Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gereisze, n.

gereisze, n.
subst. verb. zu reiszen.
1)
gereisze, frequens tractio Frisch 2, 107ᶜ:
dem der kaufman stracks nachlief,
ihn endlich beim meszgewand ergrief.
in dem gereisz sich da zutrug, das u. s. w.
H. Sachs (1612) 2, 4, 155;
denkt ihr denn, dasz ich meine armen und meine ermel gestohlen habe, wo das gekneipe und gereisze lange währet, so schliesz ich den garten zu. Chr. Weise liebesall. 98.
2)
reiszendes drängen nach oder um etwas, eifriges begehren, vgl. sich um etwas reiszen th. 8, 759: wie solt ein gereisz umb die liebe tauff sein. Luther hauspost. (1545) festtheil 67ᵃ; mehr gereisze drumb machen als die sieben griechischen städte umb Homerum. J. Prätorius Saturnalia (1663) 12; man war besorgt, das gereisze nach demselben würde dem vertriebe meiner arbeit im wege stehn. Reiske Thucydides vorrede; narr. und gar mein köstliches einziges hofamt, da ist erst ein gereisze darum! Göthe in weimar. jahrb. 5, 462;
um mich (leinwand) wird gegentheils ein recht gereise sein.
Stoppe Parnasz 146.
daher die redensart sie hat das gereisze, quilibet vult eam habere Frisch 2, 108ᵃ; ich mercke wol, dasz die zeit allmählig kömmt, da mein mädgen wird das gereisze haben. Chr. Weise freim. redner 780; auch von geschäftsleuten, bezw. ihren waaren: er hat das gereisze, viel zuspruch, kundschaft, zulauf; ich bin kein schriftsteller nach der mode geworden, der das gereisze gehabt hätte. Reiske lebensbeschr. 1; darnach scherzhaft: mein rock hat das gereisze, geht stark entzwei. Albrecht Leipz. mundart 121ᵇ.
3)
das lärmen, reizen, s. gereiz: da gieng sie zuͦ Hagen von Troy und bat in, das er die held zuͦ im neme und ein gereisz und hader anfieng, also das die hünnischen held all erschlagen würden. heldenbuch 10, 19 Keller, vergl. anhang zu Laurin 92 Schade; verschlugen sich etlich under die pruck (zugbrücke der stadt Giengen), machten ain geraisz, ob sich die gutgewinner wölten herauszlassen. Baumann quellen 1, 20; als sie abermal nahrung zu suchen ausgiengen, halff der fuchs darzu, weil er ein gereisz gegen die hunde machet, dasz der wolff desto sicherer ein schön feist jung lämlein darvon bracht. Kirchhof wendunm. 4, 273 Öst.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3622, Z. 71.

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Zitationshilfe
„gereisze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gereisze>, abgerufen am 07.12.2021.

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