Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gerichtsstand, m.

gerichtsstand, m.
1)
constitutio judicii: ein richter in Buchholtz soll mit einmutiger stimme, desgleichen ein ieder schöppe zum gerichtsstande mit fleisziger wohlbetrachtung und durch unsere räthe oder befehlshabere erwehlet werden. Buchholzer statut. von 1545 bei Haltaus 674; es sollen auch die löszner und andere unnotdürftige personen, so zu einem wesentlichen gerichtsstand nicht gehörig, auszerhalb der redner und anwalde, nicht zugelassen werden. henneberg. ordn. ebenda.
2)
das gericht, welches zur verhandlung und entscheidung eines bestimmten rechtsfalles zuständig oder welchem jemand unterworfen ist, oberd. die behörde, forum competens Hayme 239. Holtzendorff rechtslex. 483 fg.: von dem gegenwirtigen gerichtzstand oder gerichtz übung, so man in latein nennt 'ab instantia judicii'. bair. gerichtsordn. von 1520 5, 12; sich an seinen gehörigen gerichtsstand wenden. der erste, der höchste gerichtsstand, die unterste, die oberste instanz. Adelung; der gerichtsstand des wohnorts, forum domicilii, der gerichtsstand des begangenen verbrechens, forum delicti commissi, der gerichtsstand der ergreifung, forum apprehensionis: nachdem ihn (Jesus) Herodes dem gerichtsstande der ergreifung überliesz. Möser phant. 4, 141; bildlich: wir traten nun beide sehr neugierig vor unsern gerichtsstand (die bibliothek, deren bücher die entscheidende auskunft geben sollten). Thümmel reise 3, 257.
3)
die verbindlichkeit, vor einem bestimmten gericht zu stehen, sein recht bei demselben zu nehmen: es habe das gräfliche haus N. eine art eines immediaten gericht-standes zu erlangen getrachtet, das ist, das recht, vor niemand anders als vor dem höchsten reichsgerichte stehen zu dürfen. Frisch 2, 118ᵃ; jemanden von dem gerichtsstande des stadtgerichts befreien. Adelung; durch die geburt erhalten sämmtliche prinzen und prinzessinnen, welche zum königlichen hause gehören, ihren gerichtsstand bei dem mit dem kammergericht verbundenen geheimen justizrath. preusz. gerichtsordn. von 1793 1, 2, § 41; das gericht, bei welchem eine person ihren allgemeinen gerichtsstand hat. civilproceszordn. f. d. deutsche reich von 1877 1, 1, § 12fg.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3678, Z. 59.

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Zitationshilfe
„gerichtsstand“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerichtsstand>, abgerufen am 06.12.2021.

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