Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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germane, m.

germane, m.,
lat. Germanus, eine bezeichnung der Deutschen und der ihnen stammverwandten völker bei Kelten und Römern, die sich bei letzteren mit sicherheit nicht über den sklavenkrieg (73—71 v. Chr.) hinauf verfolgen läszt, vgl. Roths aufsatz in Germania 9, 159. der name ist höchst wahrscheinlich keltischen ursprungs, er findet sich auszer für die Germanen östlich vom Rhein auch für eine den Kelten benachbarte iberische völkerschaft im nördlichen Spanien, die 'Oretani, qui et Germani cognominantur' Plinius h. n. 3, 3 (4), und für keltische stämme im grenzgebiet des nordöstlichen Galliens, die 'Condrusi, Eburones, Caeroesi, Paemani, qui uno nomine Germani appellantur' Caes. de bell. Gall. 2, 4. 6, 32. von diesen letzteren 'Germani cisrhenani' (bell. Gall. 6, 2) überkamen die im gebiet derselben seszhaft gewordenen Tungri den namen Germani:die absicht, den Galliern furcht einzuflöszen und sie zu schrecken, veranlaszte sie, ihren eigenen namen auf das grosze volk, den ganzen volksstamm jenseit des Rheines anzuwenden und sich so als einen theil desselben darzustellen“, so erläutert Müllenhoff, deutsche alterthumskunde 2, 199, die hypothese des Tacitus Germ. c. 2: 'Germaniae vocabulum recens et nuper additum, quoniam qui primi Rhenum transgressi Gallos expulerint, ac nunc Tungri, tunc Germani vocati sint; ita nationis nomen, non gentis evaluisse paulatim, ut omnes primum a victore ob metum, mox et a se ipsis invento nomine Germani vocarentur.' die bedeutung des namens kommt hierbei in keiner weise in betracht, mag er nun nach Zeuss gramm. celt. 735 von cambr. ger, altir. gair vicinus, gael. an gar juxta, gair vicinia, oder nach J. Grimm gesch. d. d. spr.² 546 und Leo Haupts ztschr. 5, 514 (aber auch schon Wachter gloss. 567) vom corn. armor. garm, ir. gairm geschrei, schlachtruf abzuleiten und demnach als 'grenznachbarn' oder als 'schreier, rufer im streit, βοὴν ἀγαθοί' zu erklären sein; für letztere herleitung könnte man die auffassung des namens bei den Briten anführen, s. Beda Venerabilis hist. eccl. Angl. 5, 9: 'in Germania plurimas noverat esse nationes, a quibus Angli vel Saxones, qui nunc Britanniam incolunt, genus et originem duxisse noscuntur, unde hactenus a vicina gente Britonum corrupte Garmani nuncupantur.' da indessen die Tungern ein keltisches volk waren, so bezeichnet Müllenhoff 2, 201 fg. die römische hypothese nach dieser seite hin als verfehlt und unhaltbar,doch setzt sie unstreitig an dem punkte an, wo jeder andre, ähnliche herleitungsversuch gleichfalls ansetzen musz. wir treffen zu beiden seiten des Rheins, nur durch den flusz geschieden, zwei völker verschiedenes stammes, aber mit demselben namen Germani. der name verschwindet alsbald auf dem linken ufer, während er auf dem rechten emporkommt und hier an dem volke haften bleibt, dessen sprache er seinem ursprunge nach fremd war und immer fremd bleiben muszte. man kann sich darnach der vermuthung nicht entziehen, dasz hier eine übertragung stattgefunden hat.mit dem untergang des weströmischen und der gründung des fränkischen reichs schwindet der name aus dem völkerleben, Prokop sagt de bell. vand. 1, 3 ἐς Γερμανούς, οἳ νῦν Φράγγοι καλοῦνται, de bell. goth. 1, 11 οἱ δὲ Φράγγοι οὗτοι Γερμανοὶ μὲν τὸ παλαιὸν ὠνομάζοντο, Germania wird in einer ahd. glosse Diutisca 2, 370 durch Franchono lant wiedergegeben, nach der theilung des Frankenreichs genauer Germani, oster francken Dief. nov. gloss. 191ᵇ. die ahd. und mhd. sprachdenkmale weisen den namen Germani nicht in deutscher gestalt auf, denn der ahd. mannesname Germo, Geremo und die weiblichen namen Germa (der Germen êlicher man schweiz. id. 2, 418, von 1442), Germenberga u. s. w. (Förstemann 1, 512) haben gewisz nichts damit zu thun, sondern stellen sich vielleicht zu altn. Garmr, Gormr, und der name Germann (schweiz. id. a. a. o.), soweit er nicht umbildung von St. Germanus ist, lautet ahd. Garaman, Karaman, Garoman Gereman Förstemann 1, 483, zu ahd. garo paratus, s. gar 3, b sp. 1315. erst im 15. und 16. jahrh. erscheinen als gelehrte übertragung aus dem lateinischen die formen German, Germaner und Germanier, letzteres nach Germania gebildet, wie Gallier nach Gallia; das wort wird zum gemeingut der geschichtschreiber und dichter, bei letzteren mit edlem nebenklang wie ebenso Germanien und germanisch:
die edeln Swab und German.
städtechron. 4, 347, 22 (Augsb., von 1469),
noch bei Adelung der Germān, mit starker flexion im sing. des Germāns, während Germane jetzt durchgängig schwach flectiert wird und die nebenformen verdrängt hat; Germanen Stieler register; darumb kommen die Gallier jhenset halb des Rhein alle von Germanern her. S. Frank Germ. chr. 2ᵃ; von der Teutschen und Germanier reich. 1ᵇ u. ö.; Germani, Germanier Henisch 1520. Möser osnabr. gesch. 1, 128 fg.; jetzt sucht sich der alte Germanier glänzendere thierfelle, .. zierlichere trinkhörner aus. Schiller X, 380, 1; ein noch ungebildetes volk von sehr regsamer einbildungskraft, bei groszer kindlichkeit des sinnes und freiheit von nationaleitelkeit, die Germanier scheinen dieses alles gewesen zu sein. Fichte 7, 344;
der tag, an dem Germanien zwar
dem Cäsar sank, doch der zuerst
den Cäsar die Germanier schätzen lehrte.
H. v. Kleist Herrmannsschlacht 3, 5;
wir zählen funfzehn stämme der Germanen.
4, 6.
es würde zu weit führen, alle aufstellungen zu wiederholen, die über die abstammung des wortes gemacht worden sind, vgl. die literaturübersicht bei Förstemann² 2, 634; anhangsweise sei eine kurze auslese aus früherer zeit geboten: German, der des mans gert. Aventinus 4, 26, 6 Lexer; Germannen, viri bellicosi, ger enim est wehr, bellum, defensio, arma, unde Gallorum guerre atque Hispanorum et Italorum guerra Stieler 1233. Schottel 291; welche den namen Germani ausz der deutschen sprach füren, die sagen, er heisze so vil als garman, totus vir (vgl. Garmann sp. 1361 und germanisch). solls ein lateinischer name sein, so acht ich, er komme daher, dasz die Deutschen sich untereinander haben brüder geheiszen, wie man sie noch im krieg brüder nennt, wenn man umbschlegt (germani, schon im alterthum, aber als brüder der Gallier, z. b. bei Strabo p. 290 διὸ δὴ καί μοι δοκοῦσι ῥωμαῖοι τοῦτο αὐτοῖς θέσθαι τοὔνομα ὡς ἂν γνησίους Γαλάτας φράζειν βουλόμενοι! γνήσιοι γὰρ οἱ Γερμανοὶ κατὰ τὴν τῶν ῥωμαίων διάλεκτον). unser praeceptor, herr Melanchthon, helt es für ein hebreischen namen, von ger, alienigena, ein frembdling, in plurali gerim, walbrüder, a radice gor, das heist raisen und wallen, und ani, von ana, heist arm: Germani, arme elende pilgram und waller, die ausz jrem alten vaterland vertrieben und in die wüsteneien gegen mitternacht haben ziehen müssen. Mathesius diluvium (1587) 364; die Γερμάνιοι Herodots 1, 125 in Persien und der ort Γερμανὴ oder Γερμανία in Thracien, die heimat Belisars, auf welche etymologen vergangener jahrhunderte bezug genommen haben, kommen nicht in frage.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3716, Z. 12.

germanier

germanier,
s. Germane.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3717, Z. 78.

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Zitationshilfe
„germanier“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/germanier>, abgerufen am 06.12.2021.

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