Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

gesage, n.

gesage, n.,
mit umlaut gesäg, geseg, subst. verb. zu sagen.
1)
ein mehrmaliges oder wiederholtes sagen, gerede: ach vater, sagt, was ihr uns zu sagen habt. über das gesage (geplauder) geht mehr zeit hin, als wir verschlafen. Weisze kom. opern 3, 226, über dem gesage ausgabe von 1777; es ist ein groszes gesage davon. Krämer 540ᵃ;
da mit sy zoghen hyr einweg,
altzit docht ich an das geseg.
Dief.-Wülcker 614 (Frankf., von 1501)
und sprach bald: fort (führt) mir in einweg
heimlich dos nyt werd ein geseg.
ebenda;
wenn die mutter wolte wissen,
wenn mich junggesellen küssen,
ei so währte das gesage
alle stunden, alle tage.
Picander 2, 266.
2)
aussage: nu sol man wiszene, daʒ dirre krieg und strit beschriben sint und wurdent zu latine, von biderber lüte gesege, di bi disen dingen zuͦgegene worent. Closener in städtechron. 8, 89, 3;
(leibweh) welchs so bös was, nach jrer gesag,
das sie am rücken allzeit lag.
Fischart dicht. 1, 241, v. 4307 Kurz.
3)
gerede, gerücht: es gehet das gesage, dasz ... Adelung.
4)
mit verächtlicher nebenbedeutung, leeres oder unwahres gerede, geschwätz Kramer 2, 94ᵃ: disz ding war ein gesäg, darein ich mich nicht richten konte. Simplic. 3, 92, 6 Kurz; gleichwohl finden die Jöcher und Heineccius noch immer ihr vergnügen daran, das gesage des Budowez und Heberer nachzuschreiben, welches man durch Gerlachen offenbar der lüge überführen kann. Lessing 9, 414; ich bin gar nicht geneigt, auf das boshafte gesage zu hören, dasz eine verheirathete dame, die ihre reize so sorgfältig auskramt, nicht blosz ihren mann zu vergnügen, sondern auch liebhaber zu bestricken suche. Hölty der kenner 147.
5)
gesage, die tadelnde bezeichnung der erzählungsweise, wenn jemand allzu oft die wendungen 'wie gesagt', 'sagte ich', 'da sagte er' u. s. w. gebraucht. vergl. gesâtze unter ge II, 5, c, δ sp. 1616.
6)
im oberdeutschen auch für befehl, commando, gewalt, das höchste oder oberste gesage, die höchste gewalt Adelung: der churfürst von Brandenburg war die seele des reichsheers, ob er gleich nicht das höchste gesage hatte. Heynatz antibarb. 2, 38; ebenso ostfries. gesag, befehl, macht, auctorität, das grosze wort ten Doornkaat-Koolman 1, 614ᵃ. Stürenburg 69ᵃ, und in gleicher bedeutung mnl. ghesagh, gesegh Kilian, nnl. gezag.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1892), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3782, Z. 76.

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Zitationshilfe
„gesage“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/gesage>, abgerufen am 06.12.2021.

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