Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gerstenkorn, n.

gerstenkorn, n.
1)
ein samenkorn der gerste, granum hordei Stieler 121, ahd. gerstun korn Otfrid 3, 7, 25, s. gerste 1, h: daʒ gerstenkorn gibt nicht sô guot mel sam andreu korn. Megenberg 413, 3; also das ein jedes gerstenkorn zwen keimen gewint. Bock kräuterb. (1551) 244ᵃ;
in der wirthschaft ..,
da man alte gerstenkörner
zu der pferde futter nimmt.
Brockes ird. vergn. 9, 145;
die beschaffenheit, die kraft,
die, den durst mit lust zu stillen,
alle gerstenkörner füllen.
ebenda;
dimin. gerstenkörnlein Denzler 129ᵇ, gerstenkörnle Frisius dict. puer. 1, 193ᵇ:
ein gerstenkörnlein in der erden.
H. Sachs 17, 475, 24 Keller;
sprichwörtlich: da das gerstenkorn sitzt, da kan das rockenkorn nicht hinkommen, das ist, wenn der magen voller biers ist, so will er kein essen einlassen. Henisch 1522 (schon mnd. bei Schiller-Lübben 2, 74ᵃ), vgl. gerste 2, b; das gerstenkorn hülfft so wol als das rockenkorn. ebenda; um etwas geringfügiges auszudrücken: mhd.
mich nuzte baʒ ein gerstenkorn,
denn du. du bist niut nütze mir.
Boner edelst. 1, 12.
2)
im gemeinen leben zur bezeichnung eines der kleinsten gewichte und längenmasze gebraucht, s. korn 8 th. 5, 1818.
a)
als apothekergewicht der zwanzigste theil eines scrupels, der gran (aus lat. granum) Zinck öcon. lex. 924, s. K. Schiller zum thier- u. kräuterb. 3, 32ᵃ: essig ein halb lot, opium 40 gerstenkörner schwere. Braunschweig chirurg. (1497) 71ᵇ.
b)
als längenmasz der zehnte oder zwölfte theil eines zolles, eine linie Adelung, Zinck; in einer Straszb. hds. des 15. jh. bei Wackernagel bischofs- und dienstmannenrecht von Basel 35 sind fünf gerstenkörner gleich einem daumen (zoll); in der deutschen Sandel'schen ausgabe der masz- und gewichtsordnung Przemisl Ottokars von 1268 (Breslau 1596, vgl. cod. dipl. Sil. 4, einl. 48), abschn. über das land-, wald- und feldmasz, heiszt es: erstlichen wann man 4 gerstenkörner neben einander leget, deren breite soll ein querfinger genennet werden.
3)
figürlich, wegen der ähnlichkeit in der gestalt.
a)
kleine geschwulst am augenlide, clavus, hordeolum, der würner, gerstenkorn Alb. T 2ᵇ. Stieler 605: in derselben augenbrauen wachset ein klein blätterli, welchs nach der gleichnisz eines gerstenkorns von den Griechen crithe genannt wirt. Celsus von Khuffner (1531) 115ᵇ; dimin. gerstenkörnlein: eben in solchem auglid erhebt sich auch ein klein geschwerlin, welches der gestalt halben eins gerstenkörnlins ordeolum genannt wirt. Ryff chir. 62ᵃ.
b)
weisze erbsengrosze blatter im maule der schweine, welche oft tödlich ist, auch der rank oder das rankkorn genannt. Krünitz 17, 438.
c)
gerstenkornähnliche figuren in leinenem tafelzeug, in gestreiften seidenen stoffen, in stickereien u. s. w. Krünitz a. a. o.; daher eine art schlechten drelles, sonst gänseaugen genannt Strodtmann id. osnabr. 66. dazu gerstenkornmodel, gerstenkornmuster Jacobsson 2, 64ᵇ; gerstenkornstoff, eine art linnen Eger techn. wb. 2, 331ᵃ.
d)
eine schnecke mit gewundener und verlängerter schale, die zu den mondschnecken gerechnet werden kann. Campe.
4)
gerstenkorn, eine art des roggens, die viele und grosze halme mit ästigen ähren treibt, auch staudenroggen, staudenkorn genannt Nemnich 2, 1269.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3738, Z. 56.

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Zitationshilfe
„gerstenkorn“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerstenkorn>, abgerufen am 06.12.2021.

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