Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gerichtszwang, m., vereinzelt n.

gerichtszwang, m., vereinzelt n.
(Maaler 170ᶜ) und gerichtszwange, f. (Wigand denkw. 55). vgl. gerichtsbann.
1)
gerichtsgewalt, gerichtsbarkeit, jurisdictio Dasyp. Mm 6ᵇ: derselb pfaltzgraffe, als wol, als der minst, in unsern gerichtszwang were. urk. kaiser Friedrichs III. von 1465 bei Haltaus 675; nd. und gebot öne allen intsambt und besundern von gerichtes dwange, de he over se hedde, von gnaden des hilligen rikes und so he ör förste und rechte landrichter were. braunschw.-lüneb. urk. von 1453 ebenda; mit ordenglichen gerichts zwengen uber seine unterthanen begabt. urk. Maximilians I. von 1495 ebenda; eim ieden gepüert in kriegsleuften sein ordenlichen richter, so den gerichtszwang uber sich hat, nachzevolgen, a quo quis judicatur, hunc in bellum sequitur. Chr. Scheurl in städtechr. 11, 802, 12; iedoch haben sie (drei oberste vormunder der wittiben und waisen) kainen häderischen oder genotten sonder ein willkürlichen gerichtszwang, das ist, sie urthailen in kainer sachen entlich, sonder zaigen allain an und vermanen gutlich zu dem das recht ist. 798, 24; es soll nieman über disses dinckhoffs oberkeit und güter richten, wan des bemelten dinckhoffs herrschafftstab und gerichtzwang. weisth. 4, 200; wem (als gerichtsherrn) man bekenne (zuerkenne) den gerichtszwang? 6, 649, 5 (von 1500); zu verachtung unser oberkeit und gerichtszwang. fontes rer. austriacarum 2, 2, 240 (vom j. 1469); unser oberkeit und gerichtzwang hanthaben. 241; gerichtzwang üben oder treiben. Aventinus 1, 167, 19 Lexer; gaben dobei zu erkennen, das hohe oberkeit und gerichtzwang irer stett (städte) nun fürt hin die Römer haben. Livius von Schöfferlin 15; indes loszten die landvögt umb ihr land, da fiel Cneo Domitio zu der gerichtszwang in der statt Rom, Tito Juventio kam der gerichtszwang unter den fremden. Rihel Livius (1596) 477; ich gelob und schwör zuͦ gott und allen heiligen, meinem gnedigen herrn N., und dem gerichtzwang zu N., wie mir der selb von seiner gnaden wegen inzuͦhaben, verwalten und auszzuͦrichten verlassen ist, mit getreuwem fleisz gewertig, gehorsamlich, ob und vor zuͦ sein. Tengler laienspiegel 3ᵇ; demnach sende ich (schultheis) den vilgenanten W. von myner gerichtszwange zu ewer gnaden als kais. maj. kammerrichter. Wetzlarer gerichtsurk. von 1514 bei Wigand denkw. 55; was er daselbst (auf dem reichstag) von dem gotsdienst, gerichtzwang (später gerichtsordnung) .. geordnet und gesetzt hat. Aventin. 1, 345, 11 Lexer; dieweil hiebevor wegen der bürger wachen allerlei irrung und hader entstanden, als hat man vor rahtsam angesehen, einen besondern gerichtszwangk, bei welchem alles so sich in zügen und wachen zutrüge, erörtert und geschlichtet werden möchte, zu verordnen. Schütze Preuszen 532ᵇ; der richter, als fer sich sein gerichtszwang erstreckt. östr. weisth. 6, 367, 18 (17. jh.); der richter soll bei allen hantwerchsleuten, unter seinem gerichtszwang seszhaft, daran und darob sein, damit der gemaine markt .. mit fleisch, leder, eisen, arbeisch und andern nottürften versechen werde. 370, 22 (17. jh.); durch gerichtszwang etwas erhalten, in a judicial way or by suit at law Ludwig 744.
2)
übertragen, das gericht selbst: gerichtzwang, forum Dief. 244ᵇ; so mag man die (ungehorsamen) mit acht und pann beschwären, nach gebrauch und gewonhait, wie ain jeder gerichtzwang gefreit und von alter herkommen. Tengler laiensp. 147ᵇ; die marck hat den namen von der statt Brandenburg, allda ist ein bischofflicher stuͦl und der marckgrafen gerichtszwang. Frank weltb. 59ᵃ; wo man auszer dem gerichtszwang in gemeinem gespräch ubel von einem redet. Phil. Lugd. 4, 84, neben auszer gericht auff der gassen 85.
3)
bezirk, soweit sich der gerichtszwang erstreckt, der gerichtssprengel: grentzen des gerichtszwancks. Dasyp. X 3ᵇ; in diser stat oder in andern gerichtzwengen, einem erbern rath verwant (zugehörig). Nürnb. pol.-ordn. 144 Baader (von 1487); vor langen jahren hätten die von Windsheim eine warte gehabt und gräben gezogen auff irer marck büttelstab oder gerichtszwang. Nürnberger rathsschreiben von 1490 in städtechr. 11, 560, anm. 5; alle gebot und verbot, herrlicheit und oberkeit stehet unserer gn. herschaft von Liechtenberg zu, auch hagen, jagen, vischen, runs, voglens in benanten gerichtszwang. weisth. 5, 520, 9; von wegen der güter, so Dommaczsch in des rats und stat (Torgau) weichbild und gerichtszwange allhie liegend hat. kurf. sächs. recess von 1514 bei Haltaus 675; der richter, in des gerichtszwang die that beschehen ist. landpot in Ober- und Niederbaiern 1516 14ᵇ; wo ein markt ist, allda sollen die burger in gemain allesambt, die in gerichtzwang und vogtei gesessen, in gerichtshaus ain mal im jahr zusamben komben. östr. weisth. 6, 369, 27 (17. jh.); in dessen gemarkung und gerichtszwang die verpfändeten güter liegen. Mainzer landr. von 1755 xix, § 1; wenn die gerichtszwänge verkleinert würden. Möser patr. phant. 2, 107.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3686, Z. 8.

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Zitationshilfe
„gerichtszwang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerichtszwang>, abgerufen am 06.12.2021.

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