Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gerunzen

gerunzen,
wie das vorige, part. zum vermuteten starkflect. verb. rinzen: gerunczen, rugosus Dief. 503ᵇ; der ein, ganz von ungestalt geformiert, mit einem braiten angesicht aller gerunzen (ganz runzlig). Bocc. 55, 132ᵇ, con viso piatto e ricagnato.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3775, Z. 1.

grunzen2, vb.

²grunzen, vb.
1)
ableitung mit -z- (oft ˃ s) suffix zum subst. grun bzw. subst. adj. grün nach dem typus der verba odorativa (vgl. A. Feuerstein die nhd. verba mit der bedeutung riechen und schmecken nach etw., diss., Freiburg i. B. 1921, s. 24 ff.) 'nach grün riechen oder schmecken', oft mit dem charakter des üblen, widrigen, vgl. grüneln (sp. 938), grunenzen (sp. 949); seit dem 16. jh. belegt und in den maa. lebendig: disz gewächsz mit stengel, kraut und bluͦmen stincken und gruntzen Bock kräuterb. (1539) 63ᵃ; gruenzen von wurzelspeisen 'nach kraut oder erde riechen oder schmecken' Schmeller-Fr. 1, 1003 aus dem Spessart; gruenzen nach grünenden pflanzen riechen Martin-Lienhart 1, 277ᵃ; grengsen nach frischem grün riechen lux. ma. 153ᵇ, bezeichnet den geschmack von grünem kaffee, ebenso grünzen rheinisch. wb. 2, 1456; doppelte erweiterungen sind grüenzelen, grünschelen nach ungekochtem kohl schmecken Staub-Tobler 2, 784, grüenslen nach frischem grün riechen Martin-Lienhart 1, 277ᵃ, gruanseln von gekochtem Fischer schwäb. 3, 883; anders, als intensivbildung zu grunen aufzufassen: es grûnzt alles es grünt alles Crecelius oberhess. 441.
2)
zu grund 'erde' gehört grundsen nach dem boden schmecken rheinisch. wb. 2, 1468; grunzen unangenehm nach erde schmecken Crecelius oberhess. 441; doch sind beide grunzen nicht immer scharf zu scheiden, s. Schmeller-Fr. a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1933), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 967, Z. 56.

grunzen1, vb.

¹grunzen, vb.,
grunnire, murmurare. intensivbildung zu grunnen (s. d.), vgl. auch grunsen. ahd. grunzen, gigrunzen; spätmhd. grunzen; ags. grunnettan; me. grunten; engl. grunt; norw.-dän. grynte, alle in der bedeutung grunnire. im ahd. wie grunsen (s. d.) und grummen, grummeln, auch grunzen vom dumpfen laut des donners: (aether und aer sind geschwister) ane daz er (aether) io in guotemo ist. si (aer) grunzet aber diccho fone ungeuuitere Notker schr. 1, 743 Piper. statt grunzen gelegentlich gronzen, wobei aber gron(n)en teil 4, 1, 6, 443 zu beachten: gronzen Abr. a s. Clara Judas 3 (1692) 93; gronza Sartorius Würzbg. 50, vgl. auch kronzer, m., 'mürrischer mensch' aus Grimmelshausen s. v. krunzen teil 5 sp. 2471. selten ist umlaut des u: grünzen Keisersberg seelenparadies (1510) 43ᶜ; H. Sachs 1, 329 lit. ver.; S. Brant v. d. losen füchsen (1546) v 2ᵃ; Schöpper syn. (1550) b 6ᶜ; Orsäus nomencl. (1623) 51; Schottel haubtspr. 60. formen mit anlautendem k s. bei krunzen teil 5 sp. 2471, vgl. auszerdem ahd. crunnizodon ahd. gl. 2, 543, 4. das wort ist dem nd. fremd und zeigt, wenn es gelegentlich erscheint, die aus dem hochdeutschen entlehnte verschobene form, vgl. gruntzer chron. d. dtsch. städte (Braunschweig 1488) 16, 101; zur verbreitung in den maa. s. sp. 965; 966.
1)
meist bezeichnet grunzen die rauhen, stoszartigen, einem gebell ähnlichen laute des schweines; ahd. ist das wort in dieser bedeutung als verbum nicht belegt, aber zu erschlieszen aus dem subst. grunnizoton, crunnizodon grunnitibus (glosse zu Prud. apotheosis 416) ahd. gl. 2, 537, 30; 2, 543, 4. gebucht in md., obd. glossaren seit dem 15. jh.: grunczen grunnire Diefenbach gloss. 270ᵇ; grunnire porcorum est gruntzen Bas. Faber thes. (1587) 368ᵇ; grunnio, grundio gruntzen wie die säw Corvinus fons lat. (1660) 653. wie grunnen auch als glosse zu baulare (eig. 'bellen') pellen ader grunczen bei Diefenbach mlat.-böhm. 49. in fester substantivierung: das gruntzen der schwein grunnitus J. Bentzius thes. lat. (1596) 71; Hulsius-Ravellus (1616) 147ᵇ; Steinbach dtsch. wb. (1734) 1, 651: ist ein sau ... den wendelstein raufkommen, gegrunzet, davon wir uns gefürchtet Schweinichen denkw. 16 Öst.; hörete einen gantzen hauffen seuwe kirren und gruntzen Luther tischr. (Frkf. 1576) 202ᵇ Aurifaber; bald schracken die elephanten für den trommetern und gruntzen der schweine Gabr. Rollenhagen indian. reisen (1603) 24; (das ansinnen) so widrig klingt, wie das gruntzen der säuen im judenhause Er. Francisci lust. schaubühne (1702) 1, 974; die schweine in den koben fingen erschreckt an zu grunzen Cl. Viebig das schlafende heer (1904) 1, 190. mit stärkerem affectgehalt: ist es, das inen eine (eichel) entgat, so grüntzent sy und schnauwent mit dem grans (rüssel) herumb Keisersberg seelenparadies (1510) 43ᶜ; (ein schwein, das) seine augen rollt und wuth grunzt Pestalozzi sämtl. werke (1927) 2, 29 krit. ausg.; mit 4 spielend: wenn man gleich ihren (der schweine) gesellen die kehle absticht; ob sie wol ein wenig drüber grunzen, so ists doch bald vergessen Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 357. das grunzen ist eines der zoologischen merkmale des schweins: die schlange zischet, das schwein gruntzt, die spansau rültzt Harsdörfer frauenzimmergesprächsp. 3, 292;
will grunzen, wiehern, bellen, brummen, flammen
wie eber, pferd, hund, bär und feur zusammen
Shakespeare 1, 223.
im partic. als stehendes beiwort: ein gruntzend schwein Prätorius philos. colus (1662) 11; Triller poet. betrachtungen (1750) 2, 612; Freytag ges. w. 12, 63; die saudirn mit ihren grunzenden zöglingen Steub drei sommer 1, 244; grunzen wie die schweine, säue u. a.: das er kerren und gruntzen kondt wie die schwein V. Dietrich christl. kirche zu Regensburg (1555) p 1ᵇ; Mathesius Sarepta (1571) 219ᵇ; Prätorius saturnalia (1663) 137. daher auch ohne specielle nennung verständlich: in den fluszarmen, welche durch die stadt führen, hat das vieh seine schwemmen, dort brüllt und grunzt es und verengt den weg für menschen und karren Freytag ges. w. 18, 123;
und tausendstimmig brüllt und blökt und grunzt
ein zahllos herdenvolk auf deinen wiesen
Geibel w. (1888) 4, 82;
und endlich mit des Ulysses seinen geferden dörfte in der gruntzenden zunft verfallen Prätorius der abenteuerl. glückstopf (1669) 16. in den maa. ist die bedeutung nicht durchaus verbreitet oder nicht consequent notiert: grunzen Schmeller-Fr. 1, 1006; grunzen Ch. Schmidt Straszb. 45ᵇ; gronza Sartorius Würzb. 50; grunzen neben grunschen rhein. wb. 2, 1468; grunzen Crecelius oberhess. 441; gruinze Hertel Thür. 110. auf norddeutschem boden nur nordfries. grŷînte Jensen 173, sonst grunsen (s. d.).
2)
seltener von anderen, dem grunzen des schweines ähnlichen tierstimmen: ein gruntzender bär Ettner u. Eiteritz maulaffe (1719) 752; da (die wanderer) näher kamen, wurde das gekläff der rüden wilder, die grunzenden stimmen einer bärenfamilie mischten sich darein G. Freytag ges. w. 8, 228; (der affe) streckte sich (im zorn) auf allen vieren, grunzte und machte bedrohliche bewegungen Brehm tierl. 1, 142 P.-L.; (des gorillas) bald rollendes, bald grunzendes gebrüll ebda 1, 66; (du wirfst) über den grunzenden tiger das joch maler Müller w. (1811) 1, 176; die einsiedler (unter den grunzochsen) gesellen sich den herden, laufen, kühe suchend und dabei beständig grunzend, wie sinnlos umher Brehm tierl. 3, 255 P.-L.; der fisch läszt im wasser ein grunzen hören Oken allg. naturgesch. 6, 93. im zoologischen namen: cottus grunniens der grunzende brummer (ein fisch) ebda 6, 47, s. auch grunzochse, grunzer. auch fabelhafte, unheimliche lebewesen grunzen: grunzender lindwurm Fr. Th. Vischer auch einer (1879) 1, 337;
(der winter) hat mir verhunzet
des gartens zier
und knurrt und grunzet
vor meiner thür
Fr. Stolberg ges. w. (1820) 2, 3;
und grunzend entfliehen die dämonen J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 1, 133; in einem traume (spielt) dieser krückenjunge eine hauptrolle, indem er ... grunzende töne ausstöszt Holtei vierzig jahre (1843) 1, 51.
3)
auf den menschen übertragen 'rauhe töne von sich geben': dann begannen wir ein ceremonielles gespräch, das jener (der eingeborene) des öfteren unterbrach, um sein erstaunen über unsere weisze hautfarbe durch grunzende töne auszudrücken v. Götzen durch Afrika (1895) 180; die halbnackten Baschkiren, verschiedene sprachen grunzend und schnaufend Rosegger höllbart (1903) 111; (aus dem küchenfenster) kann man mitunter einen grunzenden gesang vernehmen Storm ges. schr. 7 (1877) 194. mit mannigfachem psychischen gehalt: nur durch ein grunzendes gestöhn giebt (der gymnasiast in den ferien) seinem behagen ausdruck Raabe Horacker (1876) 4; musz ein held die würde seines epischen charakters dadurch behaupten, dasz er wie ein karthäuser nur sein memento mori! ernsthaft und sauertöpfisch grunze? Herder s. w. 3, 221 S.; (ein herr) der dem redner mit groszem beifall, welchen er durch kopfnicken, grunzen kund gab, zuhörte Spielhagen s. w. 2, 386; bald erklang jenes urkräftige grunzen, wodurch damals (1849) die sittliche entrüstung sich zu offenbaren pflegte Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 493; eigenartig im reime schon bei H. Sachs:
(ich sah schmelzwerke)
mit ertzbrechen, schmeltzen und zrennen,
mit schayden, probieren und müntzen;
vor wunder gleich mein hertz thet grüntzen
ob diesem groszem arbeyten und zabeln
3, 480 lit. ver.
gern als einschub in eine unwillige, cynische, unbeherrschte antwort: 'schwindel' grunzte John Bull, welchem wenig oder nichts an dem graben gelegen ist W. Raabe Abu Telfan (1870) 1, 31; 'ich weisz, was ihr mir sagen wollt', grunzte er mir entgegen Pfeffel pros. versuche (1810) 3, 174;
'ach himmel!' gruntzt er (der von gläubigern heimgesuchte) 'wirds noch schlimmer!'
Chr. Günther ged. (1739) 167;
Robert: 'ich will jetzt blos noch nach innen musik machen ...' Josef (hat sich abgekehrt, um seine heiterkeit zu verbergen, grunzt jetzt:) 'nach innen?' Hirschfeld die mütter (1896) 65. an dem gebrauch von 1 bereichert: daher grunzen zoten in liebevollen versen, daher flieszt die hefe der natur in empfindsamen silbenmaszen Jean Paul w. 40/41, 42 Hempel; unter allem romantisme grunzt und giert der instinkt Rousseaus nach rache Nietzsche w. 8, 118; morgen internationalistisch geifern, übermorgen kommunistisch grunzen J. Scherr Schiller (1873) 1, x. selbständigere bedeutungen, die aber den gebrauch von 1 oft deutlich durchspüren lassen, sind in diesem bereich: grunzen 'behaglich der ruhe genieszen, wie ein schwein, das vor behagen grunzt' Ch. Schmidt Straszb. 45ᵇ; grunzen 'schlafen' Eilenberger pennälersprache 18; Müller-Fraureuth obersächs.-erzgeb. 1, 447ᵇ; hierher auch 'schnarchlaute von sich geben':
wenn ich (die junge verliebte frau) in kümmernusz und lauter liebesschmerz
musz meine junge zeit mit leerer hand verzehren,
da ein Saturnus (ihr alter ehemann) stets an meiner seite gruntz
Joh. Riemer polit. stockfisch (1681) 116.
4)
'murren, grollen'; von alters im range einer selbständigen bedeutung:
thie guate es sar biginnent joh iz frambringent,
joh sint fro thrato rehtero dato;
thie andere alle filu frua sero grunzent tharzua
Otfrid V 25, 85;
in derselben bedeutung gigrunzen mit d. gen.:
odo inan wiht sar smerze, thaz er es thoh gigrunze
ebda V 23, 252,
vgl. gruncenti caperrans (die brauen zusammenziehend) Graff 4, 329; irasci ergrimmen, griszgrammen, grüntzen Schöpper syn. (1550) b 6ᶜ; sonst gebucht zu lat. stomachari Diefenbach nov. gl. 349ᵇ (15. jh.); altercari, expostulari, fremere Stieler stammb. 701; ital. mormorare di qualche cosa Kramer 1 (1700) 575ᵃ; frz. grogner, gronder, murmurer Schrader dtsch.-frz. 1, 582ᵃ;
si grunzedin und grynen,
war umme her (gott) were heymelich den genen,
de da waren groize sundere
vier geistl. ged. 648 Heinzel, zs. f. dt. altert. 17, 31;
so gott diesz thun kan und ... dem gruntzen und der gewalt der phariseer durch einen einigen Nicodemum wehren Luther w. 33, 485 W.; (der capitän) hat soviel ausgerichtet, dasz diakonus auf seinen teil 10 rthr. wieder bekommen zum viatico, nicht ohne grunzen der soldaten acta publica 7, 249 Palm; die öbirsten von disen worten erbittert, gruntzten noch dartzu in irem mut, daz er im so vil gewalts beym volk einneme Michael Risch paraphr. d. evangelium Joh. (1524) s 4ᵇ; offt stirbet der man, den dass weib zu tode gegruntzet Mathesius Syrach (1586) 174ᵃ. gern mit sinnverwandten ausdrücken; sehr sinnkräftig bei Luther: nu ist doctor Luther ein wenig hoffertig und gibt nit vil auf der romanisten runtzen und gruntzen w. 6, 289 W.; schmollen und gruntzen ebda 53, 621; fluchen, gruntzen und schelten Herberger trauerbinden (1617) 4, 217; sie grolleten und gruntzeten Zesen Assenat (1679) 62;
da grunzt ein jeder, zürnt und greint
Pape christiani hominis sors (1612) e 4ᵇ;
kein greinen und kein grunzen, meine söhn und töchter!
U. Bräker schr. 1, 269;
wenn die braut zuweilen in der nacht
von einem schweren traum in ihrem schlaf erwacht
und weckt den bräutgam auf und will es ihm erzehlen,
so soll er darum nicht viel gruntzen oder schmählen
Henrici ernst-, scherzh. ged. (1727) 2, 161;
besonders murren und grunzen: kommet aber unglück, creutz, truͤbsahl, (dann) gehet das murren und gruntzen an Dannhawer katechismusmilch 1, 260; wo lauter murren, gruntzen und argwon ist, da wohnt der teufel Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, m m m 7ᵃ; Ambras. liederb. 32, 21 lit. ver.; Dan. Schaller herold (1595) f 4ᵃ; mit jemandem, wider, auf jemanden grunzen:
auch kan ich (des teufels groszmutter) mich verdrehen an diesem tanze,
darumb solt ihr nicht mit mir gruntzen,
last mich auch schütteln die alten runtzeln
D. Schernberg spiel v. frau Jutten 6 Schröder;
gruntze nicht wieder gott J. Gigas furcht d. pestilenz (1546) a 3ᵃ; (dasz sie) auf einander gruntzeten Prätorius Blockesberg (1668) 574; auf dem wege zu einer specialisierung 'widersprechen, raisonnieren': ihr tummen kerle, müszt ihr noch gruntzen? Steinbach deutsches wb. (1734) 1, 651, vgl. entgegengrunzen ebda; etwas begrunzen:
magst es benuscheln, beneifeln, begruntzen
W. Scherfer ged. (1652) 408;
darnach lassen sie den gefaszten zorn aus dem hertzen durch sawrsehen, morren, gruntzen und andere unfreundliche geberde herfür Sigism. Suevus Herodis bankett (1569) h 7ᵇ; auf 1 anspielend: wollt ir brüllen, brummen, gruntzen und murren, so geht hinaus unter die kühe und schweine Luther tischr. (1576) 187ᵃ Aurifaber; öfters übertragen vom knurren des hundes:
gleich wie ein groszer kettenhund
kan nichts dann gruntzen alle stund
B. Krüger anf. u. ende d. welt (1580) g 3ᵃ;
(der hund) bellet den frembdling an, den zu nahe herbey nahenden beiszet er auch wol heimlich und gruntzet und murret wider in
Comenius ian. ⅠⅤ ling. (1643) 67.
der lebenskreis des wortes in dieser bedeutung ist die niedere umgangssprache; vgl.: einsmals hörte man, die keine schäfer waren (formula loquendi rusticis usitata) über das schmiergeld (draufgeld, das die bauern dem lohn der schäfer zusetzen) gruntzen Veroander bauernstandes lasterprobe (1684) 97; es verdankt seine im 16. jh. vorübergehend starke verbreitung wohl vor allem Luthers einflusz, während Luther selbst es mit anderen nicht hochsprachlichen worten 1540 aus der übersetzung apostelgesch. 12, 20 tilgt, vgl. C. Franke schriftspr. Luthers 2, 70ᵇ: er gruntzet (ἦν δὲ θυμομαχῶν) aber mit den von Tyro und Sidon, später: er gedacht wider die von T. und S. zu kriegen. im 17. jh. seltener, darf die bedeutung im 18. jh. trotz gelegentlicher belege (Henrici, U. Bräker s. o.) und buchungen (s. sp. 964) allgemein als ausgestorben gelten, vgl. 'grunzen wird nur noch von den schweinen gesagt' Frisch 1, 380ᵇ. in einem teil der maa. hat sie sich dagegen erhalten: grunzen 'murrend klagen' Staub-Tobler 2, 786; grünzen Martin-Lienhart 1, 279; gronza 'murren, grollen' Sartorius Würzbg. 50; 'vom murren des menschen' Crecelius oberhess. 441; grunzen, grunschen 'sich beschweren, murren, brummen' rhein. wb. 2, 1468.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1933), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 964, Z. 7.

grunzen2, vb.

²grunzen, vb.
1)
ableitung mit -z- (oft ˃ s) suffix zum subst. grun bzw. subst. adj. grün nach dem typus der verba odorativa (vgl. A. Feuerstein die nhd. verba mit der bedeutung riechen und schmecken nach etw., diss., Freiburg i. B. 1921, s. 24 ff.) 'nach grün riechen oder schmecken', oft mit dem charakter des üblen, widrigen, vgl. grüneln (sp. 938), grunenzen (sp. 949); seit dem 16. jh. belegt und in den maa. lebendig: disz gewächsz mit stengel, kraut und bluͦmen stincken und gruntzen Bock kräuterb. (1539) 63ᵃ; gruenzen von wurzelspeisen 'nach kraut oder erde riechen oder schmecken' Schmeller-Fr. 1, 1003 aus dem Spessart; gruenzen nach grünenden pflanzen riechen Martin-Lienhart 1, 277ᵃ; grengsen nach frischem grün riechen lux. ma. 153ᵇ, bezeichnet den geschmack von grünem kaffee, ebenso grünzen rheinisch. wb. 2, 1456; doppelte erweiterungen sind grüenzelen, grünschelen nach ungekochtem kohl schmecken Staub-Tobler 2, 784, grüenslen nach frischem grün riechen Martin-Lienhart 1, 277ᵃ, gruanseln von gekochtem Fischer schwäb. 3, 883; anders, als intensivbildung zu grunen aufzufassen: es grûnzt alles es grünt alles Crecelius oberhess. 441.
2)
zu grund 'erde' gehört grundsen nach dem boden schmecken rheinisch. wb. 2, 1468; grunzen unangenehm nach erde schmecken Crecelius oberhess. 441; doch sind beide grunzen nicht immer scharf zu scheiden, s. Schmeller-Fr. a. a. o.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1933), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 967, Z. 56.

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„gerunzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gerunzen>, abgerufen am 06.12.2021.

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