Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gerichtsfolge, f.

gerichtsfolge, f.
1)
dienstpflicht der gerichtsunterthanen, dem gericht mit bewehrter hand hülfe zu leisten, z. b. beim aufsuchen, verhaften, bewachen und fortschaffen der verbrecher, bei waldbränden u. s. w.: weiln anietzo fast aller orten von denen unterthanen die schuldige ambts- und gerichtsfolge verweigert und gleichsam pro re turpi gehalten werden will. kursächs. verordn. vom 22. juni 1661 § 47; im fall einer einen andern, der hierinnen seine schuldigkeit erwiesen, der gerichtsfolge oder angriffs halben übel nachzureden oder zu schmähen und .. vor ehren-verlustig und einen häscher zu halten unterstehen würde, der soll mit unnachlässiger strafe, auch wohl gar mit pranger und landesverweisung angesehen werden. ebenda. dazu gerichtsfolgedienste Weber öcon. lex. 191ᵇ.
2)
die mannschaft, die diese folge leistet (s. folge 1): in der mittagsstunde langte die ganze gerichtsfolge zu ross und fusz wieder auf der burg an. Musäus phys. reisen 4, 87.
3)
die gerichtsdienerschaft: ein rechtsanwalt, der vor gericht in talar und barett erschienen war, wurde deshalb vom gericht zu 50 mark geldstrafe verurtheilt und schlieszlich durch gerichtsfolge des amtskleides entkleidet. Leipziger tageblatt 10. oct. 1890.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3659, Z. 15.

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Zitationshilfe
„gerichtsfolge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerichtsfolge>, abgerufen am 06.12.2021.

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