Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gerinne, n.

gerinne, n.
subst. verb. zu rinnen.
1)
das rinnen, besonders anhaltendes Campe, confluxus Steinbach 2, 295.
2)
der ort des rinnens.
a)
flusz- oder bachbett, rinnsal, alveus, crepido, fluminis extrema terra, quam aqua crepitans alluit Henisch 1519.
b)
künstlich angelegter wasserlauf, sei es durch grabung, sei es aus holz, stein oder eisenblech; nebenform gerenne, wie renne neben rinne Wenckenbach bergm. wb. 55. Ehrenberg baulex. 260.
α)
bei den mühlen der canal oder raum, dadurch das über den fachbaum fallende wasser gegen das mühlenrad zuflieszt Eggers kriegslex. 1, 1037: die gerinne sollen alle glich sie (sein) an der Gere .. man sol auch keine gerinne eingê wan as von alder gewest ist. Michelsen rechtsdenkm. 120 (Erfurt, 16. jh.); das gerinne wird eingetheilt in das mühlgerinne (mahl-, obergerinne, vorarche), vor oder in welchem die wasserräder hängen, in das untergerinne (hinterarche), das unterhalb der wasserräder ist, und in das wüste oder frei-gerinne (freischütz, frei- oder friedarche), durch welches neben dem mühlgerinne das überflüssige wasser abläuft; nach der verschiedenen beschaffenheit der wasserräder heiszt das gerinne panster-, staber-, strauber- (oder straub-) und sackgerinne, ebenso nach der höhe seiner lage ober-, mittel- und unterschlächtiges gerinne, das letztere heiszt auch gerades oder schuszgerinne, wenn es einen geraden schräg abschieszenden, krummes oder kropfgerinne, wenn es einen gekrümmten boden hat. Ehrenberg 261. Mothes ill. baulex. 2, 394.
β)
in berg- und pochwerken eine kastenförmige, aus pfosten zusammengefügte oder aus einem halben baumstamm ausgehauene rinne Herttwig bergbuch 171ᵇ, gerinne, canale Agric., vgl. krinne 1, e: (der schichtmeister) wisse gerinne in die stollen legen, in welche das wasser so gesammelt, geleitet wird, das aus den gängen, klüften, absetzen des gesteins flieszen möge. Bechius Agricola 73; silber-gerinn ist ein ausgehauenes gerinn, worin wasser im ofen auf das blick (silber) gelassen und also abgequicket wird Berward bergphrases (1673) 29; gerinne bei der mehlführung, zum niederschlagen der aus dem pochtroge ausgetragenen pochtrübe in mehrfachen lagen übereinander hergestellt, sind aufbereitungsanstalten Dannenberg-Frantz 148; auch zur beförderung von erzen: unter der nassen (pucher) wirdt das erz durch das blech in die gerinn und schlemmgräben gebucht, und wie ein silberhaltiger schlich über die planherd getrieben. Ercker aula subterranea (1672) 45ᵇ; das gerinne oder lotten, wodurch das erz von einer höhe herunter gerollt wird Frisch 2, 121ᶜ; sogar das erz selbst: schoszgerinne, das kleine gepochte erz, so aus dem pochtrog in das gerinne fleuszt Minerophilus 582. s. halb-, hohlgerinne. dazu demin. das gerinnchen, gerinnlein Adelung, gerinlein canaliculus Dief. 94ᵃ aus Agric. de re metallica.
γ)
gerinne oder soolrinne, leitungsrinne für die soole in salzwerken Eger technol. wb. 2, 330ᵇ.
δ)
gerinne, kleinere brückencanäle und überleitungen, namentlich die in holz ausgeführten Krafft landw. lex. 365ᵃ: by deme nuwen wercke warff es (das grosze wasser) den borgkstegk umme und furte on vor das gerinne, do dy kerszlache in louffet, (man muszte ihn mit seilen herausziehen) anders das wasser hette das gerinne umme geworffen. das gerinne was ouch lochericht worden. Stolle thür. chron. 171; (das wasser) furte das holz vor das gerinne und schutzte das und brach des gerinnes wol zwo meszgerten langk nedder. 189.
ε)
abfluszrinne des hauses: gang, das sind wassergerinn. Sachsensp. 2, 51 var.; gerinne, abzucht, abzugscanal Röhrig techn. wb. 281ᵇ; abfluszrinne eines brunnens: das gerinne, das von der sychen (des spitals) teile des bornis geet. Schirrmacher Liegnitzer urkbch. 312 (von 1417); do ligen die zwu roren eins schuchs tief unter der erden in dem gerin oder abflusz desselben prunnes. Tucher baumeisterb. 165, 24; eines teiches: die fische, so durch den recken und gerinne mit durchgehen. Döbel jägerpract. 4, 101ᵇ; teichgerinne aus eichenholz Weber öcon. lex. 586ᵃ, forst-, fisch- u. jagdlex. (1773) 3, 596 fg.; ableitungscanal eines baches: also ist ein schutzpret gemacht in einem gerinn und graben oberhalb des rechen am selben weier. Tucher baumeisterb. 221, 19.
ζ)
gosse, straszen-, tagerinne Röhrig techn. wb. 281ᵇ: im jahr 1644 sind bei uns in der mark kohlstrünke und weggeworfene knochen von den armen kindern fleiszigst aufgesucht und aus dem gerinne aufgehaben worden. Scriver Gotthold 1046.
η)
im wasserbau, oben offene wasserleitung Röhrig 281ᵇ; das gerinne einer schiffahrtsschleuse. ebenda.
θ)
collectiv das gerinne, mehrere canäle Kraft deutsch-lat. wb. 1033ᵇ.
ι)
gerinne wie oben im bergbau von erzen, so noch bei andern rinnenden gegenständen gebraucht: guszrinne in gieszereien Röhrig a. a. o.; in der münze: bogen heiszt ein von leinwand gemachtes gerinne in eisen gespannt, darin das kleine geld gegossen wird. Jacobsson 5, 265ᵃ.
3)
rinnende flüssigkeit: gerinne, wasserfurchen, elices Henisch 1519; (wasserleitungen)
die glashelles gerinne der berg' in die wimmelnden städte
führen.
Cludius bei Campe.
4)
gerinne, nebenform zu gerenne, andrang berittener leute, auflauf Rothe dür. chron. 780, gerinde Frankf. bürgermeisterb. von 1438 bei Lexer 1, 883.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3708, Z. 37.

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Zitationshilfe
„gerinne“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerinne>, abgerufen am 06.12.2021.

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