Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerollt, part.

gerollt, part.
zu rollen.
1)
zusammengerollt: gerollte bücher, bücherrollen. Stolberg 8, 30.
2)
gerollter herd bei den bäckern heiszt, wenn die backsteine des herdes auf der hohen kante stehen Jacobsson 6, 61ᵇ.
3)
gequetscht, enthülst: gerollte gersten, perlgraupen Schm.² 2, 87.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3733, Z. 6.

rollen, verb.

rollen, verb.
volutare, volutari. über herkunft vergl. unter rolle, f. nld. rollen, engl. to roll, dän. rulle, schwed. rulla, aus mlat. rotolare, franz. rouler. in älterer sprache nur vereinzelt, s. Lexer mhd. wb. 2, 483.
1)
etwas zu einer rolle wickeln, zusammenlegen, formen: papier, leinwand, leder rollen. in zusammensetzung: aufrollen, zusammenrollen; teig zwischen den händen, nudeln rollen, thon rollen zur verarbeitung; zwirn, seide, band rollen; die haare rollen, sie zu locken wickeln, kräuseln. Tobler 369ᵇ; mit grollta tschöpf. Schöpf 562;
die locken à la mode gerollt,
geglättet die manschetten.
Schiller 1, 253.
gerolltes geld. vom schweif der schlange:
da kam
von Tenedos ein gräszlich schlangenpaar,
den schweif gerollt in fürchterlichem bogen,
daher geschwommen auf den stillen wogen.
Schiller 6, 356;
der nebel sinkt, wie rauch gerollt.
Voss 5, 205.
winden um etwas:
rolle einen schleier um dein gesenktes haupt,
er starb, dein vater starb.
Hölty 45 Halm.
eigenthümlich gewendet von einem gerunzelten gesicht: dieses von den blattminierern der sorgen ausgesogene und gerollte gesicht. J. Paul jubels. 117. ähnlich:
da rollt der graf die finstern brau'n.
Schiller 11, 248.
schweiz. gerollt in besonderer anwendung: g'rollet schieszen, wobei das gewehr so geladen sein musz, dasz die kugel, ohne besonderes treiben mit dem ladestocke, im laufe hinabgleitet. Stalder 2, 281. reflexiv sich rollen: sich rollen, als haare, in cincinnos coire Frisch 2, 125ᶜ; zeug, das sich gut rollen läszt. frei gewendet: die rasende verzweiflung rollte sich in scheuszlichen zügen auf seiner schattengestalt. Klinger 2, 295; sich rollen im sinne von 'sich aufrollen':
als aber sich, vom busen bis zum schuh
aus Zahren's hand ein pelz von grauwerk rollte.
Göckingk 2, 196.
2)
fortwälzend, drehend vorwärts bewegen.
a)
so in eigentlichem sinne: de väte in 't huus rullen. brem. wb. 3, 547; eine kugel rollen. auf untergeschobenen walzen fortbewegen: wan die schiff reide sijnt, so rollt man sij oover runde hulzer in dat wasser. A. v. Harff pilgerf. 49, 1.
b)
in erweitertem und freierem gebrauche: der mensch verarbeitet, glättet und bildet den rohen stein, den die zeiten herbeitragen; ihm gehört der augenblick und der punkt, aber die weltgeschichte rollt der zufall. Schiller 7, 21;
sphären rollt sie (die freude) in den räumen,
die des sehers rohr nicht kennt.
4, 2;
gott der herr, desz blick die sfären rollte.
Rückert ges. ged. 2, 308.
reflexiv:
rollet euch selig wie himmlische lichter.
Arndt 117.
vgl. unten 3, b, α. der bach, der flusz, das meer rollt seine wellen (vgl. unten 3, c, γ); wellen rollen sich. Brockes (s. unten 3, a, β);
so wie ein bach, der in der wüste schleicht,
vergebens sein krystall auf lauten kieseln rollet,
wenn ihn der wandrer nicht erreicht.
Lessing 1, 90;
rollt eure krausen silberwellen
mit hohlem murmeln durch das bunte veilchenthal,
ihr wiesenbäche und ihr quellen.
Hölty 48 Halm;
da, wo der Tiberstrom sein gold
durch au'n, die immer grünen,
in hundert labyrinthen rollt.
Gotter 1, 31;
im schönen lande Wallis, wo die schlängelnde
Savern' durch grüne auen rollt den silberstrom.
Schiller jungfrau 2, 7;
wo der Hellespont die wellen
brausend durch der Dardanellen
hohe felsenpforte rollt.
werke 11, 337;
Tibris, der du rollst die stolzen wogen.
W. v. Humboldt 1, 343.
die augen rollen, sie heftig bewegen, als zeichen des schreckens, der angst, der verzweiflung, des zorns. in gleichem sinne mit den augen rollen: roll' nicht mit den augen. Klinger theater 3, 187 (vgl. unter 3, b, γ); rolle doch deine augen nicht so. Schiller räuber 5, 2 schausp.;
und (sie) rollt die augen voller wuth,
die eine hölle blicken.
Hölty 35 Halm.
dichterisch frei: sie trat näher, rollte einen blick der verzweiflung über den theuern aschenhaufen. Thümmel reise 3, 551; die augen rollen, als lebensfunction:
ach noch rauchet sein blut, noch rollt er das auge, noch starrt es
ganz nicht hin, noch zuckt sein gebein.
Klopstock Mess. 16, 245.
mit dem kopfe rollen, ihn drehend bewegen: (an den unaufmerksamen hanswurst gerichtet:)
ihr steht da und rollt mit eurem kopfe,
streckt euren bauch so ungeschickt.
Göthe 57, 259.
c)
jemanden rollen, in älterer sprache, jemanden derb vornehmen, placken (vgl. oben unter rolle, und unten röllen): ja, der im glouben abstirbt, der kumt zuͦ gott, aber erst nachdem er im fegfür gnug gerollet ist. antwurt: disz rollen muszt du mir anzeigen us der gschrift. Zwingli 1, 408; also war den jüden auch, die bisher waren wol gerollet und zuschlagen. Luther 4, 239; gerolt, geplagt, gecreutzigt. 3, 333ᵇ. im sinne von necken, aufziehen: der könig den Jocundus rollte wegen dessen so verwichener nacht vorgangen. Philander v. Sitt. 2, 315. nd. rullen oder afrullen für prügeln: se hebd em dögd rullet, oder afrullet. brem. wb. 3, 548.
3)
intransitiver gebrauch, volvi, volutari, entweder bei wirklicher ortsveränderung, oder von wälzender, drehender bewegung auf der stelle. über die umschreibung des präteritums mit sein beziehungsweise haben, vgl. das sp. 770 zu reiten bemerkte.
a)
zunächst gebraucht von der bewegung von rollen oder walzenförmiger, gerundeter einzelner körper, die sich um ihre axe drehen und so vorwärts bewegen, ganz besonders von der bewegung des rades.
α)
rollen als eine walze, provolvi ut cylindrus Frisch 2, 125ᶜ; ein stein rollt den berg hinunter. sprichwörtlich: en rollenden stên settet kain moss. Woeste 217ᵇ; ein stein, eine kugel kommt ins rollen, auch übertragen: jetzt kommt die sache ins rollen, in unaufhaltsame entwicklung; der vorhang rollte in die höhe. Göthe 18, 9; perlen rollen über den tisch. dichterisch frei:
ist diese schnur von perlen, weisz und roth,
die dir vom nacken rollt, der ganze reichthum,
den deine seele aufzubieten hat?
H. v. Kleist 1, 140 Hempel;
als die affen das kläflen der nussen horten, die nussen hin und her rollen sahen, lieszen sie den tanz sein. Forer thierb. (1583) 5ᵃ;
den ball, des knaben busenfreund,
der durch die lüfte rollt.
Hölty 121 Halm;
bevor die Parce deinen faden,
mitten im rollen der spindel, kürzet.
88.
von menschen:
dich, der voll blut
vom hügel rollte.
Göckingk 4, 239;
grüsze dich, tonne!
grüsze dich, trinker, der neben ihr rollt!
Arndt 117.
dichterisch frei, von leidenschaftlicher umarmung:
da wir trunken um einander rollten,
lippen schwiegen und das auge sprach.
Schiller 1, 108.
rollen auf walzen:
auf der walze künstlichen wogen
rollt es dahin (das hölzerne pferd), von strängen fortgezogen,
verderbenträchtig, schwanger mit dem blitz
der waffen, rollts in Priams königssitz.
Schiller 6, 357.
β)
von der bewegung des rades am wagen, dann von der des wagens selbst: rollendes material, alles material an wagen, lokomotiven einer eisenbahn. hier verbindet sich mit der vorstellung der bewegung die des entstehenden schalles (vgl. unten 4, a): die wagen rollen auf den gassen, und rasseln auf den straszen. Nahum 2, 5;
wo, noch vor kurzem, wagen rollten, wo manches pferd beritten
liefe,
sieht man sich itzo wellen rollen, rauscht überall die blaue tiefe.
Brockes 7, 281;
sehr gut nimmt das kütschchen sich aus ..
... wie rollt es leicht um die ecke!
Göthe 40, 234;
als die freunde nun gleich die geräumigen plätze genommen,
rollte der wagen eilig, und liesz das pflaster zurücke.
283.
dann in freierer wendung von den insassen eines wagens. hier trifft die neuere sprache wieder zusammen mit einem sonst abgekommenen gebrauche von rollen in älterer zeit, s. unter 3, d, α.
b)
erweiterte und bildliche anwendung von rollen, volvi: mörder, räuber! — mit diesem wort war das gesez unter meine füsze gerollt. Schiller räuber 1, 2 schauspiel; es war eine hübsche rollende (ohne stockung sich fortbewegende) unterhaltung. Freytag handschr. 2, 327. eigenthümlich gewendet:
kaum entschwangen sie sich der schau an Siciliens küsten,
freudejauchzend empor in die höhe mit rollenden segeln (geblähten).
Schiller 1, 120;
doch wie anders klingt sie über jener gränze,
wo die waage (des weltrichters) rollt.
343.
vom wallenden haar:
er (Apollo) wallt herrlich indessen auf Cynthus blumigen hügeln,
sanft sein rollendes haar mit zartem zweige gefesselt.
Bürger 246ᵃ.
anwendung in bestimmten vorstellungsgebieten:
α)
dichterisch von der kreisenden bewegung der erde, der himmelskörper, des weltgebäudes:
daʒ si (die ptaneten) daʒ himelgerüste
nicht nâch sîner gelüste
sô rolande lâʒen umbegân
won daʒ si im widerstân.
Walther v. Rheinau Marienl. 11, 23 Keller;
durstig trinkt den goldnen stralenregen
jedes rollende gestirn.
Schiller 1, 209;
ward, seit die welt in kreisen rollt,
solch ein verrath erlebt?
H. v. Kleist 2, 134 Hempel;
rund ist die erde mit rollenden polen.
Arndt 116;
hier gebeut allmächtiges gesetz,
wodurch sonnen rollen, blumen blühen.
123.
β)
wendungen mit bezug auf das rollende rad, die rollende kugel als symbol des veränderlichen glückes und seiner flüchtigen gaben:
ehre, reichtumb, standt, gewalt
rollet bald
von dem herren zu dem knechte.
R. Roberthin in ged. d. Königsberger 161 neudr.;
das ist die welt (die kugel der meerkatzen),
sie steigt und fällt
und rollt beständig.
Göthe 12, 122;
drum eisen lebe mehr als gold!
und eisenmänner sollen leben,
die, wie Fortunens kugel rollt,
nicht auch sich senken oder heben.
Arndt 177;
hier blühet kein Elysium,
glück rollt von einem fort zum andern.
175.
in ähnlichem bilde von dem unaufhaltsamen fortgang des verhängnisses, der ewigen bewegung des geschehenden: der dichter konnte der rollenden weltgeschichte nicht nacheilen. Göthe 30, 271;
sie wollen
allein in ganz Europa — sich dem rade
des weltverhängnisses, das unaufhaltsam
in vollem laufe rollt, entgegenwerfen?
mit menschenarm in seine speichen fallen?
Schiller don Carlos 3, 10;
stürzen wir uns in das rauschen der zeit,
ins rollen der begebenheit.
Göthe 12, 88.
von der zeit und ihren abschnitten, in deutlichem bilde:
ruhig in dem gleichen pfad
rollt des tages sichrer wagen.
Schiller 11, 201;
und mütter müssen weinen
und bräute jung und hold
den tag, der zu bescheinen
die todten aufwärts rollt.
Arndt 64.
gewöhnlich in der vorstellung des unaufhaltsamen enteilens der zeit: so lange deine zeit rollt. Klinger 3, 62;
dann rollen die jahrhunderte darüber.
Mastalier ged. (1782) 60;
so rollten jahr auf jahre
voll süszer freud', herum.
Hölty 12 Halm;
rollt mein leben zurück? zauberin, phantasie,
wohin zauberst du meinen tritt?
72;
nichts ist beständig! manches miszverhältnisz
löst, unbemerkt, indem die tage rollen,
durch stufenschritte sich in harmonie.
Göthe 6, 346.
häufig von Voss in der Homerübersetzung angewandt für entsprechende formelhafte fügungen des urtextes:
als nun das jahr ankam in der rollenden zeiten vollendung.
Odyss. 1, 16.
γ)
rollen der augen, als zeichen der verzweiflung, der wuth, des schreckens, des wahnsinns (s. oben 2, b): er konnte kaum mit aller anstrengung ein fürchterliches rollen der augen, die innere wuth verbergen. Arnim Hollins liebel. 97 Minor;
des dichters aug', in schönem wahnsinn rollend.
Shakespeare sommern. 5, 1.
freier gewendet (s. oben 2, b):
was ist dir? — du entglühst! und schrecklich rollt dein blick.
Gotter 2, 445;
er läszt die düstern blicke zürnend rollen,
und er beginnt mit der natur zu grollen.
Lenau Faust 122.
von der sich faltenden stirn: nun .. rollt furchtbarer ernst über deine stirne. Klinger 2, 386.
c)
rollen intransitiv, von der bewegung von massen, die sich aus körner- oder tropfenartigen bestandtheilen zusammensetzen: der sand, kalk rollt von der wand herab, das getreide rollt über das sieb; vom schnee des hochgebirges, der sich in bewegung setzt: wenn der schnee stärker wird als er jetzt ist, und durch seine last zu rollen anfängt. Göthe 16, 288. von dampfwolken: der dampf ballte sich bleigrau um die wipfel der bäume, er rollte an den häusern entlang, drang durch die geöffneten fenster und beengte den athem. Freytag handschr. 2, 383. in besonderer anwendung
α)
von den herabrinnenden thränen: sehen sie, dasz auch die freude ihre thänen hat? hier rollen sie, diese kinder der süszesten wollust. Lessing 2, 18; helle perlen rollen über seine wangen. Leisewitz Julius v. Tarent 1, 1;
auf den frischen hügel rollte
so manche thrän' herab.
Hölty 16 Halm;
verzeih, dasz ihre thränen rollen.
Gotter 2, 22;
nie umhalsen deine braut wirst du,
nie, wenn unsre thränen stromweis rollten, —
ewig, ewig, ewig sinkt dein auge zu.
Schiller 1, 180;
wir sehen jammernd seine thränen rollen.
6, 353.
β)
vom blut, nicht gewöhnlich von äuszerlich flieszendem: o ich wollte mich abmüden, dasz mir das blut von den schläfen rollte. Schiller räuber 3, 2 schauspiel;
dein haupt, von dem ein blutflusz rollt.
brüdergesangbuch 1585, 4.
häufiger von dem inneren umlauf des blutes: mein blut beginnt heftiger zu rollen; edles, königliches blut rollt in seinen adern. dichterisch frei:
des jünglings werth, durch dessen herz die tugend
so vieler königlicher ahnen rollt.
Schiller don Carlos 1, 5.
γ)
rollen von strömenden gewässern (s. oben 2, b):
kein indisch elfenbein noch gold
sind das, warum er (der dichter) bitten waget,
auch felder nicht, um die der stumme Liris rollt.
Hagedorn 3, 24;
ein strom, der aus der erde bricht,
und wenîg meilen rollt, und wieder sich verkriecht.
Lessing 1, 88.
im bilde: dieser fürchterlich über seine ufer getretene strom, der noch kürzlich gedrohet hatte, Europens freyheit unter seinen trüben strudeln zu begraben, rollte dann still und vergessen hinter den Pyrenäischen bergen. Schiller 8, 56;
o hätt' in jenen goldnen tagen,
als frei des mundes flut gerollt,
die goldnen saiten Freimund schlagen
vorm ohr der ganzen welt gesollt.
Rückert ges. ged. 1, 3.
besonders aber von durch wind und sturm erregter flut: die wogen rollen, häufig verbunden mit der vorstellung des rauschens:
hoch rollen die wogen, entlang ihr gleis,
und rollen gewaltige felsen eis.
Bürger 203 Sauer;
während er solches erwog in des herzens geist und empfindung,
trug ihn schon hochrollend die wog' an das schroffe gestad hin.
Voss Odyss. 5, 425.
rollende see im seemännischen sinne ist hochgehende, hohle see. allgemeiner: der jammernd nach dem lieben sterne des abends hinblickt, der sich ins rollende meer verbirgt. Göthe 16, 126;
steige berg auf berg bis an die sterne,
rolle zwischen uns ein ocean.
Bürger 100ᵃ.
auch von dem auf den wogen schwimmenden und durch sie heftig bewegten, schwankenden. die seeleute sagen ein schiff rollt, wenn es bei hohler see von einer breitseite auf die andere geworfen wird. Jacobsson 7, 93ᵃ. allgemeiner:
die schollen rollten, stosz auf stosz.
Bürger 204 Sauer.
d)
besonderes.
α)
rollen, auf dem wagen fahren. im älteren nhd. besonders auf dem rollwagen (s. dieses), durch welchen personen befördert wurden, fahren: es fügt sich, dasz ein fuͦrman über land rollet mit einem leeren wagen. Wickram rollw. 67, 1 Kurz; hort, das der fuͦrman durch sein dorff rollen würdt, darumb er sich dann ettwas zuͦ jm gesellet unnd fragt, ob er nit ein drinckgelt nem unnd jn mitt jm rollen liesz. 15; rollen, karren, schlitten, aurigare Maaler 335ᵇ; fortrollen, rheda vehi Stieler 1500; rollen, aurigare, equis nolis instructis vehere Frisch 2, 125ᶜ (er vermuthet, dasz die bezeichnung rollwagen mit rolle, f. schelle [s. rolle 6, b] zusammenhänge); nd. daar rullet he hen, da fährt er hin. brem. wb. 3, 548; so eben fuhr Donna Solina vorbey ... wie klein und demüthig kam ich mir vor, da mein aug' dem ihrigen begegnete, und sie dahin rollte. Klinger theater 2, 135; versuchen sie, sprach er, ob ihnen diesz fuhrwerk gefallen kann, um darin mit mir auf den besten wegen durch die welt zu rollen. Göthe 21, 163;
Hermann faszte die peitsche; dann sasz er und rollt' in den thorweg.
Göthe 40, 283.
β)
rollen in älterer sprache mit leichter wendung zum schlechteren in die bedeutung 'sich umhertreiben' übergehend: er rollet durch die ganze stadt durch, totum oppidum perregtat Stieler 1500; wo rollest du einmal her, unde vagaris, das land ausrollen, per agros vagari ebenda; herumbrollen, vagari licentius voc. von 1618 bei Schm. 2, 87; es ist nit allain ain dorheit, die weiber uf den hirszplan zu nemen, sonder sie auch uf die jagen gewenen und hin und wider zu rollen. Zimm. chron. 3, 127, 11; der laufft zuͦr wollust — der rollet auff der hurerey umb. S. Franck chronica 103ᵇ;
da doch die meisten ihrer zunft (die männer) auf tausend arten gröber rollen.
Günther 437.
in ähnlicher anwendung hat sich rollen mundartlich erhalten, in vielfacher berührung mit der bedeutung 'brünstig sein' (s. unten γ): herum rollen, unstät und neugierig umherlaufen Vilmar 330; ummerolle, wild umherspringen Seiler 240ᵇ. Stalder 2, 281; rollen, ausgelassen sein, muthwillig lärmen Schmid 438; rangglen und rollen auch von kindern. Schöpf 562; rollen spielen Frisch 2, 125ᶜ. dann auch handgreiflich liebkosen Stalder 2, 281. Hintner 190.
γ)
prurire, brünstig sein von verschiedenen thieren: rollen, wann die saw mit dem eber laufft. voc. von 1663 bei Schöpf 562. vgl. Vilmar 330. Spiesz 197. Kehrein 331. Schmidt 165. Woeste 217ᵇ. auch von kühen Kehrein a. a. o.; die kuh hrollt sich Schröer 286ᵇ. der kater wird in einigen gegenden roller genannt Schmid 438; rolli Seiler 240ᵇ. weidmännisch: der wolf runtzet oder rollet, heiszt die zeit der vermischung. Döbel jägerpr. 1, 36ᵃ, ebenso vom fuchse 1, 40ᵃ (s. unten rollzeit). vielfach in den mundarten auf den menschen übertragen. vergl. die angegebenen idiotica und nd. putjerullen coire Schütze 3, 314; rammelten, rolleten, luderten, trancken genug. Fischart Garg. 193ᵃ.
4)
aus der vorstellung der bewegung entwickelt sich die des dadurch hervorgerufenen schalles. gewöhnlich von tönen, wie sie durch den wiederhall hohler räume entstehen, vom schall fahrender wagen, dann auch freier: der donner rollt, wagen rollen über die brücke, rollendes gewehrfeuer u. ä.; da wird man hören die geisseln klappen, und die reder rasseln, die rosse schreien, und die wagen rollen. Nahum 3, 2;
wie der fackeln goldne locken wallen!
wie der leichenwagen
durch das stadtthor rollet.
Hölty 52 Halm;
(da ich) die kegelkugeln rollen und die kegel fallen hörte. Göthe 24, 16; aber die kugel, die der Sicilianer auf sie abschosz und welche wir langsam auf den altar rollen hörten? Schiller 4, 251. vom donner: diese worte rollten wie donner in die ohren der gäste. Klinger 3, 79;
der donner, wann er durch die hohen berge rollet.
Köhler kunst üb. alle künste 27, 15;
jeder donnerschlag,
der durch die wolken rollte.
Lichtwer 177;
spricht ohnmächtig der strahl, und der donner, rollt er verloren
aus dem wettergewölk nur leeren schreck in die seele.
Bürger 247ᵃ;
vorüber war der sturm, der donner rollen
das hallende gebirg hinein verschollen.
Schiller 1, 218;
wenn der uralte
heilige vater
mit gelassener hand
aus rollenden wolken
segnende blitze
über die erde sät.
Göthe 2, 84;
das mochte Hafis wohl im geist bedenken,
und liesz getrost des lebens stürme rollen.
Platen 60ᵃ;
Heimarmenens donner rollen,
zischend sprühn Erinnys schlangen.
Arndt 22;
und von den blitzen
und von dem wehe
rollender wolken
klingt es nicht mehr.
133;
was ist herrlichster klang? ists droben
auf des donnerers stühlen sitzen,
und, von wolkiger nacht umwoben,
rings aus rollenden wettern blitzen?
153.
vom lachen: dasz euch vor rollendem lachen und lachendem rollen kein nestel zerspring. Fischart Garg. 25ᵃ. von einer klangvollen stimme:
und horchender schwieg die versammlung,
selbst die genossen der kunst, wie klar ihm die tön' und geründet
rolleten unter dem bogen.
Voss Luise (1795) 3, 797.
weidmännisch anrollen vom jagdhund, der das wild anbellt, übertragen: jemanden anfahren. Schm. 2, 87. rollen entsprechend der bedeutung 'schelle, klingel' von rolle (s. rolle 6, b) in schweizerischer mundart und auch sonst in Oberdeutschland im sinne von klingeln, schellen. Tobler 369ᵇ; dazu demin. rölleln ebenda. Schm. 2, 87.
5)
etwas mit, auf einer rolle bearbeiten, s. rolle 4. 5. 6.
a)
mangeln, mit der rolle glätten: tüg rullen Schambach 176ᵃ. ebenso oberd. Schm. 2, 87. Hügel 129ᵇ.
b)
flachs rollen, ihn vermittelst der rolle grob vorbrechen. Schm. a. a. o.
c)
getreide, erde u. ä. vermittelst der rolle, eines schräg stehenden siebes, reinigen. Adelung, schweiz. röllen Stalder 2, 281.
d)
rollen im bergbau, erz auf einer rolle abwärts fördern. Veith bergw. 385.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1140, Z. 72.

rollen, röllen, verb.

rollen, röllen, verb.
korn aus den hülsen quetschen (s. oben rellen sp. 804): spelz musz auf der mühlen wie die gersten gerollet und gescheelt werden. Tabernaem. 607; die reichen kochen die gerollte gerst mit hunerbrühen. 622; sintemal man die gersten in der mühl zu gerben oder zu röllen pflegt. Simpl. 3, 160, 1 Kurz. Schm. 2, 87. Stalder 2, 281. es geschieht auf der röllmühle (s. dieses und röllstaub). rölle heiszt der trichter in der mühle, welcher das zerquetschte korn aufnimmt, daher übertragen durch die rölle (rolle) laufen (s. oben rölle). auch die verwendung von rollen im sinne von 'plagen' (s. rollen 2, c) gehört wol ursprünglich hierher.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1146, Z. 10.

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„gerollt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerollt>, abgerufen am 28.11.2021.

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