Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

geringlich, adv.

geringlich, adv.
zu gering, vgl. ringlich.
1)
schnell, rasch, mnd. geringelik Schiller-Lübben 2, 71ᵇ: si wonnen dat schif gerinklichen enwech mit gewalt. städtechron. 13, 143, 5 (Köln, 15. jahrh.); also (in der theuerung) lief vil volks zo umb die kost ind wart gerinklich gebuwet dat slos. 528, 13; Rinuczo zuͦ dem totengrabe kam, das gerincklich aufftet. Bocc. 549, 32 K.; der ritter zucket sein schwerdt geringlich, schlug und stach in das thier. buch d. liebe 283, 4; alles käcklich wagen und geringlich angreiffen. Fronsperger kriegsb. 3, 203ᵃ;
nicht wagen so geringlich
was da ist unwiderpringlich.
Fischart ehz. 521.
2)
leicht und bald, ohne schwierigkeit, leicht zu thun u. s. w.: mhd. er füere gar gerinclîchen dar von hinnen über mer. Berthold v. Regensburg 1, 390, 32 Pfeiffer;
und doch gerinklich von im flusz.
fastn. sp. 215, 33;
hat aber irgend einer seinen nehisten ermordet, so ists ihm viel geringlicher vergeben worden, denn das er ein kirche oder kirchoff entweihet hette. Luther ausleg. d. evang. (1527) Q 7ᵇ; wie wir dahin sterben und verdorren, gleich dem gras, und noch geringlicher. werke 8, 323ᵇ; deren halben ich meiner eltern und freündtschaft geringklicher vergesse. Schaidenreiszer (1537) 59ᵃ; ich werd warlich mein rath und verwilligung nit so geringlich darzuͦ geben. 69ᵇ; als vil sie (die irdinen geschirre) schlechter sint, so vil geringlicher sint sie zu bekommen. Fischart ehz. 534; aber mich, der ich solcher sachen nie gepflogen, ist es nicht so geringlich ankommen. Hellbach Grobianus 7ᵃ; mich wundert, wie doch die leut so geringlich mögen zu der uneinigkeit und tollen wesen kommen. Kirchhof wendunm. 333ᵇ;
und wird offt geringlich versehen.
froschmeus. I, 2, 15, M 8ᵇ u. ö.;
leichten kaufes:
du (teufel) kompst so gringklich nicht von mir.
Ackermann und Voith dramen 49, 1123;
leicht zu verstehen: mhd. der brediger sol gerinclîchen sprechen und bediuteclîchen. Thomasin welscher gast 11208 bei Lachm. Walth. 161, 45.
3)
geringlich, schlecht, ärmlich Rädlein 360ᵃ: jtzt aber weil ers (gott sein wort) so gar geringlich und on alle pracht dargibt, allein durch eines geringen menschen mund und hand, so mus es veracht und verworffen bleiben. Luther 6, 277ᵇ.
4)
geringlich, schwächlich, minutatim, exigue Henisch 1517, mit geringen worten, tenuiter ebenda.
5)
geringschätzig: auf dasz wir nicht unter andern fürsten der christenheit also gar geringlich nidergedruckt und ausgelassen werden. schreiben schles. fürsten von 1453 bei Grünhagen-Markgraf lehnsurk. Schlesiens 1, 439, 2; noch kompt michs so sauer und schwer an, diesen artikel im hertzen zu erhalten, das ich jn trawen nicht wil noch kan so verachten und geringlich halten. Luther 7, 210ᵃ.
6)
wenig, unbedeutend: so stärkt solches unsern wahn und fürsorge nicht geringlich, dasz man mit betrug umgehe. kurf. Johann Friedrich bei Melanchthon op. 4, 381 Bretschn.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3704, Z. 72.

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Zitationshilfe
„geringlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/geringlich>, abgerufen am 04.12.2021.

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