Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gereichen

gereichen,
verstärktes reichen, mhd. gereichen, reichen, erreichen, das ziel erreichen, treffen, ausreichen Lexer 1, 875. nachtr. 196.
1)
transitiv, erreichen, erlangen: erligt deme wekvertigen manne sîn phert, her mûʒ wol korn snîten und ime geben, alsô verne als erʒ gereichen mag stênde imme wege mit eime vûʒe. Sachsensp. 2, 68; zu etwas gelangen: das niemant darin holz slahen sol, ausgenomen die nagsten nachpawrn ..., die ander wäld nicht geraichen mügen. östr. weisth. 1, 284, 38 (von 1494).
2)
intransitiv, reichen, langen, greifen: forder geweist, das ein claffter sal sein, wie ein mittelmessiger man gereichen kan in die fordere gelide, die weit und hohe und das scheidt 4 schuh lang. weisth. 3, 589 (von 1506); da sich alda ain todter mensch befunde, sein sie solchen zu heben und so weit ausz der straszen nach demselben zu greifen befueget als weit ainer mit ainem bschlaghammer geraicht, den er in munt nemben und zwischen der füesz ausz der straszen werfen solle. östr. weisth. 6, 334, 41 (17. jh.); bildlich: darumb alles was nur ist, sich mühesam und geschäfftig bezeuget, dahin alle dinge zielen und gereichen. Schuppius 412; dise tyrannei (Heinrichs VIII von England) gereicht letzlich an das hofgesind. Mayr epitome cronicorum (1604) 68ᵇ.
3)
reichen, ausreichen: daʒ dar weder (dagegen) die gantze gemeinde beholfen und bistendig sullent sin of den eid, als fere in lip und gut gereichen mag. chron. d. d. städte 17, 15, 4 (Mainz, 15. jahrh.).
4)
gelangen, kommen, s. reichen I, 4: wenns aber dahin gereicht (so weit kommt), aus gnedigem willen gottes, das jemand auch drüber herhalten und sterben mus. Luther 8, 344ᵃ; dieweil es so fern nicht gereicht, das jemands befunden, der sich göttliche vermanunge und predigen von irrthum nicht wolt abweisen lassen. 2, 106ᵇ; musz sie euerer, der kinder, ihrer freunde und der irrdischen dinge entberen, so dasz sie dahin gereichet, wo man keines ehegattens ... bedürffen wird. Opitz 2, 302 (trostschr.); mit den präpositionen an, auf, vor, zu: als gereichet an e. gn. mein ganz dömütiges anrufliches bitten. Butschky kanzl. 907;
wir wünschen uns ingleichen,
dasz wir doch an den ort auch mögen bald gereichen,
da keine furcht mehr ist.
P. Fleming poemata 131;
dardurch er auff den päpstlichen stul gereichte. Fischart bienenk. 218ᵃ; die mär, wie Antinous an den frembden petler fräveliche ungütige hend anglegt het, geraichten gar für die künigin Penelope. Schaidenreiszer (1537) 74ᵇ;
herr, lasz mein recht vor dich gereichen,
nim meine gantze sach auff dich.
Opitz psalm. p. 85;
groszer wasser, werden si nuͦr zuͦ im nicht
gereichen.
Melissus ps. N 2ᵇ;
geraichen zu einem orth, provenire ad aliquem locum Henisch 1505; da die materi des grinds zu dem eingeweit oder andern fürnemen innerlichen gliedern möchte gereichen. Uffenbach neues rossbuch (1603) 2, 27; weil nun der jude dem guten mann nicht die völlige summa geliefert hatte, so kunte er auch zu seinem zweck nicht gereichen. Schuppius 582.
5)
wohin seinen ausgang nehmen, zu etwas ausschlagen, sieh reichen I, 7: so jm sein kranckheit, so er newlich erlitten hat, zu dem todt gereicht hett. buch der liebe 234, 2; daher dann verursacht, dasz die curation (der krankheit) desto beschwerlicher zu gewündschter endschafft gereichen will. Weyer arzneibuch (1583) 57ᵃ; zu einem sprichworte gereichen, cedere in proverbium Hederich 1082; wie reiche leut pflegen, wenn man sie herren heiszet, können sie es für groszer demut nicht widerredet lassen, klagen sich ermer, denn die so recht arm sind: solches heiszt nicht demut, sondern ein zwifache hoffart, ein wissentliche lüg, die auch gott zu unehren gereichet. Luther hauspostill (1560) 3, 76ᵃ; wie der mensch vor der menschwerdung des worts ... kein anliegen, gedancken oder thun hatte, das nicht zu mehrer beleidigung (gottes) durch allerlei sünden und greuel gereichte. Phil. Lugd. 5, 92; welches dem königreich zu euszerstem unheil gereichen thäte. Mayr epitome cronicorum (1604) 52ᵃ; sintemal alle unordnung und unfälle zu ihrem (der hausfrau) nachteil gereichen. Butschky Pathm. 587; des keisers freundschafft solle dem denischen reich zu nutzen und zu ehren, und nicht zu schad und abbruch gereichen. Zinkgref apophth. (1639) 1, 441; das geraiche zum verderben und untergang der republicae oder gemaint. Albertinus hauspol. 7, 151ᵇ; diese überkluge sorgfalt gereichte ihm zum verderben. Schiller VIII, 328, 16;
liesz er sich aber zum drittenmal fordern, so soll es ihm selbst und
seinem ganzen geschlechte zum ewigen schaden gereichen.
Göthe 40, 32, vgl. 33 und 61;
die wohlthat gereicht mir zur gefahr. Steinbach 2, 247; was zu dessen verderben ausgedacht worden, gereichet zu dessen glück. Hederich 1082;
solch lustig grobianisch stück
gereichte jm zu groszem glück.
Hellbach Grobianus (1572) 207ᵇ;
das kan nicht zum guten gereichen. Ludwig 743; dis gereichet zum gemeinen besten. Rädlein 358ᵇ; solches wird euch zum besten gereichen. Mathesius trostpred. (1579) E 6ᵃ; ein furnemmer, tapffer mann, der seinem vaterland zuͦ groszen statten gereicht hat. Xylander Polybius (1574) vorr. 5ᵇ;
zu eurer warnung sollte sie gereichen.
Schiller XII, 435 (M. Stuart 1, 7);
zur freude, genugthuung, beruhigung, zum trost gereichen; es gereicht dir zum lob Frisch 2, 103ᶜ, zu einem lobe, zur schmach Steinbach 2, 247;
ich dächte: meine reu gereichte dir zu ehren.
Günther bei Steinbach a. a. o.;
es gereichet zur ehre und mag man sich freuen,
kinder zu haben, wie man sie wünscht.
Göthe 40, 123, vgl. 34, 96;
das wird uns gewisz zur ewigen schande gereichen!
40, 29
den deutschen mannen gereicht's zum ruhm,
dasz sie gehaszt das christenthum.
56, 109;
ob ich irdsches denk und sinne,
das gereicht zu höherem gewinne.
5, 8;
dem ganzen corps gereicht's
zum sporn, zum beispiel, macht einmal ein alter
verdienter kriegsmann seinen weg.
Schiller XII, 65 (Piccol. 1, 1).
6)
in der falknerei, gereichen, den habicht nachfliegen lassen Eggers kriegslex. 1, 1037. s. reichen II, 4, b am ende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3619, Z. 15.

gereicht, part.

gereicht, part.
zu reichen, reich machen, bereichern, s. th. 8, 591: gargereichter, preditatus, predives, valde dives voc. 1482 k 2ᵇ; auf guͦt und haab gereychet, um ein tochter gereychet. Maaler 170ᵃ; als ein fall ist vol vögel, also ist ir haus vol falsch, darumb seint sie (falsche juristen) groszmechtigt und gereicht. H. Sachs vier dialoge 50, 34 Köhler.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3620, Z. 51.

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Zitationshilfe
„gereicht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gereicht>, abgerufen am 06.12.2021.

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