 90ᵃ;
am krechten arm, hand und schenkel, fuos ganz lam und kripel. L. Rem tagebuch 28; nachmauls ist er wider uff des bapsts gerechte syten kniget. Hug Villinger chron. 190; und als sy das geredt, nam sy ain laternen in die gerechten hand und jren mane (mann) mit ir lincken hand und gieng in die jnnersten taile des kelrs. Nic. v. Wyle 60, 20 Keller; sie wohnen auff der anderen seiden der Parnauw, das ist auf der gerechten handt. Ulr. Schmiedel reise 39, 10; Antinous zuckte den fuͦszschämel, schluͦg damit Ulyssem auff sein gerechte schulter. Schaidenreiszer (1537) 74ᵇ; wellicher ainen angelobten gerichtsfrit bricht, der ist die gerecht hand verfalln. östr. weisth. 1, 224, 14; erzeigt sich dann solche vollin (völle) mehr um die leber, so ist die leberader im gerechten elenbogen zu öffnen. Wirsung arzneib. 514 (am rechten ausgabe von 1597); eselsschällen (eselshoden) und zu vor (besonders) die gerecht aus wein getrunken, helfen denjhenigen so der weiber nit machtig sein mögen. Gesners thierb. von Forer (1583) 44ᵇ; die prelaten mit ihrer gerechten hand auf die brust gelegen sollen geloben. tirol. landsordnung von 1603 bei Schöpf 542; gerechte hand Hulsius dict. (1605) 59ᵃ; noch schwäb. grechts, auf der oberseite des tuchs, gegensatz glinks, auf der unterseite Schmid 427. — elliptisch die gerechte, die rechte hand oder seite: wann Asahel nachvolget Abner und er neiget sich nit zu der gerechten noch zu der linken aufzuhören zu jagen Abner. bibel 1483 142ᵇ (2 kön. 2, 19); gib her die gerechte (cedo dextram). Terentius deutsch 1499 73ᵇ; da sanctus Steffanus versteiniget ward und uf sahe in himel und sahe den himmel uf gon und sahe gott in seiner maiestat und Jesum ston zuͦ seiner gerechten. Keisersberg sünden d. munds 50ᵃ; gestanden ist die künigin zuͦ deiner gerechten. Marie himelfart 2ᵃ; bei der gerechten gottes 4ᵃ; von Christo, der da sitzet zuͦ der gerechten des vaters. Melanchthon anzeigung in etliche schwersten cap. 1 Mos. (1523) 8; ir sölt euch nit von dem gesatz gots wenden weder zuͦ der gerechten oder zuͦ der glinken. Schade sat. u. pasqu. 2, 148, 8; darumb erhuͦb sich Ulysses und anfahend von dem ersten (freier) auff die gerechte (von der linken zur rechten seite) strackte er sein hand aus nach ainem allmuͦsen. Schaidenreiszer 73ᵇ; der gemelt teüfel mit seiner gerechten helt ein seel in seim maul, mit der andern greifft er nach einer andern seel. S. Frank weltb. 199ᵃ;
daher mit niderträchtigkait
ist er erhebt zur mächtigkait
zu gots gerechten lebig.
Fischart dicht. 3, 142, 7 Kurz.
3)
passend, das rechte masz oder verhältnis habend, geeignet.
a)
überhaupt: man sol unter ain ietlich tor zu ainer ieglichen püchsen stain ain notdurft füren, die gerecht sind. chron. d. d. städte 2, 290, 17 (Nürnberg, von 1449); so ist das selb prett gerecht, an der scheit des pachs doselbst das wasser damit zu versetzen. E. Tucher baumeisterb. 225, 22; ein ring sol dem finger gerecht sein. Keisersberg evang. 101ᵇ; sie fliehen widerwertigkeit und findens doch an allen orten, kein helm ist inen gerecht. narrensch. 134ᵇ; mach ein schraufenmütterlein, in weliche die forgemelt lang schraufen (schraube) gerecht sei. Albr. Dürer underweisung (1604) Q 2ᵃ; so wil ich die ciffern der löcher auch ein mal in die selben linien und spacia setzen, und wie sie dann zuͦ dem tenor gerecht sindt, also werden sie auch dem discant und dem baszcontra gerecht in allen stimmen. Seb. Virdung musica getutscht (1511) N 2ᵃ; das zitwer-öl ist ein köstlich und gar gerecht experimentum für pestilentzischen lufft. Hohberg 3, 1, 101ᵇ; es ist ein dienstlein unter euch offen, welches eben gerecht wäre für mich. Schuppius 412; im sommer ist das gold zu schwer, im winter aber zu kalt, zu beiden seiten aber ist gerecht entweder der wollene (mantel) oder nichts. 405; dergestalt wird er ihm schalen für kerne geben, einen schlüssel zu dem haus der philosophie darraichen, der nicht gerecht in das schlosz ist. Rompler vorrede s. 8; der pfropf ist gerecht, paszt und schlieszt genau Campe; das zweien gerecht ist, ist einem zu eng, dreien zu weit. Henisch 1508; die natur ist meister, leget den ersten stein und macht dem menschen gerecht (vgl. mundrecht), worzu er gelangen sol .. worzu nun einer von natur geneigt ist, darzu ist er leicht abzurichten. Butschky Pathmos 354; schaffen sie mir doch ja von solchen gesangweisen, denn diese möchten grade für unsern schnabel gerecht sein. Göthe an Zelter 1, 281;
er glaubt es (wandgemälde) für den platz gerecht
und nicht zu gut und nicht zu schlecht.
werke 2, 199;
ein schlichtes marterholz, nicht leicht, allein
ihm paszlich und gerecht nach kraft und maasz:
herr, rief er, so du willst, dies kreuz sei mein!
Chamisso 4, 33;
zum letzten
nahm er den stämmigen speer, der seinen händen gerecht war.
Bürger 210ᵇ;
die mächtige lanze, die ihm in den händen gerecht war.
Voss Odyss. 17, 4. Il. 3, 338;
näher gerückt ihr (der veste) war das schanzende volk, und gewahrte
jetzo gerechtes ziel, die furchtbare bombe zu schleudern.
Pyrker Tunisias 10, 8, 9.
b)
von kleidung, recht nach dem leib, gut sitzend: er laszt keinem seinen schuch so gerecht sein, dasz er jhn nicht etwa truckt. Agricola spr. 155ᵃ; der schuster aber wolt (behauptete), die schuh weren gut und gerecht, aber der fusz zu lang und krumb. Lehman flor. 1, 603; Lutheri schuhe seind nicht einem jeden baurenprediger gerecht und zu masze. Schuppius 496; schuch, die gerecht, und sich geschmeidig an den fusz legen. Henisch 1507; die handschuhe sind gerecht, chirothecae sedent. Steinbach 2, 278; einem ein kleid gerecht machen Krämer 536ᵇ; das kleid ist mir nicht gerecht. Stieler 1554; so tragen sie auch darneben des lieben Josephs hosen umb, die einem jungen kinde oder zwärchlein fein gerecht weren. Fischart brotk. (1594) 36ᵃ; scherzhaft von schlägen: ich will dir das wammes gerecht machen, wenn ich über dich komme. Rädlein 358ᵃ;
mir armen puckligten mein einzig kleid zu stehlen? ..
nur wünsch ich, dasz das kleid, das er mir weggestohlen,
(zur strafe) ihm so gerecht, als mir, an brust und rücken sei!
Hagedorn 2, 267;
ein rock, der für alle taillen gerecht ist. Göthe 33, 59; dasz Achilles rüstung Hektorn so gerecht war. Herder 1, 211;
hierauf barg er die brust in seines bruders Lykaon
panzerrock, der ihm gerecht war.
Bürger 210ᵇ (Il. 3, 333);
bildlich: man sagt nur, dasz das kleid für den gedanken gerecht sein soll, ohne ihm seine freiheit und ungezwungenheit zu nehmen. Ramler einleitung 4, 71.
c)
von menschen, sich anpassend, sich eignend, geschickt: weise leut machen sich jederman gerecht (passen sich an), richten sich nach wetter und wind. Lehman flor. 1, 359; wächserne heilige, die nach allen seiten gerecht sind. Claudius 6, 18;
weil er zu dieser kunst so gar gerecht ist schier
als eine sau zur leir, der esel zum clavier.
Rachel satyr. gedichte 8, 39;
er ist in allen sachen gerecht, aptissimus est ad omnes res, natus ad omnia videtur Henisch 1507; es gibt so wenig menschen, die so unternehmend und biegsam, so geistvoll und fleiszig zugleich sind. er ist in alle fächer gerecht. Göthe 10, 96; vgl. mhd.
her was ein vurste wolgeborn,
zuͦ allen tugenden ûʒirkorn,
manlich unde milte, ..
zuͦ schimfe ein geverte (gesellschafter),
zuͦ allen dingen gerecht:
her was mit den knechten knecht,
mit den herren herre.
Haupts zeitschr. 11, 499, 239.
sprichwörtlich in allen sätteln, in, auf oder für alle sättel gerecht und ähnliche wendungen: er ist in alle sattel gerecht, omnium horarum homo est, a natura factus videtur ad omnia Stieler 1554; polypi caput, ein gesell, der zu seiner zeit ein engel und teuffel ist, auff alle settel gerecht. S. Frank sprichw. 1, 10ᵇ; derhalb ist der zeitkündig weisz (weise) in alle sättel gerecht, weisz zu halten und lassen. 2, 146ᵇ; er sei weder kalt noch warm, er henge den mantel auf beiden achseln, ein rechter windauffanger, schicke sich in allen satteln gerecht, hendelschlichter, Johan Potas sein hut nach allen formen gerecht und nach allen kanten. Reineke fuchs (1650) 342; meine höflichkeit ist nicht von der bäuerschen groben, und unbiegsamen art. sie ist gefällig, verbindlich, kurz in die meisten sättel gerecht. Lessing 2, 450; ein publicum, das zufrieden ist, von allem etwas und im ganzen nichts zu wissen und in allen sätteln gerecht zu sein. Kant 4, 122; diese geschicklichkeit, für alle sättel gerecht sein. 5, 451; vgl. gleichwol gefallt uns hie .. ser wol, das die medici jnen also fein alle sättel können gerecht gürten. Fischart pod. trostb. 656 Scheible.
d)
zusagend, ansprechend, willkommen: mhd.
wes liebet mir ein wîp sô sêre,
der ich bin sô gerehte nimmer mêre?
Frauenlob 358, 7;
nhd. ein weiblicher leib, der aim gerecht und angenem. Zimm. chron. 3, 170, 25;
den beiden buhlern war disz spiel gerecht und eben,
sie konten jhre lieb hier zu verstehen geben.
D. v. d. Werder Ariost 7, 21, 5;
meine schrift wird keiner partei gerecht sein. Tölner von symb. büchern 2;
war ihm dein Elbeflusz zu schlecht
und nur der Amstelstrohm gerecht?
Rist Parnasz 724,
was euch genehm ist, das ist mir gerecht,
ihr seid die herrscher und ich bin der knecht.
Schiller XIV, 31 (braut von Mess. 1, 4);
weidmännisch 'wenn ein leit- oder jagdhund die fährten begierig anfällt, munter und lustig darauf fortsuchet, so ist sie ihm gerecht'. Jacobsson 2, 62ᵇ. Döbel jägerpractica 1, 88ᵃ.
4)
bereit, fertig.
a)
bereitwillig, dienstbereit: mnrhein.
ouch prysden sy in zworen ..
dat hei mit gerechtem mode
de schoene manheit hadde gedaen.
Karlm. 123, 37;
mhd. Jacob sprach 'gîp mir dîn erbreht,
des muͦses bin ich dir gereht'.
genes. 47, 10 Diemer;
er diente im sô sîn kneht:
aller hande dinge   was er im gereht.
Nib. 100, 2;
ich vare mit dir, swar du wil, ..
wol hin, ich bin gereht.
Ulr. v. Türheim Trist. 3119;
nhd. ire weiber seind gewon bei nacht allen kummenden gerecht zuͦ sein. S. Frank weltb. 5ᵃ;
das erste stück ist, wenn ein hur
ist in der schnurr lang umbgeloffen ..
unter reuter und die landsknecht,
iederman ist gewesen ghrecht.
H. Sachs 17, 251, 23 Keller;
musz immer sklave sein, musz allzeit stehn gerecht,
der frauen haderwisch, und auch der mägde knecht.
Rachel satyr. gedichte 7, 299.
b)
fix und fertig: wie sich die stette und sunderlich die von Ulme in dem zuͦge vermainen ze halten und mit wie fil roszvolks und fuszvolks sy vermainen ze dienen .. und wenne sy vermainen gerecht ze sein. chron. d. d. städte 5, 94, anm. 2 (Augsburg, von 1431); von deʒ harnasch wegen ze beschouwen daʒ damit menglich gerüst und gerecht sy. 5, 212, anm. 2 (von 1455); die ross und knecht waren auch gerecht, die warteten sein im hof. Zimm. chron. 3, 462, 24; das ward seiner muͦter kunt gethon, daʒ er kranck wer, die ward bald gerecht (reisefertig) und kam zuͦ im. Eulenspiegel 90; da begab es sich, das die kost ward also spat zuͦm feür bracht so daʒ es hoch mitag ward ee die kost gerecht ward. 80; es seie kain edlers oder geschlachters wiltpret, dann ein starker wetzkegel, der seie gerecht und derf weder siedens oder bratens. Zimm. chron. 3, 76, 3; dieser anschlag war gerecht und het auch ein fortgang gewunnen, waver der pfaf nit haimlich wer gewarnet worden. 4, 121, 19;
er macht ihm schon gerecht und eben
den werkzeug (bogen), ihm sein theil zu geben:
sein pfeil dreut denen ihren tod,
die mir den untergang gedroht.
Opitz psalm. 7, 6;
noch schwäb. grecht, fertig (selten tirol. Schöpf 542), grecht machen, zurechte machen, reinigen, bessern Schmid 427: nur die bäurin (der schwäbischen Alb) darf keine feldarbeit verrichten. dafür aber liegt ihr das ganze hauswesen ob, und sie musz grechtmachen (im hause arbeiten) von früh morgens bis spät abends. hausblätter herausg. von Hackländer und Höfer 1856 1, 329.
c)
fertig, hin, kaput: wan man ein mörder redern wil, so stoszt man im alle seine glider ab, arm und schenckel, und darnach legt man in uff den buch, und stoszt im den rucken entzwei mit dem rad, das macht in erst gantz gerecht, der stosz heiszt ein gesellen stosz. also wan ein armer predicant dy gantze fasten hat gepredigt und gearbeit und sich selber müd gemacht, wan dan der lang passion kumpt, so macht er in erst gantz gerecht, und ist wie ein gesellen stosz einem morder, also auch dem predicanten. Pauli schimpf 273 Österley.
5)
dem recht, dem gesetz oder der billigkeit entsprechend.
a)
rechtmäszig, legitim: mhd.
zu Rôm hab wir ainen pâbst,
zu Aviân den andern;
igleicher der wil sein gerecht.
Suchenwirt 35, 21;
nhd. o herr gott, ...
auf welchen Isak traut, umb welchen Jakob liebt,
dem ihr gerechter sam sich aigendlich ergibt.
Rompler reimgetichte 13;
rechtmäszig gesetzt: wellicher ein unrechten zaun sezt oder die gerecht rainstain verendert. östr. weisth. 6, 113, 20 (von 1603).
b)
den turniergesetzen entsprechend, turnierfähig:
er sei lam, krump oder schlecht,
hat er pfennig, er ist gerecht.
fastn. sp. 652, 26.
c)
beim rechte bleibend: in der gantzen herschaft Kurchberg ... send die pauren aufrurig gewesen, ... die von Buch sent alle gerecht pluben (geblieben). Baumann quellen 1, 80.
d)
mit den vorschriften des ritus übereinstimmend: die juden trucken das blut ausz, wenn sie ir caser (koscher) fleisch, das just und gerecht ist, auff ire art zurichten, das gar kein blut noch leben mehr drinnen sei. Mathesius diluvium (1587) 296ᵇ; den satzungen der kirche gemäsz: wenne die pfaffen sprochent, wo bi men erkennen solte das die geischelfart gereht were und wer den brief besigelt hette, do sprochent sü (die geischeler): wer die ewangelien besigelt hette. Königshofen in chron. d. d. städte 9, 767, 15.
e)
rechtmäszigerweise zukommend, gebührend:
ich bin ein armer bawersknecht,
drum ist mir meisznisch tuch gerecht.
Finkelthaus bei Gödeke eilf b. d. d. 1, 304ᵇ;
gerechter besitz, justa possessio Hayme jurist. lex. 234;
beraubt er (der könig) nicht des eignen bruders kind
und hinterhält ihm sein gerechtes erbe?
Schiller XIV, 331 (Tell 2, 2);
wo mir (Atropos) gerechte ernten reifen,
in offner feldschlacht, in bedrängten vesten.
Göthe 11, 335;
nach recht und brauch einem zufallend, verfallen: was da krümp oder schlecht, das sy dem wincker alles gerecht. Falckner turnierbüchlein 43 bei Scherz 1, 528;
das buch ist mir lieb,
wer mirs stilt, der ist ein dieb,
er sei herre oder knecht,
so ist er dem galgen gerecht.
alter spruch, handschriftlich schon auf vorsatzblättern von büchern des 15. jh.
f)
in recht oder billigkeit begründet, berechtigt: das solich verben (der zobelfelle) nicht gerecht noch gotlich, sunder ein lauter falsch sei. Nürnberger pol.-ordn. 189 Baader; ein gerächten eehaften und billichen krieg füren, da einer rächte ursachen dar zuͦ hat. Maaler 169ᵈ; so dringend und gerecht dieser krieg war. Schiller VIII, 148; aber die leiplichen und unbeweglichen güter, wo die zuͦ ersitzung oder prescribiern, wöllen sein gewonlich vier wesenliche stuck notdürfftig: des ersten gehört darzuͦ ein gerechter titel. Tengler laienspiegel 40ᵇ; der ungerecht pfenning (nummus per nefas acquisitus) verzehret den gerechten. Henisch 1508; ich habe eine gerechte sache. Ludwig 742; eben dasz man seine sache betreibt, zeigt ja an, dasz man sie für gerecht hält. Göthe 26, 133;
was bekümmert dich
der böse schein, bei der gerechten sache?
Schiller XII, 466 (M. Stuart 2, 5);
schrecklich immer
auch in gerechter sache ist gewalt.
XIV, 330 (Tell 2, 2), vgl. 285;
gerechte ursach. Hulsius dict. 59ᵃ; gerechte strafe. Hederich 1082;
(um) unterm schein gerechter züchtigung
die alten freiheitsbriefe zu vertilgen.
Schiller XIV, 286 (Tell 1, 2);
gerecht ist's, liebe Kennedy, dasz wir
des vorwurfs ernste stimme nun vernehmen.
XII, 411 (M. Stuart 1, 4);
gerechte ansprüche auf etwas haben; gerechten verdacht, gerechten zweifel hegen; neue hindernisse setzen sich unsern gerechten wünschen entgegen. Gellert bei Adelung; indessen läszt sich der gerechte wunsch unmöglich unterdrücken, dasz u. s. w. Matthisson erinnerungen (1815) 3, 90;
nicht der laute,
nur der gerechte tadel kann verletzen.
Schiller XII, 441 (M. Stuart 1, 8), vgl. 496. XIII, 141;
milord, mein treues herz
theilt die gerechte freude dieser insel.
514 (4, 2);
(der spanische boden) den ich noch nie mit so gerechtem stolze
mein vaterland genannt als jetzt.
V, 2, 166 (don Carlos 1, 4);
dasz es (das volk) gerechten abscheu werde tragen
vor den verfluchten thätern dieser that.
XIV, 413 (Tell 5, 1);
seine gerechten thränen vermehrten meinen jammer. Göthe 19, 349;
die stund ist kommen
der gerechtsten rache zeit.
Herder 3, 62 (Cid 2);
denn fürchten musz er die gerechte rache
des freien mannes, den er schwer gereizt.
Schiller XIV, 369 (Tell 4, 1);
bezähme jeder die gerechte wut,
und spare für das ganze seine rache.
336 (2, 2);
da übernahm mich der gerechte zorn.
295 (1, 4), vgl. XV, 2, 480;
darfst du der ehrsucht blutge schuld vermengen
mit der gerechten nothwehr eines vaters?
420 (5, 2).
6)
den anforderungen eines lebenskreises, faches u. s. w. entsprechend.
a)
im allgemeinen: kann was lächerlicher sein, als wenn .. ein andrer in einem heldengedichte von artigen mädchens (spricht), deren beschreibung kaum dem niedrigern schäfergedichte gerecht wäre? Lessing 3, 206; pfenninggerecht, dem geldpreise entsprechend Schm.² 2, 31;
wir hatten keine kriegsgerechten waffen,
die sense nur schwang jeder ackersmann.
Holtei 'der alte feldherr';
den ehelichen anforderungen entsprechend: der (herzog) het hochzeit gehapt (mit einer blutjungen königstochter) und het das weib, wie einest einer die amsel, die flog noch im waldt. gleichwol wardt im zugesagt, er solt mit dem beischlaff noch ain jar verziehen, hiezwischen mocht sie im gerecht werden. Zimm. chron. 3, 342, 18.
b)
dem handwerksbrauch, den regeln der kunst oder wissenschaft gemäsz: mhd.
dâ von stêt al mîn gir
dar nâch, daʒ ich gerehten sanc
vil gerne erkande.
minnes. 3, 169ᵃ v. d. Hagen;
nhd. ain ieder müller solt seiner herrschaft aidspflicht thun ... die mülwerck mit iren zuhörungen in allweg beüwlich, wesenlich, gerecht und ordenlich zu halten und gebrauchen. Tengler laienspiegel (1514) 1, 24; eʒ sol auch niman kaine clingen aus der stat fuͤren e danne si die maistere beschauwet haben, daʒ si gereht sein. Nürnberger polizeiordn. 158 Baader; swelhes tuch gereht ist, daʒ süln si zaichen, welhes aber ungereht ist, daʒ sol man vi ellen lank absneiden. 164; eins in das ander zu vermischen und widerum eins aus dem andern lauter und rein zu scheiden ist nichts anders dann ein abwechslung und vertauschung durch die gerecht arbeit der alchymei. Paracelsus (1590) 6, 380; dann hetten jr gerechte artznei, was dörfften jhr lauffen, rennen, seich besehen und der bosselarbeit, die alle einen ungelehrten artzt anzeigen, der nichts kan noch weist. (1616) 1, 238 A; warhafftige, kunstliche, gerechte underweisung aller latwergen, confect u. s. w. durch Gwaltherum Ryff 1540; wasserpflaster gut und gerecht. Gäbelkhover 5. 423; gerechtes birschen. Kehrein weidmannssprache 137; der logisch - gerechte vom allgemeinen zum besondern fortgehende beweis. Kant 7, 351; ein name, der aber den kritischen postulaten (heischesätzen) gerecht ist. Herder bei Campe; in zusammensetzungen: bühnen-, kunst-, schul-, zunftgerecht.
c)
durch erfahrung wohlbewandert und geübt, erfahren, kundig:
und wie zimmrer, die gerechten,
bank und tischchen in der mitte.
Göthe 3, 38;
kopfgerecht, von dachdeckern und bergsteigern, dem schwindel nicht unterworfen, wettergerecht, ehemals von geistlichen, im stande ungewitter zu vertreiben Schm.² 2, 31; weidmännisch heiszt gerecht ein jäger, der das weidmannswerk gründlich versteht, insbesondere fährt- oder fährtengerecht bei guter kenntnis der wildfährten, hirschgerecht, wenn er an der fährte den hirsch erkennt und den schweiszhund zu führen weisz, holzgerecht, wenn er mit den holzarten und der gesamten holzwirtschaft bekannt ist, hundegerecht, wenn er hunde abzurichten versteht, so auch forst-, jagd-, schusz-, gewehrgerecht Frisch 2, 97ᵇ. Döbel jägerpractica 1, 84. Kehrein weidmannsspr. 137. Schm. a. a. o.: mhd.
ich muͦʒ gerecht nâch diser ferte ringen.
Hadamar von Laber jagd 220;
nhd. ein gerechter und ein gewisser jäger hat von fürsten und herrn die vergunst, er solle genennt werden ein meister der sieben freien kunst. weidspruch von 1589 bei Kehrein 211; die herren, als jagdgerechte jäger. Hippel lebensl. 2, 6; mhd. auch vom jagdhund:
ich sprach ze mînen knechten:
verhaltet alle hunde,
Triuwen den gerechten
hetzâ her.
Hadamar von Laber 101, vgl. 107;
desselben hundes iagen
ist so gerecht, daʒ er sich keines niuwen
underwindet.
335.
7)
gerichtlich,
a)
gerecht, der im recht ist, das recht auf seiner seite hat, den procesz gewinnt:
daʒ die gerehten überwinden
die rehtes widersachen sint.
Reinmar von Zweter bei Wackernagel 1, 688, 10;
wenn ein hadder ist zwisschen mennern, so sol man sie fur gericht bringen und sie richten, und den gerechten rechtsprechen und den gottlosen verdamnen. 5 Mos. 25, 1; ob ainer klaghaft wurd vor gericht, ist der clager gerecht, soll antworter das wandl geben, wurd aber der antworter gerecht, soll clager das wandl abtragen. östr. weisth. 1, 73, 1; findet der zechner den pauersman ungerecht, so solle er .. gegen hinauszgebung des zehents verfallen sein; ist aber der pauersman gerecht, so ist ebenfals der zechner dem paurman sovil verfallen. 6, 485, 39 (anf. des 17 jh.); wann er sich seiner sachen nur ein wenig gerecht wüste. Ayrer proc. 3, 2; du verstehest, dasz mit kriegen, zancken und rechten kein nutz geschafft wird, auch der gerecht und obsiegend mit wenig nutzen zu seinem rechten kommen kann. ebenda; der herr ist gerecht, hat recht, 'gehört zur pohlnischen judensprache'. Heynatz 2, 35;
wo der zorn der richter ist, hat gerechter schon verspielt,
weil der zorn nicht auff das recht, sondern auf die rache zielt.
Logau 2, zugabe 165.
b)
vom angeklagten oder verdächtigten, schuldlos, unschuldig: ist dann, daʒ der meister gerehter stât vor dem lantsherren. Weech sechzig urk. kaiser Ludwigs 16, s. 25 (von 1332); Abimelech aber hatte sie nicht berüret, und sprach, herr, wiltu denn auch ein gerecht volck erwürgen? 1 Mos. 20, 4; wer der vater gewesen, wird sie am besten wissen, ich weisz mich aber gerecht. Schweinichen 1, 219; es hat aber das vergoszne blut des gerechten (unschuldig gerichteten) gen himmel, zu gott geschrien. Abele gerichtshändel (1654) 622; (einen) gerecht machen, rechtvertigen, justificare voc. 1482 l 8ᵇ. Dief. 312ᶜ. Ludwig 742: wer der wär der meinem herren dienst schuldig belib und nicht heuslich hinter im säsz, da sol der probst aines solhen herren zu red setzen. macht in sein herr gerecht, das nem der probst auf. östr. weisth. 6, 513, 10 (15. jahrh.); sich gerecht machen, sich rechtfertigen Krämer 536ᵇ, einen gerecht sprechen, judicio absolvere Aler 900ᵇ, für gerecht halten, erkennen Kramer 2, 93ᵃ; anders bair. sich grecht machen, den unschuldigen spielen. Schm.² 2, 30.
c)
allen leuten gerecht, allen leuten erlaubt, vogelfrei: heute stehe ich hie, und neme dir (mörder) dein lantrecht, und mache dich allen leuten gerecht, und verbüt dir kirchen und clausen und alle gotes heuser. weisth. 3, 556.
d)
mit einem gerecht werden, sich mit ihm ins recht setzen, sich gerichtlich mit ihm ausgleichen: welher ouch in den gerichten sitzt, der sol über dehainen daselbz andri gericht suochen, denn er sol vor unserm stab mit im gerecht werden. weisth. 5, 191, 4 (15. jh.), s. nr. 2, a, sowie das adj. gericht.
e)
ebenso einem gerecht werden: welcher mit dem andern zwaig wird (sich entzweit), besonder umb erb und aigen, da soll einer dem anderen gerecht werden in den vier höfen Thanegger ampts. weisth. 1, 275 (von 1432); dem kläger oder gläubiger gerecht werden, seine rechtmäszigen ansprüche befriedigen; dem beklagten zum rechte verhelfen: des ersten sol graf Itelfritz graf Fritzen den eltern gerechte werden uf den hochgebornen fürsten und herren hern Ludewigen hertzog in Beyern .. nach uszwisung der fryung damit der vorgenant unser herre hertzog Ludewig graf Itelfritzen uf dem hofgericht zu Rotwil als sinen diener für sich gevordert hat. monumenta Zollerana 1, nr. 556 (von 1414); jetzt allgemein von personen und sachen, einem sein recht widerfahren lassen, seinen anforderungen nachkommen, sie erfüllen: dem dichter, dem kunstwerk, dem zuge der zeit gerecht werden.
8)
nach recht und gesetz richtend, das nach dem recht gebührende zuertheilend.
a)
eigentlich, vom richter.
α)
von gott als höchstem richter: las der gottlosen bosheit ein ende werden, und fördere die gerechten, denn du gerechter gott prüfest hertzen und nieren. psalm. 7, 10; der gerechte herrscher unter den menschen. 2 Sam. 23, 3; wir vertrauen dem gerechten gott, dasz wir die sieger bleiben. Freytag werke 13, 118; der himmel ist gerecht, und früher oder später erreicht den schuldigen die strafe. Schiller XI V, 264 (parasit 5, 8); bei betheuerungen: bei dem allgerechten gott! ich bin unschuldig an diesem blute. Lessing 2, 159; als ausruf des entsetzens, wie eine klage an den höchsten richter im himmel gerichtet: du gerechter gott! Ludwig 742; gerechter gott! vom sehenden zum blinden, welche veränderung! Lichtenberg 5, 340, vgl. Schiller XII, 337. 549. XIV, 405; umschreibend:
aber schneide du,
gerechter himmel, allen aufschub ab!
XIII, 128 (Macbeth 4, 6);
von den heidnischen göttern und der natur als gottheit: denckest du dann, dasz die gerechten götter solche ubelthat .. länger ungestrafft und ungerochen hingehen lassen werden? Abele gerichtshändel (1654) 702;
ungleich vertheilt sind des lebens güter
unter der menschen flüchtgem geschlecht,
aber die natur, sie ist ewig gerecht.
Schiller XIV, 24 (braut von Mess. 1, 3);
übertragen auf das was von der gottheit ausgeht oder ihr zugehört:
o die gerichte gottes sind gerecht!
XIV, 298 (Tell 1, 4);
(sie) harren vergebens,
im finstern gebunden,
gerechtes gerichtes.
Göthe 9, 78 (Iphigenie 4, 5);
durch gerechtes urtheil gottes Krämer 536ᵃ; es war gottes gerechter zorn zu hart uber jn kommen. 2 Macc. 9, 18;
an dem frevelnden geschlecht
rächet Zeus das gastesrecht,
wägend mit gerechten händen.
Schiller XI, 390 (siegesfest);
mit dem gerechten stab
miszt sie (Themis) jedem seine rechte.
296 (eleus. fest);
wie stünd es um die sicherheit der staaten,
wenn das gerechte schwerdt der Themis nicht
die schuldge stirn des königlichen gastes
erreichen könnte, wie des bettlers haupt.
XII, 430.
β)
von menschen: her (landgraf Ludwig) was vorsichtig unde wîse, gerecht unde gestrenge an dem gerichte. Ködiz leben des h. Ludw. 8, 31; der ist ein gerechter richter. modus latinitatis (Straszburg 1498) 16ᵃ; ein billicher oder gerechter richter. Cholinus-Frisius (1541) 38ᵇ; mörder und todtschläger, dessen bestrafung sie der gerechten obrigkeit heimstelle. Abele gerichtshändel (1654) 770; ein gerechter fürst, als beiname Friedrich August der gerechte;
we den gerechten (in der regierung) uber we
wann narren stigen in die höh,
aber wann narren undergondt
gar wol die gerechten dann gestondt.
Brant narrensch. 46, 29;
wenig gutes ist in der gemeine, und wirklich verdienen
wenige drunter auch gute gerechte herren zu haben.
Göthe 40, 133;
die herren der erde sind es vorzüglich dadurch, dasz sie, wie im kriege die tapfersten und entschlossensten, so im frieden die weisesten und gerechtesten um sich versammeln können. 26, 124;
sinds nicht dieselben, die ein edles volk
frei und gerecht regieren?
Schiller XII, 431 (M. Stuart 1, 7);
mein edler Talbot! euch allein hab ich
gerecht erfunden unter meinen räthen.
579 (5, 15);
danach auch von den verfügungen des richters und der regierung: gerechtes urteil. Stieler 2272. Schiller XII, 579;
hat er (der kaiser) gerichtet nach gerechtem spruch
und der bedrängten unschuld schutz verliehen?
XIV, 413 (Tell 5, 1);
gerechte vertheilung der abgaben u. s. w.; gerächter und guͦter dienst, daran man eim nichts unbillichs zuͦmuͦtet, justa servitus Maaler 169ᵈ.
b)
verallgemeinert, nach recht und gewissen, nach billigkeit urtheilend: gerecht, justus, aequus voc. inc. teut. i 1ᵇ; gerecht sein in einer sache, jure posse, aequo et bono niti Henisch 1508;
gerecht ist der, der jedem das gewährt,
was ihm gebührt.
Leop. Schefer laienbrev. 124;
was hilft es, dasz ich mirs sage und wieder sage, er ist brav und gut, aber es zerreiszt mir mein inneres eingeweide; ich kann nicht gerecht sein. Göthe 16, 149; so sind sie, versetzte Natalie, billiger, ja ich darf wohl sagen, gerechter gegen diese schöne natur (vorher jene schöne herrliche seele), als manche andere, denen man auch dieses manuscript mitgetheilt hat. 20, 163;
dein hasz, ich darf es hoffen, königinn,
auch gegen feindes tugenden gerecht.
Schiller XV, 1, 36 (Phädra 2, 2);
ich will gerecht sein gegen euch! seid ihrs
auch gegen mich.
XII, 432 (M. Stuart 1, 7);
es kann der Britte gegen den Schotten nicht
gerecht sein, ist ein uralt wort.
433 (1, 7);
schon in den dichtungen frühester zeit ist kenntnisz des menschenherzens und zuweilen der gerechte sinn zu bewundern, welcher das schicksal des menschen aus seinen tugenden, fehlern und leidenschaften erklären möchte. Freytag technik des dramas 241.
9)
den pflichten des menschlichen und göttlichen rechts gemäsz lebend, denkend und handelnd.
a)
gut, fromm, rechtschaffen, gottesfürchtig, gegensatz gottlos, besonders im biblischen sprachgebrauch: mhd. Joachîm, unser vrowen vater, und Anna, unser vrowen muter, wâren gerechte lûte und vorchten got. mystiker 1, 195, 12;
swer dâ trahtet fruo und spât,
daʒ er triu und wârheit hât, ..
er heiʒt ein gerechter man.
Teichner 313;
nhd. das wir auff deutsch sagen, das ist ein frum man, das saget die schrifft, der ist iustus, rechtfertig odder gerecht. Luther ausleg. der ep. und evang. d. advents (1522) E 2ᵃ; das findet man in büchern, wenn einer die zehen gebot helt und wider landes brauch, gesetz und ordnung nichts thut, so sei er ein frommer, gerechter, erbar man. hauspost. 2, 32ᵇ; auff das er (der bischof) unstrefflich, das ist aller dinge gerecht sei. werke 4, 292ᵇ; gerächt und fromm, der nach dem rechten und billichen läbt Maaler 169ᵈ; durch sein erkentnis wird er, mein knecht, der gerechte, viel gerecht machen. Jes. 53, 11; gerecht und fromb sein ist die gröste raach, die man neideren und feinden kan anthun. Henisch 1508; züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser welt. Tit. 2, 12; wo ist so ein herrlich volck, das so gerechte sitten und gebot habe, als alle dis gesetz, das ich heuts tags fürlege? 5 Mos. 4, 8; es kompt die zeit, spricht der herr, das ich dem David ein gerecht gewechs erwecken wil (var. ein gewechs der gerechtigkeit). Jer. 23, 5; auch ironisch, scheinheilig: sê is immer so gerecht. Parisius zusätze zu Danneils wb. 18. — substantivisch der gerechte: wann ich was jungk und bin eraltet und han nit verlassen gesehn den gerechten noch seinen samen suchen das brot. bibel 1483 271 (ps. 36, 25); der mund des gerechten ist ein ader des lebens und der mund der ungütigen bedecket die bosheit. 299ᵃ (spr. Sal. 10, 11); das sei ferne von dir, das du .. tödtest den gerechten mit dem gottlosen, das der gerechte sei gleich wie der gottlose. 1 Mos. 18, 25; der gerechte wird grunen wie ein palmbawm. psalm. 92, 13; des gerechten zunge ist köstlich silber. spr. Sal. 10, 21; ein gerechter ist gottes augapfel. Simrock sprichw. 3431; der gerechte erbarmet sich seins viehs. spr. Sal. 12, 10; der gerechte ist jhme selbs ein gesetz. Henisch 1508; also wird auch freude im himel sein, uber einen sünder, der busze thut, fur neun und neunzig gerechten, die der busze nicht bedürffen. Luc. 15, 7; er leszt seine sonne auff gehen uber die bösen und uber die guten, und leszt regenen uber gerechte und ungerechte. Matth. 5, 45; denn werden die gerechten leuchten, wie die sonne in jres vaters reich. 13, 43;
seid fröhlich, ihr gerechten!
der herr hilft seinen knechten.
Gellert (1784) 2, 208, nach psalm. 32, 11. 37, 39;
strauchelt der gute und fällt der gerechte,
dann jubiliren die höllischen mächte.
Schiller XIII, 5 (Macbeth 1, 1);
aus sprüche Sal. 3, 24 und 3 Mos. 26, 6 ist wahrscheinlich die auch in andern neueren sprachen vorhandene redensart gebildet den schlaf des gerechten schlafen, ohne sorgen, tief und fest, s. Büchmann gefl. worte 42.
b)
übertragen auf gott, vollkommen: trew ist gott und kein böses an jm, gerecht und from ist er. 5 Mos. 32, 4; der herr ist gerecht, ich (Pharao) aber und mein volck sind die gottlosen. 2 Mos. 9, 27; wer recht thut, der ist gerecht, gleich wie er (gott) gerecht ist. 1 Joh. 3, 7; wie mag ein mensch gerechter sein, denn gott? oder ein mann reiner sein, denn der jn gemacht hat? Hiob 4, 17, vgl. 32, 2;
er, der einzige gerechte,
will für jedermann das rechte.
Göthe 5, 8 (west-östl. divan 1).
c)
von rechter art, redlich, bieder: ist dein frau gerecht, so hat sie bei dir die gröszte freud und den gröszten lust, lasz den teufel drausz. Keisersberg narrensch. 77ᵃ;
doch jetzo sagt mir, wer die freunde sind,
und die gerechten männer, die euch folgten.
Schiller XIV, 320 (Tell 2, 2);
im Melchthal .. wohnt ein gerechter mann,
sie nennen ihn den Heinrich von der Halden,
und seine stimm' gilt was in der gemeinde.
298 (1, 4);
auch in der verbindung schlecht und gerecht, wie schlecht und recht, redlich und aufrichtig, simplex, sincerus, candidus Henisch 1507, semplice e retto Krämer 536ᵇ: wil derhalb. hiemit e. k. f. g. (hertzog Fridrich zu Sachsen) mit aller ehrerbietung gegrüszet und gesegnet, und schlecht und gerecht dem ewigen barmhertzigen gott befelhen. Luther 1, 133ᵇ; wenn dein aug schlächt und gerecht ist, so ist all dein werck liecht, wo es aber linck oder schälch ist, so ist dein gantzer leib finster. S. Frank güld. arch 227ᵃ; an jungfrauen stehet es sehr wol, wann sie simpel und fein alber, oder schlecht und gerecht, oder unverworren und unverschmitzt mitte sein. Mathesius hochzeitpred. (1584) 74ᵇ.
d)
auf das rechte sehend, gewissenhaft: sei nicht allzu gerecht, be not too exact or scrupulous. Ludwig 742, vgl. pred. Sal. 7, 17: sei nicht all zu gerecht und all zu weise, das du dich nicht verderbest, und Klopstock oden (1798) 1, 299:
nie war, gegen das ausland,
ein anderes land gerecht, wie du (Deutschland)!
sei nicht allzu gerecht.   sie denken nicht edel genung,
zu sehen, wie schön dein fehler ist.
10)
neutestamentlich, nach paulinischem lehrbegriff, gerecht werden, δικαιοῦσθαι, vor gottes richterstuhl als gut und rechtschaffen erfunden und von schuld und strafe der sünden freigesprochen werden: darumb, das kein fleisch durch des gesetzes werck fur jm (gott) gerecht sein mag. Römer 3, 20; (sie) werden on verdienst gerecht aus seiner gnade, durch die erlösung, so durch Christo Jhesu geschehen ist. 3, 24; wodurch Paulus, nachdem er (durchs wasser und geist) von neuwen geboren ist, nun hinfort gerecht, das ist angenem sei. Melanchthon bei Luther tischr. 129ᵇ; dasz wir umb Christus willen gerecht, das ist gott angeneme sind. 131ᵇ;
Abram glaubt dem verheisznen Christ,
drumb er gerecht gezehlet ist ..
wer kennt und traut gotts grechtem knecht,
den nimmt gott an und schetzt jn grecht ..
durch eigen werck wird niemand grecht ..
der glaub allein macht fromm und grecht.
Mathesius diluvium (1587) 70;
für gott ist nie kein mann gerecht;
für weibern jederman ein knecht.
Logau 3, zug. 6;
vgl. das alttestamentliche: wie mag ein mensch gerecht fur gott sein? und wie mag rein sein eins weibs kind? Hiob 25, 4.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3593, Z. 76.

gerecht, n.

gerecht, n.
1)
nebenform von recht, das recht, die gerechtsame: die welde und holczer .. mit allem gwalt und mit allem dem gerecht als wir es herbracht haben. monumenta Zollerana 2, nr. 389 (von 1294); er het vil gerecht von der zechenden wegen. chron. d. d. städte 4, 234, 3 (Augsburg, 15. jh.); wan ich das sage, so spricht man, ich widerstrebe dem pabst und geistlichen gerecht. Luther unterricht (1519) A 2ᵇ, in den werken 1, 166ᵃ geändert geistlichen rechten; das auch ettlich geistlich gerecht sagen. groszer sermon v. d. wucher (1520) a 3ᵃ, geistlich recht werke 1, 188ᵇ;
recht und gewalt.
lunten-recht helt rechtes recht nur für lumpen-recht;
wo gewalt zum herren wird, ist gerecht ein knecht.
Logau 3, 6, 15;
im stabreim mit gericht: wie weit der von Lindau gericht und gerecht gehe. weisth. 4, 570 (von 1304); nymant sal den andern schelden, ab her on nicht lediget usz der leistunge, dywile he gerichtes unde gerechtes bekomen mag. Ortloff 1, 167, dist. 8; leut, die stettigs im hader und zanck für gericht und gerecht ligen. Mathesius hochzeitpred. (1584) 67ᵇ; baslerisch for g'richt und g'rächt, vor gerechtem richter. Seiler 147ᵃ, westf. med gerichten un gerechten Woeste 77ᵃ.
2)
anders mhd. gerecht, ausrüstung Lexer 1, 875, das zum adj. gerecht, bereit, zurecht, gehört:
im volgoten zehenzec tûsent man
mit allem gerechte.
Ruolandes liet 287, 9.
3)
gerecht, einrichtung des hauses und hofes, s. gericht.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3605, Z. 14.

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Zitationshilfe
„gerecht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerecht>, abgerufen am 30.11.2021.

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