Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gehrhab, gerhab, m.

gehrhab, gerhab, m.
vormund, ein wort aus ältester zeit (s. 3), bis jetzt in gebrauch.
1)
mhd. gêrhabe wb. 1, 601ᵇ, Lexer 1, 878, nhd.: gerhab vel vormund, proheres, quasi stans pro herede (ihn vertretend). voc. inc. teut. i 1ᵇ; uns und von wegen unser gemaheln als iren rechten .. gerhab und formunden. Haltaus 664 aus einem briefe des herzogs Wilhelm von Sachsen vom j. 1458; wollen keinen unsern kindern keinen fürsten ... zu gerhaben, vormunden und curatoren setzen. das. aus der Hohenlohischen erbeinigung vom j. 1511; ir kunigl. maj. Maximilian als römischer kunig und obrister gerhab. Schm. 2, 61 aus acten von 1504; die erber Ambr. Schönners tochter, der gerhaben ir seit. Chmel urk. Max. 23; demnach aber seine sone und dochteren noch in iren kindlichen jarn, verordnet er inen zu gerhaben und tutorn herrn Gotfriden freiherren zu Zimbern. Zimm. chron. 1, 513; herrn Johannsen Wörnhers kinder gerhab. 518, 26 u. o. (s. 4, 613ᵃ); der künig sin vetter, der sin vogt und gerhab sin sölt. Tschudi chr. 1, 234;
fronbotten, püttel und verweser,
anwalt, vogt, gerhab und bysesser.
Thurneisser archid. 331;
ob sie (die waisen) fremde oder von der obrigkeit gesetzte gerhaben haben. Hohberg 1, 11. 47ᵇ; im 18. jahrh. bair.: wann einer das schuhmacher-handwerk lernen will ... wann das handwerk beisammen, erscheinet des jungen vater, vormund, gehrhab oder freund (verwandter) u. s. w. kunst- u. handwerksnot. 443. auch der ehemann als gerhab der frau: mir als eurem vorgesetzten haupt und gerhaben. Abele gerichtsh. 2, 86. noch jetzt bair., östr. Höfer 1, 285, Castelli 138, tir. Schöpf 187.
2)
auch gerhaber Höfer a. a. o., Frisch 1, 343ᵃ, schon im 15. jahrh. pfleger, virmünder und gerhaber Haltaus 664 (aus dem Breisgau 1437), d. h. das alte -habe m. in seinem eigentlichen sinn (s. 3) aufgefrischt; ein gerhaber, so seine pfleglinge zu schanden bringet. Harsdörfer mordgesch. 3, 24; dero mann, um das seinige nicht zu verlieren, sich vor denen dieben zu versichern, die wirth zu seinen gerhabern gemacht, ihnen nach und nach alles aufzuheben geben. fliegenwadel 23, vermögensvormund. später anders ausgelegt: man heiszt sie auch gerhaber, weil sie der pupillen güter gern haben oder hätten. Schm. 2, 61 aus Ertel prax. aur. 1, 190, wie schon als satirisches scherzwort k. Maximilians I. überliefert wird gerhaber sind gernhaber (Scherz 529, Haltaus 664). Dazu begerhaben, vergerhaben bevormunden Schm. 2, 61, mhd. einfach gêrhaben Lexer 1, 878; s. auch gerhabe f., vormundschaft nachher.
3)
der vormund ist da benannt von gêr schosz (sp. 2546) und haben halten; vgl. noch im 16. jahrh. bei Vilmar 124, wie ein fündelkind von der finderin in den schosz oder geren gelegt wird, zum zeichen dasz sie sich seiner annimmt, an die stelle seiner mutter treten will. so führt das wort, obschon ahd. nicht bezeugt, doch in die älteste zeit zurück mit der einfachheit seiner bildung und bedeutung; es zeigt uns das bild, wie nach dem tode des hausvaters die sippe im hause zusammenkommt (vgl. zu erbe gehn sp. 2414), um die verhältnisse neu zu ordnen, und das verwaiste kind von einem der nächsten verwandten auf den schosz gehoben wird, vor der ganzen sippe, mit der rechtlichen bedeutung, dasz er an vaters stelle tritt. denn auch beim vater war das halten auf dem schosze von rechtlicher bedeutung, das zeigt z. b. der ausdruck von einem unechten sohne: he is van synre (des vaters) ghere gegleden Sch. u. L. 2, 66ᵃ, 35, d. h. er musz vor der sippe den schosz räumen, wenn der echte sohn kommt (gleiten, herunter rutschen, wie es kinder machen).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1881), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 2552, Z. 80.

gerhab, m.

gerhab, m.
vormund, s. gehrhab.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3634, Z. 2.

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Zitationshilfe
„gerhab“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerhab>, abgerufen am 05.12.2021.

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