Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gereste, n.

gereste, n.
ruhe, s. mhd. reste, resten neben rast, rasten: da vindistu gereste martyrologium Jenense fol. 28ᵇ (14. jahrh.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3630, Z. 23.

gerste, f.

gerste, f.
hordeum.
1)
formen und verwandtschaft.
a)
ahd. gersta, mhd. gerste, alts. gersta, ags. gerst, mnl. gherste, nnl. gerst, garst, vläm. garst, fries. (auf Wangerog) jerssen, mnd. gerste, garste, gâst, nd. gâste, gâsten, gaste, gasse, gassen Schambach 59ᵇ. Berghaus 1, 535. Schiller z. thier- und kräuterb. 3, 31ᵇ, köln. gääsch Hönig 68ᵃ. die bezeichnung gerste ist dem deutschen eigenthümlich, die anderen altgerman. dialekte sagten dafür goth. baris (erschlossen aus dem adj. barizeins), ags. bere neben gerst (schott. bear, engl. barley), nordfries. berre, bar, bär, altnord. bygg (und barr), daher dän. byg, schwed. bjugg, s. th. 1, 1138. gerste ist urverwandt mit den gleichbedeutenden griech. κρῑθή (statt *χρῑ), lat. hordeum, horrere starren, hirsutus struppig, skr. hṛshyâmi sträube mich, starre, besonders von den haaren, ghṛshṭis der eber d. i. das borstenstarrende thier; die grundbedeutung wäre demnach 'die starrende, stachlichte' wegen ihrer grannen, vgl. Kuhns ztschr. 11, 385. ebenso hebr. segorah 'gerste' nach den borstenförmigen stacheln (segar, haar) benannt, und ähnlich vom stechen ags. gorst rubus (tribulus Dief. 595ᵃ), gorstbeam juniperus.
b)
in der älteren sprache mit schwacher flexion, gen. sing. ahd. gerstun:
hert ist gerstun kornes hût.
Otfrid 3, 7, 25;
nhd. so sollen sie geben für iedes malter korns 1 malter gersten. weisth. 2, 398 (von 1506); ein homor gersten. 3 Mos. 27, 16; Boas worfelte diese nacht gersten. Ruth 3, 2;
weitzen und rokken und gärsten bringt ein!
Rist Parn. 348;
der korb mit gersten ist zur hand und kränzelein und messer.
Droysen Aristoph. fried. v. 931.
daher auch im nom. die gersten voc. inc. teut. i 2ᵃ. Maaler 170ᵈ. Krämer 539ᵇ. Stieler 605, gärsten Fischart onomasticon (1574) 111: mhd.
wicken, habern, kicher,
gersten unde lindeʒ heu.
Wolfram Willeh. 59, 3;
nhd. die gersten hatte geschosset. 2 Mos. 9, 31; noch bair.-tirol. die gerst'n Schm.² 1, 937. Schöpf 188.
c)
neben dem fem. ein masc. der gersten Steinbach 1, 591. Hupel liefl. id. 76, schon mnd. Schiller-Lübben 2, 73ᵇ, den getreidenamen der weizen, der roggen nachgebildet:
auff ein warmen tag,
als der gärsten im schwade lag.
froschmeus. 2, 2, 7 Aa 2ᵃ;
(die drescher) schlagen denn von neuem drauf,
beim gersten nehmlich, um die spitzen von ihren körnern abzutrennen.
Brockes ird. vergnügen 7, 571;
laszt uns gleichfalls nicht vergessen,
gottes weise lieb und macht
auch im gersten zu ermessen!
9, 145;
auf den äckern sahen wir schon den gersten in vollen ähren. Stolberg 8, 144; in der bedeutung gerstensuppe, gersting, s. unten 2, e und g.
d)
verkürzt diu gerst Megenberg 413, 5 fg., gerst Dief. 399ᶜ. Dasyp. E 5ᵈ. Brunfels 3, 208, gärst Fischart onomasticon 111. Stieler 605; auch in den cas. obl.: was machstu mit der gerst in der schmitten. Simpl. 2, 1, 3, 23 Keller; mit gerst gefülte fechter. Aler 910ᵃ; nix in der gerst! abweisende formel bei Frommann 5, 434.
e)
bemerkenswert ist das schwinden des s in den bair. nebenformen gêrtn, gerdn Schm. a. a. o., gerten hier und da in Östreich Pritzel-Jessen 184ᵇ, schon bei Otacher:
dew narung wer verlorn
an waicz, habern und chorn,
an gerten und an spelten.
c. 457;
auch im adj. girdn Schm., gerthyn wasser Dief. 585ᶜ aus einem oberd. handschriftl. vocab. rerum von 1420.
f)
selten im plur.: reuen dich deine gersten reime von 1562, wirf darin gersten, chindelnt die, so ... Schm. a. a. o.; die gerstnen, gerstenarten. ebd.
g)
das e der stammsilbe ist eine brechung aus ursprüngl. i, welches letztere sich vereinzelt erhielt: hd. girst, nd. girste, ordeum Dief. 399ᶜ, bair. girst, gerstengraupen Schm., besonders aber im adjectiv ahd. girstîn, s. gersten sp. 3736.
h)
die zusammensetzungen sind theils mit dem genitiv des subst. gebildet, wie gerstenkorn (ahd. gerstun korn Otfrid 3, 7, 25), theils mit dem adj., wie gerstenmehl, -brot, ahd. girstîn mele, girstîn brôt (Otfrid 3, 6, 28).
2)
bedeutung.
a)
die bekannte getreideart, sowol die pflanze als die zu graupen und grütze, mehl und brot, als viehfutter, besonders aber zum bierbrauen verwendete frucht: 'die gerste ist entweder eine wintergerste, welche im herbst angebauet wird, die sechszeilige, sechsschärige, weil die körner in sechs gleich langen zeilen oder scharen wachsen, oder eine sommergerste, und zwar entweder die bartgerste, grosze gerste, welche zweizeilig, zweischärig ist, oder die gemeine gerste, bei welcher nebst zwei gröszeren reihen noch kleinere angetroffen werden'. Höfer wb. 1, 286; sechsschichtig gersten, grosgersten, hordeum canterinum, zweischichtig, kleine gersten, galatium. vocabula rei num. (Wittenberg 1558) J 7ᵃ; gersten, so one hültschen wachst. Maaler 170ᵈ; sibirische gerste, die zweizeilige nackte gerste Krünitz 17, 435; türkische gerste, die bart-, reisgerste 432; waizene gersten, mischgetreide von gerste und weizen Schm.; haber und gersten was fast thur, 1 fiertal gersten 16 kritzer. Hug Villinger chron. 202, zum j. 1531; man sol auch kein ander korn prewen dann allein gersten. Nürnb. pol.-ordn. 268 Baader (von 1496); es sol auch gersten niemand fürkauffen dann der, der sie multzet oder prewet. 269; die gewerke sollen nicht selbst darren oder maltz machen, sondern ihre gerste mit einem brauer scheffel für scheffel austauschen. Schott land- und stadtr. 2, 100 (Rügenwalde, von 1645);
wann den schnitter in gelbliche fluren der landmann
führte, vom spröden halm die bärtige gerste zu schneiden.
Voss Virg. georg. 1, 317;
führten sie (pferde) dann in den stall, und banden sie fest an die krippen,
schütteten haber hinein, mit gelblicher gerste gemenget.
Odyssee 4, 41;
den pferden ja brachtest du haber
reichlich zuvor und schnittst ungedroschene gerste den rindern.
Luise 3, 2, v. 34;
die pferde füttern sie (Sicilianer) mit gerste, heckerling und kleien; im frühjahr geben sie ihnen geschoszte grüne gerste, um sie zu erfrischen. Göthe 28, 98; die im november (in Sicilien) gesäte gerste ist den ersten juny reif. 170.
b)
in sprichwörtlichen redewendungen: ein gewises praktisches judicium, das man freilich nicht in der gerste friszt. Schiller II, 82 (räuber 2, 3), gerstengraupen und gerstenmus waren eine gewöhnliche speise der klosterleute und schüler, vgl. Tegernseer kochbüchl. in Germania 9, 198 fg., gerstenfresser und Uhland volksl. 854:
ich solt ein nonne werden,
ich hatt kein lust darzu,
ich esz nicht gerne gerste;
es ist in der gerste geschehen, thut dem hafer nichts, scherzhafte beruhigung bei irgend einem kleinen unfall Spiesz henneb. id. 76; wo gerste liegt, darf nicht korn liegen, starke trinker sind schlechte esser. Frischbier sprichw. 1232, vgl. gerstenkorn 1; nd. en'n in de gaste hoien, einem das mädchen, die braut abspenstig machen Schambach 59ᵇ, einem in d'gerste gân schweiz. id. 2, 430; der knecht nimpt zu wie die reife gerste, hic juvenis crescit veluti quod crescere nescit. Gartneri dict. prov. 57ᵇ; der wächst als eine reife gersten, decrescit uti solet hordeum, cum maturum, dici item solet in deformes Henisch 1521, er bleibt im wachsthum stehen. schweiz. id. a. a. o., geht zur ernte, d. h. zum tode Frommann 5, 164, 176. vgl. Schiller-Lübben 2, 73ᵇ.
c)
das gerstenfeld: mhd.
ir gent (gebt) frid als ein geschiuwe (scheuche)
in einer gersten.
minnesinger 2, 94ᵃ Bodmer;
nhd. rittersporn und winde wachsen gern in der gerste.
d)
die enthülste und abgerundete frucht, die graupe: sintemal man die gersten in der mühl zu gerben oder zu röllen pflegt. Simpl. 2, 1, 3, 23 Keller; getrendelte, gerollte sive geschrotene gersten, ptisana Stieler 605; die gerändelte, geneute gerste Höfer 1, 286, s. neuen; brochne gersten, ganz kochte gersten Tegernseer kochbüchl. in Germania 9, 198. 205. 207; die geribene gersten, auch blosz gersten, girst, gerstengraupen Schm.; neugersten, perlgraupen ebd.; schwäbische oder Ulmer gerste, eine sehr feine art perlgraupen; dimin. gerstel, feine graupen aus der Zips in Ungarn. Schedel waarenlex. 317ᵇ.
e)
die aus gerstengraupen bereitete speise: eine gersten, gerstenmus Krämer 539ᵇ; eine gute gerste oder gerstensuppe Ludwig 747; die gerst, dicke gerstensuppe mit fleischigen ingredienzen Schöpf 188; gersten Tegernseer kochbüchl. a. a. o.; ain gersten in ainer milch. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 189ᵇ (von 1462);
wenn si nun ain gersten hand gessen.
teufels netz 13 471;
der marggraf ist ain arzat weis,
verpeut in alle kostlich speis
und erlaubt in muͦs und gersten.
Uhland volksl. 430, 14;
ist das nit ein gefenglich busz,
so sy (sei) mir gersten ouch kein musz.
Murner gäuchm. 940 Sch.
f)
wegen der ähnlichkeit, teig, auf dem reibeisen zu körnern gerieben und in der fleischbrühe abgekocht Schm.; die ayrgersten, zu graupen geriebene semmel mit butter und eiern. ebenda; eyergerste, alias zerfahrnes, ova in jusculo carneo minutim dissoluta Stieler 605.
g)
der gersten, auch gersting, lausitz-meiszn. getzen, ein gericht von mehl, eiern und milch, welches in der pfanne gebacken wird, und wozu arme leute nur gerstenmehl zu nehmen pflegen. Adelung.
h)
gersten, wie gerstenkorn 3, a, grando lapidosa e margine palpebrae superioris erumpens Stieler 605.
i)
der name übertragen auf andere pflanzen: amerikanische gerste, der sorgsamen oder rohrhirse, holcus sorghum Höfer wb. 1, 286; die wilde gerste, mäuse-, taubgerste, jungfernhaar, hordeum murinum Krünitz 17, 436; wilde, schwarze gerste, meisterwurz, imperatoria ostruthium Stalder 1, 441; vogelgerste, fuchsschwanz, alopecurus agrestis schweiz. id. 2, 431.
k)
dimin. das gerstel, kleines besitzthum, vermögen, barschaft, eine scherzhafte oberd. bezeichnung, da die gerste mancherorts das einzige getreide des armen mannes ist. schweiz. id. 2, 431. Hügel Wiener dial. 66ᵃ. Knothe 251.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3734, Z. 10.

gerste, f.

gerste, f.
rancor, s. gärste sp. 1375.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3736, Z. 31.

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Zitationshilfe
„gereste“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gereste>, abgerufen am 07.12.2021.

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