Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerickt, part.

gerickt, part.
zu mhd. ricken, häkeln, zusammenschnüren Lexer 2, 421, geschnürt: dy manne trugen breite grosze hemde mit groszen breiten brost listen und forne gericket. Stolle thüring. chron. 189; do man schreib 1440 jar, do trugk man mentele ane snure, dy manne trugen rocke, dy woren forne zu allerdinge, und gerickte ermel. 190.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3687, Z. 73.

recken, verb.

recken, verb.,
in mehrfacher bedeutung und verwendung.
1)
strecken, von sich strecken, hervor-, herausstrecken.
a)
von den gliedern des körpers, die sonst eingezogen oder schlaff sind: recken oder strecken, tendere, extendere vel porrigere, reckung des zersz, tentigo i. libido, quia est erectio membri virilis. voc. inc. theut. r 3ᵃ;
ob nun gleich ein goldnes tuch kan den esel decken,
siht man ihn doch immer zu noch die ohren recken.
Logau 2, 152, 62;
um die kraft zu prüfen:
er schleicht aus dem gebüsch hervor (der gelähmte adler)
und reckt die flügel — ach!
die schwingkraft weggeschnitten.
Göthe 2, 77;
nicht ganz umsonst reck ich so meine glieder:
ich fühls! ich schwörs! noch hab ich kraft!
95;
von gott in bezug auf die hand, hinweisend, gebietend, befehlend: dû rahtost tîna hant, skeindost dîna chraft, unde dannan beuuarf sie daʒ sant. Notker 2, 618, 15 Piper (Cant. Moysi, 2 Mos. 15, 12);
wie? willst du, zage, nicht mehr hoffen,
als wärs um welt und dich geschehn,
und hast so oft den himmel offen
und gott den finger recken sehn?
Arndt ged. 366;
bei lebenden wesen sonst seelenstimmungen, aufmerksamkeit, neugier, verlangen, behagen u. s. w. begleitend und anzeigend: reck die oren, Pamphile. Terent. deutsch (1499) 34ᵃ (arrige auris, Pamphile. Andria 5, 4, 30); die oren recken, fleiszig und ernstlich zuͦlosen, arrigere aures Maaler 328ᵃ; aber herrn sind katzenart, streicht man sie glatt ruckenab, so recken sie den schwanz. Garg. 213ᵃ; er recket den kragen, sahe uff alle seiten. Ayrer proz. 2, 2; ich sah manchen, der in hoffnung auf ein saftiges pfand sein mäulchen spitzte, und seine glieder reckte. Göthe 16, 35;
Isegrim zeigte sich wild und grimmig, reckte die tatzen,
kam daher mit offenem maul, und gewaltigen sprüngen.
40, 215;
brüllt er (der tiger) laut,
schlägt mit dem schweif
einen furchtbaren reif,
und recket die zunge.
Schiller hist.-kr. ausg. 11, 228;
die füsze recken, bei eiligem schreiten; und davon her, in freierem gebrauch:
er fährt bestürzt zurück,
und mit zwei weit gereckten schritten
(eh eine hand sich wenden mag)
liegt er auch wieder schnarchend mitten
auf seinem kanapee, just wie er anfangs lag.
Wieland 21, 329;
der infinitiv substantivisch: wer bist du? wie bist du? wer hat dich gemacht? hierher gebracht? wer das klopfen in deine brust gelegt? den schrei in deinen hals? das recken und strecken in deine arme? Fr. Müller 1, 17 (Adams erstes erwachen);
der arme mensch verdreht mit dehnen und mit recken
sich hals und fusz, den schein von einer lampe noch
an einem fenster zu entdecken.
Wieland 21, 273.
b)
in solcher verwendung mit zweck- und richtungsbestimmungen; zu etwas recken:
das reckt nun, es will sich ergötzen sogleich,
die knöchel zur runde, zum tanze,
so arm und so jung, und so alt und so reich.
Göthe 1, 229 (der todtentanz);
einem oder etwas recken:
ich sehe sie
verächtlich schüchternen verdiensten
den rücken kehren, und ihr ohr,
mit wohlgefallen, bunter gecken
süszlallendem geschwätze recken.
Gotter 1, 444;
mit präpositionen: do man den weisen man also straft, do reckt er von im ein fusz. A. v. Eybe 2ᵃ; (wenn dem pferd das futter schädlich) das merk dabei, es pleet sich und reckt alle vier von jm. Albrecht rossarznei (1542) 20;
in sluoc einer mit bloʒer hant,
daʒ er alle viere von im rakte.
der jüngling in Haupts zeitschr. 8, 562, 397;
ferner musz man im bauen dahin sehen, dasz wann der vogel wächst, ob er auch die flügel ausz dem nest recken, oder das nest erweitern, und sonst etwas an sich bringen könne, das ihm dienlich? Schuppius 56;
an den schimmernden flüssen
recken die angelockten najaden ihr haupt aus dem schilfe.
Zachariä vier stufen des weibl. alters (1757) 13;
(wie einem vom Olymp) die schlacht bei Akzium ein lächerlich gewimmel
von fröschen scheint, die eine warme nacht
aus ihrem teich die köpfe recken macht.
Wieland 17, 53 (Idris 1, 78);
reck deine ohren zu dem das ich dir sagen wil. Steinhöwel (1555) 6ᵇ;
wer hie nach lernung reckt sein hant,
der darf nit ausz in fremde lant.
fastn. sp. 520, 8. 736, 28;
warum reckst du sie (die arme) nach mir?
recke sie nach dem Avernus!
Göthe 14, 51;
wenn er (der drache) gêt, so rekt er seine zungen für den munt. Megenberg 268, 22; den berzel in die höhe recken. Luther tischr. 19ᵃ; immer zum angriff und zur vertheidigung gerüstet, von jedem geräusch aufgescheucht, reckt der wilde sein scheues ohr in die wüste. Schiller hist.-krit. ausg. 9, 86; sô nimt eʒ (das eichhorn) ain leihteʒ holz und tregt daʒ auf daʒ waʒʒer, darauf setzet eʒ sich und recket den sterz gegen perg als ainen segel. Megenberg 158, 16; ain mensch .. reckt sein hend gegen himel. 472, 4; recket er seine hende gen himel, und bat den wunderbarlichen got. 2 Macc. 15, 21; seine hend zusamen gelegt, reckt er gen himel. Aimon bog. A; die recht hand recket er gen himel. buch der liebe 227ᵇ; enti rehhita sîna hant ubar sîne jungirun. bair. Matthäusfragm. 12, 49; (gott) recket seine hand uber sie, und schlegt sie. Jes. 5, 25; er reckt seine hand uber das meer, und erschreckt die königreich. 23, 11; hiesz der herr Mosen seine hand, darinnen er den stab hatte, über das meer recken. Luther tischr. 2, 12 Förstem.; darnach recket einer (ein frosch) sein kopf über das wasser. Steinhöwel Äsop (1569) 35ᵃ;
si racten vrôlich alle drî
gegen himele hende unde ougen.
pass. 17, 48 K.;
mit adverbien (vergl. aufrecken, ausrecken, emporrecken, hinrecken u. s. w.): er hât daʒ maul offen und rekt die zungen her für. Megenberg 164, 2; (die gans) rekt den hals auf. 169, 1; mit dem recket er seinen halsz hoch embor. Steinhöwel (1487) 111ᵇ; recke dein hand aus mit deinem stabe uber die beche und ströme, und see. 2 Mos. 8, 6; darnach sprach er (der hausherr) zu jr, fraw bring wasser her, und wäsche dem gast die füsz. die fraw kompt bald daher, und bringt wasser in einem becken, und sprach zum bäwerlin, reck die füsz herfür. E. Alberus fab. 11ᵃ; (die hunde) nach dem fleisch die nasen embor reckten. Kirchhof wendunm. 454ᵃ; da herr Posselt täglich den bloszen hintern zum fenster hinaus reckt. Göthe an Schiller 456;
reck her dan den tenken fuoʒ,
lâ dirn güetlîch abe slahen.
Helbling 7, 946;
die babylonsch hur darhinden steckt,
jhre wulfklawen herfur reckt.
Soltau volksl. 478 (v. 1628);
Thalia selber kömpt, und reckt ihr ohr hinzu.
Opitz 2, 39;
da reckte sie die hand aus in die streifen
der leichten wolken und des dufts umher,
wie sie ihn faszte, liesz er sich ergreifen.
Göthe 1, 6;
wenn du nicht selbst des freundes hand ergreifst,
die, sehnlich ausgereckt, dich nie erreicht.
9, 236;
jener (der philosoph) steht auf der erde, doch schauet das auge zum himmel,
dieser (der schwärmer), die augen im koth, recket die beine hinauf.
Schiller hist.-krit. ausgabe 11, 173;
drinnen im fels wohnt Skylla, das fürchterlich bellende scheusal, ...
auswärts reckt sie die häupter hervor aus dem schrecklichen
abgrund.
Odyss. 12, 94;
von der zunge auch bei spottenden: reckten die zungen gegen jm eraus, und spotteten sein. Luther 6, 249ᵇ; von der hand auch bei betenden, zustimmenden, gelobenden:
ûf sîniu knie er kniete dô,
sîn hende beide ract er hô:
daʒ wort er gar von herzen sprach,
'wol mich daʒ ich eʒ ie gesach!'
Lichtenstein 307, 22;
ir herren, welt ir all also,
so recket auf die hend und sprechet: jo!
fastn. sp. 447, 25;
schwur einen eid, reckt auf sein rechte hande,
das er gar nicht verschonen wolt
vatter und vatterlande.
H. Sachs dicht. 1, 222, 32 Gödeke;
von persönlich gedachten dingen, deren theile als glieder eines leibes aufgefaszt werden:
wo unser land sein haupt den Marcomannen recket (sich bis dahin dehnt).
Logau 1, 191;
da reckte manches mal aus dem bekannten chor
ein ungewohnter strauch sein seltnes haubt embor.
Drollinger 81.
c)
recken, in bezug auf dinge, die in ausgereckter hand gehalten werden: also recket Mose seinen stab gen himel. 2 Mos. 9, 23; Mose recket seinen stab uber Egyptenland. 10, 13; und der könig recket den gülden scepter in seiner hand gegen Esther. Esther 5, 2; und der könig recket das gülden scepter zu Esther. 8, 4; recket er seinen schilt in die höhe. buch der liebe 194ᶜ;
ouch etslîche ûʒ der brunst
sach man springin nidir her
in manch hundirt scharfe sper,
di dî Prûʒin durch ir gûf
kegin in dâ raktin ûf.
Jeroschin 15176;
mein, sagt doch, warumb spilet jhr?
er hat euch gut zu gwinnen an.
eur karten er all sehen kan,
weil jhr jhns also für thut recken.
J. Ayrer fastn. sp. 25ᵇ (2460, 27 Keller);
von persönlich gedachten gegenständen:
Meie, sô lâʒ dînen trôr
wurzen, daʒ si recken
rîchen bluomen schîn enbor
und die heide decken.
minnes. 3, 283ᵃ Hagen;
ein ersonnener eigenname Reckdendegen: daher heiszen sie (die alten deutschen könige) so gern Kündegen, Degenbrecht, Degenhard, Degenward, und Reckdendegen. Garg. 186ᵃ.
d)
einem die hand recken, ausstrecken, zum grusz oder versprechen, in den begriff des reichens übergehend: und kaiser Marcus Antoninus Philosophus ist vast ain güetiger fürst und demüetig gewest, hat ainem ietlichen, so bei im zu schaffen het, die hand gereckt. Aventin. chron. 1, 872, 18; gleich wie die männer von grüszens wegen gemainklich under jnen einer dem andern die hand recket (perinde ac viri inter se salutationis causa, solent dextram jungere dextrae). Alpinus Polydor. Vergil. (1537) 124ᵃ; der richter reckt jn sein hand (den parteien, zum angeloben). H. Sachs fastn. sp. 1, 55, 47; Hermannus, der könig, reckt jhnen also kranck die hand hin (zum grusze). J. Ayrer 333ᵃ (1665, 33 Keller); einem die hand recken, manum alicui tendere, er reckte ihm die hand, manum ei porrigebat. Steinbach 2, 232;
mit geracten henden bêden
er iu vriuntschaft erzeiget.
Helbling 1, 1316;
mit glatten worten hast mich bwegt,
das ich dir druff min hand hab greckt.
trag. Joh. N 2.
e)
auch sonst hat recken die bedeutung reichen angenommen; so namentlich mnd., wo recken und rêken in einander übergehen, Schiller-Lübben 3, 456ᵃ; und später, z. b. in der Altmark, recken reichen, hinreichen, und dehnen, strecken Danneil 171ᵇ; im Göttingenschen recken reichen, darreichen und ausreichen. Schambach 170ᵇ; aber auch in der hochdeutschen schriftsprache, vergl. herrecken th. 4², 1136;
(das gestorbene kind) trinkt getreift korelkonfekt,
das ein engel selbst ihm rekt.
Butschky kanzl. 856.
f)
recken, reflexiv, sich strecken, seine glieder ausdehnen: er (der rabe) recket sich und schrie kreftiglich. Steinhöwel (1555) 32ᵇ; sich recken und strecken, wenn man vom schlafe erwacht ist; sich recken, .. als die faulen, die vom schlaf aufstehen, das maul dazu aufsperren und gähnen. Frisch 2, 98ᵇ; mit adverbien: und jede faser recke sich auf zu grimm und verderben. Schiller räuber 1, 2;
was sich hier auseinander reckt,
das hat alles in einem gesteckt.
Göthe 56, 98;
wo thurm an thurm, und thor an thor,
da braust und rauscht er brav (der Rhein, bei Köln);
am pegel reckt er sich empor,
und ruft: mein schatz, alaaf!
Freiligrath dicht. 2, 152;
in der älteren sprache:
nider halb des chnieraden   an deme beine stânt die waden;
sô sich daʒ bein recche,   daʒ iʒ niene stêt sam ein stecche.
genesis in den fundgr. 2, 15, 3;
auch mehr in der bedeutung sich ausstrecken, erstrecken:
dâ nâch tet er ime die ahselun   file gelîche gescaffen.
fon dên rechent sich   zuêne arme gelîche.
14, 2.
2)
recken, dehnen, ausdehnen;
a)
in gewöhnlicher sprache, von gegenständen: diese gravitätischen zwitter von schwärmerei und heuchelei, welche, unter dem vorwande, die menschliche natur von ihren schwachheiten zu befreien, ihre grundzüge auskratzen, und ihre einfältig schöne form an einem orte stümmeln, am andern recken und aufblasen. Wieland 6, 149; von einem gliede, zu heilzwecken: auch habe er ihm (dem erkälteten hunde) thran eingegeben und recke ihm die pfote oft. Siegfr. von Lindenb. 2, 176; ein theil der leichenbesorgung war und ist es zum theil noch, dasz der todte bald nach seinem ableben gereckt wurde:
si hieʒʒen in (den gestorbenen) recchen,
si santen nâch dem phaffen,
sie hieʒen sâ schaffen
umbe geliute und umb sîn grab.
Hahn ged. des 12. u. 13. jahrh. 44, 19;
das hiesz auch ausrecken, und die ausgereckten glieder sind die todtengebeine:
wir legen nur ein gültig zeugnis nieder,
dasz ihres ehherrn ausgereckte glieder
in Padua an heilger stelle ruhn.
Göthe 12, 157.
b)
einen recken, ihn auf die folter spannen: wil einer nicht antworten, so streckten und reckten sie jn, wie sie dem in der Freistad gethan, der am palmtag widerrufen hat. Luther 3, 420ᵇ; gefoltert, gepeinigt, gereckt, gegeiszlet. Spee güld. tugendb. 469;
man recket sonst den dieb, der andren wolte stehlen:
der dieb reckt jetzund den, der was für jhm wil hölen.
Logau 1, 109, 60 ('marterfrage');
und warum will man nicht zuvor durch strenges recken
ihn zwingen, uns den grund des anschlags zu entdecken?
A. Gryphius (1698) 1, 31;
wenn er nicht selbst entdeckt
was seine faust verübt: er wäre nie gereckt,
und nie des kopfs beraubt.
2, 95;
viel hat die pein der folterbank gerecket.
157.
c)
in der sprache der gewerke: leder recken, es durch dehnen geschmeidig machen; eisen recken, das eisen durch hämmern oder walzen in die länge ziehen, oder ausschmieden, vergl. Jacobsson 3, 376;
ists (des Deutschen vaterland), wo der Märker eisen reckt?
Arndt ged. 210;
wie du (Westfale) den stahl reckst.
Freiligrath dicht. 2, 138;
wolle recken, die wolle zum gewebe für halbseidene zeuge so ausdehnen, dasz sie so glatt wie die dazu gebrauchte seide wird, vergl. unten reckschragen; zeug recken, ausdehnen, um es mit andern zeugtheilen gleichmäszig zusammenzufügen; bildlich: doch Dodsley und compagnie haben dem publico, in meinem namen, ausdrücklich hundert und vier stück (von der hamburgischen dramaturgie) versprochen. ich werde die guten leute schon nicht zu lügnern machen müssen. die frage ist nur: wie fange ich es am besten an? der zeug ist schon verschnitten: ich werde einflicken oder recken müssen. Lessing 7, 447; frischgewaschenes zeug wird vor dem bügeln gereckt, gerade gezogen, so dasz die durch das waschen krumm gewordenen gewebefäden wieder gleichmäszig liegen.
3)
intransitives recken, sich nach einer richtung erstrecken, ragen: und do der knabe entslief, do rackete ime der brief us der deschen. d. städtechron. 8, 430, 2; (die taube) brohte in irme munde ein estel in von einem oleyboume zuͦm zeichen, das das wasser also vaste gefallen were das die boume herfür racketent. 243, 15;
ach, vil zu kurcz die sewhaut ist,
sie möcht die leich nit gar pedecken,
der kopf würt oben heraus recken.
H. Sachs fastn. sp. 5, 119, 208,
nachher:
wen schon die fües auch heraus ragen.
212;
wann er (der strausz) das köfflin (köpfchen) nur versteckt,
ob schon der leib herauszer reckt,
maint, dasz man nicht könn sehen jn.
Fischart podagr. trostb. L 3ᵃ;
bair. recken, sich erstrecken. Schm. 2, 43 Fromm.; schweiz. das Jungfrauhorn reckt fast an himmel. Stalder 2, 265.
4)
recken, für regen gesetzt:
nach frumkait man wirt wenig fragen (in den letzten zeiten),
rouben und brennen ist dann recht,
dann reckt sich das magogisch gschlecht.
P. Gengenbach 55, 44;
wie umgekehrt regen für recken steht: die cardinäl regen die offene infel hin, darein wirft jhn der papst das goldt. Linck v. Colditz bapsts gepreng D 4.
5)
recken ist das ahd. recchan, prät. rehhita und rahta, mhd. recken, prät. reckete und racte, rahte, part. gerecket, geract und geraht (von dem unumgelauteten part. prät. haben sich nur im 15. 16. jahrh. spuren erhalten: distentus, geracht Dief. 187ᵇ; mit aufgerackten handen. tirol. landesordn. von 1603 bei Schöpf 542; und in dem aus rack todt sp. 33 wol umgedeuteten gerackt todt: dasz er gerackt todt zur erden fiel. Aimon bog. Z 3, mit beziehung auf recken oben 2, a); weiter entspricht goth. ufrakjan ἐκτείνειν, altnord. rekja, ags. reccan, alts. rekkian. die bedeutung des verbums war einst eine viel weitere, als im nhd.: ahd. hiesz recchan extendere, porrigere, aber auch provehere, producere, explicare, narrare, ags. reccan regere, dirigere, exponere, referre, dicere, alts. rekkian disserere, altnord. rekja retexere, solvere, explicare; auch mhd. lebt noch die bedeutung des fortziehens, welche sich selbst später mundartlich fortsetzt: bair. schweiz. ein schiff recken Schm. 2, 43 Fromm. Stalder 2, 265; ebenso die bedeutung des erklärens und sagens, von der sich ebenfalls später eine spur erhalten hat: und wurden vill schöner wort von in baiden gerecht. Wilw. v. Schaumb. 28. sonst ist im nhd. die einengung des begriffs namentlich auf die oben unter 1 und 2 gegebenen bedeutungen vollzogen; die neuere gewählte oder gehobene sprache vermeidet sogar das wort lieber als dasz sie es braucht, und setzt strecken oder dehnen dafür, vergl. dazu unter ausrecken th. 1, 930 oben. die oben angegebenen bedeutungen in den älteren dialekten thun dar, dasz der sinn von recken nicht auf der allgemeinen vorstellung des starren oder steifen erwachsen sein kann; zusammenhang mit ragen anzunehmen, verbietet schon von vorn herein die für letzteres oben sp. 59 nachgewiesene alte form hragên, und damit fällt auch die verbindung mit den adjectivformen räch, rack, rag, räh und mit regen. recken musz vielmehr mit dem sp. 340 aufgeführten verbum ahd. rehhan, goth. rikan schichten, und mit dem dazu gehörigen adj. und adv. ags. recen, fries. rekon, ahd. rechan in beziehung gesetzt werden, welches in den begriff des geordneten, für darlegung ausgestreckten und bereiten, offenen übergegangen ist und den alten sinn des verbums, wie er namentlich im alts. ags. und altnord. hervortritt, streift; recken ist naher verwandter zum verbum rechnen sp. 347, das in früheren bedeutungen (vergl. sp. 348 nr. 2. 3) auch mit mhd. recken sich berührt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1887), Bd. VIII (1893), Sp. 445, Z. 13.

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„gerickt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerickt>, abgerufen am 06.12.2021.

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