Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gefach, n.

gefach, n.
verstärktes fach, M. Krämer it. wb. (1678) 511ᵇ, der auch gefächlein gibt, casella; es ist im westen die form für fach, vergl. auch gefäch.
1)
bücherfach, actenfach u. ähnl.: der bibliothekar, der den Socin neben den Augustin in ein gefach gestellt hat und mit herzlichem eifer gegen die ehemaligen besitzer der bibliothek, die jesuiten loszieht. Forsters briefw. 1, 407; ein kunstschrank, in welchem die curiosa und kostbarkeiten in drei gefächern aufgestellet und abgetheilt sind. H. S. Hüsgen nachr. von Frankfurter künstlern u. kunstsachen Frankf. a. M. 1780 s. 227, folgt dann erstes, zweites, drittes gefach 228 ff.; neue actengefache wurden 1860 in Frankfurt zur lieferung ausgeschrieben; jetzt stehn in den bibliotheken ganze gefache von altdeutschen büchern erfüllt. J. Grimm oben 1, vii, es ist auch in Hessen die ausschlieszlich herschende form. luxemb. gefâch, plur. gefæcher, in kasten, schränken u. dgl. Gangler 168.
2)
auch bildlich, arbeitsfach: herr prof. Waldin in Marburg wird hinfüro ordentlich mitarbeiten (an den Frankf. gel. anz.), desgl. hr. d. Bahrdt in Gieszen, jeder in seinem gefach .. hier ist noch ein mann im gefach der botanic .. und im gefach der schönen wissenschaften ein freund des herrn Merks (Göthe). Deinet an Raspe febr. 1772, weim. jahrb. 6, 81.
3)
auch vom fachwerk im hausbau (s. unter fach 5): an der giebelwand steht das eine gefach offen, und wie viel mal man auch versucht hat es zuzumauern, am nächsten tage ist es stets wieder zerstört gewesen. Hoffmeister hess. volksdichtung 174; die spiegel (flächen, felder) der gefächer waren ehedem weisz getüncht, jetzt sieht der gelbe lehm überall naseweisz durch. v. Horn rheinische dorfgesch. (1854) 1, 57. vgl. gefachspiegel.
4)
aber auch alterthümlicher: Phares genannt, die weil er das gefach des mütterlichen leibes zerrissen (bei der geburt). Schmeller² 1, 685 aus 'Hiebers pred.', s. dazu u. fach 8 mhd. vach vom mutterleibe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1878), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 2058, Z. 55.

gefach, adv. und adj.

gefach, adv. und adj.,
häufig, oft u. a. (s. 3).
1,
a)
im 14. 15. jh. erscheint ein md. gevach, im nordosten, in der bedeutung: oft wiederholt, häufig:
(wurden sie beschossen) mit manchim scharfin pfîle,
dî bin des sturmes wîle
ûf si vlugin sô gevach,
daʒ al ir wer dâ von vorbrach.
Jeroschin 109ᵈ;
daʒ (stechen und schlagen) tribbin si alsô gevach,
unz dâ vor in manicvach
der heidin lagen lîbes swach.
162ᵃ;
gevach man mit den blîdin warf
zû dem hûse steine grôʒ.
86ᶜ;
daʒ her (der Preuszen) vil und gevach vorsuchte, und schuf dach allis nicht (erreichte gar nichts). scr. rer. prass. 3, 541, vil und gevach, wie mhd. dicke unde vil u. ähnl.; gefach und viel, oft und viel bringt J. Grimm unter fach 6 aus 'einer schrift von 1460'.
b)
in den stellen bei Jeroschin (auch 63ᵃ. 102ᶜ) nahm es Pfeiffer s. 163 gleich mhd. gevêch feindselig und schrieb gevâch, welcher lautlich und sachlich unmögliche notbehelf dann in die mhd. wbb. u. s. w. ungeprüft übergieng. es entspricht aber dem nd. nl. vaken häufig (mnd. vakene Dief. 527ᶜ, vake nov. gl. 335ᵇ), dessen zusammenhang mit hochd. fach J. Grimm oben III, 1220 beleuchtet. das md. gevach ist eine wertvolle selbständige bildung, von der nd. unabhängig, vach ungefähr gleich 'mal', wie ähnlich noch in vielfach, hundertfach, die zusammenfassung vieler wiederholter male durch ge- bezeichnet; zur übertragung auf die zeit vergl. nnl. tijdvak zeitraum, periode, schon ags. fäc (a. a. o.).
c)
auch bei einem oberd. dichter erscheint es zwar, einem Tiroler:
(ich ward so vergeszlich) so das mein schreiber dick gefach
klagt seinen groszen ungemach.
Osw. v. Wolkenstein s. 67 (XV, 3, 12),
'dick gefach' für dick und gefach, wie für dick unde vil später oft dickvil (z. b. Dief. 527ᶜ);
wie vil mir eren ie beschach
von fürsten, künigen gefach.
s. 32 (III, 2, 2);
herzog von Prig was nit ain tor,
der lag gevach in sorgen.
42 (VI, 82);
aber Oswald hatte es in Preuszen angenommen bei seinem langjährigen aufenthalt dort in jungen jahren. der herausg. und das mhd. wb. mühten sich wunderlich mit dem unmhd. worte.
2)
es taucht aber noch im 17. jh. bei dichtern auf, gleichfalls im osten, in Schlesien, ohne zweifel aus der volksrede aufgenommen (doch nicht mehr in Weinholds schles. wb., auch nicht bei Steinbach):
(das ist bequemer) als wenn du so gefach solt hin und wieder gehn.
W. Scherffer grob. 22 (Fromm. 4, 166);
ihr jungfern, glaubt es nur, dasz euch (so l.) das wort zu führen
so frech und so gefach gar schwerlich wil gebühren.
Logau 2, 3, 59 s. 67 (Amadisjungfern).
auch als adj. gebraucht:
was könnt ihr ältern mehr dem todten sohne schenken ..
als ein gefaches ach gepresset aus dem herzen.
Hoffmannsw. begräbnisged. 68 (1700 s. 65).
3)
merkwürdig aber auch für bereit, erbötig, im 17. jh.:
drumb da nu ihnen wird zu schweren anbefohlen,
sind sie gefach hierzu, und denken nicht eins dran,
dasz gott im himmel sei, dem nichts ist unverholen.
Joh. Franckens Susanna von 1150 (in s. geistl. Zion u. s. w. Guben 1674).
keine spur sonst davon, wenn man es nicht auch in Logaus frech und gefach vorhin finden will. auch wie es zu der bed. kommen soll, ist dunkel. Francke war ein Lausitzer, aus Guben.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1878), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 2059, Z. 11.

gefäch, n.

gefäch, n.
collectivische bildung zu fach, gefach, vom Westerwalde bei Schmidt 66 (der gfäg schreibt), fach in einem schranke und im hausbau (s. gefach 3); für letzteres gibt er s. 220 gefach, plur. gefache als dortige form, also neben gefäch bestehend. s. auch Kehrein Nassau 1, 155.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1878), Bd. IV,I,I (1878), Sp. 2059, Z. 76.

gesachen, verb.

gesachen, verb.
wie einfaches sachen, verursachen, zufügen: nu ist das alles hingelegt und iede partei kaine der andern hinfür der veintschaft halben kain args zu gesachen oder tun in kainerlei weis. städtechron. 10, 616, 22 (Nürnberg, von 1500).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3782, Z. 30.

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Zitationshilfe
„gesachen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesachen>, abgerufen am 08.12.2021.

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