Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerieben, adj.

gerieben, adj.
part. zu reiben 2, e theil 8, 564, schlau, pfiffig, durchtrieben, verschmitzt: du bist verflucht gerieben und bist noch ein halbwachsener bengel. Arnim 1, 122; er ist ein geriebener racker. Frischbier preusz. wb. 1, 228ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 8 (1891), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3688, Z. 8.

reiben, verb.

reiben, verb.
torquere, fricare, terere.
1)
das verbum in der angegebenen bedeutung ist nur in einem theil des westgermanischen sprachgebietes heimisch: ahd. rîban, mhd. rîben; mnd. wrîven Schiller-Lübben 5, 782ᵇ neben rîven 3, 492ᵃ; nl. wrijven, vrijven terere, atterere, conterere, friare, fricare Kilian; die letzteren formen lehren, dasz ein ursprünglicher anlaut wr sich seit den ältesten zeiten des hochdeutschen in einfaches r verwandelt hat, während im niederdeutschen wrîven neben rîven (brem. wb. 3, 509. 5, 300) noch jetzt fortdauert. die bedeutung hat sich offenbar auf grund einer alten gemeingermanischen örtlich heraus entwickelt, nicht überall blieb in den einzeldialekten das verbum erhalten (ags. fehlt es), im altnordischen als rîfa, und im altfriesischen, wo es auffallender weise rîva lautet, während man wrîva erwartete, hat es den sinn lacerare, auseinander reiszen, zerreiszen, den es sich auch im dän. rive, schwed. rifva, und in dem aus dem scandinavischen ins englische gedrungenen mittelengl. riven, neuengl. rive bewahrt hat. sichere bezüge zu den urverwandten sprachen, die auf solche begriffsverschiedenheit licht werfen könnten, fehlen; aber man darf annehmen, dasz ein altes gemeingermanisches wrîban die bedeutung des gewaltsamen krümmens, drehens und abdrehens hatte, und dasz, soweit es nicht abstarb, einestheils, wie im altnord. und friesischen, sich daraus ein abreiszen und zerreiszen entwickelte, während sichtbar im alemannischen und bairischen theile des oberdeutschen sprachgebietes, vielleicht auch anderweit, der sinn zu einem drehen, wenden, umschlug, aus welchem letzteren erst der später geläufige und heute in der schriftsprache allein noch vorhandene des reibens hervorgieng, der ja auf der bewegung des drehens zum theil beruht.
2)
reiben, für drehen und wenden, in oberdeutschen mundarten noch heute, in mehrfacher ausgestaltung.
a)
etwas reiben, drehend bewegen: schweizerisch reiben drehen, umreiben umdrehen Stalder 2, 267; die nasse wäsche reiben, das wasser auswinden, aquam e linteis lavatis extorquere. Frisch 2, 102ᵇ als alemannisch; bairisch den hahn am fasse aufreiben, zureiben, den zeiger an der uhr zurugk reiben; nasse wäsche ausreiben; einem den degen aus der hand reiben u. a. Schm. 2, 7. 8 Fromm.;
sanct Christoph schiebt kegel;
blitz, der versteht die regel:
kaum reibt er seine kugel aufs bret,
sein alle neun kegel labet.
Marcelin Sturm (geb. 1760) ebenda s. 7;
ebenso tirolisch die pîp (spund am fasse) reiben, den schlüssel umreiben Schöpf 544; in Augsburg:
oft wünschten jr vill, es sollen
tausend teufel die wucherer hollen
und ihnen den kragen reiben umb.
Holzmann theuerungscarmen (gegen 1570) bei Birlinger 372ᵇ;
einen umreiben, umdrehen, bei H. Sachs:
du kraftlose, wo wiltu pleiben?
ich wil dich mit einr hant umb reiben,
das du daumelst in jene ecken.
fastn. sp. 6, 70, 146;
auch obscön:
wen di maid das viech auʒ treibt
und si da hinden peleibt,
so wirf ich sei nider
und schütt ob ir mein gefider
und reib ir spanlang chleten in den part.
Erlauer spiele 3, 134 Kummer.
b)
ein älteres reiben, hinein reiben, von einer unschmackhaften speise und übertragen von vorwürfen, kummer, ärger, die man 'hinunter würgt', geht wol von der bedeutung a aus:
der mann schwig, jr auch das vertrug,
das er sie weder schalt noch schlug;
dacht: ist gut, das ichs in mich reib.
B. Waldis Esop 3, 98, 39;
reibts hinein (ihr mägde, wenn ihr gescholten werdet) und esset ein stück brod darauf. mägdelob 62.
c)
auch von der drehenden bewegung des fuszes beim tanzen:
der vierde daʒ ist Küenzelîn der weibel ..
der uns zuo dem reigen vil getrîbet.
an der schar ist er ein rehter treibel.
gefuoclîch er zispet (geht schleifend);
mit dem fuoʒe er schupfet unde rîbet.
Bartsch Schweizer minnes. 129, 28.
d)
reflexiv, sich reiben, mit näheren richtungsbestimmungen, sich wenden, kehren:
lieber, lust dich mein, so reib dich heran!
ich main, ich woll dir manns genug sein (bauer zu einem gegner).
fastn. sp. 38, 5;
do het ich gen einr ain sollichs gefell,
das ich mein, wer ich lenger da pliben,
ich wolt mich pas mit ir han zuo geriben.
334, 1;
drei tag das schieszen imer wert (1547 bei Ingolstadt),
den kaiser auszutreiben,
gleich wie die katzen umb den herd
theten sichs umbher reiben.
Hildebrand volksl. 218;
sich umreiben, umwenden, umkehren Schm. 2, 7 Fromm.
e)
uneigentlich, reiben, zum nutzen drehen, wenden: schwäb. reiben zum vortheile richten Schmid 429; man wirds ihm reiben, man wird seine vortheilsüchtige absicht befriedigen (ironisch). ebd.; schweiz. umereiben, herumdrehen, er hat umgerieben, gemäkelt, waare um waare getauscht. Stalder 2, 267; vergl. dazu abreiben in der bedeutung abschleifen, verfeinern, glätten (wie durch drehen und wenden), abgerieben, fein, schlau, verschlagen th. 1, 88 (aus oberdeutschen quellen); von Oberdeutschland her ist allgemein geworden das erst der neuesten täglichen rede angehörige gerieben in gleicher bedeutung: ein geriebener kerl, ein geriebener geschäftsmann; vergl. auch durchrieben th. 2, 1659; in Tirol ein abgeribener, verribener mensch, ein verschlagener, durchtriebener. Schöpf 545.
3)
reiben, mit drehender oder wiederkehrender bewegung einen oder etwas fortgesetzt berühren: fricat rîpit Steinmeyer-Sievers 2, 628, 50; fricavit gireip, reip 256, 35; fricare reiben, rîben l. gnîden Dief. 247ᵇ.
a)
einen oder etwas reiben, um zu reinigen oder glänzend zu machen: reiben, fricando purgare, scheuern, fegen, als die teller im aufwaschfasz, den boden mit strohwischen. Frisch 2, 102ᵃ; reiben, fricando purgare et polire, als kupfer, messing, zinn. ebenda; reiben, fricando laevigare scabritiam, pumice expolire. ebenda; das reiben der zähne, frictus dentium. 102ᵇ; das zinnen geschirr zuo riben und zuo fegen. Keisersberg postill 3, 80ᵇ; dein geburt ist also gewest, dein nabel, da du geborn wurdest, ist nicht verschnitten, so hat man dich auch mit wasser nicht gebadet, das du sauber würdest, noch mit salz gerieben. Hes. 16, 5; die wäsche reiben, beim waschen, um den schmutz herauszubringen, reib ordentlich, sagt die hausfrau zu der wäschewaschenden magd; (grosze halskragen) zu bauchen, zu pläuweln, zu schlegeln, zu reiben, auszzuwinden, zu stärken und aufzuziehen. Garg. 113ᵃ;
mein fraw hat jetz nit wol der weil,
sie hat zu wäschen und zu reiben,
oder muͦsz bei den kinden pleiben.
Grobian. Q 2ᵇ (v. 4068);
mit farben reiben, mit kreide reiben, als das leder, cretam affricare corio idque ca dealbare. Frisch 2, 102ᵃ; ein kleid, ein stück zeug reiben, um es vom schmutze zu reinigen;
der alte mann
steht lautlos, und in seiner noth
aufs neu beginnt das kleid zu reiben,
als sollte nicht ein stäubchen bleiben.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 334;
teller reiben an einem tuche, aber auch mit acc. an ein tuch:
doch soltu (beim zweiten gange) vor den deller wüschen,
den du vor hast beschmiert allein,
und reiben an das dischthuͦch rein.
Grobian. M 2ᵇ (v. 3014);
oder sonst zu anderm zwecke, vielfach mit näher bestimmenden zusätzen: Plinius spricht, der ein holz reib mit etleicher mervisch lungen, daʒ prünn sam öl. Megenberg 30, 19; das fleisch mit salze reiben, carnem sale confricare. Steinbach 2, 260; an etwas, auf etwas reiben: an etwas reiben oder ficken, affricare, zerings umb reiben, circumfricare. Maaler 331ᵇ; nam .. ein guͦte grosze schnitten brot, reib ein guͦt theil salz darauf, huͦb an und asz dasz ganz gütigklichen inn sich. Wickram rollw. 108, 11 Kurz; zwei hölzer gegen einander reiben, um feuer zu entzünden; ein streichholz an der reibfläche eines schächtelchens reiben; durch das reiben werden flächen warm und heisz; dasz zwei kalte körper mitten im winter durch anhaltendes reiben zuerst in wärme, hernach in hitze, und endlich in glut gebracht werden können. Hebel 3, 155.
b)
gern von körpertheilen: reiben, scalpere, fricare, alpagare. voc. inc. theut. r 3ᵇ; die nase reiben, nasum fricare. Steinbach 2, 260; die waden reiben, suras confricare. ebenda; die hände an etwas reiben (verschieden von unten d):
und wirt damit (mit dem tischtuche) gedeckt der disch,
dasz jeder dran sein deller wisch,
und wol beschmierte feiszte hend
dran reiben könn an alle end.
Grobian. M 2ᵇ (v. 3020);
die hände reiben, beim waschen:
arzt. was macht sie jetzt? seht, wie sie sich die hände reibt!
kammerfrau. das bin ich schon von ihr gewohnt, dasz sie
so thut, als ob sie sich die hände wüsche.
Schiller Macbeth 5, 1;
man reibt namentlich juckende oder kranke gliedmaszen, oder die glieder einem ohnmächtigen: do kamen die weiber und die megdt im haus, die rueben (so für rieben) ime die hendte und die arm, bisz er widerumb ein wenig zu im selbs kam und erwarmet. Zimm. chron. 3, 311, 3; es hat mich eine mücke auf den fusz gestochen. nun juckt mich das schienbein abscheulich; und wenn ich es reibe, so wird mir das bücken und das reiben sauer. Gellert 3, 246; so das gefühl. am ganzen körper ausgebreitet, musz es unaufhörlich irgendwo berührt und beschäftigt sein ... wäre es auch nicht, so kommen wir ihm abermals durch unwillkührliches reiben oder streichen der hand, durch sanften druck und kratzen zu hülfe. Hebel 3, 187; sie .. rieb mir die schläfe mit einem gewissen balsam, so dasz ich mich geschwind und entschieden gestärkt fühlte. Göthe 23, 80;
mir liebet die minniklich, die rain
mer, denn reiben an dem schinpain.
fastn. sp. 632, 11;
der engel (in Gethsemane) fleucht in eil ..
auf ihn, den herren, zu, reibt seine blassen wangen,
ertheilt von neuem ihm den athem zu empfangen.
A. Scultetus bei Lessing 8, 297;
man reibt ihr schlaf und puls; kein leben ist zu merken.
Gellert 1, 57;
und unten im saale da knöcheln frisch
Schaumburger grafen um leut und land;
graf Simon schüttelt den becher risch,
und reibt mitunter die knisternde hand.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 206;
Petrus kümpt und reipt den kopf, spricht:
mir thüet der kopf so grausam we,
das ich kaüm auf den füesen ste.
H. Sachs fastn. sp. 6, 57, 137;
es heiszt auch einen an den händen, an den fuszsohlen, an den schläfen reiben;
Jago. der general hat die epilepsie;
dies ist seit gestern schon sein zweiter anfall.
Cassio. so reib ihn um die schläfe!
Shakesp. Othello 4, 1;
scherzhaft bildlich ist einem die schienbeine reiben, um die lahmheit der bewegung zu vertreiben, ihn fliehen machen:
sonder dem find, wo er wer bliben,
het man im die schinbein für die leme geriben.
H. Salat 106, 556 Bächtold;
einem die ohren reiben, sie gleichsam dadurch künftig für das hören der befehle empfänglicher machen, einen hart tadeln, aber die handlung wird wirklich auch ganz sinnlich vollzogen, z. b. von einem lehrer an einem unaufmerksamen schüler; der bösen ohren aber mag man wol etwas reiben. pers. baumg. 1, 6; und schrie aus ungedult gewaltig, bisz dasz mein vater mich vernahm, zu sich rief und mir die ohren lustig riebe. 9, 16; bitte, er reibe ihnen die ohren recht. Wallenstein br. 92; auch in anderm sinne, belästigend einem in den ohren liegen: einem die ohren mit etwas reiben, saepe objicere alicui aliquid, repetendo rem odiosam, molestum esse alicui, pervellere aures. Frisch 2, 102ᵃ als volksmäszig derb; einem den buckel, den rücken reiben, verhüllend für prügeln (was aber auch ursprünglich als ein baderscherz gemeint sein kann, vgl. unten f): soll ich dir noch einmal den rücken reiben? Arnim schaub. 1, 29;
kanst du aber nicht bleiben,
solst du wissen von mir:
ich will dir den buckl reiben.
du solsts empfinden schier.
J. Ayrer fastn. sp. 110ᵇ (2890, 14 Keller);
dafür einem die näthe reiben, des rockes nämlich, die auf dem rücken hinlaufen:
schlug jhn mit feusten also trucken,
auf seinen kopf, und seinen rucken,
auch ins gesicht, und rib jhm die näth.
L. Sandrub kurzweil 196.
c)
einem kranken reibt man scharf riechende sachen unter die nase, um ihn aus einer ohnmacht zu wecken und sein bewustsein wieder rege zu machen; dies bildlich verwendet: einem was unter die nase reiben, alicui aliquid verbis aculeatis objicere. Steinbach 2, 260; einem etwas unter die nase reiben, exprobrare alicui aliquid, facere ut sentiat. Frisch 2, 102ᵃ als volksmäszig derb; wart nur, ich will dir deinen an mir verübten lumpenstreich, deine verfluchte verrätherei so unter die nase reiben, dasz es dich gereuen soll! armer mann im Tockenb. 123.
d)
das reiben gewisser körpertheile zum ausdruck von seelenstimmungen; die hände reibt man vor vergnügen, aber auch vor verlegenheit: indem er mit geriebenen händen und frohem angesichte wieder herein trat. Engel Lorenz Stark cap. 28; dann erzählten sie mir alle drei, sich fröhlich die hände reibend. L. Steub bilder aus Griechenland (1885) s. 87;
hoffnungslos reib ich die hände,
nimmer bring ich es zu ende.
Uhland ged. 149;
oder wenn man frost empfindet:
da rannte sie durch das gestöber,
stieg auf den taubenschlag, und pustete, rieb sich die hände,
steckte sie unter die schürz, und schlug sich über die schultern.
Voss 2, 285;
die augen reiben, um klarheit des sehens und erkennens zu erlangen, und schlaf und dunkelheit des gesichts zu vertreiben: die augen ryben dester ee ze erwachen oder munter ze werden, somnum detergere pollice. Maaler 339ᵇ; die augen reiben, terere oculos. Stieler 1578; aber es wird nicht lange dauern, und der gott erwacht, und reibt sich die verschlafenen augen, und lächelt. H. Heine 1, 209; diesz sind ja meine augen! und ich mag sie reiben wie ich will, so zeigen sie mir doch immer diese zwei schönen kreaturen. Wieland 11, 253; die stirne reiben, beim nachdenken oder um sich zu ermuntern, im denken klar zu werden: wenn mir nur nicht, versetzte Eduard, indem er sich die stirne rieb, bei alle dem, was du mir so liebevoll und verständig wiederholst, immer der gedanke beigienge, durch die gegenwart des hauptmanns würde nichts gestört. Göthe 17, 11;
war das ein traum? wo bin ich? ruft
der gute mann, und reibt die stirne.
Wieland 18, 228;
und was bei guten oder bösen
ein frommes mädchen wagen kann,
wiewohl sie oft darum die stirne sich gerieben,
war stets ein räthsel ihr geblieben.
21, 318;
betroffen, sprachlos, steht der junge ritter still,
reibt aug und stirn, wie einer, im erwachen
aus einem schönen traum, sich sucht gewisz zu machen,
ob das, was ihn mit solcher lust erfüllt,
was wirklichs ist, ob nur ein nächtlich bild?
22, 87 (Oberon 2, 53).
e)
daher auch schlaf, traum aus den augen, von der stirne reiben: Druys begegnete (antwortete) ihr: sie möchte ihr (sich) diesen süszen traum aus den augen reiben. Lohenstein Armin. 2, 523ᵇ;
tief holt er wieder luft und rieb
sichs klar vor aug und stirne.
Bürger 53ᵃ;
vom auge reibt er sich des schlummers flaum.
Geibel werke 1, 86.
f)
das reiben der gliedmaszen, als gesundheitsfördernd, vorzugsweise im bade, mit händen, tüchern, striegel oder bimsstein (vergl. reibstein): unter andern zur gesundheit dienenden mitteln, ist auch das reiben und streichen der gliedmaszen, nicht allein von den alten, sondern auch von den jetzigen gelehrten und medicis für eine nicht kleine beihülfe gehalten worden. die jenigen, so die orientalischen reisen beschrieben haben, melden sonderlich von den türkischen bädern, dasz sie den ankommenden badgästen die glieder, arm, hände, schenkel und ruckgrad mit streichen und gelinden tretten also einrichten, dasz sie sich darauf wol disponirt befinden; haben auch die alten Römer .. ihre strigiles, .. so wohl die armen, hals und schenkel, als auch umgekehrt den ruckgrad zu reiben gehabt. Hohberg 1, 167ᵃ; daher sind auch etliche medici der meinung, dasz dieses reiben und streichen die glieder völliger und fleischiger mache. 167ᵇ;
rîben und begieʒen
füeget nâch der leche wol.
Seifr. Helbling 3, 62;
ach beder, lieber meinster mein,
wilt du daʒ wir beliben,
du solt uns lassen riben.
die hüt byszen uns ser.
meisterges. in der Germania 5, 216;
also vand er so zehand
ein altes weib, daʒ er derkand,
die chond waschen und auch reiben.
ring 17ᵃ, 17;
wer in dise batstub sitzt
und nur ein wenig din erhitzt,
das er nur cleine tropfen schwitzt,
so muos ich in ein wenig reiben
dan sie nit lang im bad bleiben.
Murner geistl. Badenfahrt 41;
wer sich hie reiben laszt im bad
und spricht: schon, nun tü süberlich!
ich bin erzogen zarticklich:
darumb solt ir die negel sparen,
uber mein leib nit so grob faren.
45;
so er die fies im bad mir reibdt.
72;
vom frustuck soll man gahn
ins bade dann,
da laszt uns reiben
von schönen weiben,
unser kurzweil treiben.
Garg. 96ᵇ;
vielfach bildlich verwendet (wie auch Murners Badenfahrt das gesammte baden mit dem reiben geistlich ausgedeutet wird):
vor hab ichs narrenschiff gedieht,
mit groszer arbeit uff gerieht
und das mit doren also geladen,
das man sie nit durft anders baden,
ein yeder het sich selbs geriben.
S. Brant narrensch., protestation 5;
gar mancher umb solch synden sitzt (in der hölle),
den man oft ribt, so er nit schwitzt.
20, 22;
sie (handwerksleute beim disputieren) hend mir gebürstet,
des ich mein,
und alls mit heiliger gschrift allein;
darneben ouch mich gfatzt, umbgetriben,
ich ward noch nie so wol us geriben
in der badstuben (ein geistlicher spricht).
N. Manuel 40, 208 Bächtold;
das mhd. geribeniu varwe, geribeniu schœne meint die durch das reiben in der badestube erlangte flüchtige röte und glanz der haut:
liebi, diu gekoufet ist,
geribniu varwe (und geribni schœni var.) valscher list,
dar an gelît kein stætekeit.
Boner edelst. 39, 40,
vergl.
badstubenvarwe diu zergât,
siu diu natiurlîche gestât.
75, 33;
über einem den rücken, buckel reiben vergl. oben unter b.
g)
studentisch einen salamander (s. dort) reiben, bei den commersen, mittels reiben der biergläser auf den tischen; in letzter zeit auch semester reiben, subst. das semesterreiben, bei welchem die rücksichtlich der semester gleichaltrigen sich erheben und vereint einen salamander reiben.
h)
reiben in erweiterter fügung, mit prädicativem adjectiv, in den fällen a-f: die teller, das messing blank reiben; sich die hände warm reiben; ein alten kessel kann man nicht weisz reiben. Lehmann flor. 1, 17; einem die ohren voll reiben, sensus alicujus injuriis confricare. Steinbach 2, 260; er rieb mir die ohren voll, pervellebat mihi aures. ebenda; die augen rot reiben, beim weinen:
der knecht weint, rieb sein augen rot;
die beurin sprach: was ist dir doch?
er sprach: unser bauer ist tot.
H. Sachs dicht. 1, 178, 26 Gödeke;
ich reibe rot die augenlieder,
die sich an zähren wol gelabt.
G. H. Schreiber nachschöszlinge (1664) 54.
4)
reiben, auch reflexiv und in mehrfacher verwendung, nahe zu der vorigen (3).
a)
sich reiben, von belebten wesen, beinahe wie kratzen oder krauen: reiben, kratzen, adhibere frictionem, terere, fricare. Maaler 331ᵇ; was reibstu dich, quid te scabis et scalpis? Stieler 1578; sich an ein ding, neuer an einem dinge reiben, namentlich von thieren: die vischær .. werfent eisnein rechen auf, dar inn beslahent sich die delphin und reibent sich an den sant dâ mit, also die rechen in ir flaisch gedrukt werdent. Megenberg 251, 1; die äll reibend sich oder streifend sich an den felsen, anguillae atterunt se scopulis. Maaler 329ᵈ; sich an einen baum reiben, costas arbore fricare, arbori affricare. Stieler 1578; die esel reiben sich an die dornen, asini atterunt se spinetis. ebenda; die schweine reiben sich an die steine und bäume, adfricant se sues arboribus et saxis. Frisch 2, 102ᵃ;
das sich die seu wurden umb in reiben,
als umb den paldrian die katzen.
fastn. sp. 215, 30.
b)
dann besonders von menschen, in anhaltender berührung streifen:
aber wo alle sich drängen und reiben,
da ist für menschen im land nicht zu bleiben.
Rückert 217;
sich an einem dinge reiben: er hat sich an der wand gerieben und ist ganz weisz geworden; älter sich an ein ding reiben:
wer sich an alte kessel reibt
der empfahet gerne ram.
Uhland volksl. 334;
vorwar nit unbeschmitzet bleibt,
wer sich an alte kessel reibt.
B. Waldis Esop 4, 8, 86,
als sprichwörtlich, vergl. unter rahm sp. 63; ebenso: ob man schon nicht von den schönen isset, so reibt man sich doch gern dran. facet. facet. 439;
ob schönheit gleich nicht nähren kan,
so reibt man sich doch gerne dran.
Logau 3, 71, 82.
c)
häufig namentlich sich reiben in dem sinne sich feindlich streifen, feindliche berührung mit jemand suchen; vergl. dazu unten reiberei.
α)
es hiesz zunächst sich reiben an einen: sich an einen mit gewalt reiben, ansam omni modo quaerere rixandi, causam et materiam litium dare, impudentissime aliquem aggredi, adoriri. Stieler 1579; er reibt sich an mich, me experiri vult, me moleste adgreditur, irritando me provocat, ansam rixandi praebet, materiam litium dat. Frisch 2, 102ᵃ; als nun Galmy mit diesem .. so unzüchtig umbgangen war (er hatte ihn vom pferde herabgestochen) sich niemandt desselben tags mehr an jn reiben wolt. Galmy 73; es were ein alberer vorsatz, das ein so reicher könig sich an sie arme leut reiben wolte, von denen er leicht groszen schaden empfangen könte, da jhm hingegen der sieg keinen nutzen brechte. Zinkgref apophth. 1, 411;
hinfürter hats mit mir kein fahr,
fürn feinden werd ich wol bleiben,
die sich wölln an mich reiben.
B. Waldis psalter 22ᵃ;
wer will sich an jn reiben?
33ᵃ;
fürwar dein trotzig prall
ficht mich nicht an ganz überall;
ich achts gering, darumb ich mich
jetzund vorwar nicht reib an dich.
Esop 1, 82, 18;
für mir magstu wol narrheit treiben,
ich werd mich gar nicht an dich reiben (das wilde schwein zum esel).
E. Alberus fab. 78ᵃ;
und weil sie (das böse weib) thut der eifer treiben,
dörft sie sich der masz an euch reiben
mit bösen worten, schenden und schmehen.
J. Ayrer 425ᶜ (2137, 21 Keller);
gedacht: ich wil dirs wol eintreiben,
solt dich bald nit mehr an mich reiben.
Huldr. Wolgemut Esop. 1, 117;
dann will er (der löwe) weiter nicht in seiner höle bleiben,
jagt auf, was würdig ist, an das er sich mag reiben,
dem dringt er auf den leib.
Opitz 1, 14;
frevel, boszheit, tolpelei,
hoffart, neid, trug, schinderei
hat sich oft an euch gerieben.
Logau 2, 244;
und kanst es unbewegt ansehen,
was man für jammer mit ihr (der geistlichen braut) treibt,
wie jedermann sich an sie reibt.
S. Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 150;
herr wirt, wir bitten dich, lasz doch dein künsteln bleiben,
in welchem sich Neptun musz an den Bacchus reiben.
J. Grob versuchgabe (1678) s. 52;
wir haben alle sparren,
wer sich an andre reibt, der zeigt den grösten narren.
Günther 485;
auch in bezug auf einen ort: da es dir aber daran gelegen, so wisse, das wir an einem orth in unserem land unserer vorälteren begräbnus haben, wan du dise erreichen würst, so versuche dich daran zu reiben, alszdan wirstu erfahren, ob wir umb dieselbe mit dir fechten werden oder nicht. Zinkgref apophth. 1, 420; und in freierer fügung:
so ist man doch gewis, dasz gottes wort besteht,
dasz seine burgerschaft und statt mus lustig bleiben;
die höll wird ihre macht umsonst an solche reiben.
Rompler 30.
β)
aber auch, und jetzt durchaus, sich reiben an einem: sich an einem reiben, experiri aliquem. Steinbach 2, 260; ich will mich deszwegen noch einmal an ihm reiben, inultum id nunquam a me auferet. ebenda; es durfte sich nun zwar niemand öffentlich an mir reiben. Felsenb. 2, 416; sich mit seiner philosophie an andern reiben, d. h. disputiren. Kant 3, 398;
die Ungarn habt ihr wölln auftreiben,
an ihrem könig sich zu reiben.
Opel u. Cohn 28, 58;
hätt ihr ihn lassen zuvor mit ruh,
in Mäheren wär er geblieben
und hätt sich nit an Wien gerieben.
28, 70;
graf Heinrich von dem Berg erhub sich abzutreiben
das fest vergraben heer, dorft aber sich nicht reiben
an diesem kühnen volk.
Rist poet. lustgarte B 2;
du kanst den traurgeist gahr gewisz
ausz meinem herzen treiben,
dasz er, wen du bei mir nur bist
mit deiner güht, herr Jesu Christ,
an mir sich nicht darf reiben.
himl. lied. 2, 128;
uneinigkeit,
zank, hasz und neid,
der lügen rauch
die müssen auch
an mir sich nimmer reiben.
3, 180;
er will sich an scribenten reiben,
nur weil er selbst kein lob gewinnt.
Hagedorn 3, 105;
dem herrlichen compan, der nie bei einem schmause
vorsetzlich fehlt, und nie dem, der sich an ihm reibt,
trunk gelt es, oder witz, die wette schuldig bleibt.
Gotter 3, ⅬⅩⅩⅠⅠⅠ;
sich an eines kappe reiben:
will sich ein jeder narr an meiner kappen reiben,
so werd ich wohl nicht lang ein groszer junker bleiben.
Kongehl Phönizia (1683) 27.
d)
solches sich reiben bisweilen auch ohne den scharfen sinn der feindlichen oder gegnerischen berührung: Deuterius sahe alsobald dasz sich zwei narren an einem tische nicht schicken würden, drumb ribe er sich an den langen Lampatinus und wolte mit ganzer gewalt ein kämmergen bei ihm mieden (d. h. seinen platz ihm ablisten). Chr. Weise kl. leute 43;
wer ist so stark wie gott? der, der an jhn sich reibet
durch zuversicht, und stets an jhm behangen bleibet:
der alles sonsten zwingt, den zwingt ein solcher geist
der sich auf glauben nur und auf geduld beweist.
Logau 1, 200, 22.
e)
sich reiben, mit dinglichem subject, reibend streifen (vgl. oben b): dumpfiges rasseln wie von harnischen, die sich aneinander reiben. Schiller Fiesko 4, 3;
Barry (der hund) voran, obgleich in scheiben
und schollen sich die zotten reiben.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 322;
so ruhig wie ein felsenriff,
an dem sich ächzend reibt das schiff.
403;
reibend eindringen:
von der selben letzen
muoʒ daʒ herze smetzen (reden),
sô sich diu süeʒe darin rîbet,
diu daʒ sûr ûʒ vertrîbet.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2682;
im substantiv gebrauchten infinitiv ist das reflexive fürwort unterdrückt: ich lebe ganz glücklich in anhaltendem reiben und treiben des lebens. Göthe an Lavater 31;
und wieder hört man durch die stille
der mäntel reiben an den kappen,
des tritts geklirr des alpstocks klappen.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 330.
f)
sich reiben, in erweiterter fügung, mit angabe des erfolgs: sich müde und matt reiben, sich blank, warm reiben; warum soll sich mein schmerz am schmerz eines mitgeschöpfs nicht stumpf reiben dürfen? Schiller Fiesko 5, 13.
5)
reiben, reibend zerkleinern: (ih) rîbu, tero. Graff 2, 355; chleino sol man rîbin, daʒ er in sîn ouga sol sâiin. Steinmeyer-Sievers 2, 54, 9;
du solt in dîn korn gân
und solt des roggen rîben.
minnes. 2, 148ᵃ Hagen;
terere riben, reiben neben zureiben, zerreiben, nd. wriven, towriven Diefenb. 579ᵃ; und es begab sich auf einen aftersabbath, das er durchs getreide gieng, und seine jünger rauften ehren aus, und aszen, und rieben sie mit den händen. Luc. 6, 1; so nim mandeln .. reibe oder stosze die klein .. zum dritten theil reib grüne petersilien aufs kleineste. Coler. hausb. 1, 123; nim ganz geschelte zwippeln .. schütte sie in einen reibetopf, reibe sie klein. 150; reibe auf einem reibeisen altbackene semmeln. 153; nim .. zehen eyer, und schlag sie in einen topf, und reib darein eine muscaten. 169; farbe reiben, terere colores. Stieler 1578; geriebener mohn, papaver friatum, geriebene semmeln, similagines, sive similae comminutae. ebenda; den kalk reiben, calcem conterere. Steinbach 2, 259; ein kraut zu pulver reiben, herbam in pulverem conterere. ebenda; er reibt die krebsaugen im mörsel, lapides cancrorum in mortario disterit. 260; geriebenes pulver, pulvis contritus. ebenda; reiben, auf einem reibeisen, als muscatnüsse, brod, käse, zucker, radere. Frisch 2, 102ᵇ; geriebener toback, folia herbae nicotianae descobinata, geriebener käse, caseus descobinatus. ebenda; reibblech oder reibeblatte, worauf das erz klein gerieben wird. Hübners handlungslex. 1536; darinnen (in dem reibpfännel) er .. das erz zu mehl so klar reibet, dasz es durch ein haarsieb gehet. Jacobsson 3, 385ᵃ;
das mahl euch wer es mahlen kann!
ich rühre keinen pinsel an,
und wenn sankt Lukas mir dazu die farben riebe.
Wieland 21, 301;
auch die flecken aus einem kleide reiben, maculas terendo coeste tollere. Steinbach 2, 260; den flachs reiben, heiszt seine äuszere schale reibend zerkleinern und zum abfallen zwingen: wasche den flachs aus dem trüben, hänge ihn hierauf an die sonne, so er trocken, reibe und hechle ihn. öcon. lex. 692; schweiz. reiben, ryben, den hanf, flachs nach vollendetem reiten oder rätschen unter einem groszen rade oder steine quetschen. Stalder 2, 267. in bildlichen oder sprichwörtlichen redensarten: allein ich sehe dasz m. Bernhard Schmiedt vermeint habe, er wolle mir den pfeffer reiben, wie Jacobus de alta platea dem Reuchlin. Schuppius 605;
mich daucht sie hatten sich gerot,
und den herrn bischoff gar mit spot
sampt seinem volk hinaus getribn,
und mir ein sawren senf geribn.
B. Ringwald spec. mundi K 1ᵃ;
nu kom du loser ketzer fort,
wir wollen dir ein pfeffer reibn,
der dir den harm sol bald vortreibn,
geh fort, du gotts vorgeszner hund.
K 8ᵃ;
zum andern, soltu meditirn, das ist, nicht allein im herzen, sondern auch euszerlich, die mündliche rede, und buchstabische wort im buch jmer treiben, und reiben, lesen und widerlesen.
Luther 1, vorrede * 4ᵃ, dem lat. verbum terere (Cic. acad. 4, 4) nachgebildet.
6)
reiben, reibend schmerzen oder wund machen: ein steifer kragen reibt den hals oder am halse; das wollene hemd reibt auf der haut; ich habe einen bösen fusz, der stiefel hat mich gerieben; das pferd hat sich gerieben, equus cutem restibus et habenis laesit. Stieler 1578;
swer den schilt fûrde,
daʒ in niht enrûrde
der borde noch daʒ leder,
unde daʒ in der deweder
an den hals niht enribe
und im diu hût ganz belibe.
En. 161, 35;
auch die haut wund reiben; der sattel hat das pferd wund gerieben; vergl. dazu aufreiben th. 1, 707.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1887), Bd. VIII (1893), Sp. 563, Z. 43.

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Zitationshilfe
„gerieben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerieben>, abgerufen am 01.12.2021.

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