Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gereute, gereut, n.

gereute, gereut, n.
1)
das ausreuten:
ein volc, daʒ der wilden welde pflac
mit bûwe und mit geriute.
Konrad von Würzburg troj. krieg 6263.
2)
durch ausreuten des waldes urbar gemachtes land, neubruch, sowie gegebenenfalls der darauf stehende bauernhof, gereut landes oder neulande, novale. voc. 1482 l 8ᵇ, mhd. geriuti (dem. geriutelîn) habsb. urb. 82, 3, gereuti mon. boica 8, 147 (von 1241), geriute Lexer 1, 884, nebenformen gerœut mon. boica 12, 159 (von 1313), geruͦt Zahn urkunden des herzogth. Steiermark 1, 580. 582 (vom j. 1181), geraut fontes rer. austr. II, 16, 326, gerut, geryt Dief. gloss. 383ᵇ, geräut Weber öcon. wb. 205ᵃ, gereud, gereit, greit, gerät (plur. öfter gereuter, greuter, gereiter, greiter) östr. weisth., gerüte Mone anz. 8, 397ᵇ, gerüt Keisersberg, schweiz. grüt, dem. grütli, das bekannte Rütli am Vierwaldstättersee Stalder 2, 295:
sô tet er sich abe
bescheidenlîchen sîner habe
unz an ein geriute.
arm. Heinrich 259. 267;
er gap in ze eigen daʒ lant,
daʒ breite geriute
die erde und die liute.
1443;
darzu die welde und holczer, unser new gerewt bei Dachstetten. monumenta Zollerana 2, nr. 389 (von 1294); ze Tägervelt lît ein geriuti, heiszet ze Retschenlô, das der hêrschaft eigen ist, das giltet zeinem jâre 3 müt kernen, zem andern als vil, zem dritten nihtsniht. habsb. urbarbuch 82, 3; von wegen eines gerewts, das mein vaterlichs erb ist. Chmel urk. Max. 267; ir sollent euch uszrüten ein neuw gerüt und sollent nit seien in die dorn. novale heiszt ein neuwer gebruch. also nennet man es in Schwaben, aber ich nenn es ein neuw gerüt, der da ein neuwen bruch uffbricht der macht ein neuw gerüt. Keisersberg evangelibuch 80ᵇ; uff dem grüt. weisthümer 1, 38 (Schweiz, vom j. 1468); es sold auch kain paur noch seine kinder oder ire knecht und sonderlich kain hërwerger (miethsmann) oder tagwercher auf der gemain (gemeindewald) und sonderlich an den kaiserwalt kain gereut schlahen. östr. weisth. 6, 272, 45; greuter schlahen 287, 6; kain gereut hauen 275, 15; es soll auch kainer unser underthonen seinen söhnen, töchtern, knechten noch diernen so nit angesessen in kainerlai weg ainicherlei gereud ze hacken oder ze machen nicht vergönnen. 300, 30; ein raut oder gereit machen 1, 330, 23; das verlaubende gereut in keiner wündigen zeit zu brennen, auf dasz keine feuersgfahr zu besorgen seie. 29; deminutiv: ain grütly und ain egerden, darinne ain gruͦb gewesen, dar in dann das wasser gelöffen. Mone ztschr. 11, 113 (Überlingen, von 1462); welcher ein greit zu machen willens oder lust hette, der solle .. sich in das greitregisterl eintragen lassen, damit man wisse wivil jahr ein jeder ein greitl innenhabe und genüesse, auch wan es widerumben zu erligen sein solte. östr. weisth. 1, 449, 30. nach Schopf forstverfassung in Österreich (Graz 1854) 566 sind gereute in Steiermark solche waldplätze in gebirgigen gegenden, welche zeitweilig abgebrannt werden dürfen, um auf der aus den verbrannten reisern entstandenen asche ein bis zwei jahre nach einander korn und hafer anzubauen. Gereut, Greut, Kreut, auch in zusammensetzung, mehrfach als ortsname. s. reut, reute, neugereut.
3)
umgedeutet aus gereite, s. sp. 3626.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3632, Z. 51.

gereuten

gereuten,
ein gereute (2) machen, mhd. geriuten Lexer nachtr. 196: soll kainer in disem forst nicht schwenten noch gereuten. östr. weisth. 6, 506, 12 (von 1538); im dritten jahr soll einem jeden gemainer durch den ambtman oder förstner in gegenwart der nachbarschaft ein ort zu gereuten und säen in sonderheit auszgezaigt werden. 520, 2 (von 1607).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3633, Z. 32.

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Zitationshilfe
„gereuten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gereuten>, abgerufen am 05.12.2021.

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