Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gereden, part.

gereden, part.
zu reden, räden, gesiebt (gereden clyen 4 lot. H. Braunschweig chirurg. 1497 74ᵇ; nimb darnach rebaschen, kleien gereden. Seuter rossarznei 1599 243. Becher 42).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3616, Z. 56.

gereden

gereden,
verstärktes reden.
1)
reden, sprechen, ahd. giredôn, keredôn Graff 2, 449, mhd. gereden, prät. auch gerette, gereite Lexer 1, 873:
thaʒ heilege io giredôtun, ouh buah fon mir gisagêtun.
Otfrid 4, 14, 11;
si jehent daʒ ich ze vil gerede von ir.
Reinmar minnesangs frühl. 197, 10;
nhd. wie sie das geredten, gaben sie ein zeichen, dasz es kein traum, sondern ein war gesicht wer. buch d. liebe 193, 1; ich mag kein ander ding gereden, dann allein das der herr legt in meinen mund. bibel 1483 78ᵃ (4 Mos. 22, 38); zu gleicher weis, als ob sie vor groszen freuden und liebe nit gereden möcht, als geren der frawen gewonheit ist, wann jn (ihnen) seltsame grosze freud zu haus kummen, sie vor freuden weinen und nit gereden mügen. Bocc. 15, 26ᵃ; der edelmann, der vor groszem leid und mitleiden ein wort nicht gereden mocht. Galmy 316; des wort waren etwas rauh und freier dann jemand sunst gegen die zehen (decemvirn) gereden durft. Livius von Schöfferlin 45;
der wald hat einen mundt
und wie ein mensch gereden kundt.
Erasm. Alberus 144;
ich für wunder mich ergibe,
kaum ich mehr gereden kan.
Spee trutzn. 251;
(ich) bäte i. f. g. den h. bischof, sie wollten mich wider die gebühr nicht bedrängen lassen, wie es denn mit mehr gereden (umständlicher) ausgeführet war. Schweinichen 2, 42.
2)
zusagen, versprechen, zusichern, geloben: spondeo, ich gelob, verheisz, geredt. Alb. D 4ᵃ; und habin ouch gered und vorsprochen, gereden und vorsprechen in keinwertiglichen. Haltaus 663 (Meiszen, von 1415); so bekennen und gereden wir marggraff Albrecht bei unsern fürstenlichen eren und wirden, und wir burgermeister, rate und die burgere gemeinclich der stat zu Nürmberg bei unsern waren trewen an eides stat. chron. d. d. städte 2, 236, 1 (von 1450); gereden und versprechen. reichstagsabschied von 1507 § 30, 1521 § 39, 1524 § 37; demnach gereden und versprechen wir hiemit. Fronsperger kriegsb. 1, 29ᵇ. Kirchhof mil. disc. 68; da wird ihm so bange, das er nider fellet, bitt gnade und geredt mehr, denn er hat und bezalen kan. Luther serm. an dem 23. sonntag n. trin. A 4ᵇ; gereden und halten ist zweierlei. Eyering 2, 649; einer geredet, der ander helt. Agricola sprichw. 1, 731; wer viel geredt und helt nicht, der ist wie wolcken und wind on regen. spr. Sal. 25, 14; vor gewisz kan ichs nicht gereden, certo polliceri non possum. Stieler 1546, noch bei Rädlein 358ᵇ.
a)
mit dativ der person: das gereden wir ihnen bei unsern fürstlichen worten und treuen. Schm.² 2, 55 (bair. landtagshandl. von 1429 fg.); da (im sacrament) geredet dir gott selbs alle ding, die itzt von Christo gesagt sind. Luther 1, 181ᵃ; so gereden die priester nicht gotte, sondern dem bapst, an des teufels stat, jr keuscheit. 2, 126ᵇ; bis er (der teufel) zu letzt ein alte wetterhure anrichtet, der geredet er ein rot par schuch, wo sie die zwei eheleut kündte uneins machen. 7, 144ᵇ; der herr kund sie nicht ins land bringen, das er jnen geredt hatte. 5 Mos. 9, 28; Sara gebar Abraham einen son umb die zeit, die jm gott geredt hatte. 1 Mos. 21, 2;
warhafftig was wir dir gereden
das sol dir gwisz gehalten sein.
H. Sachs 3, 1, 44ᵇ;
ich gerede und gelobe es dir. Stieler 1546.
b)
mit infinitiv: was sy also hierinne handeln tun lassen und zusagen, gereden wir bei unsern keiserlichen worten was stet und unzerbrochen zu halten und zu volziehen. monumenta habsburgica 2, 349 (von 1478); hierauff gereden und versprechen wir könig Maximilian für uns und unsere nachkommen, diese ordnung getrewlich und festiglich zu halten. reichsrecesz von 1500 in Hipp. a Lapide dissert. de ratione status in imper. rom. germ. 79; das alles gereden und versprechen wir bei gutem .. in vierzehen tagen on costen und schaden auszurichten. Baumann quellen 2, 486; so gerede ich bei mir selbst, Moysen und seine substitutos solcher anwaldschafft in allem schadlosz zu halten. Ayrer proc. 1, 4; weiter rat ich, wer sich hinfurt weihen lesset zur pfarr oder auch sonst, das er dem bischoff in keinem wege gerede, keuscheit zu halten. Luther 1, 303ᵇ; ich wil nicht mehr gereden, fromb zu sein, ich habe unsern herrn gott ja zu oft geteuscht. tischr. 146ᵃ; gereden fromb zu werden. 161ᵃ überschrift; so gereden wir obgenannte hohmeister, gebietiger und convent den herrn hauptleuten, bei unsern treuen und ehren, in kraft dieses briefes, alle unsere schlösser, Marienburg, städte, land und leute .. ganz und gar inen zu überantworten. Waissel chron. (1559) 185ᵇ; gereden, geloben und bekennen hiermit alles frei, ledig und los zu geben und zu lassen, was befreiet hat gott der allmächtige. Spangenberg henneb. chron. (1599) 256.
c)
mit abhängigem satze: doch musten sie (fleischhauer) gereden, das sie es (das schlachtvieh) als slahen wolten und der gemein mitteilen in dem gelt, als es in gesetzt (vorgeschrieben) was. chron. d. d. städte 2, 310, 3 (Nürnberg, von 1449); Antiochus nam den jüngsten son fur sich .. und geredet jm mit einem eide, wenn er von seinem veterlichen gesetze abtreten wolt, so solt er einen gnedigen herrn an jm haben. 2 Macc. 7, 24; ich gelobe und gerede, dasz ich meinem amte mit ganzen treuen und fleisze wolle abwarten. corpus constit. brandenb.-culmb. 1, 264.
3)
sich gereden mit genitiv, etwas versichern: mhd.
reine, süeʒʒiu frouwe mîn,
ine spriche niht umbe iuwern lîp,
daʒ dehein sô krancheʒ wîp
in al der werlde iender lebe,
der ich mit valsche dienest gebe,
des krede ich mich vil wol,
mit swelhen dingen als ich sol.
Mone anz. 4, 317 (anfang des 13. jh.).
4)
einen reinigungseid leisten, wie gerechten und gerichten: so muʒ der herter jenem sin vih gelten und mag auch dafür nit gereden. Kraft jus Augustanum 98 bei Scherz 1, 528.
5)
gerêden im Sachsenspiegel 1, 19, 1 steht für hd. gereiten, rechnen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3616, Z. 59.

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Zitationshilfe
„gereden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gereden>, abgerufen am 30.11.2021.

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