Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gereite, gereit, f., n.

gereite, gereit, f. n.,

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und in zusammensetzung heimgereite, heimgeraide, heingereide, heingerede, heingereth, umgedeutet in haingeraide und gereut. heim- hat hier dieselbe bedeutung wie in heimgarten, heimgericht, heimgeding (s. garten II, 2, e, γ sp. 1395 fg.), das dorf, goth. haims; die abschwächung in hein ist die gleiche wie in mhd. Heimrîch, Heinrich. gereite gehört zu dem sp. 3625 nr. 4, c erwähnten stamme (goth. garaidjan, anordnen, garaids, angeordnet, bestimmt) und bedeutet wol ursprünglich 'der festgesetzte, abgegrenzte raum, bezirk' wie in hofgereit, f., area ad usum praedii ac domus parata Haltaus 940 (s. hofreite und vgl. ahd. hreiti-huoba, colonia Schm.² 2, 172), heimgereite also 'der dem gemeinwesen zugehörige bezirk' im gegensatz zum eigen, zum privatbesitz der bauern und des adels. das wort ist bezeugt aus dem Elsasz, der Rheinpfalz, dem Rheingau, Rheinhessen und Unterfranken und weist auf die zeiten der ersten germanischen besiedelung und auftheilung des landes; so waren die wälder des Waskenwaldes und der Hardt von Straszburg bis Dürkheim in 16 geraiden oder bezirke getheilt (darunter eine ober-, eine mittelheimgeraide und mehrere Hardtgeraiden), an deren jeder mehrere gemeinden, eine genossenschaft bildend, gemeinsamen antheil hatten, s. Schöpflin Alsatia illustr. 1, 653 fg., Bodmann rheingauische alterthümer 439 fg. und Riehl land und leute⁶ 185: „positiv sprach sich das social-politische sonderthum aus in dem höchst merkwürdigen uralten markverein der rheingauischen heimgeraide. im ursprünglichen geiste dieses markvereins sind alle landesinsassen als eine grosze familie gedacht. die heimgeraide bildete das gemeinsame eigenthum dieser familie, die almende des landes. 'wald, weide, wasser, weg und steg' sind die nutzungen, auf welche jeder Rheingauer ein angeborenes recht hatte, aber nur im sinne der gütergemeinschaft, denn keiner durfte sich von diesen stücken etwas zum privatbesitz aneignen.
1)
die mehreren gemeinden gemeinsame waldung und weide, holzmark: plenum jus utendi lignis in silva hemgereite. weisth. 1, 767 (Landau, von 1291, Schöpflin Als. dipl. nr. 774 gibt in derselben urk. heingereite); missehelle umbe den walt, der do heiszet heingereite. Mone ztschr. 8, 142 (Landau von 1295, nach abschrift des 14. jh., die heimgeraidte weisth. 1, 767 nach jüngerer abschrift); die von Godramstein, von Sibeltingen (und andern zwölf benannten orten), die do recht hant in die heingereit (heimgeraydt weisth.). ebenda; die pfluger und die wagener in der heingereiden (heimgeraidte weisth.), e sie hauwen, so sollen sie sweren zu den heilgen, daʒ sie des holtzes nieman geben zu kaufe uszer der marke. ebenda, gemeint ist das von Adelung erwähnte 'Landauer gereut, welches sechzehen meilen im umfange begreift'; welcher holz ausz der gereiden entfrembt, der soll derselbigen, alsbalt man es innen wirt, gänzlichen entraupt sein. weisth. 6, 116, 5 (Maikammer bei Edenkoben, von 1577); als weit die gereid gehet. ebenda 10; welcher in den pfindigen wälten mit einem karch oder wagen in oder auszerhalb der gereiden weilet und bürkenreif oder reifstangen firen thete. 417, 16, vgl. 25; das vieh zu Gleiszweiler wurd den nehsten vom dorf uf die gereiden getrieben, so weit man dieselben erreichen kan, gleich andern gereidengenossen. 5, 572 (von 1 68); gemein gereth. 1, 640 (Kirburg im Westerwald, von 1461); geraide, nach der aussprache des volkes 'geräth' intelligenzblatt des k. b. Rheinkreises 1827 s. 243; mainfränk. die heinried (der form nach wie mainfränk. hofrit weisth. 6, 9): wann es were, das man buwet uf der heinried oder uf der gemeinde. weisth. 6, 7, 13 (Amorbach, von 1395); alle lantsidelhuser die uf den heinrieden stende. 6, 9; wer es, dasz imancz sesz uf der heinride zu Merschenhart. ebenda.
2)
die markgenossenschaft, welche die nutzung der gemeinen waldung und weide hat: rusticos de Gotramestein et Nuʒdorf et eorum complices, qui vulgari nomine heingereide appellantur. Würdtwein nov. subs. dipl. 12, 173 (v. 1256); item sie wisen auch, das ein bischof zu Spiere soll sin ein schirmer uber den walt, und hat recht mit eim wagen usz dem slosz zu Kirwiler brennholtz in demselben walde zu holen; und was der gereiden verbotten ist, das ist ime auch verbotten. weisth. 1, 772 (Edenkoben, 14. jahrh.); zwüschen den gemeinern des schlosz zu Madenburg off eine site, und der heingereide der dörffer Ulwesheim off die ander site als von des walds der heingereide wegen von holtzhauwens wegen. Scherz 642 (von 1426); es sollen auch die förster bei ihren aiden verpunden sein, wen sie ein feuer uf der gereiden wäldern sehen ufgehn, dasz sie vleisz ankehren, damit kein schad davon entstehe. 6, 416, 4 (Maikammer, von 1577); wan die förster einen frembden auf der gereiden finden, da ist die halbe ainung ihn und die ander halb der gereiden; und wovon die gereit stehet (absteht), sollen die knecht auch davon stehn. ebenda 7; wir wysen, die marck vur ein recht haimgerede; wess sie zu rade worden und gebot mechten, fugete iʒ en nit, sie mochtens minnern oder merern. weisth. 1, 512 (Bibrau bei Offenbach, von 1385); unser (des pfalzgrafen Ruprecht) dorf Virdenheim (Fürdenheim), daʒ unser friheymgerede ist. Mone zeitschrift 6, 432 (von 1367).
3)
das aus markgenossen gebildete gericht, sowie die gerichtsbarkeit und das recht der heimgereite, auch der gerichtsbezirk derselben: fürther weist man gemeine leuth (zweier dörfer) als solche gemeinschaft zu halten ein gemeine (gemeinsame) pfarr, ein gemeine tauff, ein gemein pfarner, ein gemein klöckner, ein gemein schützen, ein gemein hirt jenseit und dieser seit, ein heingeregt (sic). item fürter spricht der fauth (vogt) wieder die scheffen, das sie ausgehen mit den zwei gemeinden und das sie mit recht erkennen alle, die sich des heingereths gebrauchen und in dem heingereth sitzen oder wonnen, und nit hie seint an diesen ungebotten dingtag. weisth. 4, 570, 6 (Walluff und Neuendorf im Rheingau, von 1304, abschrift des 16. jahrh.); auch weisen wir, wer do in plicht ist, der soll hude hie syne, und soll sin heingereide suchen (als scheffe besuchen). 1, 493 (Geinsheim, gegenüber Oppenheim, von 1455); jus vero, quod dicitur heinreita, cum convicinis suis observare tenentur (mönche, welche güter in der gemarkung Nuszbaum, amt Bretten, gekauft haben). Mone zeitschr. 1, 486 (vom j. 1273); das heingerede soll der gemein zustehen und so ferne sie das ufrichtig halten und solchs zu rechter zit inbringen. weisth. 5, 267, 17 (Melbach in der Wetterau, von 1475); di bues des heinegereds umb beschedigung greben (vorher gemein fridengreben), zeunen und andern, das zu der gemeine vestigung gehört, ist 8 β. 5, 267, 19; die inwohner der gereiden. 6, 418, 23; die merckere wyseten auch, daʒ .. nymand keinen besundern eigen hirten han solte, sunder menglich vor einen gemeinen hirten driben in yglichem heyngerede, da er dann ingesessen ist. 4, 534, 2 (Dieburg bei Darmstadt, von 1452).
4)
in zusammensetzungen:
gereidengenosz
oder geraider ( Adelung), m. theilhaber an der heimgereide weisth. 6, 418, 25. 419, 28 u. öfter.
gereidenschultheisz m.
dorfschulze innerhalb der heimgereide 419, 26. —
gereidenspruch m.
rechtspruch des gerichts der heimgereide 415. —
gereidenstuhl m.
sitz oder ort dieses gerichts: diesz ist der gereidenspruch der vier dörfer Meinkammer, Kirrweiler, St. Martin und Diedesfeld, den sie alle jahr sprechen an dem eschermitwoch uf dem gereidenstuel von alter hero darzue verordnet, es were dan dasz man ungewitters oder kälte halben nicht verpleiben möchte, so soll derselbe zu Meinkammer gehalten werden. ebenda.mit umdeutung auf gereut führt Adelung noch an: gereutordnung, f., forstordnung; gereuteinnehmer, m., einnehmer der gefälle; gereutschlusz, m., beschlusz des forstgerichts.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3626, Z. 19.

reden, verb.

reden, verb.
sieben, durch ein sieb schlagen, die ältere, dem mhd. noch gleiche form für das später mit vorliebe geschriebene räden, vergl. sp. 47. zu den dort für die schreibung reden gegebenen beispielen einige weitere: darnach reden sie es durch ein sieb. H. Staden 92; die müle treiben, das mele reden, holz klieben, wasser schöpfen. Frölich Stobäus 433; was herab felt, stoszen, und das under wider dörren, abklopfen und durch ein siblin reden. Seuter rossarzn. (1599) 15; reede jhn durch ein sib. 193; man redet den sand durch einen durchschlag. Colerus hausb. (1640) 475.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1887), Bd. VIII (1893), Sp. 463, Z. 21.

reden, verb.

reden, verb.
loqui, fari, dicere u. ähnl.
1)
im goth. wie im ahd., welchem letzteren das altsächs. folgt, ist das verbum zu dem ursprünglichen fremdworte rede (vergl. sp. 450) selbständig gebildet worden. im goth., wo es nur einmal vorkommt, wird es als ga-raþjan angesetzt, belegt ist das stark gebildete particip prät. in der bedeutung gezählt, wie auch das subst. raþjô rechnung, zählung und zahl bedeutete: aþþan izvara jah tagla haubidis alla garaþana sind (ἠριθμημέναι εἰσίν). Matth. 10, 30 (ahd. iuuares houbites hâr allu girîmitu sint); ahd. ist es schwaches verbum der ô-classe: rediôn, redôn, rationari, fari, loqui, disserere Graff 2, 449, an spät entwickelte bedeutungen des subst. redia, reda sich anschlieszend und also eine verhältnismäszig junge bildung, ebenso altsächsisch ređiôn sprechen (nur Heliand 5213, über die nebenform ređinôn, ahd. redinôn vergl. unten unter redner). von diesen formen aus geht mhd. mnd. nhd. reden, als intransitiv und transitiv gebrauchtes verbum, nur ausnahmsweise reflexiv:
do rett sich ein burgermeister
von Friburg usz der statt:
wir hand ein reisz geleistet,
die uns geruwen hat.
Wackernagel leseb. 1 (1873), 1298, 1;
der mond ist aufgegangen,
redt sich ein wechter gut.
Ambras. liederb. nr. 58, 6;
vgl. ich will zu land auszreiten,
sprach sich maister Hildebrant.
Uhland volksl. 330.
2)
zusammengezogene formen von reden, wie sie das mhd. liebte (präs. du reist für redest, er reit, prät. reite für redete, part. gereit für geredet, vergl. mhd. wb. 2, 1, 601ᵇ; der red solt du dich fürbaʒ mâʒʒen, du ræst an unsere êre. d. städtechron. 4, 159, 11, Augsburg von 1363), kommen nhd. nicht vor, die neuere gewählte sprache verschmäht selbst zusammenziehungen wie du redst, er redt für redest, redet, prät. redte, part. geredt, die doch in älterer sprache, und noch bis ins vorige jahrh., und auch in der neueren bequemeren rede häufig vorkommen: wan es aber an ein treffen gehet, das man yn an yr ere redt. Luther krit. gesamtausg. 2, 91, 11; sie redt lieber, als ich. Gellert 3, 225; und redt disz nicht die geschichte. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 35; mit wem redst du Herrmann? 2, 165 (räuber 4, 5); bis jetzt redt sie wahr. Göthe 11, 286;
als ich das herhaim sagen det,
unser fraw lacht und darzw ret
und gab halt der kremerin recht.
H. Sachs fastn. sp. 6, 49, 262;
rett den dein weib nit, was du wilt?
1, 150, 123;
du redst wie dus verstehst.
Schiller Piccol. 2, 6;
da in der phoronomie von nichts als bewegung geredt werden soll. Kant 8, 455 (von 1786); es war gewisz nicht auf dich geredt. Göthe 16, 61; selbst in auffallendem reime:
die praxis macht ihn dick und fett,
es ging ihm, unter uns geredt,
als wie den jungen advocaten.
Lichtwer fab. 2, 11.
3)
die bedeutung des verbums gründet sich auf den begriff des subst. rede, wie er seit der ahd. zeit sich ergeben hat (vgl. oben sp. 452, nr. 4) und bezieht sich daher auf jede geordnete auseinandersetzung und darlegung, die einer gibt, von vorn herein die mündliche, durch sagen oder sprechen, welches zu reden die vorstufe bildet: der mensch konnte sprechen, ja reden, d. h. nach zusammenhängenden begriffen sprechen, mithin denken. Kant 4, 343; sprechen erhöht und veredelt sich in reden, ein feierlich sprechender redet. J. Grimm gramm. 4, 829, wenn reden auch bisweilen in den begriff sprechen oder sagen verläuft (vgl. unten 12), wie denn in Baiern mundartlich reden gern statt des affectierter scheinenden sprechen verwendet wird Schm. 2, 54 Fromm.; die bibelsprache stellt reden und sprechen oft zusammen: und der herr redet mit Mose, und sprach, rede mit den kindern Israel, und sprich, das sie sich rumb lenken. 2 Mos. 14, 1. 2; zu welchem das wort des herrn redet, und sprach, du solt Israel heiszen. 1 kön. 18, 31; Mose aber redet fur dem herrn und sprach. 2 Mos. 6, 12; es hat der gott Israel zu mir gesprochen, der hort Israel hat geredt. 2 Sam. 23, 3; also stund der erzschenke und rief mit lauter stim auf jüdisch, und redet, und sprach. 2 kön. 18, 28; nicht so häufig reden und sagen: und solt mit jm reden, und sagen, so spricht der herr. 1 kön. 21, 19; die mit mir geredt haben, und sagen, leichtere das joch das dein vater auf uns gelegt hat. 2 chron. 10, 9; was ich euch sage im finsternis, das redet im liecht. Matth. 10, 27 (ὃ λέγω ὑμῖν ἐν τῇ σκοτία, εἴπατε ἐν τῷ φωτί, goth. þatei qiþa izvis in riqiza, qiþaiþ in liuhada); auch in anderer sprache: was ist es, Franziska? rede, sprich. Lessing 1, 581;
ists edel, so zu reden, wie du sprichst?
Göthe 9, 233;
der gegensatz ist schweigen: schweiget mir, das ich rede. Hiob 13, 13; fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht. ap. gesch. 18, 9; halt das maul, wenn ich rede! Lessing 2, 484;
swer niht wol gereden kan,
der swîge und sî ein wîse man.
Freidank 80, 11;
nun schweigt ain weil und redt nicht!
fastn. sp. 704, 2;
heisz mich nicht reden, heisz mich schweigen,
denn mein geheimnis ist mir pflicht.
Göthe 19, 262;
es heiszt auch mündlich reden: sihe, ewer augen sehen, und die augen meines bruders BenJamin, das ich mündlich mit euch rede. 1 Mos. 45, 12; denn auch von schriftlichen darlegungen in abhandlungen und briefen wird reden gebraucht, wobei jedoch die vorstellung des persönlichen sprechens immer im hintergrunde steht: sihe nu, ob nicht Daniel fast auf den schlag redet wie Isaias, von dem menschen son, der das ewige reich von gott empfehet, und wie Nathan und David reden. Luther 8, 147ᵇ; das ist (in der abhandlung) noch alles von dem text .. geredt, auf welchen, wie droben gesagt, sich die letzten wort Davids gründen. ebenda; ich ergreife die feder um wenige vertrauliche worte mit ihnen zu reden. A. v. Humboldt briefwechsel mit Varnhagen s. 77; vergl. ahd.:
thaʒ duent lûtmâri   thie scriptora fiari,
thie scrîbent evangelion;   lis selbo, theih thir rediôn.
Otfrid 3, 14, 4;
und das buch, die abhandlung redet selbst: ich will reden wie ein buch, wenn ich mich vorbereitet habe. Göthe 19, 177; auch hier ist an die darlegung, etwa durch vorlesen, zunächst gedacht, und daher hören reden selbst in bezug auf schriften: wir sehen ja und hören, das dis stück nicht ein sonderlicher zusatz ist, wie dieser geist frevelt, sondern es stehet mitten unter andern worten, .. es folget on mittel dem stück (nemet hin und esset, das ist mein leib) das, wer sie nach einander höret reden, nicht mag denken, das ein ander new stück sei. Luther 3, 64ᵃ.
4)
reden, im engeren sinne, als gerichtsausdruck, in einem rechtshandel die sache darlegen, als kläger, beklagter, fürsprecher: vor dem gericht reden, dicere apud judices. Maaler 329ᵇ; wider einen reden, und ein rechtshandel füren, contra aliquem dicere. ebenda; das wort oder die notdurft reden, einem vor gericht, für ihn sprechen, über das blut reden, in einer criminalsache plädiren Schm. 2, 54 Fromm.; wenn sie euch nu uberantworten werden, so sorget nicht, wie oder was jr reden solt, denn es sol euch zu der stunde gegeben werden, was jr reden solt. Matth. 10, 19; namentlich einem reden, einem das wort reden, die sache für einen führen, ihn vertheidigen: Schott (der angeklagte) bemüet sich vast, bat vill vom adl, ime sein wort ze reden, damit er sein antwort nach seiner notturft fürbringen möcht. niemant wolt sich aber seins besen muetwillens und handls zu reden underwinden. er stund da, solt und must ime selber reden, vand bei ime di misstat, wöst der nit zu beschonen, wainet als ein kint, tet anderst nichts, den das er gnad .. bat. Wilw. v. Schaumb. 74; und hetten baid partheien von und zum tag frei, sicher glait, und so dy sach verhört und nit vertragen ward, am abzug hielt gedachter von Absperg und erstach den alten grafen von Oting im feld, sambt einem doctor, der dem grafen geredt hett. d. städtechron. 15, 39, 4; (es) soll in der kläger und antworter willen stehen, jren redner ausz den schöpfen oder sonst zu nemmen, oder in selbst zu reden. Carolina art. 88; wovon noch das formelhafte, der eigentlichen bedeutung nach unverstandene einem das wort reden, defendere aliquem verbis. Frisch 2, 98ᶜ; (ein mann) welcher der tugend gegen alle gebilligte vorurtheile das wort redet. Lessing 3, 202; hab ich beschlossen, jemandem den auftrag zu geben, mir bei ihr das wort zu reden, für mich zu sprechen. Göthe 10, 79; sie hält was auf mich, ich will dir bei ihr das wort reden. Schiller hist.-krit. ausg. 14, 133; die herren dürfen ja heute machen, was sie wollen; Frondsberg wird ihnen doch das wort reden. Hauff Lichtenstein 1, 30; alle diese erfahrungen reden das wort für die kirchspiels- und gegen die landesanstalten. Möser phant. 2, 32;
wann wer der freiheit sich das wort zu reden traut,
zum lohn für seine müh ein schimpflich elend baut.
Lessing 3, 334;
auch: sie daureten mich uber alle maszen, und hätte gern ein wort oder etliche vor sie reden wollen. Philander 1 (1642), 315.
5)
reden auch unterhandlung führen, verhandeln: der (in die stadt gesandte hauptmann) warb dise meinung, romisch königliche majestat und seiner majestat son stathalter herzog Albrecht da weren, begert, das sie zu ime heraus komen wolten, er het mit inen ze reden. Wilw. v. Schaumb. 117; sie schickten zweinzig der meister und obristen des rats hinaus. der herzog lies dise meinung mit in reden, sie westen, das die stat romisch königlicher majestat und irem son erblich und eigentlich zustunt. ebenda;
im (dem ritter) tuot sîn langeʒ beiten wê (spricht der bote).
nu reden wirʒ an ein ende enzît,
ê im sîn fröide gar zergê.
minnes. frühl. 38, 21;
underkäufer (unterhändler) musz man itzt hon,
die auf beid seiten reden schon (geschickt verhandeln),
dedigen findt (fünde), kaufschleg machen.
Murner schelmenzunft B 5ᵃ;
noch in heutiger sprache in gewissen formeln: darüber liesze sich reden; wir können ja über die sache reden, in unterhandlung eintreten; er wird mit sich reden lassen, verhandlungen über etwas annehmen.
6)
ferner, in abschlieszendem sinne, geloben, versprechen:
der ander hat einer die ee geredt,
dorumb man in gein Bamberg ledt.
fastn. sp. 851, 12,
wie sonst in älterer sprache gereden: so bekennen und gereden wir .. dise bericht und teiding ... treulich und vesticlich zu halten. d. städtechron. 2, 236, 1.
7)
reden, in weiterem sinne, intransitiv und mit persönlichem subject von jeder geordneten mündlichen darlegung seiner gedanken und wahrnehmungen; sich über etwas äuszern, in vielfachen wendungen.
a)
in verbindung mit gegensätzen, die auch ihrerseits den begriff des verbums beleuchten, namentlich des hörens: wenn einer lang geredt, mus er nicht auch hören? Hiob 11, 2; des wissens: die gerechte sache wird vor meinen augen verrathen; die stützen der armen werden schwelgern verhandelt; ich weisz es — und darf nicht reden! Iffland 3, 48; des handelns: weil leute ihrer art mehr werth darein setzten, gut zu handeln, als schön zu reden. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 126; die alten Römer thaten und lieszen reden, und diese (heutigen Römlinge) reden und lassen thun. Seume spazierg. 1, 110.
b)
absolut: da der noch redet, kam ein ander. Hiob 1, 16; ich künd auch wol reden, wie jr ... aber wenn ich schon rede, so schonet mein der schmerze nicht. 16, 4. 6; sihestu einen schnell zu reden, da ist am narren mehr hoffnung, denn an jm. spr. Sal. 29, 20; ein jeder rede, wan es an seine stell kommet. Philander 1 (1642), 168;
ich wil iu ze redenne gunnen
(sprechent swaʒ ir welt) obe ich niht tobe.
Walther 86, 7;
jetzt bringet eure worte an, jetzt ist
der augenblick zu reden!
Schiller M. Stuart 3, 2;
in formelhaften wendungen:
ihr habt gut reden, ihr!
Lessing 2, 209;
als ob der verstand
nur hier zu hause wäre! posse! posse!
wenn ich nur reden dürfte!
262;
mit näheren bestimmungen, durch adverbien oder andere zusätze, die entweder form und klang des redens bestimmen (mit streifung der bedeutung 12): laut, leise reden; flüsternd, schreiend reden; zusammenhängend, abgebrochen reden; vast laut reden, dasz es ein yeder ring (leicht) verston mag, clamare. Maaler 329ᵃ; ich war glücklich, sie in einer folge reden zu hören; denn sonst gab sie nur wenige worte in das gespräch. Göthe 24, 270;
red nit so lawtraisiger weis;
die plinden hören marter leis.
H. Sachs fastn. sp. 6, 92, 325;
oder das mittel: denn es höret ein jglicher, das sie mit seiner sprache redeten. ap. gesch. 2, 6; denn sie höreten, das sie mit zungen redeten und gott hoch preiseten. 10, 46; vleisziget euch des weissagen, und weret nicht mit zungen zu reden. 1 Cor. 14, 39; wenn ich mit menschen und mit engel zungen redet. 13, 1; oder die art desselben: freundlich, gütig, herzlich reden; falsch, übel, böse, recht, wolüberlegt reden; so wollen wir sagen, du redest recht. Jes. 41, 26; so du niemand bei dir beschweren wirst, noch mit finger zeigen noch ubel reden. 58, 9; fur dir kan er süsze reden, und lobet seer was du redest, aber hinderwerts, redet er anders. Sir. 27, 26; denn es treib jn gottes zorn, das er so frech geredt hatte. 2 Macc. 9, 4; Jhesus antwortet, hab ich ubel geredt (goth. jabai ubilaba rôdida), so beweise es, das böse sei, habe ich aber recht geredt (goth. aiþþau jabai vaila), was schlechstu mich? Joh. 18, 23; fräch und dapferlich reden, loqui par rectiore fronte. Maaler 328ᵈ; schimpflich, oder in schimpfsweisz reden, joco, vel per jocum dicere, seuberlich und fein reden, laute loqui, sorgfältigklich reden, curiose loqui 329ᵃ; sie reden vollkommen ihrem charakter gemäsz. Lessing 2, 20; o ich bitte euch, redet frei. 371; ihr redet recht unverständig. Göthe 8, 244;
ir redet übel, sprach Tristan.
Trist. 137, 20;
du redest kindisch von den sachen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 151, 135;
rede nur ausz trewem herzen,
Phyllis, mein kind.
H. Albert in den ged. des Königsb. dichterkreises 101;
sie reden hoch, und das gilt schlecht:
was andre sagen, ist nicht recht,
es ist ihnn viel zu wenig.
P. Gerhard 191, 19;
trat ernst ein weib in unsre mitte
und redte mit prophetenklang.
Arndt ged. 86;
so oder so, bald so, bald anders reden; wie redest du?; ich rede wie ichs verstehe; ich rede in torheit. 2 Cor. 11, 21; ich rede törlich. 23; ich wil nach menschlicher weise reden. Gal. 3, 15; herre! so müszt ihr nicht reden. wir haben dem könig geschworen. Göthe 8, 200; ich rede mit vieler überlegung. Lessing 2, 484.
c)
mit näher bestimmenden präpositionalen zusätzen, in bezug auf den inhalt des geredeten; es heiszt von einem oder etwas reden: und êr dan si ire spîse nâmen sô wolden si von gote alrêst reden; und under des daʒ si âʒen, sô retten si vil von gote. d. myst. 1, 107, 21; ich wil reden von der angst meines herzens, und wil eraus sagen vom betrübnis meiner seelen. Hiob 7, 11; werde der sachen gewis, darnach rede davon. Sir. 33, 4; ein wolgeübter man verstehet viel, und ein wol erfarner kan von weisheit reden. 34, 9; reden tröstlich von gottes wort, und der lieben erbarkeit. Philander 1 (1642), 111; wo man von der sache recht reden will. 314; wer von sieben redet, leugt gern. Pistorius thes. par. 1, 83; wer hat ihn von tapferkeit jemals reden hören? Lessing 1, 527; wirt. da steckts eben. wenn wir alt werden, ist es mit unsrer gefährlichkeit aus ... Werner. potz geck und kein ende! frauenzimmerchen, so viel verstand wird sie mir wohl zutrauen, dasz ich von dér gefährlichkeit nicht rede. 550; sie wissen wie gern man von sachen redet, die uns angenehm sind. 2, 375; reden sie ja nicht mit ihr von dem prozesse. 462; umsonst spähte dieser, ob er nicht von seinem schönen mühmchen reden werde. Hauff Lichtenstein 1, 34; auch wenn schriftliche mittheilung gemeint ist (vergl. oben 3): ich rede von seinem betragen gegen freunde deszwegen zuerst, weil er am meisten wider die pflichten der freundschaft sündiget. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 16;
ich will von deiner wundermacht
und der so herrlich schönen pracht
bis an mein ende reden.
P. Gerhard 299, 42;
über einen oder etwas reden; sie möchten wider uns reden und schwätzen. 1 Sam. 27, 11; auf etwas zu reden kommen;
verjüngte sich nicht dieser Talbot selbst,
als er auf ihren reiz zu reden kam!
Schiller Maria Stuart 2, 9.
d)
in bezug auf den angeredeten; zu einem reden: wie der herr redet zu deinen knechten, so wöllen wir thun. 4 Mos. 32, 31; kamen gen Antiochia, und redeten auch zu den Griechen. ap. gesch. 11, 20;
ê ich ze dem chuninge   von dir reden begonde.
exodus in den fundgr. 2, 98, 11;
da er an frauenzimmer zu reden hat. Göthe 58, 100; gewöhnlich mit einem reden, wobei die bedeutung 9 unten einspielt: (er) redde mit in von sîner urstendi. d. myst. 1, 303, 5; da redet gott mit Noah und sprach. 1 Mos. 8, 15; hüte dich, das du mit Jacob nicht anders redest, denn freundlich. 31, 24; (Jonathas) solt eilend zu jm gen Ptolemais kommen, da wolt er mit jm von etlichen sachen reden. 1 Macc. 11, 22; sie ... redet heimlich auf jre sprache mit jm. 2 Macc. 7, 27; ich möcht so gern mit meinem liebsten reden. Philander 1 (1642), 165; sagen sie mir doch, weswegen sie mit mir zu reden verlangt? Lessing 2, 375;
als ich under wîlen zir gesitze,
so si mich mit ir reden lât.
Walther 115, 23;
ich hab sein nit gewont an dir,
das du so freüntlich retst mit mir.
H. Sachs fastn. sp. 6, 90, 268;
hinweck all spitzige stichwort,
und redet mit einander frydlich.
1, 25, 109;
mit sich selbst reden, ein selbstgespräch führen: wenn ich mit mir selbs rede, so erschreckestu mich mit trewmen. Hiob 7, 14.
e)
mit betonung von meinung und absicht: für einen oder etwas reden; er redete für die vorschläge, die in der sache gemacht worden waren; wider, gegen einen oder etwas reden; sie möchten wider uns reden und schwätzen. 1 Sam. 27, 11; du sitzest und redest wider deinen bruder, deiner mutter son verleumbdestu. ps. 50, 20; wer wider dich redet, den bringe zu mir, so sol er nicht mehr dich antasten. 2 Sam. 14, 10; du .. redest wider gottes ordnung. Luther 5, 148ᵇ.
f)
mit hervorhebung der art und weise, namentlich in festen formeln: das herz redet uns gewaltig gern nach dem maule. wenn das maul eben so geneigt wäre, nach dem herzen zu reden — Lessing 1, 526; ich werde abgeschmackt sein, um jedem nach dem maule zu reden. Göthe 19, 177; um in solchen gemeinplätzen zu reden. Keller sinngedicht 131; oder des ziels: zu herzen, ins gewissen reden, so dasz das geredete dort eindringen soll: der prediger redte den zuhörern ins herze, concionator aculeos relinquebat in auditorum animis. Steinbach 2, 233; endlich sandte sie ihren geheimen sekretär Berti nach Antwerpen zu ihm (Oranien), der ihm nachdrücklich ins gewissen reden ... sollte. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 283;
beschwatzen konnte dich der plauderer,
ich aber will zu deinem herzen reden!
Maria Stuart 4, 6;
an eines ehre reden, reden um sie zu schädigen: der .. lehne sich wider die oberkeit, von gott geordent, und rede jnen an jre ehre. Luther 5, 148ᵇ; ja es stehet gleichwol im brieve, wie ich herzog Georgen nenne des teufels apostel, das ist ja jm an seine ehre geredt. 6, 7ᵃ;
wie, wolst mir reden an mein ehr?
H. Sachs fastn. sp. 1, 130, 170;
du redest deiner mutter sohn zu schmach.
A. Lobwasser psalm. 50, 8;
einem zu liebe, zu gefallen reden: wer aber weissaget, der redet den menschen zur besserung, und zur ermanung, und zur tröstung. 1 Cor. 14, 3; um etwas reden: als er (ein seeräuber) gefangen für Alexandrum wardt gefürt, hett er sich verwegen er muͤst sterben, wolt jm vor genuͦg umb sein leben reden. Agr. spr. 15ᵇ; auf etwas oder einen reden in hinblick, mit beziehung darauf: sie (Eva) saget, ob wir dieser frucht essen, möchten wir vielleicht darumb sterben, und setzet also jhre antwort auf zweifel ... aber gott der herr hat die ding nicht geredt auf zweifel. buch der liebe 291ᵈ; dasz dies vorzüglich auf die dichtkunst geredet war, liesz sich leicht errathen. Bragur bei Campe unter auf; ins allgemeine reden: ungeduld über diese männer, die immer nur in das allgemeine reden und sich damit alle begeisterung wegsprechen. Sybel gesch. d. revolutionszeit 1, 296; in den wind reden, ohne dasz es eindruck macht: reden in luft oder reden in wind, ventilare, scil. verba inania et cassa. voc. inc. thent. r 3ᵃ;
so in wind zu reden!
ihr habt in wind gesprochen, alter meister.
tod oder Turandot!
Schiller Turandot 2, 3;
in eines seele reden, so reden, wie der betreffende reden würde: fr. Damon. herr schwager, das ist auch gar zu bequem. sie werden doch ihrer frau liebste nicht zumuthen, dasz sie in ihre seele reden soll? hr. Orgon. ja, warum soll sie nicht in meinem namen reden können, da sie mein ganzes herz kennt und im besitze hat? Gellert 3, 225; in den schild reden: mein gott, wie ungern höret jhr, dʒ man euch in den schilt rede, und die warheit sage. Philander 2 (1643), 44; in den kram reden, vergl. theil 5, 1991, auch verwehrend, ich lasse mir in meinen kram nicht reden, erlaube keine beurtheilung oder ratschläge, derb statt ich lasse mir nicht in die sache reden, vergl. drein reden unten h; unters maul reden: wie keme aber die christliche kirche dazu, das sie gott also solt unters maul reden und jn unmündig machen. Luther 4, 453ᵇ.
g)
mit angabe begleitender umstände oder örtlicher beziehungen: rede nicht fur des narren ohren. spr. Sal. 23, 9; in der trunkenheit reden, bei völliger besinnung reden; durch jemand reden: der geist des herrn hat durch mich geredt, und seine rede ist durch meine zungen geschehen. 2 Sam. 23, 2; nach dem vor zeiten gott manchmal, und mancherlei weisz geredt hat zu den vetern durch die propheten, hat er am letzten in diesen tagen zu uns geredt, durch den son. Hebr. 1, 1. 2; Hanna redet in jrem herzen, allein jre lippen regeten sich, und jre stimme höret man nicht. 1 Sam. 1, 13; ir seid nicht die da reden, sondern der geist ewers vaters redet in euch. Luther 1, 466ᵇ; wir durften es ihn am wenigsten merken lassen, dasz wir auf befehl reden. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 118.
h)
mit richtungsadverbien: weil du so teutsch herausz redest. Philander 1 (1642), 60; es blieb beim hin und her und daran herum reden. Fichte nachgel. werke 1, 323; kein fremder sollte davon wissen oder darein reden. Keller sinngedicht s. 136;
ei nun, so lasz ihn ferner thun
und red ihm nicht darein.
P. Gerhard 120;
vergl. dazu darein reden th. 2, 772, und einreden 2, th. 3, 247; dazwischen reden, vergl. theil 2, 877; zeitlich gewendet, mit reden: für diese abhaltungen müssen sie nachher alle meine lieblingsdichter und philosophen sich vorlesen lassen; die meisten finden schon geschmack daran, die übrigen wollen wenigstens davon mit reden können. Arnim Hollins liebel. 14 Minor; auch in bedeutendem sinne: ich habe hier mit zu reden, mit fug und recht; er ist dabei gewesen, er kann mit reden.
i)
in verwehrenden oder beschränkenden formeln, wo ebenfalls der bedeutende sinn des mit grund und fug redens auftritt: ich habe nichts derartiges erfahren, kann also nicht reden; was willst du doch reden! ich kenne ihn besser als du. Lenz 1, 274; Jetter. du denkst dich was rechts. Egmonts haare sind gescheidter als dein hirn. Vansen. redt ihr! aber nicht feiner. Göthe 8, 244.
k)
reden, mit dem dativ der person, zu der gesprochen wird: denn du bist unser gott, in dem wir leben, und nicht sterben, wie du uns geredt hast. Luther 3, 237ᵃ; wohl weisz ich, was ich wage, indem ich so frei dir rede; doch, herr, wenn meine freie äuszerung dir miszfällt, so schicke mich schnell in meine einsamkeit zurück. Klinger 5, 191.
l)
in zwischensätzen: dan der selb irthumb war auch gleichwol (hie geredt) viel zu grob. Alberus widder Witzeln L 6ᵇ; es ist mir warlich (hie im stüblin geredt) vast umb die ehr und namen zu thun. L 7ᵃ; legte er, also zu reden, in diesem streit (einer disputation) wehr und waffen nieder, und schwieg ganz stille. pers. rosenth. 4, 4; wenn er auch, so zu reden, ein ganz jahr auf der kanzel gestanden, und sich hätte hören lassen. 4, 6; und gewann ihm (in einem wortgefecht), so zu reden, all sein baar geld ab. 7, 20; was ich ... von den personen insgemein gesagt, die an dem evangelio der Nazarener so zu reden geschrieben. Lessing 11, 509; der vorschlag ist, kurz von der sache zu reden, unannehmbar;
und doch, als wir zu reden pflegen,
kan weder kax, noch eier legen.
Ringwald spec. mundi (1590) O 8ᵃ.
8)
transitives reden in demselben sinne.
a)
mit einfachem accusativ und präpositionalen beisätzen: einige worte reden; etwas gutes reden; ein paar worte mit jemand, zu jemand reden; du solt kein falsch zeugnis reden wider deinen nehesten. 2 Mos. 20, 16; und wer meine wort nicht hören wird, die er in meinem namen reden wird, von dem wil ichs fodern. 5 Mos. 18, 19; einer redet mit dem andern unnütze ding. ps. 12, 3; meine feinde reden arges wider mich. 51, 6; du redest lieber böses denn gutes, und falsch denn recht. 52, 5; ein freund teuscht den andern, und reden kein war wort. Jer. 9, 5; rede einer mit dem andern warheit. Sacharja 8, 16; wer etwas redet wider des menschen son, dem wird es vergeben. aber wer etwas redet wider den heiligen geist, dem wirds nicht vergeben. Matth. 12, 32; wir haben jn gehöret lesterwort reden wider Mosen, und wider gott. ap. gesch. 6, 11; darumb leget die lugen ab, und redet die warheit ein jglicher mit seinem nehesten. Eph. 4, 25; eben derselbige Christus redet zu denselbigen jüngern, denselbigen befehl uber dem brot, den er redet uber dem kelch. Luther 3, 530ᵇ; ein ehrlich mann, ... der auch, wann es vonnöthen ist, die warheit darf herausz reden. Philander 1 (1642), 49; ein glücklicher mann rede was er wolle, so musz es wohl geredet und gesagt sein. 2, 55; es musz ein schlechtes wort sein, so sich nicht reden oder schreiben läszt. Pistorius thes. par. 8, 19;
waʒ ich red daʒ ist nicht war.
Erlauer spiele 3, 103 Kummer;
warumb hast du das von meinem weib geret?
549;
get hin
und redet weiter mer kain wort!
H. Sachs fastn. sp. 6, 9, 239;
red ich ain wort, so ret sie zwai,
und haben oft im haus ein gschrai,
als wöll man wölf darinnen jagen.
1, 155, 267;
ich bitt, erlaube mir,
dasz ich zu diesem mahl eins (etwas) reden darf mit dir.
Rist Parn., zuschrift;
ihr scheint mirs werth vor andern,
dasz ich ein traulich wörtlein zu euch rede.
Schiller Wallensteins tod 3, 15;
auch hier zum theil in bedeutendem sinne, wie redend anweisen, befehlen, bestimmen:
als was er schaff, red und gepit,
das sie das thu und anderst nit.
H. Sachs fastn. sp. 1, 147, 37;
in der formel ein wörtchen reden: ich will auch ein wörtchen mit drein reden. Göthe 24, 270; bleib da, Charlotte! wir haben ein wörtchen mit einander zu reden, eh die gesellschaft kommt. Schiller parasit 4, 1.
b)
in gehobener sprache mit dem object des zum ausdruck gebrachten: bald sind es die schlüpfrigsten reden, die buhlerhaftesten scherze, die euch an uns gefallen, und bald entzücken wir euch, wenn wir nichts als tugend reden. Lessing 2, 20;
eigene noth nur red ich, die arg in das haus mir hineindrang.
Odyss. 2, 45;
oder der wirkung:
diese (Troer) zu schaun, war fröhlich der greis und redete stärkung.
Ilias 10, 190;
was die glocke hat geschlagen,
sollst du deinem volke sagen,
rede dolche, rede schwerter!
H. Heine 17, 228.
c)
in erweiterter fügung, mit angabe des erfolgs: lasz den narren reden, er wird dir kein loch in den leib reden. Philander 2 (1643), 60; es konten jhr weder die eltern noch die verwandten solches ausz dem sinn reden. 294; gräfinn, sie würden sich um den hals reden. Lessing 2, 170; sie reden sich um den hals, Zibo! Schiller Fiesko 5, 9; du sollst lords mit diesen augen fangen, sie um den verstand durch deinen schelmischen geist reden. Klinger 1, 196; ich hoffe, wir werden uns in einander, nicht aus einander reden. 9, 94; 'dich soll er in ruhe lassen, zähle darauf. gehe nur ruhig heim, deszwegen sollst keinen tritt mehr versetzen'. so redeten sie Hans Joggi ruhig, ungefähr wie man kinder in schlaf singt. J. Gotthelf schuldenb. 175;
der sachen man uns berichts gnug gab
und du wolst so strack dafür laugen,
dein übl uns reden ausz den augen?
J. Ayrer 264ᶜ (1321, 7 Keller).
d)
statt des objects ein abhängiger satz: hastu nicht, mein herr könig, deiner magd geschworen und geredt, dein son Salomo sol nach mir könig sein? 1 kön. 1, 13 und danach Schuppius 12; doctor Martinus Luther hat pflegen zu sagen,
trinke, was klar ist,
isz, was gar ist,
rede, was war ist.
Mathesius Syrach 1, 55ᵇ.
9)
reden, gegenseitig reden, sich unterhalten: wir standen und redeten, als er vorbeigieng; sie redeten zusammen; indem sie noch davon redeten, kam der gewöhnliche postwagen. Chr. Weise erzn. 191 Braune; und beider könige herz wird denken, wie sie ein ander schaden thun, und werden doch uber einem tische, felschlich mit einander reden. Daniel 11, 27; er möchte denken, wer weis was wir mit einander zu reden gehabt hätten. Lessing 2, 373; nu, von dém puncte wollen wir insgeheim reden. 415; vergl. auch mit jemandem reden, oben 7, d.
10)
reden, verbreiten als nachricht, ruf, gerücht; übel reden, böses nachreden: das dir jemand schaden noch leid thete, oder dir ubel redete. Luther 5, 438ᵇ; von einem kargen filze, redet die ganze stad ubel. Sir. 31, 29; gutes, das beste von einem reden: wer alles zum besten auslegt, der machet jm viel freunde, und wer das beste zur sache redet, von dem redet man widerumb das beste. Sir. 6, 5; selig seid jr, wenn euch die menschen umb meinen willen schmehen und verfolgen, und reden allerlei ubels wider euch, so sie daran liegen. Matth. 5, 10; grosze herren müssen viel von sich reden lassen. Pistorius thes. par. 9, 57; von denen todten soll man nichts als alles liebs und gutes reden. 6, 50;
man wird, so gut wie vom propheten,
von Wamik und von Asra reden.
nicht reden wird man, wird sie nennen:
die namen müssen alle kennen.
Göthe 5, 48;
von sich reden machen: wir haben die welt ohnehin schon von uns reden machen, sie wird noch einmal von uns reden, uns sodann, wie alles übrige was aufhört neu zu sein, vergessen. 17, 350; sie verehrten, beschützten alles und jedes, was von sich reden machte. Keller sinnged. 103.
11)
reden, eine rede halten (vgl. dazu rede 9, sp. 458): in der wahlversammlung redet heute der abgeordnete X; öffentlich, in geschlossenem kreise reden; von der tribüne reden; er hat schon oft von der kanzel zu einer zahlreich versammelten gemeinde geredet; (Paulus) redet teglich in der schulen eines, der hies Tyrannus. ap. gesch. 19, 9; Collatinus erscheint, und redet an das volk von seinen ansprüchen auf den erledigten thron. Lessing 2, 453.
12)
reden, nur auf die äuszere form des darlegens und mittheilens bezogen, in manigfachen wendungen; reden wie ein mensch, vocem reddere humanam. Maaler 328ᶜ; ein kind das noch nicht reden kan, infans. Frisch 2, 98ᶜ; ich höre reden über uns. Lessing 2, 564; stotternd, stammelnd, durch die nase reden; das bauchreden können, vergl. dazu bauchredner und bauchrednerisch th. 1, 1168; irre reden, verwirrte worte reden; vor schmerz, wut nicht reden können; er kann vor furcht nicht reden, lingua haeret metu. Frisch 2, 98ᶜ; kann ich noch reden? o schön! o schön! Lessing 1, 570;
er schrie, und weinte gen himmel;
wollte reden, allein kaum konnt er, von freuden erschüttert,
bebend stammeln.
Klopstock 3, 59 (Mess. 2, 155);
taubstumme können nicht reden; was nüzt es dem menschen schreiben und lesen zu können, wenn er nicht reden kann? Pestalozzi 3, 87; und alsbald thaten sich seine ohren auf, und das band seiner zungen ward los, und redet recht. Marc. 7, 35; die tauben macht er hörend, und die sprachlosen redend. 37; in einer fremden sprache reden; rede mit deinen knechten auf syrisch, denn wir verstehens, und rede nicht mit uns auf jüdisch, fur den ohren des volks. 2 kön. 18, 26; und jre kinder redeten die helft asdodisch, und kundten nicht jüdisch reden, sondern nach der sprach eines jglichen volks. Neh. 13, 24; soll ich deine stimme nicht wieder hören? wirst du nicht mit einem wort für mich ins leben zurückkehren? gut, gut! ich folge dir hinüber: da werden wir mit andern sprachen reden. Göthe 17, 404; zwo und zwenzig sprachen reden, loqui ore duarum et viginti gentium. Maaler 329ᵇ; er (Karl) redete ihre (der Niederländer) sprache. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 56;
mein vertrag erheischts,
dasz alle kaiserheere mir gehorchen,
so weit die deutsche sprach geredet wird.
Piccol. 2, 7;
deutsch, französisch, italiänisch, englisch reden; sprichwörtlich deutsch reden auch im sinne einer derben deutlichkeit: deutsch zu reden, ich brauche jetzo einen mann, der gar keine (redlichkeit) besitzt. Lessing 2, 450; ferner in bezug auf den ausdruck einzelner worte oder sätze: diese beide wort reden wir auf deutsch also, sie treiben eitel gewalt, und verderben einander in der stad. Luther 3, 230ᵃ; es sei an ihrer liebden hof ein weiszer sperling, oder wie man an demselbigen ort redet, eine weisze spatz. Schuppius 32.
13)
daher auch von thieren, welche menschliche rede nachahmen: der vogel (arpia) wenn er gezämt wirt, redet menschleich stimm. Megenberg 168, 9; reden, wie ein vogel im kefe, nichts dan bladeren und unnütz geschwätz treiben, voces inanes fundere. Maaler 328ᶜ; die papagei lernen reden, psittaci verba quaedam pronunciare discunt. Frisch 2, 98ᶜ; und selbst wie klingen, von stimmen:
da reit er auch mit jhr, mit mehr eil und verlangen,
bisz dasz er reden hört schalmei und pfeifen auch.
D. v. d. Werder Ariost 14, 38, 7;
als er nach hause kam, redete Klotildens stimme, die er unter allen ihren reizen am wenigsten vergessen konnte, unaufhörlich und wie das echo eines trauergesanges in seiner seele. J. Paul Hesp. 2, 187.
14)
reden, nicht mit persönlichem subject, in gehobener sprache.
a)
statt jenes werden die sprachwerkzeuge genannt: dein mund hat wider dich selbs geredt, und gesprochen, ich hab den gesalbten des herrn getödtet. 2 Sam. 1, 16; verstummen müssen falsche meuler, die da reden wider den gerechten. ps. 31, 19; dein maul lessestu böses reden, und deine zunge treibet falscheit. 50, 19; behüte deine zunge fur bösem, und deine lippen, das sie nicht falsch reden. 34, 14; meine lippen sollen nichts unrecht reden, und meine zunge sol keinen betrug sagen. Hiob 27, 4;
ach sie (die blumen) sind mir theure boten,
süsze stimmen vom Cozyt,
hält er gleich sie selbst verschlossen
in dem schauervollen schlund,
aus des frühlings jungen sprossen
redet mir der holde mund.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 203 (klage der Ceres).
b)
auch das herz redet, als sitz der weisheit: ein weise herz redet klüglich, und leret wol. spr. Sal. 16, 23; oder der empfindung: ich höre es; wenn dein mund nicht plaudern kann, so kann dein herz doch reden. Lessing 1, 600; von den gefühlen selbst, die im herzen reden:
was hälfs ihm auch, wenn mir für ihn im herzen
was redete — ich musz ihn dennoch tödten.
Schiller Wallensteins tod 4, 8;
etwas redet aus einem: die rührendste anhänglichkeit redete aus ihm;
ich kenne eures eifers reinen trieb,
weisz, dasz gediegne weisheit aus euch redet.
Schiller M. Stuart 2, 3;
am morgen (nach einer leidenschaftlichen nacht) liesz er die schmerzen durch einander reden und lag still vor ihrem leichengeschrei als die leiche. J. Paul Tit. 3, 114.
c)
augen, gebärden reden:
weil doch im reden als im schweigen
sich unsrer liebe hindrung findt,
so laszt uns mit geberden zeigen,
was unser liebreich herz empfindt!
kan liebe mich stumm reden lehren,
so lehrt sie euch verstehn ohn hören.
R. Roberthin in den ged. des Königsberger dichterkreises 99;
was höhres, als gräber
und verwesung, redet dein auge!
Klopstock 3, 277 (Mess. 5, 603);
schöne kinder tragt ihr, und steht mit verdeckten gesichtern,
bettelt: das heiszt mit macht reden ans männliche herz.
Göthe 1, 355.
d)
der genius, der geist redet:
tausend andern verstummt, die mit taubem herzen ihn fragen,
dir, dem verwandten und freund, redet vertraulich der geist.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 189;
in theologischem sinne, mit übergreifen in die rein persönliche vorstellung (vergl. oben 7, g): ihre beschwerden (sollten die gegner der mütterlichen kirche) vortragen, und dann an die aussprüche des heiligen geistes verwiesen sein, der durch das concilium redet. hist.-krit. ausg. 7, 149.
e)
endlich reden von gefühlen, handlungen, gegenständen manigfacher art: jhr eigene schande und schaden wirken und reden. Melanchthons ap. d. Augsb. confess. im corp. doctr. christ. (1560) 188; geistergetümmel der einsam mit einander redenden töne. J. Paul Tit. 2, 237; damals, da man noch nicht an bücher dachte, was war die sprache da? nichts als singende und redende natur. Herder z. litt. 1, 155;
vom meiszel beseelt redet der fühlende stein.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 87;
laszt ihren kummer reden! laszt sie klagen!
12, 348 (Wallensteins tod 4, 9);
mit persönlichem dativ:
blick empor — die schwimmenden planeten,
lasz dir Laura seine welten reden!
1, 296;
dem reden die orakel, der sie nimmt.
12, 208;
einem das wort reden (vergl. dazu oben 4): weshalb denn die achtung für seine verdienste auch seinen seltsamkeiten das wort zu reden schien. Göthe 31, 222; ein zeugnis reden:
es ist doch sonderbar,
dasz so ein böser fleck, dasz so ein brandmahl
dem mann ein beszres zeugnis redet, als
sein eigner mund.
Lessing 2, 247 (Nathan 2, 5);
thatsachen reden für ihn; die darauf folgenden ereignisse redeten für die richtigkeit seines vorgehens; wir hoffen, diesz sind beweise die für sich selbst reden. Wieland 12, 7; ungewöhnlich etwas redet von selbst, braucht nicht von anderen hervorgehoben zu werden: dasz es auch viele unbedungene lange fuhren gebe (leistungen der unterthanen), redet von selbst. Möser osn. gesch. 2, 208; vgl. selbstredend: selbstredende billigkeit, aequitas manifesta Stieler 1543.
15)
das part. präs. redend in adjectiver stellung, nach oben 12: zwei abwechselnd stumme und redende scenen. Diderots theater übers. v. Lessing 1, 184; nach oben nr. 14: die redenden bewegungen der tänzerinnen. Wieland 1, 79; der krug auf der seite des einen, und das horn auf der seite des andern, dünken mich nicht viel weniger redend, als es ihre buchstäblichen namen sein würden. Lessing 8, 237; dergleichen unbequemlichkeiten kann durch lotterien vorgebeuget werden, so lange dieser name ein redendes zeugnis bleibt, dasz dasjenige, was einer darein setzt, ein freiwilliger beitrag sei. Möser patr. phant. 1, 167; ein redend bildnis nennt der maler ein nach der natur wolgemaltes, eine redende figur, die so charakterisiert ist, und an welcher die leidenschaften so ausgedrückt sind, dasz sie zu reden und ihre gedanken begreiflich machen zu wollen scheint. Jacobsson 3, 376ᵇ; in der wappenkunst redende wappen, franz. armes parlantes, wappen, deren figuren eine anspielung auf den namen dessen enthalten, der sie führt;
wahrheit hat ein redend leben,
dessen kraft kein witz ersann;
was das herz hat eingegeben,
hat kein heuchler nachgethan.
Haller schweiz. ged. 175,
hier (in der fabel) malt ein redend bild die folgen unsers thuns,
das beispiel rührt das herz, und überzeuget uns
mehr, als nicht gründe thun.
Lichtwer schriften 42;
ihr redend auge scheint ihm etwas zu gestehen.
Wieland 21, 190;
es wenden die herrscher
ihr segnendes auge
von ganzen geschlechtern,
und meiden, im enkel
die ehmals geliebten
still redenden züge
des ahnherrn zu sehn.
Göthe 9, 79;
körper und stimme leiht die schrift dem stummen gedanken,
durch der jahrhunderte strom trägt ihn das redende blatt.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 88 (vgl. dazu oben 3);
im superlativ, der bisweilen in der schreibung redenst auftritt: ist der tod dort ein junger genius: warum könnte ein junger genius hier, nicht der tod sein? und musz er es nicht sein, da auszer der umgestürzten fackel, auch alle übrige seiner attributen die schönsten, redensten attribute des todes sind? Lessing 8, 220; indem ihre (der frösche) erhaltung durch so viele jahrhunderte der redenste beweis ist, dasz sie (die göttin) solche erhalten wissen wolle. Wieland 20, 253, für redendst: der allgemeine tumult der maschine, wenn die krankheit mit offener wuth hervorbricht, gibt uns den redendsten beweis von der erstaunlichen abhängigkeit der seele vom körper an die hand. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 167;
die redendsten blicke
gab sie ihm ohne antwort zurücke.
Wieland 21, 119;
aber alles geschah, was je die stärksten der worte
schreckliches nannten, oder was nie
selbst der sprachen redendste nicht zu nennen vermöchte.
Klopstock 2, 187.
16)
der infinitiv als substantiv, in verschiedenen vorher entwickelten bedeutungen, das darlegen, mittheilen, sich aussprechen: dann grosze herren das lange geschwätz uber die maszen hassen, und oft geschicht, das einer eine gute sach bei jhnen mit dem ubermäszigen reden ganz und gar verderbet. Philander 2 (1643), 67; zumahl weil es unsers achtens ein rechter ubelstand ist, wo bei löblicher gesellschaft die jüngere den alten im reden wollen vorgehen, und das gespräch allein, oder doch allezeit das erste wort haben. 282; höre, wenn du wilst mein sohn sein, must du dich im reden besser in acht nehmen. Chr. Weise erzn. 114 Braune; ich bin von dem vielen reden schon recht müde. Gellert 3, 225; sie hatte über ihrem reden unversehens lust bekommen, wieder zu handeln. Keller leute von Seldwyla 2, 334; indem sie fortwährend mit mir plauderte und mich zum reden veranlaszte. 1, 35;
treu ist er am gemüte,
im wort und reden wahr.
P. Gerhard 278, 20;
im gegensatz zum schweigen: reden ist silber, schweigen ist gold. reden kommt von natur, schweigen vom verstande. reden steht einem jungen wohl an, schweigen mehr. Simrock sprichw. 446; zum handeln oder thun:
kurz und gut, was brauchts das reden? ..
wer der landschaft alten rechten
treu bleibt, und dafür ins feld zieht,
heb die hand auf!
Scheffel trompeter 172 (11. stück).
im genitiv redens: vil redens treiben, von einer sach vil handlen, dissertare Maaler 328ᶜ; weil doch des redens kein ende wird, wenn man nicht hinter die wahre ursache des scheines kommt. Kant 2, 531; weil mit dergleichen herrn des redens immer kein ende ist. Lessing 2, 572; viele zog blosze neugier herbei, um doch zu hören, was für neue und seltsame dinge diese fremden ankömmlinge, die so viel redens von sich gemacht, auskramen würden. Schiller hist.-kr. ausg. 7, 215; ein kolossalbau, der zu seiner zeit viel redens machte. Göthe 32, 201; weil ich schon so viel redens davon machte. J. Paul biogr. belust. 1, 32; erschrocken fuhren denn doch die männer auf, viel redens war nicht mehr. J. Gotthelf erzähl. 4, 177;
ob dir redens von nötten wer,
und wer dir noch kein backen lehr,
so red mit vollem mund daher.
Grobian. N 3ᵃ (v. 3309);
das reden halten: (wer) im reden so fertig ist, dasz er im disputiren seine sachen vorzubringen weisz (auf der universität). Chr. Weise erzn. 82 Braune; das reden mit rücksicht auf die sprachwerkzeuge: weil ihr doch das reden etwas saur ankam. 197; dieser sah den nöthigenden mit starren blicken an, zum reden hatten seine sprachorgane keine zeit. Hauff Lichtenstein 1, 27; mit bezug auf reden 14, c:
wo ist die schöne lach? wo ist der trotze gang?
desz geistes lustigkeit? das spielen? der gesang?
die frewden allzumahl, die mir mein herz auszsaugen?
das winken mit der hand? das reden mit den augen?
C. Kirchner bei Opitz (1624) 185.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1887), Bd. VIII (1893), Sp. 463, Z. 31.

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Zitationshilfe
„geredt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geredt>, abgerufen am 09.12.2021.

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