Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gertrud, gertraud

gertrud, gertraud,
ahd. Kêrdrûd, Gêrtrûd, weiblicher eigenname, der seiner ableitung nach zu gêr, speer, und entweder zu trût amicus oder zu altn. þrûđr, þrûđa, jungfrau, und dem walkürennamen þrûđr gehört; scherzhaft umgedeutet Gerntraut Abele künstliche unordnung 1, 120; als bezeichnung einer schwerfälligen plumpen person: eine Deutsche bleibt immer eine brave, schwere Gertrude, die noth hat, an einen mann zu kommen. Börne 5, 254. eine sehr alte koseform von Gertrud ist Geila, Gêla, ein noch in Hessen üblicher frauenname, der auch in Gelnhausen, früher Geilenhûsen, vorliegt Vilmar kurh. id. 122; die nd. koseform lautet Gese, Geseke Schiller-Lübben 2, 78ᵃ. sprichwörtliches, das sich auf die heil. Gertrud, tochter Pipins von Landen, äbtissin von Nivelles, die schutzheilige der reisenden, bezieht: er hat mit S. Gertraut ein wettlauff gethan, wenn einer in seinem amt und stand von den kirchenämtern reich wird Henisch 1523, über den ursprung des sprichwortes berichtet Agricola: in Sachsen ist ein vorsteher gewesen eins spitals, S. Gerdrut genant .. alle welt wundert sich, woher jm so viel gelts käm .. zuletzt kompt es ausz durch sein eigen weib, wie er auff ein zeit ein groszen sack mit gelt neben S. Gerdruten bilde auff den altar gesetzt hette und gesprochen zum bilde, wolan es gilt hin, wer eh zu der kirchthür kompt, der sol das gelt gewonnen haben. der vorsteher laufft hin, S. Gerdruten bild bleibt stehn, und er gewint also das gelt. 1, 326; etliche sprechen, wenn sich die seele von dem leichnam scheide, sei sie die erste nacht bei Sanct Gerdraut. Grimm myth.² 798. 282; Gertruden minne trinken, s. minne th. 6, 2240, Grimm myth.² 53 fg. Zingerle sitz.-berichte der k. k. akademie d. w. 40, 177 fg. Schm.² 1, 942. 1618; Gertrudentag, der 17. märz, als beginn der feld- und gartenarbeit, s. gärtner II, 1, c sp. 1421. Wander spr. 1, 1575. Vilmar 125: am Gertraudtag läuft die maus am rocken hinauf und beiszt den faden ab, das spinnen hört auf. Schm.; als ankunftstag der störche:
Sanct Gertraudt heiszet uns willkom,
mit Sanct Jacob ziehn wir davon.
froschm. 2, 2, 6 Z 7ᵇ.
Gertrautsvogel, lanius infaustus, bergamsel, 'er ist sehr keck, so dasz er den reisenden ihre speise stiehlt' Nemnich 2, 325; Gertrudsvogel, unglücksvogel, sein geschrei gilt für unglückbringend Adelung 4, 870; in Norwegen heiszt der rothaubichte schwarzspecht Gertrudsvogel, s. Grimm myth.² 639.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3746, Z. 30.

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Zitationshilfe
„gertraud“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gertraud>, abgerufen am 28.11.2021.

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