Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

allergeringst

allergeringst:
mir dem allergeringsten. Ephes. 3, 8.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1852), Bd. I (1854), Sp. 223, Z. 65.

gering, adj. und adv.

gering, adj. und adv.
verstärktes ring, s. d., ahd. giringo, leviter Otfrid 2, 14, 78, ungiringi, gravis (worton ungiringon) 3, 18, 12, mhd. geringe, mnl. gheringh, levis, facilis, agilis, velox, adv. cito, statim Kil. 171ᵃ. vgl. bering.
1)
leicht an gewicht: gering, levis Serranus K 1ᵇ. Henisch 1517; zu gering am gewicht, gering gewicht. Krämer 538ᵃ; es ist um ein halbes pfund zu geringe. Campe, oberdeutsch; bair. gring, westf. geringe, leicht an gewicht Schm.² 2, 121. Woeste 77ᵃ; hierauff hat der pater prior obgedachte heil. wort schrifftlich auffs papier getragen, dasselbe in die wagschissel gelegt, den beutel voll gelt auff die andere, und alsbald durch augenscheinliches wunderwerck ist das gelt wie eine geringe feder in die höhe gestigen. Abr. a S. Clara lösch Wien (1687) 25. daher
a)
von leichter rüstung und leichtbewaffneten: es wurden die mit geringem harnisch ... von den unsern umbgeben und erschlagen. Ringmann Cäsar (1530) 126ᵃ, levis armaturae bell. civ. 2, 34; ein soldat, so den gantzen harnisch nicht kan ertragen, aber in einer geringen rüstung den feind hilfft bekriegen. Mayr epitome cron. (1604) 230ᵃ; er (Albrecht I.) hette ouch 800 sperknappen und geringe volke. Closener in städtechron. 8, 63, 15 (armigeris nobilibus, qui nominati fuerunt sperknappen und geringe volke); auff das der burgermeister Marcellus seinen mitburgermeister Scipionem mit dem schwäristen zeüg verordnet, in der belägerung Acerræ ze beharren, und zoch Marcellus mit dem geringsten zeüg dahin, Clastidium ze entschütten. Stumpf 1, 129ᵇ (3, 28); die hussern (husaren) und geringe pferdt (leichte reiterei, chevauxlegers), .. sämptlich durch das wasser in einer schlachtordnung ziehen lassen. Hortleder 573 u. ö., wie ringe pferd th. 8, 980; haben gleichwol zu ihnen mit geringem feldgeschütz geschossen. 572, gegensatz das schwere belagerungsgeschütz.
b)
leicht, unbelastet: auff disz mals solten sie heim ziehen ohn alle furcht, diese beut von sich thun, demnach wo es sie für gut ansehe, gering und unbeschwert abermals die Römer angreiffen. Xylander Polybius (1574) 87.
c)
leicht, unbeschwert, von gesinnung und gemüt: so er für Troia im krieg gestorben were, ich wolt seinen tod mit leüchterem und geringerm gemüt gedulden. Schaidenreiszer 3ᵃ;
dem held was sein hertz gantz gering,
er wug nit vil auf geverlich ding.
Theuerd. 85, 29;
mit leichtem und geringem mut
lasz ich hinder mir mein unschuldig blut,
ich far ausz diser welt dahin,
ausz not ich nun erlöset bin.
Uhland volksl. 283, 38.
leichtfertig: solte ein rate sollich wirdig heiligtum .. also gering uberantworten, das wer ein sache, die der stat in kunftigen zeiten swer werden mochte. chron. d. d. städte 3, 382, 3 (von 1444); es ist zuͦ spiln und zuͦ schimpfen mit züchten und nach wirden der person .. der mensch soll sich halten, das er nit zu scharff und grausam, noch zuͦ lind und gering werde vermerckt, das lachen soll sein on kichern u. s. w. Albrecht v. Eyb spiegel der sitten 27ᵃ.
2)
leicht in der bewegung, schnell, behend, eig. ohne last und dadurch leichtbeschwingt: denn werden die krefft licht, gering und schnell, wenn in dir geswecht und undergetrückt sint die bösen anmuten und begirden, die dovor beschwerten die krefft der selen. Keisersberg bilg. 99ᶜ; er (der leib in der verklärung) würt gering werden. wa er gern wer, da würt er eins wegs sein. emeis O 4ᶜ.
a)
adj. geringe, gering, agilis, celer Dief. 18ᵃ. 110ᵇ, noch bair. gring, leicht in der bewegung Schm.² 2, 121:
der trache .. wolt in hân
erslagen, wan daʒ er entran
des slages als ein geringer man.
Heinr. v. d. Türlin krone 26733;
wanne daʒ si (die mit der tanzwut behafteten) danzeten, so bonden unde knebelten si sich umb den lip hart zu, daʒ si deste geringer weren. Limburg. chron. 64, 23 Wyss; Goffroy der was wol mögendt und fast gering und sprang jhm (dem zuschlagenden riesen) ausz dem streich gar bald und schnell. buch d. liebe 278, 2; nun war Dieterich etwas gewachsen, grosz und starck, und war so gerad worden, und so gering, dasz sich alles sein volck verwundert. 281, 1; es erbarmet mich dein, denn du noch ein junger mann und fast geringe und auch gütig bist. 274, 1;
Vulcanus schencket redlich ein ..
(die götter) hätten ein grob gelächter all
ab jhrem diener gegenwertig,
der machet sich gering und fertig,
das zechen werth den tage lang.
Spreng Ilias 19ᵇ;
(die edelleute bei der kaninchenjagd) haben kleine winde (windhunde), welche gar geringe sein. Schweinichen 1, 251;
mancherlai ist behend und gring,
ain ross, ain hirsz, ain has.
Val. Holl 100ᵇ.
b)
adverb. geringe, gering, cito Dief. 124ᵇ, mnd. geringe, schnell, eilends Schiller-Lübben 2, 71ᵇ. Theophilus 88. 753 Hoffm., altclev. geringhe, statim, ocius Teuthonista 7ᵃ: mhd.
einen andern (schild) er geringe nam.
Heinr. v. d. Türlin krone 13253;
sîn ors bant er dâ vor
vil geringe mit dem zoum
an einen schœnen boum.
15808;
in die zelle lief er gringe,
gâch wart dem bertinge.
Grimm Reinh. 59, v. 969;
der rabe (mit dem käse im schnabel) dâhte wider sich:
eʒn schadt mir noch enhilfet mich,
ob ich im hie geringe
mîn süeʒen dôn singe.
361, v. 1913;
Heitgin, gank geringe zo unsen heren! städtechron. 12, 319, 9 (Köln, ende des 14. jh.); geringe enwech varen. 13, 143, 8 (15. jh.); wenn aber die frow usz dem husz got, gering wüschen sie (mägde) all uff, die ein würfft die kunckel hinder den ofen u. s. w. Keisersberg bilg. 9ᵃ;
was sein die wunderlichsten ding,
so man sie findt? sag mir gering.
fastn. sp. 557, 6;
ob ieman sitzet oder stat
in einem chor, so ist myn rat,
dasz er les, opffer oder sing,
oder mach sich hin usz gering.
S. Brant 137ᵇ Zarncke;
Goffroy der stund von dem ross und leget den harnisch gering an. buch d. liebe 273, 4; der sprange von seinem pferdt gar geringe. 274, 1, sprang gering wider zu seinem pferdt. 2; doch stund er gering wider auff und wehret sich dapffer. Amadis 77;
dieweil aber Petz das eisen zog, ..
sprang der jäger widr auff gering.
froschmeuseler I, 2, 10 K 8ᵇ;
der murner fur auff so gering,
als wenn er wer ein panterthier.
I, 2, 25 R 5ᵇ;
wir wöllens gering wagen,
mit den feinden dapfer schlagen.
Uhland volksl. 525;
als ich wahrgenommen, wie die thür ohne sonderlichen rumor aufzumachen wäre, machte ich meinen anschlag gar gering. Simplic. 3, 104, 2 Kurz; er leuft gering darvon, velociter currit. Stieler 1651.
c)
jäh, plötzlich: mnd. he starff mit einem geringen dode. Schiller-Lübben 2, 71ᵃ; de biscop wart mit geringer blintheit geslagen. ebenda.
d)
geringhe gram, iracundus (i. facile irascens) Dief. 309ᵃ: schön lange finger sind geschwind und zu zorn gering. Fischart groszm. 68;
nit wöllst von ungewissen ding
in grimm und zorn kriegen gering,
dann zorn das gemuͤet also verblent
das es recht worheit nit erkent.
S. Brant 134ᵃ, v. 253 Zarncke.
e)
rasch und leicht, vom geistigen auffassen:
die jugent ist zuͦ bhalten gering,
sie mercket wol uff alle ding.
S. Brant 6, 13 Z.
3)
leicht zu thun oder zu ertragen, ohne schwierigkeit, mit leichter mühe, auf leichte art: gering, facilis Dief. 222ᵃ;
joch ist maneges dinges anegenge
bitter unde swære, ...
lîhte wirt daʒ ende geringe.
Konr. Fleck Flore 2483 var.;
diu mâʒe ist ..
ein mittel aller dinge,
swære unde geringe.
Frauenlob 110, 4;
und muest iederman vor seinem haus pflastern ain ruet herdan von seinem haus, und wa die gassen weiter waren, das zalet die stat. und also pflastert man für sich dar und was iederman willig, ie lenger ie geringer (leichter). chron. d. d. städte 5, 146, 19 (15. jh.); (bei der wolfeilheit) nerten sich die leut gering und liederlich (leicht). 148, 1 (15. jh.); die langen spiesz mög man nit also leichtlichen und gering zwischen den beumen und dem gestreuch füren und brauchen. Micyllus Tacitus (1535) 39ᵃ;
das du (gott) magst setzen alle ding,
und die widr absetzen gering.
Römolt G 4ᵇ;
gnad fraw, es ist nit lang,
das man die sext hub an und sang;
ir komen noch dazu gering.
Zimm. chron. 4, 340, 3;
er würt gselschafft finden gering,
mit den er gaudeamus sing.
S. Brant 108, 152 Z.;
wir achtens gar gering und leicht zu thun. Luther 1, 225ᵇ; wolt gott es were so gering und leichte lere und kunst, wie sie es achten. 7, 210ᵃ; das mag wol von einem andern, der mir in sprachen und künsten uberlegen, für leicht und geringe, ja gantz und gar für keine kunst geachtet werden. Hellbach Grobianus 7ᵃ;
gott hat uns (füchsen) drumb den schwantz beschert,
das im sommer den fliegen gwehrt,
und ist zu tragen gar gering.
B. Waldis Esop. 3, 41, 25 K.;
die nasen riechens sonst gering.
Fischart dicht. 1, 139, 222 K.;
das gehn kam sie an gar gering.
190, 2262;
die feder fürstu gar gering.
28, 994;
sahen sie einen stoltzen mann
an dem ufer spatzieren gahn
und eine schlange gering bezwingen.
froschmeuseler II, 5, 1 Ji 8ᵃ;
es war billich, dasz die jenige, deren leben gering geachtet wurde, dasselbe auch gering verlieren solten. Simpl. 3, 243, 1 Kurz; wie gering sein sie erwürgt. 365, 28; wann man nüsz auffbeist, kombt es freilich wol nit gar gering an, aber hernach hastu den süszen kern. Abr. a S. Clara reim dich 5;
lust und lieb zu einem ding
macht alle arbeit gering.
Henisch 1519.
4)
vom getreide, leicht an gewicht, stärke und gehalt: geringes getreide, die leichten, schwachen, schlechten körner, die beim wurfeln neben den arbeiter hinfallen Weber öcon. lex. 243ᵇ, fruges minutae Stieler 2309; das traid (getreide als zehnt) rechte maʒ und nicht das geringist. östr. weisth. 6, 224, 8 (15. jh.); das schwere getraid solle um das 30ist, das gering aber umb den 15ten thail gemalen, das gemischte aber als von ainem gerichtshalbmasz 11⁄2 mäszl zu maut genommen werden .. das geringe getraid, was man zum brodt braucht. 1, 13, 12 (17. jh.).
5)
leicht an innerem gehalt von getränken, münzen u. s. w.: jederman gibt zum ersten guten wein, und wenn sie truncken worden sind, als denn den geringern. Joh. 2, 10;
so gib jn den geringsten wein,
der mag in deinem keller sein.
Hellbach Grob. 176ᵇ;
den kofend oder geringes geträncke und tröber. Klingner dorf- u. baurenrecht 4, 697; geringes bier Campe; da solches (brot) zu gering und das gwicht nicht hat. östr. weisth. 6, 123, 5 (von 1681); welche gulden am gold oder korn aufs fein beileyftig vierdhalb karat zu gering und am gewicht zu leicht sein. Nürnberg. pol.-ordn. 145 Baader (von 1495); vor solchen bosen, geringen guldin warnen. 146; rathsams bedenken und erklerung auff etlicher rahten und angeben, das die müntzherrn geringere müntzen sollen schlagen lassen, von M. Fachs Leipzig 1595; geringes erz, welches wenig metall enthält; geringe und magere erde. Hederich 1085; übertragen: geringe, blosze, ungespickte rede, oratio jejuna, geringe wort, verba levia, oratio tenuis Henisch 1518.
6)
klein und schwach an gestalt und kräften.
a)
mager, schmächtig: gering, macer, levis, ich bin gering geworden. Keinz vocab. ex codice cumano 357ᵃ; gering, gracilis Aler 903ᵇ; Paulus, nicht eine anseheliche person, gering und mager von leibe. Luther 6, 220ᵃ; die korbflechter im südwestwinkel (Oberfrankens) und die tafelmacher jenseits des rinnsteiges im Thüringerwalde sind beträchtlich 'geringer' als der kernländer des Frankenwaldes. Bavaria 3, 320; schweiz. gring, von schmächtigem körperbau Hunziker 112; von thieren: der ochs ist etwas gering, macer. Stieler 1651; ein pferd, so gering von hals Krämer 538ᵃ;
das vieh wird selbst geringe.
Rost schäferged. 76.
weidmännisch, gering oder schmal, dürr, mager, vom wild Heppe wohlred. jäger 179ᵃ; klein, wenig wiegend, nicht kräftig Train niederjagd 2, 2, 141, junge hirsche sind gering, wenn sie noch nicht jagdbar und weder am gehörn noch am leibe stark sind Jacobsson 2, 63ᵇ; zu geringem wildpret werden hirsch- und wildkälber, spieszer, gabeler (einiger orten wird der gabeler auch ein edelknabe genennet, nachtrag zu th. 3, 29), sechserte und achter gerechnet. Heppe leithund 71.
b)
schwach an körper- oder geisteskraft: menschen hertz und krafft ist gering, der teufel ist starck und mechtig. Mathesius hist. Jesu Christi 2, 13ᵃ; wer wil Jacob wider auffhelffen? denn er ist ja geringe. Amos 7, 2; ich bin seer geringe worden. psalm. 142, 7 var.; wir sind der sachen zu gering. Luther werke 4, 31ᵃ; ich bin ein schwacher mensch und klainer zeit, und zu gering zum verstandt des rechten und der gesetz. Albertinus hauspol. 7, 110ᵃ; der geringere am geiste fühlet in dem umgange mit der demuth seine schwäche nicht. Gellert bei Adelung;
mein bruder ist ein werlicher man
'den ewern bruder förcht ich nicht,
der ewer bruder schadt mir nicht,
er ist vil zu geringe.'
Uhland volksl. 433, 10;
beklagungen, dasz die robather (die frohndienst leistenden) gar zu spat und vile gar zu geringe leut erscheinen. östr. weisth. 6, 103, 40 (von 1781); der bursch ist noch zu gering zu diesem geschäft. Spiesz henneb. id. 76; in Obersachsen mir wirds ganz geringe, schwach, übel.
c)
kraft- und machtlos: sie sollen klein sein gegen andern königreichen, .. und ich wil sie gering machen, das sie nicht uber die heiden herrschen sollen. Hesekiel 29, 15; das ist ein geringes reich, voll verwirrung und unruhe. 4 Esr. 12, 30; nach dir wird ein ander königreich auffkomen, geringer denn deines. Daniel 2, 39; das er (hochmeister) vil zu gering were zu solchen ernstlichen und trefflichen sachen (krieg gegen Polen). Schütze Preuszen 120ᵃ.
d)
vergänglich:
die flüchtigen narzissen
sind drüm geringer nicht, ob sie schon bald hin müssen,
als etwa rosmarin, der zwar sehr lange steht,
doch wenn der frost beist an, zugleich auch untergeht.
P. Fleming (1660) 125;
dasz wir geringer noch als alle blumen sein ...
das laub schlägt wieder aus, ...
sind wir nur einmahl hin, da gilt kein wiederlauff.
ebenda.
e)
gering an kühnheit, sanft, mild, demütig: der ich gegenwertig unter euch geringe (ταπεινός) bin, im abwesen aber bin ich thürstig gegen euch. 2 Cor. 10, 1.
7)
klein an zahl, wenig.
a)
von heer- und volksschaaren, sowie von anderen massenkörpern:
in zorn intprinnen,
daʒ ein sô geringe her
sî solde letzin âne wer.
Nic. v. Jeroschin 20986;
daʒ iʒ nicht sichir ist daʒ di viende in eim fremden lande mit geringem volke harren, da si mit groʒim volke obirzogin mogin werde. Ködiz leben d. h. Ludwig 39, 3; der (Jacob) zoch hinab in Egypten und war daselbs ein frembdling mit geringem volck, und ward daselbs ein gros, starck und viel volck. 5 Mos. 26, 5; die Kriechen sein gering an rittern und fechten (kämpfern zu fusz). Albr. von Eyb spiegel d. sitt. 105ᵇ; da sie wenig und geringe waren. ps. 105, 12; so sol gewis dieser hauff, des eine grosze menge ist, gantz gering werden. Baruch 2, 29; ich bin ein geringer hauffe. 1 Mos. 34, 30. Jer. 44, 28; der Türck hat der statt unauffhörlich zugesetzet und dardurch den geringen hauffen der christen mechtig ermüdet und abgemattet. S. Münster cosmogr. 1453 (6, 118); ich lag ihnen mit geringen partheien bald hier, bald dort schier täglich vor den thoren. Simpl. 1, 230, 21 Kurz; weilen er in sorgen stunde, es möchte sein kriegsmacht etwas zu gering sein. Abr. a S. Clara auf auf ihr chr. 5 neudr.;
läszt man sie (achttausend mann) ziehn, ihr tröstet euch,
wir seien um ein fünftel nur geringer.
Schiller XII, 46 (Wallenst. lager 11);
nicht möglich ists, mit so geringer mannschaft
solch einen staatsgefangnen zu bewahren.
336 (Wallensteins tod 4, 6);
der Libanon (d. h. seine wälder) were zu geringe zum fewr, und seine thiere zu geringe zum brandopffer. Jes. 40, 16; die tribüne war .. gering besetzt. Auerbach Waldfried 450.
b)
geringe zahl, anzahl, geringer theil u. s. w.: es ist eine armselige ausflucht, dasz er durch die angerühmte vollwichtigkeit der geränderten dukaten die geringe anzahl derselben bemänteln will. Musäus phys. reisen 4, 107; keine geringe anzahl von revisionen. Göthe 26, 133; es bestand der brauch, auch knaben zu immatriculiren, von denen nur der geringste theil später die universität wirklich bezog. Stölzel gelehrtes richterth. 1, 16; kein mann hat geringer (weniger) als zwei weiber. Mandelslo (1696) 122ᵇ; ein zahlbegriff liegt auch in folgenden beispielen zu grunde: bei geringer nachfrage fand ich das mir benannte haus. armer mann im Tockenb. 123; der unterschied der brechung zwischen den meist und geringst brechbaren strahlen. Göthe 54, 266.
c)
geringe jahre, gering an jahren: wie ein körnlein gegen dem sand am meer, so geringe sind seine (des menschen) jare gegen die ewigkeit. Sir. 18, 8; dann ich allein für meine geringe jar und schlechte erfarnusz vil sprüch weisz. Eppendorff Plutarchi sprüch (1534) 592;
ich bin ein knab von gringen jahrn,
in der grammatic weng erfahrn.
Gilhusius 11;
wahrscheinlich gebe ich mich zwei jahre geringer an, als ich wirklich bin. Lichtenberg 1, 6.
d)
geringes geld: haben sy sich mit geringem gelt dovon (von der strafe) geledigt. Nürnb. pol.-ordn. 213 Baader (15. jh.); die edelgesteine verkaufften die soldaten um ein geringe geld. Pufendorf schwed. kriegsgesch. (1688) 2, 448ᵃ;
ain artzt, der zenwee kund vertreiben ..
und febres und auch pestelentz
umb gering gelt und reverentz.
Keller alte gute schwänke 28;
er (arzt) theilete zwar geringen leuten auch von seinen mitteln mit, er nam aber kein gering geld, sondern schenckte ihnen eher ihre schuldigkeit. Simpl. 1, 360, 27 Kurz.
8)
niedrig an geldwert.
a)
geringer preis: das bezahlete man nach dem damahligen, wiewohl sehr geringem preise. Zesen Assenat (1679) 434; Mahomet ist .. entführt und einem sehr reichen und wolhabenden ismaelitischen handelsmann umb geringen preisz verkaufft worden. Abr. a S. Clara auf auf ihr chr. 11, 25 neudr.; das ist der geringste preis. Ludwig 746; in ungemein geringem preis, spottwolfeil sein. 745;
das alle nohtturfft da vollauff (in Schweden),
darzu in eim geringen kauff (niedrigen preis).
der post reutter (1591) C 4ᵇ.
b)
wolfeil, billig, um niedrigen preis:
all werck man jetzt hin sudlen thut,
das man sie geben mög gering.
S. Brant 51ᵇ Zarncke;
ich kans nicht geringer geben. Ludwig 745; etwas geringer kauffen oder verkauffen. Aler 903ᵇ; drei groschen, geringer nicht. Heynatz antibarb. 2, 36; drinnen angenommen kostet die flasche (champagner) geringstens zwei gulden. Gotthelf Uli d. pächter 130; dise müh und arbeit, fleisz und unkosten, so mich nicht ein geringes gestanden. Stumpf (1606) schlusz der vorrede; eine sache für ein geringes kaufen, für wenig geld Campe;
um ein geringes steht er (helm) euch zu kaufe.
Schiller XIII, 179 (jungfr. von Orleans, prolog 3. auftritt).
c)
geringer lohn, gewinn, geringe belohnung, einnahme, taxe, kosten u. s. w., gering abschätzen, taxieren: dasz er sich in die dienstbarkeit umb solcher geringen belonung willen geben hett. Micyllus Tacitus (1535) 27ᵇ;
gezwungen .., als niedrer knecht zu dienen
und lasten um geringen lohn zu tragen.
Schiller XIII, 400 (Turandot 2, 4). XII, 372;
wollt ihr mich tödten, das würde fürwahr ein geringer gewinn sein.
Göthe 40, 61;
das vermächtnisz einer tante gegen geringe interessen (zinsen) in des vaters händen lassen. 18, 83; sie waren erfreut, mit so geringen kosten sich in der gunst eines so nothwendigen mannes befestigen zu können. 18, 245; könig Franciscus der erste (von Frankreich) hatte bei geringem einkommen schwere krieg geführt. S. Münster cosmogr. 206 (3, 17); eine sichere einnahme, auch eine geringe, wäre für mich ein groszes glück. Freytag werke 13, 148; (der schreiber soll) alle käuf, verträg .. umb geringen, leidentlichen schreibtax .. ausschreiben. tirol. weisth. 2, 186, 18; hat er jn (ein stück ackers von seinem erbgut) aber nach dem halljar geheiliget, so sol in der priester rechen nach den ubrigen jaren zum halljar, und darnach geringer schätzen. 3 Mos. 27, 18; gering taxiren, minimo taxare Stieler 2267;
man hat is uff das geringeste ubirslagen,
man sagit von einer sommen,
es sie drie hundirt mal tusent gulden wert.
Stolle thüring. chron. 114.
9)
überhaupt dem wert, der güte, dem aussehen nach, schlecht, wertlos, unansehnlich, armselig, kärglich: die kresz, so in faulen gräben fallen, sind geringes werts. Heyden Plinius 480; angesehn solche müntze geringers wehrtes ist nach denen taxtbüchern. Prätorius glückstopf 308; es giebt noch andere (münzen), deren innerer werth nur wenig geringer ist als der der echten. Lessing 8, 456; ein mensch, der selbst nicht glaubt, was er einem anderen sagt, hat einen noch geringeren werth, als wenn er blos sache wäre. Kant 5, 261;
gut scheinen vil der dinge,
die wenigk gutes an on han:
so scheinen etzliche geringe,
die doch gar gut sint gethan.
Rothe thür. chron. 3 Liliencron;
sie (narren) loben ewig das geringe,
weil sie das gute nie gekannt.
Gellert 1, 86;
nichts geringers und verachters ist denn ein dürr blat. Luther 3, 212ᵇ; alles gold ist gegen sie wie geringer sand. weish. Sal. 7, 9; die weisheit ... regierte den gerechten durch ein geringes holz. 10, 4; secke anziehen ist auff ebreisch geredt, das es heiszt, geringe kleider anthun. werke 3, 217ᵇ; die arme kindelbetterin, wil sie nit erkalten, so mag sie sich mit jrem mentelein und andern geringen geretlin, das sie mit gehabt, decken. hauspostill (1560) 1, 19ᵃ; schlecht und geringe windel sind es, aber thewr ist der schatz Christus, der drinnen ligt. vorr. auf d. alte test. bei Bindseil 7, 304;
der sammet und die seide dein
sind gar geringe windelein.
lied 'es kam ein engel hell und klar' bei Leisentrit 1567;
sehr geringes tuch, geringere leinwand. Steinbach 2, 264; geringer hauszraht Henisch 1518; gering an kleidern bin ich auch gewesen, und nichts als ein stück brod den ganzen tag. Auerbach auf der höhe 2, 288; wann einer ein (dem aussehen nach) geringes, schorbiges, böses haupt hab, so gehe er nicht zum scharffrichter, und begehret dasz er ihm den kopff abhaut. Schuppius 326; also wer auch der weisest lerer Socrat euszerlichem schein nach von gestalt gering (unscheinbar, häszlich) anzusehen ... du würdest jhne nicht einer lorischen zwybelschelf oder knoblauchsbutzen werd gehalten haben, so bäurisch quartiert von leib war er, so seeländisch lam von unfechterischen geberden, so franciscanisch von zugespitzter elennasen oder schafenasen, mit eim glatzenden kopf, eingezogenem halsz, haarigem nacken, ubersichtig und augensperrig wie ein stier, von kleidung presthafftig. Garg. 19ᵇ; geringe gebew oder hütte. Decimator sylva vocab. (1591) V 5ᵃ; geringe, schlechte palmbäum. Aler 903ᵇ; geringe heister nennt man in den hochwaldungen dasjenige holz, so 60 bis 70 jahr alt ist. Jacobsson 5, 652ᵃ; geringe, gemeine fisch. Henisch 1518; geringe waaren. Campe;
vielleicht könt man aus gringen sachen
diesen edlen elixier machen.
Rollenhagen froschm. I, 2, 16;
solch elend barmhertzig küchenlatin wol werd were eins geringen deudschs. Luther 2, 176ᵃ; es war dasselbe gantze jahr, sommer und winter, so ein weiches und geringes (schlechtes) wetter, das es unmöglich dem feinde abbruch zu thun. Schütze Preuszen 36ᵃ; geringe jahre im land- und weinbau, im gegensatz zu guten jahren; wie wir einer höhern absicht, gleichsam wie einer gottheit, das geringere zum opfer darbringen, ... wie man ein geliebtes schaf für die gesundheit eines verehrten vaters gern und willig zum altar führen würde. Göthe 19, 340;
wagt doch
der kaufmann, um geringe güter, schiff
und mannschaft an ein wildes element.
Schiller XIII, 385 (Turandot 2, 4);
es ist besser geringe narung unter einem bretern eigen dach, denn köstlicher tisch unter den frembden. Sirach 29, 29; nachdem er (der Nürnberger meistersinger Haffner) an den geringen leben, dessen er gewohnet war, einen gröszern gefallen als an den pracht des (dänischen) hofes getragen. Wagenseil de civit. Norib. 493; das ist mir zu gering, da hab ich ein eckel für, sordet id mihi. Henisch 1517; gering, kercklich, parce, exiliter ebenda; er hält ihn gar zu gering. Stieler 1651; geringen tisch haben. ebenda; eine geringe mahlzeit. Rädlein 359ᵇ; sehr geringe speise. Krämer 537ᵇ; in kurzer zeit war ihnen essen, trinken, aufwartung, wohnung zu gering. Göthe 18, 298;
hoffentlich gönnen sie uns die gesellschaft auf ein geringes
butterbrot; denn ein schelm giebt besseres, als er im haus hat.
Voss Luise (1837) 3, 57.
10)
dem rang, stand, herkommen, ansehen oder vermögen nach niedrig, arm, verachtet, im gegensatz zu vornehm, reich, mächtig, hoch.
a)
geringer stand, geringe herkunft, geringes ansehen dasein u. s. w.: von etlichen, die ausz geringem stande zuͦ groszen würden auffgestiegen. Nicl. Heiden Valerius Maximus (1565) 149; geringen stands. Aler 904ᵃ; fortdauernde anhänglichkeit und liebe .., diese tugenden sind nur für den geringen stand; er kann sie nicht entbehren, und sie kleiden ihn schön. Göthe 19, 19; eines geringen geschlechts und herkommens. (Fischart) prognost. theol. 2, 66ᵇ; ich bin von geringer herkunft. Auerbach schatzkästl. (1862) 1, 59;
weil sie (gans) geringer ankunfft ist
und bei den bawren vast erzogen.
Spangenberg ganskönig 1, 706 neudruck;
Bethlehem sei klein und eines geringen ansehens für der welt. Luther hauspostill (1560) 1, 47ᵇ;
dem rasenden, der nichts
zu hoffen hat, als ein geringes dasein
erhaben aufzugeben.
Schiller V, 2, 291 (don Carlos 3, 5).
b)
von menschen, geringer mann, geringe leute u. s. w.: ich bin ein armer geringer man. 1 Sam. 18, 23;
am gringen mann nicht viel verleust (verlierst).
Hellbach Grobianus 176ᵇ;
gnädiger herr! wären sie ein schlechter geringer bürgersmann. Schiller III, 492 (kabale 5, 5); geringe leute, arme unbemittelte. Spiesz henneb. id. 76; die armen und geringen leute auf dem lande. Möser werke 4, 288; grosze leut vergessen und schemen sich jrer armen und geringen freunde auch nicht. Mathesius hochzeitpr. (1584) 82ᵇ; von dem geringen volk, das nichts hatte. Jer. 39, 10; dasz er des Tiberii kinder, gleich als die geringer und schlechters herkommens weren, verachtet. Micyllus Tacitus (1535) 51ᵃ;
wenn du, mich überhüpfend,
geringre kinder in die arme drücktest.
Schiller V, 2, 153 (don Carlos 1, 2);
schmeichelnd zum geringern manne pflegt
gefallner stolz herunter sich zu beugen.
XII, 326 (Wallenst. tod 4, 2);
24 kämerling, des geringsten sold 1200 gülden. Wilw. v. Schaumburg 17; sie thut, was das geringste kindermägdlin im hausz pflegt zu thun. Luther hauspostill (1560) 3, 75ᵃ; also das der keiser eben sowol gott seinem lehenherrn seines hauszhaltens wirt rechenschafft geben müssen als der geringste stallbub und säwhirt. (Fischart) prognost. theolog. 2, 119ᵇ;
ach herr, du schöpffer aller ding,
wie bistu worden so gering.
Luther 'vom himel hoch da kom ich her';
ich wil noch geringer werden, denn also, und wil niedrig sein in meinen augen. 2 Sam. 6, 22; ich hab dich geringe gemacht unter den heiden und verachtet unter den menschen. Jer. 49, 15. Obadja 2; ich bin geringe und veracht. ps. 119, 141;
hier leb ich nun, obwohl gering und arm,
nach meinem vor'gen loos.
Schiller XIII, 343 (Turandot 1, 1).
c)
substantivisch.
α)
vornehm und gering, hoch und gering: vornehm und gering tummelte sich im bunten gewirre des carnevals;
ein neues schönes sonderding,
... das so vornehm wie gering
deutschkomisch heisze.
Klopstock 12, 186;
was gilt die scheidewand
von hoch und von geringe?
was kümmert mich dein stand?
Platen (1839) 12;
weder gering noch grosz.
Odyssee 8, 555 Ehrenthal.
β)
der geringe: wer dem geringen gewalt thut, der lestert desselben schepffer. spr. Salomonis 14, 31; errettet den geringen und armen. ps. 82, 4; der den geringen auffrichtet aus dem staube und erhöhet den armen aus dem kot. 113, 7; er wird gnedig sein den geringen und armen. 72, 13;
dasz itzo der verdienest
gering ist oder bei geringen (nicht adlichen).
Wernikens poet. vers. 24 Bodm.;
von den vorübergehenden lachten die geringen über den spasz, und die vornehmen lächelten oder schielten gravitätisch hin und wieder weg. Jacobi Woldemar 1, 42; der geringe bleibt doch immer ein sclave des mächtigen. Möser werke 5, 96;
ein tyrann,
vor dem der grosze zittert und der geringe fällt.
Platen 2, 74;
im comparativ: wenn man die vornehmeren retten wolle, (müsse) man auch über die fehler der geringern einen schleier werfen. Göthe 24, 338; im superlativ: die kinder loser und verachter leute, die die geringsten im lande waren. Hiob 30, 8; sowol bei dem, der in hohen ehren sitzt, als bei dem geringsten auff erden. Sir. 40, 3; wer dieser geringsten einen nur mit einem becher kaltes wassers trenckt. Matth. 10, 42; wer aber ergert dieser geringsten einen, die an mich gleuben. 18, 6; der geringste in einem amt, ort sein. Krämer 538ᵇ; ungemach des kriegs ertrug er (Gustav Adolf) gleich dem geringsten aus dem heere. Schiller VIII, 150, 20; (banquier, der an theatereintrittsgeld) weniger gibt als der geringste. J. Paul 32, 76.
d)
von sachen und abstractionen: ein elender und verachter mensch, der in eim geringen, armen flecken geboren wird. Luther hauspost. (1560) 1, 47ᵇ; zu Dantzig muste man ihm jährlich geben aus der pfarrkirchen unser lieben frawen hundert reinische gülden, in den geringern kirchen etwas weniger .. also das in gantz Preuszen nit eine kirche, closter oder hospital war, so gering und so unvermügen, das nit diesem hohmeister .. sechs gülden geben muste. Schütze Preuszen 88ᵃ; er must ein geringer ampt haben, da gremet er sich so seer, das er sich selbs mit gifft umbbracht. 2 Macc. 10, 13; der wolverdienete superintendens, welcher erstlich geringe ämter an den schulen, wie sie dann ins gemein geringe geschätzet werden, ... bedienet. Micrälius a. Pomm. (1723) 2, 45; geringer dienst, officium vile, servile. Stieler 1651.
e)
niedrig der gesinnung nach, wie sie geringe leute besitzen:
verheiszen ist ein adlisch ding,
halten ist bäwrisch und gering.
Hellbach Grobianus 184ᵃ;
es stehet sehr geringe, einen ehrlichen mann durch den vorwurf seiner armuht zu kränken. Liscow 235.
f)
dem grade der leistung nach, in guten wie in schlimmen künsten: ein geringer redner. Steinbach 2, 263; wenigstens kann der geringere mahler immer für sich operiren, anstatt dasz der mindere musiker sich mit andern sociiren musz, um durch gesellige leistung einigen effect zu thun. Göthe 49, 30;
vielleicht auch hütet sich Pan wohl,
anzusezen den mund (zum flötenspiel); ein geringerer möcht' er zurückstehn.
Voss Moschos 3, 57;
die formale raub- und wildschüzen (werden) in eisen und band nacher Peterwardein in Ungarn auf zwei und vier jahren verschickt, die geringeren wildschüzen zu einer diszländischen schanzarbeit condemnirt. tirol. weisth. 1, 48, 37.
g)
niedrig der würdigkeit nach, unwürdig: ich bin zu geringe aller barmhertzigkeit und aller trewe. 1 Mos. 32, 10; ich bin der geringste unter den aposteln, als der ich nicht werd bin, das ich ein apostel heisze. 1. Cor. 15, 9;
ich bin der treue zu geringe,
mit der du, schöpfer aller dinge,
stets über mich gewacht.
Gellert 2, 150;
wir armen sind zu geringe
zu der unsterblichkeit!
Klopstock Mess. 16, 166;
wir fühlten uns nicht zu gering, die hand
nach einer königskrone zu erheben.
Schiller XII, 396 (Wallenst. tod 5, 12).
11)
niedrig der achtung und wertschätzung nach: eine sehr geringe meinung von etwas haben, es sehr geringe schätzen Adelung wb. 2, 591; er war willens, seinen wahren stand zu verleugnen, damit man ihm desto geringer begegnen möchte. gesch. des jesuitenord. 1, 18.
a)
gering achten, s. th. 1, 168, wenig oder gar nicht achten, misachten: die jugend acht es geringe, .. aber gott wird es gar gros achten. Luther 1, 171ᵇ; das es jtzund gering und schier fur eine kindliche predigt geachtet wird. 7, 210ᵃ; als sie nu sahe, das sie schwanger war, achtet sie jr frawen geringe gegen sich. 1 Mos. 16, 4. 5; ein dieb ist ein schendlich ding, aber ein verleumder ist viel schendlicher, achts nicht geringe, es sei klein oder gros. Sir. 5, 17; achte nicht geringe alle die mühe, die uns troffen hat. Nehem. 9, 32; mein son, achte nicht geringe die züchtigung des herrn. Hebr. 12, 5; hat also lange zeit in der vestung mit einem schubkarch allen kummer (schutt) müssen auff seit führen, welches er doch gar gering geachtet. gepflückte finken (1667) 15, spätere ausgabe wenig geachtet; hat sie ihnen jemals seit ihrem umgange eine gelegenheit gegeben .. sie geringer zu achten? Göthe 10, 71;
sie werden die geschenke meiner liebe,
wie arm sie sind, darum gering nicht achten.
Schiller XII, 556 (M. Stuart 5, 6).
b)
gering schätzen (s. nr. 8, c), wenig oder gar nicht schätzen, misachten, in letzterer bedeutung gewöhnlich zusammengerückt geringschätzen: gering schätzen, humiliter aestimare Stieler 1741; wie wenig diese zeit sich zu neuen entdeckungen vorbereitet fand, sieht man daraus, wie gering er (Heinrich VII von England) das anerbieten des Christoph Columbus zu schätzen wuszte. Göthe 55, 12;
wie gering muszt' er
sie schätzen, da er's unternahm, bei ihnen
mit diesem plumpen gaukelspiel zu reichen.
Schiller V, 2, 417 (don Carlos 5, 4);
(man hat) gott selbst und die gesetz auch gar gering geschätzet.
D. v. d. Werder erlöst. Jerusal. 8, 66;
er wird aufhören uns zu bewundern, und anfangen uns geringe zu schätzen. Gellert moral. vorles. 326. 341; Tilly war weit entfernt, seinen gegner gering zu schätzen. Schiller VIII, 162, 13; wie ich in Leipzig nach und nach meine kindlichen bemühungen geringschätzen lernte, so kam mir nun meine akademische laufbahn gleichfalls geringschätzig vor. Göthe 25, 205; zu diesem hatte der gemiedene und geringgeschätzte mensch eine art von verhältnisz. Immermann Münchh. (1841) 4, 25.
c)
gering halten, ansehen, anschlagen, bedenken: du spottest aber mein und haltest mich gering als ein mücklein. Albr. v. Eyb Menächm. 102 neudr.; das alte testament halten etliche geringe. Luther vorr. auf d. alte test. bei Bindseil 7, 303;
du könig, schöpffer aller ding,
helt dich dein volck so gar gering?
lied 'es kam ein engel hell und klar' bei Leisentrit 1567;
in dem gefühl ihrer bescheidenheit hielten sie ihren zustand nicht gering, das alte haus nicht zu enge, nicht zu schlecht. Göthe 11, 287; wir sehen die geschicht geringe an. Luther 3, 199ᵇ; darumb ist mein rat, das man die rüstung nicht so geringe anschlahe. krieg wid. d. Türken (1529) H 1ᵃ; umb des wercks Christi willen ist er dem tode so nahe komen, da er sein leben geringe bedachte. Philipper 2, 30.
d)
gering denken, ehren, gering gelten: von sich selbst zu grosz und von den menschen unter ihnen zu gering denken. Wieland 24, 104;
denkst du von deinem bruder nicht geringer?
Schiller XIV, 33 (braut v. Mess. 1, 5);
diese (tochter) erzog sie mit mir und ehrte mich wenig geringer.
Voss Odyss. 15, 364;
solten gottes tröstung so geringe fur dir gelten? Hiob 15, 11 (das ist, meinstu, das gott die sünder tröste, und seinen trost so gering hinwerffe? du must zuvor from werden. glosse dazu).
e)
gering machen, niedrig an ansehen, verächtlich machen: das er die priester .. mit scheltworten und unerhörter lesterung verfolget, und geringer und schnöder machet denn die hund. Luther 2, 282ᵇ; wenn ich mit jnen lachete, wurden sie nicht zu küne darauff, und das liecht meins angesichts machte mich nicht geringer. Hiob 29, 24; bei den leuten macht er ihn gering, in multitudine de laude ejus deripit Steinbach 2, 264; einen geringe machen, ihm mit worten verächtlich begegnen. Heynatz antibarb. 2, 36; reflexiv, sich gering machen oder geben, sich erniedrigen:
ich machte mich zu gering,
will mich aber nicht weiter schmiegen.
Göthe 13, 116;
mich nicht gering zu geben (per non ceder la destra), nahm ichs an. Schiller XIII, 406 var.
12)
leicht der bedeutung, der wichtigkeit nach, unbedeutend, unerheblich.
a)
es ist ein gering ding, (an fasttagen) fleisch essen, (mönchs-) kappen ablegen, weiber nemen etc., doch ehe man solch recht und freiheit liesze wegreiszen und dawider handeln, solt man ehe drüber sterben. Luther 3, 266ᵇ; und ich dasselbe für ein geringe ding achtete. Mich. Neander bedenken 5;
von losen und geringen dingen
soltu (als redner) viel red und zeit zubringen.
Hellbach Grobianus 185ᵇ;
das geringste ding kan ihn verdrieszen. Ludwig 746; davon haben wir ein gering wörtlin vernomen. Hiob 26, 14; von geringen worten kompt offt ein groszer zanck. Henisch 1518; dasz so groszer jamer und zerrüttung des regiments ausz so geringen ursachen entstanden ist. S. Frank chron. (1551) 1, 99ᵃ; der greulich krieg zwischen Pompejo und Julio, der ein seer gering ursach gehabt hat. ebenda; dieser an sich selbst geringe umstand schlug zu meinem glück aus. Wieland 12, 119; geringe sachen richten. 2 Mos. 18, 22; geringe rechtshändel. Hederich 1085; nit über fünff schilling, solchs würt ein geringer diebstal geacht, auch am leben nit gestrafft. Tengler laiensp. 103ᵃ; geringe brüche, delicta minora Hayme 239; geringe knaben (unbedeutende, die nicht zu beachten sind). Mich. Neander bedenken 7; geringes treffen, velitatio, praelium tumultuarium Stieler 2298; mit einem knittel oder kolben geringe, schlechte, truckene streiche geben. weisth. 1, 488; geringe wunde, geringer schad. Henisch 1518; vor der that macht der teuffel die sünd klein und gering, nach der that macht er sie grosz und schwer. 1519; substantivisch: dazu ist das ein geringes fur dem herrn. 2 kön. 3, 18; und war jm ein gerings, das er wandelt in der sünde Jerobeams. 1 kön. 16, 31; dünckt euch das ein geringes sein, des königes eidem zu sein? 1 Sam. 18, 23;
drumb wer am tag vor nit ist keck,
wirdt durch gerings die nacht zum geck (memme).
Kirchhof wendunm. 261ᵃ (1, 324 Öst.);
ein geringes nehmen als entgelt, um etwas auszuführen, es leicht, beinahe thun: er sagte mir vom prügeln und hätte ein geringes genommen, mich auszuziehen und das kleid selbst zu tragen. Simpl. 1, 2, 29, 227; er ist endlich an diesem geringen erlegen, toto devorato bove in cauda deficit. Aler 904ᵃ;
Leicester. wer soll nun des vertrauens anfang machen?
Mortimer. wer das geringere zu wagen hat.
Schiller XII, 471 (M. Stuart 2, 8);
dasz ihr in scharfen schlachten euer leben
an etwas weit geringeres gewagt.
V, 2, 291 (don Carlos 3, 5).
b)
die beigefügte verneinung dient zur besonderen hervorhebung der wichtigkeit, nicht gering, bedeutend, ansehnlich: da sich nu ein auffrhur erhub, und Paulus und Barnabas nicht ein geringen zanck (ζητήσεως οὐκ ὀλίγης) mit jnen hatten. ap.-gesch. 15, 2; gott wircket nicht geringe thaten durch die hende Pauli. 19, 11;
es wird kein gringe sache
fur war nicht sein, die u. s. w.
Rebhun Susanna 4, 2, v. 111;
doch merk hier sonderlich ein nicht geringes stuck.
Harsdörffer frauenz.-gespr. 5, Pp 1ᵇ;
ist ihm nicht ein geringer mann begegnet. Zinkgref apophth. 1, 230; ihr hättet bei euers vorigen manns lebzeiten die hosen getragen, welches ihme dann bei ehrlichen gesellschafften zu nicht geringer beschimpffung nachgeredet worden. Simpl. 3, 38, 10 Kurz; welches alles nicht geringes nachdencken und sorge bei argwönischen gemüthern erwecket. Pufendorf schwed. kriegsgesch. (1688) 1, 185ᵇ; ein belohnter dichter ist zu unsern zeiten keine geringe seltenheit. Lessing 3, 211; so muszte es kein geringes vorurtheil von der aufrichtigkeit meiner gesinnungen bei dem lieben mädchen erwecken. Thümmel reise 3, 258; diesz war kein geringer nachtheil für sie. Schiller VIII, 134, 28; die (deutschen) fürsten gingen .. mit einem merkwürdigen schlusz auseinander, der den kaiser in nicht geringe verlegenheit setzte. 165, 35; aber die umstände, welche ihn umgaben, setzten diesen entwürfen nicht geringe hindernisse in der ausführung entgegen. 147, 9; im comparativ: nicht geringere (weine) befanden sich daselbst, als die jahrgänge 1706, 19, 26, 48, selten und nur bei feierlich - bedeutenden gelegenheiten angesprochen. Göthe 48, 92; im superlativ: das war nicht der geringste brunn, darausz allerlei böse unordnung in der jüdischen policei gequollen. Schuppius 643; zweitens war mirs auch nicht der geringste kummer, als an diesem ort durch geld und gaben ... nichts auszurichten. Simpl. 2, 410; nicht die geringste (schwierigkeit) darunter war, eine glückliche eintheilung zu treffen. Schiller VI, 345; es ist nicht sein geringster ruhm, dasz er gar keinen beinamen hat, .. dasz man nur kaiser Joseph zu sagen hat, und jedermann weisz, wer damit gemeint ist. Auerbach schatzkästlein 1, 65; substantivisch: es ist kein geringes, est aliquid Aler 904ᵃ; es war nichts geringes, was er jetzt auf dem wege war zu unternehmen. Schiller VIII, 336, 28; er bildet sich nichts geringes ein, er hält sich für eine wichtige person. Adelung; darin jnen hertzog Heinrich der wünderliche ... nicht ein geringes behülfflich gewesen. Bünting braunschw. chron. (1584) 3, 91ᵃ; welches ihnen nicht wenig ehre bringen und den ruhm ihres helden nicht um ein geringes vermehren wird. Lessing 3, 118; im comparativ: einem so unfruchtbaren schielenden märchen fehlet zum sinngedicht nicht geringers als der sinn. 8, 438; da es ihm nichts geringeres als leben und ehre galt. H. v. Kleist ges. schriften (1859) 3, 278.
13)
dem masze, der grösze, dem umfang, dem stärkegrad u. s. w. nach.
a)
klein, schwach, wenig: die von Gmünd zugen ausz für zwai geringe schlosz. chron. d. d. städte 5, 189, 11 (15. jahrh.); in der weite hat es (das sud-meer) entweder keine oder geringe insuln. S. Münster cosmogr. 1747 (9, 43); wann die (gelben blüten der winterkresse) abgehen, kommen lange schötlen herfür mit geringem samen. Weyer arzneibuch (1583) 26ᵃ; etliche geringe würmlin. 28ᵃ; geringer apffel, parvum pomum Henisch 1518;
zaunschlipfferlein klein und gering.
Spangenberg ganskönig 1, 140 neudruck;
von gewässern: die wasser werden verlauffen, das die seen an temmen werden geringe und treuge werden. Jes. 19, 6; das Rheinwasser ist so gering, dasz es nur noch eine wenige schritte breite, tiefe rinne zwischen den felsen (bei Laufenburg) ausfüllt. Leipz. tagebl. 28. febr. 1891 (bericht aus der Schweiz); ich habe grosze teiche gesehen, die 4 meilen zu rings umbher gehalten, und haben doch geringe (schwache) thämme gehabt, weil das wasser keinen schweren hang hin hatte. Colerus hausb. 1, 668ᵇ; geringes, kleines, langsames fewerlein Henisch 1518; von hab und gut:
ab daʒ (erbe und sold) nu werdit zu geringe,
wi sal her (ritter) eme danne tu?
sal her danne ein hantwerg dinge?
daʒ geborit eme doch nicht zu.
Rothe rittersp. 2173;
sein weib, welche er mit geringem gut hat daheim verlassen. Keisersberg narrensch. 409 Sch.; seine habe wird geringe im lande. Hiob 24, 18; geringes erbteil, geringes vermögen. Stieler 1651; (der bettler) strecket beide (arme) aus nach einer geringen gabe. J. Paul Siebenkäs 1, 106; indessen erweichte sein (Pope's) stolz bei einer geringen achtung, die ihm der prinz von Wallis bezeigte. Lichtenberg 4, 314; in einer geringen entfernung vom höchsten punkte des berges. Matthisson (1825) 4, 27; durch eine geringe veränderung des ausdrucks. Göthe 46, 369; fürst, den man bisher mit so geringem aufwand von kunst in unthätigkeit erhalten. Schiller VIII, 185, 20; Ferdinand befreite durch ein geringes opfer (an geld) seine staaten von diesem furchtbaren feinde. 403, 1; von eim geringen glantz der sonnen. weish. Sal. 16, 27; es ist besser, geringe klugheit mit gottes furcht, denn grosze klugheit mit gottes verachtung. Sir. 19, 21; dise offenbarung (Johannis) meiner geringern einfalt nach erklären und auszlegen. (Fischart) prognost. theol. 12ᵃ; nach meinem geringen klainfuͦgen verstand. Schaidenreiszer (1537) vorr. 5ᵃ; ein mensch von geringem verstand. Rädlein 360ᵃ; er ist von geringer gelehrsamkeit. Ludwig 745; ein härpffner von Rhodisz, der grosz leibs und geringer kunst was. Eppendorff Plutarchi sprüch (1534) 451; patrimonial - gerichtherren oder klienten, welchen beiden er (advocat) mit seinen geringen gaben zu dienen hat. J. Paul Siebenkäs 1, 95; geringe hoffnung, geringen glaubens. Stieler 1651; man erwiese ihm geringe liebe und freundschafft. Ludwig 745; geringe mühe, gefahr und arbeit. Amadis (1594) 24, 527;
wer geringe ding (ein) wenig acht't,
sich um geringere mühe macht.
Göthe 13, 131.
subst. das geringe: sich mit einem geringen begnügen lassen, parvo contentum esse Stieler 1651; wer ein geringes nicht zu rat helt, der nimpt für und für abe. Sir. 19, 1;
wer das geringer veracht,
dem wirdt das grosze nit gebracht.
Henisch 1519.
adv. 'gip har zwên phenninge!'
des wert er sich geringe (wenig).
Boner edelstein 76, 28;
ist er (erdboden) sendig, so ist der quel geringe susze. Petrus de Crescentiis (1493) a 8ᵈ.
b)
von der zeit, kurz: in sehr geringer zeit. Pappus holländ. kriegsrecht (1632), widm.;
klein ist die bitte, gering nur die frist.
Göthe 40, 67;
so köndt ich machen, das jr solt
in eim geringen (in kurzer zeit) spürn mein kunst.
B. Waldis Esop. 4, 66, 119 K.
c)
nicht tief gehend, oberflächlich: die nager sind in diesem betracht höchst merkwürdig gebildet. scharfes aber geringes erfassen, eilige sättigung. Göthe 55, 318; geringe freunde. Hederich 1085.
d)
ironisch gering, klein, für 'gar kein':
und wenn er (der betrunkne) sich dann auff das letzt
wie ein beseszner nider setzt,
oder gar auff sein lager felt,
mit gott ein gring gespreche helt,
sondern dem Baccho wolgemut
ein zimetrinden opffer thut (sich übergiebt).
Ringwaldt laut. warh. 57.
e)
im superlativ.
α)
himel und erde müssen vergehen, ehe denn der geringste buchstabe oder tüttel von der schrifft solte vergehen. Luther 3, 200ᵇ (Matth. 5, 18); sollen wir nicht ein geringst gebot aufflösen, so wir wol macht haben, auch die groszen und alle zumal auffzulösen? 3, 516ᵇ; (gott) leget die gröste plage auff die schlange, die geringste auff Adam. 4, 31ᵃ; was ist solcher schatz und glasz gegen dem geringesten sternlein am himmel. Mathesius leichenpred. 68ᵃ; wo gottes segen ist, da ist das geringst hendele zur narung überflüssig gnuͦg. S. Frank paradox. 200ᵃ; dasz meine geliebte eine jüdin war, gab mir die geringste anfechtung und bekümmernusz. Simpl. 2, 410; das ist meine geringste sorge. Stieler 1651; wenn er (lobredner) den (zweck) auch nicht anders als auf unkosten der wahrheit erhalten kann, so ist diesz sein geringster kummer. Wieland Lucian 4, 85; doch das soll mein geringster kummer sein. Lessing 12, 377; wenn unsere stände die geringste empfindung von ehre haben, so u. s. w. 1, 578; wie angenehm mir sein geringster beifall sein würde, versteht sich von selbst. 12, 351; wie sie (parzen) der besorgung einer so unendlichen menge von dingen bis auf die geringsten kleinigkeiten gewachsen sein können. Wieland Lucian 2, 462; an ihren schwanenhälsen die geringste spur eines gänsehäutchens. Thümmel werke 2, 304; der adel hat das glück, die flegeljahre des lebens mit dem geringsten nachtheil durchzumachen. Auerbach landhaus 1, 145.
β)
subst. das geringste, adverbial im, zum, mit dem geringsten (s. unter δ): der das geringiste von disen verschweigen wurt, der solle dem verbrechen nach gestrafft werden. östr. weisth. 6, 133, 44 (16. jahrh.); wenn nur das geringste, nur ein schatten von diesem judicio auff der welt were. Phil. Lugd. 1, 115; hie ist niemand, der kind oder mutter etwas leihen, jnen dienen, oder mit dem geringsten helffen wolt. Luther hauspostill (1560) 1, 19ᵃ; ordnung im glück, sorge für das geringste. Göthe 20, 79; alles bis auf das geringste. 45, 371; wer im geringesten trew ist, der ist auch im groszen trew, und wer im geringesten unrecht ist, der ist auch im groszen unrecht. Luc. 16, 10. 19, 17; die zweite stelle des Tertullian würde mir eben so leichtes spiel machen, wenn ich im geringsten auf die hinterfüsze treten wollte. Lessing 11, 583; wo es im geringsten kalt ist. Ludwig 745; ehe ich mich noch im geringsten von meinem schrecken erholt hatte. Thümmel werke 5, 72; die bekanntmachung dieser bände hätte etwa mich (schriftsteller) oder die sachen selber im geringsten bekannt gemacht. J. Paul flegelj. 1, 112; zun geringsten, minimum Stieler 1651; hospital, das jährlichs zum geringsten zehen gülden geben muste. Schütze Preuszen 88ᵃ.
γ)
in verbindung mit einer verstärkenden negation:
welcher nach seiner güt und macht
auch nicht das gringste gschöpff veracht.
Fischart flöhh. 773 Sch.;
die (büchse) fand er aber gantz leer und nicht das geringste gemercklein einiger kunst, pülverleins oder sälbleins darinnen. Phil. Lugd. 3, 279; ich habe nicht die geringste zeit an dich zu schreiben. Stieler 1651; nicht der geringste zweifel. Hederich 1086; er gewann solchen zweideutigen darstellungen nicht den geringsten geschmack ab. J. Paul Siebenkäs 1, 112; dasz auch Rimicius nie an den Romulus die geringste hand gelegt. Lessing 9, 57; ohne das geringste wort zu sagen. Krämer 538ᵇ; ohne nur die geringste bewegung zu machen. Schiller VIII, 325, 1; substantivisch: nicht das geringste, ne tantillum quidem Aler 904ᵃ; ich solte nur zu ihm kommen, da solte mir nicht das geringst wiederfahren. Prätorius glückstopf 123; es ist nicht das geringste gutes daran. Ludwig 745; einen ring, der ihrem nicht das geringste nachgiebt. Lessing 1, 587; er hat seit diesem zeitraum nicht das geringste von sich hören lassen. J. Paul Siebenkäs 1, 52;
(Isegrim) asz und kaute so fort und bot euch nicht das geringste.
Göthe 40, 183;
ohne das geringste verrichtet zu haben. Schiller VIII, 332, 30; das erste vierteljahr, worin ein mensch ihn beherbergte oder beköstigte, ohne von ihm das geringste zu ziehen. J. Paul flegelj. 1, 141; adverbial: nicht im geringsten weichen. Aler 904ᵃ; ein gewisser herr, welchen ich nicht im geringsten die ehre hatte zu kennen. Lessing 3, 211; ich glaube, wir könnten ihn vor unsern augen den martern der hölle übergeben sehen, ohne das geringste für ihn zu empfinden, ohne im geringsten zu fürchten, dasz, wenn solche strafe nur auf solche verbrechen folge, sie auch unsrer erwarte. 7, 354.
δ)
die verneinende partikel auch nachgestellt: das du jm auch den geringsten dienst nit erzeigest. Luther hauspost. (1560) 1, 19ᵃ; so jr denn das geringste nicht vermöget, warumb sorget jr fur das ander? Luc. 12, 26; ich habe das geringste nicht geschlafen. Ludwig 745; im geringsten nicht, ne minime Aler 904ᵃ; er durfte sich dessen im geringsten nicht verlauten lassen. Zesen Assenat (1679) 121; der schüler giebt dem lehrmeister im geringsten nicht nach. Steinbach 2, 264; Demea wird zwar eingetrieben, aber im geringsten nicht überzeugt. Lessing 7, 323; Tellheim. sie sind ungehalten, mein fräulein. Minna. ich? im geringsten nicht. 1, 580; soll auch kain ainicher underthon in dem geringisten nichts weggeben, er fail es dan zuvor der grundobrigkeit an. östr. weisth. 6, 130, 32 (16. jahrh.); er liesz im geringsten nichts übrig. Ludwig 746; es taugt durch und durch im geringsten nichts. 745; weil je der bapst das jenige anderen nicht schencken konte, das er selbst in seiner gewalt mit dem geringsten nicht hatte. Flacius Illyr. ankunft d. röm. keiserth. an d. Deudschen (1567) vorr. d 2ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3689, Z. 56.

gering, n.

gering, n.
ring, mauerring, area septa: husz und hofgeringe. Haltaus 934 (von 1388); item hat der scheffen geweist, dasz die freiheit des gottshausz gehet so weit als das gering umb das cloister. weisth. 3, 765; schwäb. gring, m. ring, kreis Schmid 434; adverbial gering, rings: S. Pauls hat 36 jar den christenlichen glauben gepredigt durch das ganz weit prait römisch reich von Jerusalem ausz gering herumb pis an die Danau. Aventin. 1, 267, 15 Lexer; ein meil wegs gering umb Fürth. Schottel 1241; zu gering um, in der runde herum, reihum, wie zu ring umb Braunschweig chir. (1497) 26ᵇ: als bettent und lasent sie (bischöfe) zu gering umb vil gebet. S. Brant 201ᵃ Zarncke. s. gerings.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3701, Z. 57.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
geplärre gernhören
Zitationshilfe
„gering“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gering>, abgerufen am 07.12.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)