Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gerichtsstube, f.

gerichtsstube, f.
die amtsstube eines gerichts, locus judicii Stieler 2215, das zimmer wo das patrimonialgericht eines gutes seinen gerichtstag hält und das gerichtsarchiv aufgestellt ist Weber öconom. lexicon 191ᵇ: vor zeiten hielt man gericht auf dem markt, heutigs tags in der gerichtsstube. Comenius orbis pictus 1, 257; weils hochmittag war, begaben sich richter und schöppen .. mit groszer eilfertigkeit aus der gerichtsstube zum richterlichen hegemahl ins speisegemach. Musäus physiogn. reisen 4, 43; was nur in romanen und komödien vorzugehen pflegt, sah er hier in einer unangenehmen gerichtsstube vor seinen augen: den streit wechselseitiger groszmuth, die stärke der liebe im unglück. Göthe 18, 75; mit ganz ähnlichen geheimmitteln des ererbten aberglaubens, mit welchen andere völker zum glücksspiele sich rüsten, betritt der deutsche bauer heute noch am entscheidenden tage die gerichtsstube. Riehl land und leute⁶ 309; jeden morgen, in gerichtstuben die gewöhnliche zeit der folter. J. Paul 18, 57; schwurfinger in einer gerichtstube. 63; der schulze, der so oft als ein mauerbock sich an dessen (des patrimonialgerichtsherrn) gerichtstube die hörner abgestoszen. 27, 98.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3680, Z. 22.

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Zitationshilfe
„gerichtsstube“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerichtsstube>, abgerufen am 06.12.2021.

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