Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gerichtsglocke, f.

gerichtsglocke, f.
1)
glocke, die das zeichen zur beginnenden gerichtsverhandlung giebt: da die gerichtes glocke dry werve (dreimal) geluit was, erschenen ind waren geinwirdich imme gerichte zo Arwilre binnen den bencken (der amptman, der vait, die scheffenen) ind auch viel andere burgere zo Arwilre ind ander goder gelenflicher lude (glimpflicher, d. h. anständiger oder befugter). weisth. 2, 643 (von 1395); die gerichtsglock, so biszher zu den Carmeliten gehangen, damit man zu gericht und auch zu ziten storm gelut hat, wollen wir und ist unser ernstliche mainung, das die in vierzehen tagen uf ein bruckenthorne gehenckt werde. Mone ztschr. 18, 252 (Kreuznacher stadtordnung von 1495); am gerichtstag, so die gewonlich tagzeit erscheint, mag man das peinlich gericht mit der gewonlichen glocken beleuten. Carolina art. 82, s. rechtsalterth.² 840fg. und Gengler stadtrechtsalterth. 44.
2)
die glocke, welche bei der hinrichtung eines verbrechers geläutet wird, die 'armesünderglocke': es werde die gerichtsglock zu Jerusalem geleutet, dasz man den heiland .. zum gericht hinausz führe. Spee güld. tug. 716.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3661, Z. 40.

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Zitationshilfe
„gerichtsglocke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerichtsglocke>, abgerufen am 01.12.2021.

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