Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gesind, gesinde, m.

gesind, gesinde, m.
weggenosse, gefolgsmann, comes, starkflectiert ahd. gasint, mhd. gesint, altsächs. gisîđ, ags. gesîđ, fries. sîth, schwachflectiert goth. gasinþja, gasinþa, reisegefährte, ahd. gisindo, auch thes weges samansindo (Otfrid 5, 9, 9), mhd. gesinde, mlat. gasindus. zum ahd. masc. sind, sinth, weg, reise, mhd. sint, md. sin, goth. sinþs gang, mal (in zahladverbien), altn. sinn, sinni, altsächs. und ags. sîđ. vgl. das neutr. gesinde, insbesondere nr. 6.
1)
der gefolgsmann eines fürsten auf kriegsfahrten und reisen, mhd. auch ingesinde, her-, hof- und haimgesinde:
unz Ulix gesindin
der ciclops vraʒ in Siciljin.
Annolied 361;
einen der Kernær gesint (gefolgsmann des kärnt. herzogs auf der reise).
Ottokars reimchron. 82369 Seemüller;
frou Jeschût diu wol gevar
was sîn (des fürsten) gesinde (auf der fahrt), und niemen mêr.
Parz. 274, 25;
dô sprach zer küniginne   der marcgrâve Ekewart:
sît daʒ ich aller êrste   iwer gesinde wart,
sô hân ich iu mit triuwen   gedienet ..
Nib. 1223, 2. 394, 1;
übrigens ahd. auch der gefolgshauptmann: kasind vel cravo, comes, princeps militiae Graff 6, 233. Germ. 11, 39ᵇ.
2)
kriegsleute, truppen, vgl. das neutr. gesinde nr. 2: hertzog Steffan gesind lagen zu Weiszenhorn. Nürnb. chron. 1, 36, 1;
(man) zog auff Hatuan zu
mit lauter frischen gesinden.
Körner volksl. 271.
3)
in kirchlicher anwendung, anhänger, jünger: ahd. ther diufeles gisindo (Judas). Otfrid 4, 12, 42; sîne (des teufels) gesinden. fundgr. 1, 17, 8;
die zwêne gotes gesinde.
exodus 138, 3 Diemer;
schau auff die lehre nun, die welche wir befinden
den gantzen weltkreis aus bei allen Christgesinden.
Opitz Hugo Grot. 311;
bei den rechten Christgesinden.
413;
ein mercklicher unterscheid zwischen einem irrdisch- und himlische gesienden, zwischen einem, so der welt, und einem, der dem herrn Christo seine ritterdienste geleistet. Brandt bericht vom leben Taubmanns 76.
4)
hausgenosse, vgl. hausgesinde th. 4, 2, 667, nr. 2 am ende:
(wagen) dâ man ûffe fuorte wîb unte chint
ioͮch anderen gesint.
Diut. 3, 111, fundgr. 2, 70, 38;
der fremden und der gesinden.
j. Titurel 5958;
swelch sæleger dâ (im himmel) gesinde wirt.
Konr. v. Heimesfurt bei Haupt 8, 200;
bei den handwerkern, vgl. das neutr. gesinde nr. 6, b:
(der meister) bei seinen lehr-gesinden (lehrlingen).
Opitz Hugo Grot. 329.
5)
diener, knecht, dienstbote: es sein etliche gesindt und dienst also fahrlässig. Keisersberg narrenschiff 736 Scheible; merkwürdig anklingend noch bei Göthe:
ein herre mit zwei gesind,
er wird nicht wohl gepflegt.
5, 126 (west-östl. divan 128 Weim.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4108, Z. 71.

gesinde, n.

gesinde, n.
das gefolge, die dienerschaft, ahd. gasindi, gisindi, coll. zum masc. gasint, s. das zweitvorhergehende wort, mhd. gesinde und einzeln auch sinde, altsächs. gisîđi, ags. gesîđđ, mnl. ghesinde, mnd. gesinde und sinde, entlehnt dän. gesinde, huusgesinde. durch angleichung entstand die nebenform gesinne heldenbuch 642, 11 Keller, gesinde vel gesinne, domus Melber g 7ᵃ, gesynne Dief.-Wülcker 616 (Frankf. a. M., 15. jahrh.), disz gesinn Morszheim spiegel d. reg. B 2ᵇ, hoffgesyn A 4ᵇ, gesin, familia Dief. 224ᵇ (15. jh.), auch mnd. dat gesinne, ingesinne gesamtabenteuer nr. 42, 50 fg., wie md. sin neben sind sp. 4108. mit gesteigertem vocal gesunde (d. i. gesünde) Dief. 224ᵇ, suppenschisseln fürs gesünde, gesündeschisseln Birlinger Augsb. wb. 193ᵇ aus dem Fuggerschen inv., wie sündel für sindel, gesindel:
dô sprach der gezwerg usz zorn:
ir sündel und ir affen.
rosengarten künig Laurins (Straszb. 1509) 7ᵃ.
1)
die gefolgschaft eines fürsten auf kriegsfahrt und reise, dann der hofstaat überhaupt:
daʒ man mich (herzog v. Kärnten) sô swinde
macht schadhaft an mînem gesinde.
Ottokars reimchron. 82402 Seemüller;
von Kernden daʒ gesinde.
82332;
swaʒ Karlotten (Karls von Anjou) gesinde was,
der deheiner des genas,
er müest daʒ houbt verliesen.
4319;
von rittern und von vrouwen
ein selch gesinde.
Iwein 5934;
wie Ulysses gesinde in der Circe hause. Mathesius diluvium (1587) 407ᵃ; Circe habe mit ihrem zaubertrunk das Ulyssische gesinde verwandelt. Philander 1, vorr.; sein gesind, das mit im erzogen, stätigs umb in gewesen und gewont, hat in (kaiser Commodus) verfüert. Aventin. 4, 886, 14 Lexer; o welch ein seltzam gesinde ists umb einen solchen (gottseligen) hofediener, noch hat Saul der böse könig einen solchen (David) gehabt. Luther 3, 297ᵇ; das gesinde Pharao. 1 Mos. 45, 2; das gesinde des königs. 2 Sam. 16, 2; das hofgesind (des sultans). Schweigger reisbeschr. (1619) 77; auch die niedere hofdienerschaft: unsere (des herzogs) schneider, die bei uns wohnen auf dem hause oder unser gesinde sind. Liegnitzer urkundenbuch 119 Schirrmacher (von 1349); ein newer sangiachi (türk. statthalter) .. sein gsind waren maistthails raisige und bogenschützen. Rauwolff reise 44. vgl.hof-, jagdgesinde theil 4, 2, 1679. 2208.
2)
das heergefolge, die heerschar, das kriegsvolk: ahd. kisindes, milicie Steinmeyer-Sievers gl. 1, 284, 1; reitgesinde, equitatus Williram 1, 9; mhd. fuoʒgesinde, fuszvolk Konr. v. Würzburg troj. krieg 30318;
si kômen ûf die marke:   die knehte zogten dan.
Sîfrit der vil starke   vrâgen des began
'wer sol des gesindes   uns nu hüeten hie?'
Nib. 176, 3;
daʒ ir gesinde (das heer der Semegallen) was verlorn.
livl. reimchron. 11331 Pf.;
kais. majestäts gesind kompt gemach von statt. Schertlin briefe 11 (von 1532);
er (der bär, d. h. Bern) sante so geswinde
nach diener und eidgenossen, ein keiserlich gesinde (eine stattliche schaar).
Justinger Bern. chron. 134, 16 Studer;
daʒ si erfuren, ob icht gesindes da wer. Augsb. chron. 1, 27, anm. 4 (von 1372); gen Memmingen, do unser (der Augsburger) gesind lag. 85, anm. 2 (von 1388); und bracht das gesind (exercitus) unverletzt darvon. Tacius bei Fronsperger 3, 234ᵇ; der truchsäsz bevalhe, dasz sie (die haubtleut) sich mit irem raiszigen gesind (reiterei) allem von stund an berait machten und die nacht ob in irem harnasch bliben. Baumann quellen 1, 566; baldt darnach entgieng er im (der eingeschlossene Hasdrubal dem Römer Nero) auch mit dem ubrigen ringfertigen gesind (leichtbewaffneten kriegsvolk). Fronsperger 3, 175ᵇ; es sol kein hauptmann dem andern seine bestelte knecht ... annehmen, noch keiner dem andern sonst sein gesind abspannen. kaiser Maximilians II artickels-brieff art. 69.
3)
in kirchlicher anwendung, von den himmlischen und höllischen heerscharen: ahd. daʒ Satanâʒses kisindi, das teufelsheer. Muspilli 8; mhd.
der uns durch dich all hât erlôst
von hellischem gesinde.
Osw. v. Wolkenstein 114, 2, 4;
des himils gesinde.
genesis 17, 8 Diemer;
si (Maria) is ruͦm allis himilischis gisindis.
Wernher vom Niederrhein 58, 4;
wis im genædic, herre got!
wan tugenthafter gast kam in dîn gesinde nie.
minnes. 1, 182ᵃ v. d. Hagen;
sie (die weiber am grabe Jesu) suchten ihres herzens hort
und finden sein gesinde (die engel).
P. Gerhardt 'nun freut euch hier';
Mephistopheles (zu gott). so siehst du mich auch unter dem gesinde.
Göthe 12, 22 (Faust 274 Weim.).
4)
die gefolgschaft im allgemeinen, die begleiter, anhänger: ahd. (die magd zu Petrus)
ih wânu, thu sîs rehto   thesses mannes knehto,
thes sînes gesindes (gefolges).
Otfrid 4, 18, 8;
mhd. dâ von gap unser herre Jhesus Christus dem romischen keiser von sînem gesinde (seinen jüngern) einen phenninc ze zinse. Schwabensp. c. 256 § 6 Gengler; nhd. unzeliche felle des todes, welche allzumal des teufels werck sind durch sich selbs oder sein gesinde. Luther 3, 384ᵃ; wer seins (des teufels) gesindes ist (vorher mörder, den leib zu würgen, lügener, die seele zu verfüren). ebenda; ende der tyrannen .. man spottet und lachet jr, wie man am bapst und seinem gesinde jtzt sihet. 3, 245ᵇ;
Jörg Witzel das verlorne kindt
felt von gott zu des bapsts gesindt.
Alberus contrafactur A 1ᵇ;
namentlich in der dichtersprache: ahd. gisindi, comitatus Steinmeyer-Sievers 2, 674, 53, gl. zu Virg. Aen. 12, 336, von den begleiterinnen des einherstürmenden kriegsgottes, der Formido, Ira, Insidia; das gefolge des todes, der minne u. s. w.:
der tôt der suochte sêre   dâ sîn gesinde was.
Nibel. 2161, 3;
daʒ gesinde der minne.
Tristan 17442;
dô uns der kurze sumer sîn gesinde wesen bat.
Walther 13, 22;
ir wiʒʒet wol, daʒ der geitikeit
gesinde ist karkeit und bosheit.
Renner 5244;
vil armuͦt ich empfinde
teglîch auff diser erd
mit mangerlai gesinde
des mir das alder mêrt.
Osw. v. Wolkenstein 119, 1, 7;
die erzürnte wellen,
von Aeols rasendem gesinde gepeitscht.
Brockes ird. vergn. 7, 280;
(gott) spannet auch die schnelle wind
an seinen wolkenwagen,
da lauft das schnaufend luftgesind.
Spee trutzn. 151;
mische dich zum luftigen gesinde (den Lamien).
Göthe 41, 123 (Faust 7240 Weim.);
der hunger ...
mit seinem blassen mordgesind,
den seuchen.
Pfeffel poet. vers. 1, 8.
5)
vom hofleben auf bürgerliche und bäuerliche verhältnisse übertragen, die dienerschaft.
a)
die diener der obrigkeit: vunde he des richteris nicht, so solde he manen die vrowe (des richters) oder sin gesinde. Freiberger stadtr. c. 12, 2; der stede ind der burgermeister gesinde yclichine einen gulden. Laurent Aach. stadtrechn. des 14. jh. 249, 24; es sol auch niemandts des raths gesind und knecht in raths geschefften ... nicht ubel anfaren. Jenaer stadtordn. von 1540 art. 144 Michelsen; von den gerichtsbeisitzern: alse sik de richter meth des richtes gesinde woll beraden hadde. Demminsche urk. von 1484 bei Dähnert 149ᵇ.
b)
die gesellen und lehrjungen der handwerksmeister: es sal kein goltsmid dem andern sein gesinde entspenen (abspenstig machen), es sei geselle addir junge. Freib. stadtr. 292, 19 Ermisch (um 1466); mnd. ock schall nemand holden des andern sinde. brem. wb. 4, 790, amtsrolle der goldschmiede; alle münsser, wehseler, goltsmide noch alles ire gesinde. Straszb. verordn. 392 Brucker (15. jahrh.); deheinem snyder oder tuͦchscherer, sinem wibe, kinde, gesinde. 446 (von 1494); denn er (herzog Georg) hat sichs gar nicht versehen, ... das zu Leipzig in der einigen stad solten so viel bürger (als ich höre, bei achtzigen, und mit jrem gesinde in die achthundert heupter) seinen zorn ... verachten. Luther 6, 14ᵇ; das handwerk- und knappen-gesind zu Kitzpüchl. Dukher salzb. chron. 240; im bergbau: 'gesinde wurden vor zeiten die gemeinen bergarbeiter in Böhmen genannt' Richter berg- u. hüttenlex. (1805) 1, 400, vgl. gesindel 1; das hammer-, salz-, kol-, schiffsgesind, das gesamte personal eines hammer- oder salzwerks, einer kohlenbrennerei, die schiffsmannschaft Schmeller² 2, 305, schon mhd. das schif- oder kielgesinde Jeroschin 7992. Tristan 2335.
c)
die dienstboten des hauses und hofes, knechte und mägde, vgl. hausgesinde 1, th. 4, 2, 667, jetzt auf dem lande mehr als in der stadt gebräuchlich:
ich hatte grôʒ gesinde ..
harte stolze knehte ..
darzuo menge dirne.
Martina 128ᵃ, 1;
hat ein man gesinde gemietit, iʒ sî knecht oder mait, di mac he wol zuchtigen, ab si iʒ verdinen. Freib. stadtr. 256, 7 Ermisch; der wirt (hausherr) oder kein sines gesindes. 172, 17; ain eifrær, der .. gelebt nümmer güetleichen mit seiner hausfrawen noch mit seim gesind. Megenberg 237, 21; knecht, megede oder kellerin oder ander gesinde. Straszburger verordn. 467 Brucker (15. jh.); daher so grosze klag ist uber gesind und dienstleute in der welt. Luther 4, 115ᵃ; und war kein mensch vom gesinde des hauses dabei. 1 Mos. 39, 11; da trat Vidivitus, ein Alaner, herfür, der war der aller ansichteste (th. 1, 461 nachzutragen ansicht, adj. ansehnlich) unter inen allen, denn er hatte viel gesinde. Waissel chron. (1559) 12ᵃ; das eseltreibig, lonsorgig, augendienschafft gesind ist ihm (dem ehelosen) kaum gehorsam. Garg. 68ᵇ (115 Sch.);
(sie) laufft hin und milckt die küh so bald als das gesinde.
Opitz 1, 157;
das wetter kennet man an dem wind, und den herren bei seinem gesind. Otho 665; das gesind machts der herrschaft nach. Schiller III, 358 (kab. 1, 1); ich rufe das gesinde. Göthe 7, 108;
dort in der reinlichen stube, wo tags und bei nächtlicher leuchtung
arbeitsam das gesinde verkehrete.
Voss Luise 3, 2, 2.
in Est- und Kurland heiszen gesinde auch die den dienstboten zur behausung dienenden, abgesondert vom gutshof gelegenen gehöfte und weiler: wir wollen in das gesinde fahren; nach seiner heimat gefragt, wies er auf ein nahe liegendes gesinde; jeder wirt werde sein gesinde als freien besitz erhalten; die pachtsumme für die gesinde erhöhen; gesinde verkaufen.
d)
die hausgenossenschaft überhaupt, die insassen eines hauses, s. hausgesinde 2, theil 4, 2, 667 und gesindevater: das gesind, da weder scham noch frommkeit nit ist, clausa domus pudori et sanctimoniae Maaler 175ᵃ; o wie mancher schöner palast und herliche und schöne geheuse die vor (vor der pest) mit edelm und wirdigem gesinde, groszen und kleinen, besessen waren. Bocc. 8, 16 Keller; Pharao sprach zu Joseph, sage deinen brüdern, nemet ewrn vater und ewr gesinde und kompt zu mir (nachher nemet zu euch wagen zu ewrn kindern und weibern). 1 Mos. 45, 18.
6)
von einer einzelnen person, wofür früher das masc. gesinde sp. 4108.
a)
gefolgsmann, hofbediensteter:
(ich) eins trewen fürsten hofgesind.
turnierreim bei Hund bair. stammenbuch 1, 63ᵇ;
so der ein lehen hat oder uberkömpt, der des bapsts oder cardinel gesind ist, oder so er zuvor ein lehen hat, und darnach bapsts oder cardinals gesind wird. Luther 1, 295ᵃ.
b)
der hausgenosse, mietwohner: wie ein man sein hausgesind geurlauben mag. hat ein (haus-)wirt einen yman oder ein hoffrawen in seiner herberg umb einen gedingten zins. wenn der wirt das ingesind nicht lenger halten (behalten) wil umb so getan schuld .. Ingolstadter stadtr. 73 (15. jahrh.) bei Heumann opusc. 162.
c)
diener, knecht oder magd:
er sprach: müller, traut gesind,
weiszt auf der burg nit neue mähr?
wunderhorn 4, 222;
(gott redt zum Adam und zuo Heva:)
o Adam! Heva! liebs gesind!
Ruff Adam u. Heva 1009;
Abram sprach .. der son meines gesinds sol mein erbe sein. 1 Mos. 15, 3; ein from gesinde halte nicht wie einen hund und fuszhader. Mathesius Syr. 1, 41ᵃ; wenn gleich einem jedern gesinde seine besondere arbeit gehörte, warum solte es aber nicht im nothfall, wenn eines oder das andere nicht zur stelle were, den andern die hand reichen. Colerus hausb. 7; warumb solte nicht ein jedes gesinde seiner herrschafft nutz schaffen? ebenda;
sie schickten ein gesinde.
Opitz Argenis 1, 18;
mit ungewöhnlichem plural:
durch gäst' und gesinder
gibt man aus die kinder.
Auerbach dichter u. kaufmann (1840) 1, 24, sprichwörtlich.
7)
verallgemeinert.
a)
volk, leute: beim fürstlichen hochzeitsmahl gibt es zweierlei trachten speisen, die eine für frowen, grafen, ritter und edel personen, die andere für das gemein gesind. reimchronik des herz. Ulrich von Würtenberg 61 fg.; der sultan sammlet zusammen allerlei gesind, die waren zum theil mit waffen staffiert, ... in summa eilfftausent. Schweigger reisbeschreib. (1619) 77; kauffleut, reuter, papisten und solchs gesind. Luther 5, 314ᵃ; erzag nit ab jrem (der kinder Israel) angesicht, dann es ist ein widerspännig gesind. Züricher bibel (1530) 385ᵇ, quia domus exasperans est Ezech. 2, 6;
unsre zeit und ihr gesinde
fressen geitzig und geschwinde
alles auff bisz an den grund.
Logau 1, 1, 63;
das menschliche, irdische gesinde, die menschen:
damit er speist die blödigkait
an menschlîchem gesind.
Osw. v. Wolkenstein 98, 1, 8;
wenn die guten fürsten geniusse sind, ..
die der (götter) tafel, wo der nektar rinnt,
sich begaben, blosz uns irdischem gesind' ..
dann und wann ein tröpfchen zuzumessen.
Wieland 9, 149 (an Olympia 3);
das theaterpublicum: Jahn Panszer geht ein, ist wunderlich gekleid, ... und wenn das gesind lacht, so lacht er auch. Ayrer 2589, 8 Keller.
b)
gattung, art: die fünften liute, die in dem fünften amte sint unde zuo dem fünfte kôre geordent sint, daʒ sint alle die daʒ ertrîche bûwent, sie bûwen wîn oder korn ... daʒ ist alleʒ éin gesinde und éin amt. Berthold v. Regensburg 1, 151, 16 Pf.; der tiuvel unde die gîtigen unde die ketzer unde die wider den heiligen geist dâ sündent, daʒ ist alleʒ éin kumpanîe und éin gesinde. 1, 245, 17, mit verächtlichem nebensinn, vgl. c; hie fragestu weiter, ob denn auch bötel, hencker, juristen, fürsprecher und was des gesinds ist, christen sein mügen. Luther 2, 197ᵃ, am rande der oberkeit diener;
die welt ist ein sardellensalat ...
fischlein, würstlein ...
kapern, so künftige blumen sind —
man schluckt sie zusammen wie éin gesind.
Göthe 47, 78.
c)
verächtlich, wie gesindel, pack, vgl. lumpengesinde theil 6, 1296, hudelmannsgesinde theil 4, 2, 1862, luntemannsgesinde, capita vilissima Stieler 2002, diebsgesinde theil 2, 1095: gesind, faex hominum Duez 193ᵇ; mhd. füeret in gegen dem galgen unde gegen des galgen gesinde (vorher die erhangenen unde die erslagenen). Berthold v. Regensburg 1, 395, 7 Pf.; damit von dem geböfel und mutwilligen gesind nit ain frevenlicher eingriff oder einfal in das frawencloster beschehe. Baumann quellen 2, 153;
am meisten treibts das bauren gsind
gantz grob und unbesunnen.
Körner hist. volksl. 252;
das unglaubig wuͤtig türkisch gsindt.
Schmelzl aussendung 14ᵃ;
dieses schwartz, ungestaltet und wildschweiffige gesind (die zigeiner). Wurstisen 240; all schalknarren und suppenfresser ... und ander dergleichen gesind, so nur zu der püeberei tet raten und helfen. Aventin. 4, 912, 19 Lexer; spermologos im griechischen heiszen lotterbuben, tyriackskremer, freiheten und des gesindes, das mit unnützem gewesch hin und wider im lande sich neeret. Luther randgl. zu ap. gesch. 17, 18 bei Bindseil 7, 553;
landfarer, kremer und betelgschlecht, ...
dergleich gsind, so dausz auff der straszen.
H. Sachs 4, 3, 56ᶜ;
schlosz Wiserad, in welchem sich ein haufen los gesindes aufhielte. Schütze 61; es mag sich ein jeder hüten vor mägden, ammen, bettelvolck, kleider-umträgerin und dergleichen liederlichem gesinde. A. Gryphius 1, 918 (im jahre 1662); leyrendreher, sackpfeiffer, huren und buben, kesselflicker, seiltantzer, gauckeler und ander leichtfertig gesind. Schuppius 68 (Salomo viii);
bettelprofeten und tänzer und gaukeler, all das gesind'.
Voss Horaz sat. 1, 2, 1;
von disem losen gesind (den loszforschern). Fischart Bodin. (1586) 188; das man mit schleiniger gerechtigkeit gegen disem gesind (zauberer und hexen) vollfahre. 618; woher kommt so viel närrisch und unsinniges gesind (hexen)? Simpl. 1, 178, 18 Kurz; dergleichen gottloses gesind (mörder und straszenräuber). Abr. a S. Clara gemisch gemasch 6;
das raubgesind, das liederliche volk
von unsern straszen zu vertreiben.
Göthe 10, 243 (Claudine 2).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1895), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4109, Z. 52.

gesunde, gesünde, fem.

gesunde, gesünde, fem.,
althochd. gasunti tutela Steinmeyer 1, 260, 29. mittelhochd. wb. 2, 2, 748ᵃ. Lexer 1, 936. gesuntî in der form gesuntei bei Khull 29 aus der Münchener bearbeitung von Notkers psalmen (an stelle von Notkers 'heil'); gesunde, sanitas. Henisch 1581. vereinzelt auch im mnd. Schiller-Lübben 2, 86. die verwandten sprachen haben ableitungen mit anderem suffix, das sich theilweise wol auch in unseren unumgelauteten formen geltend macht, vgl. gesynto Leo; sunda bei Hettema idiot. frisicum. in den obliquen formen finden mischungen mit dem vorhergehenden femininum statt:
so wirt dir dîn gesunde.
Ebernant v. E. 1758 vgl. hierzu Bechstein;
kere dich zu mer, blinder man
ich enwel hude nicht lan,
mines vatter willen saltu thun,
von mer saltu din gesunde entphan.
Alsfelder pass. 1607;
hei sal uch gesunde verlien
wilt ir in eren unde minnen
unde werden cristen in sime namen.
Hagen (chron. v. Köln) d. städtechron. 12, 37;
so czweyfelt mir nicht, mein gesunde mir pald wider kem. Dekameron 364, 36 Keller; die förenen habend vil gleychnusz mit den salmen .. der gewalt, stercke und geschwindigkeit der sprüngen, liebligkkeit und gesünde in der speisz. Forer fischbuch 173ᵇ;
Annelein, wohl in der zwölften stunde
geh ich im läger wohl auf die runde;
denk hindersich, bitt gott für mich
damit mich gott erhält in der gesunde.
Hoffmann gesellschaftsl.² no. 283 (flieg. bl. anf. 17. jh.).
im mundartlichen gebrauch ist noch heute in Vorarlberg die g'sünde, die durch die analogie mit dümme, gröbe gestützt wird: er waesz net wasz tue vor lauter g'sünde. Frommann 4, 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1897), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 4317, Z. 78.

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„gesünde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/ges%C3%BCnde>, abgerufen am 07.12.2021.

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