gern adj
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3727, Z. 49
aus garn, s.garnen: viii gerne ducher. Frankf. arch. Elsen von Holczhusen inventar 1410.
gern adv.
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3719, Z. 4
unverkürzt gerne.
I.
formen und verwandtschaft.
1)
ahd. gerno, ultro, delectabiliter, desiderabiliter Graff 4, 233, alts. gerno, georno begierig, freudig, willig, ags. georne, mnl. gherne, nl. gaarne, geerne, altn. gjarna, dän. gjerne, schwed. gärna, gerna, altfries. jerne, gerne, neufries. jearn. das dazu gehörige adjectiv, ahd. gern, gerni intentus, pronus, studiosus, avidus, goth. gairns in faihugairns habsüchtig und seinaigairns eigensüchtig, altn. gjarn, gjörn, gjarnt begierig, ags. georn eifrig, alts. gern begehrend, verlangend, mhd. miete-, niu-, wîpgerne nach lohn, auf neues, nach weibern begierig, ist bis auf geringe spuren im nhd. erloschen: du wirst auch nimmermer gelert, wann du nit wundergern (auszerordentlich lernbegierig) bist. Keisersberg brösamlin 13ᵃ. der stamm liegt einfach vor in dem ahd. mhd. adjectiv ger, gir begehrend, verlangend, ferner in dem verbum gehren (sp. 2551), begehren, mhd. geren, gern, goth. gairnjan, alts. girnean, gernean, ags. geornian, altn. girna, und dem fem. gier, mhd. gir, s. Diefenbach goth. wb. 2, 396. Schade altd. wb.² 1, 302.
2)
nebenformen.
a)
gerene, geren, gären, gerren, das zweite e hat weiter keinen wert als in kern, keren th. 5, 593:
daʒ bezeichenôte daʒ,
daʒ wir wæren gerene
durnæht sam unser herre.
Diemer ged. d. 11. u. 12. jh. 84, 4;
geren und williclich. voc. inc. teut. i 1ᵇ; niemandt trincket geren trübes wasser. Albr. v. Eyb spiegel d. sitt. 105ᵃ; so wolt ich dich geren bitten. S. Virdung musica getutscht (1511) A 4ᵇ;
zu ewer majestat sie geren
sindt obers meer ausz Griechen kohn.
Georg Gotthart zerstörung Trojas (Solothurn 1598) act 7;
die fraw gar geren hett gesehn,
dasz u. s. w.
Sandrub 26, v. 7 neudr.;
aber wer viel gaben giebet,
dessen fehler deckt man geren,
wenn ihr auch zweihundert wären.
pers. rosenthal 8, 152;
ich bei ir geren bin ie und allezeit.
Uhland volksl. 1, 119 u. ö.;
noch nd. geren Schambach 63ᵃ; wo ich in ein wirtzhusz kam, horten mich die lüt gären die Wallesser sprach reden und gaben mir gären. Th. Platter 15 Boos;
da wären sie gar zu gerren (: herren).
Claudius 1, 98.
b)
erweitert gernen Henisch 1520: ob man des gelts und guts .. gernen geschweigen wolte. Mathesius hochzeitpredigten (1584) 65ᵇ.
c)
mundartlich mit langem vocal, z. b. tirol. gêrn, gearn Schöpf 187; mit ausstoszung des r bair. ge ͑n, gê ͑n Schm.² 1, 936, vorarlb. gien Vonbun sagen Vorarlbergs² 275, nordostböhm. ganne, gann Knothe 250.
d)
ger, das sich zu dem unter 1 erwähnten adj. ger stellt: er het nit ger gesehen, das u. s. w. Zimm. chron. 1, 170, 6. 260, 16. 3, 10, 35. 596, 6;
darumb ich thus von hertzen ger,
und wens auch schon geringer wehr.
Ackermann und Voith dramen 266, v. 1565;
das fürbildt wolt ich schawen ger (: her).
Spee trutzn. 121.
3)
steigerung. ahd. gernor kernor gernore gernere, gernôst kernôst gernest: die gernor sint gelêrti danne guote. Notker ps. 118, 2 Wiener hds.; iro lezesten werh sint allero tiuristi, wanda si (königstochter) den ûʒlâʒ gernest kesihet durnohten. 44, 14, kernôst St. Galler hds.; bite sîn selbes (gott), daʒ kehôret er gernôst. 85, 5 St. Galler hds.; mhd. gerner gernre, gernest gernste:
wir mehten michel gerner   sîn im sturme tôt.
Nib. 2049, 2;
si wolten aller gernest
den schimpf mit zorne mischen.
Engelhard 2794;
wenn der mensch am aller gernesten redete, das er denn durch got schweige, und wenn die augen aller gernest sehen mit lustikait, das du sy denn durch got zutuest. Tauler (1508) 43ᵃ; wenn der habich ainen vogel gevæht, sô reiʒt er in des êrsten an der seiten und suocht im daʒ herz, wan daʒ iʒt er aller gernst. Megenberg 169, 30. so auch häufig noch im nhd.: gern habet in comparat. gerner, superl. auf das allergerneste Stieler 646, während dagegen Frisch 1, 343ᵇ behauptet 'es haben einige den comparativum von gern und ungern in den schwang bringen wollen, aber vergeblich. vor alters wurde er gebraucht'; darumb gab man in dester gerner ze kaufen. städtechron. 5, 114, 25 (15. jh.). 199, 9; und so einer höher kompt, so er gerner noch me erhöcht wer. Keisersberg seelenpar. 79ᵃ;
was starck ist, müsz auch haben hörner,
was klogen hab, das wehr sich gerner.
Fischart Jesuiterhütl. A 3ᵇ;
mein lieber vater, ich mochte nichts gerners sehen, als dasz ihr mir eine gelegenheit entdecken. exilium melancholiae 43; weil die klugen wohl wüszten, dasz ruhmsichtige fürsten groszer diener irrthümer gerner sähen als strafften. Lohenstein Armin. 2, 577; wir unterschreiben dieses urtheil um so viel lieber, je gerner wir so wohl des einen als des andern ehre mögen gerettet sehen. Lessing 3, 16; er wird gerner darauf verweilen, ohne zu wissen warum? Schiller I, 153, 14: Amalia. rosen dem vater meines geliebten, dem ich sie izt nicht streuen kann. der alte Moor. und gerner gestreuet hättest. II, 246;
ein paar silberhörner,
sie sieht sie an herrn Ramler gerner.
I, 244, 19;
lasz blinken den rothen, den süszen wein:
es mag der alte zecher
sich gerne sonnen im rothen schein,
sich gerne wärmen am becher;
und gerner sich sonnen in trüber stund
am klarblick deiner augen,
und gerner vom rothen, vom süszen mund
durchwärmende flammen saugen.
Chamisso werke 3, 72;
die hunde, die doch aller gernest wonent bi den lüten, die lieffent zuͦ walde. Königshofen in städtechr. 8, 328, 18;
ich wolt aller gernst.
Wickram bilg. Oᵇ;
ich hab gesucht mit groszem ernst
den ich wolt haben aller gernst.
Thieb. Gart Joseph C 1ᵃ, v. 466;
hab euch immer am gernsten gehabt. Schiller II, 144; dafür ist in jüngerer zeit allmälig der comparativ und superlativ von lieb (th. 6, 908) eingetreten, der schon mhd. in gleicher verwendung erscheint, z. b.
sîns guotes wolte er sich verwegen
vil lieber an den zîten
danne er wolte rîten
von Engelharte wider hein.
Engelhard 1397, vgl. mhd. wb. 1, 1014ᵇ;
die volkssprache hat allerdings an den altgewohnten steigerungsformen festgehalten, die bei ungern auch in der schriftsprache in brauch geblieben sind.
4)
zusammensetzungen.
a)
voranstehend, wie in gernegrosz, gerneklug u. s. w. (s. d.), „drückt gern das eitle und fruchtlose bestreben aus, das die Engländer durch das angehängte would-be ausdrücken, z. b. a merchant-would-be, a politik-would-be“ Lessing 5, 321.
b)
in imperativischen substantivbildungen nachstehend bezeichnet es die neigung zu etwas: (die zeitschrift) der patriot ist ein unvernünftiger tadelgern. Mich. Richey der patriot, drittes jahr (Hamburg 1729), s. 432; hadergern rixosus, trinkgern bibax Frisch 1, 343ᵇ, ein sauffgern Ludwig 747; ein habe-, spiel-, zankgern. Adelung.
c)
über die verstärkenden zusammensetzungen, wie herzensgern u. s. w., sieh II, 3, h, α.
d)
auch das adj. gern bildete im ahd. zahlreiche zusammensetzungen: rechegern rachgierig, wîbgern leno, spilogern pronus in petulantiam, hôhgern altipetax, wîsigern philosophus, rehtgern justus, rawogern quietus, lîhtigern lenis, firiwizgern suspiciosus Graff 4, 234, guotgern benignus Schm.² 1, 937; ebenso im altnordischen: barngjarn u. s. w. Egilsson 246ᵃ; ags. friđgeorn pacificus, lofgeorn ambitiosus; goth. und mhd. sieh unter no. 1.
II.
bedeutung.
1)
mit begierde, mit eifrigem trachten und streben: gern, desideranter voc. 1482 l 8ᵃ, gern willen haben, tendere 8ᵇ; ahd.
(ih iʒ) al ni gizalta   thaʒ ih gerno wolta.
Otfrid 4, 1, 28;
mhd. (die drei könige) si woltenʒ gerne wenden.
Nib. 1214, 3;
die wolde ich gerne in einen schrîn (thun).
ja leider desn mac niht gesîn.
Walther 8, 18;
nhd. (das wort gemeinschafft in S. Pauli spruch ich wil nicht, das ir der teuffel gemeinschafft habt) es ist nicht so gar eigentlich deudsch, als ich es gerne wolte haben .. ich hab kein besser wort dazu finden mügen. Luther 3, 508ᵃ;
ich wolt sie gern reden an.
Ayrer dram. 2076, 8 K.;
ich beicht euch nicht, ich will gern sehen (bin doch begierig zu sehen), wer mich hierzu zwingen wird. Abele künstl. unordn. 1, 11; ich will gerne sehen, wo dieses hinaus will. Rädlein 361ᵃ. Krämer 539ᵃ;
der topf
von eisen will mit einer silbern zange
gern aus der gluth gehoben sein, um selbst
ein topf von silber sich zu dünken.
Lessing 2, 202 (Nathan 1, 2);
mhd. daʒ ander ist, daʒ wir in alles übels erlâʒen, als wir gern von im erlâʒen werden. mystiker 1, 339, 31 Pf.; nhd. die hofejunckern und amptleute sind gerne frei. Luther der 101. psalm (1534) F 3ᵇ; ja du wurdest nit allein geren gekappet sonder verguglet und verbegeynet werden, damit du solliche dinge sehen möchtest. der verzucket Pasquinus (1543) C 3ᵃ, ut similia videas, cupies non solum cucullatus sed et pissoceratus et capucinatus esse. Curio 29; ich habe gern alle meine leute beisammen. Freytag journalisten 2, 2.
2)
gern mit dem conjunctiv, zur bezeichnung des dringenden wunsches: mhd. swenne ein alter eine junge frouwen genimet, sô wære eht er sô gerne junc unde tæte er dem lîbe gerne wol. Berthold v. Regensb. 1, 320, 38 Pf.;
ein burg,
dar in wer ich geren komen.
Lamprecht Alexander 3484 Basler bearb.;
als er dann mit dem empfinden zuͦ einem höhern stat mit allen kreften gern wer. Tauler (Basel 1521) 214ᵇ; nhd. zu hoff wäre ein jeder gern nahe beim bret, aber zu letzt hat einer allein das hefft in händen. Albertinus guld. sendschr. 1, 73; er wäre gern der erste von allen. Ludwig 747; Wersgern als name (er wäre es gern) städtechron. 2, 286; eins bitte ich vom herrn, das hette ich gerne. psalm. 27, 4; gnädiger fürst und herr, wir hätten gerne geld (sagt der würtemb. abgesandte beim landgrafen von Hessen). Schuppius bei Wackernagel 3, 1, 177;
wen mancher mensch den blitz erblikkt,
hett er wol geren flügel.
Rist himl. lieder 45;
er hett den unglauben geren gewendt. städtechr. 5, 87, 19 (15. jh.); Hirschlein (ein knecht) lies (im kampf) die hent vast umbgeen, het seinen junkhern, der als ein braut hielt (still), gern geret, stach und schlueg vast umb sich Wilw. v. Schaumb. 69; wiewol der kaiser und könig die leut gern lenger behalten, wolt doch das reich nit lenger beleiben. 82; etlich hetten geren drein geschlagen. Baumann quellen 2, 605; ein zärtlicher gemahl, der den werth seines herzens und seiner hand durch das geschenk eines fürstenthums so gern zu erhöhen gewünscht hätte. Schiller VIII, 43;
er muszte vor sich selbst sich seiner schwäche schämen,
und hätte gerne sich darüber ausgelacht.
Wieland 21, 298;
sie het es gern gewiszt. Pauli schimpf 141 Öst.;
mhd. diu mære ich weste gerne.
Nib. 1690, 1;
so west ich gern, wie er hiesz.
Ayrer dram. 2065, 21 Keller;
wann der fuchs gern esz, so legt er sich in ein wagenleis und regt sich nit und strecket die zung heraus, gleich als wer er tod (um die raben anzulocken). Keisersberg evang. 217ᵃ; ich bin wirklich in einer höchst verdrüszlichen lage, weil ich gerne an ein stük gienge, und noch zu keinem entschlossen bin. Schiller III, 178;
beste pflanzstadt, du gäbst auf deiner hölzernen brücke
gern ein spielchen.
Ramler Katullus 41;
ergetzt es (märchen) euch, so hat der dichter halb erreicht,
was er dem leser gerne gönnte.
Wieland 9, 192;
mhd. gerne wolte ich, möhte eʒ sîn, bî eigem fiure erwarmen.
Walther 28, 3;
wie gern wollte ich, quam vellem. Aler 646; o wie gerne wolte ich, dasz ire confutation an tag keme. Luther tischr. 371ᵇ; deine knechte wolten gerne, das sie (Zion) gebawet würde. ps. 102, 15; wer nun geren wissen wolte .. Mathesius Sar. 43ᵃ;
ich sprach sölt ich mich nit vergähn,
so wölt ich geren pasz verstän.
Schwarzenberg 154ᵇ;
doch dem war kaum das wort entfahren,
möcht ers im busen gern bewahren.
Schiller XI, 246 (kraniche v. 180);
ich möchte gern, dasz sie ein paar würden. Gellert bei Campe; ich möchte nicht gern einem was zu leide thun. Göthe 57, 190.
3)
mit vorzüglicher lust, mit freuden, mit vergnügen, mit neigung oder froher bereitwilligkeit: gern, libenter, oder lustiglich oder williglich. voc. 1482 l 5ᵃ;
ahd. sô wer sô wilit manno,   sô doufu ih inan gerno.
Otfrid 1, 27, 49;
ih irsterbe gerno. Notker ps. 3, 7 Wiener hds.;
mhd. der gerne für in stürbe.
Hartmann arm. Heinr. 236;
nhd. ich wil nu gerne sterben. 1 Mos. 49, 30; die blumen starben gern unter der liebenden fustritt. Schiller II, 150; der gern sein leben für sie hingeben würde. Freytag werke 13, 137; der seele nach leide ichs gerne umb gottes willen. 2 Macc. 6, 30; was du gibst, das gib gern. Sir. 35, 11; er vergibt gerne. Ludwig 747; würden wir unserm irrenden bruder gerne verzeihen. Schuppius 549; darumb soll ainer seinen gast dieweil er gern bleibet, auch gern behalten. Schaidenreiszer (1537) 63ᵃ; nur derjenige, der, im ruhigen anschauen, die menschheit gerne faszt, wird dergleichen züge vollkommen aufnehmen. Göthe 15, 284;
sie (die götter) fristen das flüchtige leben
gerne dem sterblichen, wollen ihm gerne
ihres eigenen, ewigen himmels
mitgenieszendes fröhliches anschaun
eine weile gönnen und lassen.
9, 26 (Iph. 1, 4);
wie den klippen einer wüsten insel
der schiffer gern den rücken wendet.
9, 69 (4, 3);
die unwürdigen fürchten so gern überlästig zu sein. Schiller III, 548;
gerne dien ich den freunden.
XI, 148;
an dessen freundschaft ich gern dachte. Freytag werke 13, 137; der mann nannte mir mit groszer freimüthigkeit zu seinen behauptungen beispiele, die ich gern wieder vergessen habe. Seume spazierg. 258. insbesondere
a)
gern thun: ahd.
thaʒ deda siu io gerno.
Otfrid 1, 5, 12;
mhd. wiʒʒet swaʒ man gerne tuot,
des mac man vil verenden.
Eraclius 270;
nhd. was man gerne thut, ist keine arbeit. Simrock sprichw. 3445, kommt einem nicht schwer an 3449, vgl.was man gern tragt, wird leicht. Aler 905ᵇ; was man gern thut, wird einem nicht sauer. Gotter Jeanette 1, 4; Jeanette. aber er musz es gern thun. Blum. für sie lief ich wohl durchs feuer. 2, 7; deinen willen, mein gott, thu ich gerne. psalm. 40, 9;
ich weisz wol, dasz man glaubt, dasz einer gerne thu
das, was er gerne sagt.
Logau 3, 6, 2.
b)
gern hören, vernehmen:
ahd. fuar er sâr heimort,   firnam ouh gerno thio wort.
Otfrid 1, 21, 9;
mhd. daʒ man gerne hœren mac.
Iwein 26;
nhd. mancher wil klüglich raten, und man höret jn doch nicht gern. Sir. 37, 23; die landfarer zu guͦnst reden was man gern hört. Schaidenreiszer 59ᵃ; sachen, so keiner gern höret. Ludwig 747; den kukuk, den ihr so gern hörtet. Schiller II, 142; vgl.
das kizelt unsern augenstern,
das schmeichelt unsern ohren gern.
I, 130. II, 154.
c)
etwas oder einen gern sehen: ahd. du gesâhe gerno daʒ ubel was. Notker ps. 49, 19 Wiener hds.; nhd. thuͦ fürter nach dem willen meiner kellerin, das sie gern sicht. Eulenspiegel c. 11; deine knechte .. sehen (sähen) gerne, das ire steine und kalck zugericht würde. psalm. 102, 15; ich sähe gerne, dasz er hingienge. Ludwig 746; mhd.
diu junge marcgrâvin ..
sach ir vater gerne.
Nib. 1103, 3;
von zeit zu zeit seh ich den alten gern.
Göthe 12, 26 (Faust 350 Weim.);
wehe mir! was für
ein kalter freudenleerer blick, wenn du
mich gerne siehst!
Schiller VI, 181;
einen gern sehen, gern um sich haben, gern leiden. Rädlein 361ᵃ; dyn nochbarschafft wirt dich gern sehen. Petr. de Crescentiis (1493) a 6ᵈ; er ist gern gesehen, man hat seine gesellschaft gern, er ist beliebt. Campe;
lüstet euch, gerne gesehn das kyteïsche land zu besuchen?
Voss Hesiod 307 (Orfeus 821);
von liebenden: sie gesiht vil lîhte etelîchen, den sie gerner siht danne in (ihren mann). Berthold v. Regensb. 1, 321, 4 Pf.;
Sixt sah die junge schwester gerne,
die schwester sah den bruder gern.
Wieland 9, 193.
d)
etwas oder einen gern haben (im herzen, im gemüt): er (wîstuom) ist imo suoze: pediu (deshalb) habet er in gerno in muote iouh in munde. Notker ps. 36, 30 Wiener handschrift; er hat es gern, placet illi Frisch 1, 343ᵇ; hab ichs seer gerne, das solcher art bücher wider mich geschrieben werden. Luther wider Hans Worst A 2ᵃ; nims bei dir selbs abe, was dein nehester gern oder ungern hat. Sir. 31, 18; mach mir ein essen, wie ichs gern habe. 1 Mos. 27, 4; es dünkte ihn, die meisterfrau koche absichtlich schlecht und alles was er nicht gern habe. Gotthelf Uli d. kn. 8; mich selbst verdrusz eben so fast, so mich ain würt zuͦ lieb und gern hielt, als wenn er mich mit unwillen auszjagte und ungern hett. Schaidenreiszer 63ᵃ; dasz du ehrlich warst und aufrichtig, gefiel mir, so habe ich die leute gern. Gotthelf Uli d. p. 339; die weisheit leszt sich gern sehen von denen, die sie lieb haben .. ja sie begegnet und gibt sich selbs zu erkennen denen, die sie gerne haben. weish. Sal. 6, 14; von liebesleuten, einen, eine, sich gern haben, wie sich gern mögen, lieb haben, lieben Klein prov.-wb. 1, 142, verstärkt freszgern haben (so dasz sie sich vor liebe auffressen möchten) Spiesz henneb. id. 76; ist einer unter ihnen, den du gern hättest, und ein anderer, den du gar nicht magst, so rede: welchen willst du? Freytag werke 13, 126; ironisch derb: bair. kanst mi gern habm, kannst mir gewogen bleiben Schm.² 1, 936.
e)
gern wo sein: ahd. nu sîn gerno under sînemo gebote. Notker ps. 49, 8 Wiener hds.; guͦter witwin gewonheit, geren und vil in den kirchen ze sein. Steinhöwel Bocc. 481, 36 K.; weilen ich gern bei meines gleichens und handwercksgenossen bin. Abele künstl. unordn. 2, 297; sein, wo einer von natur gern ist. Krämer 539ᵃ;
wo ich gern bin,
darff ich nicht hin.
Eyering 1, 340;
in verkürzter redeweise: mhd.
swâ er die riuwe gerne weiʒ (wo er weisz, dasz die reue gern ist),
dâ machet er die riuwe heiʒ.
Walther v. d. Vogelweide leich v. 108,
vgl. die ähnliche kürze
ir mugt daʒ ors gerne hân (so dasz man es euch gern gibt).
Parz. 561, 11.
f)
gern in verbindung mit einem adjectiv: ahd. trohtin ist zuofluht dero armen die gerno hie arm sint. Notker ps. 9, 10 Wiener hds.; nhd. das ganz kleine landgütchen, mit welchem ihm ein gern freigebiger freund so viel als nichts schenkte. Lessing 8, 444;
sie, die sich jüngst erdreistet mit gespött,
sind gerne froh, sich durch die flucht zu retten.
Schlegel könig Heinrich VI, 1, act 3, sc. 2.
g)
von wiederholter handlung oder gewohnheit, wozu man grosze neigung hat: wer gern dantzt, dem ist guͦt pfiffen. Keisersberg postill 2, 36ᵃ; wer gern lachet, der kutzelt sich selbs, also auch wer gern leuget, der mus auch liegen wenn er die warheit sagt. Luther wider Hans Worst A 3ᵃ; wer aus lustbarkeit der edlen blutreichen natur gern lachet, den kan auch ein schlechter fiedelbogen oder ein schlechter geigauf gar springend, klingend und endlich auch hinckend machen. Abele künstl. unordn. 2, 317; ich kurtzweile gern, und gar in die nacht. 156; das war ein prophecei, wie got gern durch kindisch einfeltig alber leüt wircket und die weltweisen durch der narren wort zuͦruck schlegt. S. Frank Germ. chron. 209ᵃ;
liebe thuts, die alle mängel gerne hüllt und fleiszig decket.
Logau 2, 4, 14;
völcker, die da gern kriegen. psalm. 68, 31; wer sich gern in fahr gibt, der verdirbt drinne. Sir. 3, 27; er iszt gerne was gutes, trinckt gerne wein. Rädlein 360ᵇ; gern wol läben und guͦte biszle oder mümpfele essen. Maaler 170ᶜ; er läst gerne mit sich umgehen, er läst sich gern erbitten. Ludwig 747;
er sträubt sich gern; läszt gern
sich bitten; ist wohl gar ein wenig neidisch.
Lessing 2, 234.
h)
verstärkt.
α)
durch zusätze wie für oder um mein leben, von herzen, herzlich, willig, gewaltig, unsäglich, sehr, gar, gar zu, nur zu, wie, so gern, nicht mehr oder nicht lieber als gern, selten in zusammensetzungen herzens-, lebens-, blut-, seelen-, übergerne (Tieck 16, 361), mhd. wundergern (überaus gern Lanz. 1169): ich wäre um mein leben gern traurig und voll schrecken gewesen. Göthe 19, 313; er hätte das für sein leben gerne gewuszt. Gotthelf Uli d. kn. 161; ich lasse es von hertzen gerne zu, das das abendmal ein sacrament sei. Luther vom abendmal Christi (1528) q 4ᵃ;
da stimm ich mit ein, von herzen gern.
Chamisso 3, 217;
er veilschet alse lange und alse vil, daʒ er herzeclîchen gerne koufte. Berthold von Regensburg 1, 482, 28 Pf.; hertzlich gerne einem behilfflich sein. Steinbach 1, 590; ein buch, das ich herzlich gern möchte geschrieben haben. Gellert an C. Lucius 5; so lange wir gute krieges-führer haben, wird es nicht mangeln an leuten, die unter ihnen willig-gern dienen. Butschky Pathmos 681; wie wol ich mächtig gern auch ungerufen käme. Luther 5, 41ᵃ; das herz redet uns gewaltig gern nach dem maule. Lessing 1, 526; er reisete unsäglich gern. J. Paul; der mensch thut recht gern das gute, das zweckmäszige, wenn er nur dazu kommen kann. Göthe 17, 401;
so will gar gern folgen ich.
Ayrer dram. 2091, 28 K.;
sie spielt gar zu gern. Rädlein 360ᵇ; die ersten schritte, die uns in den irrgarten der liebe bringen, sind so angenehm, die ersten aussichten so reizend, dasz man sie gar zu gern in sein gedächtnisz zurück ruft. Göthe 18, 93;
grad heute, wo ich gar zu gern
dir hätt ein herzlich wort gesagt.
Droste-Hülshoff letzte gaben, an Jos. v. Laszberg;
o wie gerne wolte ich, dasz .. Luther tischr. 371ᵇ; mein hertz frewet sich, das du so gerne hilffest. ps. 13, 6; wenn ich den seinigen nur einen possen spielen konte, so that ich es nicht lieber als gern. Plesse 1, 62, man könnte dafür auch sagen nicht mehr wie gern, oder so that ich es nur zu gern.
β)
durch verdoppelung gern und gern: alles disz litte er gern und gern. Abr. a S. Clara reim dich 335.
γ)
durch verbindung mit ähnlichen adverbien: desselben ich euch lieplichen und gern thun will. Bocc. 64, 22 Keller; alle die es gern und williglich gaben. 2 Mos. 35, 21; das thue ich gern und willig. Steinbach 1, 590; gern und fleiszig zuhören. ebenda; alle denken noch heute oft und gerne daran mit innerer genugthuung zurück. Eylert charakterzüge Friedrich Wilh. III. 2, 208.
δ)
ironisch: er geht so gern dahin als der dieb zum galgen. Ludwig 746; er thut es gern, wie die bawer in thurn steigen. Agricola spr. 1, 366; gern thun, als der fuchs, so sich der birn isset satt, die er nicht mag, wann ers nicht hat. Henisch 938.
i)
gern mit folgendem aber, doch:
ich thets von hertzen ger,
aber ..
Ackermann und Voith 184, v. 909. 924;
gerne vertrau ich, mein freund, euch seel und geist und gemüth an;
aber leib und gebein ist nicht zum besten verwahret,
wenn die geistliche hand der weltlichen zügel sich anmaszt.
Göthe 40, 303;
gerne mag ich hören,
dasz Karlos meine räthe haszt, doch mit
verdrusz entdek ich, dasz er sie verachtet.
Schiller V, 84 (dom Karlos 2, 4);
so gern ich meine meinung über alles frei von der brust weg sage, so möcht' ich doch nicht in dem falle sein, auf dem groszen marktplatze zu Dehly oder Ispahan sagen zu müssen was ich von den menschen denke. Wieland 8, 97.
k)
gern elliptisch in der antwort statt eines satzes (gern will ich es thun, gern soll es geschehen):
welt ir Gotelinde
êlîchen nemen, sô sprechet jâ.
'gerne' sprach der knabe dâ.
er frâgte in aber ander stunt:
'gerne' sprach des knaben munt.
meier Helmbrecht 1514 fg.;
zuo dem künige sie da sprach:
'mein kind! mein schuld und dise sach
die soltu mir vergebende sîn.'
der künig sprach: 'gern!' und weinte ser.
Hans der Büheler königstochter v. Frankr. 4143;
bat ich die reinen frucht,
das sie mir durch ir zucht
ir frauen dett bekant ..
gern, sprach die rein.
Altswert 141, 23;
der gast sprach: lieber wirt, .. wecken mich, do bit ich euch umb. der würt sprach: gern. Pauli schimpf 402 Öst.
l)
substantivisch das gerne: das heiszt compelle intrare, wan not willen macht und das muszen in das gerne verwandelt wirt. Luther 1, 172, 36 Weim.; Vreneli bekäme geld, und notabene gern. das gern ist noch seltener als das geld. Gotthelf Uli d. p. 315.
4)
mit vorsatz, absichtlich, mit fleisz: wann er es gerne und ausz fürsatz, und nicht aus unwissenheit gethan hätte (der mensch hatte vor einem hölzernen juden in einer kirche, den er für den apostel Peter gehalten, das baret abgezogen), so könt ihn niemand absolviren als der pabst selbst. Schuppius 608; es gehet nach der welt laufft, das man niemand gerne beleidigen wil. Luther 4, 446ᵃ; er hats gern (oder mit fleisz) gethan. Göpfert dialektisches aus dem Erzgeb. 32; er hat es nicht gern getahn, imprudens fecit. Stieler 646; es ist nicht gern geschehen. Campe.
5)
willig, bereitwillig, wobei der begriff des freudigen völlig zurücktritt: gern, voluntarie voc. 1482 l 8ᵃ, volens Dasyp. E 5ᶜ;
gern sy hiuwen nider menger buͦn (baum).
Lamprecht Alexander, Basl. bearb. 2263;
es weis doch die welt wol,
daʒ die von Macedonia
zinsten gern in Indea
bis Erkules ward geborn.
3004;
ich wil uns balt ein schiffman finnen,
der uns nur gern führt von hinnen.
Ayrer dram. 2300, 22 Keller;
ich wills gerne glauben. Ludwig 747; im praktischen ist doch kein mensch tolerant! denn wer auch versichert, dasz er jedem seine art und wesen gerne lassen wolle, sucht doch immer diejenigen von der thätigkeit auszuschlieszen, die nicht so denken wie er. Göthe 19, 361;
ich liesz mir gern gefallen.
Seume;
gern verlasz ich diese hütte.
d. j. Göthe 1, 97 (später geändert in nun).
6)
aus freien stücken, umsonst, ohne lohn: da sal man im zu rechte umme geben, he wolle iʒ denne gerne tun. Freiberg. stadtr. 224 (35, 8) Ermisch, s. die volle stelle unter gerichtsschreiber und vergl.
noch thut ers gern und nimpt kein lon.
Murner gäuchm. 940 Sch.
7)
mit verneinung.
a)
gern oder nicht, gern oder ungern, nolens volens: sie mögen es gern thun oder nicht. Frisch 1, 343ᵇ; ein amt, welches sie in die nothwendigkeit setzen würde, gern oder nicht, das gemeine beste zu befördern. Wieland 7, 283;
wie schwer borgt euer mund den ton der bitterkeit,
wenn ihr, gern oder nicht, zum schmählen lächeln müsset!
17, 222 (Idris 4, 43). vgl. 21, 225;
er mags gern oder ungern thun, so soll ers doch thun. Ludwig 746; die freiheit ..., die er ihr gern oder ungern lassen muszte. Wieland 29, 172 Gruber; sie schien einen unsichtbaren zauberkreis um sich her gezogen zu haben, an dessen rande die männer alle, gern oder ungern, stehen bleiben muszten. 41.
b)
nicht gern: er thuts nicht gern, nicht mit lust, wider seinen willen Ludwig 746;
juncker Leipolt,
der nicht gern tranckgelt auszgeit.
Ayrer dram. 2298, 28 Keller;
warumb die bawren nicht gerne lantzknecht herbergen. Hans Sachs 9, 442 Keller; (es) ward beliebet meiner schwester tochter mitzunehmen, weil sie nicht gerne von mir wolte. Petersen lebensbeschreib. 2, 42; leute, die oft krank sind, reisen nicht gern. Gellert an C. Lucius 6;
Recha. ich irre
nicht gern. Nathan. vielmehr, du läszst dich gern belehren.
Lessing 2, 202;
er läst sich nicht gern sprechen. Ludwig 747; warum wendetet ihr euch nicht an die wache? 'das kam auch vor, doch nicht gern.' Göthe 36, 91; eine sache, die sie nicht gerne laut machen wollen. Schiller IV, 233; ähnlich: dasz eine sprache vor der andern zur musik geschickt sei, ist wohl unstreitig, nur will gern kein volk das wenigere auf seine sprache kommen lassen. Lessing 11, 154.
8)
übertragen, von thieren, pflanzen u. s. w., sowie von naturereignissen, um eine vorliebe für etwas, eine neigung zu etwas auszudrücken:
disz thier (der elephant) ..
verliebt sich gern.
von des esels adel 19;
wenn eʒ (katze) unkäuscht, sô wirt eʒ gern wild. Megenberg 151, 28; das pferd läszt sich nicht gern zäumen. Stieler 646; bekanntlich schlagen die hunde gern an, wenn es spazieren geht. Gotthelf 7, 194; mhd.
weiʒe, rîs, mandelkern
wehset in dem lande gern.
Mai u. Beaflor 51, 29;
nhd. felrysz, dens leonis, wechset gern under den eichbeumen. kräuterbuch (Straszburg 1528) 63ᵇ; ein baum, der gern trägt, arbor fertilis. Stieler 646; diese pflanzenart treibt gern ins blatt, schieszt gern ins kraut; in gehäufter ausdrucksweise:
es bedeut das unkraut wild,
welches, unter der saat des herrn,
gar offt zu wachsen pflegt gar gern
neben dem rechten gänsz-kraut.
Spangenberg ganskönig lobsermon 5. blatt;
es wolte gern regnen, aber der wind vertreibts. Ludwig 747, ähnlich sagt man es macht miene zum regnen; der wind kommt in diesem jahr gern aus morgen. Frischbier preusz. wb. 1, 228ᵇ; der oberwind (westwind im bair. Donauthal) pringt gern regen und ungewitter. Aventin. 4, 42, 1 Lexer.
9)
von erfahrungsthatsachen, die sich zu wiederholen, leicht einzutreten pflegen, gewöhnlich, gemeinlich, in der regel, meistens, häufig, oft: mhd.
swer sich lobt aleine
des êre ist gerne kleine.
Freidank 61, 5;
swelch mate ist gemeine
der gras ist gerne kleine.
120, 27;
nhd. also dasz sy (die wunden des oberschenkels) vast geren tödtlich sind. Braunschweig chirurg. (1497) 85ᵇ; alt vasz rinnen gern, alt rören tropffen gern. S. Frank sprichw. 2, 7ᵃ; gleich und gleich geselt sich gern. der teuffel wirfft gern ein gleichs. 2, 101ᵇ; hohe steiger fallen gern tief. Frisch 1, 343ᵇ; die trägen märkte werden gern gut. Schottel 1140ᵃ;
was gleich ist, das tut lang weren,
zu vil ist ungsund und bricht geren.
Baumann quellen 2, 623;
ist der mon new worden und scheinet weisz, so wird es gern grün oder schön. Fischart groszm. 558 Sch.; nach einem groszen regen kompt gern ein schöner sonnenschein. Lehmann flor. 2, 234, 9;
nach sölcher fröud kumpt gern grosz leid.
Körner hist. volksl. 76;
dann mir die traum gern werden wahr.
J. Ayrer Soldan v. Babil. 364ᵃ;
dasz gern ein fürsten-hof an narren fruchtbar sei,
bleibt wahr.
Logau 2, 6, 14;
selten wird mit einem weibe gar viel haupt-gut überkummen,
weil das böse, so an ihnen, hat das haupt gern eingenummen.
2, 10, 28;
wer hungrig ist auff lob, ist gern an tugend leer.
2, 7, 15;
schwartzes feld trägt gerne reiche saate.
2, zugabe 184;
da wächst der wein wo's fasz ist,
es regnet gern wo's nasz ist.
Göthe 47, 92;
solchs tet er, aber (als gern geschicht) man gab im kainen glauben nit. Aventin. 4, 318, 24 Lexer; es pflegt gern so zu gehen. Ludwig 747; eben so, wie ein vergnügter geist das gewisse loos eines sittlich vortreflichen menschen ist, so ist sittliche vortreflichkeit gern die begleiterin eines vergnügten gemüths. Schiller X, 3, 23; wie den glücklichen jeder nebenumstand zu begünstigen, jedes ungefähr mit emporzuheben scheint, so mögen sich auch gern die kleinsten vorfälle zur kränkung, zum verderben des unglücklichen vereinigen. Göthe 17, 412; wer Göthen und Schillern denkmale setzt, kauft sich gern damit einen ablasz, die schriften dieser geister nicht zu studiren. Gutzkow Blasedow 1, 388.
10)
leicht möglich, leicht zu thun, mit leichtigkeit, ohne schwierigkeit: gern, facile Dasyp. E 5ᶜ; mhd.
alsô gerne mac ein man
übele tuon alsô wol.
Iwein 2524;
wer âne alle scholt getruwen frunt vurlois,
der wirt vil gerne sigelois.
Limburg. chron. 37, 3 Wyss;
die weil eʒ (das erlenholz) grüen ist, sô læʒt eʒ sich niht sô gern spalten sam daʒ tännein; aber wenn eʒ gedorret, sô læʒt eʒ sich gerner spalten. Megenberg 315, 2; das es (scheit) dester balder ganz dürr werd und gerner brenn. Keisersberg seelenpar. 154ᵃ; algiosus, der gern freust. Alb. uu 4ᵇ; es begegnet mir gerne, dasz ich zu rasch urtheile. Schiller liter. nachl. d. frau v. Wolzogen 1, 228 (von 1788);
thut meinen willen, sprach der weise,
der gerne die geduld verlor.
Pfeffel poet. versuche 3, 161;
ein könig, nahmens — ja! die nahmen.
die nahmen, die vergesz ich gar zu gern!
Wieland 18, 119;
nach gelen biern und braunen nüssen felt einer gern den halsz ab. Lehmann flor. 2, 234, 11; der teufel reibt sich nicht gern an die rechtschaffene advocaten. Abele künstl. unordn. 2, 45;
so ist es doch ein altes sprichwort war,
das kaufleut nit gerne verderben.
Ambraser liederb. 93, 22;
schertze nicht mit groszen herrn,
die arth leuth erzürnen gern.
arab. sprichw. 48;
die gelehrten sind nicht gerne von den alten und den rothen,
dann sie sind bei allen zeiten untermischet mit den todten.
Logau 2, zugabe, 65;
gesund und müsziggang, so viel man täglich schaut,
wohnt und verträgt sich nie gar gern in einer haut.
3, 3, 100;
genie ist vollends nur ein stern,
bei dem man oft die bahn verlieret,
der gern zu glück und ehr, und gern
zum unglück und zur schande führet.
Göckingk 1, 23;
ich musz gern (möglicherweise, wol) mein silbergeschirr versetzen. Schlegel könig Heinrich IV, 2, act 2, sc. 1; mhd.
dû maht dich gerne (ohne dasz es dir schwer fällt) wâgen
an nütze râtfrâgen.
Hartmann büchlein 1, 597;
des himmels gnade drümb an diesen narren dachte,
und ihn ans ufer letzt heraus bei Setta brachte,
in eine pfleg, und wol so nahe bei die mawr,
als in zehnmalen gern erwerffen kan kein bawr.
Dietr. v. d. Werder Ariost 29, 15, 4;
man kann einen weg recht gern (ohne sich anzustrengen) in einer gewissen zeit zurücklegen. Göpfert dialektisches aus dem Erzgebirge 32; so lasz man es faul werden etwann manchen tag, so gat es (geschosz) gern herausz (aus der wunde). Braunschweig chirurg. 29ᵃ; Joab hatte darüber ein schwert gegürtet .., das gieng gerne aus und ein. 2 Sam. 20, 8; dieselbig büchsz soll gern und geräum in das rohr gehen, dasz sie nicht zu klein oder zu grosz, sondern die rechte grösz und runde habe. Fronsperger kriegsb. 2, 197ᵃ; in Niedersachsen hört man auch wol die thür, der kasten geht nicht gern (schwer) zu. Heynatz antibarb. 2, 37.
11)
leicht und vollkommen, verstärkt im stabreim gut und gern: donoch 1363 warf (gab) man uʒ heller nuwe ... der gingen gerne czwelfe umme einen groʒʒen. Johann v. Guben Zitt. chr. 15, 32; (theuerung in Dänemark) also daʒ ein tonne heringes galt gerne 9 swere gulden. Limb. chr. 83, 2 Wyss; der (sehr saure) win hisz ratzeman, unde di qwarte wolde nit gerne gelden 3 haller. 86, 2;
nuͦn galt der wyn kum zehen pfundt,
in eim monat es dar zuͦ kundt
das er yetz giltet dryssig gern.
S. Brant narrensch. 93, 13;
es were sunst darzuͦ kumen, das ain bürde strow gern 10 pf. hette golten und ain sack mit sprur gern hette golten 4 kritzer. Hug Villinger chron. (zum j. 1517); das pferd kann gern ein paar hundert thaler kosten. Heynatz antibarb. 2, 37; es ist von hier gern noch sechs stunden weit. es sind gern schon sieben jahre vorbei. Schmid schwäb. wb. 228; 's senn gern vier pfund kalbfläsch. Sartorius Würzb. mundart 45; es waren gern zwanzig gäste da. Kraft deutsch-lat. wb. 1034ᵃ; ein kerl, der hatte eine ungeheure krotte unterm arm, gern so grosz als eine heerpaucke. Simpl. 1, 177, 3 Kurz (1, 2, 17); ein fäszlein halb voll wein im vorrath, mit welchem er sich allein gern 8 tag hätte behelffen können. 1, 420, 16 (1, 4, 17); in der zeit, die mir ein stück von zehn bogen kostet, könnte ich gut und gern mit weniger mühe hundert andere bogen schreiben. Lessing 12, 384; B. deutsche hexameter, freund, lassen sich gut und gern verfertigen. A. gut und gern! B. o ja! gut und gern! .. A. gut und gern solls also unsere sprache, deren tact sich meist mit ganzen und halben, und nur sehr wenigen viertel-schlägen begnügt, der griechischen in ihrem viel theilbarern tacte nachthun? Bürger 176ᵃ; an sich könnten vernunft und glaube gerne gemeinschaftlich .. mit einander leben. Claudius 8, 78.
12)
gern für immerhin kommt zuweilen in Niedersachsen vor: gnädige frau, lassen sie sie reden — sie mag das gern sagen, ich finde mich dadurch nicht im geringsten beleidigt. Heynatz antibarb. 2, 37.
gern m
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3727, Z. 51
schosz, weiberrock; herald. die spitze, s.gehren sp. 2542 fg.
Zitationshilfe
„gern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gern>, abgerufen am 18.11.2019.

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